Station bei Doderer_ Sandra Schoessler, Schriftstellerin _ Wien _ Martin Meyer, Schriftsteller _ Bayern _ performing „Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre„, Roman, Heimito von Doderer, 1951. _ Wien _ Originalschauplatz 1/25
Sandra Schoessler, Schriftstellerin _ Wien _ Martin Meyer, Schriftsteller _ Bayern _
Im Interview: Martin Meyer, Schriftsteller _ Bayern_
Lieber Martin Meyer, herzlich willkommen hier am Romanschauplatz „Strudlhofstiege“/Heimito von Doderer (Schriftsteller * 5.9. 1896 in Hadersdorf/NÖ † 23.12.1966 in Wien). Welche Zugänge gibt es von Dir zu diesem Roman?
Martin: Zunächst einen biografischen. Meine Großmutter mütterlicherseits stammte aus dem Böhmerwald. Mehr noch als sie pflegte meine Großtante das Deutsch der Donaumonarchie, die in unserer Familie erst mit ihrem Tod im Jahre 2000 beendet war.
Ich fühle mich der österreichischen Literatur sehr eng verbunden. Heimito von Doderer ist mir als Autor seit meiner Jugendzeit bekannt, auch die Titel seiner Bücher. Ich las damals aber eher Friedrich Torberg, Joseph Roth sowie Stefan Zweig.
Der Roman spielt konzentriert im Stadt- und Lebensumfeld entlang der Liechtensteinstraße im 9.Wiener Bezirk mit dem zentralen Mittelpunkt der Strudlhofstiege. Welche Eindrücke hast Du von diesem literaturgeschichtlich so bedeutsamen Schauplatz Wiens?
Info:„Die Strudlhofstiege stellt in der Strudlhofgasse, die zwischen der Währinger Straße und der wesentlich tiefer gelegenen Liechtensteinstraße verläuft, eine Verbindung für Fußgänger her. Sie wurde unter Karl Lueger nach einem Entwurf von Theodor Johann Jaeger (1874 – 1943) im Abschnitt der Gasse zwischen Boltzmanngasse und Pasteurgasse erbaut und am 29. November 1910 zur Benützung freigegeben. Die Kosten beliefen sich auf 100.000 Kronen.“ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Strudlhofstiege 9.1.2025
Martin: Trotz der dort angebrachten Gedenktafel mit von Doderers kurzem Gedicht könnte dieser literarische Ort gut noch etwas mehr ins Rampenlicht gerückt werden. Man könnte doch im 9. Bezirk einen Heimito-von-Doderer-Weg mit Stationen an der Stiege und in den Gassen, Plätzen und Gebäuden anlegen, die in seinen Büchern vorkommen.
Im Roman stehen Liebe, Gesellschaft an den Gründen und Abgründen der Vergangenheit und der herausfordernden Gegenwart der 1920er Jahre im Mittelpunkt. Wie aktuell ist der Roman in gegenwärtig herausfordernden gesellschaftlichen Zeiten?
Martin: Der Untergang der Donaumonarchie wurde von vielen Menschen als Zeitenwende empfunden, ja oftmals auch als Verlust empfunden und erlitten. Verlusterfahrungen waren zu jeder Zeit ein starker Antrieb zu schreiben. Auch der heutige Mensch erlebt das Gefühl, Verlusten ausgesetzt zu sein, ja gar von Kontrollverlust sind wir in dieser Zeit betroffen. Große Literatur erwächst gern aus solchen Abstürzen.
Im Mittelpunkt unseres Fotoshootings stehen die Romanfiguren Mary und Melzer, welche Ihr darstellt am Romanschauplatz. Herzlichen Dank für die großartige Performance und alle Bemühungen um das großartige Styling der Zeit. Welche Überlegungen hattest Du zu Styling und zu den Figuren im Vorfeld? Was charakterisiert Mary und Melzer?
Martin: Zunächst zum Styling: von vornherein mit Hut. Dazu einen möglichst langen Mantel. Den bisweilen verpeilten und unentschlossenen Blick brauche ich nicht erst einzustudieren. Mag sein, dass ich auf mein Äußeres mehr Wert gelegt habe, als es Melzer getan hätte. Irgendwie dachte ich bei ihm auch oft an Musils „Mann ohne Eigenschaften“, und manchmal komme ich mir ja auch selbst vor wie ein bisserl aus Raum und Zeit gefallen.
Was ist Liebe? Was lässt Liebe wachsen, was Liebe untergehen?
Martin: Zu Liebe ist schon zu viel Kluges gesagt, als dass ich dazu noch Neues beitragen wollte. Irgendwo stieß ich auf einen schönen Aphorismus dazu, der mich anspricht, von woher er auch immer stammen mag: Liebe, die sich nicht verschwendet, verschwindet.
Melzer rettet Mary am „21.September 1925“ bei einem Straßenbahnunfall, bei dem sie das rechte Bein verliert, das Leben. Hast Du schon einmal jemand in einer (lebens)gefährlichen Situation gerettet und was hatte dies für persönliche Folgen?
Martin: Selbst habe ich noch niemanden aus Lebensgefahr gerettet, aber ich wurde selbst in einer solchen Situation vor Schlimmerem bewahrt. Ich glitt als Kind in einem See von einer Luftmatratze ins Wasser und konnte noch nicht schwimmen. Die Szene steht mir bis heute noch vor Augen und lässt mich im Innern frösteln.
Wir haben diese dramatische Unfallszene am Romanschauplatz unfallfrei inszeniert. Wie hast Du die Performance dieser Romanschlüsselszene in Erinnerung?
Martin: Ich bin für Stunts nicht zu gebrauchen, ich hatte da eher die in diesem Moment herannahende Straßenbahn im sinnenden Augenwinkel, als dass ich mich auf Szene und Rolle konzentriert hätte. Leider.
Wie musikalisch/rhythmisch schreibt Doderer? Wie würdest Du seinen Stil beschreiben?
