Donna Leon, Backstage. Diogenes Verlag.

„Backstage“, der Titel für diesen Essayband der Bestseller Autorin Donna Leon, deren Brunetti Venedigkrimis beispiellos erfolgreich sind und ein Genre wesentlich mitprägten, ist ein bestens gewählter.

Wer ist Donna Leon? Im Blick hinter den Star-Vorhang?

Wie sieht es hinter der großen Literatur-Bühne der weltweit gefeierten Autorin, die 1942 in New Jersey/USA geboren ist und deren berufliche Wege rund um die Welt führten, um schließlich in Venedig unvergleichlich Ort, Mensch, Zeit, Leben, Gesellschaft spannend, humorvoll, kritisch ins Wort zu setzen, aus?

Welche Wege, Stationen, Inspirationen gab und gibt es?

Der wunderbar zusammengestellte Essayband lädt zu einer spannenden, kurzweiligen, interessanten Reise zu einem Autorinleben ein und lässt an ihren Reisen, Projekten, Kunst- und Gesellschaftsperspektiven, Mensch- und Weltsicht in ganz neuen Zugängen teilhaben. Entdeckung und Überraschung für Fans und Neugierige, ein großartiges Leseerlebnis!

„Ein Buch als einmaliges „Backstage“ Ticket zu Werk und Leben der unvergleichlichen Bestsellerautorin – Donna Leon.“

Donna Leon, Backstage. Diogenes Verlag.

Aus dem amerikanischen Englisch von Werner Schmitz, Christa E. Seibicke u. a.

Hardcover Leinen

256 Seiten

ISBN 978-3-257-07327-0

€ (D) 25.00 / sFr 34.00* / € (A) 25.70

Walter Pobaschnig 6/25

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„Atmen. Leben. Abwaschen. Handy aus. Zuhören.“ Doris Leeb, Künstlerin _ Salzburg 5.6.2025

Liebe Doris Leeb, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Mein Tagesablauf besteht aus Tagesablauf von mir und meinen Kindern planen, logopädische Therapie planen, durchführen und dokumentieren, Theatertext lernen, die Kinder zum Mathe lernen motivieren und dazwischen leben, atmen und abwaschen. Noch irgendwo dazwischener: schreiben. Romananfänge. Gedichte. Fragmente. Einkaufslisten. Fetzen. Anträge. Morgenseiten. Diese Antworten.

Doris Leeb, Schriftstellerin, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Atmen. Leben. Abwaschen. Handy aus. Zuhören. Anschauen. Atmen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich wird sein, dass wir uns wirklich wahrnehmen. Uns selbst und andere. Das wir uns Brücken zueinander bauen und dann auch drüber gehen. Das dürfen wir wieder lernen. Kunst und Literatur kann, wird und muss dabei helfen!

Was liest Du derzeit?

Ich lese im Moment „Es werden schöne Tage kommen“ Von Zach Williams, „Kierkegaard für Gestresste“ (Hrsg. v. Johan de Mylius) und Gedichte von Christine Nöstlinger.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Dieses Zitat ist letzte Woche zu mir herein geflattert und seither beschäftigt es mich: „Sprache ist das Haus des Seins“ (Martin Heidegger). Welch schöner Satz. Sofort gefühlt. Aber auch verstanden? Was meint ihr?

Vielen Dank für das Interview, liebe Doris, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Doris Leeb, Schriftstellerin, Schauspielerin

Aktuelles Buch von Doris Leeb:“Menscha” Dialektpoesie

https://www.dorisleeb.at/schreiben

Foto: Manuela Fuchs

Walter Pobaschnig 3/6/25

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„Literatur lässt mehrere Wirklichkeiten erfahren“ Milena Michiko Flasar, Schriftstellerin _ Wien 4.6.2025

Liebe Milena Michiko Flašar, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Sehr ruhig und entspannt. Morgens laufe ich eine kleine Runde, danach setze ich mich an den Schreibtisch und arbeite. Im August dieses Jahres erscheint ein Erzählband von mir – „Der Hase im Mond“. Momentan gehe ich zusammen mit meiner Lektorin die Fahnen durch. Eine schöne Phase. Etwas, woran ich lange gesessen habe, nimmt nun Buchform an. Für den letzten Schliff braucht es einen ruhigen und entspannten Blick.

Milena Michiko Flašar, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Für uns alle zu sprechen, ist schwierig. Ich persönlich finde es wichtig, mich und meine Meinungen immer wieder einmal in Frage zu stellen bzw. eine distanzierte Haltung dazu einzunehmen. Recht haben wollen – das ist etwas, worauf ich gerne verzichte.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Die Literatur bewahrt uns vor der schon oben erwähnten Rechthaberei. Indem sie uns die unterschiedlichsten Lebensläufe vor Augen führt, erlaubt sie es uns, in die Schuhe eines anderen zu schlüpfen und uns in aktivem Mitgefühl zu üben. Aufbruch und Neubeginn sind nur dann möglich, wenn wir aus der Enge unseres Selbst heraustreten und uns weitmachen für die Wirklichkeit, die uns umgibt. Dass es immer mehrere Wirklichkeiten sind – nicht nur eine – ist, was wir lesend erfahren können. 

