Es beginnt mit einem (Fast)Mozartkonzert, denn Kirsten blieb am Vorspielabend der Musikschule am Klavier im Takt hängen und in der atemlosen Stille im Raum macht sich Anspannung breit. Doch dann klappt Kirsten den Flügeldeckel zu…
„Ich kann es nicht mehr, Das war`s. Tut mir leid. Entschuldigen Sie bitte, es hat nicht sollen sein. Sorry, Mozart, an dir hat`s nicht gelegen…“
Und nun drehen sich Musik und Leben weiter. Karen zieht in eine Musiker WG, in welcher der Zauber des Punk wiederentdeckt und in Erinnerung und Gegenwart zelebriert wird. Ein Kunst- und Lebensgefühl, das neu landet und die Gegenwart schüttelt und rüttelt und im Karussell von Tag und Nacht treiben lässt…
Eckart Nickel, vielfach ausgezeichneter Schriftsteller, legt mit „Punk“ einen unglaublich raffinierten wie kurzweiligen Roman vor, der ausgehend von der Liebe zur und der großen Lebenskraft der Musik ein Lebenspanoptikum in Erinnerung und Gegenwart auf die literarische Bühne bringt und es dabei in Existenz und Sinn in tiefsinniger Hintergründigkeit wie Illusionslosigkeit laut krachen und doch leise, zart in Hoffnung weiterwachsen, -gehen lässt.
Eine ganz große Hommage an eine außergewöhnliche Musikepoche und ein starkes Plädoyer für das Leben in und aus der Kraft der Musik zu allen Zeiten!
Der Zauberberg, Thomas Mann. Ein Roman, der zu den bahnbrechendsten Werken der Moderne zählt.
Die Handlung ist zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in einem Sanatorium in Davos angesetzt. Hans Castorp, Ingenieur, besucht seinen Onkel in den Bergen und erlebt diesen besonderen Lebensraum zwischen Krankheit, Langsamkeit, Tragik als existentielles Panoptikum, in dem sich die großen Fragen des Lebens nach Sein, Zeit, Endlichkeit, Liebe, Sinn, Humanität und Religion intensiv und fokussiert stellen. Es ist ein Wahrnehmen, Erkennen und Verschwinden in der Monotonie der Tage am Berg in ihrer strengen Struktur der Behandlungen und der zufälligen Begegnungen, Beziehungen darin…
20.11.2024. Burgtheater Wien. Es ist ein ganz besonderer Tag der Aufführung des Zauberberges, denn dieser fällt mit dem hundertsten Erscheinungsjubliäum des Romans (20.11.1924) zusammen. Was für Zufall (aufgrund kurzfristiger Stückabsage), der hier ein großartiges Wiener Burg-Geburtstagsgeschenk ermöglicht.
Und es ist ein ganz außergewöhnliches Publikumsgeschenk, das im wunderbaren, sehr anspruchsvollen Ensemblespiel im rasanten Rollenwechsel und projezierter Synchronisation atemlos staunen lässt und begeistert. Ein Regiekunstgriff, der im Gesamtkunstwerk Ensemble, Bühne, Sound voll aufgeht.
Die großen Themen des Romans von Mensch und Zeit am Vorabend einer bebenden Welt werden genial in Szene gesetzt und der Funke von Aufmerksamkeit und Spannung springt von der ersten Szene weg perfekt. Da ist alles an Emotionen, Reflexionen, Farben des Lebens drin und verwandelt den beeindruckenden Bühnen-Zauberberg zu einem sich rasant drehenden Existenzkarussell.
Langanhaltender Applaus belohnt diese einzigartige Gesamtleistung. Ein fantastischer Bühnenabend zum Geburtstagsjubiläum!
