„Positive Energie ist im Alltag besonders wichtig“ Jenny Schäuffelen, Musikerin _ Berlin 10.9.2024

Liebe Jenny Schäuffelen, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich bin freischaffende Musikerin und meistens am Wochenende wegen unserer Konzerte mit Pariser Flair unterwegs. In der Woche übe und probe ich und mache gemeinsam mit meiner Kollegin Marie am Computer Booking, Organisation der Konzerte und Tourplanung. Ich habe Familie, also verbringe ich einen großen Teil meines Alltags und meiner Freizeit natürlich mit meinen Söhnen und meinem Mann. Ich mache täglich Yoga und laufe gern zum Ausgleich.

Jenny Schäuffelen, Pianistin
& Akkordeonistin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Meiner Meinung nach ist positive Energie im Alltag besonders wichtig. Wir haben in jeder Lebenssituation die Chance zu entscheiden, wie wir mit dieser umgehen wollen. Es nützt manchmal, kurz innezuhalten und abzuwarten, nicht gleich zu reagieren, sondern ein paarmal durchzuatmen, damit vermeide ich viel Ärger und Aggression. Es gibt so viel Stress und schlechten Umgang miteinander, in Diskussionen live oder auch im Netz, an der Supermarktkasse oder im Auto. Ich versuche mit allen Situationen offen und liebevoll umzugehen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Die Zeiten sind unruhig und sicher haben wir alle oft Angst vor der Zukunft. Flexibilität und Offenheit allem gegenüber was ansteht, finde ich sehr wichtig. Meiner Kollegin und mir liegt das Thema Umwelt sehr am Herzen, wir haben ein Projekt namens „Poseidon und die Plastiksee“ ins Leben gerufen, ein Stück für Jugendliche und Erwachsene, das meine Kollegin Marie Giroux geschrieben hat, bei dem es um das Thema Plastikverschmutzung im Meer geht, aber auf märchenhafte und fantasievolle Weise. Auch da bemühen wir uns, ernsthafte Themen positiv zu kommunizieren. Wir positionieren uns auf der Bühne ganz klar für Toleranz und gegen Ausgrenzung in jeglicher Form.

Was liest Du derzeit?

Ich habe zuletzt ein Buch gelesen namens „Söhne großziehen als Feministin“, wo es darum geht, wie man in der Erziehung von zukünftigen Männern Rollenbilder etc. vermittelt. Da waren einige sehr schöne Gedanken drin. Oft lese ich auch gern etwas Leichteres, wie einen historischen Roman oder Liebesroman. Ich bin eine große Freundin von Hörbüchern.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum – Nietzsche

Vielen Dank für das Interview, liebe Jenny, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Jenny Schäuffelen, Pianistin & Akkordeonistin

Zur Person/über mich: Jenny Schäuffelen musste noch nicht in die Schule, als sie das erste Mal ans Klavier herangelassen wurde – sie war fünf Jahre alt.

Früh hat sie erkannt, dass sich ihr Temperament optimal für alle Charakteristiken einer erstklassigen Pianistin und Begleiterin eignet: abgesehen von ihrem technischen Können bringt sie ausreichend Geduld und Einfühlungsvermögen mit für den Umgang mit den zuweilen recht egozentrisch veranlagten Sängerinnen und Sängern.

Sie verliebte sich so sehr in den Klang des Klaviers, dass sie das Instrument erfolgreich an der renommierte Hochschule für Musik Hanns Eisler studiert hat und mit einigen feinen Meisterklassen für Liedbegleitung und Improvisation ihr Können noch geadelt hat.

In ihrem grenzenlosen Eifer beim Bedienen der schwarz-weissen Tasten hat sie dann noch die perfekte Ergänzung entdeckt: das Akkordeon. Seitdem bindet sie das extravagante Instrument in ihr Musizieren ein.

Sie sieht sich vorwiegend als Klavierbegleiterin in den Bereichen Oper, Lied, Musical und Chanson, hat aber auch gern ab und an die Bühne als Solistin für sich allein.

Jenny Schäuffelen hat schon in mehreren Projekten die musikalische Leitung übernommen, was für sie keine Schwierigkeit darstellt, denn in Führungspositionen ist sie bestens geübt: Privat leitet sie mit größter Virtuosität eine vierköpfige Familie.

Auch hat sie keine Scheu davor, Marie Giroux bei ihren charmanten Moderationen auf trockene norddeutsche Art zu unterstützen.

Für Bühnenerfolge ist ansprechendes Aussehen immer eine glückliche Fügung. Wer die Farbe blau definieren möchte, möge ihr in die Augen schauen…

Neben der Musik kennzeichnen sie zwei weitere Leidenschaften: Sie pflegt ein ausgeprägtes Faible für Polkadots, und Pralinen haben bei ihr kein langes Leben…  

Pariser Flair | Chanson mit Niveau, Klassik mit Sexappeal (pariser-flair.de)

Foto_privat.

Walter Pobaschnig _ 1.9.2024

https://literaturoutdoors.com

Station bei Undine _ „eine Vagabundin, ein Gast im Leben anderer“ Linda Pichler, Schauspielerin _ Wien 10.9.2024

Linda Pichler, Schauspielerin _  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.
Linda Pichler, Schauspielerin _  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _ Heinz Bachmann

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Liebe Linda Pichler, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?

Für mich handelt „Undine geht“ von einer Abzweigung, die auf einen Weg verführt, der parallel zu den geordneten Bahnen des Gewohnten verläuft. Es ist eine Flucht vor dem Leben, das man sich geschaffen hat, weil es sich so gehört. Irgendwann droht man nicht mehr zurückzukönnen aufs Alltagstrottoir- denn es gibt Geheimnisse, die schnüren dem Leben, wie man es kannte, oder sich selbst, wie man sich zu kennen glaubte, die Luft ab. Dann mag man verleitet sein zu fragen „Was hast du aus mir gemacht?“ statt „Was habe ich aus mir machen lassen? Und was hat mir daran gefallen?“ 

Wie siehst Du „Undine“? 

Undine sehe ich als Vagabundin, als Gast im Leben anderer- sie umarmen sich, tauschen Vertraulichkeiten aus, doch letzten Endes bleibt Undine ungreifbar. Bekommt sie sich selbst zu fassen? Ist Undine sich dann am nächsten, wenn sie zurück ins Wasser geht? Ich glaube ja. 

„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern? 

Heutzutage ist vieles im Wandel, das fängt schon bei unserer Vorstellung von Geschlecht an sich, von der Einsortierung in diese zwei Kategorien an. Ich sehe, dass diese Hinwendung zum Hinterfragen und neu Definieren auch in vielen Menschen Verunsicherung und sogar Hass auslöst. Ganz verstehen kann ich das nicht- nur weil jemand sagt „dieses Leiberl passt mir nicht, ich zieh das andere an“ oder „ich strick mir ein Neues“, heißt das ja nicht, dass mein eigenes Leiberl gestohlen oder beschmutzt wird. Ich wünsche mir, dass jeder Mensch ein selbstbestimmtes und authentisches Leben führen kann, wie auch immer das für ihn aussehen mag. 

Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute? 

Seit 2023 sind in Österreich erstmals mehr Bürgermeisterinnen im Amt, als Männer mit dem Vornamen „Josef“. Das war eine Schlagzeile, ist das nicht skurril? Auch wenn auf kleine und größere Fortschritte verwiesen werden kann, sind Männer auch heute noch überrepräsentiert in entscheidungstragenden Positionen. 

Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?

Vielleicht fragst du da die Falsche, ich ziehe das Scheitern dem Dulden vor. Manchmal muss etwas ordentlich kaputt gehen, bevor etwas Neues entstehen kann. Ich sehe uns nicht in der Verantwortung den Weg der Befreiung mit Bitten und Versprechungen wie „Wir sind doch auch Menschen“ oder „Ihr habt auch was davon“ auszuleuchten, und zu hoffen, dass, wenn wir nur freundlich genug lächeln, Männer ihn mit uns beschreiten werden. Nein, wir gehen ihn einfach. Die Männer, die ich schätze, die mir Gefährten sind und ich ihnen, haben ihre Prinzipien auf diesen Weg geführt und so begegnen wir uns. 

Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute  mitnehmen? 

Als Künstlerin bewundere ich Bachmanns feinsinnige Art die Welt und die Menschen um sie herum wahrzunehmen und ihre Trittsicherheit im Schreiben, die diese Eindrücke für uns fassbar machen konnte. Den Raum in sich zu finden für so viel Differenziertheit in der Betrachtung anderer Personen, das beeindruckt mich auch menschlich. 

Was bedeutet Dir Natur? 

Manchmal stelle ich mir vor, dass ich den Bus raus in ein Erholungsgebiet nehme, aber ich tue es dann doch recht selten- schade eigentlich! Naja, etwas davon haben wir ja auch in der Stadt, eingegrenzt und kuratiert aber doch! Das finde ich an Wien auch sehr erfrischend, die Blumen und die vielen  Grünflächen.

Was bedeutet Dir das Element Wasser? 

Im Fluss sein ist alles, im Sommer und überhaupt. 

Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten? 

Ich versuche mich entweder an dem zu erfreuen was ist oder wenn mich das anzipft, dann an dem, was bald kommen und es ablösen wird. 

Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben? 

Effizienter und schonender mit seinen und ihren Ressourcen umgehen. 

Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen? 

Großzügigkeit.

Was lässt Liebe untergehen? 

Groll. 

Wie war Dein Weg zum Schauspiel? 

Der war an sich sehr klar, ich habe diesen Drang dorthin schon früh in der Kindheit verspürt.

Welche aktuellen Projektpläne hast Du? 

Im Moment bereiten meine gute Freundin und Kollegin, Lara Bumbacher, und ich unsere nächste Drag Performance für das „From Kings to Queens“ Event am 04.10. vor. Das ist eine Nische der Performancekunst abseits vom Beruf, in der wir sehr frei und ausgelassen kreativ sein können! Über alles andere, was noch nicht liegt und pickt, schweige ich lieber! 

Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben? 

In euren schwerfälligen Körpern ist eure Zartheit zu loben. Etwas so besonders Zartes erscheint, wenn ihr einen Gefallen erweist, etwas Mildes tut. Viel zarter als alles Zarte von euren Frauen ist eure Zartheit, wenn ihr euer Wort gebt oder jemand anhört und versteht. 

Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten? 

Urquell     

Nachtaktiv   

Dickicht   

Irrweg   

Nymphengesang

Erlösung

Genügen

Einsamkeit

Heuchelei

Tränen

Linda Pichler, Schauspielerin _  Wien   _
 performing „Undine geht“
 _ Donau/Wien _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Herzlichen Dank, liebe Linda!

Linda Pichler und Walter Pobaschnig _
8/24 Donau/Wien

Alle Fotos & Interview_Walter Pobaschnig

https://literaturoutdoors.com 8/24

„Güte“ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin _ Give Peace A Chance _ Wien 10.9.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Güte ist ein Fremdwort geworden

Innen und außen ist es kalt

Verbrechen an Kindern sind alltäglich

Es geht nur um Macht


Propaganda wirkt

Einfältig wird genannt, wer Frieden will

Aus Söhnen, Vätern und Brüdern werden Soldaten

Clever werden Todesstatistiken geschönt

Einsicht gibt es nicht


Alles erlaubt fürs „richtige“ Ziel


Countdown läuft

Hass gegen die, die den Frieden wollen und

Alle, die nicht mitziehen

Neutralität wird verachtet und

Charakter verlacht

Ewig das gleiche, böse Spiel – wann kommt Einsicht!



Elfriede Schüsseleder, 7.9.2024

Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace

Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin

Zur Person/über mich: die Leidenschaft für Theater und Balett begann in der Kindheit, schon während der Schauspielausbildung spielte ich an Wiener Kellerbühnen. Danach ging es nach Luzern, weiter nach Klagenfurt, wo ich 18 Jahre blieb.26 Sommer spielte ich bei den Komödienspielen Porcia. Dann ging es weiter nach Aachen und nach Frankfurt – in dieser ganzen Zeit wurde ich mit Traumrollen verwöhnt. Dann kam ich nach Wien, gastierte am Volkstheater und landete schlussendlich in der „Josefstadt“, für fast 19 Jahre, bis 2023. TV und Film sind immer wieder willkommene Genre-Wechsel und jetzt habe ich ein Buch geschrieben und bei Hoanzl (und auf Bandcamp) ist meine CD :“durch deine Aug’n “ erschienen, Knef Lieder, wienerisch.

Elfriede Schüsseleder, 7.9.2024

Aktuelles Buch von Elfriede Schüsseleder:

Das Reich meiner Mutter. Erinnerungen. Elfriede Schüsseleder

Sie liebte das Gute, Wahre und die Schönheit.

Die Josefa ist zwei Jahre alt, als der erste Weltkrieg beginnt und der Vater überlebt ihn nicht. Als der Krieg endet, fängt für sie die große, persönliche Herausforderung ihres Lebens an: Krankheit.
Auf einem kleinen Bauernhof, im süd-westlichen Niederösterreich, nach dem Krieg, gibt es keine Möglichkeiten für wirksame medizinische Behandlung. Sie erduldet unmenschliche Schmerzen, Einsamkeit, erhält nur unzureichende Schulbildung – und wächst doch heran zu einer hübschen, selbstbestimmten jungen Frau mit großer, innerer Kraft. Urvertrauen in die gütige Vorsehung kann man es nennen.

