Wien, Jänner 1913. Stalin und Hitler auf den winterlich verschneiten Straßen unterwegs. Immer auf der Suche nach einer Wohnung, nach Arbeit, nach Gesprächen in der mitteleuropäischen Metropole. Die Welt ist im Umbruch. Trotzki sitzt im Cafè Central, wo bis weit in die Nacht diskutiert wird. Im Süden der Stadt arbeitet der Schlosser Josip Broz („Tito“), der aus Kroatien kommend, hier seinen Beruf nachgeht und mit Ideen, Bewegungen der Zeit in ersten Kontakt kommt. Alles ist in Bewegung in dieser Stadt und die Wege werden nach außen führen und die Welt verändern, verdunkeln wie es noch nie geschah…
Günther Haller, Die Presse Foto: Clemens Fabry
Günther Haller, Autor, Historiker und Germanist,nimmt in „Cafe Untergang“ eine spannende biographische, polit-, wie stadthistorische Spurensuche auf, welche die Lebenswege der politisch prägendsten Persönlichkeiten des 20.Jahrhunderts aufnimmt und diese in ihrem Entwicklungsumfeld Wiens verortet.
Es ist ein unmittelbarer Blick auf die täglichen Lebensrealitäten, Herausforderungen wie Voraussetzungen im gesellschaftspolitischen Kontext einer Stadt, die zum Anziehungspunkt von Menschen, Ideen, Träumen und Verzweiflungen wird und lange in den jeweiligen politischen Entwicklungen und Lebensstufen nachwirkt.
Das Buch ist in neunzehn Kapitel aufgebaut, die jeweils Biographie, Leben und Zeit der Persönlichkeit in Wien vorstellen und dabei sehr spannende, unbekannte Horizonte öffnet und ganz besondere Einblicke bietet. Ein umfangreicher Anhang in Literatur, Quellenangaben ergänzt dies und lädt zu weiterführendem Interesse ein.
Es ist ein stadtbezogener biographischer Querschnitt, der in seiner Informations- und Detailkompetenz wie gutem Lesbarkeit überzeugt. Ein polit-historischer Stadtspaziergang, der auch einlädt, sich unmittelbar vor Ort ein Bild zu machen.
„Geschichte und Politik als sehr spannende Spurensuche zu Anfängen und Ausgangspunkten“
Lieber Martin Streitberger, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich arbeite im Immobilienbereich als Broterwerb und plane in diesem Jahr einen Kurzfilm und einen Lyrikband fertigzustellen. Deren Vorarbeiten oder deren Suche zu den Finanzierungen sind oft nicht zu unterschätzen und so gestaltet sich mein Tagesablauf eher intensiv, wache morgens auf und meine Gedanken spielen mit dem was an Problemen vor mir steht. Aber meistens endet bei mir alles gut. Ich denke deshalb oft, den Populisten zum Trotz, dass das Meiste gut verläuft.
Martin Streitberger, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Der Zusammenhalt, die Kunst, das Hinterfragen – um nicht wegen dieser existierenden, gewaltbereiten, autoritären Stimmung die Hoffnung am freien und freundlichen Gedankenaustausch zu verlieren und um halbwegs bunt in die Zukunft zu sehen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich denke, die Kunst an sich besitzt etwas Spirituelles, ich denke ein Buch zu lesen befreit uns vor Ängsten, die uns am Tag begleiten und es ist einer der wenigen Orte um dem Vulgären der Welt zu entfliehen. Eine Flucht, die uns komischerweise weiterbringt und uns auf neue Füsse stellen kann. Denn das Buch wäre fertig zu lesen oder der Buchdeckel wäre wenigsten zuzuklappen und aller Spuk ist dann vorbei, um die Welt danach kurz oder lang in anderen Augen zu sehen.
Was liest Du derzeit?
Habe seit einiger Zeit den Roman von Dincer Gücyeter „Das Deutschlandmärchen“ offen auf meinem Nachtkästchen liegen und werde ihn wohl fertig lesen. Ich möchte auch mal einen Roman schreiben…
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Charlie Chaplin – Ein Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag.
