„Kunst fördert den Dialog, setzt neue Denkprozesse in Gang“ Margit Mohr, Kuratorin _ Nürnberg 28.2.2024

Liebe Margit Mohr, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

So unterschiedlich sich die Tage gestalten, sie beginnen immer mit Bewegung und Yoga. Bis ich morgens den ersten Schluck Kaffee genommen habe, ist das Erste erledigt. Danach arbeite ich zuhause oder im Büro, treffe mich zu Gesprächen in der Stadt.

Ich bin in ganz unterschiedliche Kunst-und Literaturprojekten involviert, wie das jährlichen Literaturfest WortWärts und die Biennale der Zeichnung in der Metropolregion Nürnberg.

Margit Mohr _
Leiterin und Kuratorin des Kulturzentrum KUNO und des Galeriehaus Nord in Nürnberg. 

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zu schätzen, dass wir in einer Demokratie leben reicht nicht mehr. Denn es gilt die Demokratie zu schützen und zu verteidigen. In persönlichen Gesprächen, in sozialen Netzwerken. Dafür einzustehen, auf die Straße zu gehen. 

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Ermöglichung und Förderung von Kultur und die Schaffung kreativer Freiräume sind Errungenschaften demokratischer Prozesse unserer Gesellschaft.

Kunst fördert den Dialog, setzt neue Denkprozesse in Gang und trägt dazu bei, die Welt von einer anderen Seite zu betrachten. Im Austausch mit Besucher*innen unserer Galerie erlebe ich selbst, welche Wege das Gespräch über ein Kunstwerk nehmen kann.

GHN_PiaFerm_7. Biennale der Zeichnung der Metropolregion Nürnberg _

Die Kunst der Gegenwart setzt sich oft mit ihrer unmittelbaren Umgebung auseinander, macht sichtbar, was sich dem Wesen nach nicht schrill und laut behaupten kann. Die Literatur steht ihr in nichts nach. Wenn sie ihre Stimme erhebt, kann sie Gehör finden und eine starke Rolle spielen.

WortWärts2023_Robert_Prosser
WortWärts2023_Angela Steidele

Was liest Du derzeit?

Matrix von Lauren Groff, erzählt die Geschichte von Marie, die im 12. Jahrhundert auf Geheiß Königin Eleonores in ein heruntergewirtschaftetes, französisches Kloster eintreten muss, das sie später als Äbtissin gegen innere und  äußere Widerstände verteidigt.

Monster  und Siegerin von Yishai Sarid erzählen in klarer, schnörkelloser Sprache zu Geschichte und Gegenwart Israels.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Die Schriftstellerin Christiane Neudecker stellt in der aktuellen Rubrik „Denk ich an Deutschland“ des DLF fest…, dass die Besonnenheit im öffentlichen Diskurs abhandenkommt. Die Wucht des Wortes wird nicht mehr begriffen…. Sie wünscht sich, dass es ein Innehalten und vor allem ein Nachdenken geben wird, und dass man erst dann redet, wenn man wirklich etwas zu sagen hat.

Vielen Dank für das Interview, liebe Margit, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Margit Mohr _ Leiterin und Kuratorin des Kulturzentrum KUNO und des Galeriehaus Nord in Nürnberg. 

Zur Person _ Margit Mohr _ Leiterin und Kuratorin des Kulturzentrum KUNO und des Galeriehaus Nord in Nürnberg. 

Schwerpunkte meiner Arbeit sind zeitgenössische Bildende Kunst und Literatur. Erststudium Sozialpädagogik, Zweitstudium Kulturmanagement und Kunstgeschichte. 

Seit 2003 entwickle und realisiere ich Interdisziplinäre Veranstaltungsreihen und Kulturprojekte, arbeite vorwiegend mit regionalen, aber auch internationalen Künstler*innen. Netzwerke und Kooperationen in Bildender Kunst und Literatur entstehen und wachsen.

Bildende Kunst

Kunstprojekte „BetonKunst“ und „Tier+Mensch“. 

Seit 2005 ist das Literaturfest WortWärts der literarische Höhepunkt des Sommers in Nürnberg.

Seit 2011 koordiniere ich die Biennale der Zeichnung der Metropolregion Nürnberg.

Literatur

2013+16 Schweizer Literaturtage in Nürnberg, 

Nach ihrem öffentlichen Debüt 2009 läuft die szenische Lesung „Täterinnen – Frauen im Nationalsozialismus“ von und mit Nadja Bennewitz und Jule Schröder bis heute als Schulveranstaltung.

Ich habe Freude daran Neues zu planen und umzusetzen.

Netzwerke und Kooperationen bilden sich gleichermaßen in der Bildenden Kunst und Literatur heran. Bestens gelingt das mit einem guten Team und verlässlichen Partner*innen.

Aktuelle/Kommende Projekte _  

Mingzhe E _ Malerei der Gegenwart

Ausstellungseröffnung: Freitag, den 26. Januar 2024, um 19  Uhr _ Begrüßung: Margit MohrEinführung: Prof. Dr. Naiming Wie (Technische Hochschule Nürnberg)

Ausstellungsdauer: 26.01.-03.03.2024

Öffnungszeiten: Di-Mi 13-16 Uhr, Do – Fr 11-13 Uhr, So 11-16 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter T. 55 33 87.

www.galeriehaus-nuernberg-nord.de

Mingzhe E (geb 1986) studierte europäische Ölmalerei an der renommierten Tianjin Academy of Fine Arts. Erste Ausstellungsbeteiligungen in namhaften Kunstinstitutionen in China und Europa folgten. Für sein Zweitstudium der Freien Kunst kam Mingzhe E an die AdBK Nürnberg, wo er als Meisterschüler von Prof. Jochen Flinzer eine neue malerische Ausdrucksform entwickelte.

Die Serie „Reproduktion“  ist ein zentraler Teil der Ausstellung im Galeriehaus Nord.