Sie kann ihren Wunsch, Schneiderin zu werden, mit viel Ausdauer und Entbehrungen verwirklichen, und auch ihre Sehnsucht nach einer eigenen Familie wird erfüllt. Aber sie und ihr „Auserwählter“ könnten gegensätzlicher nicht sein, dementsprechend turbulent ­gestaltet sich das Eheleben der beiden. Sie wird das Zentrum der Kraft, das diese Familie, mit vier Kindern, zusammenhält. Durch alle Geldnöte und krankheitsbedingte Erschwernisse hindurch, geht sie mit Humor, Disziplin, Liebe und einer gesunden Portion Hartnäckigkeit ihren Weg, bis zu einem würdevollen Ende hin.
Sie war meine Mutter.

https://www.bibliothekderprovinz.at/buch/8375/

ISBN: 978-3-99126-309-8

19,5×13 cm, 160 Seiten, m. 12 S/W-Abb., fadengeheftetes Hardcover

€ 20,00 €

Aktuelle CD von Elfriede Schüsseleder:

Durch deine Aug’n: Knef Lieder

mit Elfriede Schüsseleder & Band _ CD

  • 1 I fühl mi schuidig
  • 2 Ans und ans san doch zwa
  • 3 I bin nur schlaflos
  • 4 Die oide Frau
  • 5 Dei erstes graues Hoa
  • 6 A Sonnenhuat im weichn Gras
  • 7 A Mann – a Frau – des Mädchen
  • 8 Wötuntagang mit Blick am See
  • 9 Nur mit dir

Bei dem vorliegenden Album handelt es sich um ein Herzensprojekt der aus Theater und Film / Fernsehen bekannten Schauspielerin Elfriede Schüsseleder.
Auf „durch deine Aug´n“ überträgt Schüsseleder einige der schönsten, aber auch traurigsten Lieder der unsterblichen Hildegard Knef ins Wienerische und unterstreicht hierbei mit ihren sehr persönlichen Übersetzungen die zeitlose Größe und auch die emotionale Tiefe und Aktualität der Knef Texte. Für die musikalische Umsetzung konnte sie den Akkordeonisten und Arrangeur Miloš Todorovski gewinnen, unter seiner Leitung trägt, zieht und schaukelt eine mit Todorovski, Marko Forlan, Philipp Moosbrugger und Christian Eberle hochkarätig besetzte Jazzband den Zuhörer genüsslich durch die mal leichten, mal schweren, immer auch sehnsüchtigen Lieder.

Linernotes: „Als mir der Akkordeonist und Arrangeur Miloš Todorovski erstmals von einem ins Wienerische übersetzten Knef-Programm erzählte, war ich eher skeptisch. Die sehr verehrte und dennoch ewig unterschätzte Hildegard Knef und ihre Musik, ihre Arbeit mit Cole Porter, Legrand, Kaempfert, ihre Filme, ihre Texte – die Knef begleitet mich schon seit meiner Kindheit, wozu dem bereits vorhandenen Original und dem unüberschaubaren Kanon an Knef-Cover Projekten nun noch eine Wiener Variante hinzufügen? Die Schauspielerin Elfriede Schüsseleder, seit vielen Jahrzehnten für Theater, TV und Film tätig, möchte den sachlichen, klaren und doch so poetischen Texten von Hildegard Knef ihre ganz persönliche, weiche, wienerische Variante gegenüberstellen, weil diese Sprache für sie größtmögliche Poesie und Herbheit verbindet. Diesen Ansatz fand ich spannend. Selber schon „älteres Semester“ wie sie sagt, wollte sie Lieder wählen, die mit dem „später im Leben“ zu tun haben und da sind die Texte der Knef ein reicher Fundus. Miloš Todorovski hat mit seinen Arrangements die Lieder kongenial vom großen Orchester auf die kleine Band übersetzt in dem Bestreben, die Kraft und den Charakter dieser Musik zu bewahren. Nach etwas Planung und nur einer Probe wurde das vorliegende Album unter seiner Leitung an einem kalten Februartag live in meinem Wohnzimmerstudio eingespielt. Ich hoffe, man hört und spürt die Liebe, den Respekt und auch den Spaß, mit dem hier gearbeitet wurde und wünsche mir, dass unsere Arbeit auch außerhalb des Studios auf offene Ohren stößt. Philipp Moosbrugger, Wien, Mai 2024“

Preis 17,99 €

https://www.hoanzl.at/durch-deine-aug-n-knef-lieder.html

Fotos_Portrait: Jan Frankl; CD-Cover _ Michaela Krauss-Boneau.

Walter Pobaschnig _ 7.9.2024

https://literaturoutdoors.com

„Hoffnung“ Ellen Halikiopoulos, Sängerin _ Give Peace A Chance _ Wien 8.9.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Gemeinsam

Intuition

Verspieltheit

Einzigartigkeit


Pink

Ehrlichkeit

Authentizität

Chorgesang

Emotionen


Achtsamkeit


Chemie

Hoffnung

Atem

Natur

Charakter

Ewigkeit


Ellen Halikiopoulos, 5.9.2024

Ellen Halikiopoulos, 
klassische Sängerin und Gesangs – und Klavierpädagogin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace

Ellen Halikiopoulos, klassische Sängerin und Gesangs – und Klavierpädagogin

Zur Person: Ellen Halikiopoulos studierte Gesang und Klavier an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Elisabeth Berry-Flechl, Annamaria Rott und Peter Barcaba. Ihre Liebe zur Operette lebt sie seit dem Abschluss des Operettenlehrgangs bei Wolfgang Dosch an der Musik und Kunst Privatuniversität Wien in unterschiedlichsten Operettenrollen auf der Bühne aus. Sei es als Rosalinde in „Die „Fledermaus“, als Gräfin Zedlau in „Wiener Blut“, Hanna Glawari in F. Lehárs Operette „Die lustige Witwe“ oder als Kurfürstin in C. Zellers „Der Vogelhändler“. In Wien war sie zuletzt auch in dem zwei Personen Musical „Die Verführerin“ von Paul Hertel zu sehen. Als Gesangssolistin steht sie mit Big Bands, Orchestern und Bands regelmäßig auf der Konzertbühne. In ihrem Soloprojekt brachte sie, begleitet von der Pianistin Sara Tahmasebi, zeitgenössische Lied-Kompositionen von Peter Barcaba zur Uraufführung.

www.ellen.halikiopoulos.com

Foto: Ina Manuguerra

Walter Pobaschnig _ 5.9.2024

https://literaturoutdoors.com

„wir erschaffen die Welt jeden Tag neu“ Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin _ Wien 8.9.2024

Liebe Elfriede Schüsseleder, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Spätsommer genießen, ein bisschen Text lernen, für den kommenden Dreh und: mein Buch bewerben, das im Verlag „Bibliothek der Provinz“ jetzt erschienen ist, das ist derzeit vorrangig. Der Buchtitel ist: „Das Reich meiner Mutter“.

Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich kann und möchte nicht für Andere sprechen, die Prioritäten jedes Einzelnen sind unterschiedlich, persönliches Glück hat viele Gesichter. Aber, ich glaube, dass Achtsamkeit im Umgang mit den Mitmenschen, sowie größtmögliche Toleranz gegenüber Andersdenkenden, wertfreies Beobachten nicht beurteilen, sich auch positiv auf das „Große Ganze“ auswirken. Unser Innerstes korrespondiert mit dem Außen, wir erschaffen die Welt jeden Tag neu und machen sie zu einem guten oder schlechten Ort.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Aus jedem starken Bühnenerlebnis, ob Schauspiel, Oper oder Tanz, kann der Zuschauer zumindest eine Situation mitnehmen, ( jeder eine andere), die ihn berührt, oder zum Denken angeregt hat. Und in jedem Gemälde von Qualität, steckt eine Ahnung von Erkenntnis. Das war und ist, meiner Meinung nach, die Aufgabe der Kunst, im besten Fall kann sie auf dieser Ebene auch  Menschen verändern, sie hat also eine große Verantwortung.

Was liest Du derzeit?

Joey Goebel: Irgendwann wird es gut,

Florian Illis: Zauber der Stille

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die Liebe verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart und der Zukunft“, das habe ich auch in meinem Buch zitiert. Es ist von Khalil Gibran.

Vielen Dank für das Interview, liebe Elfriede, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Buchprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Elfriede Schüsseleder, Schauspielerin, Autorin

Zur Person/über mich: die Leidenschaft für Theater und Balett begann in der Kindheit, schon während der Schauspielausbildung spielte ich an Wiener Kellerbühnen. Danach ging es nach Luzern, weiter nach Klagenfurt, wo ich 18 Jahre blieb.26 Sommer spielte ich bei den Komödienspielen Porcia. Dann ging es weiter nach Aachen und nach Frankfurt – in dieser ganzen Zeit wurde ich mit Traumrollen verwöhnt. Dann kam ich nach Wien, gastierte am Volkstheater und landete schlussendlich in der „Josefstadt“, für fast 19 Jahre, bis 2023. TV und Film sind immer wieder willkommene Genre-Wechsel und jetzt habe ich ein Buch geschrieben und bei Hoanzl (und auf Bandcamp) ist meine CD :“durch deine Aug’n “ erschienen, Knef Lieder, wienerisch.

Elfriede Schüsseleder, 7.9.2024

Aktuelles Buch von Elfriede Schüsseleder:

Das Reich meiner Mutter. Erinnerungen. Elfriede Schüsseleder

Sie liebte das Gute, Wahre und die Schönheit.

Die Josefa ist zwei Jahre alt, als der erste Weltkrieg beginnt und der Vater überlebt ihn nicht. Als der Krieg endet, fängt für sie die große, persönliche Herausforderung ihres Lebens an: Krankheit.
Auf einem kleinen Bauernhof, im süd-westlichen Niederösterreich, nach dem Krieg, gibt es keine Möglichkeiten für wirksame medizinische Behandlung. Sie erduldet unmenschliche Schmerzen, Einsamkeit, erhält nur unzureichende Schulbildung – und wächst doch heran zu einer hübschen, selbstbestimmten jungen Frau mit großer, innerer Kraft. Urvertrauen in die gütige Vorsehung kann man es nennen.

Sie kann ihren Wunsch, Schneiderin zu werden, mit viel Ausdauer und Entbehrungen verwirklichen, und auch ihre Sehnsucht nach einer eigenen Familie wird erfüllt. Aber sie und ihr „Auserwählter“ könnten gegensätzlicher nicht sein, dementsprechend turbulent ­gestaltet sich das Eheleben der beiden. Sie wird das Zentrum der Kraft, das diese Familie, mit vier Kindern, zusammenhält. Durch alle Geldnöte und krankheitsbedingte Erschwernisse hindurch, geht sie mit Humor, Disziplin, Liebe und einer gesunden Portion Hartnäckigkeit ihren Weg, bis zu einem würdevollen Ende hin.
Sie war meine Mutter.

https://www.bibliothekderprovinz.at/buch/8375/

ISBN: 978-3-99126-309-8

19,5×13 cm, 160 Seiten, m. 12 S/W-Abb., fadengeheftetes Hardcover

€ 20,00 €

Aktuelle CD von Elfriede Schüsseleder:

Durch deine Aug’n: Knef Lieder

mit Elfriede Schüsseleder & Band _ CD

  • 1 I fühl mi schuidig
  • 2 Ans und ans san doch zwa
  • 3 I bin nur schlaflos
  • 4 Die oide Frau
  • 5 Dei erstes graues Hoa
  • 6 A Sonnenhuat im weichn Gras
  • 7 A Mann – a Frau – des Mädchen
  • 8 Wötuntagang mit Blick am See
  • 9 Nur mit dir

Bei dem vorliegenden Album handelt es sich um ein Herzensprojekt der aus Theater und Film / Fernsehen bekannten Schauspielerin Elfriede Schüsseleder.
Auf „durch deine Aug´n“ überträgt Schüsseleder einige der schönsten, aber auch traurigsten Lieder der unsterblichen Hildegard Knef ins Wienerische und unterstreicht hierbei mit ihren sehr persönlichen Übersetzungen die zeitlose Größe und auch die emotionale Tiefe und Aktualität der Knef Texte. Für die musikalische Umsetzung konnte sie den Akkordeonisten und Arrangeur Miloš Todorovski gewinnen, unter seiner Leitung trägt, zieht und schaukelt eine mit Todorovski, Marko Forlan, Philipp Moosbrugger und Christian Eberle hochkarätig besetzte Jazzband den Zuhörer genüsslich durch die mal leichten, mal schweren, immer auch sehnsüchtigen Lieder.