Vielen Dank für das Interview, lieber Martin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Martin Streitberger, Schriftsteller
Zur Person _ Martin Streitberger, geb. 1966, verheiratet.
Gelerntes 1993 Abschluss des Biologiestudiums an der Universität Florenz 1995 Aufbaustudium Umweltschutztechnik an der TU München;
Berufliches Arbeit in den Bereichen der Biologie, Umweltschutztechnik Arbeit bis heute im Immobiliensektor
Kreatives: mit den Studienjahren der Beginn von Malarbeiten, kleinen Textarbeiten, Besuch von Seminaren.
Seit 2016 Dokumentarfilme : „Holzfäller für Rhodos“ – Produktionsleiter auf Rhodos „Die vergessene Partnerschaft, Bozen – Sopron“ Kamera, Produktionsleiter, Assistent Regie+Schnitt „Der Kreis des Peppi Nusser, Bozen + Erlangen“ Drehbuch, Kamera, Produktionsleiter, Assistent Regie+Schnitt Die Filme wurden jeweils am Filmfestival in Bozen aufgeführt und im Sender RAI Südtirol ausgestrahlt.
Seit Mai 2019 fast tägliches Schreiben von Gedichten, autodidaktisches Studium großer Dichter, Weiterbildung in Seminaren Februar 2020 erste, private Gedichtband „Mar e monti“ – erste Gedichte März 2020 bis heute Veröffentlichung der neu verfassten Rohgedichte unter Martin Streitberger (Facebook/Instagram): diese Plattformen sind mein ständiger Arbeitsplatz geworden
Seit 2021 Veröffentlichung von Gedichten in der Zebra, Kommentarberichte auf Salto schreiben von Kurzgeschichten
Oktober 2021 Aufnahme in der SAAV (Südtiroler Autorinnen- Autoren Vereinigung)
April 2022 Veröffentlichung der Kurzgeschichte Tage XY in der Literaturzeitschrift Kulturelemente
Seit Herbst 2021 Programmierung eines neues Gedichtbandes, sowie die Idee zu neuen Gedichtzyklen. Themen: Macht / Liebe und vor allem nature writing
Juli 2022 bis heute Veröffentlichung eines Autorenvideos (Saav) auf Salto und Youtube,
Veröffentlichung aller folgenden Lesungen auf Facebook 04.10.2022 Buchpräsentation „20 sehen 21 – massive change“ im Hotel Mondschein, Bozen
29.12.2022 Lyriklesung zum Thema jahresabschluss im Kassettensaal Mariaheim / Bozen
März 2023 Lyriklesung im Jugendzentrum UFO / Bruneck 15.06.2023 Lyriklesung zum Thema frühling nature writing am Eisackufer / Bozen 19.10.2023 Lyriklesung zum Thema herbst nature writing am Minigolfplatz Ahoi / Bozen 20.01.2024 Lyriklesung zum Thema DAS GÖTTLICHE nature writing im Propsteisaal / Bozen
Hannah Lena Rebel ist Komponistin, Filmmusikkomponistin, Choreographin, Lehrerin und Autorin und lebt in Wien.
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Hannah Lena Rebel _ Komponistin, Filmmusikkomponistin, Choreographin, Lehrerin und Autorin
Zur Person _Hannah Lena Rebel ist Komponistin, Filmmusikkomponistin, Choreographin, Lehrerin und Autorin und lebt in Wien.
Sie studierte nach ihrer professionellen Ballettausbildung an der Ballettakademie der Wiener Staatsoper und nach ihrem Tanzstudium an der Musik und Kunst Privatuniversität zuerst Komposition und Dirigieren am Prayner Konservatorium und anschließend Komposition mit Schwerpunkt Filmmusik an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien bei Univ.-Prof. Walter Werzowa.
Sie komponiert und produziert zurzeit ein Orchesterwerk für das RedBull Media House.
