„Offenheit und Großmut“ Sophie Steiner, Harfenistin & Artistic Director _ Wien/Tokyo 5.5.2024

Liebe Sophie Steiner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich plane Konzerte, übe Harfe, koche, übe mehr Harfe und tausche mich bei Gelegenheit mit Freunden bei einem netten Abendessen aus.

Sophie Steiner, Harfenistin & Artistic Director

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Offenheit und Großmut. Nur ein herzliches Aufeinanderzugehen kann uns eine harmonische Gesellschaft bescheren. Großzügig und nachsichtig miteinander sein – dabei entstehen die schönsten Momente in und außerhalb der Musik.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Es kann sehr schnell passieren, dass man sich in herausfordernden Situationen zurückzieht und sich gegenüber äußeren Einflüssen und Geschehnissen verschließt. Ich glaube, es ist wichtig, sich immer wieder aus der eigenen Sphäre zu trauen, seine Schale abzuwerfen und sich selbst immer wieder neu entdecken zu können. Gerade die Musik kann uns hierbei inspirieren, neue Wege zu beschreiten, uns überraschen zu lassen, neugierig zu bleiben.

Was liest Du derzeit?

Momentan liegt statt Prosa eher wissenschaftliche Lektüre auf meinem Schreibtisch. Vor allem über japanische Musik und Kunst…

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Gäbe es die letzte Minute nicht, so würde niemals etwas fertig – Mark Twain

Vielen Dank für das Interview, liebe Sophie viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Sophie Steiner, Harfenistin & Artistic Director

Zur Person_ Sophie Steiner ist österreichische Harfenistin und Artistic Director. Sie begann ihre musikalische Ausbildung im Alter von 4 Jahren und wurde bei nationalen und internationalen Wettbewerben mit ersten Preisen ausgezeichnet. Im Alter von 14 Jahren gewann sie ihr erstes Probespiel für Orchester und kann heute auf eine Vielzahl von Produktionen mit Orchestern wie den Hamburger Symphonikern, der Lübecker Kammerphilharmonie oder dem Hessischen Rundfunkorchester zurückblicken. Neben ihrem Interesse an Solo-, Orchester- und Kammermusik setzt sie sich auch für die Entwicklung neuer Konzertkonzepte und Aufführungen ein und wurde hierfür mit dem Masefield-Preis 2015 ausgezeichnet. Seitdem arbeitet sie kontinuierlich an neuen Aufführungskonzepten und Produktionen und initiierte mehrere Projekte in Europa und Asien. Sie trat unter anderem für die österreichischen Botschaften in Spanien, Japan und Norwegen auf und gründete das Projekt BreakingBorders, das sich zum Ziel gesetzt hat, kulturelle, soziale und individuelle Grenzen durch Musik zu überwinden. Sie arbeitet mit Ensembles und Orchestern zusammen und entwickelt neue Konzertkonzepte, um eine Brücke zwischen Musikern und Publikum zu bauen. Unter anderem war sie künstlerische Leiterin des Projekts „SoundColours“ in Kooperation mit der Kammerphilharmonie Lübeck – geschaffen wurde ein künstlerischer Raum, in dem Musik zu visueller Kunst wird und Kulturen miteinander verschmelzen. Sophie Steiner war Studentin von Xavier de Maistre, Mari Kimura und Isabelle Perrin. Darüber hinaus nahm sie an mehreren Meisterkursen bei musikalischen Größen wie Catherine Michel (Frankreich), Isabelle Moretti (Frankreich), Margit Anna Süß-Schellenberger (Deutschland), Aneleen Laenarts (Belgien), Sylvain Blassel (Frankreich), Judy Loman (Kanada), Nancy Allen (USA) oder Ernestine Stoop (Niederlande) teil, um ihr künstlerisches Wissen zu erweitern.

​Seit 2016 arbeitet sie mit Komponist*innen zusammen, um das Repertoire der Harfe zu erweitern. So wurden beispielsweise „Lamento d‘ Orfeo“ von Fredrick Schwenk, „Intermezzo“ von Niklas Anczykowski oder „Der Frühling“ von Tony Uhm für sie komponiert. 2022 spielte sie die Uraufführung des Harfenkonzerts Nr. 5 von Kobayashi Akira mit den Hamburger Symphonikern. Sophie Steiner gründete außerdem das Shirabe Festival, um interkulturelles Verständnis, Respekt und Austausch weltweit durch Kunst zu fördern und setzt ihre Arbeit als künstlerische Leiterin und Harfenistin auf internationaler Ebene fort.

​Im Jahr 2022 war sie Preisträgerin des Maria-Ladenburger-Wettbewerbs und wurde vom WDR gefeatured. Zudem war sie 1. Preisträgerin des internationalen Musikwettbewerbs Caneres und 1. Preisträgerin der London Classical Music Competition. 2023 war Sie Silbermedaillen-Gewinnerin der Vienna International Music Competition (alle Instrumente) in den Kategorien „Zeitgenössisch“ und „Virtuoso“.

https://www.shirabefestival.com/de/the-team

Aktuelles Musik/Kunst/Kulturfestival mit Sophie Steiner:

Shirabe_Festival_Wien _ 2024

Shirabe Festival 2024
Termine: von 17.- 21. Mai 2024
Highlight des Festivals: 20. Mai 2024, um 19:30: „Who am I?“
Im Ehrbar Saal (Mühlgasse 28, 1040 Wien)

Was ist das Shirabe Festival?
Bei Shirabe geht es um interkulturellen Austausch und gegenseitiges Verständnis. Wir wollen Menschen miteinander verbinden – unabhängig davon, wer sie sind, woher sie kommen oder woran sie glauben. Kunst und Kultur verbindet Menschen. Andere Menschen zu verstehen, eröffnet ein wertschätzendes Miteinander. Beim Shirabe Festival möchten wir
diese Überzeugung durch neue, mitreißende und interagierende Konzertformate vermitteln. Wir sind ständig auf der Suche, was mit Musik alles ermöglicht werden kann.
[しらべ shirabe, jap.: Klang, Suche]

Programm 2024
Den großen Bogen über das Shirabe Festival 2024 spannt die Frage nach der eigenen Identität. Wer bin ich? Woher komme ich? Wofür existiere ich? Fragen, die sich wohl jede*r von uns schon einmal gestellt hat. Aber nicht nur die individuelle Seinsfrage wird hier angestoßen, sondern ebenso die Frage nach der kulturellen Identität. Was ist das überhaupt? Und: kann ich mich mit einer anderen Kultur identifizieren? Von Klassik, Jazz und Pop, bis hin zur Avantgarde kommt kein Genre zu kurz. Denn am Ende zählt doch eins: die Vielfalt macht es aus.

