„Literatur und Kunst können uns wissender machen“ Michael Hillen, Schriftsteller _ Bonn 13.1.2026

Lieber Michael, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Wie beinahe jeden Tag werden wir später (meine Frau und ich) einen Spaziergang am Rhein machen. Gleich ob von der Bonner Südstadt aus, wo ich aufwuchs und was heute weitgehend als „gentrifiziertes Viertel“ zu bezeichnen wäre, in dem meine Eltern (Mutter „Hausfrau“, mein Vater größenteils seines Arbeitslebens als ungelernter Karosserieschlosser tätig) heute die Miete nicht mehr würden bezahlen können, oder vom nördlichen Ortsteil Bonn-Castell aus, geprägt von vielen Spuren und Zeugnissen der Römer, wo ich nun seit einem halben Jahrhundert wohne – es waren und sind stets bloß wenige Gehminuten bis zum Fluß, der mit seinen vielen stromauf- und stromabwärts fahrenden Frachtschiffen und den weißen Ausflugsbooten eine Kontinuität im eigenen Leben bildet.

Zudem werde ich mich weiter einem entstehenden Gedicht widmen (ab einer bestimmten Phase besteht dies vorwiegend aus dem ständig stillen Aufrufen des Geschriebenen), was erfüllender noch scheint, als es irgendwann veröffentlichen zu können, kann doch während dieser Arbeit die „Angst vor dem weißen Blatt“ wieder einmal verscheucht werden. Ich muß dabei konstatieren, daß ich nach der endlichen Reinschrift (oft stehen dieser zehn, zwölf abgewandelte Fassungen voran) eine gewisse Erschöpfung verspüre (was mittlerweile, Jg. 1953, womöglich auch mit dem Älterwerden zusammenhängt). Gewiß ist das schwer zu verstehen für einen „Außenstehenden“, „die paar Zeilen“ wird er mit einigem Recht sagen können, doch ist es wohl über viele Tage dieses ständige Überprüfen des zuerst Handgeschriebenen, es in Gedanken durchgehen, wo man geht und steht, dieses ständige Abhorchen des Klangs einer Wortfolge, das leise Vorsichhinsagen einer Passage, eines Satzteils und wiederum das Verwerfen oder der Zweifel am Verwerfen sowie die Suche nach dem trefferenden Wort, das manchmal sich lange nicht einstellen mag, was diese Ermüdung hervorruft („Dichten ist wie Radium gewinnen. Arbeit ein Jahr, Ausbeute ein Gramm“, W. Majakowski). Aber es ist eher eine Feststellung denn eine Klage, weiß man doch um das weitaus härtere Los so vieler Leute.

Und die monatlichen „Briefe gegen das Vergessen“ werde ich heute noch an Regierungen und Botschaften schreiben, eine weltweite Initiative von Amnesty International, an der ich mich beteilige seit ich noch ein jüngerer Mann war, um mit vielen anderen zu versuchen, öffentlichen Druck auf die politisch Verantwortlichen in aller Welt auszuüben und die Freilassung zu fordern für gewaltfreie, namentlich von Amnesty genannte und mit ihrem Schicksal vorgestellte politische Häftlinge, die im jeweiligen Land ohne rechtsstaatliches Verfahren und aus nichtigen und konstruierten Gründen gefangengehalten werden und oft Folter, Mißhandlungen, verweigerter medizinischer Versorgung ausgesetzt oder von einem Todesurteil bedroht sind.  

Michael Hillen, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Niemand kann natürlich für „alle“ sprechen, doch ich denke, wer genug zu essen und ein warmes Zuhause hat, wer nicht von Drohnen und Granaten angegriffen wird, nicht aus einem Land zu fliehen genötigt ist, weil es um leben oder sterben geht, wer nicht um einen Eimer Wasser kilometerweit laufen muß, dem sollte bewußt sein, daß das nicht selbstverständlich ist und vielen das Gegenteilige widerfährt und wieviel auch vom Zufall der Geburt abhängt. Daß es soviel Mangel, Unfreiheit und Ungleichheit unter den Menschen gibt, kann keiner für rechtens erklären, es gründet auf einem Unrecht, dem niemand in der Welt ausgesetzt sein dürfte. Überhaupt diese bedrückende „Duplizität der Ereignisse“: Während im eigenen Leben etwas Belangloses, Banales geschieht, ist zur gleichen Zeit jemand anders mit Gewalt, Tortur, Zerstörung konfrontiert. „Fremdes Leid bringt keinen Trost“, sagt ein spanisches Sprichwort. Daher hört nicht auf zu gelten: So wie es ist, kann es nicht bleiben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Wesentlich wird u.a. sein, daß der auch in einem reichen Land wie Deutschland sich ausbreitenden Armut, Wohnungs- und Obdachlosigkeit politisch entgegengewirkt wird. Der parallel bestehende und sich anhäufende Reichtum Weniger kann nicht anders als obszön bezeichnet werden. Eine weitere demokratiegefährdende Entwicklung ist die zunehmende Tendenz, daß Fake-Nachrichten von einem breiten Publikum offensiv in die eigene Meinungsbildung „integriert“ werden, was den Demagogen zupaßkommt, die aus zynischem Kalkül stets das Schlechteste fürs eigene Land erhoffen, um sich als vermeintliche Heilsbringer zu gerieren. Hannah Arendt schrieb: „Wo Tatsachen konsequent durch Lügen und Totalfiktionen ersetzt werden, stellt sich heraus, daß es einen Ersatz für die Wahrheit nicht gibt. Denn das Resultat ist keineswegs, daß die Lüge nun als wahr akzeptiert und die Wahrheit als Lüge diffamiert wird, sondern daß der menschliche Orientierungssinn im Bereich des Wirklichen, der ohne die Unterscheidung von Wahrheit und Unwahrheit nicht funktionieren kann, vernichtet wird.“  (Hannah Arendt, Wahrheit und Politik)

