Träumen – ist eines der erstaunlichsten und rätselhaftesten Phänomene menschlichen Lebens. Seit Jahrtausenden suchen Menschen diesem so eindrücklichen Geschehen des Gehirns auf die Spur zu kommen. Die Deutungen reichen dabei über Religion, Kunst, Psychoanalyse bis zur modernen Psychologie und Neurobiologie.
Dr. Rahul Jandial, Gehirnchirurg und Neurowissenschaftler in Los Angeles/USA legt nun ein in neun Kapitel strukturiertes gut lesbares Fachbuch vor, das ausgehend von seinen Tätigkeiten und der unmittelbaren Erfahrung des im wahrsten Sinne des Wortes Hirneinblickes Funktion wie kulturgeschichtliche Zugänge zum Phänomen Traum öffnet.
Hervorzuheben ist der Praxisbezug des praktizierenden Chirurgen und die darauf bezogene Zusammenschau von Theorie und Praxis wie die spannenden Schlussfolgerungen und Hypothesen zu Funktion und Sinn des Traumes.
„Die Welt des Traumes auf dem spannenden Prüfstand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse“
Walter Pobaschnig 7/24
Warum wir träumen, Dr. Rahul Jandial. Rowohlt VerlagWas uns das Gehirn im Schlaf über unser Leben offenbart
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Liebe Pia Schiel, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?
Zunächst wie ein Rausch, dann langsam, bedacht, Notizen nehmend. Welche Grundaussagen gibt es für mich? Immer wieder wiederholt sie den Ruf, dieses Element zieht sich durch den Text, wie das Element Wasser. Der Ruf Der bloßfüßigen Undine, der Freiheit, die die Männer ruft und vor der sie sich doch fürchten. Sie fürchten sich, von ihrem Kuss zu sterben, und doch streben sie danach. „Befreie mich von meiner Männlichkeit, aber nimm sie mir nicht.“
Wie siehst Du „Undine“?
Die Überlegene, die Unverstandene, die Betrogene, die Schwerelose. Überlegen in ihrem Element, in ihrem Wasser, in ihrem Vergessen, in ihrer Liebe und Klugheit. Unverstanden von Männern, die vergeblich die Sicherheit in ihr suchen. Betrogen von den Männern, die die Sicherheit nicht finden konnten. Schwerelos zurück im Wasser.
„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
Der Text ist erschreckend aktuell, wenn man den Text so liest, könnte man meinen, es hätte sich nichts verändert. In den Grundfesten wenig verändert. Männer, die sich Frauen zu Eintagsfrauen, Wochenendfrauen, Lebensfrauen machen und sich selbst zu ihren Männern machen, die die Welt verstehen wollen und sie dabei so unverständlich machen, um sich darin finden zu können. Frauen, die sich unverstanden fühlen in ihrer Klugheit, die Männer dafür beneiden, dass sie es sich leisten können, nur die halbe Wahrheit sehen zu können. Wir Frauen sind verdammt dazu, die ganze Wahrheit sehen zu müssen, sind schlau genug, die ganze Wahrheit sehen zu können.
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, was patriarchale Macht bedeutet. Wenn man als Frau in dieser Welt erzogen wird, kennt man ja nur diese Welt, in der man weniger Respekt bekommt, einem weniger zugetraut wird, man belächelt wird, gemustert, herabgesetzt, stumm gemacht. Deswegen denkt man, das wäre so, und unterdrückt den wilden Drang, zu Tanzen, laut zu sein, seinen Körper zu zeigen und zu spüren. Was mir mitgegeben wurde: Versteck dich, ziehe keine Aufmerksamkeit auf dich, mach dich klein. Das wollen Männer, und das ist ihre Macht.
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?
Sich gegenseitig vertrauen, kommunizieren, vergeben.
Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?
Alles. Der Text ist so unglaublich aktuell- er spricht mich direkt an. Die Faszination, mit der sie über Männer schreibt, aber auch das Unverständnis über ihre Ungeschicktheit, die sie sich erlauben können.
Was bedeutet Dir Natur?
Natur bedeutet für mich Ruhe. Abschalten und zu mir selbst finden.
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Nie bin ich so ruhig wie am Wasser, am Meer, am See, in den Wellen. Ich liebe das Grün, das Blau. Ich liebe es, unterzutauchen und in endloser, kalter Farbe zu schweben. Oder zwischen Algen zu tauchen, hinab zu sinken an den Grund, zu den Fischen.
Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?
Ich versuche, ihn zu wertschätzen, und meinen Körper walten zu lassen, aber es ist schwer in dieser Zeit, in der die Jahreszeiten keine Rolle spielen. Ich liebe Frühling und Sommer, liebe dann auch den Herbst und den Beginn des Winters, wenn es kalt wird und fokussiert.
Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?
Ich weiß es noch nicht.
Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?
Vertrauen.
Was lässt Liebe untergehen?
Eifersucht.
Wie war Dein Weg zum Schauspiel?
Von innen heraus, eine Kunst die sich immer schon ausdrücken wollte, und sich unglaublich gerne auf einer Bühne ausdrückt. Ich wollte immer schon Schauspielerin sein, seit ich ein Kind bin.
Welche aktuellen Projektpläne hast Du?
Ich arbeite momentan an einem Kurzfilm zu dem Thema Abtreibung. Ich organisiere den Film gemeinsam mit dem Kameramann Sebastian Schadler und der Regisseurin Yasemin Hickl und finde den Prozess sehr spannend. Im September drehen wir, und ich freue mich schon wahnsinnig darauf, zu spielen.