Linernotes: „Als mir der Akkordeonist und Arrangeur Miloš Todorovski erstmals von einem ins Wienerische übersetzten Knef-Programm erzählte, war ich eher skeptisch. Die sehr verehrte und dennoch ewig unterschätzte Hildegard Knef und ihre Musik, ihre Arbeit mit Cole Porter, Legrand, Kaempfert, ihre Filme, ihre Texte – die Knef begleitet mich schon seit meiner Kindheit, wozu dem bereits vorhandenen Original und dem unüberschaubaren Kanon an Knef-Cover Projekten nun noch eine Wiener Variante hinzufügen? Die Schauspielerin Elfriede Schüsseleder, seit vielen Jahrzehnten für Theater, TV und Film tätig, möchte den sachlichen, klaren und doch so poetischen Texten von Hildegard Knef ihre ganz persönliche, weiche, wienerische Variante gegenüberstellen, weil diese Sprache für sie größtmögliche Poesie und Herbheit verbindet. Diesen Ansatz fand ich spannend. Selber schon „älteres Semester“ wie sie sagt, wollte sie Lieder wählen, die mit dem „später im Leben“ zu tun haben und da sind die Texte der Knef ein reicher Fundus. Miloš Todorovski hat mit seinen Arrangements die Lieder kongenial vom großen Orchester auf die kleine Band übersetzt in dem Bestreben, die Kraft und den Charakter dieser Musik zu bewahren. Nach etwas Planung und nur einer Probe wurde das vorliegende Album unter seiner Leitung an einem kalten Februartag live in meinem Wohnzimmerstudio eingespielt. Ich hoffe, man hört und spürt die Liebe, den Respekt und auch den Spaß, mit dem hier gearbeitet wurde und wünsche mir, dass unsere Arbeit auch außerhalb des Studios auf offene Ohren stößt. Philipp Moosbrugger, Wien, Mai 2024“

Preis 17,99 €

https://www.hoanzl.at/durch-deine-aug-n-knef-lieder.html

Fotos_Portrait: Jan Frankl; CD-Cover _ Michaela Krauss-Boneau.

Walter Pobaschnig _ 7.9.2024

https://literaturoutdoors.com

„Nicht aufzugeben und nicht das Interesse an Politik und Gesellschaft zu verlieren“ Theresia Töglhofer, Schriftstellerin _ Berlin 7.9.2024

Liebe Theresia Töglhofer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Vormittags arbeite ich für eine Stiftung für Europapolitik, nachmittags schreibe ich. Im Moment bin ich mit „Tatendrang“ auch viel auf Reisen. Das heißt, ich finde mich öfters schreibend im Zug oder an der Bushaltestelle wieder. Manchmal verbringe ich auch einfach nur zu viel Zeit auf Instagram… Aber ich versuche, mich so gut es geht an diese Work-Write-Balance zu halten.

Theresia Töglhofer, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nicht aufzugeben und nicht das Interesse an Politik und Gesellschaft zu verlieren. Im Moment scheint es so, als hätten (Möchtegern-)Diktatoren, Nationalisten und Kriegstreiber die Oberhand und als wüssten sie auch besser, wie man die Menschen mobilisiert (oder manipuliert). Dem müssen wir etwas entgegensetzen und dafür sorgen, dass Demokratie, Pluralismus und gesellschaftliche Teilhabe nicht nur leere Phrasen oder „alte Gewohnheiten“ sind, sondern auf allen Ebenen gelebt werden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Wissenschaft, der Kunst an sich zu?

Ich glaube, die Literatur und die Kunst sind ganz gute Wegweiser, wenn es darum geht, aus der Selbstverständlichkeit herauszufinden und die Verhältnisse neu zu betrachten. Wesentlich dabei ist für mich eine gewisse Neugierde bzw. Offenheit; die Fähigkeit, Ungewissheit auszuhalten; die Spielräume, die uns zur Verfügung stehen, auszuloten, zu nutzen, und manchmal auch zu sprengen.

Was liest Du derzeit?

Das „Gießkannen-Buch“. So nenne ich es in Gedanken, weil es einen sehr langen Titel hat: Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne von Saša Stanišić. Es ist kein Roman, aber auch kein klassischer Kurzgeschichtenband. Vielmehr sind es Erzählungen, die miteinander verwoben sind und eine schöne Dramaturgie ergeben; das gefällt mir ausgesprochen gut.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„There are three rules for writing a novel. Unfortunately, no one knows what they are.“ (W. Somerset Maugham)

Theresia Töglhofer, Schriftstellerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Theresia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Theresia Töglhofer, Schriftstellerin

Zur Person: Theresia Töglhofer, geboren 1985 in Graz. Studium der Geschichte und der Internationalen Beziehungen in Graz und Paris, dann Stationen in Belgrad, Brüssel, Wien, Osijek und Berlin. Analystin für die Außen- und  Erweiterungspolitik der EU. Zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, u. a. 2015 Jury-Preis für Prosa beim 23. Open Mike, 2017 Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses, 2019 Schreibwerkstatt der Jürgen-Ponto-Stiftung und 2023 Shortlist des Wortmeldungen-Förderpreises. Theresia Töglhofer lebt in Berlin und in der Oststeiermark. „Tatendrang“ ist ihr erster Roman.

Aktueller Roman: „Tatendrang“

„Tatendrang“ ist der Roman einer jungen Generation, die das vereinte Europa zu ihrer Spielwiese machen will und dabei selbst zum Spielball fragwürdiger Polit-Strategien wird.

Nach dem Studium hat Hanna Fürst einen der begehrten Praktikumsplätze in der Europäischen Außenzentrale ergattert und ist fest entschlossen, diese Chance zu nutzen. Ihre „Arbeitsgruppe Zukunft“, zu der auch die NGO-Aktivist*innen Lej und Jakov gehören, bekommt die Aufgabe, die friedliche Annäherung von zwei verfeindeten Nachbarstaaten am Rande Europas zu befördern. Doch Hanna verliert sich im rasanten Arbeitstempo und in der Grauzone zwischen Intrigen und Netzwerken. Sie erliegt der Faszination der charismatischen Lej, die als Einzige einen echten Plan zu haben scheint. Als sich die Arbeitsgruppe dagegen wehrt, von einem Krieg eingeholt zu werden, der älter ist als ihre Mitglieder, macht sie sich nicht nur die Zentrale, sondern auch die beiden Nationalstaaten zum Feind …

https://www.residenzverlag.com/buch/tatendrang

Theresia Töglhofer, „Tatendrang“, Roman, Residenzverlag.

Erscheinungsdatum: 12.08.2024

Hardcover, 256 Seiten, Format: 125 x 205

ISBN: 9783701717897

€ 25,00 inkl. MwSt.

E-Book

Fotos _ Portrait: Heike Steinweg

Walter Pobaschnig _ 5.9.2024

https://literaturoutdoors.com

Der Fall der Fantasie, Markus Grundtner. Roman. Edition Keiper.

Markus Grundtner. Schriftsteller _
Wien

Der Fall der Fantasie, Markus Grundtner. Roman. Edition Keiper.

Da ist der Tag als Rechtsanwalt im Büro der Kanzleigemeinschaft. Zwischen Leben und Recht. Zwischen Akten und leuchtendem LED-Zeittempo. Eine strukturierte Welt, der Anatol Altmann folgt, Stunde um Stunde.