Literatur und Kunst, „die schönen Künste“ nennt man es ja nicht völlig zu unrecht, können uns sicherlich sensibilisieren, bezogen darauf, wie wir sprechen, sehen, wahrnehmen, wie wir über Dinge, Menschen oder gesellschaftliche Verhältnisse urteilen und denken, welchen Blickwinkel wir einnehmen, vielleicht verändern sollten. Und ebenso aufklärerisches Potenzial wird ihnen nicht abzusprechen sein, mit den ihnen eigenen Mitteln können sie uns wissender machen. Zweifel gegenüber dem eigenen künstlerischen, hier: literarischen Tun sind nie gänzlich fernzuhalten, andererseits unerläßlich, um irgendeiner Selbstüberschätzung erst gar keinen Raum zu geben („Literatur bewirkt nichts, sie ist der Schleier vor den Leichenbergen“, so Theodor Lessing, und man möchte ein klein wenig mehr Milde erbitten). So folge ich letztlich gern der polnischen Lyrikerin Wisława Szymborska, die „das Lächerliche des Schreibens dem Lächerlichen des Nichtschreibens“ vorzog.

Was liest Du derzeit?

Pier Paolo Pasolini, „Nach meinem Tod zu veröffentlichen. Späte Gedichte“ und ein weiteres Mal, es ist stilistisch so fein geschildert, von Marisa Madieri, „Wassergrün. Eine Kindheit in Istrien“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wäre ich kein negativer Schriftsteller, möchte ich ein negativer Tischler sein“ (Günter Eich)

„Es ist gleich, ob einer mit seinem Preßlufthammer oder an seiner Schreibmaschine verzweifelt“ (Thomas Bernhard)

„Der Überdruß des beständig Neuen“ (Fernando Pessoa)

Vielen Dank für das Interview, lieber MIchael, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen: Michael Hillen, Schriftsteller

Zur Person/über mich: Michael Hillen, geb. 1953 in Bonn, lebe dort. Nach Ausbildung in einem sonderpädagogischen Verlag Tätigkeit als Korrektor, Lektor und Bibliothekar; Lyriker. Die zuletzt veröffentlichten Gedichtbände waren „Frau Röntgens Hand“ (Edition Keiper, Graz 2012), „Wundbilder“ (mit einer Radierung von Peter Marggraf; San Marco Handpresse, Bordenau/Venezia 2016), „Antonia und andere Frauengeschichten“ (Verlag Traian Pop, Ludwigsburg 2018), „Stockrosen“ (mit Aquarellen von Peter Marggraf; San Marco Handpresse, Bordenau/Venezia 2020 – eine die gesamte Entstehung des Künstlerbuchs „Stockrosen. Gedichte“ dokumentierende Kassette ist aufbewahrt im Deutschen Buch- und Schriftmuseum Leipzig) und schließlich „Wo das Gestern geblieben ist“ (Königshausen & Neumann, Würzburg 2021), Gedichte, die Vergangenem nachspüren und dabei auf unvermutet Gegenwärtiges treffen – „seiner Melancholie, bisweilen seinem Schrecken“, wie es im Klappentext heißt.

Aktueller Gedichtband von Michael Hillen:

Michael Hillen, Wo das Gestern geblieben ist. Gedichte, 97 S., 14,80 Euro, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg, ISBN: 978-3-8260-7426-4.

https://verlag.koenigshausen-neumann.de/product/9783826074264-wo-das-gestern-geblieben-ist/

Foto: privat

6.1.2026_Interview_Walter Pobaschnig

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„Mir ist als“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Ingrid Walter/Jasmin Avissar _ Wien 13.1.2026

Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _

Walter Pobaschnig 3/25, folgende.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

MALINA _ Akrostichon

Text _   Ingrid Walter, Schriftstellerin, Kulturjournalistin

Performance Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin


MALINA


M
ir ist als

Ahnte ich,

Liebe

Ingeborg,

Nachts deinen flammenden

Atem

 Ingrid Walter, 7.1.2026

Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _

Walter Pobaschnig 3/25.