Die konzeptionelle Arbeit umfasst mehrere, scheinbar gleichaussehende Gemälde des Werks „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ von Jan Vermeer. Überall findet sich das weltberühmte Motiv,  in Katalogen, Zeitschriften, Prospekten und als Titel auf deren Einbände und Deckblättern.

Mingzhe E hat von verschiedenen Vorlagen reproduziert, die Quellenangaben verweisen auf die Herkunft. Streng und konzentriert hat er Schicht um Schicht, Pixel um Pixel aufgetragen. Seine künstlerisch angelegte Studie ist zugleich eine Herausforderung an unsere Wahrnehmung.

Ausstellungseröffnung: Freitag, den 15. März 2024, um 19  Uhr

Karina Kueffner _REPEAT

Textile Installation und Malerei

Begrüßung: Margit Mohr (Leiterin und Kuratorin)

Einführung: Prof. Dr. Claus Christian Carbon (Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie und Methodenlehre, Universität Bamberg) Er forscht und arbeitet im Bereich der Kunst, Kunstwahrnehmung und Designwertschätzung.

Die Künstlerin ist anwesend.

Karina Kueffner (*1981) lebt und arbeitet als bildende Künstlerin in Nürnberg.

In den seriellen, textilbezogenen Werken von Karina Kueffner entstehen Kompositionen und raumgreifende Arbeiten, die sich durch Muster, Form und Materialität auszeichnen.

Karina Kueffner Brique 2024 Atelieransicht
Karina Kueffner – Brique 2024 Detail
Karina Kueffner – Pujols 2023

Begleitprogramm:

Donnerstag 28.03.2024, 14.00 Uhr
Gespräch mit Karina Kueffner, moderiert von Margit Mohr

Die Künstlerin wird Einblicke in ihr Werk geben. Offene Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Café Zeitlos, KUNO e.V.

Freitag 12.04.2024, 18.00 Uhr

Drink & Draw – Kunstaktion mit Karina Kueffner

Besucher*innen sind an diesem Abend zu Drink & Draw in der Ausstellung eingeladen. Außerdem wird in einer gemeinsamen Kunstaktion eine großformatige Wandarbeit gestaltet, die inhaltlich Bezug auf die Ausstellung nimmt.

Dienstag 16.04.2024, 18.00 Uhr

Apéro-Führung mit Wicky Reindl

Wicky Reindl, Künstlerin aus Nürnberg, bietet im Galeriehaus Nord am frühen Abend, in entspannter Atmosphäre, spannende Einblicke in die laufende Ausstellung, dazu wird ein Getränk gereicht.

Sonntag 28.04.2024, 14.00 Uhr

Führung durch die Ausstellung mit Künstlerin und Kuratorin

Mittwoch 01.05.2024, 15-19 Uhr

Sonderöffnung zum 1. Mai – Fest im Kulturzentrum KUNO, mit Konzert & mehr. www.kultur-nord.org

Eintritt zu allen aufgeführten Kunstterminen frei

Ausstellungsdauer: 15.03.-01.05.2024

Öffnungszeiten: Di-Mi 13-16 Uhr, Do – Fr 11-13 Uhr, So 11-16 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter T. 55 33 87. Sonderöffnung 1.5. von 15-19 Uhr

www.galeriehaus-nuernberg-nord.de

Alle Fotos_ Heike Hahn;

Walter Pobaschnig _ 27.2.2024

https://literaturoutdoors.com

„Tatort Genfer See. Kaiserin Elisabeth im Fadenkreuz der Anarchisten“ Anna Maria Sigmund. Molden Verlag _ acting Valentina Himmelbauer _ Schauspielerin _ Wien

Valentina Himmelbauer, Schauspielerin _ Wien _ acting „Sisi“ _
Walter Pobaschnig

Es ist ein Leben in Glanz und Glamour der öffentlichen Rolle einer Kaiserin wie dem engen Korsett persönlicher Freiräume und familiärer Tragik.

Ein Spannungsfeld, welche das Leben von Elisabeth, Kaiserin von Österreich – * 24. Dezember 1837 als Elisabeth Amalie Eugenie von Wittelsbach + ermordet 10. September 1898 in Genf, Schweiz – bis zu ihrem gewaltsamen Tod charakterisiert.

Schon zu Lebzeiten in ganz besonderer Aufmerksamkeit stehend, führt eine Verfilmung, in der Rolle „Sisis“ Romy Schneider, in den 1950er Jahren und den darauffolgenden Rezeptionen, Recherchen und Kunstprojekten (Theater/Musical) zu neuer anhaltender Aufmerksamkeit und neuen Zugängen zu Leben und Gesellschaft der Zeit.

Bisher etwas im Hintergrund bleibend sind dabei die letzten Lebensjahre wie die Umstände des Todes, der Ermordung von Elisabeth wie auch die politische Gefährdung der kaiserlichen Familie in den Jahren davor wie in den Nachwirkungen des Mordes.

Anna Maria Sigmund, promovierte Historikerin und renommierte Autorin, nimmt sich im vorliegenden Buch dieser letzten tragischen Station eines Kaiserinlebens an und begeistert dabei in hervorragender Quellenrecherche in Wort (Lebenszeugnisse, offizielle Polizeiberichte) wie Fotos (Portraits, Bezugs-, Lebensorte), welche Leben und Tod und die damit zusammenhängenden Umstände und Folgen eindrucksvoll öffnen.

Die Aufbereitung, in gewohnter ganz besonderer Verlagsqualität in sensationeller Verbindung von Wort&Bild, ist einmal mehr hervorzuheben und Autorin wie Verlag ist herzlich dazu zu gratulieren.

Es liegt ein Sachbuch vor, das spannend wie informativ zu einer Reise an das tragische Ende eines Lebens führt und dabei biographische, gesellschaftspolitische und kriminaltechnische Fakten und Überlegungen ans Licht bringt.