Martin: Er hat schon etwas Einzigartiges. Er mäandert stets, von Hirnwindung zu Hirnwindung, rührt an tiefe Bewusstseinsschichten. Nur wenige Minuten zu Fuß entfernt von dem gewiss prominentesten Wiener des 9. Bezirks, Sigmund Freud, wird Doderers an sich nur kleines Grätzel literarisch zu einer abgründig tiefen Wanderung durchs alte Wien. Freud schrieb geradliniger, knapper und nüchterner. Schon von daher war Freud (nicht nur von Geburt) kein wirklicher Wiener. Freud schrieb Psychogramme, Doderer Wimmelbilder. Wien lebt und klingt aber in beiden fort, und es wäre nicht Wien, fügte es den Bildern nicht immer noch unterschwellige Melodien dazu, wie Doderer es in allen Romanen aus seiner Feder tat. Seine Sprache ist auch Musik, oft sanft sich verströmend und urplötzlich ein Paukenschlag. Wie bei Joseph Haydn. Auch Sigmund Freud verstand mehr von Musik, als er selbst und seine Texte uns haben preisgeben wollen.
Was hast Du mit Doderer gemeinsam?
Martin: Doderers Belesenheit und Genauigkeit. Und seinen Sinn für Klang und Musik. Nur dass ich mich wesentlich kürzer fasse.
Was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig und was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Martin: Wien ist ein Sehnsuchtsort auch für neue Projekte. Immer wieder reizt mich der Gedanke, einen Roman dort anzusiedeln. Derzeit versuche ich, Ideen zu Romanen reifen zu lassen, auch kürzere Projekte und mein Engagement in Autoren-Verbänden fordern mich. Und es reizt mich, auch journalistisch tätig zu sein. Seit Kurzem schreibe ich als freier Mitarbeiter für eine nahe Bamberg erscheinende Kultur-Zeitung.
Lieber Martin Meyer, herzlichen Dank für Dein Interview! Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?
Schatten
Totverlebter Jahre,
Ruhelos
Unter der Haut.
Dielenknarzen,
Lange, wollene Mäntel,
Hofburg im Dämmer,
Offene Wunden,
Frierende Glieder, spazierend,
Seufzer der Strudlhofstiege.
Trauernde Liebe,
Irrsal im Herzen.
Existenzfrösteln,
Grummeln und Raunzen,
Erzählt vordem fiebernd durchwacht.
Herzlichen Dank, liebe Sandra und lieber Martin, für das wunderbare Fotoshooting & Interview auf den literarischen Spuren Heimito von Doderers in Wien!
Viel Freude und Erfolg für Eure großartigen Literaturprojekte und auf bald wieder in Wien!
Station bei Doderer_ Sandra Schoessler, Schriftstellerin _ Wien _ Martin Meyer, Schriftsteller _ Bayern _ performing „Die Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre„, Roman, Heimito von Doderer, 1951. _ Wien _ Originalschauplatz 1/25
Sandra Schössler, Schriftstellerin _ Wien.
Martin Meyer_ Schriftsteller, Musiker_ Franken/Bayern.
Weimar, 1919. Paula, Tochter eines Orgelbau-Unternehmers, will unbedingt selbst Orgelbauerin werden. Sie geht bei Hans Meichelbeck, der sich im Streit von Paulas Vater getrennt und eine eigene Orgelbauwerkstatt gegründet hat, in die Lehre. Inspiriert vom Weimarer Bauhaus, denken Hans und Paula das alte Handwerk neu. Paula freilich sieht sich als weit und breit einzige Frau im Orgelbau insbesondere mit familiärem Widerstand konfrontiert. Kann sie dem Gegenwind trotzen?
Zur Person: Martin Meyer: Martin Meyer, geboren 1967, studierte Jura und war in Bamberg als Staatsanwalt und Richter tätig. Nach seinem Ausscheiden aus dem Justizdienst im Jahr 2007 öffnete er sich seinen literarischen Begabungen und schreibt seither Romane, Kurzgeschichten und Gedichte. Aufgrund seiner vielfältigen Interessen wandelt er dabei auch zwischen den Genres. Sein juristisches Fachwissen gibt er heute als Dozent in Workshops für Autorinnen und Autoren weiter. Vor allem aber spielt er im Nebenamt Orgel und Posaune. Seine Liebe zur Orgel und zur Musik hat ihn zu diesem Roman inspiriert. Martin Meyer lebt mit seiner Frau im Herzen Frankens.
Station bei Falco/Jeanny _ Claudia Carus, Schauspielerin, Sängerin _ Wien Jeanny _ 40 Jahre _ 1985 _ Fotos _ Originalschauplatz _ Wien.
Station bei Falco/Jeanny _ Claudia Carus, Schauspielerin, Sängerin _ Wien Jeanny _ 40 Jahre _ 1985 _ Fotos _ Originalschauplatz _ Wien.
Station bei Falco/Jeanny _
Claudia Carus, Schauspielerin, Sängerin _ Wien
Jeanny _ 40 Jahre _ 1985
Falco, Sänger, Musiker * 19. Februar 1957 Wien † 6. Februar 1998 Dominikanische Republik
Fotos _ Originalschauplatz _ Wien
Liebe Claudia, welche Zugänge gibt es von Dir zum Song „Jeanny“/Falco, der vor vierzig Jahren erschien und die Hitparaden stürmte?
Der Song „Jeanny“ von Falco ist ja ein sehr vielschichtiges Werk, das unterschiedliche Zugänge und Interpretationen zulässt.
Ein wichtiger Aspekt ist sicher die Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt gegen Frauen. Der Song kann als Anstoß dienen, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen und sich der Realität solcher Gewalt bewusst zu werden, aber auch bestimmte Situationen in der eigenen Biografie noch einmal genauer zu hinterfragen. Es ist auf jeden Fall nach wie vor wichtig, sich kritisch mit dem Songtext auseinanderzusetzen, da er auch als Verharmlosung von Gewalt gegen Frauen verstanden werden kann. Gleichzeitig kann „Jeanny“ aber auch als Ausdruck der Solidarität mit anderen Frauen, die von Gewalt betroffen sind, verstanden werden. Gegenseitige Unterstützung und das Gefühl, nicht allein zu sein, sind von großer Bedeutung. Ich denke, es wichtig auch im eigenen Leben immer etwas die Augen und Ohren offen zu haben, für das, was sich in unserer Umgebung abspielt.
Ein weiterer Zugang zum Song ergibt sich aus der schauspielerischen Perspektive. „Jeanny“ ist ein unglaublich theatralischer Song. Der Song setzt sich mit dunklen Themen auseinander, wie dem Bösen in der menschlichen Natur und den Abgründen der Psyche. Diese Thematiken sind ja für uns Schauspieler*innen darstellerisch oft besonders spannend.
Was macht für Dich die Qualität dieses songs aus?
