Erinnerung an Helena Adler _ „ich sehe sie noch immer dort stehen, in dem beigen Mantel, mit dem warmherzigen Lächeln“ Kaska Bryla, Schriftstellerin _ Wien 7.1.2024

Erinnerungen an Helena Adler _ Kaśka Bryla, Schriftstellerin

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Liebe Kaśka Bryla, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler, Schriftstellerin (Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024  *1983) ?

Unsere Bücher „Die Infantin trägt den Scheitel links“ und „Roter Affe“ erschienen beide im Herbstprogramm 2020, also mitten in der Pandemie, im Lockdown, nachdem die Frühlingsprogramme mehr oder weniger untergegangen waren. Online Lesungen hatten begonnen und viele Kulturschaffende spezialisierten sich auf Podcasts, um neue Autor*innen zugänglich zu machen. Wie so viele, nutzte ich diese Möglichkeiten und hörte mir das Gespräch zwischen Helena Adler, Irene Zanol und Victoria Strobl bei Auf Buchfühlung an, musste unglaublich viel lachen und schrieb ihr daraufhin eine PM über FB:

9.Feb.2021, 9:45

Liebe Helena, ich habe das Gespräch mit dir auf Auf Buchfühlung gehört und wollte dir nur sagen, dass ich die Idee, das eigene Buch einfach zu den Bestsellern zu stellen, ein Foto zu machen und es zu posten, wirklich, wirklich großartig finde. Chapeau!

Eine knappe Stunde später schrieb sie zurück und so begann unser Austausch, bis wir uns im Mai 2021 beim Salzburger Literaturfestival endlich persönlich kennenlernten. Stephie kam zur Lesung von mir und Birgit Birnbacher. Sie hielt eine Ausgabe des Roter Affe in der Hand. So stand sie da, mit diesem warmherzigen Lächeln und winkte mit dem Buch. Wie lässt sich dieses Gefühl beschreiben.

Ich war unendlich aufgeregt. Es war eine meiner ersten Lesungen vor analogem Publikum. Wenn ich zurückdenke, sehe ich sie noch immer dort stehen, in dem beigen Mantel, mit dem warmherzigen Lächeln. Die großartige Autorin und zugewandte Kollegin. Nach der Lesung schickte sie mir Fotos, damit ich sie posten konnte.

Immer bin ich davon ausgegangen, dass wir einander noch oftmals begegnen würden, nicht nur für kurze Chats im Netz, in denen wir einander in der gegenseitigen Arbeit als Autorinnen bestärkten. Immer bin ich davon ausgegangen, noch viele Texte von ihr zu lesen.

Im September 2022 hörte ich mir das Gespräch zwischen Helena Adler und Katja Gasser im Rahmen des Gastland Österreich Auftritts bei der Leipziger Buchmesse an. Fretten war gerade erschienen. Wieder so ein geistreicher Roman.

Stephie (Helena), Du und Deine Literatur werden fehlen.

Kaśka Bryla, 7.1.2024

Herzlichen Dank für Deine Erinnerungen, liebe Kaśka!

Kaśka Bryla, Schriftstellerin

Kaśka Bryla, Schriftstellerin

https://www.kaskabryla.com/

Foto: Carolin Krahl

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg  

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/  6.1.2024

Bücher:  

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/   

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/ 

Interview:

 https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos Helena Adler_Eva Trifft/Jung und Jung

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 7.1.2024

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„Menschlichkeit darf nicht in Vergessenheit geraten“ Carola Christiansen, Schriftstellerin _ Hamburg 7.1.2024

Liebe Carola Christiansen, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Manchmal arbeite ich bis spät in die Nacht, dann stehe ich entsprechend spät auf. Ich war jahrelang im Schichtdienst, deshalb genieße ich die Unabhängigkeit wahrscheinlich besonders – diese Freiheit, selbst zu entscheiden, WANN ich mit meiner Arbeit beginne. Ebenso WO ich arbeite, ich schreibe zum Beispiel gern im Bett – manchmal auch im Café, oder (mit Block und Bleistift) nach dem Fitness-Training im Ruheraum.

Natürlich gibt es auch Termine, die feste Zeiten erfordern, wie Lesungen oder Interviews. Oder ein Treffen mit Freunden. 😉

Carola Christiansen, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, wir brauchen Zusammenhalt und einen Blick fürs Ganze. Wir müssen über unsere Tellerränder schauen und andere wahrnehmen. Mit allem was dazu gehört. Für einige überwiegen stets mögliche Probleme, manche sehen alles rosarot. Meiner Meinung nach wäre es wichtig, lösungsorientierter zu denken. Menschlichkeit darf dabei nicht in Vergessenheit geraten, sowie das Bewusstsein für Realität – wie gut es uns (fast) allen geht.