„Das tragische Ende eines Kaiserinlebens in hervorragender Wort&Bild Recherche und Darstellung.“

Zur Autorin _ Anna Maria Sigmund ist promovierte Historikerin, Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtswissenschaften der Universität Wien und freie Wissenschaftsjournalistin. Sie lebt in Wien. Zahlreiche Veröffentlichungen, u. a.: „Die Frauen der Nazis I–III“, „Die verschollenen Tagebücher Franz Josephs“, „Des Führers bester Freund“.    Molden Verlag

Sigmund, Anna Maria_
c_Photo_Zimmermann

„Tatort Genfer See. Kaiserin Elisabeth im Fadenkreuz der Anarchisten“ Anna Maria Sigmund. Molden Verlag.

Hardcover

17 x 24 cm; 192 Seiten

ISBN 978-3-222-15053-1

€ 27,00

Molden Verlag


E-Book – EPUB

0 x 0 cm

ISBN 978-3-99040-566-6

€ 21,99

Molden Verlag

Wort&Bild

Valentina Himmelbauer, Schauspielerin _ Wien _ acting Sisi

Alles Fotos_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 2/24

https://literaturoutdoors.com

„Austrian Psycho _ Jack Unterweger“  Malte Herwig. Molden Verlag.

Jack Unterweger. Geboren 1950 in der Steiermark, aufgewachsen ohne Mutter und Vater in der Einschicht des Kärntner Tales. Es ist eine Kindheit ohne Richtung, ein Aufwachsen ohne Zuwendung, Nähe. Als uneheliches Kind kommt er zu seinem Großvater in das dunkle verlassene Tal und diese Dunkelheit setzt sich fest an Seele, Herz, Hand. In der starren Hierarchie von Dorf und Leben findet er keinen Platz, der Perspektiven eröffnen würde. Es bleibt das Dunkle und es folgen Straftaten, die schließlich in einem Mord mündeten und der Verurteilung zu lebenslanger Haft. Hinter Gittern beginnt er zu schreiben und dies dringt nach Außen und findet Anerkennung. Auch Künstler:innen setzen sich für ihn ein und er kommt frühzeitig frei. Nun ist er Gast in Fernsehstudios, besucht im schicken Auto, weißem Anzug das dunkle Tal der Herkunft. Doch im Inneren bleibt Dunkel und Gewalt. Im Zuge einer Mordserie kommt er in Haft, wird verurteilt und nimmt sich in der Nacht darauf in seiner Zelle das Leben.

Sein Leben, seine Taten und die Umstände der letzten Verurteilung finden in zahlreichen Rezeptionen in Theater, Literatur, Film ihren Niederschlag.

Der renommierte Hamburger Autor Malte Herwig öffnet Leserin und Leser in seinem Buch „Austrian Psycho – Jack Unterweger“ das Manuskript eines unbekannten 2023 verstorbenen Autors, der sich dem Leben und Taten Unterwegers widmete und dessen hier vorliegender Text von Malte Herwig abschließend bearbeitet wurde.

Das vorliegende Buch, das in Zeitzeugenberichten, Unterweger Texten, biographischen Stationen, Presseberichten die vielen Facetten der Persönlichkeit Unterwegers und damit einen der berühmtesten Kriminalfälle Österreichs in einer gut abgestimmten mosaikartigen Erzählung zusammenfasst überzeugt in der Konzeption wie Narration.

Das collagenartige Ineinandergreifen von persönlichen Zugängen, Berichten wie verfügbaren Quellen von Zeitzeugen und offiziellen Polizei/Gerichtsquellen trifft das Thema in die Mitte von Fakten wie offenen Fragen. Ein gelungenes Buch, das ein weiterer Mosaikstein, und wohl nicht abschließender, zu einem Leben aus und in Dunkelheit und Gewalt ist.

Zum Autor: Malte Herwig

Herwig Malte, Autor _
(c) Christina Körte

„Malte Herwig lebt in Hamburg. Er ist Autor und Host der Podcasts »Faking Hitler« (Stern) und »JACK. Gier frisst Schönheiten« (NDR). Er hat für das Magazin der »Süddeutschen Zeitung«, »Spiegel« und »Stern Crime« viele prominente Künstler:innen und Kriminelle interviewt. Über manche von ihnen schrieb er danach Biografien: »Françoise Gilot. Die Frau, die Nein sagt« (Diogenes, 2021), »Der große Kalanag« (Penguin Verlag, 2021) und »Meister der Dämmerung: Peter Handke« (Pantheon, 2020).“ Molden Verlag

„Austrian Psycho Jack Unterweger“  Malte Herwig. Molden Verlag.

Hardcover mit SU

12 x 19 cm; 128 Seiten

ISBN 978-3-222-15112-5

€ 18,90

Molden Verlag

E-Book – EPUB

€ 15,99

0 x 0 cm; 128 Seiten

ISBN 978-3-99040-742-4

Molden Verlag

Walter Pobaschnig 2/24

https://literaturoutdoors.com

„Ich fiebere den Stunden des Schreibens geradezu entgegen“ Thomas Frie, Schriftsteller _ Landshut/D 27.2.2024

Lieber Thomas Frie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf hat sich auf den ersten Blick wenig verändert. Ich pendle täglich von meinem Wohnort Landshut zur Arbeit nach München. Nach wie vor arbeite ich gerne in meinem Beruf als Krankenpfleger, auch wenn die Bedingungen schwierig sind.

Seit ich nebenbei schreibe, hat sich mein Tagesablauf aber doch auch verändert. Ich fühle mich dadurch in einem gewissen Sinne in eine andere Welt katapultiert, die es neben der sichtbaren Welt auch noch in mir gibt. Ich fiebere den Stunden geradezu entgegen, wenn ich in diese andere Welt abtauchen kann.