„Jeanny“ war seiner Zeit weit voraus. Die Kombination aus Pop, Rock und Rap war damals revolutionär. Falcos Musik kann dazu inspirieren, neue musikalische Wege zu gehen und mit verschiedenen Genres zu experimentieren. Seine Texte sind voller Wortwitz und Ironie. Er spielt mit der deutschen Sprache, kreiert Bilder und Stimmungen. Als Musikerin fasziniert mich das. Man kann von ihm lernen, wie man mit Sprache umgehen und Geschichten erzählen kann. Außerdem ist „Jeanny“ ein Lied, das auch heute noch relevant ist. Es geht um Macht, Begierde, und die dunklen Seiten der Liebe. Diese Themen sind zeitlos und universell. Als Musikerin möchte auch ich Songs schreiben, die Menschen berühren, dann mal wieder leicht sind, zum Nachdenken anregen und auch mal ganz tief in die Magengrube greifen.
Wie schon erwähnt, hat das Lied viele Kontroversen ausgelöst hat. Einige warfen Falco vor, Gewalt gegen Frauen zu verherrlichen. Andere sahen in dem Song eine Abrechnung mit der Sensationslust der Medien. Ich denke, dass „Jeanny“ ein komplexes Kunstwerk ist, das viele unterschiedliche Interpretationen und Diskussion zulässt.
Gibt es etwas typisch Wienerisches darin?
Der Song „Jeanny“ von Falco ist ja ein Paradebeispiel für die Wiener Popkultur der 1980er Jahre. Falcos Gesang ist stark vom Wiener Dialekt gefärbt, was dem Lied eine authentische und lokale Note verleiht. Der Song erzeugt eine düstere und melancholische Atmosphäre, die oft mit der morbiden Seite Wiens in Verbindung gebracht wird. Text und Musikvideo enthalten Anspielungen auf Wiener Originale, die im Wien der 1980er Jahre bekannt waren. „Jeanny“ thematisiert auf provokante Weise soziale Probleme und Tabus der damaligen Zeit, was typisch für die Wiener Kunst- und Kulturszene ist. Der eingängige Pop-Sound des Liedes ist typisch für die 1980er Jahre, einer Zeit, in der Wien eine lebendige Musikszene hatte. Der Song ist ein wichtiger Teil der österreichischen Popkultur und ein Beispiel für die typisch wienerische Art, mit Klischees und Tabus zu spielen.
Was macht für Dich den Musiker, Künstler Falco aus?
Falco gilt als Pionier des Austropop und war einer der ersten, der Rap-Elemente in die deutschsprachige Musik integrierte. Sein Musikstil war eine Mischung aus Pop, Rock, New Wave und Funk, gewürzt mit einer Prise Punk und Hip-Hop. Seine eingängigen Melodien und rhythmischen Beats waren charakteristisch für seine Musik. Die Texte seiner Lieder waren oft ironisch, gesellschaftskritisch und humorvoll. Er sprach über das Leben in Wien, über Liebe, Exzess und den „American Way of Life“. Dabei verwendete er oft eine Mischung aus Deutsch und Englisch, was seinen Liedern einen internationalen Touch verlieh. Falcos Gesangsstil war einzigartig. Er sprach, sang und rappte mit einer markanten Stimme und einem Wiener Dialekt. Seine Bühnenpräsenz war exzentrisch und charismatisch. Er trug auffällige Kleidung und präsentierte sich selbstbewusst und manchmal auch arrogant auf der Bühne.
Gibt es weitere Lieblingssongs?
Out of the Dark. Egoist. Der Kommissar. Rock me Amadeus…
Falco hat den U Bahn Knotenpunkt Wien-Karlsplatz als Bezugspunkt des Songs „Jeanny“ gewählt. Modernität, Aufbruch, Begegnung aber auch Tragik der 80er Generation findet sich am 1978 eröffneten Kreuzungspunkt der Stadt hier wieder. Wir fotografierten hier vor Ort. Welche Eindrücke hast Du von diesem Ort und dessen Umfeld heute?
Der Karlsplatz in Wien ist ein Ort mit vielen Gesichter. Ein Ort der Vielfalt. Er dient als wichtiger Verkehrsknotenpunkt, an dem täglich zahlreiche Menschen unterschiedlicher Herkunft, sozialer Schicht, kulturellen Hintergrunds und ethnischer Zugehörigkeit, zusammenkommen. Es ist ein Ort des Aufbruchs und der Begegnung, ein Gefühl, das der berühmte Song „Jeanny“ von Falco eindrücklich beschreibt. Diese Atmosphäre ist bis heute spürbar.
Gleichzeitig ist er mit dem angrenzenden Resselpark und der Karlskirche eine Oase der Ruhe und Entspannung.
Die 1980er Jahre in Wien waren für die junge Generation von Brüchen und Widersprüchen geprägt. Wirtschaftliche Unsicherheit, soziale Veränderungen und politische Spannungen kennzeichneten diese Zeit des Wandels. Die Ölkrise und die darauffolgende Rezession führten zu hoher Arbeitslosigkeit, was den Aufbau einer stabilen beruflichen Existenz erschwerte. Der Kalte Krieg und die Angst vor einem Atomkrieg erzeugten ein Gefühl der Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit. Umweltprobleme, deren sich die Menschen in den 1980er Jahren immer stärker bewusst wurden, verstärkten die Zukunftsängste der Jugend.
Ereignisse wie der Fall des Eisernen Vorhangs und der Beitritt Österreichs zur Europäischen Union, eröffneten aber auch neue Perspektiven und Möglichkeiten.
Die Themen, die die 80er Generation in Wien bewegten, haben bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Wirtschaftliche Unsicherheit, soziale Ungleichheit und Zukunftsängste sind auch in der jetzigen Zeit präsenter denn je – und zwar erschreckender Weise momentan fast überall – weltweit – wo man so hinschaut und hinhört…
Wien ist geprägt von Falcos größten beruflichen Erfolgen und privatem Glück wie auch den Schattenseiten beider. Wie siehst Du den Künstler und Menschen Falco?
Falco war ein Pionier der deutschsprachigen Popmusik. Er kombinierte Elemente aus Pop, Rock, Funk und Rap und schuf so einen einzigartigen Sound. Seine Texte waren oft doppelbödig und ironisch, und er scheute sich nicht, auch kontroverse Themen anzusprechen. Falco war ein exzentrischer Künstler, der mit seinem extravaganten Stil und seinen provokanten Auftritten polarisierte.
