Lieber Hannes Egger, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich ein notorischer Frühaufsteher bin, sitze ich – nach dem ersten Kaffee – bereits meist um 6 Uhr am Computer, beantworte bzw. schreibe Mails, arbeite an Konzepten, recherchiere usw.
Im Laufe des Vormittags treffe ich gewöhnlich Menschen- on- oder offline zum Austausch, für Projekte, oder sonst wie. Ich weiß nicht wieso, aber es ist immer viel los und der Kalender ist meist sehr voll. Es scheint Gesprächsbedarf zu geben …
Hannes Egger, Künstler
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Aktuell finde ich es besonders wichtig abzuwägen, nicht zu schnell zu reagieren, sondern mit einem besonnenen und einem wohlwollenden Auge auf die Welt zu blicken. Es geht gerade nicht darum in die Reaktion-Gegenreaktion-Spirale zu kommen, sondern das was ist wahr- und ernst zu nehmen, bedächtig und respektvoll zu sein.
Ich bin interessiert an dem, was um mich und in der Welt geschieht und ich versuche mich vor Wertungen zu hüten (auch wenn das unglaublich schwierig ist). Gerne würde ich verstehen – Erkenntnis ist mir wichtig.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Ich bin nicht der Meinung, dass die Kunst die Welt zu einem guten Ort machen kann. Es ist nicht das Ziel einen (rosa) Farbfilter über die Realität zu legen. Manchmal ärgere ich mich, wenn ich von Menschen höre, dass die Künstler*innen aufstehen müssen und für irgendetwas kämpfen sollen.
Ich bin überzeugt, dass alle Menschen träumen und sich einsetzen sollen. Andererseits steht Künstler*innen Öffentlichkeit zur Verfügung, die sie nutzen können um Botschaften – oder noch besser Fragen – zu formulieren.
Hannes Egger _ Künstlerhaus Wien: SYSTEMRELEVANT (5.10.2023 – 18.2.2024)
Was liest Du derzeit?
Gerade lese ich „Gekränkte Freiheit“ von Oliver Nachtwey und Carolin Amlinger.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“ Ludwig Wittgenstein.
Hannes Egger, Künstler _ „Benvenuti in Africa„“ _ Fotographin Maria Gapp _ Foto von Luca Meneghel (MART). Im Hintergrund die Arbeit „Benvenuti in Africa„
Vielen Dank für das Interview, lieber Hannes, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Hannes Egger, Künstler
Zur Person _ Hannes Egger (1981, lebt und arbeitet in Lana) hat Philosophie an der Universität Wien und an der „La Sapzienza“ in Rom studiert. Seine konzeptionell angelegte künstlerische Praxis baut auf die Interaktion und die Partizipation des Publikums.
Ausgestellt hat er unter anderem im Belvedere21 (Wien); Museion, Bozen (I); Fundaciò Joan Brossa, Barcelona (ES); ZKM, Karlsruhe (D); Künstlerhaus Wien (Wien); Curitiba Biennial, Curitiba (BR); The MAC, Dallas (USA); Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck (A); Galleria Premio Suzzara (I); Galleria Civica di Trento, Trento, (I); MEWO Kunsthalle, Memmingen, (D); Galerie M, Berlin (I); Fondazione Barriera, Torino (I); Empty Cube, Lisbon (PT); Quartair, Den Haag (NL); Museo D’Emporda, Figueres, (ES); Kunsthalle Krems, Krems (A); Dox, Praga (CZ); Art Center, Krasnojarsk (RU); Biennale di Venezia, Venedig (I); EXPORT Kubus, Wien (A).
Zur Person _ Isabella Rapp, Sängerin, Regisseurin, Schauspielerin, Choreografin, Tänzerin …
Seit 30 Jahren steht sie auf der Bühne, als Frontfrau, im Ensemble, als Künstlerin und seit 15 Jahren auch als Regisseurin und Choreografin. In unzähligen Produktionen kleiner und großer Art, Schauspiel, Musiktheater, konzertant mit Orchester, Big Band, Jazztrio, Solo mit Klavier,… Spielte in etlichen Musicals wie „Hinterm Horizont“, „Cabaret“, „Fame“, „Jekyll and Hyde“, „Shockheaded Peter“, „Pinocchio“, „Die Csardasfürstin“…
„Chansonmanie“ ist seit 2006 ihr Baby und Herzensprojekt. Voller Hingabe, Kreativität, Einfühlsamkeit und Lust an der Musik erzählt, singt und bespielt das Trio mit Mathias Weibrich und Lars Hansen die Biografien der großen Damen und Herren des deutschen und französischen Chanson des letzten Jahrhunderts und verzaubern ihr Publikum. Ganz nah, ganz authentisch.
Chansonmanie _ Isabella Rapp, Sängerin und Schauspielerin _ Mathias Weibrich, Sänger und Pianist _ Lars Hansen, Kontrabass.
Liebe Rosemarie Schmitt, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein bisheriger Tagesablauf hat seit dem 15. Dezember ausgedient. Seitdem befinde ich mich im Urlaubsmodus.
Am 1. Januar begann für mich nicht nur ein neues Jahr, sondern auch ein neuer Lebensabschnitt. Ich lasse viele Jahre Berufstätigkeit hinter mir, und widme mich fortan überwiegend der Literatur und der Musik. Ich arbeite an einem weiteren Buch, das ich im Laufe des neuen Jahres veröffentlichen möchte, freue mich auf meine Rolle als Dozentin, in der ich Jugendliche im Kreativen Schreiben unterrichte, bereite meine Konzert-Lesungen vor … Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wo ich in den vergangenen Jahren die Zeit für meine Berufstätigkeit hernahm.