Thomas Frie, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Sich selbst treu zu bleiben, gerade in einer Zeit, in der die äußeren Einflüsse immer komplexer zu werden scheinen. Gerade jetzt ist es meiner Meinung nach wichtiger als je zuvor, in sich hineinzuspüren, auf seine innere Stimme zu hören, seinem eigenen Gefühl zu vertrauen und sich nicht von den äußeren Umständen verunsichern zu lassen, auch wenn dies wahrlich nicht immer leicht fällt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Das Wesentliche ist, sich bewusst zu werden, wer wir wirklich sind. Ich denke, dass die digitale Epoche, oder das digitale Zeitalter, in dem wir uns befinden, nicht nur positiv gesehen werden sollte. Auch wenn es Vorteile mit sich bringt, so birgt es zugleich die Gefahr, uns immer weiter von unserem Ursprung zu entfernen. Es führt uns immer weiter von unserem Ursprung weg und verhindert damit, dass wir uns selbst als einen Teil des Ganzen erkennen können, der eins ist mit der Natur, der mehr ist als das, was mit bloßen Auge gesehen werden kann.

Der Literatur und der Kunst muss es gelingen, eine Brücke zu schlagen, zwischen der äußeren Welt der Illusion und dem Teil in uns, der sich davon abtrennt. Die Literatur sowie die Kunst können bewirken, dass wir uns selbst nicht vollständig in der äußeren Welt verlieren und darin liegt meiner Ansicht nach ihre Rolle, darin liegt ihre große Aufgabe.

Was liest Du derzeit?

Store Kongensgade 23 von Sören Ulrik Thomsen

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Es kommt darauf an, meine Bestimmung zu verstehen, zu sehen, was Gott eigentlich will, dass ich tun soll; es gilt eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit ist für mich, die Idee zu finden, für die ich leben und sterben will.“

Sören Kierkegaard

Vielen Dank für das Interview, lieber Thomas, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Thomas Frie, Schriftsteller

Aktuelle Bucherscheinung_

Foto_ privat

Walter Pobaschnig _ 21.2.2024

https://literaturoutdoors.com

„Perspective“ Petra Stefankova, visual artist, _ Give Peace A Chance _ Bratislava/Slovakia 27.2024

GIVE PEACE A CHANCE

G ratitude

I nspiration

V alue

E loquence


P erspective

E nthusiasm

A ltruism

C hance

E nergy


A rt


C ycle

H umour

A nalogy

N otions

C enter

E tics

Petra Štefanková, 24.2.2024

Petra Štefanková, visual artist,
illustrator and designer

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Petra Štefanková, visual artist, illustrator and designer

Foto_ privat

Zur Person _ Petra Štefanková, visual artist, illustrator and designer

Biography: Slovak artist Petra Štefanková studied graphic design and film and TV graphics in Bratislava, Prague and London. She has worked on global advertising, editorial, animation, publishing and fine arts projects. She collaborated with VooDooDog Animation in London on the animated title sequence for the Hollywood film Nanny McPhee 2. She is an author, designer and illustrator of books Moje malé more, Don’t Take My Dreams From Me, Čmáranica a Machuľa. Petra Štefanková is a winner of many awards, such as Channel4’s 4Talent Award 2007, Minister of Culture of the Slovak Republic Award 2019, American Illustration 42 Winner in New York and she is a Life Fellow of the Royal Society of Arts in London. She is currently based in Bratislava, Slovakia.

Aktuelles Buchprojekt mit Hannah Lena Rebel, Autorin, Komponistin, Choreographin_ Wien.

Buchpräsentation in Wien:


Walter Pobaschnig _ 24.2.2024

https://literaturoutdoors.com

„Endlich – das Leben“ Katharina Irrelevant / Lenz, Künstlerin und Maskenbildnerin _ Give Peace A Chance _ Wien 26.2.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Gefoltert – die Opfer

Isoliert – die Opfer

Verlassen – die Opfer

Eingeschüchtert – die Opfer


Panisch – die Opfer

Erniedrigt – die Opfer

Ausgebeutet – die Opfer

Chancenlos – die Opfer

Ermordet – die Opfer


Aussichtslos – die Situation


Charakterlos – die Führer

Heuchlerisch – die Zuseher

Abscheulich – die Taten

Negierend – die Mitläufer

Chauvinistisch – die Infantilen

Endlich – das Leben



Katharina Irrelevant / Lenz, 23.2.2023

Katharina Irrelevant / Lenz, Künstlerin und Maskenbildnerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:

Katharina Irrelevant / Lenz, Künstlerin und Maskenbildnerin

Zur Person _ Katharina Irrelevant / Lenz, Künstlerin und Maskenbildnerin aus Wien, präsentierte im Dezember 2023 zum ersten Mal ihre Skulpturen der Reihe ‚ASPHYXIA‘ in der City Gallery Vienna im 1. Bezirk.

Website: www.k-irrelevant.at

Instagram: @katharina_irrelevant

publicartists.online: Katharina Irrelevant

Film / Crew-United: Katharina Lenz

Foto _privat.

Walter Pobaschnig _ 23.2.2024

https://literaturoutdoors.com

Station bei Kafka/Jesenska _ „Was war es, das sie verband?“ Simone Uebelhart, Schauspielerin _Wien 26.2.2024

Station bei Franz Kafka und Milena Jesenska _
Simone UebelhartSchauspielerin _Wien _
acting Franz Kafka „Briefe an Milena“ & „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912.

100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller

80.Todesjahr Milena Jesenská (10.August 1896 Prag + ermordet 17.Mai 1944 KZ Ravensbrück) _
Journalistin, Schriftstellerin, Übersetzerin

Fotos _ Graben Hotel Wien/Graben _
Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.
Station bei Franz Kafka und Milena Jesenska _
Simone Uebelhart, Schauspielerin _Wien _
acting Franz Kafka „Briefe an Milena“ & „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912.