Verständnis für die Meinung anderer ist wichtig. Diskussionskultur. Respekt.  Zuversicht.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Literatur hat den Auftrag aufzuklären und zu spiegeln. Doch auch zu unterhalten, zu trösten und manchmal aus der Realität zu entführen.

Wichtig ist ein objektiver Blick auf die Weltlage, besonders im Journalismus. Keine Angstmacherei, obwohl das die höchsten Auflagen beschert. Vorsicht vor jeder Form von Populismus!

Kunst ist Nahrung für die Seele und die Sinne. Sie kann sowohl beruhigen, als auch aufrütteln und nachdenklich stimmen. Im besten Fall zur Reflexion anregen. Dadurch hat sie großen Einfluss.

Was liest Du derzeit?

Leider komme ich derzeit kaum zum Lesen, ich arbeite sehr viel an eigenen Projekten. Früher habe ich mehrere Bücher in der Woche gelesen. Im Moment lese ich, wenn ich es schaffe, vor dem Einschlafen Krimis von den Shetlands. Von der Autorin Marsali Taylor, die ich auf der „Shetland Noir“ (Krimifestival auf den Shetlands) besucht habe. Die Bücher passen wunderbar in die kalte Jahreszeit, entspannen mich und entführen mich weiter in den Norden.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Nicht im klein-klein verzetteln. Wir sind alle eins, wir sind die Menschheit. Großzügigkeit und Toleranz sind immens wichtig. Wir müssen unsere eigene Identität und Individualität dafür nicht aufgeben.

Stellen wir uns einmal vor, die Erde würde von Wesen eines anderen Planeten angegriffen. Plötzlich gäbe auf unserer Welt einfach nur noch Erdbewohner. Hautfarbe, Religion, sexuelle Ausrichtung, all das wäre mit einem Schlag gleichgültig.
Bis auf den Angriff – ein erstrebenswerter Zustand!

Vielen Dank für das Interview, liebe Carola, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler:innen:

Carola Christiansen, Schriftstellerin

Zur Person _ Carola Christiansen ist in Hamburg geboren und größtenteils aufgewachsen. Bevor ihr Hobby zum Beruf wurde, arbeitete sie für eine Fluggesellschaft. Sie ist viel gereist, hat in Hongkong, Luxemburg, Dänemark und Venedig gelebt, doch es zog sie immer zurück an die Elbe.

Mittlerweile schreibt sie hauptberuflich und hauptsächlich Krimis – ihre Recherche führt sie (glücklicherweise) weiter in der Welt herum. Unter dem Motto: Spannung made in Altona, entwickelte sie u.a. ihren Hamburger Hauptkommissar Siegfried Adam.

Sie war drei Jahre Präsidentin der „Mörderischen Schwestern“. 

www.christiansen-KRIMI.com

Bibliografie:


Erstes Buch: »Der andere Zwilling«, (492 Seiten), Anfang 2018 selbst verlegt.

Zweites Buch: »Die rätselhafte Frau«, (433 Seiten), 2019 im Verlag Ellert & Richter erschienen.

Drittes Buch: AT »Die Robbenfrau«, ein Färöer Krimi, (ca. 360 Seiten), wird 2024 im Gmeiner Verlag erscheinen.

Anthologien:

»Die gruseligsten Orte in Hamburg«
Gmeiner Verlag, Hrsg. Lutz Kreutzer/Uwe Gardein:
»Der Axtmörder von Altona« Mein Beitrag spielt in Hamburg/Altona.


»In 18 Morden um die Welt«
Leinpfad Verlag, Hrsg. Fenna Williams/Petra K. Gungl:
»Ghana in schwarz-weiß« Mein Beitrag spielt in Ghana.


»Tour de Mord«
Benevento Verlag, Hrsg. Carola Christiansen/Mareike Fröhlich:
»Ein tragischer Fall« Mein Beitrag spielt in St. Anton am Arlberg.


»Tatort Nord«
Harper Collins Germany, Hrsg. Anke Küpper/Franziska Henze/Yvonne Wüstel: »Fatale Heimkehr« Mein Beitrag spielt in Friedrichskoog.


»Tatort Nord 2«
Harper Collins Germany, Hrsg. Anke Küpper/Franziska Henze/Yvonne Wüstel: »Kommissar Adam und der Tod im Stuhlmannbrunnen«
Mein Beitrag spielt in Hamburg/Altona.