Was liest Du derzeit?

Yukio Mishimas „The Frolic of the Beasts”. Ein typischer Mishima: Kraftvoll, verwegen, hart und an die Grenzen des Moralischen bzw. darüber hinaus gehend.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

In Yasunari Kawabatas „The Rainbow“, das ich vor Kurzem gelesen habe, heißt es an einer Stelle: „Don´t dwell too much on worry. Life brings tears at times, joy at others.“ Diese zwei Sätze haben mich – trotz oder wegen ihrer Einfachheit – angesprochen. So banal sie daherkommen, verbirgt sich ihnen eine Lebensaufgabe. Kummer und Freude, sie wechseln einander ab. Mal geht es rauf, mal geht es runter. Dies still zu bezeugen, ohne an jedwedem anzuhaften, das würde ich gerne können.

Vielen Dank für das Interview, liebe Milena, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Milena Michiko Flašar, Schriftstellerin

Zur Person: Milena Michiko Flašar, geboren 1980 in St. Pölten, hat in Wien und Berlin Germanistik und Romanistik studiert. Sie ist die Tochter einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters. Ihr Roman „Ich nannte ihn Krawatte“ wurde über 100.000 Mal verkauft, als Theaterstück am Maxim Gorki Theater uraufgeführt und mehrfach ausgezeichnet. Er stand unter anderem 2012 auf der Longlist des Deutschen Buchpreises und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Die Autorin lebt mit ihrer Familie in Wien.

Foto: Helmut Wimmer

Walter Pobaschnig 1/6/25

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„Giving“ Arsen Gürer, Musiker _ Give Peace A Chance _ Wien 3.6.2025

 NOTYOURORDINARY _
Arsén Gürer (links) und Michael Auinger _
aktuelles gemeinsames Musikprojekt _:

GIVE PEACE A CHANCE

GIVING

IS

VASTLY

EVOLUTIONARY,


PROBABLY

ELEVATES

A

CHANGE

EFFECT


AND


CRUELTY

HAS

A

NEEDLE-LIKE,

CATASTROPHIC

EMPTINESS


ARSEN GÜRER, 1.6.2025

Arsén Gürer, pianist and composer

GIVE PEACE A CHANCE

Arsén Gürer, pianist and composer

Zur Person: Growing up in a musical family, Arsén Gürer developed a love for the piano at a young age. His teacher and mentor was his grandfather, also a professional violinist/pianist and composer in Istanbul.

After graduating from the Austrian College St. Georg in Istanbul, Arsén came to Vienna to study musicology, classical composition and jazz piano. He completed his education with Wolfgang Reisinger, Martin Wöss, Michael Tiefenbacher, Alexandra Karastoyanova Hermentin, Clemens Salesny and Ulf Diether Soyka, among others.

Arsén worked as a music director at the International Cultural Association Nazim Hikmet and composed as a freelancer for short films and digital advertisements, whilst performing several concerts with his band Filler’s End, as well as numerous collaborations with professional musicians in various locations throughout Austria and Europe.

Currently, Arsén is living in Vienna, working on his solo piano album, the album of his newest electro-acoustic project NOTYOURORDINARY together with Michael Auinger, and several freelance composing & sound-design projects, such as the award-winning film „That Crow at the End“ with the next showing on January 7th at the Chicago Blowup Film Festival. 

In addition to his music, he has been offering workshops and lessons for piano, keyboard & synthesizers for over 10 years. Arsén wants to pass on his passion for music to others and inspire them to create music themselves.

http://www.instagram.com/arsen.gurer

Fotos: privat

Walter Pobaschnig 1/6/25

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„Musik hat symbolische Stärke“ Arsen Gürer, Musiker _ Wien 3.6.2025

Lieber Arsén Gürer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus

Als selbstständiger Musiker soll man ziemlich diszipliniert unterwegs sein, also teile ich meine Tage systematisch unter Üben, Komponieren/Produzieren, PR/Organisatorische Beschäftigungen, Unterrichten und Sport. Ich würde eigentlich viel lieber nur komponieren/produzieren, aber dann hat man 100 Stücke, die nie gespielt werden und von niemandem gehört sind und das wäre selbstverständlich nur schade.  J

Arsén Gürer, pianist and composer

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Selbstreflexion und ein starkes Verständnis von globalen Ereignissen sind besonders wichtig, wenn wir uns weiterentwickeln wollen, egal was für eine Kunstform wir beherrschen.

In meinem Fall möchte ich meine Sounddesignfähigkeiten entwickeln, um Schreien, Bomben, Ausbeutung, Manipulation, Medienkontrolle, Biowaffen, Weinen, Trösten, Ärger, Oppression.. (ok, ich stoppe..) beschreiben zu können!

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Musik schafft unvergessliche, symbolische Momente. Eine Revolution hat immer einen OST-Playlist. Durch die Verschmutzung von Tiktok/Shorts, usw. wird Musik zu einer unpassenden ‚ „yeaah, burnnt!“-Hype-Rolle‘ gepusht. Aber auch das kommt von der symbolischen Stärke der Musik. Es wird immer Musiker geben, die diese Stärke für nötige, revolutionäre Ziele nutzen werden. Ohne irgendeine Fassade oder „Slay-Internetkultur“ wird Musik uns am Magen greifen und schütteln.