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?
„Doch vergesst nicht, dass ihr mich gerufen habt in diese Welt, dass euch geträumt hat von mir, der anderen, von eurem Geist und nicht von eurer Gestalt, die auf euren Hochzeiten den Klageruf anstimmt, auf nassen Füßen kommt und von deren Kuss ihr zu sterben fürchtet, wo wie ihr zu sterben wünscht und nie mehr sterbt: Ordnungslos, hingerissen und von höchster Vernunft.“
Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?
Lieber Hermann Trox, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da wir, meine Frau und ich Rentner sind, haben wir nicht viel Abwechslung und so habe ich viel Zeit zum Schreiben.
Hermann Trox, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Hm! Für uns alle! Wenn es die ganze Welt bedeuten soll, gibt es ja nur eines, den Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Da wir alle unterschiedlich sind, kann ich das Wesentliche nicht beantworten!
Das Befrieden der „Seele/n“ (Hirn?)!
Was liest Du derzeit?
Das Rad der Zeit. Gedichte der alten Meister!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Jeder so, wie er mag.“
Vielen Dank für das Interview, lieber Hermann, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Hermann Trox, Schriftsteller
Zur Person:Hermann Trox, geb. 22.7.1945 als Sohn eines Bergmanns, welcher wiederum der Sohn eines Bergmannes war. Meine Schulbildung war mit der 8. Klasse der Volksschule eigentlich abgeschlossen. 1974 zwei Jahre Umschulung zum Elektrofacharbeiter, Prüfung vor der Industrie und Handelskammer Münster. Verheiratet seit 1976, ein Sohn erblickte 1977 das Licht der Welt. Mein Schicksalsjahrzehnt waren die 90er des vorigen Jahrhunderts. Meine Frau „Elke“ wurde Pflegebedürftig. Etwas später wurde mein Sohn „Torsten“ an beiden Hüften operiert. Ab 1995 kümmerte ich mich um meine kleine Familie. Eine kleine Berufsunfähigkeitsrente und Tageszeitung austragen (Fahrrad) des Nachts, ermöglichte es mir. Seit 2008 sammle ich meine Kurzgeschichten und Gedichte. Heute bin ich Altersrentner und lebe mit meiner Frau zusammen.
Text von Hermann Trox: Platzl in der Lobau
„Drunt` in der Lobau, wenn ich das Platzl nur wüsst…!“
Das ist das Dumme an diesen Plätzen, welche so versteckt und vor allen Dingen so weit weg sind. Wie komm´ ich dahin? Finde ich auch das was ich suche? Nun, was suche ich überhaupt? Bin ich melancholisch, traurig oder wütend, wenn ich sage, das Leben? Am „Fastende“ meines Lebens? (Na ja, ich hoffe, dass ich noch einige Jährchen habe!) Hatte ich nicht genug in mein Leben? Nein! Es ist, in meinem Sinn, zu kurz für ein normales Dasein und zu lang um die Widrigkeiten des Lebens mit Gleichmut zu ertragen. Deswegen suche ich einen Platz auf dem man die Stimme erheben und seinen Frust loswerden kann. Nützen wird es mir nichts, das weiß ich ja, aber wenn ich diesen fast mystischen Platz kennen würde, ja dann…! Was dann? Kommt jemand um mich zu trösten? Oder mir die Lebenszeit oder -kraft zu schenken welche ich, vielleicht, nicht hatte? Nehmen wir an, SO EINER käme wirklich an diesem Platz, braucht ja nicht in der Lobau zu sein, obwohl…! Käme also SO EINER, gäbe mir recht und gäbe mir diese Jahre zusätzlich, hängt sie mir sozusagen dran… Würde ich sie nehmen wollen? Einfach anhängen lassen? Was hätte ich dann von diesen, mir zustehenden extra Jahren? Mit einem ausgelaugten Körper und einem unzufriedenen Geist, welcher immer mehr in der Vergangenheit lebt und dann, vor lauter Frust, sich verweigert? Empört würde ich DEMJENIGEN die Schenkung virtuell vor seinen vielleicht nicht vorhandenen Füßen werfen. Einen Ersatz würde ich haben wollen, nicht nur einige schmerz- und leidvolle zusätzliche Jahre. Einen Ersatz, welcher mich in jeglicher Hinsicht zufrieden stellt. Ein neues, volles Leben also! Mit Garantie auf Zufriedenheit!
Ich werde mich also auf die Suche begeben, wo dieser Platz sein könnte. Virtuell natürlich! Im Geist also würde ich mich, nach erfolgreicher Suche, dorthin begeben. Zuerst aber würde ich das Platzl in der Lobau suchen wollen, möchtest du mir helfen bei meiner Suche?
Zur Person: Gabriele Hasmann wurde 1968 in Wien geboren und lebt seit 1969 in Baden. Sie studierte Germanistik und Philosophie, arbeitete danach als Kolumnistin, Lokal- und Kultur-Redakteurin bei der Badener Szene-Zeitung Extrablatt und der Badener Rundschau, war Radio-Nachrichten-Redakteurin und -Sprecherin, Kultur- und Lokal-Reporterin sowie TV-Redakteurin und Producerin.
