2026 – der 100.Geburtstag von Ingeborg Bachmann. Zahlreiche Veranstaltungen und nicht zuletzt Interviews zu Leben & Werk, der in Klagenfurt geborenen und 1973 tragisch in Rom verstorbenen Schriftstellerin begleiten und prägen das literarische Jahr – Ingeborg Bachmann, wer?Wie sich Werk und Leben dieser so facettenreichen Persönlichkeit nähern? Was sind ihre Grundansichten zu Sprache, Literatur, Gesellschaft, Leben und Sinn?
Der vorliegende Interviewband versammelt nun wesentliche Gespräche und öffnet sehr spannende Zugänge zu Leben und Werk und zu Grundlagen ihres literarischen Prozesses wie jenes um sie. Zudem wird die öffentliche Person Bachmann und ihr Bewusstsein, Umgang damit deutlich.
Die neun Gespräche umfassen den Zeitraum von 1956 – bis kurz vor ihrem Tod 1973 und wurden von Journalisten:innen wie Autorenkollegen:innen geführt und die kompakte Zusammenfassung hier ist ein sehr spannender Wegbegleiter ins und durch das Bachmannjahr wie weit darüber hinaus.
„Ingeborg Bachmann unplugged – eine sehr spannende Ausgabe von Interviews 1956 – 1973.“
Wir müssen wahre Sätze finden. Ingeborg Bachmann. Gespräche in Rom und anderswo. Kampa Verlag
Tea Teko, Model _ am Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien 1946-53 _ Walter Pobaschnig 1/2020, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text &Performance am Originalschauplatz
INGEBORG_ Akrostichon
Text _ Boris Greff, Schriftsteller
Performance _ Tea Teko, Model
Idee/Text/Regie _ Walter Pobaschnig
INGEBORG
Inmitten meines Ich-Selbst dein Viel-Du.
Nagende Mitternächte noch unbenetzt vom Tau.
Geheimnisvollen Gleichnissen traue ich nicht mehr.
Ewig dauert nur einen Handrücken voller Schweiß,
Balkongeländer brechen, begraben Romeo und Mond.
Ohne dich fürchte ich mich lebendig zu Tode.
Reue ist ruchlos, Ruhe geht in Rauch auf.
Geh jetzt endlich. Bleib aber trotzdem.
Boris Greff, 17.1.26
Tea Teko, Model _ am Wohnort Ingeborg Bachmanns in Wien 1946-53 _ Walter Pobaschnig 1/2020, folgende
Ingeborg Bachmann ist 1946 in Wien angekommen und lebte hier bis 1953. In dieser Lebensphase kommt es zu wesentlichen Begegnungen, Inspirationen, Aufbrüchen in Leben, Liebe, Literatur, die mit dieser Stadt in Wegen, Plätzen, Cafès ganz eng verbunden sind. Es formen sich wesentliche Themen und Schwerpunkte Ihres Schreibens. Ebenso ist es die Zeit erster Anerkennung als Schriftstellerin.
Mit Wien bleibt die später in Rom lebende und verstorbene Schriftstellerin zeitlebens verbunden. Ihr einziger Roman Malina spielt in Wien, ebenso nehmen viele Gedichte darauf Bezug.
Im Interview _ Catrin George Ponciano, Schriftstellerin, Portugalexpertin, Kulturaktivistin
Liebe Catrin, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Für mich ist es eine Rückkehr zu Ingeborg Bachmann. Ich arbeite selbst als Publizistin, lebe im Ausland und besitze hinsichtlich Europa eine runderneuerte Perspektive auf historische und gesellschaftspolitische Kontext. Ihr Werk lese ich, als wären wir uns erst kürzlich in Rom begegnet. Zwei Fremde, die die ewige Stadt fraglos in ihren Schoß aufgenommen, hätten wir auf einer lauschigen Piazza sitzend Wein getrunken und uns unterhalten. Darüber wie schwer es für Schriftstellerinnen auch heute noch ist, publiziert und anerkannt zu werden, über das Frausein und über die teilweise befremdliche Wahrnehmung von schreibenden Frauen.
Catrin George Ponciano, Schriftstellerin, Portugalexpertin, Kulturaktivistin
Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?