Ich lebe in Deutschland, nahe der Grenze zu Luxemburg, und freue mich sehr darauf, mich in Wien in ein neues Jahr und einen neuen Lebensabschnitt, zu stürzen.
Rosemarie Schmitt, Schriftstellerin _ Station bei Malina_Romanschauplatz/Ingeborg Bachmann Wien 12/23 _ folgende
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Respekt und Bildung.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Bildung und Respekt. Beides vermag die Kunst zu vermitteln.
Was liest Du derzeit?
VOX, ein Roman von Christina Dalcher und COMMEDIA. Ein Buch, das mich sehr berührt. Die Story spielt im 21. Jahrhundert. Eine Regierung ordnet an, dass Frauen ab sofort nicht mehr als hundert Wörter am Tag sprechen dürfen. Zitat: Ihr könnt uns die Wörter nehmen, aber zum Schweigen bringen könnt ihr uns nicht!
Außerdem lese ich derzeit Dante Alighieris Göttliche Komödie in deutscher Prosa von Kurt Flasch.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Hast du Respekt, hasst du niemanden.
Rosemarie Schmitt, Schriftstellerin _ Station bei Malina_Romanschauplatz/Ingeborg Bachmann Wien 12/23 _
Vielen Dank für das Interview, liebe Rosemarie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Rosemarie Schmitt, Schriftstellerin
Zur Person _ Rosemarie Schmittist eine deutsche Schriftstellerin, die am 10.08.1960 in Trier geboren wurde. Sie arbeitet als Dozentin und unterrichtet Kreatives Schreiben für Jugendliche. Als aktives Mitglied des Selfpublisher-Verbandes und des Literaturwerks Rheinland-Pfalz-Saar ist sie Ansprechpartnerin und Fachfrau wenn es um das Thema Lesungen geht.
Wenn’s ums Lesen geht, kann man mit ihr rechnen!
Literarisch betrachtet:
freie Mitarbeit bei der luxemburgischen Wochenzeitung Journal
Veröffentlichung literarischer Texte für ZEIT-online
Literaturpreis für meine erste Short-Story beim Wettbewerb der Schreibfeder Berlin
Veröffentlichung einer Short-Story in der Anthologie Als es begann… Deutex-Verlag
Veröffentlichungen von Short-Storys in Anthologien zum Literaturpreis Lotto-Rheinland-Pfalz
Veröffentlichung einer Short-Story in der Literaturzeitschrift Literamus, Literarisch-Musische-Gesellschaft Trier
Wöchentliche Klassik-Kolumne bei kultur-online.net
Freie Mitarbeit im Ressort Kultur bei der Tageszeitung Trierischer Volksfreund
Veröffentlichung einer Short-Story in der Anthologie Und niemand glaubt an michGeest-Verlag
Veröffentlichung einer Short-Story in der Anthologie SchreibOrte – Wo Literatur entstehtEdition Schrittmacher
Veröffentlichung des Romans Herr Jonathan
Veröffentlich einer Kurzgeschichte in Hilflos, Spaß am Lesen-Verlag
Gründung des Ensembles Paar-ti-Tour
Neuauflage des Romans Herr Jonathan, Buchschmiede in Wien
Veröffentlichung von Ruhet sanft, gefälligst! , Buchschmiede in Wien
I st die Voraussetzung für Verständnis, I-ntellekt?
Vielen fehlt möglicherweise eine V-ision!
Eckpfeiler beim Zusammenleben, Humanität und E-thik!
Politik, nur P-_ _ _ _ _ _ ?
Entscheidungen mit E-mpathie!
Alle können A-npacken …
Change erfordert immer C-ourage!
Eins sollte jeder Mensch sein, E-benbürtig!
Alle Menschen verdienen ein Leben ohne A-ngst!
Charakter statt C_ _ _ _ _ _ _ _ _ !
Hoffnung statt H-ohn!
Aufrichtigkeit statt A-ktiengewinn!
Nähe statt N-onsens!
Chancen statt C-ontenance!
Ehrlichkeit statt E-ffekt!
Carola Christiansen, 27.12.2023
Carola Christiansen, Schriftstellerin
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Carola Christiansen, Schriftstellerin
Zur Person _ Carola Christiansen ist in Hamburg geboren und größtenteils aufgewachsen. Bevor ihr Hobby zum Beruf wurde, arbeitete sie für eine Fluggesellschaft. Sie ist viel gereist, hat in Hongkong, Luxemburg, Dänemark und Venedig gelebt, doch es zog sie immer zurück an die Elbe.
Mittlerweile schreibt sie hauptberuflich und hauptsächlich Krimis – ihre Recherche führt sie (glücklicherweise) weiter in der Welt herum. Unter dem Motto: Spannung made in Altona, entwickelte sie u.a. ihren Hamburger Hauptkommissar Siegfried Adam.
Sie war drei Jahre Präsidentin der „Mörderischen Schwestern“.
Drittes Buch: AT »Die Robbenfrau«, ein Färöer Krimi, (ca. 360 Seiten), wird 2024 im Gmeiner Verlag erscheinen.
Anthologien:
»Die gruseligsten Orte in Hamburg« Gmeiner Verlag, Hrsg. Lutz Kreutzer/Uwe Gardein: »Der Axtmörder von Altona« Mein Beitrag spielt in Hamburg/Altona.
»In 18 Morden um die Welt« Leinpfad Verlag, Hrsg. Fenna Williams/Petra K. Gungl: »Ghana in schwarz-weiß« Mein Beitrag spielt in Ghana.