  1. Mai: KlangBildKlang (Studierendenkonzert)
    Haydn-Saal (mdw), 19:00; 1030 Wien, Anton-von-Webern-Platz 1
    Junge Talente aus Musik, Tanz und visueller Kunst bauen Klänge zu
    Bildern und Bilder zu Klang. Was passiert, wenn Kunstgenres mit
    unterschiedlicher kultureller Prägung sich überschneiden und zu einem
    werden?
    Zu hören und zu sehen sind Nachwuchskünstler*innen aus Österreich,
    Norwegen, Frankreich und Dänemark
  2. Mai: „Who am I?“ – Highlight
    Ehrbar Saal, 19:30, 1040 Wien, Mühlgasse 30
    Eine kammermusikalische Operngala mit Meisterwerken der Klassik,
    Operette, Jazz und Pop, sowie zwei Uraufführungen der Komponisten
    Bjørn Kruse und Kjell Habbestad. Erzählt wird die Geschichte von zwei
    jungen Frauen, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens sind. Eine
    sucht ihn in der Liebe, die andere über ihre Karriere – doch wo findet man
    den Sinn des Lebens letztendlich?
  3. Mai: Schwanengesang – Schubert des 21. Jahrhunderts?!
    Ehrbar Saal, 19:30; 1040 Wien, Mühlgasse 30
    Eine Gratwanderung zwischen Klassik und Pop. Unterhaltsam, frisch
    undnüberraschend interpretieren Frank Havrøy und Gunnar Flagstad
    Schubert’s Meisterwerke neu. Noch Klassik – oder schon Po

https://www.shirabefestival.com/

Pressekontakt:
Internationaler Kulturaustausch Wien | Intercultural Exchange Vienna
(IEV) _ Ruth Steiner _Email: contactus@shirabefestival.com;

Fotos_  Sophie Walter

Walter Pobaschnig _ 3.5.2024

https://literaturoutdoors.com

„Zu erkennen, was falsch rennt“ Norbert Maria Kröll, Schriftsteller _ Mödling/NÖ 4.5.2024

Lieber Norbert Maria Kröll, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das ist eine sehr persönliche Frage. Vereinfacht, und ohne ins Detail zu gehen, würde ich sagen: Am Vormittag schreibe ich, den Rest des Tages bin ich für die Familie da. Sollte ich beim Einschlafen zu müde sein, um mir die allerletzten Einfälle zu notieren, sind sie weg. Dann ärgere ich mich, wenn ich erwache. Ich träume nie vom Schreiben. Ich weiß nicht, ob das etwas Gutes ist oder etwas Schlechtes. Aber das gehört dann schon nicht mehr zum Tagesablauf, sondern zum Nachtablauf.

Norbert Maria Kröll, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich denke, dass uns ein bisschen mehr Fantasie nicht schaden würde. Ich rede hier nicht von „Hogwarts oder Mittelerde-Fantasie“, sondern jene, die wir benötigen, um Probleme zu lösen. Um Probleme lösen zu können, müssten diese überhaupt erst als solche erkannt werden. Ja, vielleicht geht es darum: Zu erkennen, was falsch rennt. Das ist der erste Schritt, das wäre wichtig. Erst danach kommen die Lösungsvorschläge. Wovon manche okay sind, manche gut, manche schlecht … und andere nicht umsetzbar. Hier käme die Fantasie ins Spiel, die uns dabei hilft, scheinbar Unmögliches möglich zu machen. Als großes Problemfeld sehe ich hier die Bildung. Sie wird nicht – Stichwort „koste es, was es wolle“ – als wichtig genug erachtet. Alles verfügbare Geld sollte in diesen Bereich fließen. Und ich rede hier nicht (nur) von akademischer Bildung, sondern von den elementaren Bildungseinrichtungen: unsere Kindergärten. Dort fängt es an. Hier müsste der Hebel angesetzt werden. Wir kümmern uns nicht darum, wir sehen nicht, dass hier eine Überlastung stattfindet. Dort ist, wie Politiker:innen es gerne formulieren, akuter Handlungsbedarf. Aber vor der Handlung kommt – siehe oben – das Erkennen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Als Aufbruch und Neubeginn deute ich hier die Herausforderungen, die uns Künstliche Intelligenzen bringen werden. Wir wissen nicht, worauf wir zusteuern. Das ist keine gute Ausgangslage. Aber hier soll es auch um die Literatur und die Kunst gehen. Ist KI dazu fähig, Kunst zu schaffen, die uns zum Nachdenken über unser Dasein bringt? Ich denke, das wird sie sein. Das Problem: Sie bezieht sich auf Dagewesenes. Auf Texte, auf Bilder, die in ihren Datenbanken liegen, die (eh klar, auch illegal) eingespeist wurden und werden. Auf Datenbanken liegt aber immer nur Vergangenes. Texte, die geschaffen wurden, Gemälde und Videos, die gemalt und gefilmt wurden. Es kann nichts Neues von dort kommen, auch wenn die Zusammensetzung der Ingredienzen noch so oft vermischt und in neuer Reihung ausgespuckt wird. Das Alte, also aller Inhalt der KI, ist unser gespeichertes Gedächtnis. Es gehört uns, nicht einem Staat, nicht einer Firma. Alles, was hier monetär ausgeworfen wird, sollte zu uns zurückfließen. Aber das Alte sind die Wurzeln, der Stamm, das Neue sind die frisch gewachsenen Äste, die Blätter. Das Neue kommt vom Menschen. Wir müssen es schützen.

Was liest Du derzeit?

Abenteuer Archäologie – Eine Reise durch die Menschheitsgeschichte von Hermann Parzinger. Ich bin auf sein Buch gestoßen durch ein höchst interessantes Interview in der Volltext Literaturzeitschrift, das Alexander Kluge mit ihm geführt hat.