Ich denke, Falco war ein komplexer Mensch, der sowohl von seinen Erfolgen als auch von seinen persönlichen Problemen geprägt war. Er war ein Perfektionist, der hohe Ansprüche an sich selbst stellte und oft unter Druck stand. Falco hatte mit Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen und suchte immer wieder nach Anerkennung und Liebe. Ein Laster, dass viele Künstler*innen mit sich tragen…
Auch nach seinem Tod ist Falco in Österreich und darüber hinaus weiterhin präsent. Seine Musik wird immer noch gehört und seine Lieder sind Teil des kollektiven Gedächtnisses. Falco wird oft als ein Rebell und ein Visionär dargestellt, der seiner Zeit voraus war. Er war ein Künstler, der sich nicht dem Mainstream anpassen wollte und seinen eigenen Weg ging, das braucht Mut, Biss und ne gute Prise Selbstvertrauen…
Und natürlich hat Falco ein beeindruckendes musikalisches Erbe hinterlassen. Seine Lieder sind zeitlos und seine Musik inspiriert noch immer viele Künstler*innen.
Träume, Sehnsucht, Erfolg wie Enttäuschung, Angst finden in Kunst wie Leben Falcos eindringlichen, intensiven Ausdruck. Wie verarbeitet der Sänger, Texter Falcos dies in seinen Songs?
Falcos Lieder waren oft autobiografisch und verarbeiteten persönliche Erfahrungen und Emotionen.
Falco war ein Meister der Selbstinszenierung und schuf mit seinen Songs eine Kunstfigur, die sowohl faszinierend als auch tragisch war. Er verstand es, universelle Themen wie Liebe, Verlust, Angst und Sehnsucht anzusprechen, mit denen sich viele Menschen identifizieren konnten.
Wie hast Du Dich auf das Jeanny-Shooting vorbereitet? Wie siehst diesen 80er-Hit und seine Interpretations- und Wirkungsgeschichte?
In der Vorbereitung aufs Shooting, habe ich mich vor allem modisch an den 80er Jahren orientiert und mir natürlich nochmal ein paar Videos angesehen und mich ganz gezielt mit Song „Jeanny“ beschäftigt.
„Jeanny“ ist ein Lied, das zu den größten Skandalen in der Geschichte der deutschsprachigen Popmusik führte. Der Text des Liedes war von Anfang an umstritten und löste eine breite öffentliche Debatte über pädophile Neigungen und sexuelle Gewalt aus. Zahlreiche Radiosender boykottierten den Song, und es gab sogar Demonstrationen gegen Falco.
Falco selbst betonte wohl immer wieder, dass „Jeanny“ ein Antikriegslied sei, das die dunklen Seiten der menschlichen Natur thematisiert. Er habe lediglich auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam machen wollen. Wie der Song von Falco wirklich „gemeint“ war, würde wohl nur er selbst beantworten können. Ich persönlich finde es wichtig, dass Kunst bewegt oder Bewegung entstehen kann, in welche Richtung auch immer. Und das ist mit „Jeanny“ auf jeden Fall passiert!
Trotz der Kontroversen wurde der Song zu einem der größten Hits von Falco und verhalf ihm zu internationaler Bekanntheit. Er war ein wichtiger Teil der Neuen Deutschen Welle und gilt heute als ein Klassiker der deutschsprachigen Popmusik.
Im Falco Song „Junge Römer“, dessen Video 1984 im nahen Palais Auersperg im Rosenkavaliersaal und auf der Feststiege gedreht wurde, geht es um Lebensfreude, Lebenslust. Was bedeutet dies für Dich heute?
Der Songtext von „Junge Römer“ von Falco ist bis heute aktuell und regt zum Nachdenken über die Bedeutung von Lebensfreude und Lebenslust an. In einer Welt, die oft von Stress, Leistungsdruck und Zukunftsängsten geprägt ist, kann es wichtig sein, sich auf die schönen Dinge im Leben zu konzentrieren, um das Leben dennoch in vollen Zügen genießen zu können.
Die Botschaft des Liedes ist zeitlos: Lebe im Hier und Jetzt, genieße den Moment und verschwende keine Zeit mit Sorgen über die Zukunft oder Grübeleien über die Vergangenheit. Sei du selbst und verstelle dich nicht, um anderen zu gefallen, sondern lebe dein Leben nach deinen eigenen Vorstellungen. Umgib dich mit positiven Menschen, suche die Gesellschaft von Menschen, die dich glücklich machen und dich unterstützen. Tue, was dir Spaß macht, verfolge deine Leidenschaften und Hobbys und lass dich nicht von anderen davon abbringen. Sei dankbar für das, was du hast, konzentriere dich auf die positiven Dinge in deinem Leben und sei dankbar für sie.
„Junge Römer“ ist ein Lied, das uns daran erinnert, dass das Leben zu kurz ist, um unglücklich zu sein. Es ist eine Aufforderung, das Leben in vollen Zügen zu genießen und sich von den Widrigkeiten des Alltags nicht unterkriegen zu lassen.
Das Lied wurde in den 1980er Jahren geschrieben, einer Zeit des Kalten Krieges und der Angst vor einem Atomkrieg. In diesem Zusammenhang kann das Lied als ein Ausdruck von Lebensfreude und Rebellion gegen die Unsicherheit der Zeit gesehen werden. Der Text des Liedes deutet auch eine Kritik an der Konsumgesellschaft an, in der es oft nur um Materialismus und Status geht. Die „Jungen Römer“ wollen sich davon abgrenzen und ihr Leben nach ihren eigenen Werten gestalten.
Du bist Schauspielerin, Sängerin. Hättest Du Dir ein Projekt mit Falco vorstellen können und wenn ja, welches?
Puuuh, viele seiner Songs und Alben bieten eine breite Palette an Charakteren und Geschichten, die darstellerisch spannend sein können. Ein konkretes Projekt kann ich da jetzt gar nicht benennen. Aber wenn er mich gefragt hätte, hätte ich auf jeden Fall „JA“ gesagt!
Es ist ein großartiger variantenreicher 80thies Style, den Du zum Fotoshooting hier gewählt hast. Welche Schwerpunkte hast Du da gesetzt und was bedeutete Mode, Style in den 80er Jahren und was dieser Modestil heute?
Ich bin ja ein totaler 80er Fan! In den 1980er Jahren war Mode ja ein Ausdruck von Individualität und Rebellion. Es gab eine Vielzahl von Stilen, die von Punk über New Wave bis hin zu Glam Rock reichten. Also Schulterpolster, Leggins, knallige Farben, Locken – das liebe ich!
