„Nun wusste ich, dass beim Bachmannwettbewerb Blut fließen muss“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Martin R. Dean, Schriftsteller _ Basel 16.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Martin R. Dean, Schriftsteller _ Basel

Bachmannpreisnominierter 1983

Lieber Martin, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

1983, ich war am Vorabend noch mit Rainald Goetz zusammen, der sich am anderen Tag während der Lesung die Stirn aufschnitt. Ich war beeindruckt und gratulierte ihm. Nun wusste ich, dass beim Bachmannwettbewerb Blut fließen muss, Herzblut oder Stirnblut.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Eleganz, mit der man strategische Präferenzen, Vorlieben und Geschmacksurteile in ästhetische Betrachtungen überführt. Natürlich die dörfliche Atmosphäre, die einen die Illusion gibt, zu wissen, wer der Metzger und wer die Bäckerin ist. Immer aber weiß man, wo die nächste Beiz ist.   

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Als ich meinen Text über eine simulierte Männergeburt (Couvade) vorgelesen hatte, sagte Frau Obermüller, es handle sich um den interessanten Beitrag eines emanzipationsgeschädigten Mannes und Reich-Ranicki rührte den Löffel im Tee. Es gab damals noch kaum ein Bewusstsein für emanzipative Bewegungen, schon gar nicht, wenn sie Männer und ihre Rolle ironisch spiegelten.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Gar nicht. Ich hatte das Jahr zuvor meinen ersten Roman „Die verborgenen Gärten“ veröffentlicht, hatte meine Sprache und (m)ein Thema gefunden und blieb gegenüber den Klagenfurter Anfechtungen immun.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Mehr Offenheit und Durchlässigkeit gegenüber den Literaturen der Welt (nicht den Autor:innen). Zu lange hat sich die deutschsprachige Literatur eingeigelt und selbst gefeiert. Ihr Inseldasein vergoldet. Geöffnet hat sie sich erst spät und nur gegenüber den Literaturen aus dem Osten Europas. Als Schweizer vermisste ich aber die Echoräume Frankreich und die frankophone Literatur, die angelsächsische und spanische Literatur. Und die afrikanische Literatur.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Mut, über die eigenen Grenzen zu schauen, mehr Zugewandtheit zu den Themen, die die Welt bewegen und bedrohen. Kolonialismus, Migration, Auflösung der Gesellschaften, Identität. Weniger Nabelschau. Und zentral: Mehr Courage zum nichtweißen Blick.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Martin R. Dean, Schriftsteller

Zur Person: Martin R. Dean, 1955 im Kanton Aargau geboren, Studium der Germanistik, Philosophie und Ethnologie. Reisen im globalen Süden. Arbeiten als Essayist u.a. für die Neue Zürcher Zeitung, FAZ, Die Wochenzeitung, CH Medien, die REPUBLIK. Lebt als Autor und Essayist in Basel.

Letzte Veröffentlichungen: «Verbeugung vor Spiegeln», Essay 2015 (Shortlist des Schweizer Buchpreises), «Warum wir zusammen sind», Roman 2019, «Meine Väter», Roman 2024, «Tabak und Schokolade», Roman 2024, «In den Echokammern des Fremden», Essays 2025

Alle Bücher bei «Jung und Jung», Salzburg, Kampa/Atlantis Zürich

Aktueller Roman: Martin R. Dean, Tabak und Schokolade, Roman _ Atlantis Verlag.

„Nach dem Tod der Mutter findet der Erzähler in einer Schublade ein Album mit Fotos seiner frühen Kindheit, die er auf der Karibikinsel Tri­nidad und Tobago verbracht hat. Als junge Frau hatte sich die Tochter von »Stumpenarbeitern« aus dem Aargau in ein Abenteuer mit einem Tunichtgut der westindischen Oberschicht gestürzt und ein Kind bekommen. Während die übrige Familie bemüht ist, das Gedächtnis an die Jahre der Mutter bei den »Wilden« aus­zulöschen, macht sich der Erzähler auf, diese Geschichte, die auch seine eigene ist, zu retten.