»Heu und Stroh«
PMLakeman-Verlag, Hrsg. Patrizia Prudenzi/Ingrid Reidel, Oktober 2023
»Heu und Stroh« Mein Beitrag spielt in Irland, 12./13. Jahrhundert

»Die schaurigsten Orte Norddeutschlands«
Gmeiner Verlag, Hrsg. Lutz Kreutzer, Erscheinungsdatum 2025
AT »Landunter« Mein Beitrag wird auf der Hallig Hooge spielen.

Foto_ Sascha Lueken

Walter Pobaschnig _ 27.12.2023

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Erinnerung an Helena Adler _“ihre kraftvolle, packende Sprache hat mich sofort weggeblasen“ Stefan Kutzenberger, Schriftsteller _ Wien 6.1.2024

Worte zum Tod von Helena Adler _ Stefan Kutzenberger, Schriftsteller

 + 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Lieber Walter,

so erschüttert ich auch über den Tod von Helena Adler bin, so wenig kann ich leider sagen, da ich sie bisher nur vom Namen und von Buchtiteln her kannte. Ich habe mitgekriegt, dass sie beim Bachmannpreis nicht mitmachen konnte und mich gewundert, was sie wohl haben könnte, aber trotzdem nicht nach einem ihrer Bücher gegriffen. Erst jetzt habe ich die ersten Seiten ihrer letzten beiden Romane gelesen, und alles, was ich darüber gehört habe, stimmt: ihre kraftvolle, packende Sprache hat mich sofort weggeblasen.

Mein Neujahrsvorsatz war, mich mehr am literarischen Leben zu beteiligen, mich öfter mit Kolleginnen und Kollegen zu treffen. Es war ein frommer Wunsch, aber Stephanie werde ich nun nicht mehr kennenlernen.

Fretten war ihrem Sohn gewidmet, das schnürt einem jetzt das Herz zusammen. Sie ist in Salzburg geblieben, um in der Nähe ihrer Eltern zu sein, wenn diese alt werden und sie brauchen. Und jetzt so. Angesichts dessen wird, wie Thomas Bernhard für immer gültig gesagt hat, alles andere lächerlich.

Danke, lieber Walter, dass Du dich so einsetzt, Helena Adler würdig zu gedenken!

Sehr herzlich und mit den besten Grüßen,

Stefan  6.1.2024 

Herzlichen Dank für Deine Worte , lieber Stefan!

Stefan Kutzenberger, Schriftsteller

Stefan Kutzenberger, Schriftsteller

Foto_EK

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg in einem Opel Kadett.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg  

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/  6.1.2024

Bücher:

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/   

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/ 

Interview:

 https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos Helena Adler_Eva Trifft/Jung und Jung

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 6.1.2024

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Erinnerung an Helena Adler _ „In ihrer Generation war sie sicher ein Solitär“ Felix Kucher, Schriftsteller _ Klagenfurt 6.1.2024

Interviewzum Tod von Helena Adler _ Felix Kucher, Schriftsteller

 + 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Lieber Felix Kucher, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler?

Wir haben uns leider nie persönlich kennengelernt. Ich habe sie aber bei Lesungen auf Buchmessen erleben dürfen.

Wann, wie begegnete Dir der erste Text von Ihr und welche Wirkung hatte dieser auf Dich?

Ich glaube, das war in einem Reader mit Romananfängen von Büchern, die für den österreichischen Buchpreis 2020 nominiert waren. Erste Reaktion: Wieder ein Antiheimatroman. Zweite Reaktion: Sie macht das sehr gut, geht einen eigenen Weg, Josef Winkler goes Popliteratur.

Was zeichnete Ihr Schreiben für Dich aus?

Die Sprache finde ich bemerkenswert: Ein eigenwilliger, kräftiger Stil, deftige Metaphern, originelle Wendungen.

Wie hast Du Helena Adler als Kollegin erlebt?

Hatte leider nie persönlichen Kontakt.

Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?


Oft wird das Etikett „Anti-Heimatroman“ vergeben, das so problematisch ist wie jede Zuordnung. Aber ja, sie steht eindeutig in dieser Tradition, Innerhofer, Winkler, Reinhard P. Gruber, auf grotesk und brachial (wie sie selbst in einem Interview sagt) gebürstet.

Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?

Ihren Debütroman Hertz 52 kenne ich leider nicht. Mit der „Infantin“ und „Fretten“ hat sie aber eindeutige Marken in der österreichischen Literatur hinterlassen. In ihrer Generation war sie sicher ein Solitär.  

Herzlichen Dank für das Interview, lieber Felix!