Ingeborg Bachmanns Lektüren führen mich ausschließlich in Ingeborg Bachmanns Denkwelten und Gefühlskosmos, aus deren Konklusionen ihre Texte auferstehen. Dadurch fordert sie mein unbedingtes Einfühlungsvermögen ein, frei nach dem Motto, krieche unter meine Haut bis hinab in meinen Abgrund.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Ingeborg Bachmanns zum Teil impulsiv verfasste Notizen fassen mich vom ersten Satz an und leiten mich durch ihren selbstreflektierenden Entwicklungsprozess, der sie zu etwas Starkem und gleichzeitig Fragilen formt. Es sind Sätze wie dieser; Ich glaube, daß die Enge des Tals und das Bewußtsein der Grenzen mir Fernweh eingetragen hat – der mir die Bandbreite ihrer Sehnsucht offenbart und mich verstehen lässt, was Ingeborg Bachmann später dann in Rom empfunden hat, wenn sie sagt, Rom habe sie Leben gelehrt. Rom nahm ihr symbolisch die im Tal empfundene, aufgebürdete von außen erzeugte Enge (Grenzen) und stillte ihr Fernweh nach sich loslösen davon, dass sie, so verstehe ich es, in der Anonymität der Stadt vollzogen hat. Als Frau statuiert sie zudem ein literarisches Exempel, das gesellschaftliche Defizite hinsichtlich Gleichberechtigung und für Frauen (un)mögliche Selbstbestimmung offenlegt.
„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten Sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ich glaube, wir laufen als westliche Welt insgesamt Gefahr, dem von Ingeborg Bachmann symbolisierten Unheilbarem zu verfallen. Was in den 80er Jahren eher noch eindimensional eingegrenzt auf die den Männern zugeschriebene Rolle des Patriarchen gepasst hat, dehnt sich meines Erachtens nun mehrdimensional auf all diejenigen Menschen aus, die mit Blick für das Wesentliche durch Geldgier und Geltungsbedürfnis getrübt, sich dem Materiellen unterwerfend nicht bemerken, dass sie sich im Prinzip selbst unterwerfen. In einer alarmierend kollektiv um sich greifenden Kritiklosigkeit am Konsum, an digitaler Kontrolle, an ungesunden Nahrungsmitteln, schaffen ganze Gesellschaften ihren eigenen Willen ab und degradieren sich zu Mitmachern, die ernsthaft alles glauben, was ihnen von der omnipräsent auftretenden immer stärker künstlich generierten Machtstruktur vorgegaukelt wird. Die einst übliche über Menschen generell und über Frauen insbesondere hinwegschauende und handelnde männliche Machtstruktur wird allmählich von einem körperlosen alle moralischen und ethischen Grenzen verwischenden System abgelöst. Der Satz könnte demnach heute so lauten: „die Menschen sind unheilbar krank…sie sind es, wussten Sie das nicht? Alle…“
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Die Bejahung zur Selbstbestimmtheit vorausgehend, geboren aus dem Wunsch meine Seele weder den Erwartungen anderer noch dem Geldaltar zu übereignen, möchte ich mich keinem wie auch immer gearteten patriarchalen oder künstlich generierten System unterwerfen – müssen, und scheue deswegen jegliche Form von Abhängigkeit, was in der Liebe prekär sein kann und es mir erschwert, Freundschaften zu schließen, die (meistens) auf Erwartungen und Kompromisse aufbauen.
Das ist insofern absonderlich, weil ich mich tatsächlich physisch und geistig von der Masse absondere, mute ich mir durchaus zu, die allgemeine Komfortzone zu verlassen, in dem ich an Werten festhalte, die denken, fühlen und handeln voraussetzen, anstatt mich sogenannten modernen Möglichkeiten zu bedienen, um mich bedienen zu lassen.
Verhaltensregeln, die lediglich einer unaufrichtigen Aneinanderreihung von Etiketten folgen und nicht einem aufrichtigen zwischenmenschlichen Miteinander, widerstehe ich vehement. Dass mich mein Widerstreben in den Augen anderer oftmals ins sozial nicht kompatible Abseits befördert, nehme ich in Kauf, ertrage Konnotationen wie unangepasst, aufwieglerisch und asozial.
Mich davon nicht beirren zu lassen, ja, das ähnelt einem Martyrium, erzeugt jedoch im Umkehrschluss Bruchstellen, aus denen ich Erkenntnis schöpfe. Einfacher machen könnte ich es mir, glauben andere. Ich glaube das nicht. Literatur, die Menschen wahrhaftig berührt, entsteht nicht in einer Blase im Schutz von Komfort und selbsteingebildeter Geltung, nein, Literatur und Poesie nährt sich aus der Wahrhaftigkeit in uns. Fazit, ich stimme Ingeborg Bachmann voll und ganz zu.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Liebe Ingeborg, wir, die jeden Tag unbeirrt in unserer Wirklichkeit bleiben und selbstbestimmt in Verdammnis treten, hören nicht auf darüber zu schreiben und zu sprechen. Versprochen!