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

MALINA _ Akrostichon

Text _   Ingrid Walter, Schriftstellerin, Kulturjournalistin

Performance Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin

Ingrid Walter, Kulturjournalistin, Schriftstellerin 

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Ingrid Walter, Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 2/24 _ Walter Pobaschnig.

Fotos: Jasmin Avissar, Tänzerin, Choreografin _ performing „Malina“ _
Station bei Malina/Romanschauplatz Wien _
Walter Pobaschnig 3/25.

Walter Pobaschnig   1_26

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entwurzelte schatten _ vertonte Gedichte / poèmes mis en musique _ Paul Éluard, Jakob Leiner (Herausgeber und Übersetzer) _ Radius Verlag 2025

Streunerin mit gläserner Stirn

streunerin mit gläserner stirn

ihr Herz schreibt sich in einen schwarzen stern

ihre augen zeigen ihren kopf

ihre augen haben die frische des Sommers

…..

(Streunerin mit gläserner Stirn _ entwurzelte schatten/Radius Verlag 2025)

Es ist eine ganz besondere Literaturedition, welche der so facettenreiche Freiburger Autor, Jakob Leiner, hier in zweisprachiger Übersetzung vorlegt. Die Welt und phantastische Eindringlichkeit des Surrealismus treffen dabei beeindruckend in ihrer poetischen Form auf Leserin und Leser.

Der als einziger Sohn des Immobilienmaklers Clément Grindel und der Schneiderin Jeanne-Marie Grindel (geb. Cousin) Paul Éluard (Eugène-Émile-Paul Grindel * 14. Dezember 1895 Paris +18. November 1952 Charenton-le-Pont/Paris) veröffentlichte bereits im Alter von achtzehn Jahren erste Gedichte. 1917 lernt er bei einem Kuraufenthalt seine spätere erste Frau Gala kennen, die ihm zur verlässlichen Unterstützerin und Begleiterin am weiteren künstlerischen Weg wird. Dieser bringt ihn in der Aufbruchsepoche des Surrealismus in engem Austausch zu bildenden Künstlern und bedeutenden Malern wie Max Ernst, Pablo Picasso, Man Ray, Joan Miró oder Salvador Dalí. Paul Éluard wird zum organisatorischen Unterstützer und auch in vielem Angelpunkt surrealistischer Kunstproduktion. Er wird zur kontinuierlich produktiven wie eigenständigen lyrischen Stimme, auch in schwierigsten Kriegszeiten (er schließt sich der Resistance an). Sein Gedicht Liberté wird in tausenden Flugblättern von englischen Flugzeugen über dem besetzten Frankreich abgeworfen. 1952 starb Éluard an einem Herzinfarkt und wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris beigesetzt. Am 2. April 2007 wurde nach dem facettenreichen wie mutigen Dichter ein Asteroid (15752) benannt.

Das lyrische Werk Éluard zeichnet sich in einer sehr eigenständigen Sprachform- wie -variation aus, die in Phantasie, Sehnsucht und Hoffnung, Leben, Liebe und Gesellschaft zu verbinden und zu durchdringen sucht. Der Schriftsteller ist ein Botschafter und Erneuerer in Wort, Sprache und menschlichen Formen von Gemeinschaft. Die Nähe zur Musik scheint dabei vorgezeichnet, wobei diese kein unmittelbares Kennzeichen des Surrealismus ist.

Der vorliegende Gedichtband, in einer wunderbaren Neuübersetzung des Freiburger Schriftstellers und Herausgebers Jakob Leiner, präsentiert nun aber eine ganz besondere künstlerische Kooperation und Inspiration, in welcher der Komponist Francis Poulenc ausgewählte Gedichte Éluards in Klavierlieder und Chorzyklen aufnimmt. Diese vertonten Gedichte, Ausdruck einer sehr tiefgehenden Zusammenarbeit, sind nun zweisprachig französisch/deutsch zugänglich und eröffnen ganz ergreifende wie spannende Horizonte lyrischer Sprache in der Epoche des Surrealismus an den Schnittstellen von Literatur und Musik.

