Im Interview _ Daniela Enigst, Schriftstellerin _ Freiburg im Breisgau
Liebe Daniela, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Angefangen hat alles mit dem Hörspiel „Der gute Gott von Manhattan“. Ich hatte irgendwo gelesen, das sei der Text gewesen, der Frisch dazu veranlasst habe, mit der jungen Dichterin Kontakt aufzunehmen. Es interessierte mich damals, was den Mann da wohl gelockt haben könnte. Mein Zugang zu Bachmann ist nicht nur deswegen wohl eher untypisch, sagen wir mal, radikal persönlich. Ich nehme mir dreist das heraus, was mich angeht. Bachman-Fans und Leute, die sich wissenschaftlich mit ihr beschäftigen, mögen das verwerflich finden. „Meine“ Bachmann ist eine Sprachliebende, Sprachforschende, eine Wahrheitssuchende, jemand, der dem Aufruf des späten Wittgenstein (der in den Philosophischen Untersuchungen einfach alles, was er Jahre vorher im Tractatus systematisch formuliert hatte, wieder in die Luft jagte), dass man doch einfach selbst denken solle, mit Vehemenz und Lust gefolgt ist. Und „meine“ Bachmann ist vor allem eine Prosaschriftstellerin.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Für mich? Ihre scharfe Intellektualität und die Weigerung, sich festzulegen oder festlegen zu lassen. Mir scheint, „schreiben“ heißt für sie „in Frage stellen“. Das entspricht mir sehr.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Die erste der Frankfurter Vorlesungen, „Fragen und Scheinfragen“. Dann „Der gute Gott von Manhattan“ natürlich, das müsste dringend mal neu aufgenommen werden mit einer weniger piepsigen Frauenstimme. ‚Wenig überraschend, die Erzählungen „Das dreißigste Jahr“, „Undine geht“. Und „Malina“, vor allem der Vorspann und das erste Kapitel „Glücklich mit Ivan“.
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ich weiß nicht, ob man „patriarchal“ einfach mit „zerstörend/zerstörerisch“ gleichsetzen kann. Die Grundausrichtung des Patriarchats ist doch eher erhaltend und zementierend, wenn auch die falschen Dinge, etwa die strukturelle Benachteiligung der Hälfte der Menschheit. Übrigens glaube ich nicht, dass Bachmann grundsätzlich gegen „die Männer“ war oder „die Frauen“ für etwas Besseres hielt.
Die Liebe in allen Facetten von Glück und Verhängnis ist ein wesentliches Thema in Gedichten wie Prosa Ingeborg Bachmanns_ „die Männer sind unheilbar krank…“ (Interview, 1971) _ wie lieben wir nach/mit Bachmann?
Immer noch wie Goethe: „Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt.“
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises (1971) Schreiben und Existenz. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Vielleicht ist das nur ein Mythos oder gar eine Pose? Das Martyrium des Schriftstellers, seltener der Schriftstellerin, erscheint mir häufig als eine Art Selbsterhöhung. Wenn nicht gerade eine ernsthafte psychische Erkrankung dahintersteckt. Ich kenne welche, die treten in der Öffentlichkeit als einsamer Wolf auf, und zu Hause mähen sie den Rasen, laden die Nachbarn zum Grillen ein oder machen Campingurlaub mit der Familie wie Herr und Frau Mustermann auch. Was fast alle Schreibenden heute martert, sind existenzielle Fragen, weniger existenzialistische, also: wie vom Schreiben leben, statt warum fürs Schreiben leben?
Welche Aspekte in Bachmanns Schreiben möchtest Du neben den existenz- wie gesellschaftskritischen Grundpositionen noch hervorheben?
Ihren Humor.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Es tut sich was für die Frauen, aber der Weg ist noch weit und immer nochmal weiter, als man denkt. Es wird sich nämlich auch was für die Männer tun müssen.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Im Juni erscheint eine Erzählung von mir namens „Hundert Jahre“. Der Titel scheint auf Bachmann zu verweisen, aber im Grunde ist es eine falsche Fährte, auch wenn ich ihr den Text zum Geburtstag gewidmet habe. Die Geschichte spielt mit bewusst aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten, etwa „das Briefgeheimnis muss gewahrt werden“, oder Anspielungen auf weitverbreitete klischeehafte Lesarten des Verhältnisses von Frisch und Bachmann. Erzählt wird von einem Schriftsteller, dem die Ideen ausgehen und der eine Affäre mit einer Literaturdozentin eingeht, um seiner Fantasie wieder auf die Sprünge zu helfen. Das rächt sich natürlich am Ende. Ein besonderer Briefkasten spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
„… darauf, meine ich, kommt es an: daß wir uns orientieren an einem Ziel, das freilich, wenn wir uns nähern, sich noch einmal entfernt.“
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Martin Meyer, Schriftsteller _ Scheinfeld/DIna Solea, Schauspielerin, Model _ Wien
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.