»Tour de Mord« Benevento Verlag, Hrsg. Carola Christiansen/Mareike Fröhlich: »Ein tragischer Fall« Mein Beitrag spielt in St. Anton am Arlberg.
»Tatort Nord« Harper Collins Germany, Hrsg. Anke Küpper/Franziska Henze/Yvonne Wüstel: »Fatale Heimkehr« Mein Beitrag spielt in Friedrichskoog.
»Tatort Nord 2« Harper Collins Germany, Hrsg. Anke Küpper/Franziska Henze/Yvonne Wüstel: »Kommissar Adam und der Tod im Stuhlmannbrunnen« Mein Beitrag spielt in Hamburg/Altona.
»Heu und Stroh« PMLakeman-Verlag, Hrsg. Patrizia Prudenzi/Ingrid Reidel, Oktober 2023 »Heu und Stroh« Mein Beitrag spielt in Irland, 12./13. Jahrhundert
»Die schaurigsten Orte Norddeutschlands« Gmeiner Verlag, Hrsg. Lutz Kreutzer, Erscheinungsdatum 2025 AT »Landunter« Mein Beitrag wird auf der Hallig Hooge spielen.
Liebe Wendi Gessner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich hab mein ganzes Leben danach ausgerichtet, keine Routinen und vorhersehbaren Tagesabläufe zu haben, davor graut mir. Ich liebe es, mich am Vortag überraschen zu lassen, was wohl für den nächsten Tag im Kalender steht und ich liebe es auch, das Geplante (sofern es nicht die Pläne anderer Menschen durchkreuzt) wieder spontan über den Haufen zu werfen, um ganz was anderes zu machen. Das ist für mich eine Form von Freiheit und Luxus.
Wendi Gessner | Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube, das Wichtigste im Moment sind Nuancen, Zwischentöne und daraus resultierende Toleranz. Polarisierendes Denken und Fühlen hat in der Geschichte der Menschheit noch nie zu konstruktiven Veränderungen geführt, ganz im Gegenteil. Und doch passiert es grade mehr denn je, weltweit. Umso wichtiger finde ich es, zumindest im kleinen Rahmen nuanciert zu sehen und wenn es uns nicht möglich ist, sie zu sehen, dann das Gegenüber aktiv danach zu fragen, anstatt in der eigenen schwarz/weiß gut/böse Freund/Feind – Wahrnehmung zu verharren.
Beim Reden kommen d´Leit zamm, nicht beim digitalen liken, haten, shitstormen, ghosten und blockieren.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Ich glaube, dass jeder Aufbruch, jeder Neubeginn eine riesengroße Chance ist, aktiv mitzugestalten, aus Fehlern zu lernen und alte Muster zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verabschieden. Dabei finde ich es wesentlich, die Verantwortung und die Entscheidungen für Neuerungen nicht abzugeben und zu hoffen, sondern eben selbst aktiv mitzugestalten.
Wenn wir unsere Gesellschaft als Gebäude betrachten, dann ist für mich Musik und Kunst zwar nicht das Fundament, aber der verbindende Mörtel, die Isolation vor Kälte und Lärm, der farbige Anstrich außen und auch die Farbe in den Innenräumen.
Was liest Du derzeit?
„Männer töten“ von Eva Reisinger
„Die Welt der Frauen und Mädchen mit AD(H)S“, erschienen im BELTZ Verlag
„An.schläge“ (Magazin)
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ein Haus aus Ziegelsteinen steht vielleicht stabil da, aber ohne Mörtel, ohne Verputz, ohne Dämmung, ohne Dach und ohne Farbe bleibt es eine seelenlose Ruine.
Wendi Gessner | Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Wendi, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Wendi Gessner | Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin
Zur Person _ Wendi Gessner aka Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin, sowie Musikvermittlerin im Wiener Haus der Musik.
Unter dem Namen Wende Punkt wurden bereits zwei Studioalben veröffentlicht, nach zwei Jahren Mama-Zeit wird derzeit das dritteAlbum produziert; die daraus hervorgehende Single „Lass los” landete beim diesjährigen FM4 Protestsongcontest auf dem 2. Platz.
Sämtliche Singles, sowie das gesamte Album sind von dieser „one-woman-show“ produziert und behandeln mit Mut, Herzblut und knarzend-elektronischem Industrial-Pop von feministischen, sozialpolitischen und philosophischen Auseinandersetzungen, die in einem emotionalen Zwiespalt aus Krise und Elternschaft entstanden sind. Melancholisch Heiter, pulsierend Fragil und mit einer großen Portion queer-feministischem Revolutionsgeist spielt sich Wende Punkt in Herz, Hirn und unter die Haut: Österreichisch-deutsche Texte zwischen Alltagsphilosophie und Lautmalerei, Lokalkolorit und Wortspiel formulieren unermüdlich Liebeserklärungen an Freiheit, Solidarität, Diversität und Mut. Bestimmt keine leichte Kost, dafür mit Nährwert. Den Finger in der Wunde, das Herz am linken Fleck Ein Wortspiel auf der Zunge findet Schönheit auch im Dreck
Wende Punkt tritt live je nach Veranstaltungsrahmen Solo (Stimme, Klavier), oder mit Band auf.
Links zu bisherigen Veröffentlichungen sowie social media:
Eine Weisheit, eine Weitsicht: Diese Welt? Kleiner Ball im All
Aber dann…
ging’s arg voran
eine Schar führt Krieg um Macht
niemals Ziel, es zu beenden
Sagen dir mit kaltem Lächeln: Menschlichkeit, Gut Nacht
Chancen sinds, wenn alles bricht
Holen wir aus jeder Ritze eine Seele raus
Angst macht taub, spürn uns kaum
Nah am Schock
Chaos schlichten, Raum für Raum
Einsam und Gemeinsam in diese Zeit der Wende
Wendi Gessner, 31.12.2023
Wendi Gessner | Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Wendi Gessner | Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin
Zur Person _ Wendi Gessner aka Wende Punkt ist Sängerin, Musikproduzentin und bildende Künstlerin, sowie Musikvermittlerin im Wiener Haus der Musik.