Aktuelles Musikprojekt von Arsén Gürer: NOTYOURORDINARYArsén Gürer und Michael Auinger

Was liest Du derzeit?

THE TYGER – William Blake

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

BE REALISTIC – DEMAND THE IMPOSSIBLE!

Vielen Dank für das Interview, lieber Arsén, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Arsén Gürer, pianist and composer

Zur Person: Growing up in a musical family, Arsén Gürer developed a love for the piano at a young age. His teacher and mentor was his grandfather, also a professional violinist/pianist and composer in Istanbul.

After graduating from the Austrian College St. Georg in Istanbul, Arsén came to Vienna to study musicology, classical composition and jazz piano. He completed his education with Wolfgang Reisinger, Martin Wöss, Michael Tiefenbacher, Alexandra Karastoyanova Hermentin, Clemens Salesny and Ulf Diether Soyka, among others.

Arsén worked as a music director at the International Cultural Association Nazim Hikmet and composed as a freelancer for short films and digital advertisements, whilst performing several concerts with his band Filler’s End, as well as numerous collaborations with professional musicians in various locations throughout Austria and Europe.

Currently, Arsén is living in Vienna, working on his solo piano album, the album of his newest electro-acoustic project NOTYOURORDINARY together with Michael Auinger, and several freelance composing & sound-design projects, such as the award-winning film „That Crow at the End“ with the next showing on January 7th at the Chicago Blowup Film Festival. 

In addition to his music, he has been offering workshops and lessons for piano, keyboard & synthesizers for over 10 years. Arsén wants to pass on his passion for music to others and inspire them to create music themselves.

http://www.instagram.com/arsen.gurer

Fotos: privat

Walter Pobaschnig 1/6/25

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„Even fire learns to fall“ Aleksandra Neric, Künstlerin _ Give Peace A Chance _ Bruck an der Leitha/NÖ 2.6.2025

Titel: Lichtwächter
Technik: Acryl auf Leinwand
Maße: 120x80cm
Jahr: 2024
Künstlerin: Aleksandra Neric
 (Info 1)

GIVE PEACE A CHANCE

Gathered from the ash of cries,

I have burned beneath my skies.

Voices left me wrapped in flame—

Every scar now speaks my name.


Peace was never soft or small,

Even fire learns to fall.

Amid the smoke, I found my breath,

Carved from silence, lit by death.

Every ending gave me flight.


Across the dusk, I rose in light.


Child of embers, torn and true,

Holding worlds the dark once knew.

All I loved and all I lost

Nest in feathers lined with frost.

Choosing pain, I found my name

Even ruin births the flame.

Aleksandra Neric, 31.5.2025

Aleksandra Neric, Künstlerin _ in ihrem Atelier
Werk: Pegasus
Maße: 120 × 80 cm
Technik: Acryl mit goldenen Akzenten
Jahr: 2024
 (Info 2)

GIVE PEACE A CHANCE

Aleksandra Nerić, Künstlerin

Zur Person: Aleksandra Nerić ist eine bildende Künstlerin serbischer Herkunft mit Wohnsitz in Österreich (Bruck an der Leitha). Sie ist die Begründerin des künstlerischen Ansatzes MetaLumina, der symbolische, philosophische und spirituelle Elemente durch Licht, Stille und intuitive Formen vereint. Ihr Schaffen ist stark von Mythologie, Archetypen und metaphysischen Themen geprägt – durch die sie innere Prozesse, die Kraft der Verletzlichkeit und künstlerische Transformation erforscht.

Aleksandra hat international ausgestellt, unter anderem in New York, Florenz, Venedig,
Wien, Barcelona und Mailand. Im Jahr 2024 wurde sie in New York mit dem Titel „Master
Award Artist“ 
ausgezeichnet und gewann die Global Art Competition. Im Jahr 2025 wurde sie für die Auszeichnung „Living Contemporary Artist in New York“ nominiert.

Neben der Malerei widmet sie sich auch der Poesie – ihre Gedichtsammlung „Die Stille, die ich trage“ erscheint demnächst in einer zweisprachigen Ausgabe (Serbisch–Englisch).

Bildinfos/Aleksandra Nerić:

1 „Lichtwächter“ Dieses Werk gehört zur Kunstbewegung MetaLumina, die durch die Symbolik von Licht, Stille und spirituellen Archetypen den inneren Raum des Seins erforscht. Die Darstellung eines Hirsches mit goldenen Geweihen steht für Wachsamkeit, Stärke und lichtvolles Dasein in der Dunkelheit. Die leuchtenden Geweihe erscheinen wie energetische Antennen, die unsichtbare Dimensionen verbinden – ein Zeichen innerer Reinheit und Verbindung zum Höheren. Vor schwarzem Hintergrund wird der Hirsch zum Symbol des inneren Lichts – still, aber wachsam.