Außerdem lese ich gerade den neuen Gedichtband von Jan WagnerSteine und Erden.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Um auf Alexander Kluge zurückzukommen: Er hat kürzlich in einem Interview (abgedruckt in der Tageszeitung Der Standard) gesagt – ich zitiere:

„Auch die Fingerspitze und das Fingerspitzengefühl sind ein kleiner Kopf für sich. Dort kann Vertrauen entstehen.“

Vielen Dank für das Interview, lieber Norbert, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Norbert Maria Kröll, Schriftsteller

Zur Person_ Norbert Maria Kröll, geb. 1981 in Villach, lebt und arbeitet in Mödling bei Wien. Studium der Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien. Mitherausgeber des mit dem österreichischen Staatspreis ausgezeichneten Literaturmagazins JENNY #2 (De Gruyter). Arbeits- und Reisestipendien des Kunstministeriums. Wiener Literaturstipendium 2016. Forum Land Preis 2017. Jubiläumsfonds Stipendiat der Literar-Mechana 2018. Förderpreis des Landes Kärnten 2018. Dritter Preis beim Feldkircher Lyrikpreis 2019. Wiener Literaturstipendium 2020. Theodor Körner Preis 2020. Literatur:im:süden Sonderpreis der Stadt Villach 2023.

Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften (DUM, LICHTUNGEN, Die Rampe, etcetera, …) Im Frühjahr 2017 erschien der Debüt-Roman „SANFTER ASPHALT“ im Löcker Verlag (Wien). Der zweite Roman „Wer wir wären“ erschien im Frühjahr 2020 in der Edition Atelier (Wien) und erhielt die Buchprämie der Stadt Wien 2020. Der dritte Roman „Die Kuratorin“ erschien im September 2022 bei Kremayr & Scheriau. Der vierte Roman mit dem Titel „Arcus“ wird im Herbst 2024, ebenfalls bei Kremayr & Scheriau, erscheinen.

https://www.norbertkroell.net/

Aktueller Roman von Norbert Maria Kröll:

Norbert Maria Kröll, Die Kuratorin

„Als Kuratorin eines renommierten Museums sorgt Regina Steinbruch für Aufsehen in der Kunstwelt. Sie ist Karrierefrau durch und durch;um ihre Ziele zu erreichen, geht sie rücksichtslos ihren Weg – flink vorbei an den verachteten männlichen Kollegen. Als Regina bei einem One-Night-Stand schwanger wird, gerät ihre Welt aus den Fugen, und selbst, als sie entscheidet, das Kind ihrer besten Freundin zur Adoption zu übergeben, findet sie nicht zur Ruhe. Baby Toms unwiderstehlicher Geruch bringt die knallharte Fassade der Kuratorin zum Bröckeln und Stück für Stück tritt ein empfindsamer und verletzlicher Mensch in Erscheinung.


Norbert Maria Krölls dritter Roman ist eine schwarzhumorige Satire auf den Kunst- und Kulturbetrieb und stellt provokant weibliche und männliche Rollenzuschreibungen infrage. In einem schrankenlosen Gedankenstrom erzählt „Die Kuratorin“ vom Mut, stark zu sein, und der manchmal noch größeren Herausforderung, auch Schwäche zeigen zu können.“

Norbert Maria Kröll, Die Kuratorin

Hardcover mit Schutzumschlag, gebunden.

304 Seiten, Format 12,0 x 20,0

1 Auflage, Kremayr & Scheriau 2022

24,00 € inkl. MwSt.

ISBN: 978-3-218-01336-9

https://www.kremayr-scheriau.at/bucher-e-books/titel/die-kuratorin/

Foto_ Nina Herlitschka

Walter Pobaschnig _ 26.4.2024

https://literaturoutdoors.com

„Alles wird wieder gut gehen“ Lydia Gebel, Schriftstellerin _ Berlin 3.5.2024

Liebe Lydia Gebel, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe – erst seit kurzem – wieder sicher einen, vielleicht zwei Tage in der Woche, an denen ich es schaffe, ernsthaft zu schreiben. Die Dinge des Lebens haben mich in jüngster Vergangenheit immer wieder an den Rand gespült. Ich bin aufgeregt, vielleicht wird der Prozess schneller wieder enden, als mir lieb ist. Aber wenn etwas beginnt, dann sicher mit einem starken Espresso in viel aufgeschäumter Milch. In den letzten Jahren habe ich ausschließlich Aneinanderreihungen fragmentarischer Schnappschüsse produziert:

„Alles wird wieder gut gehen. Du wirst mit deinem flachen Rücken über den Pezziball rollen. Und es wird sich sanft anfühlen wie das Meer, indem du dich auch immer drehtest. Über den Bauch auf den Rücken und immer so weiter. Endlos. Wenn man durch glasklares Wasser auf den Meeresboden blicken kann, ist es schwer daran zu glauben, dass irgendetwas auf dieser Welt nicht in Ordnung sein könnte. Der Schein ist trügerisch. Aber war er es nicht immer? Du fängst an, in Rätseln zu sprechen. Du bist an einem Punkt, an dem du lieber nicht mehr verstanden werden möchtest. Du wirst dich wieder herausreden müssen. Denn das kannst du gut. Es geht nicht darum, Dinge zu erzählen, die irgendjemand hören will.“

Lydia Gebel, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig? 

Dass wir versuchen sollten, offen zu sein und verständnisvoll und uns von möglichst vielen Perspektiven Problemstellungen zu nähern. Verständnis üben. Uns gegenseitig ein Korrektiv zu sein. Nicht immer gleich mit dem Beil ein Urteil fällen. Außerdem denke ich, dass es gerade in trüberen Zeiten besonders wichtig ist, den Blick für die Schönheit der Dinge zu schärfen. Wir sollten lernen, das Einfache und vor allem das scheinbar Selbstverständliche zu schätzen – gerade jetzt. 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu? 

Ich denke, Aufbruch und Wandel sind immer. Die Idee von ewiger Sicherheit ist Selbstbetrug. Daher sollten wir unsere Flexibilität und Offenheit trainieren und nicht glauben, es gäbe irgendwelche Schäfchen ins Trockene zu bringen. Je konventioneller und eingefahrener wir leben, desto weniger sind wir uns dieser Brüchigkeit des Lebens bewusst. Darin liegt eine gewisse Gefahr. 

Was liest Du derzeit?

