Erinnerungen an Helena Adler _Harald Darer, Schriftsteller
+ 5.1.2024 „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)
Lieber Harad Darer, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler, Schriftstellerin (Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024 *1983) ?
Ich habe sie nur einmal getroffen. Bei unserem Kennenlernen letztes Jahr in Rauris, als wir zusammen auf den Bus gewartet haben. Sie war sehr lieb zu mir, ich war komplett zerdrückt, weil ein paar Tage vorher mein Bruder tödlich verunglückt war und konnte Zuspruch gut gebrauchen. Als ich jetzt von ihrem Tod erfahren habe, ist es mir wieder eingefahren, wie grotesk es doch ist, wenn jemand plötzlich für immer weg ist, mit dem man vor Kurzem noch Kontakt hatte.
Wann, wie begegnete Dir der erste Text von Ihr und welche Wirkung hatte dieser auf Dich?
Mit ihrem Buch die „Infantin..“. Ich habe mich gleich zu Hause gefühlt, weil sie darin auf ihre Art dasselbe Thema bearbeitet hat wie ich in meinem ersten Buch.
Was zeichnete Ihr Schreiben für Dich aus?
Der Hang zum Skurrilen, Wortwitzigen und der Wille dem Irrsinn mit der Sprache beizukommen.
Wie hast Du Helena Adler als Kollegin erlebt?
Was mich betrifft, und unserem kurzen Treffen nach zu urteilen, war sie zugänglich und interessiert.
Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?
Das ist schwierig zu sagen, die Einordnung nehmen andere vor, es wird wohl die Antiheimat-Ecke sein.
Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?
Ich hoffe, dass sie auf alle Fälle in Erinnerung bleiben wird.
Harald Darer, Schriftsteller
Wien, 8.1.2023
Herzlichen Dank für Dein Interview, lieber Harald!
Erinnerungen an Helena Adler_Gudrun Seidenauer, Schriftstellerin
+ 5.1.2024 „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)
Liebe Gudrun Seidenauer, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler, Schriftstellerin (Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024 *1983) ?
Wir sind uns bei den Rauriser Literaturtagen begegnet – herzlich, persönlich und lustig, mehr als Small-Talk.
Wann, wie begegnete Dir der erste Text von Ihr und welche Wirkung hatte dieser auf Dich?
Die „Infantin“ ist eine hinreißende Wucht, die meine Schüler*innen aus dem Fach „Kreatives Schreiben-Literatur“ am Musischen Gymnasium sehr beeindruckt und intensive Diskussionen befeuert hat, das Beste, was ein Text auslösen kann.
Was zeichnete Ihr Schreiben für Dich aus?
Weiblich, wild, Sprachfeuerwerk, das schmerzende Stellen grell ausleuchtet.
Wie hast Du Helena Adler als Kollegin erlebt?
Siehe oben
Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?
Sie hat eine großartige, starke Spur gezogen – möchte mich nicht an Zuordnungen versuchen.
Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?
Siehe letzte Frage.
Gudrun Seidenauer, Schriftstellerin _
Salzburg 8.1.2024
Herzlichen Dank für Dein Interview und Deine Erinnerungen, liebe Gudrun!
Erinnerungen an Helena Adler _Markus Grundtner, Schriftsteller
+ 5.1.2024 „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)
Lieber Walter,
danke für deine Einladung zur Erinnerung und dein Bemühen um das Andenken an Helena Adler.
Von ihrem Ableben erfuhr ich, als ich „Eine Ehe in Wien“ von David Vogel las, und kurz zuvor an eine Stelle angelangt war, aus der sich ein Satz schmerzlich aus seinem Kontext herauslöste: „Da steht man urplötzlich der völligen Nichtigkeit aller Dinge gegenüber …“
Ich muss gestehen, ich kannte Helena Adler nicht persönlich, sondern nur über ihren Kunstnamen. Genauer gesagt, kannte ich sie, wie man sich oft im Literaturbetrieb kennt, über Social Media-Plattformen, ein „Gefällt mir“ hier, ein Kommentar unter einem Posting da, und leider schaffte ich es nie zu einer Lesung, weil alles Mögliche dazwischenkam.