Tabak und Schokolade führt in den tropischen Dschungel einer britischen Kronkolonie der fünfziger und sechziger Jahre. Indem der Er­zähler immer weiter zu seinen indischen Vor­fahren, die als Kontraktarbeiter in die Karibik verschifft wurden, vordringt, legt er nicht nur einen Familienstammbaum, sondern auch ein Stück Kolonialgeschichte frei. Dem gegen­über wird die Erinnerung an das Aufwachsen im »Tabakhaus« der Großeltern im Aargau gestellt und die Annäherung an eine Mutter, die zu Lebzeiten stets unnahbar erschien.“ (Pressetext/Verlag)

Martin R. Dean, Tabak und Schokolade, Roman _ Atlantis Verlag.

224 Seiten | Gebunden

€ (D) 22,– | sFr 31,– | € (A) 22,70

ISBN 978-3-7152-5039-7

Tabak und Schokolade – Atlantis Literatur

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Neuer Platz
Wörthersee

Foto: Martin R. Dean _ Maia Wackernagel

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 16.6.2026

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„Ich ging meinen Weg, wie ich ihn für richtig hielt“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Ilma Rakusa, Schriftstellerin _ Zürich 16.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Ilma Rakusa, Schriftstellerin _ Zürich

Bachmannpreisnominierte 1981

(Bachmannpreisjurorin 2003 – 2007)

Liebe Ilma, Du hast 1981 als Lesende am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Als ich 1981 zur Teilnahme am Bachmann-Wettbewerb eingeladen wurde, hatte ich erst wenig publiziert, mein erstes wichtiges Buch, Die Insel, erschien wenig später beim Suhrkamp Verlag. Also war ich aufgeregt, zumal der Juryvorsitzende, Marcel Reich-Ranicki, bekannt für seine harschen Urteile war. Doch erstaunlicherweise äußerte er sich überhaupt nicht zu meinen zwei Kurzgeschichten, überließ die Diskussion den anderen Juroren. Diese wirkten entspannt und sagten viel Wohlwollendes. Ich fühlte mich verstanden und verließ das Podium sehr erleichtert.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das Besondere am Bachmannpreis ist die Tatsache, dass ich als Autorin erleben muss, wie über meinen Text unmittelbar nach der Lesung diskutiert wird: in meiner Gegenwart, und natürlich vor Publikum und laufender Kamera. Das ist unter Umständen schwer zu ertragen, denn einmischen sollte man sich besser nicht. Da kann schnell ein Gefühl der Ohnmacht aufkommen, der Wehrlosigkeit, ja der Scham. Ohnehin fühlt man sich beim Vorlesen eines unveröffentlichten Textes exponiert, was Publikum und Jury oft schwer verstehen. Die öffentliche Debatte danach macht die Sache aber noch viel schwieriger.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

In meinem Fall war die Jurydiskussion sehr fair und für mich anregend. Einen Preis habe ich nicht gewonnen, war jedoch in den Klagenfurter Texten jenes Jahres – sie erschienen in Buchform – vertreten.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?

Auf meinen Stil hat sich die Teilnahme nicht ausgewirkt, auch nicht auf meine weitere Laufbahn. Ich ging meinen Weg, wie ich ihn für richtig hielt, vom Literaturbetrieb wollte ich mich nicht abhängig machen. Auch hatte ich nie einen Agenten, was für heutige Autoren:innen fast undenkbar ist. Diese nutzen ferner ausgiebig die sozialen Medien, für mich persönlich noch immer keine Selbstverständlichkeit.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ich finde, der Bachmannpreis sollte ein möglichst breites Spektrum haben und nicht zum reinen Nachwuchswettbewerb werden.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Wer mitmacht, sollte es als Chance sehen und sich von negativen Urteilen nicht zu sehr beirren lassen. Freilich liegt es an der Jury, Kritik so zu formulieren, dass sie weder beleidigend noch demotivierend wirkt. Da Streit publikumswirksam ist, darf es ihn ruhig geben, nur bitte taktvoll und ohne Ressentiments. In diesem Sinne: Viel Glück für den Bachmannpreis – und noch viele erfolgreiche Jahre!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Ilma Rakusa, Schriftstellerin