Bereits als Jungliteratin präsentierte sie Texte vor Publikum auf selbstorganisierten Veranstaltungen wie Marathon-Lesung, Haiku-Lesung, Grusel-Lesung oder Erotik-Liege-Lesung. Zur selben Zeit gab sie die Literaturzeitung „Frischer Wind“ heraus, der drei Jahre lang durch die Stadt fegte. Für „Ein trauriges Krokodil“ erhielt sie 1993 den Bad Wildbader Kinder- und Jugendliteraturpreis (Deutschland), romantische und erotische Fantasien verhalfen ihr 1995 zum Mödlinger Preis für Kurzprosa.
Seit 2010 ist Gabriele Hasmann als selbstständige Schriftstellerin tätig, organisiert darüber hinaus Events zur Nachwuchsförderung, veranstaltet das Mystery Dinner, gibt Schreibkurse und führt auf historischen Pfaden durch Baden und Wien.
Ihre rund 50 Sachbücher zu den Themen True Crime, Gruseliges, Historisches, Regionales und Unterhaltendes sind in den Verlagen Ueberreuter, Styriabooks, Falter und Kral erschienen. Die Schriftstellerin hat außerdem drei Krimis bei den Verlagen Elsengold, Federfrei und Medimont sowie einen Anti-Liebesroman im Luzifer Verlag herausgebracht.
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Liebe Naoko Muneoka, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?
Dass sie unter Wasser geht, zeigt mir die vertikale Tiefe ihrer Gefühle, die man im Japanischen auch gut als „Jonen情念“ bezeichnen könnte. Und dieses Gefühl hat mich beeindruckt, denn im Englischen oder Deutschen gibt es dafür kein Wort. Und wie sie eine horizontal feinst strukturierte Beobachtung aus dieser Emotion darstellt und daraus den Bezug zur Allgemeinheit ableitet und darstellt, fand ich interessant.
Und was ich noch interessant fand, die Liebe, von der erzählt wird, ist nicht mit der Liebe zu identifizieren, die ich mit meinem verstorbenen Mann Josef Kinz hatte. Die in der Geschichte beschriebene Liebe ist das, was ich vor und nach Josef hatte/habe, wofür ich aber das Wort „Liebe“ nicht verwenden würde.
Wie siehst du „Undine“?
Sie ist in mir. Teile von mir identifizieren sich mit Teilen von ihr. Wie das Gefühl ausgedrückt wird, ist fleischlich zu spüren.
„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
Wenn ich die Geschichte lese und sie mir so nahegehen kann, frage ich mich, ob sich so viel verändert hat.
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
Menschen sollten sich im wahrsten Sinne des Wortes lieben. Wenn dies geschieht, geben sich die Menschen gegenseitig Macht und werden gleichzeitig machtlos gegeneinander.
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?
Generelle Auswege sehe ich nicht. Jede/r findet, wenn er/sie kann, seinen/ihren eigenen.
Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?
Die Gefühlsausdrücke und Emotionen, die auch auf meiner Haut haften. Auf der Haut, die sich aus meinen Erfahrungen als Frau auf meiner Oberfläche gebildet hat.
Was bedeutet Dir Natur?
Leben.
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Einige meiner schönsten Kindheitserinnerungen haben mit Wasser zu tun. Das Gefühl meines Körpers, von Wasser umgeben zu sein.
Ansonsten sehe ich es als lebensnotwendiges Element für alle Lebewesen und dass es deshalb die Grundlage für die Suche nach Lebensformen im Universum ist, aber auch Leben nehmen kann.
Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?
Angepasst.
Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?
Wenn ich das wüsste, hätte ich einigen Kummer in meinem Leben weniger…
Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?
Manchmal Magie und manchmal Zeit.
Was lässt Liebe untergehen?
Nicht mehr zu können.
Wie war Dein Weg zur Kunst?
In meiner frühesten Kindheit sagte ich, dass ich Malerin werden will. Ich weiß nicht, warum ich das sagte, aber ich habe diesen Gedanken einfach nicht mehr aufgegeben.
Welche aktuellen Projektpläne hast Du?
Ich arbeite gerade an einer Zeichnung. Ich habe auch schon eine Idee für die nächste Zeichnung.
Im November wird es eine kleine Ausstellung von meinem verstorbenen Mann und mir geben, die seit 13 Jahren jedes Jahr stattfindet.
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?
„…dass einer Hans heißen muss, dass ihr alle so heißt, einer wie der andere, aber doch nur einer…“
Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?
Station bei Hedy Lamarr_ _ Iris Maria Stromberger, Schauspielerin _ Wien _ Hedy Lamarr (Hedwig Eva Maria Kiesler; *9.11.1914 Wien * +19.1.2000 in Casselberry/Florida/USA)Schauspielerin, Erfinderin_
Fotos _Elternhaus/Garten von Hedy Lamarr in Wien/Döbling _
Station bei Hedy Lamarr_ _ Iris Maria Stromberger, Schauspielerin _ Wien _ Hedy Lamarr (Hedwig Eva Maria Kiesler; *9.11.1914 Wien * +19.1.2000 in Casselberry/Florida/USA)Schauspielerin, Erfinderin_
Fotos _Elternhaus/Garten von Hedy Lamarr in Wien/Döbling _
Zum Projekt: Das Literatur outdoors Projekt „Station bei …“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Liebe Iris Maria Stromberger, wir sind hier an biographischen Bezugsorten der Schauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr in Wien/Döbling. Sind Dir die Orte hier vertraut?