Den unmittelbarsten Kontakt hatten wir, als wir 2022 gemeinsam auf der Longlist des Österreichischen Buchpreises standen, sie dann auf der Shortlist. Als ich einmal die nominierten Bücher sympathisch arrangiert in einer Buchhandlung entdeckte, schoss ich ein Foto, postete es auf Instagram und markierte die anderen AutorInnen. Es kam das eine oder andere „Gefällt mir“ zurück, von Helena ein Herz – nunmehr unsere einzige direkte Kommunikation. Obwohl, bei der Preisverleihung gab es dann noch ein kollegiales Zunicken aus der Ferne. Aber wahrscheinlich trickst mich hier nur meine Erinnerung aus.
So habe ich zwar nie mit ihr gesprochen, aber durch „Fretten“ ihre ureigene Erzählerinnenstimme kennengelernt. Diese Sprachmusik und Verspieltheit der Worte gibt es kein zweites Mal. Verlage schreiben in ihre Programme gern: „Ein Roman wie von …“ – bisher dachte ich, ich lese lieber den „Roman von …“ anstatt den „Roman wie von …“, unendlich traurig stimmt mich, dass es – ohne eventuell vorliegende Manuskripte oder Fragmente – keinen weiteren „Roman von Helena Adler“ geben wird und jedenfalls auch keinen „Roman wie von Helena Adler“ geben kann.
In der Erinnerung will ich nicht auf sie als bildende Künstlerin vergessen. Abgesehen von all der nun unerschaffen bleibenden Kunst und ungeschrieben bleibenden Literatur, ist aber eines das Allerschmerzlichste, es bleibt nun ein langes Leben mit ihrer Familie ungelebt.
Markus Grundtner, Schriftsteller
Wien, 8.1.2024
Herzlichen Dank für Deine Erinnerungen, lieber Markus!
Victoria Kropfitsch (Amerson), Musikerin, Designerin, Model
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Victoria Kropfitsch (Amerson) _ Musikerin, Designerin, Model
Zur Person _ Victoria Kropfitsch (Amerson) (26) ist für ihre vielen künstlerischen Talente bekannt. Sie verfolgt eine Karriere als professionelle Bratschistin, nachdem sie 16 Jahre lang studiert und international aufgetreten ist.
Seit 2019 hat sie außerdem ihre eigene Marke „Victoria K. Designs“ gegründet. Alle Designs werden von der Schneidermeisterin selbst handgefertigt.
Victoria arbeitet außerdem als Model in Wien und international (Magazin/Ausstellungen).
Victoria trägt den Titel Miss Europe Continental Austria sowie Miss Woman Vienna Austria und Miss Elite Global USA. Victoria engagiert sich im Kiwanis Club und ist eine große Unterstützerin von Animal Care Austria.
Liebe Alexandra Campo, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nach dem Aufstehen sehe ich auf mein Handy und dann geh` ich in die Küche und trinke bei einem netten Gespräch mit meiner Mama einen Kaffee.
Alexandra Campo, Schauspielerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Frieden und Zusammenhalt
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
So wie bei einer neuen Rolle einfach offen für das Neue sein, sich darauf einlassen und wenn es notwendig ist, auf die Improvisation zurück greifen
Was liest Du derzeit?
Im Moment hab ich gerade eine Pause gemacht aber mein letztes Buch das ich angefangen habe war:
“Tod auf der Weißwand Hütte” Thomas Himmelbauer. Krimi.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Man sieht nur mit dem Herzen gut das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“ Antoine de Saint-Exupéry
Vielen Dank für das Interview, liebe Alex, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Geboren bin ich 1988 in Wien, lebte lange in Kolumbien. Ich bin zweisprachig, Deutsch und Spanisch, aufgewachsen. Auch in meiner Freizeit schätzte ich Kreativität und Aktivität.
Erinnerungen an Helena Adler_Jerome Jaminet, Literaturkritiker
+ 5.1.2024 „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)
Lieber Jérôme Jaminet, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler, Schriftstellerin (Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024 *1983) ?
Unvergesslich ist mir Helena Adlers Humor, den eine Luxemburg-Anekdote von ihr sehr schön illustriert. Als Gymnasiastin soll sie ihrem besten Freund erzählt haben, sie sei in Wahrheit adeliger Herkunft und stamme aus dem Großherzogtum. Weil sie aber ihren Wohlstand nicht zu schätzen gewusst habe, hätten die leiblichen Eltern sie einer armen Bauernfamilie im Salzburger Voralpenland untergejubelt.