Zur Person: Ilma Rakusa (*1946) studierte Slawistik und Romanistik in Zürich, Paris und Leningrad. Sie lebt als Autorin, Übersetzerin und Kritikerin in Zürich. Für ihr umfangreiches Werk, das Lyrik, Erzählungen, Tagebuchprosa, Essays, Dramolette und das Erinnerungsbuch Mehr Meer umfasst, erhielt sie u.a. den Schweizer Buchpreis, den Manès-Sperber-Preis, den Kleist-Preis und 2025 den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und in verschiedenen Jurys tätig. Zuletzt erschienen: Mein Alphabet (2019), Kein Tag ohne. Gedichte (2022) und Wo bleibt das Licht. Tagebuchprosa (2025).

Website der Autorin: www.ilmarakusa.info

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Empfang der Stadt Klagenfurt _ Schloss Loretto/Wörthersee

Foto: _ Ilma Rakusa _ Katalin Deer/Droschl Verlag

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Kärnten/Maltschacher See_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 16.6.2026

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„zum Teil eine heilsame Desillusionierung“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Peter Stamm, Schriftsteller _ Winterthur/CH 16.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Peter Stamm, Schriftsteller _ Winterthur/CH

Bachmannpreisnominierter 1999

Lieber Peter, Du hast 1999 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Die Tage waren einer meiner ersten Einblicke in die literarische Welt. Vor allem an den Abenden lernte ich viele Leute kennen, mit denen ich zum Teil heute noch Kontakt habe. Auch das Verhältnis unter den Teilnehmern war sehr angenehm und kollegial.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Damals herrschte ein wenig Ferienlagerstimmung. Man sah sich immer wieder, ging baden im See, saß abends in den Gartenrestaurants und diskutierte. Die Lesungen traten fast ein wenig in den Hintergrund.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Nicht gut. Leider kam es zu einer Grundsatzdiskussion, bei der es eher darum ging, was die Kritiker und Kritikerinnen gerne lesen würden und nicht mehr um meinen Text. Ich hatte gehört, dass gewisse Jurymitglieder sich vorher positiv über meinen Text geäußert hatten. In der Diskussion hatten sie dann aber nicht mehr den Mut, das auch zu sagen. Nach der Veranstaltung bekam ich aber viel Zuspruch für den Text auch vom Moderator des ORF.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?

Auf meinen Schreibstil gar nicht. Ich wusste schon damals, wie ich schreiben wollte und bin dabei geblieben. Was den Literaturbetrieb angeht, war es zum Teil eine heilsame Desillusionierung, aber es gab eben auch viele schöne Begegnungen.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Zukunft?

Ich weiß gar nicht, ob sich viel ändern soll. Ich fände es schön, wenn etwas mehr erfahrenere Autorinnen und Autoren teilnehmen würde, verstehe aber, dass viele davor zurückschrecken.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Weiterarbeiten. Und alles Gute.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Peter Stamm, Schriftsteller

Zur Person: Peter Stamm, geboren 1963, aufgewachsen in Weinfelden im Kanton Thurgau. Nach einer kaufmännischen Lehre einige Semester Studium der Anglistik, Psychologie und Psychopathologie an der Universität Zürich. Seit 1990 freier Autor und Journalist. Peter Stamm schrieb Reportagen und Satiren unter anderen für die Neue Zürcher Zeitung, den Nebelspalter und das Magazin des Tages-Anzeigers. Längere Auslandaufenthalte, u.a. in Paris, New York und Berlin. Lebt mit seiner Familie in Winterthur. Peter Stamm schrieb zahlreiche Hörspiele und Theaterstücke. 1998 erschien sein erster Roman «Agnes». Seither sind fünf Erzählsammlungen und sechs weitere Romane erschienen, zuletzt 2020 «Wenn es dunkel wird». Werke von Peter Stamm wurden in 39 Sprachen übersetzt. Lesereisen in viele Länder, unter anderem nach China, Mexiko, Russland, in die arabischen Emirate, nach Kolumbien und in den Iran. Biografie – Peter Stamm 16.6.2026