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich lade dazu ein, mich in Portugal auf literarischen Fährten bis in die Moderne zu begleiten.
Am Schreibtisch wächst ein Romanprojekt über weibliche Selbstbestimmung und ihre (un)möglichen Grenzen, wofür ich momentan auf Verlagssuche bin.
Ohne Projektziel notiere ich autobiografisch Anekdoten über persönliche Trigger – ob sich daraus eines Tages eine Publikation ergibt, bleibt abzuwarten.
Herzlichen Dank für das Interview!
Lieber Walter Pobaschnig, ich möchte Dir für die wunderbaren Fragen danken, die mich in meinem Sein als Schriftstellerin auf willkommene Weise herausgefordert haben.
Catrin George Ponciano, Schriftstellerin, Portugalexpertin, Kulturaktivistin
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Catrin George Ponciano, Schriftstellerin, Portugalexpertin, Kulturaktivistin
Im Interview _ Dragica Rajčić Holzner, Schriftstellerin
Liebe Dragica, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Ich bekam mit dreißig Jahren 1989 ein Geschenk, Ingeborg Bachmanns Das dreißigste Jahr, und als ich es ausgelesen hatte, kaufte ich Malina auch wegen des kroatischen Namens im Titel, die Beere, dann kamen mehrere bekannte Worte „jaz in ti, ti in jaz“, slowenische Einsprengsel ja u tebi ti u meni , Dragi Bože.
Das Ich im Malina hatte nie sagen können ICH ohne Gewähr. Das Ich in Malina redet in Formeln, die etwas ganz anderes zu transportieren haben. Ich dachte schon beim ersten Lesen, so ein Buch gibt es nicht auf der Erde, sie transportiert in Rätseln die Substanz des Atems der Liebe^Lesen wird weiterschreiben beim jeden Satz, eine Sprache des nicht Gesagten mitdenken.
Frauen in Bachmanns Werk haben nur leere Stellen aber keinen eigenen ORT in sich, diese werden ihnen von Männer zugeschrieben und zugewiesen. Undine geht nach dem sie ihre Rolle begriffen hat. Hoffnung aber für mich und uns lag in Zuruf einer Stimme deren Worte nur Stimme hatten und keinen Inhalt und nur ihr galten,“…. in einer Sprache […], von der sie kein Wort verstand. Trotzdem wusste sie, dass die Stimme ihr allein galt und nach ihr rief [….].“ Ingeborg Bachmann, Malina. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1971, S.63.
Wie gesagt, Malina gab mir ein Rätsel, das mein Leben und mein Schreiben in bislang dreißig Jahren ausmachte. Ich grub immer mehr in allem, was Ingeborg Bachmann geschrieben und wie sie gelebt hat, was andere über ihr Werk schrieben, um mich mir zu versichern, dass eine Geschwisterschaft in ihrer Schrift mich trägt
Vor fünf Jahren habe ich mich noch weiter gewagt, ich habe Ingeborg Bachmann als Vorlage für eine Figur in meinem Buch Liebe um Liebe gewählt. Eine Frau, wie sie sein könnte im „wirklichen“ Leben, um sie außerhalb ihrer Schrift in „meiner“ Schrift „wirklich“ zu ihrem Leben zu bringen, einem utopischen und nüchternen. Ihre Tragödie ist dem zweiten Weltkrieg geschuldet, Grauen, welche das Liebens- und Lebenskonzept der Frauen im 20. Jahrhundert, wozu auch ihr und mein Leben gehört, zerstört hat.
Als mein Buch erschien, merkte kaum jemand, dass ich die Figur der Ruth Keller nicht ausgedacht hatte, bei einer Autorin mit meinem Namen sucht man nicht nach Intertextualität .
Hier noch paar Zitate welche mich eben begleiten in meinem Schreiben.
.„ […] er bringe ihr etwas zurück, einen vermissten Geschmack, einen fehlenden Tonfall, ein geisterhaftes Gefühl von einem Daheim, das nirgends mehr für sie war.“ Ingeborg Bachmann, Simultan. In: I. B., Sämtliche Erzählungen. München-Zürich: Piper 1978, S.285.