Und die Mode der 80er Jahre ist ja auch heute wieder im Kommen. Viele der ikonischen Trends aus dieser Zeit sind wieder modern und werden neu interpretiert. Ob übergroße Blazer, Leggings oder Neonfarben – die 80er sind zurück und machen mir persönlich einfach Spaß und gute Laune! Ist wie nen mentaler Kleiderschrank.
Was kannst Du als Künstlerin von Falco mitnehmen?
Falco ist ein Meister der stilistischen Vielfalt. Er kombinierte verschiedene Musikstile zu einem einzigartigen Sound. Seine Fähigkeit, musikalische Grenzen zu überschreiten und mit Genres zu experimentieren, kann als Inspiration für andere Künstler*innen dienen. Seine ironischen und witzigen Texte verliehen seiner Musik eine besondere Note und regten das Publikum zum Nachdenken an. Falco nutzte seine Stimme, um gesellschaftliche Themen anzusprechen und zu kritisieren, was dazu ermutigt, die eigene Stimme für Veränderungen zu nutzen. Seine Kunstfigur war faszinierend und kontrovers zugleich und zeigte, wie man die eigene Persönlichkeit und Identität künstlerisch zum Ausdruck bringen kann. Falcos Mut, neue Wege zu gehen und Risiken einzugehen, kann als Beispiel dienen, mutig zu sein, neue Ideen auszuprobieren und den eigenen Weg zu gehen. Seine Kreativität, Innovationsfreude und Fähigkeit, Menschen zu berühren, inspirieren mich sowohl als Mensch, als auch als Musikerin.
Wie war Dein Weg zum Schauspiel, zur Musik?
Meine Mutter war Tänzerin, mein Vater technischer Leiter am Theater. Ich bin also quasi in die Theaterwelt rein geboren worden. Schon als Kind waren es die besonderen Momente, wenn ich am Abend mal mit zu einer Vorstellung ins Metropol Theater Berlin (heute Admiralspalast) durfte und Theaterluft schnuppern konnte. Am Schönsten fand ich es, hinter der Bühne in den Kulissen herumzulaufen – alles war so groß, eine ganz andere Welt und es hat so gut moderig geduftet – und danach im Sessel in der Garderobe zwischen all dem Gewusel einzuschlafen. Das hat mich irgendwie total beruhigt. Ich muss sagen, dass ich das große Glück hatte, dass mich meine Mutter künstlerisch von klein auf gefördert und unterstützt hat. Das ist ja echt nicht selbstverständlich. Ich war schon früh im Tanzunterricht, habe im Chor gesunden, war in einer Musicalcompagnie, Theatergruppen, auf einem Musik Gymnasium, hatte später dann die ersten Bands… Und zum Glück wurde ich nicht in den klassischen Tanz gedrängt. Meine Mutter selbst, war ja auf der Berliner Ballettschule und wusste nur zu gut, wie schlimm es ist, wenn der Körper irgendwann abbaut und man als Tänzerin ab einem bestimmten Alter einfach von der Bildfläche verschwindet. Wie verbrauchte Ware. Und erst Recht, wenn man aus der DDR kam. Das ist sehr schmerzhaft. Ich weiß, dass sie bis zum Schluss noch oft vom Tanzen geträumt hat… Da war es fast eine Erleichterung, dass ich mich schon sehr früh eher für die Schauspielerei interessiert habe – also seit ich 9 Jahre alt war, war das dann eigentlich sonnenklar – dass ich Schauspielerin werden möchte und dass es da auch keinen anderen Weg für mich gibt. Und so ist es ja dann auch gekommen: Schauspielstudium an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München, Erstengagement am Salzburger Landestheater und dann auf ins Freelancer Leben mit allen Feinheiten, Verrücktheiten, Hindernissen, Überraschungen, neuen Begegnungen, Tücken, hellen und grauen Tagen…
Was sind Deine aktuellen Projektpläne?
Als Schauspielerin stehe ich noch bis März in der Produktion „“Mondmilch trinken, immer und jetzt / Dein Solarplexus ist mir egal“ (Gewinnerstück der Österreichischen Theaterallianz 2023 – Koproduktion der Bregenzer Festspiele mit dem klagenfurter ensemble und dem Theater KOSMOS Bregenz, in Kooperation mit der Österreichischen Theaterallianz) am Schauspielhaus Salzburg, Schauspielhaus Wien und im Theater am Lend auf der Bühne. Darauf freue ich mich schon sehr! Außerdem arbeite ich zur Zeit an meinem musikalischen Soloprojekt „CARUS“. Obwohl, so ganz solo ist es nicht, weil ich das Glück habe mit dem wunderbaren Musiker Bernhard Hammer und Produzenten Julian Hruza von Hruza Labels zusammenzuarbeiten. Im Februar sind die ersten Studioaufnahmen und ich bin schon sehr gespannt, wo die Reise hingeht…
Mit meinem Verein „Fiese Matenten Kollektiv“ bin ich gerade in der Projektplanung für eine dokumentarisch-performative Stückentwicklung, welche die tödliche, neurologische Krankheit ALS ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken soll und tiefgreifenden Missstände und Lücken im Gesundheits- und Wertesystem unserer Gesellschaft aufgreift. Ein Herzensprojekt, da meine Mutter 2021 den Kampf gegen diese furchtbare Krankheit verloren hat. Das Projekt liegt jetzt schon länger auf der Pipeline und wir hoffen sehr auf finanzielle Unterstützung, um es 2026 endlich zu realisieren um zum Leben erwecken zu können. Neben meiner künstlerischen Arbeit, gebe ich Workshops als Mentaltrainerin im Einzel- und Gruppensetting und habe eine „NÜCHTERN?“ Gruppe gegründet, in der ich den Konsum von Alkohol thematisiere – diese Arbeit ist für mich sehr erfüllend und ein toller Ausgleich – mal raus aus dieser Kunst-Theater Blase. Nebenher mache ich noch mein Zertifikat als Trauerbegleiterin am Hospiz in Salzburg.
Na und ansonsten hoffe ich auch noch auf ein paar weitere Engagements als Schauspielerin – da darf dieses Jahr gerne noch was dazu kommen 😉
Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?
Jetzt
Empathisch
Abenteuerlustig
Neugierig
Natürlich
Yin & Yang
Station bei Falco/Jeanny _ Claudia Carus, Schauspielerin, Sängerin _ Wien Jeanny _ 40 Jahre _ 1985 _ Fotos _ Originalschauplatz _ Wien.