2 „Pegasus„ , ein Symbol für geistige Freiheit und erhobene Bewegung, ist das zentrale Motiv dieses Werkes aus dem Zyklus mythischer Wesen im Rahmen des Kunstansatzes MetaLumina. Vor schwarzem Hintergrund werden die goldenen Flügel zum leuchtenden Kontrapunkt der Stille, während das weiße Pferd die reine Kraft der Intuition und die Unzähmbarkeit des inneren Impulses verkörpert. Dieses Gemälde vereint das Mythische mit dem Zeitgenössischen, das Reale mit dem Spirituellen – und schafft so ein Tor zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren. Raum inneren Erwachens verbinden. Der dunkle Hintergrund verstärkt das Heraustreten aus dem Unbewussten in einen höheren Schwingungszustand.

Fotos: privat

Walter Pobaschnig 31/5/25

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„Kunst gibt der Stille eine Form“ Aleksandra Neric, Künstlerin _ Bruck an der Leitha/NÖ 2.6.2025

Aleksandra Neric
Werk: „Code of Light: David’s Resonance”
Maße: 50×50
Technik: Acryl
Jahr: 2025
(1 Bildinfo _ unten)

Liebe Aleksandra Nerić, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

Mein Alltag ist ein harmonisches Chaos zwischen Kunst, Intuition und Wirklichkeit. Er beginnt meist mit einem Moment der Stille – einem inneren Impuls, der mich zum Pinsel, zum Wort oder zur Idee führt. Den Großteil des Tages widme ich dem kreativen Schaffen: dem Malen, Schreiben, der Erforschung von Symbolik und der Ausarbeitung meines eigenen künstlerischen Weges MetaLumina, der bald in theoretischer Form vorgestellt wird – durch ein Manifest, eine persönliche Erklärung und einen textuellen Rahmen des Konzepts.

Ich arbeite außerdem an meinem Gedichtband mit dem Titel „Die Stille, die ich trage“, einer inneren Landkarte der Verletzlichkeit, des Lichts und der spirituellen Reifung – die bald das Licht der Welt erblicken soll.

Was meinen Alltag jedoch wahrhaftig vervollständigt, ist meine Rolle als Mutter. Mutter zu sein ist meine tiefste Identität – eine Quelle der Kraft, des Lernens und der bedingungslosen Liebe. In diesem stillen Raum zwischen Kreativität und Mutterschaft entsteht meine innere Welt. 

Aleksandra Neric, Künstlerin _ in ihrem Atelier
Werk: Pegasus
Maße: 120 × 80 cm
Technik: Acryl mit goldenen Akzenten
Jahr: 2024
(Info 2)

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ehrlichkeit. In einer Welt voller Lärm und Oberflächlichkeit wird das, was wahrhaftig ist, heilend. Es ist nicht mehr wichtig, perfekt zu sein, sondern authentisch zu leben: zu fühlen, zu erschaffen und sich ehrlich zu verbinden – mit sich selbst, mit anderen Wesen, mit der Natur.

Ich glaube, dass die Kunst heute eine leise, aber kraftvolle Rolle hat – nicht um zu dominieren, sondern um zu berühren. Und genau das ist mir am wichtigsten: das Wahre in mir zu bewahren, selbst wenn sich im Außen alles verändert.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Wir stehen an der Schwelle einer Konfrontation mit unseren eigenen Grenzen. Als Gesellschaft verlieren wir zunehmend den Kontakt zum Wesentlichen – überflutet von Geschwindigkeit, Informationen, Konflikten. Die Welt befindet sich in einem angespannten Zwischenraum: zwischen Technologie und Menschlichkeit, zwischen Kontrolle und Freiheit, zwischen Lärm und echtem Dialog.

Künstler:innen tragen heute mehr denn je eine Verantwortung: nicht zu schweigen. Nicht nur Schönheit zu schaffen, sondern auch Zeugnis abzulegen, zu reagieren, Fragen zu stellen, die wehtun. Kunst verändert die Welt nicht über Nacht – aber sie kann Bewusstsein wecken und dort berühren, wo sonst nichts mehr durchdringt.

Wir stehen vor etwas Ungewissem. Und die Kunst bleibt einer der Orte, an dem Ehrlichkeit möglich ist.

Aleksandra Neric bei der Ausstellung in Golling (Österreich)
Werk: Echoes of Majesty
Maße: 60x80cm
Technik: Acryl auf Leinwand
Jahr: 2024
(4)

Was liest du zurzeit?

Zurzeit lese ich den Roman „Schuld und Sühne“ von Fjodor Dostojewski ein Werk, das in mir nicht nur literarische Bewunderung, sondern auch ein tiefes inneres Infragestellen auslöst. Es ist ein Buch, das keine Antworten gibt, sondern zur Konfrontation zwingt. In jedem Kapitel spüre ich die Schatten der Schuld, den inneren Bruch und das verzweifelte Verlangen nach Erlösung. Dostojewski schreibt über die dunklen Tiefen der menschlichen Seele – aber mit einer solchen Wahrheit, dass man nach dem Lesen nicht mehr derselbe ist. Seine Figuren suchen keine Rettung im Äußeren, sondern in der inneren Umkehr – und genau das berührt mich. ´

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Ich erschaffe nicht, um verstanden zu werden, sondern um das zu erkennen, was die Welt noch nicht auszusprechen vermochte.“

Aleksandra Nerić

Kunst ist für mich keine Erklärung, sondern eine Offenbarung. Kein Weg zur Zustimmung, sondern zur Wahrheit. In einer Zeit, in der alle sprechen, wähle ich das Zuhören dem, was noch nicht gesagt wurde. Und durch das Schaffen gebe ich der Stille eine Form, die darauf wartet, Bedeutung zu werden.