„Sie dachte, nichts sei einfacher, als mit jemand aus demselben Land beisammen zu sein, jeder wusste, was er sagen durfte und was nicht und wie er es sagen musste, es war ein geheimer Pakt da […].“ Ingeborg Bachmann, Simultan. In: I. B., Sämtliche Erzählungen. München-Zürich: Piper 1978, S.303.
Sie sahen einander nur in die Augen, und in ihrer beider Augen schwamm ein ganz helles Blau. „Es gibt eine Grenze, an der einem das Herz fast stehen bleibt, und wenn du dann am Leben bleibst und nicht weißt was hat das Leben dir noch zu sagen du funktionierst nur und wirst krank.“
„die Männer sind unheilbar krank… sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Ich sehe ihre Gessellschaftkritik als absolut treffend und bei jeden Schritt die Welt zu verbessern stapfen wir in und durch die gleichen Attrappen der Vergangenheit und versuchen sie zu durchbrechen.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Ach, das ist so ein weites Feld und wenn Martyrium meint im marxistischen Sinne Selbstausbeutung im Dienste der Gemeinschaft, dann ist auch ein Taxichauffeur Märtyr:in -. Was Kunst und Schreiben an VerursacherInnen anrichten, kann ich nicht beantworten, weil ich nicht mal weiß, was schreiben und wozu gerade jetzt – Zeitgeist verstehen und sich hinauswagen – auch wenn Welt morgen unter geht.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Du lebst mehr als du je gedacht hast in deinem Weltverständnis des Utopischen und Herzbildenden in uns im 21. Jahrhundert mehr als du dir je erträumt hast.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ein Roman mit Arbeitstitel Täuschung und ich bin fertig mit dem Gedichtpoem „Eurydike will nicht zurück“ aus welchem eine Oper im Entstehen ist.
Herzlichen Dank für das Interview!
Dragica Rajčić Holzner _ Schriftstellerin
Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.
Dragica Rajčić Holzner, Schriftstellerin
Nahoko Fort, Schauspielerin _ Wien _ performing „Malina“ _ Originalschauplatz Wien _ Walter Pobaschnig 11/24
Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann
Foto: Dragica Rajčić Holzner _ Florian Bachmann.
Fotos: Nahoko Fort, Schauspielerin _ Wien _ performing „Malina“ _ Walter Pobaschnig 11/24
Lieber Michael, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?
Bachmann war eine meiner Lieblingslektüren in der Schule. Vor allem die Art und Weise ihrer Metaphorik hat mich damals begeistert. Stichwort: … und dein Kleid, glockig und blau.
Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?
Mit Bachmann kann man vortrefflich die Lyrik für sich entdecken, sie ist für mich im besten Sinne des Wortes die genialste Einstiegslektüre in die Welt der Poesie.
Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?
Eigentlich nicht, denn von Bachmann sollte jeder alles gelesen haben. Eines meiner Lieblingsgedichte ist nach wie vor: An die Sonne
Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?
Diese ist aktueller denn je – in einer Welt, die fast nur noch von toxischen Führern geprägt scheint.
„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?
Das Leben ist das, was man selbst allein daraus gemacht hat, nicht mehr und auch nicht weniger. Aber unsere Gesellschaften und politische Entscheidungsträger sind nicht gerade kunstaffin. Das Schreiben ist ein Weg voller Widerstände.
Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?
Ich hätte gern mal zusammen mit ihr ein Gedicht geschrieben. Und sie gebeten, das Rauchen sein zu lassen.
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Ich habe mit den Arbeiten am nächsten Roman begonnen, doch der Weg ist noch sehr lang. Ich hoffe, ich bekomme dabei auch wieder Lust, Gedichte zu schreiben.
Herzlichen Dank für das Interview!
Michael Stavarič, Schriftsteller
Aktueller Roman: Michael Stavarič: Die Schattenfängerin Roman. Luchterhand, München 2025. 288 Seiten, € 24 (D) / € 24,70 (A).
Isabella Kubicek, Schauspielerin_ Wien_ performing. Undine geht _Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _ Donau/Wien _ 8/24 _ Walter Pobaschnig, folgende.
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _ Eva Schörkhuber, Schriftstellerin _ Wien
Performance _ Isabella Kubicek, Schauspielerin_ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Isabella Kubicek, Schauspielerin_ Wien_ performing. Undine geht _Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _ Donau/Wien _ 8/24 _ Walter Pobaschnig, folgende.