Sie ist Mitglied etlicher High-IQ-Societies wie Mensa International oder ISPE und Autorin mehrerer Bücher. Seit 2023 ist sie außerdem Fellow der Royal Society of Arts und Teil des Young Fellows Advisory Board der RSA sowie ein junges Mitglied der Recording Academy, ein GRAMMY U Member.
Liebe Patrizia Leitsoni, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Da ich drei unterschiedliche Berufe ausübe (Schauspielerin, Logopädin, Lehrende), gibt es nicht DEN einen Tagesablauf für mich. Somit versuche ich, Fixpunkte zu beschreiben, welche typisch für mich sind:
Nach dem Aufstehen bereite ich mir ein Frühstück zu – ohne bin ich nicht fähig zu denken 😉 Danach folgt die erste Tasse Kaffee – dies sorgt für gute Laune. Um Körper und Geist vollständig aufzuwecken, wird eine kleine Sporteinheit gemacht. Wenn ich gerade etwas für die Lehre/eine neue Rolle vorzubereiten habe, so nutze ich den restlichen Vormittag dafür – ich bin ein Morgenmensch, somit sind meine Konzentration und Aufnahmefähigkeit zu dieser Tageszeit am größten.
Die restliche Zeit des Tages verbringe ich entweder therapierend in meiner Praxis, probend auf einer Probebühne oder lehrend am FH-Campus. Für einen freien Kopf zwischendurch gehe ich spazieren: ich liebe es zu gehen – durch Parks, die Stadt…. Egal…. Hauptsache gehen….
Wir müssen wieder anfangen, einander zuzuhören und aufeinander zugehen, damit wir schlussendlich miteinander wirken können, damit eine lebenswerte Zukunft passieren kann. Dazu mische man eine kräftige Prise Offenheit und Ehrlichkeit, die es Menschen ermöglicht, sich ohne künstliche Verzerrungen (Social Media, Filter etc.) zeigen zu können. Jeweils eine Messerspitze Mut, Vertrauen und kritische Reflexion runden das Ergebnis ab. Und ein Löffelchen voll Zucker schadet wohl kaum …… 😉
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?
Kunst ist das Resultat von denkenden, fantasierenden und schaffenden Menschen – dies aufrecht zu erhalten wird ein Knackpunkt sein. Gerade in Zeiten, wo sich Technologien so rasch verändern und vor allem auch versuchen, kreative Prozesse zu imitieren, ist es wichtig, dass wir als Menschen uns diese Fähigkeit nicht aus Bequemlichkeit abnehmen und im schlimmsten Fall absprechen zu lassen. Der Motor von Kunst sind Emotionen, der Wille etwas zu bewirken (sei es Unterhaltung, Bildung, Kritik), aber auch das Wissen, eine Aufgabe zu haben, die erfüllend und sinnstiftend ist.
Was liest Du derzeit?
Ich bin gerade einem Genre sehr zugetan: historische Romane (wie z. B. Der Medicus von Noah Gordon). Diese schaffen für mich eine besondere Symbiose von Unterhaltung & Bildung und saugen mich in eine andere Welt. Beim Lesen muss ich eintauchen und entspannen können.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Fantasie heißt nicht, sich etwas auszudenken. Es heißt, sich aus den Dingen etwas zu machen.“ Thomas Mann
Vielen Dank für das Interview, liebe Patrizia, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Patrizia Leitsoni, Schauspielerin, Logopädin, Professorin
Zur Person _Patrizia Leitsoni, Schauspielerin, die gebürtige Kärntnerin absolvierte eine Ausbildung am ehemaligen Konservatorium der Stadt Wien (heute: MUK) im Fach „Musikalisches Unterhaltungstheater“. Außerdem arbeitet sie als freiberufliche Logopädin in eigener Praxis in Wien und gibt ihr fachliches Wissen und praktische Erfahrung als Lehrende an zukünftige Logopäd_innen an der FH Campus Wien weiter. Besonders der Fachbereich Stimme hat es ihr angetan – schlägt dieser doch die Brücke zwischen ihrem künstlerischen, therapeutischen und lehrenden Handeln.