„Der Zauberberg“
Regie: Bastian Kraft
Dramaturgie: Sebastian Huber
Ensemble: Tilman Tuppy, Markus Meyer, Sylvie Rohrer, Dagna Litzenberger Vinet
Max Melo, Schauspieler, Regisseur _ Wien _ Absolvent des Kunst BORG _ Hegelgasse 12/Wien _ Foto (folgende) im Kunst- BORG Hegelgasse 12 _ Wien
Zum Stück: „Wenn wir jeden Tag jemand anderes sind, wann sind wir dann wir selbst? Diese Frage trifft auf das Ensemble Farbenfroh, als ihr Theaterstück kurz vor Premiere einfach abgesagt wird. In voller Montur stehen sie auf der Bühne und aus dem eingespielten Ensemble werden lose Darstellerinnen und Darsteller. Doch was darstellen, wenn niemand da ist, der einem zusieht?Ein zusammengewürfelter Haufen an Schauspielenden, die Frage, was Kunst mit uns macht und warum wir sie und ihre Anerkennung so dringend brauchen. Kann das funktionieren? Nein.“
Grau. In einer farbenfrohen Welt (Kunst oder Leben?)
Regie: Max Melo, Olga Psenner Mit: Livia Andrä, Torben Day, Theresa Gerstbach, Lena Hergolitsch, Jakob Köllesberger, Max Melo, Linnea Paulnsteiner, Mirandolina Wissgott und Lisa Zwittkovits An der Geige: Maria Laun
Spieltermine_Premiere: Mi 27.11. 20h
weitere Spieltermine: 28.11.; 4.12.; 5.12. immer 20h _
Spektakel – Theater, Art Space, Bar _ Hamburgerstrasse 14, 1050 Wien
Tickets: 20€ / 15€ für Studierende und Schüler*innen Reservierung: ticket.grau@gmail.com
Aktuelles Tanzfestival _ Off Theater Wien – von/mit Leonie Wahl: TANZ IM OFF II
„This Is What Happened In The Telephone Booth” _ Cie.tauschfühlung: „tanka meja“ _
TANZ IM OFF II _ TANZFESTIVAL _ Wien _FR 6.12. – Sa 14.12.2024 OFF Theater Wien
Fr 6.12.2024 19.30h Off Theater Wien
I. „This Is What Happened In The Telephone Booth”
orgAnic reVolt und das.bernhard.ensemble:
„Eines Tages verschwand meine Mutter in einer Telefonzelle, um ihren Geliebten anzurufen. Als sie aus der Zelle heraustrat, war sie plötzlich ein komplett anderer Mensch geworden. Sie war völlig außer sich und nicht mehr zu beruhigen. Von da an blieb sie psychisch krank. Ich war gerade zehn Jahre alt und konnte mir nicht erklären, was in dieser Zelle passiert sein mag. Deshalb begann ich zu tanzen.“
“One day my mother disappeared into a phone booth to call her lover. When she stepped out of the booth, she had become a completely different person. She was very upset and unable to calm down. From this moment on she has been mentally ill. I was just ten years old and could not explain what happened in the booth. There for I started dancing!“
„This Is What Happened In The Telephone Booth” _ Cie.tauschfühlung: „tanka meja“
II. Cie.tauschfühlung: „tanka meja“
tanka meja – eine dünne Linie befindet sich in unserem bürokratischen System zwischen dem Gefühl von Struktur/Sicherheit und Irrsinn/Willkür. 3 PerformerInnen finden sich in ihrer Welt aus Regeln und Regelbrüchen, dem Drang auszubrechen und festgefahrene Strukturen zu hinterfragen wieder. Darin reflektieren sie Probleme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, sowie des grauen Alltagstrotzes eines Beamten, der gerne helfen möchte aber dem seine Hände gebunden sind, will er seinen Job bewahren, um wiederum für sich selbst Sicherheit zu empfinden. Das Stück wurde im Mai 2023 im Rahmen der Plattform „Performing Puzzle“ uraufgeführt. Sound und Körperlichkeit basieren auf Recherchen in Bezug auf die Qualitäten eines ungeschriebenen Blattes Papier, welches für die KünstlerInnen symbolhaft für ein Flüchtlingsboot, sowie für jegliche Formulare und Dokumente, ebenso aber als Blatt in einem Tagebuch für das Erträumen einer alternativen Welt steht.
Tanz/Choreografie: Bianca Anne Braunesberger, Vito Bintchende
Liebe Bianca Anne Braunesberger, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
zusammenhalten
Bianca Anne Braunesberger _Tänzerin/Choreographin, Regisseurin
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Umdenken zu provozieren
Räume für eine immersive Erfahrung zu schaffen
daran zu erinnern dass jede/r Einzelne es ist, die/der bewegen, transformieren und Impulse setzen kann.