Felix Kucher, Schriftsteller _ Klagenfurt

Felix Kucher, Schriftsteller

Zur Person_Felix Kucher, geboren 1965 in Klagenfurt, aufgewachsen in Völkermarkt. Studium der Klassischen Philologie, Theologie und Philosophie in Graz, Bologna und Klagenfurt.

Mag. et Dr. phil. Schulleiter. Lebt und arbeitet in Klagenfurt und Wien. 

https://felix.kucher.at/

Fotos_Paul Feuersänger

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg in einem Opel Kadett.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg  

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/  6.1.2024

Bücher:

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/  

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/

Interview:

 https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos Helena Adler_Eva Trifft/Jung und Jung 

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 6.1.2024

https://literaturoutdoors.com

Erinnerung an Helena Adler _ „Eine herrlich bös erfrischende Stimme der österreichischen Anti-Heimat-Literatur“ Eva Holzmair, Schriftstellerin _ Wien 6.1.2023

Interviewzum Tod von Helena Adler _ Eva Holzmair, Schriftstellerin

 + 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Liebe Eva Holzmair, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler ?

Generell: Eine herrlich bös erfrischende Stimme der österreichischen Anti-Heimat-Literatur, die mit Sätzen wie »Sie [die Urgroßeltern] sind Urgesteine hier am Hof und wer sie bewegen will, beißt auf Granit« aufhorchen ließ.

Spezifisch: Schade, dass sie nicht mehr am letztjährigen Bachmann-Wettlesen teilnehmen konnte.

Wann, wie begegnete Dir der erste Text von ihr und welche Wirkung hatte dieser auf Dich?

Wann genau ich Die Infantin trägt den Scheitel links gelesen habe, weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur, dass ich begeistert war, kenne ich dieses Milieu doch auch ganz gut, nicht aus Salzburg, sondern aus Nieder- und Oberösterreich. Wenn Helena Adler schreibt, dass ihr Alter Ego in der Infantin »den ÖVP-Haarschnitt der Mutter: schwarz und bieder« trägt, ist die Leserin sofort im Bilde. 

Was zeichnete ihr Schreiben für Dich aus?

Sprachwitz und -virtuosität, eine schreibende Malerin, die gekonnt Pieter Bruegel, Hieronymus Bosch, Franz Sedlacek und noch einige mehr zu einer wilden Mischung vermanschte, die nicht allen schmeckt und gerade deshalb so köstlich ist.

Wie hast Du Helena Adler als Kollegin erlebt?

Ich habe sie nie persönlich kennengelernt, hätte das aber gerne, um mit ihr einige Land-und-Leute-Erlebnisse auszutauschen …

Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?

Das sollen andere beurteilen. Ich habe sie einfach geschätzt. Mehr gibt’s nicht zu sagen.

Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?

Eine viel zu früh Verstorbene.

Zitat aus der Infantin: »Auf dem Heimweg von der Schule gehe ich häufig am Friedhof vorbei und kontrolliere, ob der Grabstein, der mich beim Versteckspielen einmal knapp verfehlte, noch steht. Lorena von Auersperg steht da in goldenen Lettern. 1904-1944. ›Du hättest mich fast erschlagen‹, sage ich, ›dann läge ich jetzt bei dir.‹«

Auch Helena Adler ist bloß 40 Jahre alt geworden.

Herzlichen Dank für das Interview, liebe Eva!

Eva Holzmair, Schriftstellerin

Eva Holzmair, Schriftstellerin

https://www.evaholzmair.at/

Foto _ privat

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg in einem Opel Kadett.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg  

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/ 6.1.2024

Bücher:

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/  

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/

Interview:

https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos Helena Adler_Eva Trifft/Jung und Jung

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 6.1.2024

https://literaturoutdoors.com

Erinnerung an Helena Adler _ „Verbindend, nicht ellenbogenhaft oder snobistisch“ Sabine Scholl, Schriftstellerin _ Berlin 6.1.2023

Interviewzum Tod von Helena Adler _ Sabine Scholl, Schriftstellerin

 + 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Liebe Sabine Scholl, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler, Schriftstellerin (Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024  *1983) ?

Wir fuhren im Taxi mit Katja Gasser durch den 1. Bezirk von der Interview-Location zur Photo-Location. Es war ein sehr heißer Tag, das Schiebedach des Autos war geöffnet, und wir lachten, spielten mit dem Gedanken während der Fahrt unsere Köpfe durchs Dach zu stecken und zu jubeln. Allein für einen solchen Moment hätte es sich gelohnt, Schriftstellerin zu werden, scherzte ich.

Wann, wie begegnete Dir der erste Text von Ihr und welche Wirkung hatte dieser auf Dich?

Faszinierend.