Titel: Lichtwächter
Technik: Acryl auf Leinwand
Maße: 120x80cm
Jahr: 2024
Künstlerin: Aleksandra Neric
(Info 3)

Vielen Dank für das Interview, liebe Aleksandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Aleksandra Nerić, Künstlerin

Zur Person: Aleksandra Nerić ist eine bildende Künstlerin serbischer Herkunft mit Wohnsitz in Österreich (Bruck an der Leitha). Sie ist die Begründerin des künstlerischen Ansatzes MetaLumina, der symbolische, philosophische und spirituelle Elemente durch Licht, Stille und intuitive Formen vereint. Ihr Schaffen ist stark von Mythologie, Archetypen und metaphysischen Themen geprägt – durch die sie innere Prozesse, die Kraft der Verletzlichkeit und künstlerische Transformation erforscht.

Aleksandra hat international ausgestellt, unter anderem in New York, Florenz, Venedig, Wien, Barcelona und Mailand. Im Jahr 2024 wurde sie in New York mit dem Titel „Master Award Artist“ ausgezeichnet und gewann die Global Art Competition. Im Jahr 2025 wurde sie für die Auszeichnung „Living Contemporary Artist in New York“ nominiert.

Neben der Malerei widmet sie sich auch der Poesie – ihre Gedichtsammlung „Die Stille, die ich trage“ erscheint demnächst in einer zweisprachigen Ausgabe (Serbisch–Englisch).

Bildinfos/Aleksandra Nerić:

1 Code of Light: David’s Resonance“ Dieses Gemälde gehört zur Kunstbewegung Meta Lumina, die Lichtcodes, heilige Geometrie und die innere Architektur des Bewusstseins durch zeitgenössische Symbolik und metaphysischen Ausdruck erforscht.
Inspiriert von den Idealen der Renaissance wird die Figur des David nicht nur als Form
dargestellt, sondern als Träger einer leuchtenden Resonanz. Die goldenen Linien
symbolisieren Bewusstseinscodes – Fäden, die klassische Schönheit mit dem quantenhaften Raum inneren Erwachens verbinden. Der dunkle Hintergrund verstärkt das Heraustreten aus dem Unbewussten in einen höheren Schwingungszustand.
Dieses Werk ist keine bloße Neuinterpretation, sondern eine energetische Karte eine
Einladung zur inneren Aktivierung.

2 „Pegasus„ , ein Symbol für geistige Freiheit und erhobene Bewegung, ist das zentrale Motiv dieses Werkes aus dem Zyklus mythischer Wesen im Rahmen des Kunstansatzes MetaLumina. Vor schwarzem Hintergrund werden die goldenen Flügel zum leuchtenden Kontrapunkt der Stille, während das weiße Pferd die reine Kraft der Intuition und die Unzähmbarkeit des inneren Impulses verkörpert. Dieses Gemälde vereint das Mythische mit dem Zeitgenössischen, das Reale mit dem Spirituellen – und schafft so ein Tor zwischen dem Sichtbaren und dem Unsichtbaren. Raum inneren Erwachens verbinden. Der dunkle Hintergrund verstärkt das Heraustreten aus dem Unbewussten in einen höheren Schwingungszustand.

3 „Lichtwächter“ Dieses Werk gehört zur Kunstbewegung MetaLumina, die durch die Symbolik von Licht, Stille und spirituellen Archetypen den inneren Raum des Seins erforscht. Die Darstellung eines Hirsches mit goldenen Geweihen steht für Wachsamkeit, Stärke und lichtvolles Dasein in der Dunkelheit. Die leuchtenden Geweihe erscheinen wie energetische Antennen, die unsichtbare Dimensionen verbinden – ein Zeichen innerer Reinheit und Verbindung zum Höheren. Vor schwarzem Hintergrund wird der Hirsch zum Symbol des inneren Lichts – still, aber wachsam.

4 Dieses Foto entstand während der Ausstellung in Golling, bei der Aleksandra Nerić Werke ihres künstlerischen Ansatzes MetaLumina präsentierte. Das dargestellte Bild zeigt einen Löwen – ein archetypisches Symbol für Kraft, Würde und inneren Autoritätsraum. Der Blick des Löwen richtet sich auf einen unsichtbaren Horizont, was im Kontext von MetaLumina die innere Stabilität inmitten äußerer Unruhe verkörpert. Durch die Kombination von Gold- und Neutraltönen lädt das Werk die Betrachtenden ein, ihre eigene Kraftquelle zu finden – leise, aber unerschütterlich.