Doch dann unterbricht die Kanzleiklingel die Ordnung dieser Innenwelt. Ein RSa-Brief wird ihm aus dem Dunkel des Stiegenhauses gereicht. Und dieses Schriftstück vom HGH, dem Höchsten Gerichtshof, hat es in sich:

„Per null Uhr des heutigen Tages unterfällt Rechtsanwalt Dr.Anatol Altmann nicht mehr der sachlichen und örtlichen Zuständigkeit der weltlichen Gerichte. Ihm steht frei, im außerweltlichen Rechtsbereich des HGH erstmals in seinem Leben weltliche Gerechtigkeit zu erwirken.“

Als er tags darauf das ehrwürdige Gebäude des Wiener Gerichts in der Wickenburggasse über den Keller und den Sicherheitscheck betritt, passiert es. Er wird auf den Brief angesprochen und in einem Raum geführt. An diesem Schreibtisch gibt es Papier, Stift, Würfel, wie im Rollenspiel. Die Beschreibung seiner Person, seines Charakters steht jetzt an. Er macht mit. Und nun öffnet sich eine fantastische Welt zwischen Fall und Urteil, Realität und Möglichkeit, Spiel und Gerechtigkeit wie wundersamen Begegnungen….

„Uns stehen nun einmal außergewöhnliche Kräfte zur Verfügung. Warum sollten wir uns ihrer nicht bedienen?“

Der Wiener Schriftsteller Markus Grundtner, der bereits mit seinem Romandebüt „Die Dringlichkeit der Dinge“ Aufsehen erregte und für den Österreichischen Buchpreis 2022 nominiert war, legt nun mit seinem zweiten Roman „Der Fall der Fantasie“ ein begeisterndes literarisches Feuerwerk sprachlicher Virtuosität, Hintergründigkeit wie gesellschaftlichem Brennglas vor, das ohne Zweifel zum Besten deutschsprachiger Gegenwartsliteratur gehört.

Hier spaziert jemand mitreißend und einer einzigartigen formalen Leichtigkeit mit Kafka, E.T.A.Hoffmann, Descartes und Wittgenstein zu den Grundlagen, Spielvarianten und Grenzen von Sprache und Recht entlang von Straßen, Schlaglöchern, Sackgassen und Horizonten des Lebens.

Markus Grundtner ist ein einzigartiger virtuoser wie hintergründiger Sprachtänzer, der neue Maßstäbe in der Verbindung wie Erfindung literarischer Genres setzt. Sein aktueller Roman ist sicherlich eines der Highlights des Jahres.

„Ein begeisternder Roman, der in virtuosem Sprachspiel literarische Genres mit einer Leichtigkeit jongliert und selbstbewusst neu setzt.“

Der Fall der Fantasie, Markus Grundtner. Roman. Edition Keiper.

Preis: AT € 25,00 / DE € 24,32
Seiten: ca. 264
ISBN13: 978-3-903575-22-6
Erscheinungsdatum: 13. September 2024
Sprache: Deutsch
Format: 12,0 x 20,0 cm; Pappband

Fotos_Walter Pobaschnig _ Wien 9/24

Walter Pobaschnig 6.9.2024

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„die eigenen Werte in Erinnerung zu rufen und sie zu leben“ Ellen Halikiopoulos, Sängerin _ Wien 6.9.2024

Liebe Ellen Halikiopoulos, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus

Ich beginne meinen Tag am liebsten mit einem Kaffee im Bett. Dabei gehe ich bereits im Geiste die einzelnen Punkte des Tages durch. Den Vormittag nutze ich, um zu üben, mich auf Produktionen und auf meinen Unterricht vorzubereiten.

Um die Mittagszeit geht es dann meistens los mit den Klavier- und Gesangsschülern. Wenn dann abends nicht gerade eine Probe oder Konzert stattfindet und ich nicht noch etwas vorzubereiten habe, liebe ich es, Freunde zu treffen und mich mit ihnen bei einem Gläschen Wein auszutauschen. Meine Beziehungen sind mir besonders wichtig.

Ellen Halikiopoulos, 
klassische Sängerin und Gesangs – und Klavierpädagogin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Bewusste Entscheidungen zu treffen, halte ich für besonders wichtig. In Anbetracht dessen, was auf der Welt gerade vor sich geht, liegt es wohl an jedem Einzelnen von uns zu entscheiden, ob man voll Angst oder Zuversicht in die Zukunft blickt und dementsprechend agiert.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Für wesentlich halte ich es, nicht immer nur aus dem reinen Verstand heraus zu handeln, sondern auch das Herz, das Gefühl und die Intuition miteinzubeziehen. Sich die eigenen Werte in Erinnerung zu rufen und sie zu leben. Musik und Kunst besitzen eine stark transformative Kraft, da sie Gefühle und Emotionen zum Ausdruck bringen. Egal ob in aktiver oder passiver Form dienen sie als Ventil und bringen sie zum Vorschein. Sie unterstützen das Fühlen so, dass nichts mehr zur Seite geschoben werden muss.

Kunst hilft dabei, das Innere sichtbar zu machen und nach außen zu transportieren. Das hat den großen Vorteil, dass es dann nicht früher oder später gewaltsam an die Oberfläche dringen muss.

Was liest Du derzeit?

„The Heroine´s Journey“ von Maureen Murdock

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„May your choices reflect your hopes, not your fears.“

Nelson Mandela

Ellen Halikiopoulos, 
klassische Sängerin und Gesangs – und Klavierpädagogin

Vielen Dank für das Interview, liebe Ellen viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Ellen Halikiopoulos, klassische Sängerin und Gesangs – und Klavierpädagogin

Zur Person: Ellen Halikiopoulos studierte Gesang und Klavier an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Elisabeth Berry-Flechl, Annamaria Rott und Peter Barcaba. Ihre Liebe zur Operette lebt sie seit dem Abschluss des Operettenlehrgangs bei Wolfgang Dosch an der Musik und Kunst Privatuniversität Wien in unterschiedlichsten Operettenrollen auf der Bühne aus. Sei es als Rosalinde in „Die „Fledermaus“, als Gräfin Zedlau in „Wiener Blut“, Hanna Glawari in F. Lehárs Operette „Die lustige Witwe“ oder als Kurfürstin in C. Zellers „Der Vogelhändler“. In Wien war sie zuletzt auch in dem zwei Personen Musical „Die Verführerin“ von Paul Hertel zu sehen. Als Gesangssolistin steht sie mit Big Bands, Orchestern und Bands regelmäßig auf der Konzertbühne. In ihrem Soloprojekt brachte sie, begleitet von der Pianistin Sara Tahmasebi, zeitgenössische Lied-Kompositionen von Peter Barcaba zur Uraufführung.

www.ellen.halikiopoulos.com

Fotos: Ina Manuguerra

Walter Pobaschnig _ 5.9.2024

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„Die utopische Kraft der Literatur ist notwendiger denn je“ Peter Wißmann, Schriftsteller _ Innsbruck 5.9.2024

Lieber Peter Wißmann,  wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Die Augen öffnen und aus dem Fenster schauen: Bricht das erste Sonnenlicht durch die Baumwipfel oder ziehen graue Wolken darüber hinweg? Was immer sich meinem Blick bietet, es ist willkommen. Die frühen Morgenstunden verbringe ich mit meinem Hund am Inn. Beobachte den Lauf des Wassers und das minütlich wechselnde Spiel des Morgenlichts auf den Bergen ringsum, aber ich arbeite auch:  Ideen für meine Texte entwickeln, über das nachdenken, was ich am Vortag geschrieben habe, im Kopf an Formulierungen feilen. Und mein kleines Diktiergerät rettet all diese Gedanken vor dem schnellen Vergessen.