Was zeichnete Ihr Schreiben für Dich aus?

Sprachliche Sinnlichkeit

Wie hast Du Helena Adler als Kollegin erlebt?

Verbindend, nicht ellenbogenhaft oder snobistisch.

Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?

Ich möchte so früh nach ihrem zu frühen Tod nicht von Erbe sprechen, bitte um Verständnis.

Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?

Ditto.

Herzlichen Dank für das Interview, liebe Sabine!

Sabine Scholl, Schriftstellerin

Sabine Scholl, Schriftstellerin

http://sabinescholl.com/

Foto_privat.

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg in einem Opel Kadett.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg  

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/ 6.1.2024

Bücher:

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/ 

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/

Interview:

https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos_Eva Trifft/Jung und Jung

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 6.1.2024

https://literaturoutdoors.com

Zum Tod von Helena Adler _ „Eine neue weibliche Stimme, die für mich für das Kommende steht“ Sophie Reyer, Schriftstellerin _ Wien 6.1.2024

Interviewzum Tod von Helena Adler _ Sophie Reyer, Schriftstellerin

_ + 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)

+ 5.1.2024  „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg
(Stephanie Helena Prähauser *1983)

Liebe Sophie Reyer, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler?

Ein schlauer und sensibler Geist. Unsere letzte indirekte Begegnung war in einer Sendung von Jerome Jaminet bei RTL, wo wir beide unsere neuen Werke präsentieren durften.

Wann, wie begegnete Dir der erste Text von Ihr und welche Wirkung hatte dieser auf Dich?

Der erste Text, den ich gelesen habe, war „die Infantin trägt den Scheitel links“ (Anm. 2020, Verlag Jung und Jung). Allein der Titel hat mich sehr fasziniert- und mit starken und besonderen Frauenfiguren hab ich`s ja sowieso. Hab mich sofort in den Text verliebt.

Was zeichnete Ihr Schreiben für Dich aus?

Sie vereint in ihren Erzählungen Humor und Zerbrechlichkeit, baut eine Brücke zwischen Witz und Tragik und findet dabei immer einen ganz eigenen, sehr leichten zarten Ton.

Wie hast Du Helena Adler als Kollegin erlebt?

Als sehr kollegial- sie hat sich immer über meine Erfolge mit gefreut.

Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?

Eine neue weibliche Stimme, die für mich für das Kommende steht- für eine Welt jenseits patriachaler Strukturen und zerstörerischer Herrschaftsverhältnisse.

Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?

Federleicht.

Herzlichen Dank für das Interview, liebe Sophie!

Sophie Reyer, Schriftstellerin

Sophie Reyer, Schriftstellerin _ Wien

https://sophiereyer.com/

Foto_Wolfgang Liemberger

Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024

Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg in einem Opel Kadett.
Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.

Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.

Auszeichnungen:

2022 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Longlist Deutscher Buchpreis

2020 Shortlist Österreichischer Buchpreis

2020 Projektstipendium Literatur BKA

2018 Jahresstipendium Literatur, Salzburg 

https://jungundjung.at/verfasser/adler-helena/

Bücher:

https://literaturoutdoors.com/2020/07/08/die-infantin-traegt-den-scheitel-links-helena-adler-roman-jung-und-jung-verlag/

https://literaturoutdoors.com/2022/09/12/fretten-helena-adler-jung-und-jung-verlag/

Interview:

https://literaturoutdoors.com/2020/04/13/der-neubeginn-ist-verzicht-wir-hinterlassen-schon-genug-saustall-helena-adler-schriftstellerin_wien-13-4-2020/

Fotos_Eva Trifft/Jung und Jung

Grafik: Romana Fürlinger

Walter Pobaschnig 6.1.2024

https://literaturoutdoors.com

„In Kunst und Kultur zeigt der Mensch sich selbst und wozu er fähig ist“ Kersten Knipp, Schriftsteller _ Köln 6.1.2024

Lieber Kersten Knipp, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Oh, denkbar unspektakulär. Morgens früh gehe ich zum Sport, auf das Laufband – übrigens einer meiner effizientesten Lektüre-Orte: Während der einen Stunde dort schaffe ich auf dem E-Reader eine ganze Mengen Seiten).

Danach arbeite ich in meinem Beruf als Journalist, am frühen Abend dann an den Büchern. Die Arbeit an ihnen läuft recht mechanisch: Jeden Tag mindestens eine Seite, das ist meine Minimalforderung an mich selbst. Gelegentlich werden es auch zwei oder drei, aber eine muss sein. Später am Abend lese ich wieder oder übe Gitarre – Akustikgitarre, meine alte Leidenschaft aus Teenie-Jahren, die ich jetzt wieder aufgegriffen habe.