Ich hatte sie im Frühjahr letzten Jahres in ihre alte Heimat eingeladen, zu einer Lesung aus „Fretten“. Sie sagte zu, obwohl sie eigentlich nicht gerne reiste. Es wäre unser erstes Treffen gewesen. Leider ist es nicht mehr dazu gekommen.
Wann, wie begegnete Dir der erste Text von Ihr und welche Wirkung hatte dieser auf Dich?
In Vorbereitung auf eine Sondersendung der RTL Bicherlies zur österreichischen Literatur las ich als erstes ihren dritten Roman, im April 2023. Schon vorher war ich durch Katja Gasser und Klaus Kastberger auf sie aufmerksam geworden. Das Buch hat mich dann mit seinem Feuerwerk an Sprachbildern und Wortspielen schlicht überwältigt.
Was zeichnete Ihr Schreiben für Dich aus?
Das ist Prosa mit Karacho, die von einem unbändigen Sprachkompositionsdrang zeugt, aber auch davon, dass hier jemand wirklich etwas zu erzählen hat, und zwar unbedingt, leidenschaftlich, völlig entfesselt.
Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?
Der Adler-Stil ist schon singulär, dieser wilde, mitreißende Erzählstrom. Klar war sie nicht die erste, die einem jede romantisch verklärte Lust aufs Landleben austreiben konnte. Aber ihr Werk erschöpft sich nicht in einem Anti-Heimat-Rant. In „Fretten“ etwa fungiert die Mutterliebe als ein Gegengewicht, das sich auch in Haltung und Tonlage niederschlägt. Dieser Kontrast war Helena Adler wichtig.
Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?
In dem einen Ohr wird mir der Sound ihrer Literatur bleiben, in dem anderen ihr herzliches Lachen.
Jérôme Jaminet, 7.1.2024
Herzlichen Dank für Dein Interview und Deine Erinnerungen, lieber Jérôme!
Erinnerungen an Helena Adler _Valerie Springer, Schriftstellerin
+ 5.1.2024 „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)
Lieber Walter, zuerst einmal will ich dir meinen herzlichen Dank aussprechen, dass du mit deinem Projekt Helena Adler würdigst.
Ich habe Helena Adler nie persönlich kennen gelernt. Ich weiß nichts über sie, abgesehen von dem, was ich in Interviews mit ihr gesehen/gehört habe und was die Medien nun berichten. In der Auseinandersetzung mit ihrer Schreibweise habe ich das Gefühl zu wissen, wie sie als Mensch war. Ob das ein Trugschluss ist, weiß ich nicht.
Ich habe mit wirklich großer Begeisterung „Die Infantin“ gelesen, das war vor ein paar Jahren, als dieses Buch nach ihrem Debütroman Hertz 52 erschienen ist. „Fretten“ liegt auf meinem Muss-Ich-Noch-Lesen-Stapel, jetzt zuoberst. Ich habe hinein gelesen und denke, dass ich es mit derselben inspirierenden Freude lesen werde.
Helena Adlers Darstellung innerer Gedankenwelten, die Herangehensweise an die Struktur von Narrativen und ihre Wortschöpfungen haben mich jedenfalls sehr beeindruckt. Ich mag die Schilderung der subtilen Nuancen menschlicher Emotionen und Beziehungen, die Ausdrucks-Vielfalt, mal derb, mal grausam, mal komisch, und das kombiniert mit einem scharfen intellektuellen Blick.
In der österreichischen Literaturszene wird ihr Werk angesichts ihres sehr frühen Todes jetzt als ein bedeutender Beitrag betrachtet. Die Frage, ob sich die Erinnerung an sie in einem Jahrzehnt noch lebhaft halten wird, kann ich nicht beantworten. Die Unbeständigkeit des literarischen Gedächtnisses und die Dynamik kultureller Einflüsse lassen Raum für Spekulationen darüber, wie nachhaltig ihr Erbe sein wird.
Ich wünsche mir, dass ihr Werk und ihr Leben – soweit ich es zu kennen glaube – mir in Erinnerung bleiben, vor allem auch, weil Helena Adler sich gegen eine Kategorisierung ihres Schreibens stellte und ihren eigenen Weg als Schaffende ohne Zaudern, mit Freude, Mut und Können gegangen ist.