Zeruy Shaley, Liebesleben 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben? 

Das Meer hüllte sie in seine Falten ein, berührte ihre Beine, ihre Hüften, ihre Brüste – das Wasser war ein Bildhauer; sie spürte die warmen Hände des Meeres überall auf ihrem Körper. (Anaïs Nin, Labyrinth des Minotaurus)

Vielen Dank für das Interview, liebe Lydia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Lydia Gebel, Schriftstellerin

Zur Person_ Lydia Gebel, wurde 1985 in der Nähe von Leipzig geboren und lebt seit vielen Jahren in Berlin. (Ihr Roman Mademoiselle Manie wartet noch auf Veröffentlichung.)

https://lydiagebel.com/wp-content/uploads/2020/11/1-20_mademoiselle_manie_lydia_gebel.pdf

Foto: Jan Sobotka _ http://www.catonbed.de

Walter Pobaschnig _ 28.4.2024

https://literaturoutdoors.com

„Grabreden brauchen wir keine“ Johannes Wally, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Graz 3.5.2024

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Johannes Wally, 1.5.2024

Johannes Wally, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Johannes Wally, Schriftsteller

Zur Person_  Johannes Wally wurde 1978 in Wien geboren. Er lehrt und forscht als Senior Lecturer an der Karl-Franzens-Universität Graz am Institut für Anglistik. Wally ist Autor von zwei wissenschaftlichen Monographien sowie von zwei literarischen Büchern. Er publiziert regelmäßig in Fach- und Literaturzeitschriften (u.a. in den LICHTUNGEN und manuskripte), der Text „Fluchtlinien“ wurde 2021 vom österreichischen Rundfunk (Ö1) gesendet. Seine Arbeit wurde mehrfach preisgekrönt, z. B. mit dem Literaturpreis der Stmk. Sparkasse für sein literarisches Debüt Absprunghöhen (Leykam 2014) und dem Josef-Krainer-Förderungspreis für Secular Falls from Grace (Wissenschaftlicher Verlag Trier 2015).

Aktueller Roman von Johannes Wally:

„Was dazwischen kommt“ _Roman von Johannes Wally. Edition Keiper

Der Weg zur Erlösung ist lang und endet manchmal mit einem Aktmodell. So im Falle Haimo Wildners, der glaubt, 1983 seinen Schulfreund Karl Jesenký auf der Maturareise umgebracht zu haben. Erst als er im fortgeschrittenen Alter beschließt, seiner Ex-Partnerin Modell zu stehen, löst er sich aus seiner Verstrickung: Er kann sich zeigen, wie er ist.

Vor dem Hintergrund der jüngeren österreichischen Geschichte folgt das Buch mehreren biografischen Strängen. Diese umspielen sich, beleuchten sich wechselseitig und treffen sich immer wieder im rätselhaften Tod Karl Jesenkýs. Johannes Wally hat einen vielschichtigen Roman geschrieben über eingebildete und tatsächliche Schuld, über Liebschaften, Freundschaften und Feindschaften und von der Möglichkeit, zu vergeben.

Preis: AT € 24,00 / DE € 23,35
Seiten: 252
ISBN13: 978-3-903575-10-3
Erscheinungsdatum: 4. März 2024
Sprache: Deutsch
Format: 12,0 x 20,0 cm; Pappband.

https://www.editionkeiper.at/shop/produkt/was-dazwischen-kommt-erzaehlungen-roman/

Foto_ Foto Fischer

Walter Pobaschnig _ 1.5.2024

https://literaturoutdoors.com

„Sei frech, wild und wunderbar!“ Gudrun Nikodem-Eichenhardt _Sängerin, Kabarettistin _ Wien 2.5.2024

Liebe Gudrun Nikodem-Eichenhardt, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tag beginnt um halb 7, mit Wohlfühlzeit in Form von Yoga, Sport, Kaffee oder Spaziergang mit Freundinnen und meistens spätestens um 9 starte ich mit Vorbereitungen für Konzerte, Proben, Organisation, Coaching, etc…, Jeder Tag ist anders. Ich bin viel unterwegs und nehme mir auch gern für viele Menschen Zeit.

Gudrun Nikodem-Eichenhardt _
Sängerin, Kabarettistin, Coach _
Die steirische Eichin und Kernölamazone

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht nur jetzt, sondern immer ist es wichtig, Frieden mit sich zu finden und zu machen. Ansonsten folgt auf meinen eigenen Zorn, noch mehr Zorn. Es ist wichtig, sich so gut zu kennen, um zu wissen, was mich kränkt und was ich mit mir tun kann, damit diese Kränkungen nicht weiteres Leid produzieren. Es ist auch wichtig, zu lernen aus dem Herzen zu sprechen, um mit mir und meinem Gegenüber gut in Verbindung treten zu können.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Kunst hat, wie so oft, die Funktion Erleichterung und Inspiration zu bringen, Schieflagen aufzuzeigen, gleichzeitig Ablenkung zu erzeugen und lässt uns im besten Fall innehalten, um uns selbst besser hören zu können.

Was liest Du derzeit?

Zur Zeit tatsächlich nichts außer To Do Listen ;-). Doch mein Bücherschrank ist rappelvoll und daraus empfehle ich: Viktor Frankl: „Trotzdem Ja zum Leben sagen“, von Ken Wilber, Terry Patten, Adam Leonard, Marco Morelli: „Integrale Lebensphilosophie“, Christine Li, Ulja Krautwald: „Der Weg der Kaiserin“ und Christine Nöstlinger: „Glück ist was für Augenblicke“

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich liebe Sprüche und Zitate. Für jede Lebenslage hab ich etwas anderes parat, aber wenn man möchte, ist mein Leitspruch, jener von Pippi Langstrumpf: Sei frech und wild und wunderbar!