Unter dem Namen Wende Punkt wurden bereits zwei Studioalben veröffentlicht, nach zwei Jahren Mama-Zeit wird derzeit das dritteAlbum produziert; die daraus hervorgehende Single „Lass los” landete beim diesjährigen FM4 Protestsongcontest auf dem 2. Platz.
Sämtliche Singles, sowie das gesamte Album sind von dieser „one-woman-show“ produziert und behandeln mit Mut, Herzblut und knarzend-elektronischem Industrial-Pop von feministischen, sozialpolitischen und philosophischen Auseinandersetzungen, die in einem emotionalen Zwiespalt aus Krise und Elternschaft entstanden sind. Melancholisch Heiter, pulsierend Fragil und mit einer großen Portion queer-feministischem Revolutionsgeist spielt sich Wende Punkt in Herz, Hirn und unter die Haut: Österreichisch-deutsche Texte zwischen Alltagsphilosophie und Lautmalerei, Lokalkolorit und Wortspiel formulieren unermüdlich Liebeserklärungen an Freiheit, Solidarität, Diversität und Mut. Bestimmt keine leichte Kost, dafür mit Nährwert. Den Finger in der Wunde, das Herz am linken Fleck Ein Wortspiel auf der Zunge findet Schönheit auch im Dreck
Wende Punkt tritt live je nach Veranstaltungsrahmen Solo (Stimme, Klavier), oder mit Band auf.
Links zu bisherigen Veröffentlichungen sowie social media:
Lieber Emil Kaschka, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
An guten Tagen schaffe ich es von 9 bis 13 Uhr zu schreiben, dann zu kochen, am Nachmittag auf die Filmakademie oder mein Leben über Mails zu organisieren und am Abend ins Theater, Kino oder mit Freund*innen reden, trinken, versinken.
An anderen Tagen komme ich nicht zum Schreiben, werde auf Instagram oder YouTube von Algorithmen gefressen und mache Sachen nicht, weil ich will, sondern muss.
Emil Kaschka, Schriftsteller/Regisseur _ Emil Kaschka gewann 2023 in Wien die 16. Österreichischen Poetry-Slam Meisterschaften
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Konkret sein und nie abstrakt, wenn wir über Krieg sprechen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Theater, Film, Literatur sind Orte an denen wir Geschichten, Perspektiven, Menschen, Erlebtes teilen – also Fitnesscenter für die Empathie.
Theater in Wien verliert sich im Abstrakten, Subtilen, Selbstreferentiellen. Die Schwelle zum Theater muss so niedrig gemacht werden, dass alle Menschen von selbst reinrutschen. Plätze müssen billiger werden, Stoffe und Inszenierungen zugänglicher und vor allem unterhaltsamer! Ansonsten predigen wir vor Bekehrten.
Was liest Du derzeit?
Die Stücke von Felix Mitterer – mit großem Vergnügen!
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Das erste Kapitel von Moby Dick. Immer wenn es dem Erzähler Ismael schlecht geht, ihm „nieselnder November in die Seele einzieht“ und er aggressiv wird, dann fahrt er zur See, es ist das Einzige, was ihn beruhigt – in neue Horizonte fahren, sich der Welt nicht zu verschließen, sondern zu öffnen.
Vielen Dank für das Interview, lieber Emil, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Theater-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Emil Kaschka, Schriftsteller/Regisseur
Zur Person _ Emil Kaschka, geboren 1996 am Land in Tirol. Er studierte Germanistik in Innsbruck, Sevilla und Wien. Nach seinem Romandebüt GRÜNHOLZ (2021) begann er mit einem Drehbuchstudium an der Filmakademie Wien. Letztes Jahr debütiere er mit seinen Theaterstücken SEIT JAKOB (2022) und SCHMELZWASSER (2022).
Für die Entwicklung seines neuen Stückes wurde er mit dem österreichischen Dramatiker:innenstipendium 2023 gefördert. Im selben Jahr drehte er seinen Debüt-Film INS WILDE LAND.
Emil Kaschka gewann 2023 in Wien die 16. Österreichische Poetry-Slam Meisterschaft
Station bei Romy Schneider_ Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider (Rosemarie Magdalena Albach * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) Schauspielerin_ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_
Station bei Romy Schneider_ Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider (Rosemarie Magdalena Albach * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) Schauspielerin_ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Matea Novak, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?
Wenn ich an Romy Schneider denke, dann vor allem in Verbindung mit dem französischen Film – an ihre hingebungsvolle Art des Spiels, Ausdrucks. Und ich denke an ihre Ehrlichkeit in allem.
Wir sind hier in der Wiener Wohnung der Eltern/Großeltern (väterlicherseits) Romy Schneiders. Welche Eindrücke gibt es für dich von Haus, Wohnung, Garten?
Schon als ich die Wohnung (Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien, väterlichseits, Romy Schneider verbrachte hier die ersten Lebensmonate und kehrte immer wieder zu Besuchen zurück. Die Wohnung wurde von der Familie verkauft und ist heute im Privatbesitz. Anm.) betreten habe, war ihr Geist sehr präsent. Ich habe mich in diese so besondere Aura, den wunderbaren Stil verliebt und bin sehr dankbar diese Erfahrung gemacht zu haben.