100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller

80.Todesjahr _ Milena Jesenská (10.August 1896 Prag + ermordet 17.Mai 1944 KZ Ravensbrück) _
Journalistin, Schriftstellerin, Übersetzerin

Fotos _ Graben Hotel Wien/Graben _
Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.
Station bei Franz Kafka und Milena Jesenska _
Simone Uebelhart, Schauspielerin _Wien _
acting Franz Kafka „Briefe an Milena“ & „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912.

100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT).

80.Todesjahr _ Milena Jesenská (10.August 1896 Prag + ermordet 17.Mai 1944 KZ Ravensbrück) _
Journalistin, Schriftstellerin, Übersetzerin

Fotos _ Graben Hotel Wien/Graben _
Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.
Franz Kafka, Schriftsteller _
100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller
Milena Jesenská (10.August 1896 Prag + ermordet 17.Mai 1944 KZ Ravensbrück) _
Journalistin, Schriftstellerin, Übersetzerin

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Simone Uebelhart, Schauspielerin _Wien _
acting Franz Kafka/Milena Jesenska „Briefe an Milena“ & „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912.

Liebe Simone Uebelhart, welche Zugänge gibt es von Dir zu Franz Kafka und Milena Jesenska?

Mit Kafka kam ich zum ersten Mal als Jugendliche in Berührung und später natürlich auf während meines Literaturstudiums. Seine Werke faszinierten mich damals und tun es auch noch heute.

Über Milena Jesenska wusste ich kaum mehr, als dass sie Kafkas Brieffreundin war. Erst im Zuge dieses Fotoshootings/ Interviews habe ich mich eingehender mit ihr, ihrem Leben und ihren Texten beschäftigt. Und ich muss sagen: Ich bin fasziniert von ihr; von der Art, wie sie das Leben sah und es beschrieb – als unendlich mühsam und traurig, wunderbar und heiter. Und so erscheint sie mir auch selbst: Als Mensch mit einer unbändigen Kraft und allerlei Makel und Schwächen, als empfindsame und starke Frau.

Wie siehst Du die Beziehung beider?

Kafka und Jesenska hatten eine Art Liebesbeziehung, die sie aber fast ausschließlich über ihren Briefverkehr geführt haben. Nur vier Tage haben sie tatsächlich als Liebespaar miteinander in Wien verbracht. Da stellt sich mir die Frage: Was war es, das sie verband? Und damit auch die Frage, was Menschen überhaupt, über gemeinsame Erlebnisse, Ziele und Interessen hinweg, verbindet. Nach dem wenigen, was ich über ihre Beziehung weiß, scheint es schlussendlich Jesenska gewesen zu sein, die sich gegen eine Liebesbeziehung entschied. Dennoch blieb sie mit Kafka bis an sein Lebensende in Verbindung, wie sie das übrigens auch mit ihren beiden Ehemännern nach der jeweiligen Scheidung tat. Das finde ich interessant.

Was macht für Dich den Schriftsteller Kafka und die Schriftstellerin Jesenska aus?

Jede Schriftstellerin, jeder Schriftsteller ist einzigartig. Aber Kafka ist beinahe unvergleichlich. Ich meine das nicht in einem wertenden Sinne. Seine Art zu schreiben, dieses Verzerren des Logischen, des Erwartbaren, das oft an Träume erinnert, die man einfach träumen oder auch deuten kann, gab es davor in der Literatur meines Wissens nach so nicht. Nicht umsonst wurde sogar ein Adjektiv nach ihm benannt.

Jesenskas Texte sind vom Stil her ganz anders. Eine Frau beschreibt den Alltag, ihren und den der Menschen um sie herum, mit seinen Schwierigkeiten und kleinen Freuden und später, zur Zeit des Nationalsozialismus, mit seiner erbarmungslosen Ausweglosigkeit.

Und dennoch gibt es auch in ihren jeweiligen Texten ein Element, das Jesenska und Kafka verbindet: Sie interessierten sich beide für das Leben und die Sorgen einfacher Menschen.

Wann bist Du erstmals mit den Texten Kafkas in Berührung gekommen und welche Aussagen gab/gibt es da für Dich?

Wie schon erwähnt war das im Gymnasium. Ich glaube, wir lasen damals einen Auszug aus „Der Prozess“. Ich erinnere mich hauptsächlich an das traumhafte, mysteriöse Gefühl, das die Lektüre bei mir hinterließ. Als Jugendliche gefiel mir, dass seine Texte nicht eindeutig waren. Was mir allerdings gar nicht gefiel, war, wenn ich dazu angehalten wurde, diesen Raum für Interpretation mit Worten zu füllen. Ich war der Meinung, dass Worte meist den Zauber zerstören.

Wie verstehst Du die Erzählung „Die Verwandlung“? Welche Aussagen zu Mensch, Familie, Beruf, Welt gibt es da?

Da ist sie nun also, die Frage nach der Interpretation. Auch heute noch fällt es mir schwer, einem Werk mit meiner Interpretation einen Stempel aufzudrücken. Gregor Samsa verwandelt sich in einen Käfer. Er entfernt sich vom Mensch sein, von seiner Familie und von der Welt, in der er gewohnt war zu leben. Er kann dagegen nichts tun, es gibt keine Umkehr, keine Rettung. Kann das auch einem Menschen passieren? Nicht von heute auf morgen, aber doch Schritt für Schritt. Und vielleicht auch unumkehrbar?

Wie hast Du Dich auf das Fotoshooting/die Performance vorbereitet?

Ich habe „die Verwandlung“ noch einmal überflogen, eine Dokumentation über Milena Jesenska geschaut und mir überlegt, bzw. in mich hineingespürt, wie ich die Verwandlung körperlich darstellen kann.

Gab es bisher schon Kafka Projekte für Dich?

 Nein

Wie war Dein Weg zum Schauspiel?