Auf der Bühne ist sie aktuell an der Wiener Staatsoper im „Verfluchten Geisterschiff“ zu sehen, einer speziell für Kinder adaptierten Version des Fliegenden Holländers.
Erhebt sie achtsam, sanft und still, auf ganz besondere Art und Weise,
den Fuß und Arm zum Tanzen.
Auch wiegen wir in ihrem Rhythmus hin und her, wenn wir nur richtig hören,
Chancenlos zu uns zu dringen, versiegt ihr Beben, Zittern, Stürmen, Fluten
Hinter einer blinden Jagd nach Macht und Größe, ohne uns auch nur ein wenig anzumuten.
Angst vernebelt uns den Blick und lässt das Herz versteinern,
Nacht wird’s ringsumher,
Chrysanthemen wachsen aus Ritzen im Asphalt, Sonnenstrahlen fallen bleiern,
Ein Rascheln von verdorrten Blättern leis´ im Wind. Vielleicht kann selbst bei so viel Kälte ein kleines Summen uns erreichen, das uns erzählt von Frieden, Freiheit und vom Weltenmeer.
Zur Person _Carla Schuler (AT) freischaffende zeitgenössische Tänzerin und Performerin lebend in Wien. Studium der Physik (abgeschlossen 2017). Tänzerisch, performative Zusammenarbeiten u.a. mit Andrea Nagl und Nagl~Wintersberger, sowie tänzerisch – musikalische mit Una Wiplinger, mit Katharina Holzweber (Junge Kunst Parcours 2015; Verschmelzung Tanz und Visual Arts), mit Alina Huber über KommUNImpro (ein Kollektiv engagierter Laien für Theater und Improvisation). XTHESIS Kreativkompanie (zeitgenössisches Kindertanztheater, die verlorenen Schritte)
Ihr großes Interesse liegt in der philosophischen, tänzerischen und auch wissenschaftlichen Annäherung und dem Verständnis des Wesens der Natur auch oftmals durch Improvisation und dem in Beziehung setzen zu anderen. Gerade entdeckt sie auch ihre Freude an der Vermittlung von Tanz und der Förderung und Unterstützung von Schüler:innen in Mathematik.
Fotos_Hanna Fasching | T*H AAR Term 22 | Bildrecht.
Station bei Franz Kafka_ Leonie Vitroler _ Schauspielerin, Model _Salzburg_ acting Kafka _ „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912. 100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT).
Fotos _ Graben Hotel Wien/Graben _ Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.
Station bei Franz Kafka_ Leonie Vitroler _ Schauspielerin, Model _Salzburg_ acting Kafka _ „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912. 100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT).
Fotos _ Graben Hotel Wien/Graben _ Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Station bei Franz Kafka_ Leonie Vitroler _ Schauspielerin, Model _Salzburg_ acting Kafka _ „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912. 100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT).
Fotos _ Graben Hotel Wien/Graben _ Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.
Liebe Leonie Vitroler, welche Zugänge gibt es von Dir zu Franz Kafka?
Ich habe das erste Mal von Kafka in der Oberschule gehört. Ich muss eingestehen, dass ich zu Beginn etwas abgeschreckt war von diesem Schriftsteller. Vielleicht lag das auch daran, dass wir die Erzählung „Die Verwandlung“ gelesen und ich dieses Buch nicht sogleich verstanden habe. Auch das Bild des verwandelten Käfers fand ich etwas verstörend. Mithilfe Kafkas Biografie konnte ich diese Erzählung aber besser verstehen und interpretieren und somit auch die Intention des Autors nachvollziehen. Ich fand Parallelen zwischen Kafkas Leben und der Erzählung „Die Verwandlung“. Diese Parallelen haben in mir die Neugierde geweckt und ich wollte mehr über das Leben dieses Schriftstellers herausfinden.
Was macht für Dich den Schriftsteller Kafka aus?