Ich schloss die Augen und stellte mir atmosphärisch vor, Romy Schneider ist jetzt da. Genau hier und jetzt. In ihrer Wohnung.
Und ich versuchte so viel wie möglich von „Romy“ an- und aufzunehmen – wie sie in ihren Tag startet in Freude, Sorge aber auch in dieser Unbekümmertheit und mutigen Frechheit, welche für sie so charakteristisch sind.
Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?
„Swimmingpool“ hat nicht nur ihre Karriere wesentlich beeinflusst, neu gestartet, sondern thematisiert auch spannend das sich verändernde, brüchige Weltbild in Liebe und Leben damals, was ja auch für sie persönlich zutraf.
Nach den „Sissi“ Filmen zeigt Romy Schneider in dem 1969/70 erschienen Film „Swimmingpool“ eine selbstbewusste betonte Weiblichkeit, in Körper und Geist. Sehr ausdrucksstark, mutig und sie weiß genau, was sie tut.
Romy Schneider spielte in ihren Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark, auch körperlich, und ging bis an die Grenzen des persönlich Möglichen. Etwa in den Filmen „Nachtblende“, „Trio infernale“ oder „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Wie siehst Du als Schauspielerin die Darstellerin Romy Schneider?
Für mich ist sie eine Göttin. Eine Frau, die mich inspiriert – so will ich sein. So will ich spielen. Zu 100 Prozent natürlich, authentisch, intensiv und dabei den eigenen Stil nicht verlieren, sondern weiterentwickeln.
Müssen Mensch und Rolle sich immer ganz nah, intensiv berühren, um diese spielen und auch das Publikum berühren zu können?
Es gibt verschiedene Techniken, um eine Rolle zu spielen. Für mich ist es sehr wichtig, mich nicht zu sehr mit der Rolle zu identifizieren, eine gewisse Distanz zu meiner Persönlichkeit zu halten. Ich spiele nicht mich selbst, ich stecke meine Arbeit in eine Rollenpersönlichkeit und kreiere, male gleichsam mit meinen Farben der Sinne, das macht ja die Arbeit einer Schauspielerin aus.
Gibt es Momente in einer Darstellung, in der sich gleichsam die Kontrolle über die Rolle verlieren kann? Und wenn ja, was holt einen dann zurück?
Im besten Fall ist es nicht so. Ich steige in die Rolle ein und aus. Doch ja, manchmal kommt es vor, dass ich mich verliere und wieder zurück zur Rolle, dem Ausgangspunkt muss. Dann braucht es den Rewind-Knopf.
Würdest Du einen Film von Romy Schneider gerne spielen und wenn ja, welchen und warum?
Das ist schwierig. Romy Schneider hat das damals hervorragend und einzigartig gemacht. Da ist sie Vorbild und Motivation, Anspruch bis heute. Aber diese eine Rolle, die ich unbedingt will, ist in ihren Filmen nicht dabei. Weil einfach die Frauenrollen damals so anders waren.
Es gibt von Romy Schneider sehr viele Fotoserien. Gibt es eine Serie, die Du hervorheben möchtest?
Die Aufnahmen mit Helga Kneidl 1973 in Paris.
Wie siehst Du Romy Schneider vor der Fotokamera? Ist sie da Schauspielerin oder Privatperson oder beides?
Sie hat sehr ausdrucksstarke Augen und auch wenn sie glücklich scheint, sehe ich, da liegt noch etwas dahinter. Das ist menschlich und schön.
Vor der Fotokamera ist sie für mich eine selbstbestimmte Frau, die sich zeigen will in ihrer hochkonzentrierten Arbeitsweise.
Auch unser Projekt ist ein szenisches Foto/Interviewprojekt. Wie hast Du Dich im Vorfeld darauf vorbereitet und was ist Dir dabei wichtig?
Meine Motivation war, dass ich mich endlich mit dieser tollen Frau auseinandersetzen darf. Ich habe schon viel von ihr gehört und gelesen, aber nie so intensiv wie heute.
In meinem Umfeld habe ich gefragt, wie die Erinnerungen zu Romy Schneider sind und habe mir nochmals ihre Interviews angehört. Auch ein paar Filme ausgegraben und mir angesehen, ihren Geist wiederauferweckt, der ja in Wien allerorten weiterlebt.
Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?
Romy Schneider ist sehr früh und sehr schnell berühmt geworden. Damit gab es auch Festlegungen mit denen sie zeitlebens rang. In Österreich, Deutschland wurde sie als „Sissi“ gesehen und in Frankreich als die Femme Fatale. Paparazzi waren immer um sie und Romy Schneider verkaufte sich medial wunderbar. Es wurde zum tragischen, grausamen Wettlauf. Nach dem Unfalltod ihres Sohnes, als Fotos des toten Kindes in Zeitungen erschienen, bezog sie klar Stellung und kritisierte dies scharf. Damit setzte vielleicht auch ein breiteres Umdenken ein.
Es ist in jedem Beruf wichtig, seine Familie zu schützen. Ich denke, mit medialer Öffentlichkeit muss man besonders behutsam umgehen und wissen wo und wie man gibt, nimmt und auch davon Abstand gewinnt, vor allem in unserer Zeit, wo social Media zur neuen Dimension von Leben und Präsentation wird.
Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?
Romy Schneider war sich immer bewusst, wo sie hinwollte, beruflich und privat. In ihrer ersten, und wohl größten Liebe, Alain Delon verband sich beides, in Schönheit, Intensität und Tragik.
Ich finde es toll, dass sie es gewagt hat, beruflich weiterzugehen. Sich dem modernen Theater, Film zu stellen und diese Herausforderungen anzunehmen.