„Die einzigartige poetische Stimme des Surrealisten Paul Éluard in hervorragender Neuübersetzung, ein Buchereignis erster Klasse!“

entwurzelte schatten

vertonte gedichte / poèmes mis en musique

Paul Éluard, Jakob Leiner (Herausgeber und Übersetzer) _ Radius Verlag

Seiten: 152

Jahr: 2025

Größe: 21 x 13 cm

Einband:Hardcover

ISBN:  978-3-87173-566-0

18,00 € *

Walter Pobaschnig 1/26

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„Umjubelter, genialer Theaterabend!“ _ Speed _ aktionstheater ensemble _ Premiere _ Theater am Werk _ Wien 11.1.2026

SPEED aktionstheater ensemble _
11.01.26 Premiere _ Theater am Werk/Kabelwerk Wien

„Speed“

Google Suchfilter: Ungefähr 3 550 000 000 Ergebnisse (0,21 Sek.) 

Speed (KI)_ Geschwindigkeit: ist eine physikalische Größe, die angibt, wie schnell sich ein Körper bewegt und in welche Richtung die Bewegung erfolgt. Sie wird als das Verhältnis der zurückgelegten Strecke zur benötigten Zeit definiert. 

Speed (Google) ist ein stimulierendes Amphetamin, das vor allem aktivierend und konzentrationssteigernd wirken kann. Je nach Dosierung und Umfeld kann die Wirkung unterschiedlich erlebt werden.

Für das „aktionstheater ensemble“ ist Bewegung/Geschwindigkeit in Sprache/Spiel ein unverwechselbares Charakteristikum, das in seiner Perfektion immer neu begeistert.

Hier wird Wort/Körper/Choreographie/Musik/Kostüm zu einem Feuerwerk, einer Explosion menschlicher Erfahrung, Erlebens, die in atemberaubender Interaktion und Präzession die Bühne in ein existentiell-gesellschaftliches Kaleidoskop in wunderbarer Typisierung von Mensch und Alltag verwandelt und tausend Farben von Augenblicken des Lebens in punktgenauer Inszenierung und famosen Spiel zum einzigartigen Erlebnis werden lässt – „wie schnell sich ein Körper bewegt und in welche Richtung die Bewegung erfolgt“ ist ein unerklärliches wie großartiges Faszinosum des Abends. 

Und dieser ist bestes „Theater-Speed – stimulierendes Amphetamin“ der Sinne und in der Nachwirkung, den Gesprächen am Weg zur U-Bahn und danach „aktivierend und konzentrationssteigernd“ gegenüber Geschwindigkeit&Leben&Zeit im individuellen wie objektiven Kontext unserer Welt. Haupt- und Nebenwirkungen sind erwünscht.

 „Je nach Dosierung und Umfeld kann die Wirkung unterschiedlich erlebt werden“  – trifft ebenso gänzlich auf einen Bühnenabend des aktionstheater ensemble zu. Es ist ein Gemeinschaftserlebnis, ein Zusammenkommen, Erleben, Staunen, Feiern von Bühnenfreiheit, -möglichkeit. Vielleicht ist es so etwas wie bester „Theater-Schamanismus“, aber das weiß niemand so genau. Aber es wirkt ungemein schnell und direkt, verstört, trifft, öffnet, begeistert – „speed“.

Hervorzuheben ist ebenso die großartige aktionstheater ensemble Bühnenästhetik, die in ihren Hell-Dunkel Kontrasten wie in Musik/Kostüm eine intensive atmosphärische Wirkung der existentiell-narrativen Struktur des Wortspiels (Rückblenden, Dialog) gibt und dabei eine Art von „Theater noir“ erzeugt, welches zum unverwechselbaren Markenzeichen geworden ist.

Ein Theaterabend, der gleich zu Beginn dramaturgisch in Lebensnähe der verlorenen JÖ Karte wunderbar den Funken zum Publikum springen lässt und dann als dichtes Kammerspiel des Alltags an der Supermarktkasse, in der Wohnungssuche unter Freunden, in Erinnerungen, Bloßstellungen, Verzweiflungen das Publikum in Lachen, Staunen, spontanem Applaus wie Stille sehr beeindruckend bis zum im wahrsten Sinne des Wortes atemlosen Finale begeisternd mitnimmt – auch da eine geniale Schlussszene im Ausatmen der Schattenrisse.

Ein einmaliger unvergleichlicher Theaterabend – speed im besten Sinn!

Walter Pobaschnig 11.1.2026

SPEED aktionstheater ensemble

11.01.26 Premiere _ Theater am Werk/Kabelwerk Wien

INSZENIERUNG UND KONZEPT: Martin Gruber

TEXT: Martin Gruber und Ensemble

DRAMATURGIE: Martin Ojster

ENSEMBLE: Zeynep Alan, Isabella Jeschke, Thomas Kolle, Kirstin Schwab, Tamara Stern, Benjamin Vanyek sowie Andreas Dauböck, Pete Simpson und Jean Philipp Oliver Viol

BÜHNE und Kostüme: Valerie Lutz

MUSIK: Andreas Dauböck

VIDEO: Resa Lut

REGIEASSISTENZ: Sanna Hufsky

REGIEHOSPITANZ: Salome Seidl

GRAFIK: Martin Platzgummer

MEDIENKONTAKT: Gerhard Breitwieser

Weitere Spieltermine:

13.01.26 _ 15.01.26 _ 16.01.26 _ 17.01.26 _ 18.01.26   

aktionstheater ensemble – Wien und Vorarlberg

Alle Fotos _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 1_26

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„ein einsamer Raum der Freiheit“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Leopold Federmair, Schriftsteller_ Hiroshima/JPN 11.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Leopold Federmair

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca di leone,
Rom um 1971

Im Interview _  Leopold Federmair, Schriftsteller_ Hiroshima/Wien

Lieber Leopold, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ich habe vor einem Jahr ein Porträt von Ingeborg Bachmann geschrieben, es erscheint demnächst in meinem neuen Buch „Portraits“ bei PalmArtPress in Berlin. Es war mir wichtig, dass Bachmann in dieser Sammlung dabei ist, auch, weil sie zu ihrer Zeit, Mitte des 20. Jahrhunderts, eine der damals noch nicht allzu vielen Frauen war, die ein komplexes und hochinteressantes literarisches Werk geschaffen haben (neben ihrer Freundin Ilse Aichinger). Erstmals gelesen habe ich sie in meiner Studentenzeit, sie blieb immer irgendwo in meinem persönlichen Parnass vorhanden, vielleicht eher im Schatten, aber manchmal ist sie daraus hervorgetreten, oder ich habe sie eigens hervorgeholt.

Leopold Federmair, Schriftsteller_ Hiroshima/Wien _
Station bei Malina _ Romanschauplatz _ Wien _
Walter Pobaschnig 5/25, f.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Wie die meisten Autoren (sie sah sich als Autor, nicht als „Autorin“, das war ihre Art, ihre Leistung als Frau zu betonen) hatte sie ihren eigenen Stil. Den zu beschreiben ist, wie bei anderen Autoren, nicht einfach und würde einen ganzen Essay erfordern. Sie hat vieles probiert, hat sich entwickelt, ihr Bachmann-Stil war nicht ab einem bestimmten Zeitpunkt da und ist dann geblieben (wie bei Thomas Bernhard), sondern hat sich ziemlich verändert. Mich interessiert mehr dieses dauernde Versuchen, das Ungenügen, das in ihrem Werk immer wieder spürbar ist – mehr als die wenigen rundum gelungenen Werke. Rundum gelungen sind am ehesten einige Erzählungen aus „Das dreißigste Jahr“. Vielleicht hat sie da zu ihrer Mitte gefunden; eine Mitte, die sie nicht dauerhaft halten konnte. Um den Roman als damals für sie neue Form hat sie gerungen, die Todesarten-Trilogie ist eine große Ruine, eine Baustelle, die vielleicht nichts anderes sein konnte als Ruine. Das Werk „behauptet“ sich als Ruine, schrieb Walter Benjamin über das barocke Trauerspiel: Die – bei Bachmann: schwierige – Neugeburt hat die Form der Ruine. In diesem Sinn würde ich Bachmanns Roman-Torsi, zu denen man vielleicht auch „Malina“ zählen sollte, als Barockliteratur bezeichnen.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Habe ich gerade gemacht, aber erwähnen möchte ich noch, dass einige der Bilder und auch der Formulierungen ihrer Gedichte sich mir tief eingeprägt haben, so dass sie mich sicher bis zum Lebensende begleiten werden („Ausfahrt“, „Enigma“ und andere).

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten Sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview 1971. Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ich sehe einerseits die Welt, die immer noch patriarchal ist, aber viel weniger als zu Lebzeiten Ingeborg Bachmanns. Ich sehe andererseits Ingeborg Bachmann 1971, als sie Jahre hinter sich hatte, in denen sie selbst krank war. Krank gemacht von den Männern, von bestimmten Männern mit Namen und Adresse, oder doch (auch) von anderen Faktoren? Ich wage es nicht zu beurteilen. Mit dem zitierten Satz in dieser Form kann ich nicht viel anfangen. Er läuft vielleicht auf die heute ziemlich verbreitete, oberflächliche Rede von der „toxischen Männlichkeit“ hinaus, die ich so nicht teile. In einem literarischen Text könnten solche Pauschalsätze („alle Männer“) rhetorische Wirkung haben. Thomas Bernhard hat das vorgemacht. Bachmann hat Bernhard rezipiert, und ich glaube – obwohl er etwas jünger war als sie –, er hat sie in ihrer letzten Zeit beeinflusst.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Kann gut sein, dass das Schreiben für Bachmann ein Martyrium war. Aber auch ein, wenn auch einsamer, Raum der Freiheit. Beides. In ihrer letzten Zeit wahrscheinlich mehr Martyrium als Freiheit.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Wenn ich eine Frage „frei“ hätte wie z. B. bei einer Pressekonferenz oder vor einer Fee, dann würde mir gar nichts einfallen. In einem mehr persönlichen Kontext würde ich sie vielleicht bitten, mir noch ein wenig mehr als das, was man eh weiß, von ihrem Zusammenleben mit Hans Werner Henze zu erzählen, der ja bekanntlich schwul war, und ob sie ihm ernstlich vorgeschlagen hat, zu heiraten, oder doch eher ironisch. Wir könnten gemeinsam in Italiensehnsüchten schwelgen und uns über diese lustig machen. Und nebenbei ein paar italienische Erfahrungen austauschen.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich bin mitten in einem Roman und hoffe, dass er gelingt und andere das auch so sehen. An diesem Punkt schreibt sich ein Text ein bisschen wie von selbst, er folgt seiner eigenen Dynamik. Das ist mir allerdings auch immer wieder suspekt. Manchmal muss man sich als Autor (d. h. den Text) bremsen. Oder?