Der Vormittag gehört dem Schreiben. Ich schreibe an Manuskripten und anderen Texten, überarbeite sie (immer wieder) oder mache Schreibübungen.

Danach beginnt der andere Teil des Tages mit Einkaufen, Kochen, E-Mails beantworten, Telefonieren, mit anderen Leuten reden und all den Dingen, die unser Leben auch ausmachen.

An manchen Nachmittagen geht das Schreiben weiter, an anderen stehen andere Dinge im Vordergrund. Bei weiteren Spaziergängen mit dem Hund kann sich mein Gehirn erholen, aber fast immer arbeitet es gleichzeitig an meinen aktuellen Schreibprojekten weiter.

Und der Abend? Endlich mal wieder lesen. Romane, Erzählungen, Novellen, Essays, Sachbücher, Artikel und alles, was mich sonst noch interessiert. Es gibt viel davon.

Ach ja: Musik hören natürlich auch! Klassische, aber vor allem zeitgenössische E-Musik (ein unpassendes Wort, ich weiß).

Peter Wißmann, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Stopp sagen. Den Fuß vom Gas nehmen. Sich umschauen und genau beobachten, was um uns herum passiert. Augen und Ohren weit öffnen und auf Empfang stellen. Hören, was die Menschen denken, fühlen und sagen. Vor allem die, die nicht in unserer Blase leben, sondern sich in ihren eigenen, oft ganz anderen Welten bewegen. Die Fähigkeit des Beobachtens, des Zuhörens und des Aufeinander-Zugehens scheint uns in den letzten Jahren verloren gegangen zu sein.  Aber ohne all das wird es nicht gehen, verlieren nicht nur die Künste ihren Bezugsrahmen, sondern erfährt auch die Gesellschaft immer stärkere Erosionsprozesse. Ende offen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wir brauchen auf allen gesellschaftlichen Ebenen einen Ruck, einen Neustart, der sich zum Ziel setzt, die Aufmerksamkeit wieder auf das Verbindende, auf den Dialog, auf das gemeinsame Handeln zu lenken, statt sich am Trennenden, am Ausgrenzenden, am Verschanzen in getrennten Welten zu ergötzen. Das kann keine abstrakte ‚Gesellschaft an sich‘ (was genau soll das sein?), dazu muss jeder Einzelne als Teil dieser Gesellschaft seinen Beitrag leisten.

Literatur und Kunst können in diesem Prozess die Rolle spielen, die ihnen seit jeher zukommt (oder zukommen sollte). Max Frisch hat dies in seinem Text „Schwarzes Quadrat“ an einem Beispiel verdeutlicht.

Zu Zeiten der Sowjetunion weilte ein Botschafter in geschäftlichen Angelegenheiten in Leningrad. Seinem Wunsch, die verborgenen Kunstwerke der Eremitage zu sehen, wurde erstaunlicherweise entsprochen. Und so zeigte ihm eine Funktionärin das berühmte schwarze Quadrat von Malewitsch. Der Botschafter sagte:

Sie brauchen doch Malewitsch nicht im Keller zu verstecken, das Volk würde ihn gar nicht ansehen!

Die Dame lachte. Sie irren sich – das Volk könnte nicht verstehen, wozu dieses schwarze Quadrat, aber es würde sehen, dass es noch etwas anderes gibt als die Gesellschaft und den Staat.

Nichts muss so sein, wie es ist! Es geht auch anders!

Die utopische Kraft der Literatur und der anderen Künste ist in unserer unruhigen Zeit notwendiger denn je. Sie kann aber nur wirken, wenn es ihr gelingt, die Sphäre der Eingeweihten zu transzendieren und auch jene zu erreichen, denen bisher der Bezug zu ihr fehlt.

Wie das funktionieren kann, weiß vermutlich niemand genau. Aber wir sollten vermehrt darüber nachdenken. An Fantasie mangelt es der Kunst schließlich nicht!

Was liest Du derzeit?

„Oktoberkind“ von Linda Boström Knausgard. Weil sie hier unerschrocken und höchst poetisch ihren Weg als Frau und Schriftstellerin beschreibt.

„Die Imker“ von Gerhard Roth. Weil es hier um das Wesen des Menschen, seinen Umgang mit der Natur und andere zentrale Fragen für die Gesellschaft und für jeden von uns geht.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen“.

Friedrich Nietzsche

Peter Wißmann, Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview, lieber Peter, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Buchprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Peter Wißmann, Schriftsteller

Zur PersonPeter Wißmann, Autor. Lebt und schreibt in Innsbruck. Lange Zeit als Altersexperte tätig, schrieb in diesem Kontext mehrere Sachbücher und war Herausgeber eines deutschsprachigen Magazins.

Viele Jahre lang Haiku-und Haiga-Dichter, zwei Haiku-Bücher, regelmäßige Veröffentlichungen  im In- und Ausland

Prosastudium an der Autorenschule Textmanufaktur. Weitere Ausbildungsseminare bei Schriftsteller*innen.

Schreibt Erzählungen und andere Prosa.

2024: Buch „Überschattet“ (Debut als Autor literarischer Prosa).

Aktuell Arbeit an einem Roman.

Ab November 2024 Leiter der Schreibwerkstatt „Wortzauber“ in Innsbruck.   

Aktuelles Buch von Peter Wißmann:

Zwei berührende Erzählungen über die Schatten, die Demenz auf Beziehungen
werfen kann. In der autobiografischen Erzählung „Freunde“ lebt der eine mit der Diagnose Alzheimer, der andere beschäftigt sich beruflich mit Altersfragen. Die beiden Männer tun
sich für ein Buchprojekt zusammen und wollen die Welt ein wenig „aufmischen“. Als die geistigen Fähigkeiten des einen immer mehr nachlassen, nimmt ein gemeinsamer Ausflug eine unerwartete Wendung und stellt die Beziehung der beiden Männer auf eine harte Probe.