Als Jugendliche fand ich Schauspielen zwar toll, aber es wäre mir niemals eingefallen, beruflich diesen Weg zu gehen. Ich studierte mit Begeisterung Germanistik, Linguistik, Kognitionswissenschaft, arbeitete im Bildungs- und Sozialbereich und bildete mich unaufhörlich weiter, einfach weil ich es liebe, Neues zu lernen. Irgendwann, in meinen Dreißigern, zog es mich zum Schauspiel. Ich machte zuerst eine Ausbildung in Theaterpädagogik und baute dies in meinen Unterricht ein. Und schlussendlich landete ich an einer Schauspielschule. 

Was ist Dir als Schauspielerin wichtig?

Mir selber treu zu bleiben. Als Schauspielerin schlüpfe ich in Rollen, klar. Aber ich möchte hinter jeder Produktion, in der ich mitspiele, stehen können. Vielleicht ist das ein Luxus, den ich mir leisten kann, weil ich daneben einen Broterwerb habe und nicht gezwungen bin, vom Schauspiel leben zu müssen. Wenn ich auf der Bühne oder vor einer Kamera stehe, habe ich, neben der Freude am Spiel, eine Verantwortung gegenüber den Zuschauenden und gegenüber der Welt.

Was sind Deine nächsten Projektpläne?

Im Moment konzentriere ich mich in schauspielerischer Hinsicht voll und ganz auf die Paritätische Abschlussprüfung, die kurz bevorsteht.

Darf ich Dich abschließend zu einem „Verwandlung“ Akrostichon bitten?

Vertrauen

Einsatz

Ruhe

Wertschätzung

Ausdauer

Nähe

Dankbarkeit

Liebe

Unruhe

Natur

Geduld

Station bei Franz Kafka und Milena Jesenska _
Simone Uebelhart, Schauspielerin _Wien _
acting Franz Kafka „Briefe an Milena“ & „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912.

100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag
+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT) _ Schriftsteller

80.Todesjahr _ Milena Jesenská (10.August 1896 Prag + ermordet 17.Mai 1944 KZ Ravensbrück) _
Journalistin, Schriftstellerin, Übersetzerin

Fotos _ Graben Hotel Wien/Graben _
Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.

Station bei Franz Kafka und Milena Jesenska

Simone Uebelhart, Schauspielerin _ Wien.

Performing – „Briefe an Milena“ & „Die Verwandlung“, Franz Kafka. Erzählung, 1912.

100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT).

80.Todesjahr _ Milena Jesenská (10.August 1896 Prag + ermordet 17.Mai 1944 KZ Ravensbrück) _
Journalistin, Schriftstellerin, Übersetzerin

Fotos: Graben Hotel/Graben _ Wien. Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.

Alle Fotos&Interview _ Walter Pobaschnig 1/24

https://literaturoutdoors.com

Dürer im Zeitalter der Wunder, Kunst und Gesellschaft an der Schwelle zur globalen Welt. Ulinka Rublack. Klett-Cotta Verlag

1471. Ein Jahrhundert geht zu Ende und eine neue Zeit beginnt. In Gesellschaft, Kunst, Religion und Politik sind Erschütterungen zu spüren, in denen sich das Kommende ankündigt. Neue Ideen, Mut in Kunst, Religion und Politik, es liegt etwas in der Luft.

Auch hier in Nürnberg in der Goldschmiedewerkstatt von Albrecht Dürer, der aus Ungarn zuzog, und seiner Frau Barbara Holper, ist das zu spüren. Ihr Sohn Albrecht wird geboren. Er ist das dritte Kind von achtzehn in 25 Jahren. Das Leben ist schwer und hart, die Kunst lässt auch da für Momente entfliehen und der junge Albrecht folgt den Weg der Kunst des Vaters aber folgt bald einen eigenständigen Weg. Es wird akzeptiert und er sucht seinen eigenen Ausdruck, Stil im angebrochenen Morgen der Renaissance…

1511 kommt es zu einer Zensur im aufstrebenden Künstlerleben Albrecht Dürers. Er sucht sich nun individuelle Motive und findet im aufstrebenden Bürgertum Möglichkeiten seinen Weg der Weltwahrnehmung, -auseinandersetzung mittels Kunst weiterzugehen und schafft ein Werk, das zu einem der bedeutendsten der Kunstgeschichte zählt.

Wie es dazu kam, welche Herausforderungen es dabei gab und wie Albrecht Dürer Kunst und Welt wie Gesellschaft, Religion und Politik beeinflusste, davon erzählt die preisgekrönte Kulturhistorikerin Ulinka Rublack im vorliegenden Buch, das in 4 Kapitel Biographie, künstlerische Entwicklung wie gesellschaftliche Prozesse anschaulich, sehr gut lesbar wie informativ glänzend darstellt. Ein sehr gelungenes Projekt, das viele unbekannte Details und Zusammenhänge erläutert.

„Eine glänzende Biographie einer herausragenden Künstlerpersönlichkeit im Sturm einer Zeitenwende“

Dürer im Zeitalter der Wunder, Kunst und Gesellschaft an der Schwelle zur globalen Welt. Ulinka Rublack. Klett-Cotta Verlag

Aus dem Englischen von: Nastasja Dresler

1. Auflage 2024, Erscheinungstermin: 17.02.2024, 640 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, komplett farbiger Innenteil, mit ca. 80 Abbildungen, Lesebändchen

ISBN: 978-3-608-98721-8

Buch: 42,00 €  43,20 € (A)

E-Book (epub): 33,99 € 33,99 € (A)

Walter Pobaschnig 2/24

https://literaturoutdoors.com

„Eine friedliche Welt zu erhalten“ Michael B. Hölterhoff, Autor _ Würzburg 26.2.2024

Lieber Michael B. Hölterhoff,  wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Die Pandemie liegt bereits eine Weile zurück und es fühlt sich so an, als hätte es sie nie gegeben. Trotzdem brennt da so eine “kleine rote Laterne“ im Hinterkopf, die man durchaus als so eine Art Warnlampe betrachten könnte, die davor warnt, leichtsinnig zu sein und diese außerordentlich schwere Zeit zu vergessen!

