Gegenüber sieht Nadeshda das Treppenhaus des Hauses Nr. 105 in diesem Hof in Mariupol brennen
In einem der Zimmer, sagt sie, brennt das Feuer sauber wie im Kamin.
Vergleicht man Häuser, so meint sie – weil sie sich an einen Strohhalm klammert – sähe ihres noch wie ein Glückspilz aus.
Erkaltet das Feuer, so sieht man, berichtet sie uns, aus den verkohlten Fensteröffnungen Vorhänge wie Zungen heraushängen.
Pausen zwischen Bombardierungen sind für vieles gut; auch den Hund – er zittert – kann sie ausführen.
Er beginnt zu heulen und das könnte ein Zeichen sein, dass es bald wieder losgeht.
Alle Menschen, die an der Hausmauer aufgereiht liegen, sind mit Tüchern bedeckt, die man nicht lüften darf, denn es besteht die Gefahr, dass man sie erkennt.
Chöre stummer Verzweiflung tönen in den Kellern, in denen die Menschen seit Tagen kein Wasser, kein Licht und kein Essen haben.
Erschrecken trifft Nadeshda über das Ungewöhnliche, als sie draußen unter all den Toten unerwartet das Gesicht eines lebenden Menschen sieht
Auch das verschweigt nicht, fleht Nadeshda, dass die Polizisten empfohlen haben, die Toten auf den Balkonen zu lagern, da sie derzeit nicht bestattet werden.
Chaos empfindet Nadeshda auf dem Kinderspielplatz, jetzt ein gefährlicher Ort, an dem die Rakete liegt.
Höfe in denen einst Menschen auf Bänken saßen, versinken im Konglomerat aus Glas, Plastik und Metallscherben.
Asche sind die ersten fünf Stockwerke geworden – und nun kaut das Feuer am sechsten.
Nur nicht „sehr schrecklich“ solle der Tod sein, den sie ohnehin erwartet, wünscht sich Nadeshda.
Charakter müssen wir haben, die wir eine Stimme haben, und „Give peace a chance“ in die Welt hinausschreien:
Erzählt es der ganzen Welt, bittet uns Nadeshda, dass hier friedliche Bürger getötet werden!
Maria Lehner, 23.3.2022
Anm: „Give peace a chance“_ Eine Textcollage nach dem Beitrag „#Mariopul“ von Nadeshda Suchorukova (in der Übersetzung von Priska Olha Sydor) in der Osnabrücker Rundschau vom 21.3.2022
Lieber Martin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Das Frühstück ist ein Ritual, welchem ich täglich fröne. Danach gibt es drei bis vier Mal die Woche Sport und ein stimmliches Warm Up. Je nach Probensituation studiere ich meine zukünftigen Partien oder gehe zu szenischen Proben ins Theater. Die Abende gehören den Vorstellungen. Bzw. wenn ich einen freien Abend habe, meinem Mann und unserem Sohn.
Martin Achrainer, Opern-, Konzertsänger
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Die letzten beiden Jahre haben eine Tendenz in unserer Gesellschaft verstärkt, welche ich mit großer Sorge beobachtet habe! Es herrscht eine gereizte Stimmung vor, welche sehr leicht zu Beschimpfungen, Aggressionen und Stigmatisierung führt. Besonders heftig empfinde ich dies in den sozialen Medien. Für viele entfällt jegliche Hemmung. Beleidigung, ja sogar Drohungen liegen an der Tagesordnung.
Wir müssen wieder zu einem freundlichen Miteinander zurückkehren. Eine wertschätzende Diskussion ist viel fruchtbarer als eine Beleidigung, auch wenn es oft nicht einfach zu sein scheint.
Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, dem Theater, der Kunst an sich zu?
Die nächsten Jahre werden in vielerlei Hinsicht ganz entscheidend sein. Sei es in Fragen der Umwelt und Klimaproblematik, aber auch in politischen Fragen. Die Kunst kann hier nur ein Richtungsweiser sein. Sie war zu allen Zeiten eine Mahnerin und hat immer vor negativen Tendenzen gewarnt.
Was liest Du derzeit?
Ian Bostridge: Schuberts Winterreise
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Die höchste Krone des Helden ist die Besonnenheit mitten in Stürmen der Gegenwart.
Jean Paul
Vielen Dank für das Interview lieber Martin, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
G elebtes geliebtes Leben I m Augenblick deiner Zeugung V ollzog sich das Wunder deiner Geburt E s erwachte in dir zu einem blühenden Wesen P aradiese entstehen dort, wo Menschen im E inklang mit sich und ihrer Natur leben A bsichtslos und friedvoll einander begegnen C haos ordnende Kräfte ebnen den Weg E rhellen den Geist und das Herz A lles ist im Sein und Werden C herubinen singen ihre heiligen Lieder H elle und wundersame Klänge erklingen A bend für Abend N ähren und laben sie uns diese C höre der Liebe, die das Ewige des Ewigen E rschaffen
Anmerkung: Dass es deutsche Bezeichnungen für ukrainische Orte gibt, unterstreicht noch einmal die historische Verflechtung und Verantwortung Deutschlands zur Solidarität mit der Ukraine