Was liest Du derzeit?
James Bridle – The search for a plenatery intelligence.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„.. become more receptive to breath and the life of the other.“ (Breath of Proximity, Lenart Skof)
Vielen Dank für das Interview, liebe Biance Anne, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanzprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Bianca Anne Braunesberger _Tänzerin/Choreographin, Regisseurin
Zur Person/über mich:
aktuelles Tanzprojekt:
TANZ IM OFF II _ ANZ IM OFF II _ TANZFESTIVAL_ Wien _FR 6.12. – Sa 14.12.2024 OFF Theater Wien
Mi 11.12.2024 _19:30
Kasija Vbranac & Bianca Anne Braunesberger & hot stuff
I. Kasija Vbranac & Bianca Anne Braunesberger: „Metaforms“
Exploring the Divine Feminine
In „Metaformen“ tauchen wir ein in den reichen Teppich der weiblichen Erfahrung. Wir erforschen das Konzept der „Metaformen“ – durch Objekte, Aktionen, Bewegungen oder Gesten, die mit symbolischen Bedeutungen in Bezug auf die Menstruation und ihre wandelbare Kraft stehen. Die Menstruation, die oft in den Bereich des Tabus oder der oder biologische Notwendigkeit, wird zu einem Brennpunkt für tiefgreifende Erkundungen. Wir erkennen die Menstruation nicht nur als eine körperliche Funktion, sondern als ein komplexes Zusammenspiel von kultureller, spiritueller und symbolischer Bedeutung. Begegnung mit Themen wie Tod und Wiedergeburt, Schöpfung und Erneuerung. Durch „Metaforms“ laden wir das Publikum dazu ein mit uns in die physischen, psychologischen und metaphysischen Bereiche der Menstruation zu kommen. Wir versuchen, die Wahrnehmung zu verändern und laden die ZuschauerInnen ein, die Menstruation als ekstatisch, glückselig, tiefgründig, zutiefst heilend zu erfahren.
Inspired by the myth of the figure condemned to carry the world on their shoulders, ATLAS explores with an instigative eye the weight of mental burden—through the lens of a female figure juggling the mental load. As she navigates everyday chores, her body feels the heaviness, rage, and frustration of being trapped, suffocating under household responsibilities, confined to this space, with her only escape being to vanish into invisibility. It’s an exploration of women’s mental health, balancing strength and fragility, with a touch of absurdity and madness. ATLAS , after all, is also a bitter celebration of life that shines a light on the still-outrageous gender inequalities women face today.
Liebe Anna Morgoulets, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Es ist sehr unterschiedlich, oft stehe ich schon um 5.00 früh auf um Sport zu machen, den ersten Zug zu nehmen oder um Geige zu üben! Manchmal ist der Tag so lang, dass ich nicht mehr weiß, was ich am Morgen gemacht habe. Es hat aber auch einen Vorteil- in einer Woche kann so viel passieren, die Zeit vergeht sehr langsam- und das liebe ich!
