Lieber Thomas Girbl, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Seit ich meine Galerie in der Künstlerstadt Gmünd betreibe, beginnt mein Tag mit einer Fahrt vom Faaker See dorthin – rund 45 Minuten durch Landschaften, die mir wie ein stiller Übergang erscheinen. Im Auto höre ich Podcasts, lasse Gedanken kreisen, finde Ruhe vor dem Kunstbetrieb.
Um 10 Uhr öffne ich die Galerie. Ich lasse Menschen eintreten, die in der warmen Sommerzeit wortwörtlich in Kunst baden – sie kommen aus Neugier, manche aus tiefer Sehnsucht, und so entstehen Gespräche, die berühren und nachwirken.
https://www.kuenstlerstadt-gmuend.at/kulturorte/galerieatelier-thomas-girbl
Neben dem täglichen Galeriegeschehen arbeite ich an kommenden Projekten – darunter eine Ausstellung in Tirol, bei der auch eine Live-Performance stattfinden wird. Es geht immer weiter, auch wenn Feuer und Asche oft den Moment still erscheinen lassen.
Am Abend, wenn die Lichter in Gmünd verlöschen, fahre ich zurück. Und oft springe ich dann selbst ins Wasser – in den Millstätter See oder den Faaker See. Als würde das Wasser aufnehmen, was das Feuer zurückgelassen hat.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ehrlichkeit. Und eine neue Tiefe im Zuhören. In einer Welt voller Ablenkungen und Masken sehnen wir uns nach etwas Echtem. Nach Nähe, nach Stille, nach Dingen, die bleiben. Die Kunst kann das geben – wenn wir uns trauen, nicht nur zu schauen, sondern wirklich zu empfinden.

Burnig Lightobject „Lightshine“
https://www.girbl.com/kunstwerke-1/abstrakt-auf-leinen/
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

https://www.girbl.com/kunstwerke-1/abstrakt-auf-holz/
Was liest Du derzeit?
Ich lese gerade „Die Asche meiner Mutter“ von Frank McCourt – eine ehrliche, rohe Erzählung über Kindheit und Armut, die tief unter die Haut geht. Daneben begleiten mich Texte von Jean Genet, Hannah Arendt und Notizen aus eigenen Skizzenbüchern. Worte, die leise nachhallen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Aus der Asche kann auch Schönheit wachsen.“
Ein Satz aus meinem eigenen Schaffen – aber einer, der mir bleibt. Weil er Hoffnung birgt. Weil er Wandel zulässt. Weil er sagt: Zerstörung ist nicht das Ende. Es ist ein möglicher Anfang.
Vielen Dank für das Interview, lieber Thomas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
Vielen Dank, lieber Walter, für Deine Fragen – und für Deinen Raum, in dem Worte atmen dürfen.
Herzlich, Thomas Girbl
5 Fragen an Künstler*innen: Thomas Girbl, Künstler
Zur Person/über mich: Thomas Girbl _ Burning Pictures.
Seit einem Vierteljahrhundert brennt das Feuer von Burningpictures– einer Kunstform, die aus Zerstörung Schöpfung macht. Thomas Girbl, geboren 1970 in Salzburg, begann seine künstlerische Laufbahn an der HTBLA in Ferlach, wo er sich auf Prägestöcke für Münzen und Medaillen sowie den Stahlstich spezialisierte. Diese präzise Handwerkskunst führte ihn durch Österreich und Deutschland, doch sein künstlerischer Weg sollte eine unerwartete Wendung nehmen. 1997/98 in Australien wurde das Feuer zur treibenden Kraft seiner Kunst. Die unbändige Energie der Buschfeuer– zerstörerisch und zugleich faszinierend– ließ ihn das Element nicht mehr als Gefahr, sondern als schöpferische Kraft begreifen. So entstand Burningpictures, eine revolutionäre Technik, die das Feuer selbst als Medium nutzt und eine unverwechselbare Ästhetik aus Brandspuren und verkohlten Strukturen erschafft.
Seit 1998 arbeitet Girbl als freischaffender Künstler am Faaker See, wo er seine Technik unermüdlich weiterentwickelt. 25 Jahre Burningpictures stehen für ein Vierteljahrhundert Innovation, Leidenschaft und Transformation– von der präzisen Gravur zur expressiven Malerei mit Flammen.
„Feuer zerstört, aber es erschafft auch– meine Kunst ist ein Dialog mit den Flammen.“
Thomas Girbl
Die Reise geht weiter
Ausstellungen
Selektion Einzelausstellungen
2025
Künstlerstadt Gmünd 2. Mai bis 30.Oktober
Art Fair Innsbruck 24. Bis 26. Oktober
Ausstellung im Das Kronthaler am Achensee mit Live-Performance
Ausstellungszeitraum: 1. November 2025 bis 31.Jänner 2026
Erleben Sie die faszinierende Kunst von Thomas Girbl live im Das Kronthaler. Die Ausstellung wird durch eine eindrucksvolle Live-Performances ergänzt, bei denen der Künstler seine einzigartigen Burningpictures vor den Augen der Besucher entstehen lässt. Ein Erlebnis, das Sie nicht verpassen sollten!
2024
Galerie Burningpictures Künstlerstadt Gmünd, Hauptplatz 19
TrendSet Fine Arts, München
2023
Schloss Grafenegg, Niederösterreich
WohnenInterieur, Wien
Kunstreise nach Uruguay
Während einer inspirierenden Kunstreise nach Uruguay hatte ich die besondere Gelegenheit, den renommierten Bildhauer Pablo Atchugarry in seinem Atelier bei der Fundación Pablo Atchugarry kennenzulernen. Diese Begegnung und die Eindrücke vor Ort bereicherten mein künstlerisches Schaffen und verstärkten die internationale Ausrichtung meiner Arbeit.
Fotos: Thomas Girbl https://www.girbl.com/
Walter Pobaschnig 1/7/25