Vielen Dank für das Interview, liebe Gudrun, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Kabarettprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Gudrun Nikodem-Eichenhardt _Sängerin, Kabarettistin, Coach _
Die steirische Eichin und Kernölamazone

Zur Person_ Gudrun Nikodem-Eichenhardt_Sängerin, Kabarettistin, Coach _ Die steirische Eichin und Kernölamazone_*1980, wohnhaft in Wien.
Ich werde als Lehrerkind in St. Stefan ob Stainz in der Weststeiermark geboren und wachse mit Duden, Atlanten und Stowasser auf.
Nach der Matura am musischen BORG Deutschlandsberg tätige ich in Graz erste Gehversuche im Bereich Musical am Institut Tanz 287.
2001 lande ich am Konservatorium der Stadt Wien und absolviere dort erfolgreich die Ausbildung zur Darstellerin für musikalisches Unterhaltungstheater.
2005 erfolgt die Gründung der Musikkabarettgruppe Kernölamazonen.
Ich bin Liedtexterin und Darstellerin des Märchensommer Niederösterreich und Produzentin des Hörspiels „Professor Kluck’s verrückte Welt“. Mittlerweile unterrichte ich Gesang und Persönlichkeitsentwicklung. Seit 2022 bin ich Life Trust Coach und YESolution Trainerin.

Fotos_  1 Felicitas Matern; 2 Moni Fellner.

Walter Pobaschnig _ 26.4.2024

https://literaturoutdoors.com

„Was wiegt das Herz einer Puppe?“ Christoph Bochdansky, Puppenspieler _ Wien 1.5.2024

Lieber Christoph Bochdansky, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Herzerleichternd frisch

Christoph Bochdansky, Puppenspieler, Puppenbauer

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Gut durchatmen

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Die Frage ist welche Rolle spielt das Puppenspiel!

Die Antwort:

Was wiegt das Herz einer Puppe?

Es ist ein leichtes, denn leichten Herzens verübt sie alle Taten, auch die größten Schandtaten.

Was liest Du derzeit?

Philiippe Descola „Die Formen des Sichtbaren“ Eine Anthropologie der Bilder

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Es kommt, es geht, es kommt es geht, du kannst den Wind nicht mit Netzen fangen.

Der Rest ist vorerst, sprießen und blühen.

Christoph Bochdansky, Puppenspieler, Puppenbauer

Vielen Dank für das Interview, lieber Christoph, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Theater-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Christoph Bochdansky _ Puppenspieler, Puppenbauer

Zur Person_ geboren 1960, aufgewachsen in Vorarlberg, lebt und arbeitet in Wien. Puppenspieler, Puppenbauer. Bühnenbildstudium am Mozarteum Salzburg, anschließend Figurentheatercolleg in Bochum (D). Mitarbeit bei verschiedenen Puppenspielensembles in Deutschland, Österreich und Holland.

Aktuelle Stücke (Auswahl):

„Empfindsamkeit der Giganten“ zusammen mit dem Figurentheater Wilde&Vogel, Leipzig.

„Nachtgesänge“ zusammen mit dem Duo „die Strottern“ Klemens Lendl, David Müller.

„My dream diary“(Solo)

„Die Blumengeschichte“ mit „die Strottern“ und Martin Ptak

„Schneewittchen“ mit Ruth Humer

Arbeitet als Regisseur, Ausstatter und Puppenbauer. (Puppentheater der Stadt Halle, Theater Junge Generation Dresden, Figurentheater Lilarum Wien, Oper Zürich, Bialistocki Teatr Lalek / Polen)

Festivalleitung:

1986 Microtheaterfestival (Wiener Festwochen),

1992 & 1993 Homunculus Hohenems

2009  künstlerische Leitung „Wo wenn nicht alle da! Ein richtiges Kasperltheater – Linz 09 Kulturhauptstadt Europas

Gastdozent

an der Musikhochschule Stuttgart / Studienzweig Figurentheater

Hochschule Ernst Busch / Abt. Puppenspielkunst / Berlin,

VSMU Faculty of Theatre Academy of Performing Arts in Bratislava, Slowakei.

Mit seinen Stücken war er zu Gast auf Festivals in Europa, Taiwan, Indonesien, den USA und Israel etc.

Veröffentlichung Bücher:

„Anmerkungen zur Umgebung“ Kurzgeschichten 2015

„Botendienst ins Jenseits“ Roman 2019 (Verlag Wortreich Wien)

„Lieder vom Horizont“ Comic (BucherVerlag 2022)

Aktuelles Stück von und mit Christoph Bochdansky:Eine Geisterbeschwörung

SCHUBERT THEATER, Wien _ 29. 5. 2024 (19.30 Uhr) PREMIERE

Puppenspiel, Puppenbau, Text: Christoph Bochdansky

Regie: Simon Meusburger

Musik: David Müller

Weitere Vorstellungen:

30. 5. & 10. 6. & 22. 6. 2024 (19.30 Uhr)

9. 6. & 23. 6. (18.00 Uhr)

SCHUBERT THEATER

A-1090 Wien; Währinger Straße 46

http://www.schuberttheater.at

Christoph Bochdansky, Puppenspieler, Puppenbauer

Fotos_ Gregor Grkinic

Walter Pobaschnig _ 25.4.2024

https://literaturoutdoors.com

„Glaubten wir immer wieder, das sei jetzt vorüber?“ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Wien 1.5.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Glaubten wir immer wieder, das sei jetzt vorüber?

いいえ。 – iie. – Nein. Von der

Vergangenheit

entfesselt, öffnet sich die




Pforte der

Enttäuschung,

abermals

Chaos ohne

Entkommen. それでも私たちは – soredemo watashitachi wa – Dennoch, wir

諦めることはできない。 – akirameru koto wa dekinai – können nicht aufgeben




Come and see. 祇園精舎の鐘の音が、諸行無常の響きを打つ前に –


gionshoja no kane no koe ga, shogyomujo no hibiki o utsumaeni –


Bevor der Klang der Glocke von Gion Shoja die Vergänglichkeit aller


Dinge widerspiegelt

果てゆく命を抱きながら – hateyuku inochi o dakinagara – sterbendes Leben

umarmend

あなたと共にこの世界では – anata to tomo ni kono sekai dewa – mit dir in dieser Welt

逃げる処などない。- nigeru tokoro nado nai. – gibt es kein Weglaufen, nirgendwohin.


地平線の彼方で太陽の上り沈む数ほどに、- chiheisen no kanata de taiyo no nobori

shizumu kazu hodo ni, – Sooft, wie die Sonne

hinter dem Horizont auf- und untergeht,

keilen wir die Hoffnung in unsere

Mutter Erde


ein.