Erinnerungen an Helena Adler _Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin
+ 5.1.2024 „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)
Liebe Ines Edith Oppitz, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler, Schriftstellerin (Stephanie Helena Prähauser *1983) ?
Meine Wiener Schwägerin hatte einen Zeitungsartikel (Presse?) über Helena Adler und ihren Roman „Die Infantin trägt den Scheitel links“ gelesen und erzählte mir davon am Telefon. Es klang begeistert und infizierte mich sofort mit Neugierde. Bis dahin kannte ich nur den Namen der Autorin. Mir war sofort klar, dass ich dieses Buch haben musste, allein schon wegen des ungewöhnlichen Titels.
Wann, wie begegnete Dir der erste Text von ihr und welche Wirkung hatte er auf Dich?
Kurz nach Erscheinen des Buches „Die Infantin trägt den Scheitel links“, im Herbst 2020, begann ich darin zu lesen. Es hatte mich sofort gepackt. Ihre Sprache empfand ich aufrüttelnd, atemberaubend, sprühend, explosiv, eine Sinfonie, die einen ins Crescendo reißt und einem nur kurz ein Adagio gönnt.
Was zeichnet ihr Schreiben für Dich aus?
Die Rasanz ihrer Sprache, auch ihre Zartheit, Lust und Lebenskraft, intensive Farbigkeit, ohne Lebensscheu, ohne Scheu, auch Tiefen des Daseins mit schmerzender Genauigkeit auszuloten. Leben ist Sprache. Die Autorin war Sprache, wusste ihr innerstes Instrument souverän, gekonnt, stark, ausdrucksvoll, präzise, treffsicher, eben sprachmächtig einzusetzen.
Wie hast Du Helena Adler als Kollegin erlebt?
Leider gab es für mich keine Gelegenheit, sie persönlich kennen zu lernen. Wir waren nur auf Facebook „befreundet“ und leider viel zu kurz in Kontakt. Da erlebte ich sie sehr herzlich und liebevoll …..
Welches literarische Erbe hinterlässt sie und wie ist dies in der österreichischen Literatur einzuordnen?
Selten hat mich der Tod eines Menschen, den ich nicht persönlich kannte, so tief getroffen und entsetzt, durch ihr Werk und ihre Persönlichkeit, wie ich sie daraus las. Daher ist es mir unmöglich, ihre Literatur im großen Kontext einzuordnen. Dazu würde es Distanz und wahren Durchblick brauchen. Für mich bin ich überzeugt, dass ihre Sprache und Stärke einen ganz bedeutenden Platz einnehmen und behalten wird.
„Fretten“, leider Helena Adlers letztes Buch, eröffnet die Widmung „für mein geliebtes Kind“! Das muss einem zutiefst ins Herz gehen. Aus der Lebensmitte herausgerissen, fortgerissen von ihren Liebsten, erschüttert es und wird als unüberhörbare Stimme dieser jungen Autorin nicht verstummen. (Bemerkenswert auch die Zitate von Virginia Woolf, Franz Kafka, Frida Kahlo und besonders jenes von Adalbert Stifter, die „Fretten“ vorangestellt sind!)
Wie wird Dir Werk und Leben Helena Adlers in Erinnerung bleiben?
In einem inneren Dialog mit ihrem Werk, der auch ein Dialog mit mir selber ist …..
Ines Edith Oppitz,7.1.2024
Herzlichen Dank für das Interview, liebe Ines!
Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin
Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin
Foto: privat
Helena Adler, Schriftstellerin +5.1.2024
+ 5.1.2024 „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)
Geboren 1983 in Oberndorf bei Salzburg. Lebte als Autorin und Künstlerin in der Nähe von Salzburg.
Studium der Malerei am Mozarteum sowie Psychologie und Philosophie an der Universität Salzburg.
Erinnerungen an Helena Adler_Kaśka Bryla, Schriftstellerin
+ 5.1.2024 „Helena Adler“, Schriftstellerin, Salzburg (Stephanie Helena Prähauser *1983)
Liebe Kaśka Bryla, welche Erinnerungen hast Du an Helena Adler, Schriftstellerin (Stephanie Helena Prähauser + 5.1.2024 *1983) ?