Ich kenne Döbling – wie alle in Wien lebenden Menschen – als noble Gegend, als Villenviertel.
Welche Eindrücke hast Du vom Haus, Garten in dem Hedy Lamarr aufgewachsen ist?
Beide passen zum Bild, das ich mir über Hedys Kindheit gemacht habe, sie wirken romantisch, zeigen das gutbürgerliche Wien des frühen 20. Jahrhunderts.
Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zur Schauspielerin und Erfinderin Hedy Lamarr?
Ich finde spannend an ihr, dass die Welt vor allem ihr makellos schönes Gesicht sehen und ihren Erfindergeist gar nicht wahrnehmen wollte. Ein Schicksal, das Hedy Lamarr mit vielen Frauen teilt. Sie selbst sagte dazu: „Die Gedanken der Menschen sind viel interessanter als ihr Aussehen“. Es gefällt mir, wie sie in einer Zeit, in welcher weibliche Ingenieure kaum denkbar waren, ständig auf der Suche nach Lösungen für physikalische wie alltägliche Probleme blieb, immer das Notizbuch zur Hand hatte.
Wie siehst Du als Schauspielerin die Schauspielerin Hedy Lamarr?
Als Schauspielerin finde ich ihren Wagemut am spannendsten, die Kühnheit, ihren nackten Körper zu zeigen, und die Courage, immer wieder ihr Glück zu versuchen. Ansonsten finde ich ihren Erfindergeist interessanter.
Wie erfinderisch bist Du?
Meine „Erfindungen“ sind höchstens Notlösungen. 😉 Ich würde mich im technischen Sinne nicht als erfinderisch bezeichnen.
Möchtest Du einen Film Hedy Lamarrs hervorheben?
Ekstase vielleicht.
Gab es in Deinen Theaterprojekten bisher Berührungspunkte zu Hedy Lamarr?
Keine direkten. Ich interessiere mich grundsätzlich für Leben, Wirken und Schicksal von bekannten/berühmten/mutigen Frauen.
Wie siehst Du den Lebensweg von Hedy Lamarr in allen persönlichen und künstlerischen Herausforderungen?
Ich finde, sie hat ihr sicher schwieriges Leben gut gemeistert. Beeindruckt bin ich von ihren Ideen, ihrer Lust, den Dingen auf den Grund zu gehen, ihrer schon als Kind bemerkenswerten Neugier.
Wie sieht für Dich die Entscheidung zwischen Kunst oder Liebe aus, vor welche Hedy Lamarr ja gestellt war?
Die sollte es als Entweder-Oder gar nicht geben. Mit der Kunst ist man doch untrennbar verknüpft und in einer guten Partnerschaft wird niemand eine solche Forderung stellen. Darüber hinaus besteht das Leben – leider – aus Kompromissen, und natürlich wird gefühlt immer irgendetwas zu kurz kommen. Das liegt aber oft daran, dass man die Alternative nie testen konnte.
Was lässt Liebe wachsen, was untergehen?
Die Liebe wächst auf Vertrauen und darauf, die Basis für dieses Vertrauen zu schaffen. Es braucht Gespräche, Offenheit, auch viel Selbstreflexion.
Und nebenbei hilft es immer, einen ähnlichen Humor zu haben 😉
Wie war Dein Weg zum Theater und was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Mein Weg zum Theater kam damals für mich und meine Eltern recht überraschend. Ich habe meine Leidenschaft erst nach der Matura entdeckt, aber dann war es um mich geschehen. Meine Familie hat nach dem ersten Schock sofort mitgezogen und schon war ich auf der Schauspielschule.
Vor ein paar Jahren habe ich den Verein theater:dieBoot gegründet, den ich mittlerweile gemeinsam mit meinem Partner leite. Wir haben viel am Programm demnächst: Im Herbst eine Tournee mit „Gretchen 89ff“, 2025 bringen wir im Februar „Glaube, Liebe Hoffnung“ auf die Bühne. Danach haben wir auch schon Pläne.
Schau gern immer wieder auf unsere Homepage, wir sind ständig am Tüfteln. 😉
Derzeit vor allem mehr Unterstützung für die Vereinsprojekte (Förderungen, Spielorte, Proberäume).
Was möchtest Du Künstler:innen am Anfang Ihres Weges mitgeben?
Überlegt euch gut, ob ihr nichts anderes machen wollt. Man wird schnell süchtig. 😉
Hättest Du mit Hedy Lamarr gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?
Ich würde mit ihr Schaukeln gehen. Und abwarten, was sie mir erzählt.
Darf ich Dich abschließend zu einem Hedy Lamarr Akrostichon bitten?
Hedwig
Erfinderin
Draufgängerin
Yes not No
Lust
Amerika
Mutig
Abschied
Rätsel
Reise
Station bei Hedy Lamarr_ _ Iris Maria Stromberger, Schauspielerin _ Wien _ Hedy Lamarr (Hedwig Eva Maria Kiesler; *9.11.1914 Wien * +19.1.2000 in Casselberry/Florida/USA)Schauspielerin, Erfinderin_
Fotos _Elternhaus/Garten von Hedy Lamarr in Wien/Döbling _
Iris Maria Strombergerund Walter Pobaschnig im Garten des Wohnhauses (Kindheit/Jugend) von Hedy Lamarr in Wien Döbling
Liebe Anna Maria Stadler, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Meist recht unterschiedlich, ein paar Stunden am Computer sind aber eine Konstante…
Anna Maria Stadler, Schriftstellerin und Künstlerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Was – wie immer – nicht schaden kann, denke ich, ist: einander zugewandt sein.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Was für mich unter anderem das Schöne an der Kunst ist: dass sie sich nicht so leicht auf eine Rolle festschreiben lässt.