Naoko Muneoka, 29.4.2024

Naoko Muneoka, Künstlerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Naoko Muneoka, Künstlerin

Zur Person_  Naoko Muneoka, geboren 1966 in Hiroshima, Japan. Studium der Malerei an der Musashino Art University in Tokyo (Bachelor of Arts). Studium in Wien an der Universität für Angewandte Kunst, Meisterklasse Prof. Wolfgang Hutter und Prof. Wolfgang Herzig (Kein Abschluss). Ausstellung in Japan und Österreich.

1994 lernte sie Josef Kinz -Schmuck und Objekt Künstler kennen. Seitdem hatten sie zahlreiche gemeinsame Ausstellung und Ausstellungsbeteiligungen als Künstlerpaar. Josef Kinz starb nach einer langjährigen COPD Erkrankung im Sommer 2018.

Das lnteresse von Naoko Muneoka gilt dem Bild des Menschen. Es ist Grundlage, um über das lndividuelle hinaus allgemeine Aussagen zu treffen, Mitteilungen zu machen über Gefühle, Erfahrungen und zwischenmenschliche Beziehungen. Da sie sich meist selbst als Modell nimmt, kann sie rücksichtslos, ohne andere zu verletzen menschliche Tiefe in ihren Darstellungen ausloten.

http://www.kinzmuneoka.net/

Aktuelle Ausstellung von Naoko Muneoka im Museumsquartier Wien:

01.03.2024 bis 06.06.2024 – COMBINAT, Combinat

https://www.mqw.at/programm/naoko-muneoka

Foto_ Naoko Muneoka

Walter Pobaschnig _ 29.4.2024

https://literaturoutdoors.com

„Zufriedenheit ist das Um und Auf“ David Dornig, Komponist, Gitarrist _ Wien 30.4.2024

Lieber David Dornig, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Nun, dieser setzt sich meist aus meiner Unterrichtstätigkeit an der JAM Music Lab Private University, Proben, Üben, sowie sozialen Aktivitäten zusammen.

Ich esse nur eine Mahlzeit am Tag, zelebriere diese dafür mit etwas Selbstgekochtem (oftmals auch von meinem wunderbaren Partner, der ein hervorragender Koch ist).

Komponieren, Forschen, Kalligraphie, handwerkliche Arbeit, sportliche Aktivitäten und mich stetig in ein neues Interessensgebiet vertiefen, sind für mich der notwendige Ausgleich.

Ich würde mich generell als einen sehr zufriedenen und glücklichen Menschen bezeichnen.

David Dornig, Komponist, Gitarrist und Dirigent

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Es ist schwierig zufrieden zu sein, wenn man im ständigen Vergleich steht. Zufriedenheit ist aber das Um und Auf. Was für uns alle gut wäre, wage ich jedoch nicht vorherzusagen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Kunst ist Emotion. Kunst verbindet Menschen. In dieser Hinsicht hat Kunst eine zeitlose Funktion.

Ich persönlich mache Musik da ich Musik am liebsten mache und mich leicht dafür begeistern kann.

Musik mit Leuten zu machen, die mich inspirieren (z.B. die Mitglieder des Trios Dsilton) ist immer aufregend und ich lerne stetig dazu.

Ich mag es auch, meine Begeisterung mit anderen zu teilen, weshalb ich gerne unterrichte. Solange ich damit einen bescheidenen Alltag bestreiten kann, bin ich ein sehr glücklicher Mensch!

Das ist die Rolle von Musik für mich persönlich.

Was liest Du derzeit?

Kafka am Strand von Haruki Murakami. Ein spannender Autor meines Erachtens.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Kunst verbindet Menschen.

David Dornig _
Komponist, Gitarrist und Dirigent

Vielen Dank für das Interview, lieber David, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

David Dornig _ Komponist, Gitarrist und Dirigent

Zur Person_ David Dornig (*1992) ist ein Wiener Komponist, Gitarrist und Dirigent. Er absolvierte das Gitarrenstudium der Jazz- und Popularmusik (Diplom & IGP) am VMI im Jahr 2014 und studierte anschließend Kompositionspädagogik an derselben Institution. Sein Masterstudium in Komposition schloss er 2021 an der JAM MUSIC LAB Private University ab, wo er seit 2022 als Dozent tätig ist.

Sein musikalischer Fokus liegt auf alternativen Stimmungssystemen (z.B. 31-EDO und adaptiver Reinstimmung), modulierender Rhythmik und Improvisation liegt. Dazu spielt Dornig beispielsweise einen eigens entwickelte achtseitigen 31-Ton Gitarren-Bass im Trio Dsilton, welches Kompositionen von Dornig und Georg Vogel spielt.

Dornig tritt europaweit sowohl im Jazz- und Pop- als auch im zeitgenössischen Klassik-Bereich auf und hat mit namhaften Künstlern wie dem Max Brand Ensemble, Black Page Orchestra, Paul Gulda und Michael Mantler zusammengearbeitet. Als Instrumentenbauer entwickelte er verschiedene Saiteninstrumente in alternativen Stimmungssystemen und war Mitentwickler des A-Clavitons von Georg Vogel.

Dornig wurde für seine Arbeit mit Preisen, Stipendien und Kompositionsaufträgen ausgezeichnet.

http://www.david-dornig.at/

Fotos_ 1 Marie Jecel; 2 Severin Koller.

Walter Pobaschnig _ 24.4.2024

https://literaturoutdoors.com

Station bei Franz Kafka _ „etwas sein, das nicht verstanden wird“ Phoebe Violet, Sängerin, Violinistin, painter _ Wien 30.4.2024

Station bei Franz Kafka _
Phoebe Violet, Sängerin, Violinistin, painter _ Wien _
performing „Die Verwandlung“, Franz Kafka. Erzählung, 1912._


100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller

Fotos _ Graben Hotel Wien/Graben _
Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.
Station bei Franz Kafka _
Phoebe Violet, Sängerin, Violinistin, painter _ Wien _
performing „Die Verwandlung“, Franz Kafka. Erzählung, 1912._


100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller

Fotos _ Graben Hotel Wien/Graben _
Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.
Franz Kafka, Schriftsteller _
100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller

Liebe Phoebe Violet, welche Zugänge gibt es von Dir zu Franz Kafka?

Existentialismus. Sich zu verwandeln. Neurose. Gefangen sein. Es sind alle Themen, die mich irgendwann sehr beschäftigt haben.