Anna Morgoulets, Musikerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das Gleiche, was für uns immer schon wichtig war: Empathie und Humor! Wenn ich Empathie sage, meine ich in diesem Fall, das Verhalten anderer Menschen möglichst wenig auf sich selbst zu beziehen. Natürlich ist es wertvoll, sich in die Lage eines Mitmenschen zu versetzen. Noch wichtiger ist es meiner Meinung nach, nicht gleich böse zu reagieren, wenn jemand unfreundlich ist. Es kann ja sein, dass die Person gerade in Schwierigkeiten steckt, Schmerzen hat, nicht ausgeschlafen ist oder auch mal neidisch ist! Es gibt noch viele solcher Beispiele. Das Verhalten hat oft nichts mit uns zu tun. Ich versuche, mich möglichst oft daran zu erinnern – manchmal gelingt es auch! Wenn ich von Humor spreche, meine ich vor allem den Humor im Bezug auf sich selbst. Ich liebe Menschen, die sich selbst nicht zu ernst nehmen; sie haben meistens auch die Fähigkeit, in schwierigen Lebenslagen positiv zu bleiben.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Meiner Meinung nach steht die Menschheit ständig vor Aufbrüchen und Neubeginn, mit jeder Generation – natürlich vor allem in den letzten 100 Jahren. Die Menschen, die um 1900 geboren wurden und bis in die 1990er Jahre lebten, haben fast schon zwei Welten erlebt: von der Kutschenfahrt bis zur Mondlandung. Die junge Generation der 2000er Jahre wird bestimmt um 2100 eine wieder völlig andere Welt antreffen. Wesentlich ist dabei, wie bei jeder Veränderung, offen zu sein, aber auch kritisch, sich gegebenenfalls schnell anzupassen, wo es richtig erscheint, oder sich mit allen Kräften dagegen zu wehren, wenn es sich falsch anfühlt. Veränderungen sind nicht immer gut, bzw. sie haben immer mehrere Seiten und viele Konsequenzen. Die Rolle der Kunst war stets, Veränderungen zu reflektieren; Kunst reagiert immer. Sie kann mahnen, wenn sie nicht verboten wird. In der Musik ist es das gleiche: Beethoven oder Schostakowitsch reflektieren genau den Gemütszustand ihrer Zeit.
Was liest Du derzeit?
“How you feel is up to you”- Ein wunderbares Buch, das ich gerade fertig gelesen habe, sehr empfehlenswert für alle, besonders aber für Künstler*innen!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Vor 10 Tagen habe ich in Klagenfurt das Deutsche Requiem von Johannes Brahms aufführen dürfen, es gibt da einen Satz (Nr. 3), wo der Bariton solistisch singt, in diesem Satz vertont Brahms den Psalm 39:5-8, in dem u.a. heißt es:
Herr, lehre doch mich, daß ein Ende mit mir haben muß, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muß.
Ach wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben.
Sie gehen daher wie ein Schemen, und machen ihnen viel vergebliche Unruhe; sie sammeln und wissen nicht wer es kriegen wird.
Es erscheint mir wichtig, sich in unserer Zeit ab und zu an diesen Text zu erinnern – besser noch in Verbindung mit Brahmsscher Musik.
Anna Morgoulets, Musikerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Anna Morgoulets, Musikerin
Zur Person/über mich:Anna Morgoulets studierte Geige in Russland, Israel und Österreich bei Elena Mazor und Pavel Vernikov.Von 2013 bis 2019 war sie 1. Konzertmeisterin des Kärntner Sinfonieorchesters.Seit 2019 ist sie Universitätsprofessorin für Violine an der Gustav Mahler Privatuniversität für Musik in Klagenfurt.Im Jahr 2015 gründete sie gemeinsam mit 8 KollegInnen das “ensemble minui” mit dem sie regelmässig im In- und Ausland konzertiert.
Der Berliner Schriftsteller Michael Georg Bregel legt mit „Raunacht“ einen Lyrikband vor, der die Kraft und Möglichkeit des Gedichtes um Stimmung, Welt, Perspektive, Morgen im Wort, in neuem Sprachgeist auszuloten und oszillieren zu lassen ohne festhalten zu wollen/können, wunderbar direkt auf das Weiß des Blattes setzt und zu Leserinnen und Leser in ihrer je eigenen Aufmerksamkeit und Lebensstation entlässt. Und da kommt das Wort an wie ein Horizont, der kurz etwa im Trubel eines Stadtlebens aufnehmen oder lange im wechselnden Blick auf fallende Herbstblätter verweilen lässt. Ein Dialog, der Entdecken, Staunen und Inspiration öffnet und in den eigenen Jahreszeiten des Lebens wie ein Pfeil ankommt.