Was liest Du derzeit?
„Gesammelte Erzählungen“ von Marlen Haushofer + „Nachwasser“ von Frieda Paris + „Passing Images: Kunst in postdigitalen Zeiten“ von Marie-France Rafael
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„ein Satz kann eine Rückseite (R) haben,
eine ihm zugrunde liegende Geografie“
(aus: Paris, Frieda: Nachwasser. Berlin und Dresden: Voland & Quist 2024, S. 5.)
Anna Maria Stadler, Schriftstellerin und Künstlerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Anna Maria, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Anna Maria Stadler, Schriftstellerin und Künstlerin
Zur Person:Anna Maria Stadler 1992 geboren, hat Bildhauerei, Kulturwissenschaft und Germanistik studiert und lebt als Autorin und Künstlerin in Salzburg. Ihre Arbeiten bewegen sich an den Nahtstellen von Literatur, Bildender Kunst und Theorie. Sie war Finalistin beim Münchner Kurzgeschichtenwettbewerb sowie auf der Shortlist des Wortmeldungen-Förderpreises. Mit Maremma (2022), ihrem ersten Roman, war sie für den Debütpreis zum Österreichischen Buchpreis nominiert
Kommende Romanneuerscheinung von Anna Maria Stadler:
„Drei Frauen gehen aus unterschiedlichen Gründen nicht nach Hause, jede streift für sich durch die Stadt, bevor der Tag vorbei ist. Es ist ihre Stadt, ein Raum geteilter Erinnerungen an ein gemeinsames Aufwachsen. Für Kata ist es ein Ort, an den sie zurückkehren muss, ein Ort voller Erinnerungen, die sie vermeidet. An eine Kindheit, in der nie nach dem Vater gefragt wurde, mit einer Mutter, um die sie sich kümmern musste, bevor diese in einer Anstalt verschwand. Katas Kindheit war anders als die von Mira, ihrer Pflegeschwester, bei der sie auch heute noch unterkommt, wenn sie wieder in der Stadt ist. Miras Wege führen an Plätze, die sie kennt, als wäre seit dem Aufwachsen hier kaum Zeit vergangen. Sarah wiederum bewegt sich an den Randzonen, aus der Stadt und aus ihrem bisherigen Leben hinaus. Sie hat gerade ihr Atelier in einen stillgelegten Trakt eines Krankenhauses übersiedelt. Anders als ihr Freund Elias, mit dem sie nur noch die gemeinsame Wohnung verbindet, weiß sie, dass dies auch ein Abschied ist…“
Anna Maria Stadlers Erzählen bewegt sich in Zwischenräumen unserer Wahrnehmung. Es ist aufregend behutsam, tastend und sicher, zugleich dicht und fragil.
ANNA MARIA STADLER Halbnah Roman ca. 208 Seiten | Gebunden ca. € 23,– | ca. sFr 32,– ISBN 978 3 99027 404 0 | Auch als E-Book
Erscheinungstermin: 22. August 2024
Lesungen aus „Halbnah“, die aktuell feststehen, sind:
Liebe Martina Berscheid, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe in der Regel früh auf, selbst an den Wochenenden, weil ich da am ehesten Zeit habe zum Schreiben. Zunächst gehe ich mit meiner Hündin in den Wald. Der Wald, übrhaupt die Natur, ist für mich Inspirationsort, da klären und sortieren sich Gedanken, kommen Ideen. Schreiben findet ja nicht nur am Schreibtisch statt, die Denkarbeit dazu, die nimmt bei mir sehr viel Raum ein. Im Kopf bin ich sehr viel mit meinen Projekten beschäftigt.
Danach nehme ich mir Zeit für ein ausgiebiges Frühstück, das mir Kraft für die Anforderungen des Tages gibt und meine liebste und wichtigeste Mahlzeit ist.
Mehrmals die Woche arbeite ich danach in meinem Brotjob bis in den Nachmittag, widme mich der Familie, dem Garten, meiner Hündin. In den Zeitnischen dazwischen schreibe ich (am Notebook oder per Hand in meine Notizbücher).
Am liebsten ist mir jedoch der Morgen, auch als Schreibzeit, und wenn ich frei habe und ich ihn für meine Projekte nutzen kann, macht mich das glücklich.
Martina Berscheid, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dass wir uns auf unsere hart erkämpften, wertvollen demokratischen Werte (rück)besinnen sollten. Rassismus, Misogynie, Queerfeindlichkeit und Hass widersprechen. Dagegen anschreiben. Gleichzeitig sollten wir uns bewusst machen, wie wir miteinander umgehen, an einer Umgangskultur mit mehr Toleranz und Wertschätzung arbeiten. Dass wir uns kritisch hinterfragen. Auch zur Bewältigung der Klimakrise, die alle betrifft, ist Zusammenhalt wichtig.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Wesentlich finde ich, dass der demokratischen und sozialen Bildung mehr Raum und auch Geld eingeräumt wird. Dass diejenigen gestärkt werden, die sich dafür einsetzen. Dass sich jede(r) fragt: Was kann ich tun? Außerdem mehr Achtsamkeit im Umgang miteinander. Marginalisierte Gruppen stärken. Solidarität. Literatur und Kunst kommt da eine besondere Rolle zu, indem Missstände thematisiert werden, der Finger in die Wunde gelegt wird. Über Literatur und Kunst erfolgt auch ein anderer Zugang zu diesen Themen.