Franz Kafka gilt für mich als sehr bedeutender Schriftsteller. Trotz skurriler und absurder Ausdrücke und Darstellungen in teils nüchterner Weise schafft er, es mich zu berühren und zum Nachdenken anzuregen. Ich glaube, genau diese groteske Schreibweise macht ihn zu einem unvergesslichen Schriftsteller, der versucht hat, sein Leben und seine innere Welt in seinen Werken darzustellen und damit Menschen zu berühren.
Wann bist Du erstmals mit den Texten Kafkas in Berührung gekommen und welche Aussagen gab/gibt es da für Dich?
Wir lasen in der Oberschule das Buch „Die Verwandlung“ und Auszüge aus „Brief an den Vater“. Zugleich erfuhren wir auch etwas über das Leben von Kafka. Ich fand die Erzählung „Die Verwandlung“ ziemlich absurd und grotesk und konnte anfangs nicht wirklich viel damit anfangen, im Gegenteil, die Geschichte verunsicherte mich. Doch mit dem genaueren Befassen dieser Erzählung verstand ich mehr und mehr, was dieses Werk zwischen den Zeilen ausdrücken will, und ich fand es spannend, wie Kafka Themen wie Entfremdung, Familienverhältnisse und Isolation in diesem Werk dargestellt hat. Besonders traurig gestimmt hat mich in der Erzählung „Die Verwandlung“, wie dargestellt wird, dass Gregor Samsa nach seiner Verwandlung von seiner Familie nicht mehr akzeptiert wird, da er nicht mehr arbeiten kann und somit zu nichts mehr nützlich ist. Die Familie erkennt ihn nicht mehr wieder als Gregor. Er wird ausgeschlossen und gilt als Außenseiter.
Wie siehst Du seine Beziehung zu Wien?
Franz Kafka schien öfters in Wien gewesen zu sein, dennoch hört man immer wieder, dass diese Stadt nicht zu seinen Vorlieben zählte bzw. er gar eine Abneigung diesem Ort gegenüber entwickelt hatte.
Wie verstehst Du die Erzählung „Die Verwandlung“? Welche Aussagen zu Mensch, Familie, Beruf, Welt gibt es da?
Ich sehe die Erzählung „Die Verwandlung“ als stark autobiographisch. Franz Kafka hatte kein gutes Verhältnis zu seinem Vater, da dieser immer wieder großen Druck auf Kafka ausübte und ihn nicht so annahm, wie er war. Auch in dem Roman „Die Verwandlung“, will der Vater Gregor nach der Verwandlung nicht mehr sehen. Er wird als Ungeziefer angesehen, als Außenseiter, als jemand, der der Familie mehr schadet als nützt. Demzufolge wird er von der Familie ausgeschlossen und muss in seinem Zimmer bleiben. Des Weiteren wird das Thema Leistungsdruck angesprochen. Gregor bekommt seitens des Vaters großen Druck aufgebürdet, da er als Geldverdiener der Familie angesehen wird. Auch am Arbeitsplatz verlangt man von ihm ein gewissenhaftes und genaues Arbeiten. Auch Franz Kafka empfand seinen Vater als dominante Autoritätsperson und als jemanden, der ihn bevormundete und seinen Willen aufzwang. Der Vater wollte nicht, dass Kafka Schriftsteller wird, er sollte stattdessen einen „gesellschaftlich angesehen“ Beruf wählen.
Wie hast Du Dich auf das Fotoshooting/die Performance vorbereitet?
Zur Vorbereitung auf das Fotoshooting las ich nochmals die Biografien über Franz Kafka und Milena Jesenská. Des Weiteren beschäftigte ich mich mit ihrer Beziehung und las die Briefe, die Kafka an Milena geschrieben hatte. Zusätzlich befasste ich mich nochmals mit der Erzählung „Die Verwandlung“ und deren Interpretation und Rezeption. Ich informierte mich über den damaligen Kleidungsstil und suchte nach passenden Outfits.
Gab es bisher schon Kafka Projekte für Dich?
Nein.
Was gefällt dir an der darstellenden Kunst?
