
Erinnerung an_ Barbara Frischmuth, Schriftstellerin *5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Interview _ Monika Vasik, Schriftstellerin
Liebe Monika, welche Erinnerungen hast Du an Barbara Frischmuth als Kollegin? Gab es persönliche Begegnungen und wie hast Du diese erlebt?
Ich bin Barbara Frischmuth lange nur in ihren Büchern begegnet. Im September 2022 habe ich sie auch persönlich getroffen, als ich ihre Lesung aus dem Buch „Der unwiderstehliche Garten. Eine Beziehungsgeschichte“ bei den Literaturtagen im Weinwerk moderierte. Die damals 81-jährige ist erst am selben Tag mit einer Freundin aus Altaussee angereist und wirkte nach der langen Autofahrt zunächst ein wenig müde. Nichts davon war bei ihrer Lesung zu bemerken. Auch bei unserem Gespräch auf dem Podium war sie zugewandt und wirkte in sich ruhend, meinungsstark, dennoch bescheiden. Beim gemütlichen Nachspann erzählte sie, dass sie an ihrem nächsten Buch arbeite. Es sei „wieder“ ein Gartenbuch, weil sich das der Verlag von ihr wünsche. Dabei schmunzelte sie, meinte, dass das Thema Garten für sie ja schon ziemlich ausgeschöpft sei, aber diesmal ginge es um Gartengeräte. Lieber, meinte sie, würde sie allerdings weiter an literarischen Texten arbeiten, aber die müssten jetzt eben noch ein wenig warten. Das angesprochene Buch „Schaufel, Rechen, Gartenschere. Was die Hände brauchen“ erschien dann wenige Monate später in der Reihe Dinge des Lebens im Residenz Verlag.
Was macht für Dich das Werk von Barbara Frischmuth aus und wie ist dieses in die österreichische Literaturgeschichte einzuordnen?
Ich bin weder Germanistin noch Literaturwissenschaftlerin, Frischmuths Platz in der österreichischen Literaturgeschichte mögen daher andere beurteilen. Als Leserin und Schriftstellerin beeindruckt mich die stilistische und thematische Vielfalt sowie die außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit ihres Schaffens und ihre sprachliche Sorgfalt. Ich schätze auch Frischmuths Belesenheit sowie ihr breit gestreutes Interesse, vor allem ihre Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften, denen ich nahestehe, und mit der Philosophie, die sie immer wieder in ihre Bücher einfließen lässt.
Gibt es ein Lieblingsbuch von Ihr und warum dieses?
Meiner Erinnerung nach haben wir in der Schule nie ihren Namen gehört, weil wir fast nur Texte männlicher Autoren durchnahmen. Als junge Frau aber stolperte ich in einer Buchhandlung über Frischmuths Romandebüt „Die Klosterschule“, eines der wenigen Bücher, das ich mehrmals gelesen habe, dessen Sprache mich damals begeisterte und bis heute packt. An ihren Naturbüchern wie „Der unwiderstehliche Garten“ oder „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ schätze ich u.a. ihre Kritik an der „humanen Überheblichkeit“, die gelegentlich aufblitzende (Selbst)Ironie und wie Frischmuth ihre Beschäftigung mit Natur und Literatur, aber auch mit anderen Fachgebieten ineinanderfließen lässt. Für sie war der Garten „eine Ansammlung von Leben, in der Pflanze Tier und Mensch ihren Platz finden“. Er machte „ästhetische[s] Vergnügen“, „gute Laune und eine Art körperliches Glücksgefühl“. Durch ihn begriff sie die Bedeutung von Symbiosen in der Natur, die Macht der Pilze, die eine „kooperative Untergrund-Ökonomie“ mit anderen Pflanzen eingehen, aber auch, dass Gärten keine Idylle sind und „dass jedes Verschwinden eine Leerstelle hinterlässt.“
Welche Inspiration hinterlässt Ihr Schreiben, Ihre Weltsicht, Ihr Künstlerinsein?
Vielleicht vorrangig ihre Behutsamkeit, ihre Neugier, ihr begabtes Staunen sowie ihr beispielhaftes Festhalten am „trotzdem“: Barbara Frischmuth hat sich in einer patriarchal durchtränkten Gesellschaft als Autorin etabliert und interessante Frauenfiguren in ihrer Prosa erschaffen. Sie hat hartnäckig an ihrem Schaffen festgehalten und obendrein vorgelebt, dass man bis ins hohe Alter literarisch produktiv sein kann, weil „ein schmerzender Rücken manchmal glücklicher macht als die Idee, es sich im Alter immer bequemer machen zu müssen“.
Gibt es ein Zitat/eine Textstelle von Ihr, die Du uns noch mitgeben möchtest?
Ein Zitat, das sowohl für ihre Literatur, ihr Leben wie auch ihr Arbeiten im und mit dem Garten stehen kann: „Es blieb nur die Methode von trial and error, die ich auch gehörig nutzte, indem ich meiner Phantasie entsprechend Raum ließ. Dabei verliefen die trials der vielen errors wegen (Überschätzung, Unterschätzung, schlichte Unwissenheit und unerfüllte Erwartungen) bei weitem nicht immer so, wie ich es mir gedacht hatte.“
Vielen Dank für das Interview!

*5.7.1941 Altaussee +30.3.2025 Altaussee
Barbara Frischmuth, Schriftstellerin
geboren 1941 in Altaussee, studierte Türkisch, Ungarisch und Orientalistik und war seitdem freie Schriftstellerin. Die mehrfach ausgezeichnete Autorin lebte seit 1999 wieder in Altaussee. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Romane „Die Klosterschule“ (1968), „Die Mystifikationen der Sophie Silber“ (1976) oder „Kai und die Liebe zu den Modellen“ (1979), aber auch ihre zahlreichen Gartenbücher. Zuletzt im Residenz Verlag erschienen: „Natur und die Versuche, ihr mit Sprache beizukommen“ (2021)„Schaufel, Rechen, Gartenschere“ in der Reihe „Dinge des Lebens“ (2023) und „Die Schönheit der Tag- und Nachtfalter“ (2025). Der Residenz Verlag trauert um Barbara Frischmuth 31.3.2025

Monika Vasik, Schriftstellerin
Zur Person: Monika Vasik, Schriftstellerin
Lyrikerin, Rezensentin, Moderatorin, Ärztin _ Wien
Fotos_
Portrait Barbara Frischmuth: Franz Johann Morgenbesser
Portrait Monika Vasik: privat
Walter Pobaschnig 4.4.2025





















