Da ich Autorin bin, kann ich das für die Literatur etwas ausführen: Beim Schreiben widme ich mich immer auch gesellschaftlichen Themen. Mal leiser, mal lauter. Aber immer so, dass ein Gefühl zurückbleibt, eine Unruhe. Manchmal auch Wut. Etwas, das herausfordert, sich mit dem Text und darüber hinaus mit den Themen zu beschäftigen. Oder mit den Figuren, deren Rollen. Literatur kann ein Anstoß sein.
Was liest Du derzeit?
„Frauenliteratur“ von Nicole Seifert (Kiepenheuer & Witsch) – ein großartiges Buch, in dem die Autorin die systematische Benachteiligung von Frauen und damit eine Form von Misogynie im Literaturbetrieb und der Literaturgeschichte aufzeigt. Ein Buch, das ich nur jeder und jedem empfehlen kann.
Zudem „Black Vodka“ von Deborah Levy (Kampa Verlag), großartige Kurzprosa.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„… manche Menschen brauchen die Worte anderer, um Zugang zu sich selbst zu finden. Deswegen ist Literatur so wichtig.“
(Aus meiner Kurzgeschichte: „Die Worte anderer“, erschienen in „Am Grab von Joseph Brodsky: 30. Würth Literaurpreis, Swiridoff Verlag, 20. Oktober 2019)
Vielen Dank für das Interview, liebe Martina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Martina Berscheid, Schriftstellerin
Zur Person: Martina Berscheid, geboren 1973 in Kaiserslautern, studierte Biologin, schreibt Prosa – Kurzgeschichten, Erzählungen, Romane -, aber auch Haikus. Sie liebt vielschichtige Figuren und hat ein Faible für Sprachbilder. In ihren Texten lotet die Autorin die Beziehungen zwischen den Menschen aus, das Ungesagte, Verborgene. Einige ihrer Kurzgeschichten wurden in Anthologien und Literaturzeitschriften publiziert.
2015 erhielt sie den Hans-Bernhard-Schiff-Literaturpreis der Stadt Saarbrücken. Veröffentlichungen: „Leichtgewichte“, (Erzählungen, 2017), „Das Echo unseres Schweigens“, (Roman, 2018, Rabenwald Verlag, „Die Klassenkameradin“, (2023, Edition Schaumberg, 2020 Longlist des Blogbuster-Preises), „Fremder Champagner“ (Erzählungen, April 2024).
Martina Berscheid lebt mir ihrer Familie in Homburg/Saar.
Aktueller Erzählband von Martin Berscheid:
„Ein Familienfest, scheinbar ohne konkreten Anlass. Und wie immer in den letzten Jahren dominieren Belanglosigkeiten und Sticheleien das Gespräch – über wirkliche Probleme sprechen weder die drei erwachsenen Kinder noch ihre Eltern. »Nirgends wird so viel gelogen und verschwiegen wie in Familien«, denkt Claire. »Oder ist das nur in unserer so?« Doch dann werden die Geschwister unverhofft mit ihren Kindheitserinnerungen konfrontiert …
Fünfzehn Erzählungen über Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen, einfühlsam und genau beobachtet, mit einem feinen Gespür für Stimmungen und zwischenmenschliche Beziehungen. Spannend und mit überraschenden Wendungen.“
Martina Berscheid: Fremder Champagner Erzählungen Mirabilis Verlag, 16.04.2024 ISBN 978-3-947857-25-8 Hardcover, Schutzumschlag, Fadenheftung Umschlaggestaltung: Florian L. Arnold, „THE MORE YOU SEA“, 2021 236 Seiten 24 €
Liebe Gabriele Hasmann, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich arbeite von zu Hause aus als selbstständige Autorin, stehe also morgens auf, schalte den Laptop an und arbeite – mit gelegentlichen Unterbrechungen, um eine Hunderunde zu gehen oder mich abends mit Freunden zu treffen – bis nachts an meinen Büchern, Stücken, Führungen …
Gabriele Hasmann, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Dasselbe, wie immer schon: Fürsorge, Empathie und Geduld.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ebenfalls dasselbe wie immer schon, denn Aufbruch und Neubeginn sowie den damit einhergehenden Unsicherheiten, Problemen und Krisen gab es zu jeder Zeit: Kunst hat stets Geist, Herz und Seele geöffnet, Klarheit geschaffen, Verständnis geweckt und Trost gespendet.
Was liest Du derzeit?
Ich konsumiere Literatur via Hörbuch – derzeit: „Totholz“ von Andreas Föhr.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Im Makrokosmos gilt: Was Bestimmung ist, wird sein. Im Mikrokosmos können wir selbst ein Umfeld voller Harmonie, Liebe und Frieden schaffen und damit unsere Wegbegleiter „anstecken“, um nachhaltig den Makrokosmos positiv zu beeinflussen.