An der Kunst gefällt mir die Darstellung, Interpretation und Erzählung verschiedener Geschichten, abstrakte oder auch reale, und das Vermitteln von Botschaften. Durch den Ausdruck, durch Gefühle und Emotionen kann eine Verbindung zu den Menschen hergestellt werden, Menschen können berührt und vielleicht zum Nachdenken angeregt werden.
Darf ich Dich abschließend zu einem „Verwandlung“ Akrostichon bitten?
Vieldeutig
Entfremdung
Resignation
Wandlung
Außenseiter
Nüchtern
Demütigung
Leistungsdruck
Ungeziefer
NichtsnutzGrotesk
Station bei Franz Kafka_ Leonie Vitroler _ Schauspielerin, Model _Salzburg_ acting Kafka _ „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912. 100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT).
Fotos _ Graben Hotel Wien/Graben _ Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.
Station bei Franz Kafka_ Leonie Vitroler _ Schauspielerin, Model _Salzburg_ acting Kafka _ „Die Verwandlung“ Erzählung, 1912. 100.Todesjahr Franz Kafka * 3.Juli 1883 Prag+ 3.Juni 1924 Kierling/Klosterneuburg (AUT).
Fotos _ Graben Hotel Wien/Graben _ Franz Kafka war hier wiederholt zu Gast.
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Lieber Uwe Ittensohn, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Der ist komplett auf das Schreiben ausgerichtet. Ich versuche meine Schreibzeiten konsequent auf meine agilsten und kreativsten Tageszeiten zu legen. Und die sind am Vormittag, so ab 9 bis 13 Uhr, und am frühen Abend, so von 17 bis 19 Uhr. Die Restzeiten fülle ich mit Außenterminen, Recherchen, Organisatorischem und natürlich den Kontakt zu meinen Leserinnen und Lesern auf Lesungen oder sonstigen Kanälen.
Uwe Ittensohn, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Besonders wichtig ist es mir, meinem inneren moralischen Kompass zu folgen und mich nicht in Richtungen lenken zu lassen, in die ich nie wirklich wollte.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Ich denke wir sollten ein Fels in der Brandung sein. Nicht übertreiben, dramatisieren, sondern gelassen unaufgeregte Orientierung geben. Die (Unterhaltungs-) Literatur gibt uns die Chance, Themen zu beleuchten und uns unverkrampft und humorvoll damit auseinanderzusetzen. Ich mag dabei vor allem das Kontrastieren und Pointieren der aktuell verzerrten Wirklichkeit mit den Mitteln der Groteske.
Was liest Du derzeit?
Die letzten Wochen habe ich mich ganz meiner Juryarbeit für den Glauser-Preis gewidmet und rund 90 eingesandte Kurzkrimis intensiv und zum Teil mehrfach gelesen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich denke, jenes Zitat von Christian Morgenstern kann uns immer wieder dabei helfen unserem inneren Kompass zu folgen, denn immer dann, wenn ich, um anderen zu gefallen, vom eigenen Kurs abgewichen bin, habe ich es später bereut.
»Wer sich selbst treu bleiben will, kann nicht immer anderen treu bleiben.«
Vielen Dank für das Interview, lieber Uwe, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Gerne
5 Fragen an Künstler*innen:
Uwe Ittensohn, Schriftsteller
Zur Person _ Uwe Ittensohn wurde am 20.01.1965 in Landau in der Pfalz geboren.
Er studierte Betriebswirtschaftslehre und arbeitete zunächst im Finanzwesen. Seit 2015 ist er als Schriftsteller tätig.
Sein schriftstellerisches Wirken liegt schwerpunktmäßig im Bereich der Kriminalliteratur. Seine Krimireihe um die Ermittler Sartorius und Achill umfasst mittlerweile sechs Bände.Die Schauplätze seiner Kriminalromane liegen überwiegend in Rheinland-Pfalz sowie in Baden-Württemberg.