Fotos: privat

Walter Pobaschnig 31/5/25

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„das kind macht den krieg kaputt “ Mona Schwarz, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Freiburg im Breisgau/D 1.6.2025

das kind macht den krieg kaputt 

glaskörper schäumen in deiner wut / deine sicht irrt getrübt seit zwölftausend jahren 

in die netzhaut deiner feldzüge / fällt kein Licht / nur die linse singt 

von mouches volantes / im fadenschein deiner weste

erstickst du w:orte / nicht das kind / unter den trümmern summt es



polyphon / suche das meer / bevor du erblindest / werde 

einzeller / sei ursprung & / schwimme in der nahrungskette 

auf dem grund / fleischlos als alge oder wimperntierchen / gleite 

chemisch & / fröne dich der photosynthese 

entfärbe dich / in der nacht / bist du namenlos / & kein 



adieu erreicht je deine küsten / dort 



changieren schatten / immer wieder 

häutest du dich / bis auf die knochen / hüllenlos 

als kleinstpartikel / bist nicht einmal mehr feinstaub / auf deinen 

narben klebt noch blut / doch das kind zeigt

courage & / flicht neue sprachen in die ruinen / bald schon 

erblüht der mohn / aus deiner abwesenheit

Mona Schwarz, 31.5.2025

„Inspiration und Titelgeber zum Gedicht war mein Sohn (5 Jahre), der mich vor vier Wochen fragte, ob man den Krieg denn nicht kaputt machen könne, und dass wenn er zu uns käme, er dies tun würde. Das hat mich berührt und nachdenklich gestimmt, denn obwohl wir uns nicht in einer solchen Situation befinden, denkt mein Kind darüber nach.“ Mona Schwarz

Mona Schwarz, Schriftstellerin

GIVE PEACE A CHANCE

Mona Schwarz, Schriftstellerin

Zur Person: Mona Schwarz (*1984) studierte Kulturwissenschaften, Spanisch und Tourismusmanagement. In Spanien war sie 15 Jahre als Übersetzerin und Sprachlehrerin tätig. Als Co-Host des Podcasts „Worte:Leben“ spricht sie über die Kompatibilität von Beruf, Familie und Schreiben. Sie ist Vorstandsmitglied im Lyrikverein „Vers & Vielfalt“ und Redakteurin des Kunst- und Literaturmagazins „¡Arte.Mira!“. Erste Veröffentlichungen in der St.Pöltner Literaturzeitschrift „Die Brache“ sowie in der Salzburger Literaturzeitschrift „mosaik“, dem Schweizer Germanistikmagazin „Denkbilder“, der Literaturzeitschrift „KARUSSELL“, dem Prosamagazin „introspektiv“ und dem Jahrbuch der Lyrik 2025 | AG Literatur. Aktuell lebt und arbeitet sie in Freiburg im Breisgau. Sie schreibt Lyrik und Prosa.

Mona Schwarz, Schriftstellerin
Instagram: @monaschwarz
Spotify: Worte:Leben | Podcast on Spotify
Lyrikverein: Lyrikverein Freiburg
Magazin: http://www.artemira.de

Fotos: privat.

Walter Pobaschnig 31/5/25

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„Ich schreibe und lebe, am liebsten gleichzeitig“ Mona Schwarz, Schriftstellerin _ Freiburg im Breisgau/D 1.6.2025

Mona Schwarz, Schriftstellerin

Liebe Mona Schwarz, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Vermutlich deckt sich mein Tagesablauf unter der Woche mit dem vieler berufstätiger Eltern u./o. Schreibender: Ich starte früh und ruhe spät. Kaffee spielt dabei eine entscheidende Rolle, und ich habe aufgehört, mich zu fragen, ob das gesund ist.

Am Vor- und Nachmittag bin ich stellvertretende Beauftragte für Chancengleichheit, arbeite in der Weiterbildungsberatung und unterstütze bei der Arbeitssuche. Danach gehört die Zeit meinen Kindern.

Wenn es der Kopf zulässt, schreibe oder lese ich abends. An den Wochenenden länger und mehr. Das Schreiben ist mir wichtig, mein Brotjob auch, und obwohl es zweifelsohne ein Balanceakt ist, alles unter einen Hut zu bringen, wäre ich wohl nicht der Mensch und die Schreibende, die ich bin, ohne all die anderen Leben in meinem Leben. Meine Freizeit verbringe ich gerne in der Natur, oder ich tanze Stepp und singe – letzteres nicht gut, aber ständig und laut.

Ansonsten bin ich Co-Host in einem Podcast, Redakteurin in einem Literaturmagazin und Vorstand in einem Lyrikverein. Ich schreibe und lebe dazwischen, am liebsten gleichzeitig.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig? 

Da ich nicht für jede*n antworten kann und möchte, beantworte ich diese Frage für mich. Ich denke, wir sollten lernen, wieder mehr miteinander zu sprechen, anstatt nur zu sprechen. Kommunikation, Akzeptanz und Toleranz sind gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je. Ich wünsche mir, dass wir einander zuhören, anstatt nur zu hören.

Ich wünsche mir mehr Authentizität.

Wünsche mir echte Menschen mit echten Werten und echten Worten.

Mehr Empathie, weniger Selbstdarstellung und mehr Raum.

Mehr Raum für Fragen und Austausch.

Dass wir hinsehen, anstatt nur zu schauen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu? 