Vielen Dank für das Interview, liebe Gabriele, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Gabriele Hasmann, Schriftstellerin
Zur Person: Gabriele Hasmann wurde 1968 in Wien geboren und lebt seit 1969 in Baden. Sie studierte Germanistik und Philosophie, arbeitete danach als Kolumnistin, Lokal- und Kultur-Redakteurin bei der Badener Szene-Zeitung Extrablatt und der Badener Rundschau, war Radio-Nachrichten-Redakteurin und -Sprecherin, Kultur- und Lokal-Reporterin sowie TV-Redakteurin und Producerin.
Bereits als Jungliteratin präsentierte sie Texte vor Publikum auf selbstorganisierten Veranstaltungen wie Marathon-Lesung, Haiku-Lesung, Grusel-Lesung oder Erotik-Liege-Lesung. Zur selben Zeit gab sie die Literaturzeitung „Frischer Wind“ heraus, der drei Jahre lang durch die Stadt fegte. Für „Ein trauriges Krokodil“ erhielt sie 1993 den Bad Wildbader Kinder- und Jugendliteraturpreis (Deutschland), romantische und erotische Fantasien verhalfen ihr 1995 zum Mödlinger Preis für Kurzprosa.
Seit 2010 ist Gabriele Hasmann als selbstständige Schriftstellerin tätig, organisiert darüber hinaus Events zur Nachwuchsförderung, veranstaltet das Mystery Dinner, gibt Schreibkurse und führt auf historischen Pfaden durch Baden und Wien.
Ihre rund 50 Sachbücher zu den Themen True Crime, Gruseliges, Historisches, Regionales und Unterhaltendes sind in den Verlagen Ueberreuter, Styriabooks, Falter und Kral erschienen. Die Schriftstellerin hat außerdem drei Krimis bei den Verlagen Elsengold, Federfrei und Medimont sowie einen Anti-Liebesroman im Luzifer Verlag herausgebracht.
„Immer wenn ich durch die Lichtung kam und die Zweige sich öffneten, wenn die Ruten mir das Wasser von den Armen schlugen, die Blätter mir die Tropfen von den Haaren leckten, traf ich auf einen, der Hans hieß…“
„Ja, diese Logik habe ich gelernt, dass einer Hans heißen muss, dass ihr alle so heißt, einer wie der andere, aber doch nur einer. Immer einer nur ist es, der diesen Namen trägt, den ich nicht vergessen kann, und wenn ich euch auch alle vergesse, ganz und gar vergesse, wie ich euch ganz geliebt habe…„
„Es gibt keine Fragen in meinem Leben.
Ich liebe das Wasser, seine dichte Durchsichtigkeit, das Grün im Wasser und die sprachlosen Geschöpfe (und so sprachlos bin auch ich bald!), mein Haar unter ihnen, in ihm, dem gerechten Wasser, dem gleichgültigen Spiegel, der es mir verbietet, euch anders zu sehen. Die nasse Grenze zwischen mir und mir …“
„Ich habe keine Kinder von euch, weil ich keine Fragen gekannt habe, keine Forderung, keine Vorsicht, Absicht, keine Zukunft und nicht wusste, wie man Platz nimmt in einem anderen Leben. Ich habe keinen Unterhalt gebraucht, keine Beteuerung und Versicherung, nur Luft, Nachtluft, Küstenluft, Grenzluft, um immer wieder Atem holen zu können für neue Worte, neue Küsse, für ein unaufhörliches Geständnis: Ja. Ja.
Wenn das Geständnis abgelegt war, war ich verurteilt zu lieben; wenn ich eines Tages freikam aus der Liebe, musste ich zurück ins Wasser gehen, in dieses Element, in dem niemand sich ein Nest baut, sich ein Dach aufzieht über Balken, sich bedeckt mit einer Plane. Nirgendwo sein, nirgendwo bleiben. Tauchen, ruhen, sich ohne Aufwand von Kraft bewegen – und eines Tages sich besinnen, wieder auftauchen, durch eine Lichtung gehen, ihn sehen und ″Hans″ sagen. Mit dem Anfang beginnen…“
Fotos_Klagenfurt/Henselstr._Wohnhaus von Ingeborg Bachmann_Kreuzbergl
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Liebe Marilene Novak, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?
Es liest sich wie eine ewig gültige Wahrheit und spiegelt das Leben von vielen Frauen in vielen Kulturen. Ob er Hans, Rainer oder Michael heißt ist Nebensache. Das Drama um Mann und Frau geht immer weiter.
Unsere Frauenhäuser sind voll und viele Frauen trauen sich nicht dorthin zu gehen…
Wie siehst Du „Undine“?
Undine ist ein Wesen der Leichtigkeit, Lebensfreude und einem verspielten Zugang zum Leben. Leider wird ihr das schnell genommen in der menschlichen Erfahrung im Umgang mit der Liebe. Die Liebe ist wie die Rose voller Dornen, an denen man sogar sterben kann. Die Undine ist personifizierte Freiheit und Unabhängigkeit, zur Hingabe und Liebe fähig aber ohne jeden Schutz ausgeliefert, weil sie den Schmerz noch nicht kennt, wie ein kleines Mädchen, aber durch die Tränen reift sie heran zu einer Frau, einer echten starken und weisen Frau.