„Der Stempel“ erzählt von der 13-jährigen Mila. Ihr Leben ändert sich von einem auf den anderen Tag, als die Demenzdiagnose ihrer Mutter einen Sorgerechtsstreit auslöst. Die Aussicht, aus ihrer Familie herausgerissen zu werden, veranlasst Mila zu einem riskanten Schritt

„Überschattet“ Erzählungen über Demenz. Peter Wißmann

Peter Wißmann zu „Überschattet“: 2024 im Frankfurter Mabuse-Verlag erschienen. Das Buch enthält zwei Erzählungen.

Der Untertitel „Erzählungen über Demenz“ wurde vom Verlag gewünscht. Ich selbst denke, die beiden Erzählungen handeln von Menschen, die sich in Konfliktsituationen befinden und Entscheidungen treffen müssen. In beiden Fällen spielt auch das Thema Demenz bzw. eine Demenzdiagnose eine Rolle. Damit werden die Erzählungen aber nicht zu Erzählungen „über Demenz“.

Es wird Buchlesungen geben, so z.B. in Innsbruck und in Hildesheim.

Fotos: Portrait © Peter Wißmann; Buch Mabuse-Verlag.

Walter Pobaschnig _ 2.9.2024

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„beruflich wie privat Zivilcourage zeigen“ Lisa Sommerfeldt, Schriftstellerin _ Bonn 4.9.2024

Liebe Lisa Sommerfeldt, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Schreiben, schreiben, schreiben… und wenn möglich, ab und zu in einem schönen See schwimmen und die letzten Sommertage genießen.

Lisa Sommerfeldt, Schriftstellerin, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Einfache Antworten auf das Erstarken der AFD in Deutschland wie gerade bei den Wahlen in Thüringen und Sachsen gibt es nicht. Es kann nur jede*r in seinem oder ihrem Bereich weiterarbeiten, versuchen Bewusstsein für Zusammenhänge zu schaffen und beruflich wie privat Zivilcourage zeigen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Wir müssen diese große Sprachlosigkeit aushalten, um sie vielleicht doch irgendwann zu überwinden.

Was liest Du derzeit?

In letzter Zeit haben mich zwei Bücher sehr beeindruckt: „Die Möglichkeit von Glück“ von Anne Rabe und „Unser Deutschlandmärchen“ von Dinçer Güçyeter.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Meinem neuen Stück „WEBEREI oder Die Erfindung des Bademantels“ habe ich ein Zitat von Hannah Arendt vorangestellt: „Beobachtet man die Deutschen, wie sie geschäftig durch die Ruinen ihrer tausendjährigen Geschichte stolpern, dann begreift man, dass die Geschäftigkeit zu ihrer Hauptwaffe bei der Abwehr der Wirklichkeit geworden ist.“

Vielen Dank für das Interview, liebe Lisa, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Theater-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:  Lisa Sommerfeldt, Schriftstellerin, Künstlerin

Zur Person: Lisa Sommerfeldt schreibt Theaterstücke und Hörspiele. Zahlreiche Auftragsarbeiten für Theater, unter anderem für Landestheater Eisenach/Staatstheater Meiningen und die Oper Bonn. Für den WDR entstanden die Hörspiele „Dorfdisco“, wing.suit“ und „stadt.land.fluss oder die konstruktion der liebe“. Lisa Sommerfeldt war Stipendiatin des 1:1 Mentoring der NRW Literaturbüros, im Künstlerhaus Edenkoben und auf dem Künstlerhof Schreyahn. 2020 erhielt sie ein Arbeitsstipendium des Landes NRW. 2021 war Lisa Sommerfeldt Stipendiatin der Villa Decius in Krakau und INITIAL Sonderstipendiatin der Akademie der Künste. 2022 erhielt sie ein Hörspiel-Stipendium der Film- und Medienstiftung NRW und 2024 der Kunststiftung NRW. Ihre Theatertexte erscheinen im S. Fischer Verlag. Stücke von ihr wurden ins Englische, Französische, Polnische und Russische übersetzt.

Aktuelle Theaterpremiere:

„WEBEREI oder Die Erfindung des Bademantels“

Uraufführung am 14. September 2024 um 19 Uhr 30 am Theater Gütersloh.

Regie und Bühne: Christian Schäfer, Kostüme: Anna Sun Barthold-Torpai, Musik: Miriam Berger, Choreografie: Dhélé Agbetou. Es spielen Vivienne Causemann, Christine Diensberg, Constantin Gerhards, Christiane Hagedorn, Jacques Malan, Volker Schiewer (Bürgerbühne Gütersloh e. V.), Wake up OWL Company, Spielclub 13+ 

Stückrechte © S. Fischer Theater Verlag

An den heimischen Webstühlen arbeiteten meist Frauen, während später in den Textilfabriken hauptsächlich Männer und Kinder angestellt waren. Im 2. Weltkrieg wurden Zwangsarbeiter:innen ausgebeutet und in der Zeit des Wirtschaftswunders Gastarbeiter:innen ins Land geholt, bevor schließlich die prekäre Arbeit nach Polen und Bangladesch ausgelagert wurde. Wie haben sich Globalisierung und Massenproduktion auf die Textilherstellung ausgewirkt? Wer trägt das Risiko und wer hat Anspruch auf Gewinn, Erbe und Kapital? 

Am Beispiel einer fiktiven Fabrikantenfamilie erzählt Lisa Sommerfeldt in „WEBEREI oder Die Erfindung des Bademantels“ von Aufstieg und Fall der großen Ära der Textilherstellung. Angelehnt an deutsche Firmengeschichte, entsteht ein berührendes Generationendrama, das von den wechselhaften Zeiten berichtet: von den bescheidenen Anfängen, dem rauschhaften Aufstieg, den Rückschlägen durch Kriege und die Verstrickung in Nationalsozialismus, Ausbeutung und Zwangsarbeit bis hin zu den Auswirkungen von Massenproduktion und Globalisierung. Gleichzeitig ist „WEBEREI oder die Erfindung des Bademantels“ ein Bild für die Gesellschaft und ihre Verbindungen, Seilschaften und Abhängigkeiten. Und dafür, wie jeder und jede versucht, Geld zu verdienen, seinen Platz zu finden, nützlich oder womöglich unentbehrlich zu sein, sich zu vernetzen und sein oder ihr Glück zu machen.

Verwebt in einem weiteren Erzählstrang erzählt der Chor der Seidenraupen von ihrem Versuch, im 18. Jahrhundert in Deutschland heimisch zu werden. Das scheiterte zunächst an den Witterungsbedingungen, wurde aber im 20. Jahrhundert von den Nationalsozialisten als Beitrag der Schulen und Altenheime für die Kriegswirtschaft wieder aufgenommen, um Fallschirmseide für die Luftwaffe zu gewinnen.  

https://www.theater-gt.de/veranstaltung/weberei-oder-die-erfindung-des-bademantels

Foto: Portrait: Janine Guldener; Stück: Theater Gütersloh

Walter Pobaschnig _ 2.9.2024

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