Was für den einen Aufbruch und Neubeginn ist, muss es für den anderen nicht unbedingt sein. Wesentlich für mich, angesichts politischer u./o. gesellschaftlicher Entwicklungen und für jegliche Form der Kontinuität, sind meine Familie und mein soziales Umfeld. In Sicherheit und Frieden zu leben, ist keine Selbstverständlichkeit, und ich denke, dass gerade Kunst und Literatur durch die Zeit(en) tragen, ja sogar tragen müssen, weil sie an- und aussprechen, offenbaren, entfesseln und manchmal entblößen. Das bedeutet Bewusstsein und Verantwortung für jede*n Kunstschaffende*n. Für sich selbst und andere.

Was liest Du derzeit?

Aktuell lese ich den Lyrikband „entschämungen“ von Siljarosa Schletterer, von Christine Lavant „Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus“, als Jahreslektüre immer wieder „Der Winter dauerte 24 Jahre“ von Marie T. Martin, den Erzählband „Würdest du bitte endlich still sein“ von Raymond Carver und „Unterwegs“ von Jack Kerouac.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben? 

Aus Marguerite Duras’ „Schreiben“:

Das Schreiben macht mich zu einem Wilden. Man kehrt zu einer Wildheit zurück, die vor dem Leben da war. Und man erkennt stets wieder, es ist jene der Wälder, alt wie die Zeit. Ein Zustand der Angst vor allem, die sich unterscheidet und doch untrennbar ist vom Leben…Man muss stärker sein als man selbst, um mit dem Schreiben zu anzufangen, man muss stärker sein als das, was man schreibt. Das ist eine merkwürdige Sache, ja…und es ist auch das heftigste Glück. Immer, das glaube ich.

Und aus „Andalemania“ das Gedicht „Dichter Ort II“ von José F.A. Oliver:

im hautgrund die uhr

ins nirgendwo der zeit

als das auge noch meer war

Vielen Dank für das Interview, liebe Mona!

Ich habe zu danken! Herzliche Grüße aus Freiburg.

Vielen Dank für das Interview, liebe Mona, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Mona Schwarz, Schriftstellerin

Zur Person: Mona Schwarz (*1984) studierte Kulturwissenschaften, Spanisch und Tourismusmanagement. In Spanien war sie 15 Jahre als Übersetzerin und Sprachlehrerin tätig. Als Co-Host des Podcasts „Worte:Leben“ spricht sie über die Kompatibilität von Beruf, Familie und Schreiben. Sie ist Vorstandsmitglied im Lyrikverein „Vers & Vielfalt“ und Redakteurin des Kunst- und Literaturmagazins „¡Arte.Mira!“. Erste Veröffentlichungen in der St.Pöltner Literaturzeitschrift „Die Brache“ sowie in der Salzburger Literaturzeitschrift „mosaik“, dem Schweizer Germanistikmagazin „Denkbilder“, der Literaturzeitschrift „KARUSSELL“, dem Prosamagazin „introspektiv“ und dem Jahrbuch der Lyrik 2025 | AG Literatur. Aktuell lebt und arbeitet sie in Freiburg im Breisgau. Sie schreibt Lyrik und Prosa.

Mona Schwarz, Schriftstellerin
Instagram: @monaschwarz
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Lyrikverein: Lyrikverein Freiburg
Magazin: http://www.artemira.de

Fotos: privat

Walter Pobaschnig 31/5/25

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Bachmannpreis 2025_  Nominierteninterview _ „Sich was anderes trauen“ Sophie Sumburane, Schriftstellerin _ Potsdam 28.5.2025

Bachmannpreis 2025_  im Interview:

Sophie Sumburane, Schriftstellerin _ Bachmannpreis Nominierung 2025

Sophie Sumburane, Schriftstellerin _
Bachmannpreis Nominierung 2025

Liebe Sophie Sumburane, herzliche Gratulation zur Bachmannpreisnominierung! Wie und wann hast Du von Deiner Nominierung erfahren? Was war Deine erste Reaktion und wie sieht jetzt die Vorbereitung aus?

Erstmal: Vielen Dank! Es hat mich ein freundlicher Mensch aus der ORF Redaktion angerufen, um mir zu gratulieren, ich glaube, da hatte ich gerade meine Kinder in die Schule geschickt und mich zum Arbeiten an den Schreibtisch gesetzt.

Meine Vorbereitung sieht jetzt so aus, dass ich vor allem versuche mich in den kommenden Tagen gut abzulenken, um mich nicht verrückt zu machen und natürlich auf die Lesung vorbereite, um mich am Tag der Tage dann möglichst sicher zu fühlen. Alles andere liegt sowieso nicht in meiner Hand.

Wie war Dein Weg zum Schreiben?

Schreiben wollte ich schon immer. Bücher haben mich dank meiner Oma und meiner Mutter, die mich früh damit versorgt haben, schnell fasziniert und ich habe als Kind und Jugendliche viel gelesen. Der Beruf der Autorin erschien mir darum ein sehr faszinierender zu sein und ich habe mich selbst darin ausprobiert, Geschichten nicht nur zu erfinden, sondern auch aufzuschreiben. Und der Wunsch hielt sich hartnäckig, also besuchte ich schließlich in Leipzig verschiedene Lesebühnen mit eigenen Texten, wo ich dann einem Verleger auffiel. Seit dem kann ich nicht mehr ohne das Schreiben, auch wenn bis heute der Weg bis hierher alles andere als gradlinig war. Aber jeder hat eben seinen eigenen Weg und der ist nicht immer nur vorwärts.