Herzlichen Dank für das Interview!

Bitte.

Leopold Federmair, Schriftsteller_ Hiroshima/Wien _
Station bei Malina _ Romanschauplatz _ Wien _
Walter Pobaschnig 5/25
.

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Leopold Federmair, Station bei Malina _ Romanschauplatz _ Wien _
Walter Pobaschnig 5/25
.

Walter Pobaschnig   1_26

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„Manchmal ist da ein Riss, der nicht heilt, sondern spricht“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort & Bild _ Anja Knafl, Schriftstellerin _ Klagenfurt 10.1.2026

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _
performing „Malina“ Romanschauplatz/Wien _
Walter Pobaschnig, 1/25, folgende.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text & Performance  _  Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

MALINA

Manchmal ist da ein Riss, der nicht heilt, sondern spricht.

Alles beginnt dort, wo Sprache sich weigert, harmlos zu sein.

Liebe ist kein Schutzraum, sondern ein Prüfstein.

Ich sage Ich – und weiß doch, dass es zerfällt.

Nichts verschwindet spurlos.

Am Ende bleibt der Satz, der überlebt.

Anja Knafl, 5.1.2026

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _
performing „Malina“ Romanschauplatz/Wien _
Walter Pobaschnig, 1/25
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Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text & Performance  _  Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

Anja Knafl, Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _ Romanschauplatz „Malina“ Wien.

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Anja Knafl _ acting „Malina“ _ Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ Walter Pobaschnig 1/25.

Walter Pobaschnig   1_26

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„Das Besondere an Bachmann ist ihre Unbestechlichkeit“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Anja Knafl, Schriftstellerin _ Klagenfurt 10.1.2026

Anja Knafl _ Ingeborg Bachmann

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in der Bocca di Leone/Rom, um 1970

Im Interview _ Anja Knafl _ Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt

Liebe Anja, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?  

Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann ist kein rein literarischer, sondern ein existenzieller. Ich habe sie nie als Autorin gelesen, die man „versteht“, sondern als Stimme, die etwas freilegt, das ohnehin schon da ist. Bachmann schreibt nicht erklärend, sondern was ich als „ehrlich“ betiteln würde. Ihre Texte sind für mich Räume, in denen Sprache plötzlich Verantwortung übernimmt. Für Schmerz, für Widerspruch, für das Unsagbare. Als Schauspielerin begegne ich ihr über den Klang, den Rhythmus, die Brüche der geschriebenen Worte. Als Autorin über die Radikalität, mit der sie Denken und Fühlen nicht trennt, sondern den Lesenden konfrontieren möchte, hinzusehen.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus? 

Das Besondere an Bachmanns Schreiben ist für mich ihre Unbestechlichkeit. Sie schreibt nicht, um zu gefallen, nicht, um zu beruhigen, nicht, um Lösungen anzubieten. Sie nimmt Sprache ernst und damit auch die Gewalt, die in ihr liegen kann. Ihre Texte verweigern einfache Lesarten, sie sind fragil und präzise zugleich. Bachmann schreibt mit einer Klarheit, die weh tut, weil sie nichts beschönigt. Und gerade darin liegt eine große Form von Wahrheit, von der wir alle mehr in unserem Alltag brauchen. 

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben? 

„Malina“ ist für mich ein Schlüsseltext. Nicht nur literarisch, sondern menschlich. Dieser Roman zeigt, wie innere Zerstörung gesellschaftlich erzeugt wird, wie Gewalt sich verinnerlicht, wie Sprache zerbricht, wenn sie zu lange gegen sich selbst verwendet wird.

Auch ihre Gedichte begleiten mich stark, vor allem jene, in denen Liebe und Verlust nicht romantisiert, sondern seziert werden. Bachmann schreibt Liebe nicht als Erlösung, sondern als Risiko und damit trifft sie, denke ich, einen wunden Punkt.