Vielen Dank, liebe Claudia, für Deine Zeit in Bild, Style und Interview bei Falco/Jeanny, viel Freude und Erfolg für alle Projekte 2025!
Claudia Carus und Walter Pobaschnig beim „Jeanny“ Fotoshooting am Original-Videoschauplatz „Jeanny“ 1985 _ Wien/Karlsplatz 1/25
Aktuelle Produktion mit Claudia Carus:
„MONDMILCH TRINKEN – immer und jetzt / dein Solarplexus ist mir egal“
Zur Person/über mich:Nivesist die Gründerin von StimmWunder und arbeitet in Wien. Sie ist Vocal Coach, Sprecherin und Sängerin und leitet alle StimmWunder-Ausbildungen. Sie ist auch Mentaltrainerin und psychosozialer Coach (LSB) und verbindet Psychologie und Stimmtraining. Sie studierte Gesang, Kommunikationswissenschaft und Anglistik.
Liebe Nives Farrier, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Meine Tage sind total unterschiedlich, was ich liebe. Ich beginne meistens mit einem guten Smoothie zum Frühstück, und ab dann ist jeder Tag anders. An manchen beginne ich in der Früh mit Vocal Coachings, trainiere dann selbst und arbeite abends an neuen Ideen. Und an anderen Tagen habe ich den ganzen Tag über Gesangsausbildung und verbringe den Abend mit Freunden oder Familie. Und an wieder anderen Tagen gehe ich ins Tonstudio, treffe Menschen für Kooperationen oder gönn` mir mehr unstrukturierte, kreative Zeit.
Nives Farrier, Sängerin, Vocal Coach
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Teamwork und Persönliches Wachstum. Krisen kommen und gehen, aber die Zeit, die wir haben, ist begrenzt. Die Frage ist, wie wir uns entwickeln und in Bewegung bleiben. Ich würde immer zuerst in die persönliche Entwicklung und Lernen investieren, als in andere, materiellere Dinge. Und der Zusammenhalt ist das, was uns ein Gefühl von Sicherheit gibt. Ich finde, man darf sich aussuchen, wen man in seinem „Team des Lebens“ hat.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?
Musik verbindet und hilft uns unsere Gefühle zu spüren. Und Kunst im Allgemeinen hat diesen Standpunkt von außerhalb, und spiegelt alles was schief geht und alles was gut läuft in einer Gesellschaft. Es ist wie ein kritischer Pfeiler, der uns im besten Fall auf Missstände hinweist und Halt gibt. Wesentlich wird sein, dass wir gut mit uns selbst umgehen, erst dann können wir aus dem Vollen schöpfen und anderen geben und auch diese Funktion, die der Musik zukommt, umsetzen.
Was liest Du derzeit?
„Vocal Psychotherapie“, ein Fachbuch über die psychologische Wirkung der Stimme
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Man it takes a long time to sound like yourself” Miles Davis
Vielen Dank für das Interview, liebe Nives, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Nives Farrier, Sängerin, Vocal Coach
Zur Person/über mich:Nives ist die Gründerin von StimmWunder und arbeitet in Wien. Sie ist Vocal Coach, Sprecherin und Sängerin und leitet alle StimmWunder-Ausbildungen. Sie ist auch Mentaltrainerin und psychosozialer Coach (LSB) und verbindet Psychologie und Stimmtraining. Sie studierte Gesang, Kommunikationswissenschaft und Anglistik.
Lieber Michael Wachelhofer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
In der Früh mal auf, Frühstück, Kaffee, daneben Mails checken und im Generellen schauen, was es in der Welt so Neues gibt. Danach… kommt es darauf an. Ist ein Filmshoot am Plan, Sachen zusammenpacken, ab aufs Set … wenn nichts ansteht, findet sich zuhause immer irgendetwas, das zu tun ist. Ich versuche, einen halbwegs geregelten Tagesablauf einzuhalten und in etwa immer zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen. Gelingt aber leider nicht immer…
Michael Wachelhofer, Schauspieler, Musiker
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Optimismus. Das Leben ist gut. Und das Leben geht weiter.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?
Ich traue mich mal behaupten, dass es in der Kunst-/Kulturbranche für alle „Gürtel enger schnallen“ heißen wird. Das liegt zum Teil an der generellen wirtschaftlichen Lage, zum anderen Teil wird die kommende Regierung wohl Fördermittel und Subventionen kürzen. Das bedeutet für jeden einzelnen, sein Bestes zu geben, zu proben, üben, wiederholen… es wird sich wohl die Spreu von Weizen trennen, wie man so schön sagt, und es werden am Ende wohl die übrigbleiben, die etwas in Ihrem Fach können und gut sind. Persönlich finde ich es aber durchaus auch positiv, dass nicht mehr jeder Müll gefördert werden wird. Bei manchen Dingen greift man sich dann doch schlichtweg am Kopf, und es ist am Ende Steuergeld, für das Menschen hart arbeiten müssen.
Was liest Du derzeit?
Die Biografie von Lol Tolhurst, Gründungsmitglied und jahrelang Schlagzeuger/ Keyboarder von „The Cure“. Extrem witzig geschrieben, aber es zeigt auch seine dunklen Seiten und seinen Weg, von ganz unten (Alkoholismus) wieder rauf zu kommen. Ich finde das extrem inspirierend.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Don’t wait for heroes, believe in yourself, you’ve got the power“. Das ist aus einem Song von Dennis DeYoung, Sänger von Styx. Für mich so eine Art Lebensmotto – es liegt immer an einem selbst, wo man im Leben steht und was man daraus macht.
Vielen Dank für das Interview, lieber Michael, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Musikprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Michael Wachelhofer, Schauspieler, Musiker
Zur Person/über mich:Michael Wachelhofer, geboren in Wien, lebt seit etwa 20 Jahren „vorübergehend“ im Bezirk Mödling. Absolvent der Technischen Hochschule, spielte aber daneben seit 1998 in der international recht erfolgreichen Band „Cornerstone“, die neben einer mehrwöchigen US-Tour auch Chart-Notierungen und Auftritte bei mehreren namhaften Festivals – vornehmlich in Großbritannien – hatte. Seit einigen Jahren im Film-/Schauspielgewerbe tätig, unter anderem bei „La Clemenza di Tito“ im Rahmen der Wiener Festwochen, „My Fair Lady“ (Seefestpiele Mörbisch) und in einer der größeren Rollen im Musical „Judas – ein Mensch“.