Der vielseitige Autor beherrscht Form und Rhythmus perfekt, kein Wort zu wenig oder zu viel, der Gedanke, die Wahrnehmung, die Aussage finden spielerisch leicht zueinander und so ist ein Lyrikerlebnis bestens angerichtet. Eine Reise kann beginnen und die führt in der „Raunacht“ überallhin –
ich sage dich
ich sage dir
ich dachte es
sei ein bild
sei ein bald
aus blauem blut
aus altem ach
ein tümpel
ein teich
aus mondlicht
ich brauche füße
ich tauche füße
hinein ich
vertage mich
„Faszinierende Lyrik, die überallhin trägt im geheimnisvollen Rhythmus“
Raunacht. Gedichte, von Michael Georg Bregel, illustriert von Steffen Büchner. Lyrik-Edition NEUN 36
Liebe Leonie Wahl, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?
Im Moment ist viel los: Ich frühstücke ein Früchtejoghurt mit einem Caffé und dann geht es ab zur Probe. Dann einkaufen, kochen und am Abend noch ins Theater. Meistens…
Leonie Wahl, Tänzerin, Choreographin _ „This Is What Happened In The Telephone Booth” folgende _ Tanz im Off II _ Off Theater Wien 6.12./7.12.2024
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Sich mit etwas zu beschäftigen, das uns sinnvoll erscheint. Etwas, wofür wir brennen. Und wenn wir älter sind und vielleicht nicht mehr für alles Begeisterung empfinden, immer wieder den Sinn suchen – auch in größeren Zusammenhängen und mit dem Bewusstsein: Wir sind eh nur ein kleines Sandkorn in der Geschichte… Aber jedes Sandkorn hat seinen Platz und seinen Wert. Und es ist schön, diese verschiedenen Sandkörner zu betrachten und die eigene Verbindung zu den anderen Sandkörnern zu spüren…
Und wichtig: immer ein bisschen in die Sonne gehen, wenn es geht, und kein schlechtes Gewissen haben, wenn es eben doch nicht klappt.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn stehen wir jetzt alle, gesellschaftlich und persönlich. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz/Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Wir dürfen uns nicht von den destruktiven Kräften anstecken lassen. Die sind im Gange und blenden viele Menschen mit einfachen Antworten. Die gibt es nicht. Es ist leichter, eine Sandburg zu zerstören, als eine aufzubauen. Kein Wunder, dass die Zerstörung eine schnellere Kraft ist. Das heißt aber nicht, dass die negativen Aspekte in der Kunst ignoriert werden sollten. Nein, sie sollten behandelt und sublimiert werden. Dort können wir damit spielen, agiler im Umgang damit werden und uns dadurch auch ein bisschen davon lösen. Das ist aber kein didaktischer Prozess. Es ist ein alternatives Programm zur Alltagsrealität. Vielleicht ein Raum, wo menschliches Leid geteilt und dadurch verringert wird. Eine Sandkorn-Schau, eine ungefährliche. Außer wir haben Angst vor Berührung oder Veränderung.
Was liest du derzeit?
Ich habe gerade das neueste Buch von Kurt Palm gelesen. Ich fand es super.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest du uns mitgeben?
Meine Zitate bleiben unverändert: Carpe Diem und es ist nie zu spät, in einem.
Vielen Dank für das Interview, liebe Leonie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Tanzprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Leonie Wahl, Tänzerin, Choreographin
Aktuelles Tanzfestival _ Off Theater Wien – von/mit Leonie Wahl:
TANZ IM OFF II _ TANZFESTIVAL_ Wien _FR 6.12. – Sa 14.12.2024 OFF Theater Wien
„This Is What Happened In The Telephone Booth” _ Cie.tauschfühlung: „tanka meja“ _
Fr 6.12.2024 19.30h Off Theater Wien
I. „This Is What Happened In The Telephone Booth”
orgAnic reVolt und das.bernhard.ensemble:
„Eines Tages verschwand meine Mutter in einer Telefonzelle, um ihren Geliebten anzurufen. Als sie aus der Zelle heraustrat, war sie plötzlich ein komplett anderer Mensch geworden. Sie war völlig außer sich und nicht mehr zu beruhigen. Von da an blieb sie psychisch krank. Ich war gerade zehn Jahre alt und konnte mir nicht erklären, was in dieser Zelle passiert sein mag. Deshalb begann ich zu tanzen.“