Anja Knafl am „Tor mit den Löwen bei Ivan“ _
Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _
Walter Pobaschnig 1/25, folgende

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute? 

Erschreckend aktuell. Bachmann beschreibt Machtverhältnisse, die bis heute wirksam sind, nur subtiler, besser verpackt. Die patriarchale Gewalt, von der sie spricht, ist keine historische Kategorie, sondern ein fortlaufender Zustand. Sie zeigt, wie Systeme Menschen krank machen, wie private Beziehungen politische Spiegel sind. Dass ihre Texte heute wieder so stark gelesen werden, hat viel damit zu tun, dass wir beginnen, diese Strukturen wieder verstärkt wahrzunehmen und klarer benennen können, auch wenn es unbequem ist.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in einer Vorlesung. Ist das Schreiben, die Kunst immer eine Form des persönlichen „Martyriums“? 

Ich glaube nicht, dass Schreiben zwangsläufig Martyrium ist. Aber es ist immer ein Risiko. Wer ehrlich schreibt, setzt sich aus: Dem eigenen Denken, den eigenen Widersprüchen, manchmal auch der Einsamkeit. Kunst entsteht nicht aus Leid an sich, sondern aus der Bereitschaft, hinzusehen, wo andere wegschauen und ja, manchmal ist dieser offene Blick mit Schmerz verbunden, aber auch häufig mit einer positiven Verknüpfung. Bachmann hat diese Bereitschaft bis zur Selbstgefährdung gelebt. Das muss kein Ideal sein, aber es ist ihre Wahrheit über die Konsequenzen radikaler Wahrhaftigkeit.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt? 

Ich hätte sie gefragt, ob sie manchmal Zufriedenheit mit sich als Lebewesen gespürt hat. Nicht als Konzept, sondern als Gefühl. Und ich hätte ihr gerne gesagt, dass ihre Texte vielen Menschen Worte gegeben haben für Zustände, die sonst sprachlos geblieben wären. Dass sie nicht allein war mit dem, was sie gesehen hat. Auch wenn es sich für sie so angefühlt haben mag. Ich glaube, dass ich sie gerne umarmt hätte…

Was sind Deine aktuellen Projektpläne? 

Ich arbeite derzeit an mehreren Theater- und Textprojekten, die sich stark mit Macht, Identität und Sprache beschäftigen, unter anderem an eigenen Langtextformaten, in denen persönliche Erfahrung und gesellschaftliche Analyse ineinandergreifen. Außerdem bin ich als Schauspielerin in verschiedenen Produktionen im deutschsprachigen Raum verteilt tätig und habe große Freude an Spoken-Word-Formaten, die Literatur und Performance verbinden. Bachmann begleitet mich auch dabei immer. Weniger als Vorbild, sondern als Maßstab: für Genauigkeit, für Mut, für Verantwortung gegenüber dem Wort, das auf ewig in der Welt verweilen darf.

Herzlichen Dank für das Interview!

Anja Knafl _ Schriftstellerin, Schauspielerin _ Klagenfurt _
Romanschauplatz „Malina“ Wien.

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Anja Knafl _ Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ Walter Pobaschnig 1/25.

Walter Pobaschnig   1_26

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„Macht“ _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _ Ines Edith Oppitz/Naoko Muneoka _ Wien 10.1.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
Romanschauplatz „Malina“ Wien / Donau Wien _
Walter Pobaschnig 7/25, folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _  Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ

Performance_ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien

Malina

Macht Missbrauch und Spiele

Achtlos verkannt

Liebessehnsucht

Illusion

Negation

Aus

Ines Edith Oppitz, 5.1.2026

Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ performing _
Romanschauplatz „Malina“ Wien / Donau Wien _
Walter Pobaschnig 7/25

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _  Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ.

Performance Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien.

 Ines Edith Oppitz, Schriftstellerin _ Wels/OÖ.
Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _
Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig 7/25

Foto _ Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto _  Ines Edith Oppitz _ privat.

Fotos _ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _ Romanschauplatz „Malina“ Wien / Donau/Wien _ Walter Pobaschnig 7/25

Literatur outdoors 1/26

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„ein unfassbar konzises Sensorium für Strukturen und Mechanismen in der Gesellschaft“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Petra Ganglbauer, Schriftstellerin _ Wien 9.1.2025

Ingeborg Bachmann _ Petra Ganglbauer

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom, um 1971

Im Interview _  Petra Ganglbauer, Schriftstellerin _ Wien.

Liebe Petra, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns?