Foto: Reinhard Müller
5.2.2025_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Zur Person: Alina Jacobs is working as a dance artist and pedagogue, specialized in dance improvisation (LPDC®), as well as a Gyrokinesis and Gyrotonic Trainer. She loves creating inner connections and harmony within the body, between people, in dance compositions, and in life. She finds fulfillment in expressing herself freely through dance and guiding others in discovering their inner artistic power and the vitality that comes from it.
Foto_ Jane Alice Liu.
5.2.2025_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.
Lieber Daniel Wagner, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Zurzeit wache ich um etwa sieben Uhr auf und widme die erste Stunde meines Morgens Kaffee und Zigaretten. Es folgt die letzte feste Struktur des Tages in Form eines Müslis und ab dann wird es bunt. Meditation, Sport, Schreiben, Musik, Freund*innen, Termine, Zeit am Handy verschwenden, Zeit draußen nutzen, Zeit genießen, Zeit fürs Bett.
Daniel Wagner, Schriftsteller
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Selbstliebe. Ich suche seit Jahren nach der Wurzel unserer Probleme, gesellschaftlich wie persönlich, und ich bin der Meinung, dass aus aufrichtiger Liebe zu sich selbst, nichts Böses hervorgehen kann.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Wissenschaft, der Kunst an sich zu?
Ich glaube nicht, dass wir auch nur im Ansatz verstanden haben, auf welchen gewaltigen Scheißhaufen wir gerade zurasen. Die Wissenschaft und die Kunst kann hier einen notwendigen Beitrag leisten, indem sie selbstbestimmt, unbequem und laut auftritt.
Was liest Du derzeit?
Ich hab` erst kürzlich mein erstes Buch von Peter Handke gelesen und war nach zwei drei Seiten verliebt. Da gibt es jetzt einiges nachzuholen.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
All of humanity’s problems come from their inability to sit quietly in a room, alone.” – Blaise Pascal
Vielen Dank für das Interview, lieber Daniel, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Daniel Wagner, Schriftsteller
Zur Person/über mich: Daniel Wagner ist 1989 in Villach geboren und aufgewachsen. Mit 20 zog er nach Wien, um Kommunikation zu studieren und im Anschluss als Werbetexter zu arbeiten. Diverse Kreativ- Awards und zu viel Wein später lieferte seine Alkoholkrankheit den Stoff für sein erstes Buch. Heute ist er seit fünf Jahren trocken und lebt wieder in Villach, wo er schreibt, atmet und gedeiht.
Aktuelles Buch von Daniel Wagner:
DER EWIGE KATER Das Läuten des Weckers meiner Freundin durchdringt mich. Ich habe die Zeit übersehen und gerate in Stress. Mein erster Impuls ist zu überprüfen, ob ich betrunken genug bin, um den Morgen zu überstehen. Wie führt man ein Leben im Sog der Sucht? Wie fühlt es sich an, am Totenbett der eigenen Mutter besoffen sein zu müssen, weil nichts wichtiger ist als der nächste Schluck?
In gnadenloser Offenheit schreibt Daniel Wagner in „Trocken“ von dem Monster, das über Jahre hinweg jeden Moment definierte.
„Mit klarem Blick seziert Daniel Wagner das Leben, das er sich der Sucht wegen aufgebürdet hat: Der Gedanke an den nächsten Schluck überlagert alle anderen. Enge Beziehungen opfert er seinem notwendigen Lügenkonstrukt und selbst im Angesicht des Todes zieht er sich weiter hinein in den Abgrund. Denn je mehr ihn der Alkohol niederschlägt, umso mehr braucht er ihn. Bis es ihm irgendwann reicht.
In seinem Debüt schaut er seinem eigenen Alkoholproblem ebenso schonungslos ins Antlitz wie dem kollektiven Selbstbetrug Österreichs, der das Hineinschlittern in den Alkoholismus so kinderleicht macht. Daniel Wagner offenbart, worauf der ewige Kater den Blick verstellt und wie schwierig es ist, nach dem Entzug die Lücke der Sucht mit Sinn zu füllen. Ein zutiefst lebensbejahendes Buch, das berührt, wachrüttelt und uns ehrlicher mit uns selbst umgehen lässt. Und letztlich auch fürsorglicher.“
Lieber Daniel Carinsson, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen, Nachrichten vermeiden, Sorgen machen, Druck spüren, Arbeiten. Zeit für Aktivismus aus den Rippen schneiden, Leute kontaktieren, Social Media, Arbeiten, Zeit zum Schreiben aus den Rippen schneiden, Nachrichten doch checken, Sorgen machen, Druck in Aktivität wandeln, Pläne machen, Schlafen.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Rückgrat.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Kunst und Literatur müssen jetzt feministisch sein. Wir erleben das verzweifelte, letzte Aufbäumen des Patriarchats. Literatur – vor allem auch Belletristik und der Mainstream – darf sich jetzt nicht zu Handlangern machen lassen. Kunst und Literatur waren immer auch Archive. Wir müssen festhalten, was geschieht, aufarbeiten, dokumentieren, Gründe und Verantwortung thematisieren und bei all dem nicht vergessen, die Menschlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen.
Was liest Du derzeit?
„Wo der spitzeste Zahn der Karawanken in den Himmel hinauf fletscht“ von Julia Jost und „Die schlechte Gewohnheit“ von Alana S. Portero
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
‚Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.‘ (1.Mose 1,27)
Als Mann UND Frau – nicht Mann ODER Frau!
Daniel Carinsson, Schriftsteller
Vielen Dank für das Interview, lieber Daniel, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Daniel Carinsson, Schriftsteller
Zur Person/über mich:Daniel Carinsson
Geboren 1968 in Berlin; klassischer Kreuz-und-Quer-Einsteiger. Studierter Toningenieur, später Musikproduzent, Werbetexter, zwischenzeitlich Bandleader in den USA, dann PR-Profi, Veranstalter sowie Betreiber eines Musiklabels in Wien und schließlich Social-Media-Manager, Online-Redakteur und Schriftsteller.