Unsere Bücher „Die Infantin trägt den Scheitel links“ und „Roter Affe“ erschienen beide im Herbstprogramm 2020, also mitten in der Pandemie, im Lockdown, nachdem die Frühlingsprogramme mehr oder weniger untergegangen waren. Online Lesungen hatten begonnen und viele Kulturschaffende spezialisierten sich auf Podcasts, um neue Autor*innen zugänglich zu machen. Wie so viele, nutzte ich diese Möglichkeiten und hörte mir das Gespräch zwischen Helena Adler, Irene Zanol und Victoria Strobl bei Auf Buchfühlung an, musste unglaublich viel lachen und schrieb ihr daraufhin eine PM über FB:
9.Feb.2021, 9:45
Liebe Helena, ich habe das Gespräch mit dir auf Auf Buchfühlung gehört und wollte dir nur sagen, dass ich die Idee, das eigene Buch einfach zu den Bestsellern zu stellen, ein Foto zu machen und es zu posten, wirklich, wirklich großartig finde. Chapeau!
Eine knappe Stunde später schrieb sie zurück und so begann unser Austausch, bis wir uns im Mai 2021 beim Salzburger Literaturfestival endlich persönlich kennenlernten. Stephie kam zur Lesung von mir und Birgit Birnbacher. Sie hielt eine Ausgabe des Roter Affe in der Hand. So stand sie da, mit diesem warmherzigen Lächeln und winkte mit dem Buch. Wie lässt sich dieses Gefühl beschreiben.
Ich war unendlich aufgeregt. Es war eine meiner ersten Lesungen vor analogem Publikum. Wenn ich zurückdenke, sehe ich sie noch immer dort stehen, in dem beigen Mantel, mit dem warmherzigen Lächeln. Die großartige Autorin und zugewandte Kollegin. Nach der Lesung schickte sie mir Fotos, damit ich sie posten konnte.
Immer bin ich davon ausgegangen, dass wir einander noch oftmals begegnen würden, nicht nur für kurze Chats im Netz, in denen wir einander in der gegenseitigen Arbeit als Autorinnen bestärkten. Immer bin ich davon ausgegangen, noch viele Texte von ihr zu lesen.
Im September 2022 hörte ich mir das Gespräch zwischen Helena Adler und Katja Gasser im Rahmen des Gastland Österreich Auftritts bei der Leipziger Buchmesse an. Fretten war gerade erschienen. Wieder so ein geistreicher Roman.
Stephie (Helena), Du und Deine Literatur werden fehlen.
Kaśka Bryla, 7.1.2024
Herzlichen Dank für Deine Erinnerungen, liebe Kaśka!
Liebe Carola Christiansen, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Manchmal arbeite ich bis spät in die Nacht, dann stehe ich entsprechend spät auf. Ich war jahrelang im Schichtdienst, deshalb genieße ich die Unabhängigkeit wahrscheinlich besonders – diese Freiheit, selbst zu entscheiden, WANN ich mit meiner Arbeit beginne. Ebenso WO ich arbeite, ich schreibe zum Beispiel gern im Bett – manchmal auch im Café, oder (mit Block und Bleistift) nach dem Fitness-Training im Ruheraum.
Natürlich gibt es auch Termine, die feste Zeiten erfordern, wie Lesungen oder Interviews. Oder ein Treffen mit Freunden. 😉
Carola Christiansen, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich denke, wir brauchen Zusammenhalt und einen Blick fürs Ganze. Wir müssen über unsere Tellerränder schauen und andere wahrnehmen. Mit allem was dazu gehört. Für einige überwiegen stets mögliche Probleme, manche sehen alles rosarot. Meiner Meinung nach wäre es wichtig, lösungsorientierter zu denken. Menschlichkeit darf dabei nicht in Vergessenheit geraten, sowie das Bewusstsein für Realität – wie gut es uns (fast) allen geht.
Verständnis für die Meinung anderer ist wichtig. Diskussionskultur. Respekt. Zuversicht.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Die Literatur hat den Auftrag aufzuklären und zu spiegeln. Doch auch zu unterhalten, zu trösten und manchmal aus der Realität zu entführen.