UNDINE GEHT
Unerhört bricht ein neuer Tag an
Nachtschattenliegen schwer auf den Lidern
Die Erde dreht sich weiter
Irrt um die Sonne
Nestelt an den Wolken
Ein Tag wie dieser kommt und geht
Gegenden Irrsinn, der kursiert und uns aus den Angeln hebt, ist kein einzelnes Kraut gewachesen
Ein Wort ist zu wenig, um ihm Einhalt zu gebieten
Halten wir es lieber mit den Vögeln, schwärmen wir, schwärmen wir aus
Trachten wir danach, uns in großen Zügen über ihn hinwegzusetzen
Eva Schörkhuber, 31.1.2026
Isabella Kubicek, Schauspielerin_ Wien_ performing. Undine geht _Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961 _ Donau/Wien _ 8/24 _ Walter Pobaschnig.
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
UNDINE GEHT _ Akrostichon
Text _ Eva Schörkhuber, Schriftstellerin _ Wien
Performance _ Isabella Kubicek, Schauspielerin_ Wien
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.
„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.
Der Berliner Autor, Übersetzer, Redakteur und Künstler Michael Georg Bregel ist einer der spannendsten wie vielseitigsten Schriftsteller, Künstler der Gegenwart. Spannende Projektideen und Kooperationen zeichnen seinen Werdegang aus.
Nun beginnt der in Berlin lebende Autor sein Kunstjahr mit einem ganz besonderen Lyrikband, der in der Tradition der japanischen Haiku Gedichte (drei Zeiler/konzentrierte Silbenform 5-7-5) 150 Poems seiner jüngeren Texte zusammenfasst und in Titel ordnet.
Der enge Konnex der Haikutradition von Wort und Natur in der Verdichtung von Existenz, Emotion, Reflexion in fokussierter Formsprache macht den Zauber und Reiz dieser Kunstform aus, dem der vorliegende Band in individueller Note Ausdruck verleiht.
Der Autor versteht es sprachlich ganz außerordentlich intensiv, ansprechend wie mitreißend zwischen Natur, Ich, Existenz-, Sinndimensionen zu oszillieren und dabei ganz fein in Beobachtungen, Wahrnehmungen im Wechselspiel von Außen und Innen, Innen und Außen, Beobachtungen der Welt zu teilen, Fragen zu stellen und Leserin und Leser poetisch zu inspirieren. Dabei ist die Existenzdimension des Hoffenden, Mutigen, Aufbrechenden ein Charakteristikum. Leben in allen Facetten, Zeitqualitäten hat den Keim, die Knospe des Morgens in sich und die Sprache ist ein Wegbereiter, Wegbegleiter dieser Entdeckungsreise zu immer neuen Lebens- und Weghorizonten.
Jahr
drei knospen im strauch
noch fest in sich verschlossen
sie warten auf licht
Die Ausgabe selbst ist wie eingangs erwähnt eine der wunderbaren Kunstkooperationen des Autors – Der Gedichtband ist in Nepal-Papier gesetzt, von Ingo Cesaro im Bleisatz handbetitelt und von Gisela Gülpen per Durchstichbindung von Hand gebunden. Ein poetisch-sinnliches Erlebnis rundum.
„Ein Gedichtband als poetisches Fanal der Aufmerksamkeit und der Hoffnung gegen die walzende Viel- und Lautsprache der Zeit.“
Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ Romanschauplatz _ Malina _ Wien _ Walter Pobaschnig 12/21, folgende
100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _
Text & Performance
MALINA _ Akrostichon
Text _ Gero Ulbricht, Schriftsteller, Künstler
Performance _ Constanze Sophie Passin, Schauspielerin
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ Romanschauplatz _ Malina _ Wien _ Walter Pobaschnig 12/21, folgende
MALINA
M ondstunden
A m Nachthimmel
L ass mich frei sein
I im Herzen
N ur Liebe und Wahrhaftigkeit zählen
A bsurd die Gier nach Anerkennung
Gero Ulbricht, 6.2.2026
Constanze Sophie Passin, Schauspielerin _ Romanschauplatz _ Malina _ Wien _ Walter Pobaschnig 12/21, folgende
MALINA Text/Performance _ Originalschauplatz
Text _ Gero Ulbricht, Schriftsteller, Künstler
Performance _ Constanze Sophie Passin, Schauspielerin
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig
Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.
Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.