Nachdem ich in meiner ersten Lebenshälfte stark von US-amerikanischen Einflüssen der Popkultur geprägt war, galt mein Interesse seit den Nullerjahren vor allem Zentral- und Osteuropa, durch das ich als Band- und Kulturmanager ausgedehnte Reisen unternommen habe. Dem Westbalkan und der Kultur der Roma widme ich seither meine besondere Aufmerksamkeit. Vor gut zehn Jahren wählte ich folgerichtig auch einen Ort an der Donau nahe der slowakischen Grenze als Schaffensbasis, wo ich im Lichtatelier einer Jahrhundertwendevilla mit bewegter Vergangenheit lebe und arbeite. 2011 erschien mein erster Roman, gefolgt von diversen Kurzgeschichten, einem historischen und zwei weiteren Kriminalromanen. Der jüngste, „Naked Identity – Wer ist Aya K?“, spielt größtenteils in der Ukraine und handelt von der Auseinandersetzung einer Romni mit Rassismus, Antifeminismus und der eigenen Vergangenheit.
Von Mai 2015 bis Mai 2018 war ich Mitglied im dreiköpfigen Sprecherteam der Autorengruppe SYNDIKAT. Weiterhin bin ich als Webmaster und Multimediaproduzent im und für das SYNDIKAT aktiv.
Geboren 1968 in Berlin; klassischer Kreuz-und-Quer-Einsteiger. Studierter Toningenieur, später Musikproduzent, Werbetexter, zwischenzeitlich Bandleader in den USA, dann PR-Profi, Veranstalter sowie Betreiber eines Musiklabels in Wien und schließlich Social-Media-Manager, Online-Redakteur und Schriftsteller.
Nachdem ich in meiner ersten Lebenshälfte stark von US-amerikanischen Einflüssen der Popkultur geprägt war, galt mein Interesse seit den Nullerjahren vor allem Zentral- und Osteuropa, durch das ich als Band- und Kulturmanager ausgedehnte Reisen unternommen habe. Dem Westbalkan und der Kultur der Roma widme ich seither meine besondere Aufmerksamkeit. Vor gut zehn Jahren wählte ich folgerichtig auch einen Ort an der Donau nahe der slowakischen Grenze als Schaffensbasis, wo ich im Lichtatelier einer Jahrhundertwendevilla mit bewegter Vergangenheit lebe und arbeite. 2011 erschien mein erster Roman, gefolgt von diversen Kurzgeschichten, einem historischen und zwei weiteren Kriminalromanen. Der jüngste, „Naked Identity – Wer ist Aya K?“, spielt größtenteils in der Ukraine und handelt von der Auseinandersetzung einer Romni mit Rassismus, Antifeminismus und der eigenen Vergangenheit.
Von Mai 2015 bis Mai 2018 war ich Mitglied im dreiköpfigen Sprecherteam der Autorengruppe SYNDIKAT. Weiterhin bin ich als Webmaster und Multimediaproduzent im und für das SYNDIKAT aktiv.
Liebe Stefanie Gregg, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Ich stehe auf und beginne, mit einem Kaffee, das, was mein Leben ausmacht: dem Schreiben.
Was nicht bedeutet, dass man Worte aneinanderreiht. Man denkt nach, man möchte etwas sagen, etwas ausdrücken, etwas erzählen. Man ringt mit dem, was man mitteilen möchte. Man recherchiert, für ein Buch jahrelang, man schreibt, man ändert jeden Satz, man zweifelt an jedem Wort. Man bringt etwas zu Papier, das nach langer Zeit und viel bürokratischem Branchenaufwand Menschen erreicht.
Und dann hofft man, dass von dem Gemeinten etwas bei den Menschen ankommt.
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Jede Sekunde müssen wir jetzt aufmerksam sein, wach, wachsam. Und klar sein, gegen jene Menschen, die vorgeben, Wahrheiten zu haben und Lösungen für alles. Denn für große Probleme gibt es keine einfachen Lösungen und so unangenehm und schwer dies ist, müssen wir das, sanft und mühsam erklären.
Wir müssen achtsam sein, zwischen den Zeilen lesen, wir müssen warnen, und, wenn es nötig ist, müssen wir mutig und laut sein.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Literatur muss wehrhaft sein, immer, aber nun ganz besonders. Literatur muss zum selbständigen Denken aufrufen, muss einfache Wahrheiten anzweifeln und überprüfen, muss neue Wege suchen und immer nach dem Einen suchen: nach dem Menschen.
Was liest Du derzeit?
Juli Zeh: Corpus Delicti.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Ich fürchte mich so vor der Menschen Wort. Sie sprechen alles so deutlich aus: Und dieses heißt Hund und jenes heißt Haus, und hier ist Beginn und das Ende ist dort.
Mich bangt auch ihr Sinn, ihr Spiel mit dem Spott, sie wissen alles, was wird und war; kein Berg ist ihnen mehr wunderbar; ihr Garten und Gut grenzt grade an Gott.
Ich will immer warnen und wehren: Bleibt fern. Die Dinge singen hör ich so gern. Ihr rührt sie an: sie sind starr und stumm. Ihr bringt mir alle die Dinge um.
Rainer Maria Rilke
Stefanie Gregg, Schriftstellerin
Vielen Dank für das Interview, liebe Stefanie, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:Stefanie Gregg, Schriftstellerin
Zur Person/über mich:Stefanie Gregg, geboren 1970 in Erlangen, studierte Philosophie, Kunstgeschichte, Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie promovierte über „Das Lachen“. Ihren beruflichen Einstieg hatte sie im Bereich Bucheinkauf bei Bertelsmann. Als Unternehmensberaterin arbeitete sie dann bei der Top-five-Unternehmensberatung Kearney mit Schwerpunkt Medien. Nun schreibt die Münchner Autorin Romane, Kriminalromane und Kurzgeschichten.
Die Süddeutsche Zeitung schreibt über sie: »Sensorium für Hintergründiges – Die Autorin Stefanie Gregg schaut gerne in die Tiefen der Psyche.«
Stefanie Gregg ist Mitglied im PEN Berlin.
Zudem im Autorenverband DAS SYNDIKAT und im Netzwerk der Krimiautorinnen MÖRDERISCHE SCHWESTERN
Eine Frau und eine große Liebe. Ein Tod und ein Neuanfang.
Koffer voller Briefe haben sie gefunden, erklären zwei Polizisten dem erstaunten Elias. Alle an ihn gerichtet. Geschrieben jeden Tag seit dreißig Jahren von einer Frau, die ihn liebte. Und die gestorben ist, ohne ihn je wiedergesehen zu haben, nachdem er sie als Achtzehnjähriger nach einer kurzen Beziehung verlassen hatte.
Elias begibt sich auf die Suche nach dem Leben dieser Frau, und damit auch auf die Suche nach sich selbst.