Was macht für Dich den Schriftsteller Kafka aus?

Ein unfassbarer Schreibstil. Es ist nicht das “übliche Deutsch”. Es ist sehr verspielt und bunt. In nur einer seiner Sätze mache ich eine ganze Reise.

Wann bist Du erstmals mit den Texten Kafkas in Berührung gekommen und welche Aussagen gibt es da für Dich?

In Österreich. “Die Verwandlung” war das erste Buch, das ich auf Deutsch gelesen habe. Da war ich 15 oder 16. Ich kann mich erinnern, nichts Surreales an dem Buch empfunden zu haben. Es war absolut nachvollziehbar, dass man sich in manchen Momenten im Leben in einen Käfer verwandelt.

Wie verstehst Du die Erzählung „Die Verwandlung“? Welche Aussagen zu Mensch, Familie, Beruf, Welt gibt es da?

Es ist eine Weile her… Ich bespreche mit dir ein Buch, das ich vor 20 Jahren gelesen habe… Aber ich probiere es trotzdem, da ich glaube, mich richtig daran zu erinnern. Die Idee von Gefangenschaft, Einsamkeit, das “etwas sein, das nicht verstanden wird“, sogar sich selbst. Die Frage nach Identität. Verzweiflung. Seine Biografie, aber auch die Zeit, in der er gelebt hat, waren ja von solchen Gefühlen sehr stark geprägt. Ich finde aber, dass seine Bücher eine Zeitlosigkeit darstellen, die in jeder gesellschaftlichen Gegenwart verstanden und widerspiegelt werden können. Die Tiefe seiner Bücher spricht ein Humanismus an, der sich nicht auf ein Zeitalter begrenzt. Und das, für mich, entspricht der höchsten Art von Kunst.

Wie hast Du Dich auf das Fotoshooting/die Performance vorbereitet?

Ich habe mir das Hotel angeschaut, dass du für das Fotoshooting vorgeschlagen hast. Welche Zeitepoche, welcher Baustil, etc. Ich dachte an Kafka, die Zeit, in der er gelebt hat. Jugendstil und den Übergang in die Moderne. Krieg. Trauer. Und habe schwarze Kleidung gewählt. Das war für mich klar. Schlicht, da im Raum rein stilistisch viel passiert und ich möchte keine Ablenkung sein; ich finde das Hotel sehr schön. Mein Stil aber trotzdem eher klassisch und zeitlos, so wie seine Bücher. Meine Verbindung zum Raum sind die goldenen, leicht pompösen Ohrringe. Schuhe und Hose mit einem leicht männlichen Schnitt, aber immerhin Lackschuhe, um eine Verbindung mit den Ohrringen zu bilden. Und Oberteil ganz schlicht, aber mit Schulterpolster, um mehr Ecken in meinem Körper zu schaffen, die nochmals mit der Umgebung zusammenkommen. Der Raum ist ja sehr viereckig. Und in Gedanken Überlegungen wie “wie kann ich ein Käfer sein”, “wie soll ich mich als Käfer fühlen, bewegen”. Und als nächstes an Kafkas Anwesenheit gedacht. Ich bin aber gerade von düsteren Gefühlen und Gedanken so weit weg, dass ich dann eher mir gedacht habe, “ich werde einfach die jetzige Phoebe in dem Raum sein und somit Kafkas Dunkelheit in Freude verwandeln”. Und das war für mich “Die Verwandlung”.

Gab es bisher schon Kafka Projekte für Dich?

Nein. Außer ein paar Deutsch Schularbeiten und Aufsätze. Damals in der 6. Klasse.

Was ist Dir als Künstlerin in Deinen Projekten wichtig?

Tiefe. Emotionalität.

Wie bist Du zur Musik, zur Malerei gekommen?

Es war schon immer Teil meines Lebens, seit ich mich erinnern kann, dass es mich gibt.

Wie ist das Setting Deiner künstlerischen Tätigkeit? Wann, wie, wo komponierst, malst Du?

Zu Hause übertrage ich alles, was in meinem Kopf tagsüber passiert. Ich spiele ständig mit Ideen. Erst wenn sie sich konkretisieren will, dann wird es was physisches, sprich ein Bild oder eine Komposition. Ich vertraue meinem künstlerischen Instinkt total und lass mich von ihm führen. Jede Minute meines Lebens hat eine Bedeutung, die ich in Kunst verwandle / verwandeln will. Überall finde ich Ankerpunkte, die mit Potenzial geladen sind. Ich bin ständig am “Zünden”. Sie sind ja wirklich überall.

Was inspiriert Dich?

Schönheit. Ich betrachte meine Umgebung mit großer Genauigkeit. Ich analysiere ständig Menschen, Farben, Klänge, Orte, Momente und da sickert immer etwas durch, was mich fasziniert. Die Form eines Auges, der Klang von Schuhen am Gehsteig, das Design einer Türklinke, der Schatten eines Menschen, der Weg eines Regentropfens am Fenster… Es gibt einfach so viel, was ständig rundherum passiert. Ich ignoriere es nicht. Ich betrachte es und finde Magisches darin. Die Frage für mich ist eher, wie kann man nicht inspiriert sein? Meine fünf Sinne und die Grundidee meiner Existenz sind Sachen, die mich durchgehend begeistern. Und ich nutze die Großzügigkeit meiner Wahrnehmung komplett aus und strebe sie immer zu verfeinern.

Ist Kafka als Künstler ein Vorbild?

Nein. Aber ich bewundere seine Arbeit sehr.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

In meinem Kopf entsteht eine neue Bilderserie aus Ölfarben, die mit mehr Abstraktion als üblich für mich arbeiten. Es hat mit einer Farbstudie angefangen und jetzt finde ich diese farbenfrohen Formen irrsinnig schön. Mit meinen musikalischen Projekten wünsche ich mir, mehr auf der Bühne zu sein; da habe ich gerade ein neues Album herausgebracht – “Tú y yo” (Übersetzt “Du und ich”) -, das mir wirklich sehr gut gefällt. Auch ein Duo Projekt – “Suspiros” (“Seufzer”) -, das sehr gut ankommt und sich großartig anfühlt. Ich möchte in Verbindung mit anderen Künstler*innen arbeiten, wo wir neue Ideen gemeinsam erzeugen. Ich bin auf der Suche… Da erzähle ich dir mehr nächstes Jahr…!