Performance _Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
MALINA
M E T A L L E
A B G R U N D
L U F T
I H R
N I R G E N D W O
A L S
Hannah Dübgen, 23.4.2026
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ acting Malina am Originalschauplatz Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig 7/21
Originalschauplatz Malina _ Wien
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance Originalschauplatz „Malina“ Wien.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Hannah Dübgen, Schriftstellerin, Dramaturgin _ Berlin
Lisa-Marie Bachlechner, Schauspielerin_ Wien _ Romanschauplatz Malina _ Wien
Es ist eines der ganz großen, nicht nur literarischen, Jubiläen in diesem Jahr – der 100.Geburtstag von Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin, geboren am 25.6.1926 in Klagenfurt, gestorben an einem tragischen Brandunfall am 17.Oktober in Rom, beigesetzt im Familiengrab im Friedhof Annabichl/Klagenfurt.
Ingeborg Bachmann ist zu einer Chiffre von Freiheit und Mut in allen Lebens-, Liebes-, Gesellschaftsbereichen geworden. Es ist ein Name, ein Werk, ein Leben, das weit über das Wort ausstrahlt und wesentliche Parameter moderner Existenz-, Gesellschaftskritik und -analyse, in sich birgt und in Diskussion weiterträgt. Eine Stimme, die Wahrheit in Denken und Sein einfordert und dies in jeder Generation neu inspiriert. Ein Frauenleben das Beziehungsschalen, -gitter zertrümmert und diesen eine Vision von Liebe als Utopie entgegenstellt „ein Tag wird kommen“. Eine Sprachvirtuosin, die das Aufbrechen in neue Worte als wesentliche Mitte jeder Gesellschaft in Emanzipation und Freiheit postuliert.
Andrea Stoll legt nun eine umfassende Biographie Ingeborg Bachmanns vor, die in der Familie, Kindheitstagen ansetzt und über die weiteren Stationen von Leben und Werk einen beeindruckenden Bogen an Information zu Existenz-, Familien-, Gesellschafts- und Kulturgeschichte spannt, der vor allem in seiner narrativen Zusammenschau einzigartig ist. Es entsteht einem Gemälde gleich eine Zusammenfügung unterschiedlichster Farbtöne eines Lebens und die sehr versierte Autorin setzt dazu einen Rahmen, der sich in großer Sensibilität und Zuwendung auszeichnet. Es geht hier nicht um die Sensation, um neue Schlussfolgerungen und Interpretationen, Spekulationen zu biographischen Leerstellen, vielmehr ist es gleichsam ein zur Ruhe kommen eines literarischen und persönlichen Lebens im Sturm, auch des Nachlebens, das hier zum großen Gedenkjahr gerundet wird.
Zahlreiche Fotos begleiten die in 22.Kapitel gut strukturierte Biographie und ein ausführlicher Anhang bietet Erklärungen, Erläuterungen wie weiterführende Infos.
„Andrea Stolls Bachmann Biographie beeindruckt in Wissen und Sensibilität in außerordentlicher Erzählkraft!“
„Zwei Menschen sind in mir“ Ingeborg Bachmann. Die Biografie | Zum 100. Geburtstag der Dichterin. Andrea Stoll. Piper Verlag.
im Interview _ Michael Augustin, Schriftsteller _ Bremen.