Wichtig ist ein objektiver Blick auf die Weltlage, besonders im Journalismus. Keine Angstmacherei, obwohl das die höchsten Auflagen beschert. Vorsicht vor jeder Form von Populismus!
Kunst ist Nahrung für die Seele und die Sinne. Sie kann sowohl beruhigen, als auch aufrütteln und nachdenklich stimmen. Im besten Fall zur Reflexion anregen. Dadurch hat sie großen Einfluss.
Was liest Du derzeit?
Leider komme ich derzeit kaum zum Lesen, ich arbeite sehr viel an eigenen Projekten. Früher habe ich mehrere Bücher in der Woche gelesen. Im Moment lese ich, wenn ich es schaffe, vor dem Einschlafen Krimis von den Shetlands. Von der Autorin Marsali Taylor, die ich auf der „Shetland Noir“ (Krimifestival auf den Shetlands) besucht habe. Die Bücher passen wunderbar in die kalte Jahreszeit, entspannen mich und entführen mich weiter in den Norden.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Nicht im klein-klein verzetteln. Wir sind alle eins, wir sind die Menschheit. Großzügigkeit und Toleranz sind immens wichtig. Wir müssen unsere eigene Identität und Individualität dafür nicht aufgeben.
Stellen wir uns einmal vor, die Erde würde von Wesen eines anderen Planeten angegriffen. Plötzlich gäbe auf unserer Welt einfach nur noch Erdbewohner. Hautfarbe, Religion, sexuelle Ausrichtung, all das wäre mit einem Schlag gleichgültig. Bis auf den Angriff – ein erstrebenswerter Zustand!
Vielen Dank für das Interview, liebe Carola, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler:innen:
Carola Christiansen, Schriftstellerin
Zur Person _Carola Christiansen ist in Hamburg geboren und größtenteils aufgewachsen. Bevor ihr Hobby zum Beruf wurde, arbeitete sie für eine Fluggesellschaft. Sie ist viel gereist, hat in Hongkong, Luxemburg, Dänemark und Venedig gelebt, doch es zog sie immer zurück an die Elbe.
Mittlerweile schreibt sie hauptberuflich und hauptsächlich Krimis – ihre Recherche führt sie (glücklicherweise) weiter in der Welt herum. Unter dem Motto: Spannung made in Altona, entwickelte sie u.a. ihren Hamburger Hauptkommissar Siegfried Adam.
Sie war drei Jahre Präsidentin der „Mörderischen Schwestern“.
Drittes Buch: AT »Die Robbenfrau«, ein Färöer Krimi, (ca. 360 Seiten), wird 2024 im Gmeiner Verlag erscheinen.
Anthologien:
»Die gruseligsten Orte in Hamburg« Gmeiner Verlag, Hrsg. Lutz Kreutzer/Uwe Gardein: »Der Axtmörder von Altona« Mein Beitrag spielt in Hamburg/Altona.
»In 18 Morden um die Welt« Leinpfad Verlag, Hrsg. Fenna Williams/Petra K. Gungl: »Ghana in schwarz-weiß« Mein Beitrag spielt in Ghana.
»Tour de Mord« Benevento Verlag, Hrsg. Carola Christiansen/Mareike Fröhlich: »Ein tragischer Fall« Mein Beitrag spielt in St. Anton am Arlberg.
»Tatort Nord« Harper Collins Germany, Hrsg. Anke Küpper/Franziska Henze/Yvonne Wüstel: »Fatale Heimkehr« Mein Beitrag spielt in Friedrichskoog.
»Tatort Nord 2« Harper Collins Germany, Hrsg. Anke Küpper/Franziska Henze/Yvonne Wüstel: »Kommissar Adam und der Tod im Stuhlmannbrunnen« Mein Beitrag spielt in Hamburg/Altona.
»Heu und Stroh« PMLakeman-Verlag, Hrsg. Patrizia Prudenzi/Ingrid Reidel, Oktober 2023 »Heu und Stroh« Mein Beitrag spielt in Irland, 12./13. Jahrhundert
»Die schaurigsten Orte Norddeutschlands« Gmeiner Verlag, Hrsg. Lutz Kreutzer, Erscheinungsdatum 2025 AT »Landunter« Mein Beitrag wird auf der Hallig Hooge spielen.