“One day my mother disappeared into a phone booth to call her lover. When she stepped out of the booth, she had become a completely different person. She was very upset and unable to calm down. From this moment on she has been mentally ill. I was just ten years old and could not explain what happened in the booth. There for I started dancing!“
„This Is What Happened In The Telephone Booth” _ Cie.tauschfühlung: „tanka meja“
II. Cie.tauschfühlung: „tanka meja“
tanka meja – eine dünne Linie befindet sich in unserem bürokratischen System zwischen dem Gefühl von Struktur/Sicherheit und Irrsinn/Willkür. 3 PerformerInnen finden sich in ihrer Welt aus Regeln und Regelbrüchen, dem Drang auszubrechen und festgefahrene Strukturen zu hinterfragen wieder. Darin reflektieren sie Probleme unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, sowie des grauen Alltagstrotzes eines Beamten, der gerne helfen möchte aber dem seine Hände gebunden sind, will er seinen Job bewahren, um wiederum für sich selbst Sicherheit zu empfinden. Das Stück wurde im Mai 2023 im Rahmen der Plattform „Performing Puzzle“ uraufgeführt. Sound und Körperlichkeit basieren auf Recherchen in Bezug auf die Qualitäten eines ungeschriebenen Blattes Papier, welches für die KünstlerInnen symbolhaft für ein Flüchtlingsboot, sowie für jegliche Formulare und Dokumente, ebenso aber als Blatt in einem Tagebuch für das Erträumen einer alternativen Welt steht.
Tanz/Choreografie: Bianca Anne Braunesberger, Vito Bintchende
Er ist einer der einflussreichsten Schriftsteller der Moderne – William Seward Burroughs (* 5. Februar 1914 St. Louis, Missouri/USA † 2. August 1997 Lawrence, Kansas/USA). Sein Werk ist in der Literatur wie weit darüber hinaus ein vielfältiger Inspirationsgeber bis in die Gegenwart. In seinem experimentellen Formcharakter wie aufmerksam kritischer wie visionärer Gesellschaftssicht geht sein Schreiben bewusst auf neue Perspektiven der Rezeption und Kooperation von Kunst zu und dies wird in vielen Musik- Kunstprojekten immer wieder neu belebt.
Casey Rae, Washington, D.C., Musikkritiker und Lehrbeauftragter an der Georgetown University, legt einen wunderbar fundierten wie perspektivenreichen Zugang, Überblick und inspirativen Weit(er)blick zu Person und Werk von W.S.Burroughs und dessen Aufnahme in der modernen Musikkultur vor.
Es ist eine sehr spannende Reise zu Ursprüngen Schnittflächen von Literatur und Musik, Kunst und Kultur der Moderne, die überraschen und faszinieren.
William S. Burroughs und der Rock ’n‘ Roll. Casey Rae. Btb Verlag.
Liebe Marie Sand, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus
Es ist der Ablauf, den vermutlich 90 Prozent der Schriftstellerinnen und Schriftsteller erfüllen: morgens schreiben, nachmittags schreiben. Ein Roman besteht aus rund 500.000 Zeichen. Die mit Emotion und Verstand aufs Blatt zu bringen, das setzt Disziplin voraus. Der Antagonist in diesem Job ist der Schlendrian. Der schleicht sich von hinten an, flüstert Verlockungen ins Ohr wie: Wollen wir eine Runde tanzen? Hast du heute schon entspannt? Wann hast du das letzte Mal geflirtet? Wie wäre es mit einem Prosecco auf einer der Berliner Terrassen in der Sonne? Das sind böse Sätze, denn sie katapultieren eine, die schreibt, aus dem Stoff, manchmal reißt ein Gedankenfaden und verwebt sich in dieser Art nie wieder. Also: Abwehr den Verlockungen!
Marie Sand, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Was immer schon wichtig war …: Liebe, Freundschaft, Hoffnung.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Toleranz ist das Wort der Stunde. Eine hinterfragende, kritische Haltung sollte geübt sein. Was kann Kunst beitragen? Nun, Kunst erweitert das Denken und Fühlen, zieht uns in Welten, die wir allein nicht betreten würden. Wir lassen die Realität hinter uns, folgen dem Künstler, überschreiten Grenzen in der Fantasie, geben den Träumen Worte und Farben, einen Klang. Kunst darf laut, schrill, aufwühlend sein oder langatmig bis zum Schmerz. Ich mag Kunst, der das gelingt.