Romy Schneider sagte 1970, es ist eine Last für sie, dass so wenig gute Frauenrollen angeboten werden. Sie hatte recht. Und wie ist es heute, fünfzig Jahre danach? Die Aussage hat leider immer noch immer ihre Gültigkeit.
Wenn ich als Schauspielerin das Land und damit auch Theater, Film, Kultur wechseln möchte, dann mache ich das aus voller Überzeugung. Für mich ist es sehr wichtig, mir selbst treu zu bleiben und nicht immer der Gage zu folgen. Ich bin ein Mensch, der nicht lange an einem Ort bleiben kann. Ich bin im Sternzeichen Schütze und bin am 3. Dezember geboren, wie Romy’s verstorbener Sohn David. Als Schütze ziehe ich von Ziel zu Ziel, ich spanne den Bogen immer wieder und weiter.
Meine ersten Rollenarbeitsstunden habe ich von einem befreundeten Schauspieler im Raimund Theater Wien erhalten. In den Jahren davor spielte ich an verschiedenen Orten, nicht immer an Theatern. Das waren Locations wie das Semperdepot in Wien oder das Parlament. Der Unterricht mit diversen Künstler:innen war und ist für mich essentiell und dadurch haben sich viele Möglichkeiten ergeben. Man muss im Flow bleiben, dann ergeben sich die Dinge, die zu einem passen.
Wie war Dein Weg zum Schauspiel und welche Erfahrungen hast Du in Wien im Schauspielberuf gemacht?
Mit dreizehn Jahren schrieb mich meine Mutter in einen Jugendtheaterkurs in Wien ein und in der Schule hatte ich Bühnenspiel als Freifach zum regulären Unterricht. Das habe ich sehr gerne und lang gemacht und nach der Schule war es für mich schwierig herauszufinden, wie ich da Fuß fasse könnte in diesem Beruf. Einen wirklichen Leitfaden gibt es ja da nicht. Ich habe mir selbst einen Weg gebaut und der gefällt mir sehr.
In Wien probierte ich verschiedene Schauspielschulen aus. Ich arbeitete mit verschiedenen Regisseuren, Lehrern und Menschen aus Europa und lasse mich inspirieren. Das sind sehr wichtige Begegnungen und Erfahrungen für mich.
Ich arbeite gerne viel und die verschiedenen Erfahrungen dabei, auch die schlechten, sind super notwendig. Gerade diese geben mehr Volumen. Nicht nur beim Schauspiel, auch im Leben.
Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?
Ganz klar. Mehr gute Frauenrollen! Und das am Besten von Frauen geschrieben.
Als junge Schauspielerin will ich auch eine Superheldin spielen, mit der ich mitziehen kann, nicht immer Barbie oder MyLittlePony. Durch meine Cousins lernte ich Tomb Raider kennen, das war’s aber auch schon.
Auf jeden Fall: Ich will mehr Frauen sehen im Fernsehen, die auch Actionfiguren spielen und nicht immer totgeschminkt werden. Das Thema Frau im Film ist mir sehr wichtig.
Was sind Deine kommenden Projekte?
Es ist Winter 2023/24 und ich bin zurzeit im Abschlussjahr meines Schauspielstudiums. Wir proben die Abschlussproduktion meines Jahrgangs, die wir im Januar 2024 im Theater Arche Wien aufführen. Parallel dazu probe ich im Theater in der Josefstadt für das neue Stück von Herbert Föttinger, wo ich in einer kleinen Rolle mitwirke. Weiters spiele ich in einem multilingualen Projekt im Schauspielhaus mit, bei dem ich endlich meine Muttersprache kreativ einsetzten kann.
Für 2024 ist auch ein Projekt mit dem Regisseur Arturas Valudskis in Planung, auf das ich mich unglaublich freue! Ich bin sehr dankbar mit diesen Theaterhäusern und Künstlern zusammenzuarbeiten. Es sind Projekte, die wirklich zu mir passen und darin ich mich auch wohl fühle, obwohl ich das nicht immer erwartet hätte.
Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?
Am Weg zu bleiben. Es werden dir so viele große/kleine Steine und Pfützen und Matsch und verschiedene Wetterlagen begegnen. Dabeibleiben und sich dessen bewusst sein, wie selbstermächtigt man ist.
Ich glaube, dass Präsenz und gesammelte Erfahrungen im Schauspiel sehr wichtig sind. Deshalb ist es auch entscheidend zu verschiedenen Castings, Kursen und Treffen zu erscheinen und Chancen zu ergreifen.
Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?
Berühmtsein hat viele Schattenseiten. Romy Schneider rang zeitlebens mit dieser umgebenden drückenden „Wand“ im Rampenlicht und man merkt bei den Interviews in Deutschland, dass sie versucht aus- durchzubrechen und sich selbst treu zu bleiben, in dem sie sagt was ihr wichtig scheint.
Sie wirkt auf mich als hochintelligente wie -emotionale, mutige Frau, der nicht vieles gleichgültig war. Wie ich mitbekommen habe, war ihr Leben nicht immer von ihr selbst bestimmt. Als sie dann berühmt war und so viele Leute um sich hatte, die Wege vorgaben, ohne nachzufragen – das kann nicht gesund für die Seele sein und belastet alles.
Sie war eine Frau, die in ihren Beziehungen tief, innig liebt und das hat sie dann auch zerstört. Ich bin da wie sie.
Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?