Es gibt aktuell zwei Themenfelder, die mich im wahrsten Sinne des Wortes von einem normalen Lebensalltag abhalten. Das eine ist ein Projekt, welches mir bereits seit mehr als 20 Jahren eine Art Dauerstress verursacht und über welches ich meinen auf Tatsachen und Fakten beruhenden Roman “Die grüne Kiste, Bye, Bye Klimawandel“ schrieb. Es ist absolut unverständlich, dass eine vorhandene Lösung der Energie- und Klimakrise, die zudem absolut sozialverträglich und verzichtsfrei möglich wäre, keine Aufmerksamkeit und keine Unterstützung erfährt. Sie ist, im Vergleich zu den derzeit verwendeten Lösungen, eine wirkliche Innovation und “bricht“ mit einer uralten, physikalischen Gesetzmäßigkeit. Keiner der derzeitigen Physiker Größen war bereit, mit uns in einen öffentlichen Diskurs zu gehen. Zu sagen, das kann nicht funktionieren, weil ein physikalisches “Gesetz“ dagegen spricht, kann in einer Zeit, wo die Energiekrise und der Klimawandel katastrophale Auswirkungen auf das zukünftige Leben auf unserem Planeten hat, kein Argument sein! All den Zweiflern, deren legitime Zweifel ich selbstverständlich respektiere, sei die folgende Frage gestellt, „Können wir es uns leisten, es nicht trotzdem zu versuchen?“ Die klare Antwort ist ein deutliches NEIN, wir können es uns keinesfalls leisten! Mein Roman beschreibt Widerstände und Herausforderungen und gibt eine Vorausschau auf eine Zeit danach mit unserer Lösung.

Das zweite Themenfeld macht mir bereits mehr Freude als Stress und ist das Schreiben an meinem neuen Roman “TRESVIRI“, der ein Kriminalroman, verortet in der internationalen Finanzwelt, wird. Der Fokus meines ersten Romans sollte auf unserem Projekt liegen und erhebt keinen Anspruch auf literarischen Gehalt! Gleichwohl sollte ein sehr schwieriges Thema nicht langweilig zu lesen, kurzweilig und unterhaltsam sein.

Nach dem ersten veröffentlichten Buch musste ich für mich selbst resümieren, obwohl weder angestrebt noch erwartet, dass Schreiben sehr erfüllend ist und riesigen Spaß macht. TRESVIRI ist nach den Tatsachen und Fakten der “Grünen

Kiste“ gewissermaßen das Abtauchen in eine virtuelle und für mich vollkommen neue Welt, gewissermaßen in eine Art Parallelwelt mit einem zweiten, virtuellen Leben.

Michael B. Hölterhoff, Autor

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir leben aktuell in einer Zeit, die einer Zäsur gleichkommt, weil das Überleben unserer und der nachfolgenden Generationen signifikant gefährdet ist. Wir, die wir in einer relativ heilen und friedlichen Welt aufwachsen und leben konnten, für uns gilt es nun, dieses außergewöhnliche Privileg zu erhalten.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

In einer sich dramatisch verändernden Zeit, mit einer auseinanderdriftenden Gesellschaft, ist die einzige Herausforderung die, unsere Demokratie und unser Staatswesen zu schützen. Nichts kommt dem gleich. Ob dabei Literatur und Kunst eine “besondere“ Rolle spielen können, scheint mir mehr als fraglich. Dies vor allem deshalb, weil das Angebot an Literatur und Kunst zwar allen zugänglich ist, dieses aber, aus den verschiedensten Gründen, nur von verhältnismäßig wenigen genutzt wird. Wären Literatur und Kunst “Tragende Säulen“ unserer Gesellschaft, könnte es der Kit sein, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Leider ist dies nicht der Fall.

Was liest Du derzeit?

Galileo Galilei, “Und sie bewegt sich doch“ eine Übersetzung aus dem Ungarischen von ZOLT HARSANY. Ich habe dieses faszinierende Buch fast zu Ende gelesen. Es gehört zu den “lebendigsten“ Büchern, die ich in meinem Leben lesen konnte. Deshalb “lebendig“, weil beim Lesen das Gefühl aufkommt, Teil der Geschichte und der Handlung zu sein. Man steht in diesem Buch an der Seite des Protagonisten und wird mit diesem zusammen alt. Besonders fesselnd war für mich die Art und Weise, wie die Menschen zu seiner Zeit mit Galileo umgegangen sind und wie man ihm begegnete. Wir erleben mit unserem Energieprojekt eine Behandlung, die der in der Geschichte sehr stark ähnelt. Der Unterschied ist, dass die Menschen seiner Zeit noch nicht weit genug entwickelt waren um seinen Erkenntnissen und Innovationen folgen zu können. Er wäre für seine Erkenntnisse und den Schlussfolgerungen seiner Forschungen beinahe auf dem Scheiterhaufen gelandet. Galileo wurde erst über 500 Jahre später rehabilitiert. Irritierend ist in diesem Kontext, dass die Menschen offensichtlich nichts aus der Geschichte gelernt haben, da wir heute, über 500 Jahre später, vor den gleichen Herausforderungen stehen. Der einzige Unterschied ist der, dass wir heute keine 500 Jahre mehr Zeit haben, um aus der Geschichte zu lernen und wir keine Angst mehr davor haben müssen, auf dem Scheiterhaufen zu enden.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Es ist das Schicksal jeder Generation, in einer Welt unter Bedingungen leben zu müssen, die sie nicht geschaffen hat. (J.F.K.)