Ittensohn verbindet seine fiktiven Geschichten gerne mit realen oder zeitgeschichtlichen Hintergründen. Häufig greift er dabei auch religiöse Themen auf, was ihm in der Rhein-Neckar-Zeitung einen Vergleich zu Umberto Eccos im Namen der Rose einbrachte.
Auf seinen Autorenlesungen geht Ittensohn oft unkonventionelle Wege. So liest er gerne an für Lesungen ungewöhnlichen Schauplätzen (Speyrer Dom, Modehäuser oder in Vinotheken) und geht damit auf seine Leserinnen und Leser zu. In der Regel gestaltet er seine Lesungen szenisch, indem er etwa die Dialekte oder sprachlichen Eigenarten seiner Figuren aufgreift.
Werke:
Kriminalromane:
Requiem für den Kanzler, Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2019, ISBN 978-3-8392-2386-4
Abendmahl für einen Mörder, Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2020, ISBN 978-3-8392-2560-8
Festbierleichen, Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2021, ISBN 978-3-8392-2822-7
Klostertod, Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2022, ISBN 978-3-8392-0148-0
Winzerblut, Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2023, ISBN 978-3-8392-0427-6
Letzte Lese, Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2024, ISBN 978-3839206096
Sachbuch:
Weinbar.Essbar.Wanderbar. Gmeiner-Verlag, Meßkirch 2022, ISBN 978-3-8392-0209-8
Mitgliedschaften und Jury-Arbeit
Uwe Ittensohn ist Mitglied in der Autorenvereinigung »Das Syndikat e. V.« und Juror in der Jury 2023/24 in der Kategorie »Kurzkrimi« für den GLAUSER-Preis 2024.
Patrizia Leitsoni, Schauspielerin, Logopädin, Professorin
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Patrizia Leitsoni, Schauspielerin, Logopädin, Professorin
Zur Person _Patrizia Leitsoni, Schauspielerin, die gebürtige Kärntnerin absolvierte eine Ausbildung am ehemaligen Konservatorium der Stadt Wien (heute: MUK) im Fach „Musikalisches Unterhaltungstheater“. Außerdem arbeitet sie als freiberufliche Logopädin in eigener Praxis in Wien und gibt ihr fachliches Wissen und praktische Erfahrung als Lehrende an zukünftige Logopäd_innen an der FH Campus Wien weiter. Besonders der Fachbereich Stimme hat es ihr angetan – schlägt dieser doch die Brücke zwischen ihrem künstlerischen, therapeutischen und lehrenden Handeln.
Auf der Bühne ist sie aktuell an der Wiener Staatsoper im „Verfluchten Geisterschiff“ zu sehen, einer speziell für Kinder adaptierten Version des Fliegenden Holländers.
Lieber Florian Birnmeyer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich arbeite unter der Woche in der Schule und gebe Deutsch als Zweitsprache Unterricht für Migrantinnen und Migranten. Doch nachmittags widme ich mich dem Schreiben, der Literatur, dem Rezensieren, meinem Blog (www.der-leser.net). Natürlich muss ich auch den Unterricht für den nächsten Tag vorbereiten, aber darin habe ich inzwischen eine Routine entwickelt. Es ist so, dass an einem Tag die eine Sache mehr im Vordergrund steht und dann wieder eine andere Sache mehr Aufmerksamkeit bekommt. Das bringt auch Abwechslung.
Florian Birnmeyer, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Ich glaube, wir dürfen uns jetzt von den vielen Krisenherden auf der Welt, den vielen Veränderungen und Umbrüchen, die wir erleben, nicht verrückt machen lassen. Es ist eine Zeit, die wir irgendwie bewältigen werden, aber wir sollten uns an die Vernunft halten und jetzt nicht in politische oder gesellschaftliche Affekte verfallen.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Es ist wichtig, dass wir weiter an das Gute im Menschen und in den anderen glauben. Empathie ist wichtig, sich in andere hineinzuversetzen. Wir müssten uns mehr mit anderen auseinandersetzen, anstatt zu ghosten, zu blockieren, zu schreien oder zu hetzen. Und Empathie zu lehren, ist eigentlich eine grundlegende Fähigkeit von Literatur und Kunst, weil sie die Sichtweise anderer Menschen vermittelt und andere Lebensentwürfe und Welten aufzeigt.