Das ist es so ungefähr. In der Summe sind es recht stille Tage. Aber anders schaffe ich es nicht.

Kersten Knipp, Schriftsteller, Journalist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die drängendsten Probleme stehen uns allen ja vor Augen: die Kriege in der Ukraine und in Nahost; Flucht und Migration; der Klimawandel; die Bildungsmisere, das Zerbröseln der politischen Mitte. Auf alles das, fürchte ich, habe ich nur wenig Einfluss. Wo ich vielleicht etwas tun kann, ist im Alltag. Denn der ändert sich ja auch, so nehme ich es zumindest wahr. Es wird ruppiger im Land (ich spreche jetzt vor allem von Deutschland), die Leute werde unhöflicher und unaufmerksamer. Mit dem Phänomen habe ich mich in meinem Buch „Die Erfindung der „Eleganz“ auseinandergesetzt. Darin skizziere ich die Entwicklung einiger Standards im sozialen Miteinander (Aufmerksamkeit, Einfühlungsvermögen, Rücksichtnahme) im Paris des 17., 18. Jahrhunderts. Aber der Impuls für das Buch kommt aus der Gegenwart: Ich wundere mich fast täglich, wie sehr der Sinn für ein angenehmes Miteinander schwindet, wie sehr Rücksichtlosigkeit und Egozentrik zunehmen. Der Gedanke, dass es immer auch noch andere Menschen auf der Welt gibt, ist offenbar auf dem Rückzug. Das beunruhigt und beschäftigt mich im Kleinen sehr.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich zucke immer zusammen, wenn es heißt, Kunst und Kultur sollten soziale oder gar politische Funktionen erfüllen. Das ist nicht ihre Aufgabe, zumindest nicht ihre explizite Aufgabe.

Kunst und Kultur, das heißt für mich, der Mensch zeigt sich selbst, wozu er fähig ist, wie sehr er über sich selbst hinauszugehen vermag. Das Solo eines Jazzmusikers, die Linie einer Malerin, dieser und jene Satz in einem Gedicht, einem Roman: Das kann mich ergreifen, das gibt mir eine Ahnung von dem, was sein kann. Offen gestanden: Ich habe an die Kunst durchaus transzendente Erwartungen. Sie möge mich erheben, Bewunderung auslösen, dankbar sein lassen für die Welt jenseits des Klein-Klein, in der ich gewöhnlich lebe. Kunst, das ist Ahnung, die Ahnung von etwas Besserem, es ist der Moment, in dem mich etwas trifft, etwas Neues, so kaum für möglich Gehaltenes in mein Leben tritt. Es ist dann auch der Moment, in dem ich mich verbeuge oder jedenfalls verbeugen möchte, vor dem Ungeheuren, das vor mir aufscheint. Und in genau jenem Moment frage ich mich dann: Wirkt dieses Ungeheuerliche vielleicht nicht doch unmittelbar politisch – unmittelbar und doch auf Umwegen?

Ich selbst habe vor vielen Jahren Romanistik studiert – weil mich ein paar Zeilen von Albert Camus und Marcel Proust so ergriffen haben. Dank dieser und vieler anderer Autoren setze ich mich seit Jahren mit Frankreich auseinander, sie haben mich dazu gebracht, die Sprache zu lernen, eine andere Wirklichkeit als meine eigene zur Kenntnis zu nehmen. Noch ein Beispiel: Seit ich, ebenfalls mittlerweile vor Jahrzehnten, zum ersten Mal Flamenco gehört habe, habe ich mich von der Schönheit, der Raffinesse und Kraft dieser Musik im Grunde nicht erholt. Ich bin ihr erlegen. Das hat mich dann angeregt, mich auf die Spuren des Flamenco begeben, den Umständen nachzugehen, dank derer eine solche Musik, eine solche enorme Kunst überhaupt möglich wird. So ist mein Buch über den Flamenco entstanden. Und so geht es eigentlich immer mit der Kunst: Mich trifft eine Zeile, ein Ton, eine Farbgebung, und schon bin ich in Asien, in Afrika, dem Nahen Osten, der Kunst und den Künstlerinnen auf der Spur. Ich folge ihnen ihrer Kunst wegen – aber nicht, weil sie mich politisch bewegen wollen.

Die List der Kunst ist aber: Durch ihre Schönheit bewegt sie mich auch politisch: Indem ich auf jene Orte schaue, an denen sie entsteht. Der Dialog kommt in Gang.

Was liest Du derzeit?