Darf ich Dich abschließend zu einem „Verwandlung“ Akrostichon bitten?

Verstehst du dich.

Erfährst du

Reichtum.

Wahrnehmung,

Anziehung. (Die)

Narrative des

Daseins

Ladet ein

Uns

Nur mehr zu

Genießen.

Station bei Franz Kafka und Milena Jesenska

Station bei Franz Kafka _
Phoebe Violet, Sängerin, Violinistin, painter _ Wien _
performing „Die Verwandlung“, Franz Kafka. Erzählung, 1912._


100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller

Fotos: Graben Hotel/Graben _ Wien. Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Station bei Franz Kafka _
Phoebe Violet, Sängerin, Violinistin, painter _ Wien _
performing „Die Verwandlung“, Franz Kafka. Erzählung, 1912._
Phoebe Violet und Walter Pobaschnig _
Graben Hotel Wien 4/24

Alle Fotos&Interview _ Walter Pobaschnig 4/24

https://literaturoutdoors.com

„In der Literatur erkennen wir uns selbst“ Nassir Djafari, Schriftsteller _ Wehrheim/D 29.4.2024

Lieber Nassir Djafari, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich liebe den Morgen, das ist meine kreativste Zeit des Tages. Nach einem kurzen Frühstück, schneller Blick in die Zeitung, laufe ich etwa eine Stunde über die Felder und durch den Wald. Wenige Schritte aus dem Haus genügen, und ich bin schon im Grünen. Danach setzte ich mich an den Schreibtisch und arbeite an meinem aktuellen Roman und allem, was damit zusammenhängt. Dazu ist als Treibstoff guter Tee unverzichtbar, ohne den geht gar nichts. Und dann koche ich.

Am frühen Nachmittag essen meine Frau und ich zu Mittag, wir erzählen, lachen, diskutieren. Wenn ich gerade im Fluss bin, schreibe ich anschließend weiter, wenn nicht versinke ich im Lesesessel und tauche ein in Bücher, die andere geschrieben haben.

Am Abend: Gespräche, Freunde, Politik-  und Kulturveranstaltungen oder einfach Nichtstun.

Nassir Djafari, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

In einer Zeit, in der Meinungen zur Weltlage unversöhnlich aufeinanderprallen, in der Minenfelder im Diskurs besser gemieden werden, um sich nicht zu zerstreiten, in einer Zeit, in der selbst im Freundeskreis plötzlich nichts mehr geht, wenn die Sprache auf Corona, Migration, Ukrainekrieg, Palästina / Israel und viele andere, immer weiter zunehmende kontroverse Themen kommt, in einer Zeit, in der im öffentlichen Diskurs eine Meinung, kaum ausgesprochen, niedergeschrien wird, in dieser Zeit dürfen wir das Gemeinsame, das, was uns verbindet, nicht vergessen und uns zugleich von niemandem den Mund verbieten lassen. Diesen Spagat hinzubekommen, ist jetzt für uns alle besonders wichtig.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Literatur bietet uns die Chance, für eine kurze Weile in die Haut eines anderen zu schlüpfen, mit ihm mitzufühlen, mit seinen Augen zu sehen und so in einen anderen Mikrokosmos einzutauchen. Und nicht selten stellen wir zu unserer Überraschung fest, dass wir in dem anderen uns selbst erkennen.

Was liest Du derzeit?

„Frankie“ von Michael Köhlmeier

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich nahm den Brief in die Hand. Das Kuvert war aus dünnem Papier, hellblau mit rot-blau gestricheltem Rand, drei Briefmarken mit dem Konterfei Khomeinis, handschriftlich an mich adressiert. Drinnen befand sich ein dicht beschriebenes Blatt, auf dem sich die vertrauten persischen Schriftzeichen mit ihren vielen Punkten über und unter den Buchstaben aneinanderreihten. Ich verstand nichts.“

Aus meinem neuen Roman „Der Großcousin“, erschienen im Sujet Verlag, Bremen

Vielen Dank für das Interview, lieber Nassir, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Nassir Djafari, Schriftsteller

Zur Person_ Nassir Djafari ist Schriftsteller. 1952 im Iran geboren, lebt er seit seinem fünften Lebensjahr in Deutschland.

Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre war er in verschiedenen Funktionen für die deutsche und internationale Entwicklungszusammenarbeit tätig, davon auch mehrere Jahre als volkswirtschaftlicher Berater in Peru und Polen.

Nassir Djafari hat zahlreiche Artikel und Buchbeiträge über die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Länder des globalen Südens veröffentlicht und sich zu integrationspolitischen Themen geäußert.

Im Jahre 2020 erschien sein Debütroman „Eine Woche, ein Leben“, 2022 sein zweiter Roman „Mahtab“. Im Mai 2024 erschien sein dritter Roman „Der Großcousin“.

Nassir Djafari spürt in seinen Romanen den Fragen der Identität und der Zugehörigkeit nach. Seine Figuren leben in zwei Welten. Sie sind von ihrer Herkunftskultur geprägt, ebenso wie von der Kultur des Landes, in dem sie leben.

Kommende Romanneuerscheinung von Nassir Djafari: „Der Großcousin“ , Sujet Verlag

„Abbe, 62 Jahre alt, erfolgreicher Frankfurter Geschäftsmann und Kosmopolit, empfindet sich selbst als Deutscher. Seine iranischen Wurzeln sind verschüttet. Als ihn eines Tages ein entfernter Verwandter, soeben aus dem Iran eingetroffen, aufsucht, gerät sein Leben durcheinander. Der Besucher ist undurchschaubar, verwickelt sich in Widersprüche und stolpert von einer Notlage zur nächsten. Bald kreist Abbes Leben nur noch um die Probleme des Verwandten. Erst nach und nach erschließt sich ihm die wahre Geschichte des jungen Mannes, und er beginnt ihn und sich selbst mit anderen Augen zu sehen.“

Nassir Djafari „Der Großcousin“
Sujet Verlag Bremen
Erscheinungstermin: 2. Mai 2024
Softcover mit Klappen
255 Seiten, 19,80 €
ISBN 978-3-96202-136-8

https://sujetverlag.de/

Foto: R. Pigagaite

Walter Pobaschnig _ 22.4.2024

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