Was liest Du derzeit?
Gerade lese ich „Baumgartner“ von Paul Auster, ein Buch über einen alternden Professor aus New York, das mir sehr gefällt. Sein präziser und genau beobachteter Erzählstil gefällt mir sehr gut. Nebenbei lese ich aber auch andere Bücher, Gedichtbände zum Beispiel.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Das einzige Paradies ist das verlorene Paradies“ von Marcel Proust.
Vielen Dank für das Interview, lieber Florian, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler:innen:
Florian Birnmeyer, Schriftsteller
Zur Person _Florian Birnmeyer
Geb. 1990 in Nordschwaben, Bayern, lebt seit 2010 in der Region Nürnberg. Studium der Frankoromanistik und Latinistik (Lehramt). Mehrere Austausche, Auslandsaufenthalte und Praktika (Bibliothek, Radio) in Frankreich, dazu ein einjähriges Auslandsstudium in Paris. Aktuell Tätigkeit als Dozent/Lehrkraft, Literaturkritiker und Rezensent.
Seine Gedichte wurden in den letzten Jahren in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht. Die erste größere Veröffentlichung ist der Sammelband Auf der Zugspitze, in dem im Anschluss an einen Wettbewerb über 66 eigene Gedichte publiziert wurden. Themen sind Identität, Homosexualität, Liebe, Freundschaft, Natur, Krankheit, Antike, Frankreich, Fernweh u. a. Er hat auch an mehreren Lesungen im Raum Nürnberg teilgenommen.
Seit mehreren Jahren Betreiber eines eigenen Literaturblogs mit Schwerpunkt französischer Literatur im Original und in Übersetzung.
Anna Mahler _ es ist ein Leben, das zu Beginn des 20.Jahrhunderts seinen Anfang nimmt und auf deren Kindheit der Glanz und Schatten bedeutendster Kulturpersönlichkeiten der Zeit liegt.
Hier der Vater, Gustav Mahler, genialer leidenschaftlicher Komponist, Dirigent und Wiener Operndirektor und dort seine Frau Alma Mahler, die zu einer der wichtigsten Kulturgastgeberinnen (Salon) der Zeit wird.
Und darin und dazwischen ihre Tochter Anna, die schon in der Jugend, nachdem ihr Vater früh verstarb, ihre eigenständigen Lebenswege – sie heiratet mit sechszehn Jahren Rupert Koller – sucht und konsequent verfolgt. Ebenso ihre Wege als Künstlerin, welche sie in Ausbildung und Praxis von Malerei, Bildhauerei nach Rom, Paris und in den politischen bewegten 1930er Jahren wieder nach Wien führt in die Mitte politischer Umbrüche.
Konsequent wird sie zeitlebens ihren künstlerischen Weg weitergehen und doch kommt es erst posthum zu einer ersten Ausstellung ihres umfangreichen Werkes. Ein Leben, von dem es viel zu erzählen gibt….
Gabriele Reiterer, Autorin, Kunsthistorikerin, Philosophin, Professorin
Gabriele Reiterer, in Südtirol geborene Autorin, Kunsthistorikerin, Philosophin, Professorin an der Akademie der bildenden Künste Wiens, der Technischen Universität Wien und der Bauhaus-Universität Weimar, legt mit „Anna Mahler“ eine beeindruckende weltumspannende biographische Spurensuche vor, die in ihrer kunst- wie gesellschaftshistorischen und familiären Kenntnis und Zuordnung in Wort und Bild wie der verbindenden Erzählgabe begeistert.
Es ist gleichsam ein Mitreisen mit Anna Mahler, deren Leben und Werk hier in der hervorragenden Editionsqualität des Molden Verlages eine ganz besondere Würdigung erfährt.
„Ein Leben im Schatten und eine Biographie, die dieses Dunkel zerreißt und Weg und Werk strahlen lässt.“