Ein Buch über den Tanz, nämlich nämlich Alessandro Pontremoli, „La danza: storia,teoria, estetica nel novecento“, dazu dann den Folgeband zur Gegenwart. Das beschäftigt mich zur Zeit: Die Ausdruckskraft des Körpers. Ist es nicht erstaunlich, wie faszinierend wir als Körper aufeinander wirken, wie sehr wir uns körperlich einander mitteilen, wie sehr wir dank ihrer miteinander kommunizieren? Eine kurze Drehung der Hand, ein Lächeln, eine Schrittfolge: Alles kann Botschaft oder Bedeutung sein. Aber was teilt uns der Körper mit, was uns die Sprache – vielleicht – verschweigt? Diese Frage stellt sich angesichts des Tanzes, aber längst nicht nur bei ihm. Wir neigen dazu, uns als intellektuelle Wesen zu verstehen (jedenfalls tue ich es). Aber alles, was wir tun, was wir sind, setzt den Körper voraus. Wir können nicht ohne ihn, weil wir ja Körper sind. Derzeit höre ich nicht auf, mich darüber zu wundern.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Das Mantra: Zum akademischen Raum haben die Polizei und die Gemeinheit keinen Zutritt.“
Peter Sloterdijk, Zeilen und Tage III

Kersten Knipp, Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview, lieber Kersten, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Buchprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Kersten Knipp, Schriftsteller, Journalist

Zur Person _ Kersten Knipp lebt seit vielen Jahren in Köln. Gereist – im Kopf, im Zug und im Flugzeug – ist er von dort immer wieder ins Ausland, nach Frankreich zunächst, dann in die anderen romanischen Länder, ganz wesentlich auch nach Brasilien, der Sprache und der verhaltenen Eleganz der Bossa Nova wegen.

Studiert hat er Romanistik und ist sich inzwischen sicher: Er würde das noch einmal tun (vermutlich könnte er gar nicht anders). Entstanden sind so einige Bücher über romanische Themen, teils mit Abstechern ins feinkörnig Subtile, so etwa in seinem jüngsten Buch „Im Gespräch“. Irgendwann, fast über Nacht, drang ihm die Schönheit des Arabischen ins Ohr, das er dann lernte – nicht zuletzt als Hommage an die Globalisierung, die den europäischen Horizont auch sprachlich weitet. Romantisch (Palmen, Kamele, Wüstenwege) fand er die Region auch mal, allerdings nur kurze Zeit. Als Journalist für die Politik im Nahen Osten weiß er um die finsteren Seiten der Region, an deren Entwicklung er mit trotziger Hoffnung weiter glauben will.

Aktuelle Bucherscheinung _

„Die Erfindung der Eleganz“ Knipp, Kersten. Europa im 17. Jahrhundert und die Kunst des geselligen Lebens. Reclam Verlag. 2022

„Ein Buch, das europäische Kulturgeschichte spannend wie variantenreich öffnet!

Literatur outdoors 

https://wordpress.com/post/literaturoutdoors.com/60445

Bibliographie

„Flamenco“, Suhrkamp. 2006

„Das ewige Versprechen. Eine Kulturgeschichte Brasiliens“, Suhrkamp, 2013

„Nervöser Orient. Die arabische Welt und die Moderne“, Theiss / WBG, 2016.

„Im Taumel. 1918 – ein europäisches Schicksalsjahr“, Theiss / WBG, 2017

„Die Kommune der Faschisten. Gabriele D’Annunzio, die Republik von Fiume und die extreme des 20. Jahrhunderts, Theiss / WBG, 2018

„Paris unterm Hakenkreuz. Alltag im Ausnahmezustand“, Theiss / WBG, 2020.

„Die Erfindung der Eleganz. Europa im 17. Jahrhundert und die Kunst des geselligen Lebens“, Reclam, 2022

„Im Gespräch. Wie wir einander begegnen“, Zu Klampen Verlag, März 2024.

Fotos_privat

Walter Pobaschnig _ 2.1.2023

https://literaturoutdoors.com

„zurücknicht“ Sophie Reyer/Lola Lindenbaum _ Station bei Franz Kafka _ Wien 5.1.2023

Lola Lindenbaum, Künstlerin _
Wien
Cosi piccola e fragile, 80×100, mixed mediacanvas _
Lola Lindenbaum (folgende) _ 11/2023



Für Franz Kafka

Ich war einmal

die Königin aller Käfer

jetzt ist es hart im Panzer

mein Leben nur noch sargweise

Keiner bin ich

und zurücknicht

in die Mutter

zurücknicht

Sophie Reyer,  3.1.2024

In ewiger Vergeblichkeit der Zeit entflohen,
80×100, mixed mediacanvas _ 10/2023
Die Suche nach den verlorenen Worten hört nie auf, 80×120 _
mixed mediawooden panel, 092023
Seitenhieb, bleib unlieb,
60×85, mixed mediaSchaumstoffplatte _112023
Station bei Franz Kafka_
Lola Lindenbaum, Künstlerin _ Wien _

100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT).