Was liest Du derzeit?
Richard Ford: Kanada
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Eigensinnig sein. Wahrheiten erkennen.
Mein neuer Roman „Und morgen wieder schön“ handelt von der Hoffnung, dass auch ein verdammt mieser Moment vorübergeht. Wenn einer Frau die Diagnose Brustkrebs vor die Füße knallt, soll sie zur Kämpferin werden, mit aller Wut auf das, was ist, denn Wut kann Kräfte bündeln, kann einem Ziel eine starke Kontur geben. Nach solch einer Diagnose geht es um alles, um das Leben. Da blättern Eitelkeiten. Der Haarausfall, anfangs ein Drama, muss zur Nebensache werden. Freunde sind wichtig und Hilfe, die von Herzen kommt.
In dieser Geschichte begleitet die Friseurin Amanda Frauen mit Brustkrebs. Sie ist an deren Seite, wenn niemand sonst die Hand hält. Und eine Szene soll ihr immer in Erinnerung bleiben:
„Amanda saß neben der Krankenliege, hielt die Hand der Freundin, munterte sie auf, dass dieser Zusammenbruch nur eine Episode und bald überstanden sei. Da drehte die Freundin den Kopf zu ihr hin, ihre Augen wie Pastell, nichts Giftiges, nichts Spöttisches darin, eine Weite in diesem Blick, die Amanda keine Zuversicht bot, dass es morgen einen neuen Tag gäbe. ‚Schreib in dein Skizzenbuch‘, sagte die Freundin leise: ‚Wenn alles geht, bleibt auch kein Wille.‘“
Vielen Dank für das Interview, liebe Marie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Marie Sand, Schriftstellerin
Zur Person/über mich: Marie Sand lebt in Berlin. Seit über 15 Jahren konzipiert sie Sachbücher für Autor*innen und Verlage.
Als Schriftstellerin schreibt sie Frauenromane über heimliche Heldinnen bei Droemer. Bislang sind erschienen: „Ein Kind namens Hoffnung“. 2022. Eine deutsche Köchin rettet einen jüdischen Jungen und bleibt lange Zeit heimatlos. „Wie ein Stern in mondloser Nacht“. 2023. Von der Neuerfindung der Babyklappe im Wirtschaftswunderdeutschland. „Und morgen wieder schön“. 2024. Von der Suche nach der Formel für Schönheit.
Aktueller Roman von Marie Sand: „Und morgen wieder schön“Droemer Verlag
Die Geschichte einer Friseurin, die die Modewelt in Paris aufmischen will – und am Ende in ihrem kleinen Laden in Berlin die Formel für Schönheit neu erfindet.
Als Amanda mit ihrem Skizzenbuch im Rockbund in Paris ankommt, will sie nur eins: Karl Lagerfeld treffen und für ihn die Frisuren zeichnen. Aber so einfach wie Amanda, die aus dem kleinen Eifeler Friseurladen ihrer Mutter geflüchtet ist, sich das vorstellt, scheint es nicht zu werden. Der Weg ist steinig und lang – und doch avanciert sie als talentierte Friseurin zum Liebling der High Society der 1970er-Jahre, als sie Françoise Hardy den schrägen Pony verpasst und damit den Look einer ganzen Generation prägt. Auf der Höhe des Erfolgs aber erkrankt ihre Freundin an Brustkrebs. Amanda begreift, was der Verlust der Haare unter der Chemotherapie mit Frauen macht. Damit trifft sie eine Entscheidung, von der sie später sagen wird: „Ich hätte etwas in meinem Leben versäumt, hätte ich diese Arbeit nicht getan.“
Ein wichtiger Roman voller Mitgefühl, mit einem hoffnungsvollen Blick auf die Zukunft
Marie Sand schreibt über Frauen, die aus Liebe zum Leben handeln: Ihren heimlichen Heldinnen geht es nicht um Anerkennung. Sie bemühen sich einfach jeden Tag darum, die Welt ein bisschen besser zu machen.
„Und morgen wieder schön“Marie Sand, Roman. Droemer Verlag