„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
Eigentlich so gut wie nichts. Es gibt immer wieder gute Ansätze. Aber der Mann lässt sich nicht so einfach verdrängen von seiner Vormachtsstellung, er kämpft mit allem, was ihm zur Verfügung steht, um dort zu bleiben und weiter zu herrschen. Die Frau allerdings holt ihn bald ein und er wird weichen müssen. Die Evolution bleibt nicht stehen, sie geht weiter und bahnt sich wie das Wasser seinen Weg…aber es werden noch viele Opfer der Frauen gebracht werden müssen.
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
Es hat sich nicht viel verändert, oft nur an der Oberfläche, doch in die Tiefe der Seele des Mannes ist es noch nicht vorgedrungen die Frau zu sehen als sein Spiegelbild und seine Plattform, auf der er sich entwickeln soll. Zu tief sitzen noch alte Muster und Vorstellungen, eingeimpft von nichts ahnenden Müttern, welche selbst an der Unterdrückung zerbrochen sind, vorgelebt von Vätern, die es auch nicht besser wussten.
Bewusstwerdung ist unser einziger Ausweg.
Zu tief sitzt die Angst des Mannes vor der Frau. Der überlegenen Frau, die Frau wird immer überlegen sein. So wollte es die Natur.
Frauen sind Mütter (oder können es sein, was dasselbe ist, alle Anlagen sind ja vorhanden), das ist ihre Superkraft, diese Kraft so unendlich ein anderes Wesen zu lieben, manchmal bis zur völligen Selbstzerstörung, die Fähigkeit für ein Wesen so zu kämpfen und es zu beschützen hat nur die Frau!!!!
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?
Entwicklung, vor allem die Entwicklung der Männer. Gerald Hüther nennt es „den Entwicklungsweg des Mannes zu einem Liebenden“. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Mann sich wieder besinnen soll auf seine Fähigkeit zu beschützen, zu bewundern und ein Gefährte auf Augenhöhe zu sein.
Leider besitzen diese Fähigkeiten eine absolut verschwindende Anzahl an Männern. Zumindest in meinem Umkreis. Dies sehe ich auch eng mit dem kapitalistischen System verbunden, in dem der Mann gelernt hat, sich nur über äußeren Erfolg zu definieren.
Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?
Ich muss nichts mitnehmen, da ich es schon in mir habe. In mir und gewiss in vielen, wenn nicht allen Frauen steckt ein Teil von „Undine geht“, man muss ihn nur bewusst wahrnehmen. Undine ist ein immer gültiger Archetypus der in der weiblichen Psyche anzutreffen ist.
Was bedeutet Dir Natur?
Mein Rückzugsort, um Kraft zu tanken. Ich bin bin ihr verbunden in großer Dankbarkeit.
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Zu Wasser habe ich ein etwas ambivalentes Verhältnis, da ich als Kind einmal fast ertrunken wäre, ich kann es noch fühlen diese Urgewalt, die mich fast verschluckt hat. Ich habe Respekt vor dem Wasser. Wasser zieht uns Menschen aber sehr an, wir sind ja zu überwiegendem Anteil selbst aus Wasser. Wasser ist unsere Urmutter. Wasser und Erde. Ohne Wasser kein Leben.
Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?
Da ich am Land lebe, bin ich ganz nah dran und genieße jede Jahreszeit mit ihren individuellen Schönheiten. Den Frühling mit seiner Hoffnung, den Sommer mit seiner reichen Frucht, den Herbst mit seinen Farben und den Winter mit seiner Stille- so findet man in allem etwas, das einem selbst und den Entwicklungsweg des Menschen wiedergibt und illustriert.
Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?
Es gibt immer nur einen Weg: den Weg zur Selbstliebe. Dieser Weg ist gekennzeichnet durch die Arbeit an sich selbst, Reflexion der eigenen Worte Taten und Handlungen. Jeden Tag können wir uns entscheiden, wer wir sein möchten.
Eigenliebe führt zur Nächstenliebe und zur Liebe zur ganzen Schöpfung…der Weg ist bekannt. Gehen muss ihn jeder selbst. Wie kann ich jemandem böse sein, wenn ich dessen Wunden erkenne?
Allerdings muss sich jeder schützen vor Menschen, die Grenzen nicht respektieren.
Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?
Ehrlichkeit. Und zwar bedingungslose. Kommunikation auf Augenhöhe und Respekt vor dem Gegenüber.
Was lässt Liebe untergehen?
Selbstsucht, Respektlosigkeit, Untreue auf allen Ebenen aber auch Selbstvernachlässigung
Wie war Dein Weg zur Musik, zum Schauspiel?
Es war immer da, immer. Aber der Entwicklungsweg war hart und steinig.
Welche aktuellen Projektpläne hast Du?
Ich habe regelmässig Konzerte und kleinere Projekte. Bin für alles offen. Das nächste Konzert ist am 1.8 die Wörthersee Gala- Oper & Operette im Casineum in Velden. Mein Herzensprojekt. Ansonsten arbeite ich selbst in einem Kunst und Kulturverein- dem Kulturforum und Kunstkabinett Kärnten, dort passiert einiges in verschiedenen Sparten, es ist immer was zu tun, wenn man will…
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?
„Und wenn eure Küsse und euer Samen von den vielen großen Wassern (Regen, Flüssen, Meeren) längst abgewaschen und fortgeschwemmt sind, dann ist doch der Name noch da, der sich fortpflanzt unter Wasser, weil ich nicht aufhören kann, ihn zu rufen, Hans, Hans…“
Liebe bleibt, Liebe sitzt in unseren Zellen bis ans Ende unserer Tage.
Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?