Lieber Michael, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich habe ihre Gedichte ja schon als Schüler gelesen, Ende der Sechzigerjahre in Lübeck, wo sie übrigens im März 1966 mal für den Norddeutschen Rundfunk öffentlich aus dem Manuskript ihrer Todesarten vorgetragen hat. Die Aufnahme gibt es noch im Deutschen Rundfunkarchiv und im Archiv des NDR. Aber da war ich als fast 13jähriger noch nicht wirklich fit für Veranstaltungen solcher Art, obwohl mir unvergessen ist, wie just in jener Zeit Bachmanns Kollege Hans Erich Nossack bei uns in der Schule gelesen hat aus seinem ungeheuerlichen Buch Der Untergang. Darin ging es zwar um den verheerenden Feuersturm nach der Bombardierung der Stadt Hamburg 1943, wovon ich natürlich aus den Erzählungen meiner Hamburger Großtante Grete wusste, aber was der Bombenkrieg in meiner Heimatstadt Lübeck angerichtet hat, das habe ich first hand aus den Erzählungen meiner Mutter erfahren, die ja dabei gewesen ist als Kind. Auch in den Sechzigerjahren waren die Kriegsspuren für jeden lesbar im Stadtbild. Aus dem Fenster meines Klassenzimmers in der Schule, in der Nossack uns damals vorlas, konnten wir auf die Trümmer einiger Backsteinmauern blicken, die zu noch längst nicht wiederaufgebauten Teilen des Lübecker Doms gehörten. Und obendrauf, das seh ich noch vor mir, waren seit Kriegsende ein paar Bäumchen gewachsen. Warum erzähle ich das? Weil diese eigenen Beobachtungen damals, die verbliebenen Trümmer, die noch frischen Erinnerungen meiner Mutter und meiner Großeltern, das Holzbein eines Nachbarn, die für Kriegsversehrte reservierten Plätze in den Stadtbussen und die spärlichen, nur widerstrebend abgegebenen Kriegsberichte meines (wie Ingeborg Bachmann 1926 geborenen) Vaters, der als 18jähriger noch Soldat werden musste und seine ostpreußische Heimatstadt Tilsit nie wiedergesehen hat – weil all das mein Bewusstsein als Nachkriegskind, als Nachgeborener geprägt hat und mir damit Tür und Tor geöffnet hat zu den Gedichten Ingeborg Bachmanns. Was mir aber möglicherweise erst viel später in dieser Deutlichkeit bewusst geworden ist. Wohl noch nicht in Lübeck damals. Aber doch schon in Kiel, wo ich 1972 mein Abitur gemacht habe und wo mir klar wurde, dass für mich ein Leben ohne Gedichte nicht infrage kommt.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Der Sound, ja, es ist der Sound, der Ton, der Klang, auch der Rhythmus. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich ihre Gedichte wohl gelesen haben mag, bevor ich sie zum ersten Mal im O-Ton hören konnte. Gedichte habe ich immer laut gelesen zu Hause, wenn ich mir einen Lyrikband aus der Bibliothek geholt oder vom Taschengeld zusammengespart hatte. Angefangen mit Brecht, Günter Eich, Johannes Bobrowski, Ilse Aichinger, Johannes Schenk, Enzensberger, auch Günter Grass, Marie Luise Kaschnitz, Günter Kunert, Sylvia Plath, Reiner Kunze, Rolf Dieter Brinkmann, Richard Brautigan, Ferlinghetti und eben Ingeborg Bachmann. Für die Jüngeren heute kaum vorstellbar, dass man damals nicht einfach Youtube oder Lyrikline konsultieren konnte, wenn einem der Sinn nach einer O-Ton-Autorenlesung stand. Der helle Wahnsinn, als ich im Kieler Amerikahaus zum ersten Mal auf nicht ausleihbarer Schallplatte gehört habe, wie T.S.Eliot sein Gedicht The Waste Land liest! Und Dylan Thomas erst! Was für ein akustischer Vulkanausbruch! Wir hatten Glück in Kiel, denn der Buchhändler Cordes war berühmt für die von ihm in schöner Regelmäßigkeit veranstalteten Autorenlesungen. Erich Fried, Peter Handke, Günter Grass, Elias Canetti, Peter Bichsel, Uwe Johnson, sogar Haldor Laxness durften wir mit roten Ohren lauschen. Viel Prosa, aber eben auch viel Lyrik, Gedichte vom Allerbesten. Ingeborg Bachmann war nicht darunter. Vielleicht habe ich sie verpasst? Jedenfalls habe ich sie niemals live erlebt, auch Celan nicht oder Jandl. Ich muss also noch ziemlich lange meinen eigenen, meinen selbstgemachten Bachmann-Sound in Kopf und Mund gehabt haben, wenn ich ihre Gedichte vom Blatt las. Ich weiß nicht mehr, wann ich dann zum ersten Mal ihre Stimme gehört habe. Aber ich weiß, dass ich diese Stimme niemals wieder aus dem Kopf bekommen werde. Egal, welche Seite ihrer wohlfeilen Werkausgabe ich auch aufschlage: es ertönt, eindringlich und klar ihre Stimme, die alles verrät über sie, über ihre Prosa und über ihre Gedichte, die ich so nicht missen möchte aus meinem Leben. Für viele Jahre, für mehrere Jahrzehnte, habe ich bei Radio Bremen Lyriksendungen produziert, Lesungen aufgenommen, Poeten moderiert und gelegentlich befragt in ungezählten Sendungen und mit ihnen gemeinsam gelesen. Und ich weiß, dass nicht jede Autorin, jeder Autor ein Performancekünstler sein muss, um das Geschriebene vom Papier an das Ohr der Lauschenden zu befördern. Ich glaube auch nicht, dass Ingeborg Bachmann eine Performancekünstlerin war oder dass es sich bei ihrer Art zu lesen um eine auf Effekt spekulierende Selbstinszenierung handelte. Um also vielleicht die Frage nach dem Besonderen ihres Schreibens zu beantworten: es ist diese Stimme – die aus den Gedichten durch sie spricht.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Ja, für mich ist es Die gestundete Zeit, erschienen als Band 12 der Reihe studio frankfurt, herausgegeben von Alfred Andersch, mit dessen Lebensgeschichte und dessen unfassbarer Wirkung im Radio der Nachkriegszeit ich mich vor einigen Jahren intensiv beschäftigt habe in einem Projekt für Radio Bremen. Was mich an diesem schmalen Bachmann-Bändchen so reizt, ist die Tatsache, dass es 1953 herausgekommen ist, 8 Jahre nach Kriegsende, genau im Jahr meiner Geburt. So wie es ja Schlüsselromane gibt, ist es für mich in diesem Fall gewissermaßen ein Schlüsselgedichtband, den ich jedesmal neu lese, wenn ich ihn lese, und ich habe ihn oft gelesen.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte wahnsinnig gern von ihr, aus ihrem Munde erfahren, wie sie 1964 in Rom Anna Achmatova erlebt hat. En detail!