Ich wäre so unglaublich gerne mit ihr befreundet gewesen. Ich denke diese Frau trug sehr viel in sich. Für mich wirkt sie voller Erfahrung, Leben und Tod. Ich liebe es, mit Menschen in abgrundtiefe Gespräche zu tauchen, wo man dann lacht und weint und einfach aufhört, sich zu verstecken.
Was kann eine Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?
Sich nicht als Frau zerstören zu lassen. Das Ruhm nicht alles ist, aber Authentizität und Haltung, Kunst und Leben ausmachen. Dass der Blick auf sich selbst, die mentale Gesundheit, ganz wesentlich und Voraussetzung für Beruf und Liebe ist. Aber all das ist leichter gesagt als getan. Im Grunde finde ich es toll, dass Romy Schneider in Offenheit, Ehrlichkeit ihren Weg ging.
Romy Schneider hat auch viele Interviews gegeben. Gibt es ein Interview, das Dich besonders anspricht und möchtest Du vielleicht ein Zitat hervorheben?
Das Interview 1976 mit Alice Schwarzer auf Französisch. Das hat so viel persönliches Feuer, sie spricht aus ihrem Herzen.
Station bei Romy Schneider_ Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider (Rosemarie Magdalena Albach * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) Schauspielerin_ Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_
Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Achrostikon bitten?
R eal.
O minipräsent.
M utig.
Y orkshire Terrier hatte Romy keinen, aber einen Dackel!
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Station bei Romy Schneider _
Matea Novak, Schauspielerin _ Wien _ acting Romy Schneider * 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris Schauspielerin_
Fotos _Wohnung der Familie Albach-Retty in Wien_ herzlichen Dank für die freundliche Kooperation!
Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 12/23
Station bei Malina_ Rosemarie Schmitt, Schriftstellerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Rosemarie Schmitt, wir sind hier an literarischen Bezugsorten des Romans „Malina“ (1971) von Ingeborg Bachmann in Wien. Sind Dir die Orte hier vertraut?
Diese Orte sind mir sogar sehr vertraut. Zu erklären vermag ich das nicht, denn ich war niemals zuvor hier.
Rosemarie Schmitt und Walter Pobaschnig
Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Ingeborg Bachmann und dem Roman Malina?
Ist es nicht arrogant und anmaßend, mein Sein in Bezug auf das zu Bachmann und Malina zu stellen? Nun, ich versuche es dennoch. Ich beschäftige mich mit Ingeborg Bachmann und ihrem Roman schon einige Jahre. Immer wieder. Und mit jedem Wieder bedarf es eines neuen Zuganges, denn ich finde mich nie an selber Stelle wieder.
Welche Eindrücke hast Du von den Schauplätzen in der Ungargasse, die wir besucht haben?
Spirituell? Esoterisch ICH? Ganz und gar nicht! Und dann war ich in der Ungargasse 6 … und begegnete Malina.
Wie siehst Du den Aufbau und das Konzept des Romans?
Mich spricht beides sehr an. Mich beeindruckt die klare Struktur, hinter der sich irrsinnig viele Verwirrungen verstecken. Verwirrungen den Leser, als auch die Autorin betreffend.
Wenn Du auf das Sprachkonzept von Malina ansprichst, das sehe ich als ebenso verwirrend wie das Konzept. Diesen Roman kann man nicht einfach nur so lesen. Ingeborg Bachmann bedient sich einer metaphysischen Sprache deren Ästhetik mich fasziniert.
Was sind für Dich zentrale Themen und Aussagen des Romans?
Zentrale Themen sind für mich die geschlechtliche Rollenverteilung, die vernichtende Wirkung eines Krieges, die Bewältigung von Ängsten, die Suche nach verbindlicher Liebe, nach Vertrauen und Zuverlässigkeit.
Wie ist die Beziehung zwischen Mann und Frau im Roman dargestellt und wie ist dies heute zu sehen?
Bachmann gibt den Männern in ihrem Roman sehr viel Macht. Zu viel. Manches hat sich diesbezüglich geändert. Und das ist gut so. Indes glaube ich, dass Frauen andere Wege finden müssen, um in dieser Welt gehört und respektiert zu werden. Gendersternchen sind bloß Sternchen. Lustige, kindliche Sternchen. Nichts weiter.
Wie beurteilst Du die Protagonisten Ivan, Malina, Ich-Person in Ihrem literarischen Kontext bzw. dem Kontext der Autorin und Ihrer Biographie?
In jedem dieser Protagonisten steckt mehr als nur eine Person. Ich, als Schriftstellerin, bewundere Ingeborg Bachmann für die beeindruckende Tiefe und Dichte mit denen sie ihre Charaktere ausstattet. Jeder ist viel mehr als nur eine Person. Die stärkste und zugleich schwächste Figur dieses Romans ist für mich die Frau, also die Ich-Person.
Ich weiß, es ist nicht wirklich eine umfassende Antwort auf diese Frage. Ehrlich gesagt, würde ich gerne wochenlang über diese Frage nachdenken und ein Buch darüber schreiben.
Wie siehst Du das literarische Konzept des dreistufigen Aufbaus des Romans?
Nun, ich wünsche, ich hätte es erdacht.
Welches Frauen- und Männerbild spricht Ingeborg Bachmann in Malina an und wie aktuell ist dies heute?
Es ist das Bild des machtvollen Mannes und der gebrochenen Frau. Ein Bild, das mich zutiefst erschreckt, berührt, mir Angst macht. Und dass es mir Angst macht, ängstigt mich am meisten. Diese Angst ist aktuell, ist heute.
Welchen Einfluss hatte und hat der Roman auf die Entwicklung von Literatur, Kunst und Emanzipation und Gesellschaft?