Wie sieht der Schreibprozess bei Dir aus, gibt es etwa bestimmte Routinen, was inspiriert Dich und was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig?

Spaziergänge inspireren mich. Ich mag, dass meine Heimatstadt Potsdam eine Insel ist und man so immer irgendwie am Wasser ankommt. Ansonsten habe ich zwar einen festen Arbeitsplatz, nutze aber viel öfter das Bügelbrett als Stehpult oder fahre in die Bibliothek. Zu meinen Routinen gehört in erster Linie Kaffee und der Versuch, zur Ruhe zu kommen.

Was hast Du mit Ingeborg Bachmann gemeinsam?

Ich hatte eigentlich gedacht, bis auf das Frausein nicht sehr viel. Aber je mehr ich sie las, desto besser sah ich auch mich in ihrem Werk und stellte fest: doch ganz schön viel.

Bitte assoziiere zu den Stichworten:

Gegenwart   

Zu großen Teilen abgespalten.

Literatur

Sich was anderes trauen.

Leben

Empathietraining.

Klagenfurt

Bachmannpfad.

Preis

Tja.

Vielen Dank für das Interview! Viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Zur Person: Sophie Sumburane, D

Geboren 1987 in Potsdam, lebt und arbeitet ebenda. Liest auf Einladung von Mithu Sanyal. Studium der Germanistik und Afrikanistik an der Universität Leipzig. Publizierte ihren ersten Roman noch während des Studiums. Sie ist Autorin von drei Romanen, mehreren Kurzgeschichten und Essays und engagiert sich in unterschiedlichen Netzwerken und Vereinen.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Romane

Gestörte Verhältnisse. fhl Verlag, Leipzig, 2012

Gefährlicher Frühling. Pendragon, Bielefeld, 2014

Tote Winkel. Edition Nautilus, Hamburg, 2022

Essay: Verbündet Euch! Für eine bunte, solidarische und freie Gesellschaft. Denkfabrik (Hrsg.), Edition Nautilus, Hamburg, 2021

Essay: Mit Baby in Randomkleinödland. In: Carolin Callies (Hrsg.): Literaturmagazin poetin nr. 25. Poetenladen Verlag

Worüber man nicht Spricht. Hörspiel in sechs Teilen. Mit Jenny König, Sascha Nathan, Karin Hanczewski, Anne Ratte-Polle u. v. a. Musik: Andreas Bernhard; Regie: Kirstin Petri (Produktion: SWR 2024 – Premiere)

Herausgeberin von Roter Staub: Mosambik am Ende der Kolonialzeit. Mit einem Nachwort von Sophie Sumburane. Roman. Weidle Verlag, Bonn 2019

Auszeichnungen und Stipendien (Auswahl)

Arbeitsstipendium des Brandenburger Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur, 2023

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3304941/

Pressekonferenz Bachmannpreis 2025 _ 19.5.2025 Musilhaus Klagenfurt _
Veranstalter und Sponsoren (v. l. n. r.): Reinhard Draxler (KELAG-Vorstand), Brigitte Winkler-Komar (Land Kärnten, Leiterin Kunst und Kultur), Nadja Kayali (Intendantin Carinthischer Sommer), Horst L. Ebner (Koordinator Tage der deutschsprachigen Literatur), Christian Scheider (Bürgermeister von Klagenfurt), Karin Bernhard (ORF-Landesdirektorin), Franz Petritz (Stadtrat von Klagenfurt/Kulturreferent), Ursula Schirlbauer (ORF/3sat), Julian Geyer (Gemeinderat der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee), Michaela Werblitsch (BKS Bank, Leiterin Communication & ESG) und Klaus Wachschütz (Technischer Leiter ORF Kärnten & Regisseur Ingeborg-Bachmann-Preis)

Autorinnen und Autoren 2025

14 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich lesen um den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis.

Thomas Bissinger, D

Natascha Gangl, A

Max Höfler, A

Nefeli Kavouras, D

Fatima Khan, D

Laura Laabs, D

Kay Matter, CH

Tara Meister, A

Nora Osagiobare, CH

Josefine Rieks, D/A

Almut Tina Schmidt, D/A

Boris Schumatsky, D

Verena Stauffer, A

Sophie Sumburane, D

Die Jury

Vorsitzender Klaus Kastberger, Graz (A)

Mara Delius, Berlin (D)

Laura de Weck

Mithu Sanyal (D)

Brigitte Schwens-Harrant, Wien (A)

Thomas Strässle (CH)

Philipp Tingler, Zürich (CH)

Am 29. Juni wird in Klagenfurt am Wörthersee der 49. Ingeborg-Bachmann-Preis vergeben. Die Tage der deutschsprachigen Literatur 2025 finden vom 25. bis 29. Juni im ORF-Theater des Landesstudios Kärnten statt. 

Ingeborg _ Bachmannpreis

Weitere Informationen zum Bachmannpreis 2025: https://bachmannpreis.orf.at/stories/3305089/

Fotos: Portrait_ Sophie Sumburane_ Merlin Jörg Noack; Pressekonferenz _ Johannes Puch; alle weiteren Fotos_Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 27.5.2025

https://literaturoutdoors.com