Und ich wüsste gern, wie der Tag im März 1966 in Lübeck für sie verlaufen ist, als sie in meiner Heimatstadt aus den Todesarten vorgelesen hat.
Ihr sagen würde ich gern, dass es mir ziemlich auf den Keks geht, wie jeder Editoren-Hans-und-Franz sich mit Sabber vor dem Schnabel an ihrem Liebesleben zu schaffen macht.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Mit dem vor Fantasie strotzenden Illustrator Andreas Röckener arbeite ich gerade an einem neuen Kinderbuch, das höchst merkwürdig kurze Prosagedichte enthalten wird. Und ich harre der Publikation meines irrwitzigen Collagepostkartenwechsels mit meinem Freund, dem 2019 verstorbenen Dichter Günter Kunert.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?
Ja, gern, aber sorry, es werden zwei Zitate aus Die gestundete Zeit:
Das erste aus dem Gedicht Alle Tage, in dem sie ja mitteilt, für was in den finsteren Zeiten als Auszeichnung der armselige Stern der Hoffnung verliehen wird. Nämlich dafür:
Für die Flucht von den Fahnen,
für die Tapferkeit vor dem Freund,
für den Verrat unwürdiger Geheimnisse
und die Nichtachtung
jeglichen Befehls.
Und das zweite Zitat stammt aus dem Gedicht Holz und Späne
Zuerst abgedruckt in Die Neue Zeitung, München, am 11.Juni 1953.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Michael Augustin, Schriftsteller _ Bremen
Xiting Shan, Schauspielerin_Wien
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann
Foto: Michael Augustin _ privat.
Fotos: Xiting Shan, Schauspielerin_Wien _ acting Malina _ Roman Ingeborg Bachmann _ Walter Pobaschnig 5/21
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Hartwig Mauritz, Schriftsteller
Yvonne Schneider, Tanzpädagogin, Model
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Hartwig Mauritz _ privat.
Fotos: Yvonne Schneider, Tanzpädagogin, Model _Wien _ acting Malina _ Romanschauplatz _ Malina _ Wien _ Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971 _ Walter Pobaschnig, 2/22
Ingeborg Bachmann bei der Pressekonferenz zur Premiere von _ Der Prinz von Homburg _ am 22. Mai 1960 in der Hamburgischen Staatsoper _ Fritz Peyer
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Im Interview _ Hartwig Mauritz, Schriftsteller _ Vaals/NL
Lieber Hartwig, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Ingeborg Bachmanns Schreiben ist durch eine dichte Bildsprache geprägt. Ihre Werke, insbesondere Lyrik und Prosa wie „Malina“, thematisieren die Gewalt in zwischenmenschlichen Beziehungen, das Erbe des Faschismus und die Auflösung des weiblichen Ichs in einer männerdominierten Welt
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben und warum?
Die Erzählung „Undine geht“ hat mich schon als jungen Mann wegen ihrer poetischen Sprache sehr beeindruckt. Der Prosamonolog liest sich wie ein Gedicht. In der Erzählung wird das Patriarchat, das mit Hans angesprochen wird, aus der Perspektive der Undine kritisch hinterfragt.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Natürlich interessiert einen Autor immer die Vorgehensweise der Kolleginnen und Kollegen beim Schreiben. Gern hätte ich von ihr erfahren, wie ihre Schreibideen entstanden, welche die auslösenden Momente für ihre Romane und Gedichte waren und wie sie ihren Tag strukturierte, um dieses Werk schreiben zu können.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich schreibe z.Zt. an meinem nächsten Gedichtband, der im weitesten Sinne mit dem Thema Transformation und Epochenbrüche zu tun hat. Darin geht es u.a. um die Folgen der modernen digitalen Technologien und des Rohstoffabbaus in den Ländern des Globalen Südens.
Darf ich abschließend zu einem Bachmann Zitat/Text bitten?