Fotos _ am Wohnort der Schriftstellerin, Journalistin, Übersetzerin und Freundin Kafkas Milena Jesenska in Wien (angrenzendes Haus/Garten)Er verbrachte hier vier Tagte mit ihr im Sommer 1920.

Gedicht _ Sophie Reyer 

https://sophiereyer.com/

Bilder _ Lola Lindenbaum 

https://www.lolalindenbaum.com/de/

Fotos _ Walter Pobaschnig

https://literaturoutdoors.com

Kafkaeskes mag ich sehr,
80×120, mixed mediawooden panel 2023
Lola Lindenbaum, Künstlerin _
Wien

Station bei Franz Kafka_

Sophie Reyer, Schriftstellerin _ Wien & Lola Lindenbaum, Künstlerin _ Wien

100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT).

Franz Kafka, 1923

Fotos _am Wohnort der Schriftstellerin, Journalistin, Übersetzerin und Freundin Kafkas Milena Jesenska in Wien (angrenzendes Haus/Garten)Er verbrachte hier vier Tagte mit ihr im Sommer 1920.

Walter Pobaschnig 1/24

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„Gerade, als ich es dir sagen will“ Diana Hellwig, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Erfurt 5.1.2023

GIVE PEACE A CHANCE

Gerade, als ich es dir sagen will,

Ins Ohr flüstern wollte ichs dir,

Vor allen anderen: Du. Dir. Auf immer.

Erste und letzte Dinge, Liebe, Tod,

   und meine Finger über die Fältchen

   am Rand deiner Augen –


Pochte es und klopfte metallen.

   Die Spülmaschine spult ihren Gang durch.

Erst am Schluss sahst du hinein, und

Alles in Ordnung, außer dem Rest von Spinat,

Camouflage-grün.

Ein Zufallsprodukt der Phantasie.


Aber als du es heraus hattest,

   ich ihn betrachtete, den Klump,


Camouflage-man, war ich nicht mehr sicher

  uns nicht, der Liebe,

  deiner Fältchen, die sich gestrafft hatten,

Heldenstatuenhaft. Ich strich dir über die Wange,

   doch du räumtest die restlichen Teller ein.

Alles an seinen Platz, für alle Fälle.

Natürlich, ich weiß, du bist ängstlich,

Cherie,

Es gibt Flecken, die gehen kaum wieder raus.

Diana Hellwig, 3.1.2024

Diana Hellwig, Schriftstellerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Diana Hellwig, Schriftstellerin

Zur Person Diana Hellwig, Autorin

geboren 1970 in Erfurt. Sie studierte Sprachwissenschaften und Journalistik in Leipzig und Manchester sowie literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Es folgen Arbeiten als Journalistin und Redenschreiberin. Heute lebt sie in Erfurt und Dresden. Ihre ersten Veröffentlichungen mit Kurzprosa erscheinen in der „EDIT“ sowie später in der „oda“, in den „Manuskripten“ und in Anthologien (aktuell: „Risse und Welt“, Axel Dielmann-Verlag, 2023). 2019 kam ihr Erzähldebüt: „Der lächelnde Hund“ in der Edition Muschelkalk, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, heraus. Sie war Merck-Stipendiatin der Stadt Darmstadt im Jahr 2022.

Aktuelles Buch _Diana Hellwig, Der lächelnde Hund. Erzählungen. Evangelische Verlagsanstalt Leipzig. 2019

Ein überaus bemerkenswertes Erzähl­debüt ist anzuzeigen – mit dem Band »Der lächelnde Hund« tritt die Verfasserin von Miniaturen, Geschichten und Lyrik mit ihrem ersten geschlossenen Zyklus an die Öffent­lichkeit. Kleine und mittlere existentielle Welttheater wie Schattenrisse sind diese begeisternden wie in der Vehemenz anrührenden Erzählungen Diana Hellwigs: kühl und unter Spannung zugleich, auf der Suche nach Antwort.


104 Seiten | 15 x 22 cm
Klappenbroschur
WGS 2119
ISBN 978-3-86160-562-1

14, 00 EUR (inkl. 7 % MWSt. zzgl. Versand) 

https://www.eva-leipzig.de/product_info.php?info=p4709_Der-laechelnde-Hund.html

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 3.1.2024

https://literaturoutdoors.com