Ingeborg Bachmann und ihr Werk haben mich schon in frühester Jugend fasziniert; ich habe auch als professionelle Schriftstellerin keine Scheu, mich mit ihr zu befassen; ich registriere nämlich bisweilen in meinem Umfeld ein Zögern im Hinblick auf  eine zu intensive Befassung mit berühmten Autorinnen, wohl auch aus Angst, selbst nicht ausreichend rezipiert zu werden und sich über ein anderes Werk definieren zu müssen. Es ist schon richtig, daß Autor*innentum auch verlangt, vor allem sich selbst als produzierende Kraft in den Mittelpunkt zu stellen, dennoch setzen wir alle letzlich beim Werk jener an, die vor uns geschrieben haben. Das gilt es auch entsprechend zu würdigen!

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Sie hatte ein unfassbar konzises Sensorium für die Strukturen und Mechanismen in der Gesellschaft und die Interaktionen zwischen den Menschen (Geschlechtern). Sie war darüber hinaus imstande, diesem Sensorium eine Sprache zu geben, die einmalig ist und überzeugt.

Petra Ganglbauer _ Station bei Malina _
Romanschauplatz/Wien _ folgende

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ich schätze Malina ganz besonders, aber auch die anderen Arbeiten. Mit ihren Gedichten habe ich mich vor allem in meiner Jugend befasst.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Wenn ich Bachmann lese, habe ich das Gefühl, daß es kaum eine zeitliche Distanz zwischen damals und heute gibt. All die hierarchischen oder auch frauenfeindlichen, zerstörerischen, abschätzigen Strukturen sind nach wie vor leider relevant. Mehr noch, sie werden gerade zur Zeit durch einige alte Männer, die immer gefährlichere Machtallüren an den Tag legen und von denen jeder den anderen und uns allen beweisen will, wie omnipotent er ist, global noch manifester.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

„Immer auch“, würde ich so nicht sagen. Aber wenn ich an meine Genese denke und mir auch die Lebensbedingungen in meinem literarischen Umfeld anschaue, dann kommt diese Charakterisierung meiner persönlichen Erfahrung doch sehr nahe. Schreiben als Berufung, als Profession, als Lebenshaltung fordert bisweilen viel Verzicht ein: es bedeutet Reduktion auf das Wesentliche, eine zwingende Fokussierung, die immer wieder Opfer verlangt. Wenn man so ein fragiles Sensorium wie Bachmann hat, bleiben oftmalige seelische Verletzungen freilich nicht aus. Schreiben ist dann auch nicht, wie oft irrtümlich erwähnt, Trost. Es ist eher eine schmerzerfüllte Reise.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte sie wohl gefragt, wie es sich angesichts eines solchen Werks überhaupt leben lässt.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Eines meiner Bücher wird Dank der Initiative des Essayisten und Übersetzers Erhan Altan ins Türkische übersetzt: „Suretsiz Mektuplar“ („Briefe ohne Gesicht“, Wiener Frauenverlag-Milena, 1992) erscheint in der Reihe Avusturya kitaplığı (Österreich Bibliothek). In diesem Jahr soll auch ein neuer Lyrikband publiziert werden: „Im Augenschein der Dinge“. Ein paar Projekte sind zudem in Planung.

Herzlichen Dank für das Interview!

Petra Ganglbauer, Schriftstellerin

Aktueller Prosaband von Petra Ganglbauer: „Es ist ein Nah und Fern“ Bibliothek der Provinz.

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, Rom, um 1970.

Fotos: Petra Ganglbauer: Walter Pobaschnig _ Romanschauplatz „Malina“ _ Wien 4/25

Walter Pobaschnig   1_26

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„Morgen ist Nacht“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort & Bild _  Petra Ganglbauer/Birgit Fuchs _ Wien 9.1.2026

Birgit Fuchs, Schauspielerin _ Klagenfurt _ acting „Malina“ _
Walter Pobaschnig 4/21 _ folgende

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _  Petra Ganglbauer, Schriftstellerin Wien.

PerformanceBirgit Fuchs _Schauspielerin, Autorin _ Klagenfurt.

MALINA

Morgen ist Nacht

Alles wird zur Traumsequenz

Liebe endet im Nirgendwo

Ich löse mich auf

Niemals werde ich wieder

Aber ich besinne mich

Petra Ganglbauer, 6.1.2026

Birgit Fuchs, Schauspielerin _ Klagenfurt _ acting „Malina“ _
Walter Pobaschnig 4/21

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _
Foto: Heinz Bachmann

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

Malina _ Akrostichon

Text _  Petra Ganglbauer, Schriftstellerin Wien.

PerformanceBirgit Fuchs _Schauspielerin, Autorin _ Klagenfurt.

 Petra Ganglbauer, Schriftstellerin _ Wien.
Birgit Fuchs _Schauspielerin, Autorin _ Klagenfurt.

Foto _ Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto _  Petra Ganglbauer: „Station bei Malina“ Walter Pobaschnig 4/25.

Fotos _ Birgit Fuchs: acting „Malina“ _ Walter Pobaschnig 4/21.

Literatur outdoors 1/26

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