Malina hat direkt nach seinem Erscheinen eine Welle der Empörung ausgelöst. Man sprach von einem unzeitgemäßen, radikalen und eigensinnigen Roman. Das ist ein gutes Zeichen für Einflussnahme! Malina ist nicht in aller, doch in vieler Munde. Malina gehört jedoch in jeden Kopf!
Ich empfehle: Lest Bachmann und empört euch! Empört euch, dass zu Vieles sich nicht änderte, seit Malina
Wie siehst Du das Ende des Romans?
Für Bachmann war es folgerichtig und logisch das einzig richtige Ende. Ein anderes Ende hätte all ihre Aussagen des Romans in Frage gestellt. Es war Mord – was sonst!
Gab es in Deinen Literatur-, Kunstprojekten Berührungspunkte zu Ingeborg Bachmann?
Ich bin der Meinung, dass es diese Berührungspunkte wirklich gibt. Ich fühle manche Parallelen.
Lass es mich in einer Metapher beschreiben:
Die Ritze in der Hauswand der Ungargasse 6, in der die Ich-Erzählerin aus Malina verschwindet, um zu sterben, – also ich war dort und sah. Sah, die Sonne und das Licht hinter dieser Ritze. Ich verschwände auch darin, nicht jedoch um zu sterben, sondern um zu leben.
Du hast wie Ingeborg Bachmann vor als Schriftstellerin nach Wien zu ziehen. Was bedeutet Dir Wien und welche Inspirationen erwartest Du?
Ich bin ja nun nicht mehr die Jüngste und habe demzufolge bereits viele Städte gesehen. Doch keine andere Stadt erlebte und erlebe ich wie Wien. Es fühlt sich gut und richtig an. Nirgendwo packt mich die Schreiblust stärker als in Wien. Wenn das für eine Schreibende kein Grund ist, nach Wien zu ziehen!
Was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Ich arbeite an meinem zweiten Anekdoten-Band, in dem es um die oft kuriosen Leben von Komponisten geht. Wie in meinem ersten Band „Ruhet sanft, gefälligst!“, in dem ich mir die schreibende Zunft vorknöpfte, lebe ich dort meine Wortverspieltheit und meinen Humor aus.
Ich freue mich auf meine Tätigkeit als Dozentin für Kreatives Schreiben, in der ich hoffentlich viele Jugendliche für das Schreiben begeistern kann.
Der Gedanke, mit meinem in Arbeit befindlichen Romanprojekt am Bachmann-Wettbewerb 2024 teilzunehmen, lässt mich dieser Tage nicht los…
Hättest Du mit Ingeborg Bachmann gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?
Einen? Nur einen Tag? Ich hätte gerne viele Tage und Nächte mit ihr verbracht. Rauchend, redend, zuhörend, schweigend, lachend, weinend, trinkend, schimpfend, fragend, beobachtend, schreibend, lesend, philosophierend, gewinnend… Und du fragst nach EINEM Tag?!
Darf ich Dich abschließend zu einem Malina Akrostichon bitten?
Mal
Angenommen
Liebe
Ist
Niemals
Alles …
Station bei Malina_ Rosemarie Schmitt, Schriftstellerin_Wien_ acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Ingeborg Bachmann (1971) Wien _ 50.Todesjahr_Ingeborg Bachmann_Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)
Rosemarie Schmitt, Ralf Schmitt (rechts), Walter Pobaschnig
Station bei Malina_Roman Ingeborg Bachmann_Wien_1971
Tatjana Hardikov _Schrift mit Scherben während der Ausstellung „Dream on/ Other Island“ in der Bräuhausgasse/Wien 2023
Liebe Tatjana Hardikov, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Mein Tagesablauf ist sehr dicht und oft fremdbestimmt. Morgens um 5h30 werde ich von meinem Hund wachgeküsst und ab dann geht es ziemlich durchgetaktet weiter: Kind, Haushalt, Job… Die Zeit für meine künstlerischen Projekten muss ich mir bewusst freihalten und andere Dinge dafür liegen lassen. Ich habe gelernt sehr fokussiert und organisiert zu arbeiten.
Tatjana Hardikov, bildende Künstlerin
Ansicht aus dem Alltag im Wohnatelier
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke, dass Achtsamkeit wichtig ist. Damit meine ich, dass wir unser Bewusstsein darauf schärfen, wer wir sind, was wir tun, was wir brauchen und was nicht, unabhängig davon, wie verschieden wir alle sind. Wichtig ist es, so zu handeln wie wir selbst gerne behandelt werden möchten. Darüber spreche ich oft mit meinem heranwachsenden Sohn und den Kindern, mit denen ich beruflich arbeite. Ein bisschen weniger Selbstbezogenheit und dafür den Blick für das große Ganze im Auge zu behalten, wie groß auch immer das große Ganze für den Einzelnen sein mag, würde uns allen guttun.
Tatjana Hardikov _„All mine“ Leinwand 2023
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Die Kunst hat in allen Phasen unserer Entwicklung eine wesentliche Rolle gespielt. Aus den größten Krisen und gesellschaftlichen Herausforderungen sind immer neue Kunstrichtungen entstanden. Daran sieht man wie wichtig uns Menschen der Ausdruck von Innen nach Außen ist. Er ist essenziell und lebensnotwendig, ganz besonders wenn der Leidensdruck groß ist. Persönlich empfinde ich es nicht anders. Ohne meine künstlerische Arbeit wäre ich nicht ich selbst.
Was liest Du derzeit?
„Maxims Idee“ von meiner Mutter Nevenka Hardikov und „Neuland“ von George Monbiot
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich zitiere Arnold Schwarzenegger „be useful“
Vielen Dank für das Interview, liebe Tatjana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!