Michael B. Hölterhoff, Autor

Vielen Dank für das Interview, lieber Michael, viel Freude und Erfolg weiterhin für Eure großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Michael B. Hölterhoff, Autor

Aktuelle Bucherscheinung_ Michael B. Hölterhoff, „Die grüne Kiste“

Fotos_ privat

Walter Pobaschnig _ 21.2.2024

https://literaturoutdoors.com

„Kunst ist dazu da, uns die Augen zu öffnen“ Nerea Burger, Autorin und Schauspielerin _ Wien 25.2.2024

Liebe Nerea Burger, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Manchmal wünschte ich, mein Tagesablauf wäre jeden Tag gleich. Tatsächlich ändert er sich immer wieder. Das liegt daran, dass ich in verschiedenen Bereichen arbeite und abhängig vom Projekt ein Bereich manchmal präsenter ist als der andere.

Momentan schreibe ich vor allem und verbringe einen Großteil meines Tages in der Bib. Entweder ich schreibe an meinen eigenen Texten oder für eine NGO, für die ich regelmäßig tätig bin. Einzig der Dienstag ist für Yoga reserviert: Ich bereite meine Flows für Mittwoch und Donnerstag vor. An den beiden Tagen unterrichte ich nämlich in der Früh. Aber das ändert sich mit Anfang März wieder.

Nerea Burger ist Autorin und Schauspielerin,
manchmal auch Yoga-Lehrerin.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Momente der Stille, der Pause, der Zeit weg von Bildschirmen, Handys und Dauerbeschallung. Bewusst dafür zu sorgen, dass weniger Reize unkontrolliert auf uns einprasseln.

Momente des Innehaltens, des Sich-Fragens: Will ich das gerade wirklich? Tut mir das gut? Was ist das eigentlich für ein Gefühl, das ich da gerade fühle?

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater, der Kunst an sich zu?

Ich sehe die immer schnelllebigere Online-Welt mit Instagram, TikTok und inzwischen bestimmt tausend anderen Diensten, die ich Millennial nicht kenne, zunehmend kritisch. Alles wird oberflächlicher, unechter, undurchschaubarer. Wenn es jemand oder etwas nach den ersten drei Sekunden nicht schafft, meine Aufmerksamkeit zu gewinnen, scrolle ich weiter. Ist ein Beitrag nicht crazy, bunt, exzentrisch genug, hat er keine Chance. Ich muss mich nicht von zu Hause weg bewegen, sondern kann alles on demand konsumieren. Unterhaltung und Information sind inflationär vorhanden, die Auswahl ist überfordernd, die eigene Online-Aktivität zu „genießen“ und wirklich achtsam mit ihr zu sein, scheint mir immer schwieriger zu werden. Ich deaktiviere deshalb regelmäßig mein Instagram.

Ich wünsche mir wieder mehr Langsamkeit, mehr Bewusstsein, mehr Offline-Zeit.

Die Kunst kann das leisten. In einer Ausstellung, auf einem Konzert, im Theater sind wir im Hier und Jetzt. Bestenfalls macht das etwas mit uns, stößt innere Prozesse an. Die Kunst ist schließlich dazu da, uns die Augen zu öffnen. Den Blick zu schärfen, uns Denkimpulse zu geben und den Mut zum Umdenken. Vor allem in Bezug auf das Theater besteht die Schwierigkeit heutzutage darin, dass es die Leute erreicht. Ins Kino gehen die Menschen noch, auf Netflix schauen sie so viele Filme und Serien wie nie. Wir dürfen und müssen neue Wege gehen, um mehr Menschen außerhalb der Bubble, vor allem junge, ins Theater zu holen.

Was liest Du derzeit?

Ich hab über Weihnachten „Mädchen, Frau etc.“ von Bernardine Evaristo gelesen. Großartig! Es ist lustig und traurig und wahnsinnig klug. Das Buch packt einen direkt, auch durch den experimentellen Schreibstil. Und es werden so viele verschiedene Frauenbilder und Lebensentwürfe gezeichnet. Jetzt gerade teilen sich „Alte Meister“ von Thomas Bernhard und „Kreativ. Die Kunst zu sein“ von Rick Rubin den Platz neben meinem Bett.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich habe kürzlich das Gedicht „When death comes“ von Mary Oliver entdeckt. Es hat mich nicht nur sehr berührt, ich dachte auch: Ja, genau so möchte ich am Ende meiner Tage dastehen. Ich möchte offen sein für das, was kommt. Und sagen können, dass ich mein Leben lang eine mit dem Staunen vermählte Braut gewesen bin.

When death comes

like the hungry bear in autumn;

when death comes and takes all the bright coins from his purse

to buy me, and snaps the purse shut;

when death comes

like the measle-pox

when death comes

like an iceberg between the shoulder blades,

I want to step through the door full of curiosity, wondering:

what is it going to be like, that cottage of darkness?

And therefore I look upon everything

as a brotherhood and a sisterhood,

and I look upon time as no more than an idea,

and I consider eternity as another possibility,

and I think of each life as a flower, as common

as a field daisy, and as singular,

and each name a comfortable music in the mouth,

tending, as all music does, toward silence,

and each body a lion of courage, and something

precious to the earth.

When it’s over, I want to say all my life

I was a bride married to amazement.

I was the bridegroom, taking the world into my arms

When it’s over, I don’t want to wonder

if I have made of my life something particular, and real.

I don’t want to find myself sighing and frightened,

or full of argument.

I don’t want to end up simply having visited this world

Mary Oliver

When Death Comes

Nerea Burger ist Autorin und Schauspielerin,
manchmal auch Yoga-Lehrerin.

Vielen Dank für das Interview, liebe Nerea, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Schauspiel- Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Nerea Burger _ Autorin, Schauspielerin, Yoga-Lehrerin

Zur Person _ Nerea Burger ist Autorin und Schauspielerin, Yoga-Lehrerin. Sie lebt in Wien.

https://nerea-burger.com/

Fotos _ 1, 3 Julia Dragosits; 2 Luisa Zoe.

Walter Pobaschnig _ 20.2.2024

https://literaturoutdoors.com