Website des Autors: Peter Stamm – Autorenseite von Peter Stamm

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Eis am Lendkanal nach den Lesungen…
und zum Wörthersee…

Foto: Peter Stamm _ Stefania_Samadelli

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Lendkanal/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 16.6.2026

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„Taucht ein-auf-ab-unter, stürzt euch in dieses große Abenteuer der Literatur“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Anna Maria Praßler, Schriftstellerin _ Berlin 16.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _ 

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt 

Im Interview _ Anna Maria Praßler, Schriftstellerin _ Berlin

Bachmannpreisnominierte 2011

Liebe Anna, Du hast 2011 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen? 

Hitze allerorten und eine flirrende Aufgeregtheit. 

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass es inmitten dieser ritualisierten Arena der Leidenschaften immer wieder zu ganz puren und unmittelbaren, intimen Begegnungen mit Literatur kommt. 

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt? 

Für mich war es die erste Lesung meines Lebens, ich fand sie geglückt, worüber ich erleichtert war. Die Jurydiskussion habe ich anschließend tranceartig erschöpft zur Kenntnis genommen. 

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt? 

Die Wirkung (leider): eine literarische Blockade. Ich habe erstmal nur noch Drehbücher geschrieben. 

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung? 

Diversität, Vielstimmigkeit, Impulse mit gesellschaftlicher Relevanz.  

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen? 

Bitte bleibt neugierig und mutig. Taucht ein-auf-ab-unter, stürzt euch in dieses große Abenteuer der Literatur, immer wieder aufs Neue, ohne zu wissen, was herauskommt. Happy Birthday, Bachmannpreis! 

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Anna Maria Praßler, Schriftstellerin

Zur Person: Anna Maria Praßler, Jahrgang 1983, studierte Film- und Theaterwissenschaft, Psychologie und Drehbuch in Berlin, Los Angeles und Bologna. 2013 war sie mit ihrem ersten Langfilmdrehbuch „Schuld sind immer die anderen“ für den Deutschen Filmpreis (Bestes Drehbuch) und den Grimme-Preis nominiert. Anna Maria Praßler las 2011 beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt und veröffentlicht seit 2021 auch Werke für Kinder (u.a. bei Klett Kinderbuch und Oetinger). Ihr Kinderroman „Keine Party ist auch keine Lösung“ (Klett) ist aktuell für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. 2026 erhielt sie das Kranichsteiner Kinderliteraturstipendium. 

Website der Autorin: Anna Maria Praßler | Kinderbuch Drehbuch

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Alter Platz
Sonnenuntergang am Kärntner See

Foto: _ Anna Maria Praßler _ Lendita Mulaj

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Kärnten/Maltschacher See_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 16.6.2026

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„Ich liebte Literatur sehr, kannte mich aber im „Literaturbetrieb“ überhaupt nicht aus“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Silvia Szymanski, Schriftstellerin _ Aachen/D 16.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Silvia Szymanski, Schriftstellerin _ Aachen/D

Bachmannpreisnominierte 1998

Liebe Silvia, Du hast 1998 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Ich fand es super, dass ich gleich am Anfang die Kollegen John von Düffel und Leander Scholz kennen gelernt habe. Sie waren auch nominiert, und wir haben uns gut verstanden. Peter Wawerzinek erzählt ja in deinem Interview, wie unbekannt ihm der Preis und überhaupt die ganze Szene war. Bei mir war das ganz ähnlich. Ich liebte Literatur sehr, kannte mich aber im „Literaturbetrieb“, wie viele das nannten, überhaupt nicht aus. Aber der Wörthersee war malerisch, und es war mir eine Ehre, darin zu schwimmen. Ich erinnere mich an ein gemütliches Restaurant; da waren kurz zuvor Fische in den Aquarien gestorben, weil der Blitz eingeschlagen war. Ich hab auch mit vielen Kollegen auf einem Platz in der Stadt die Live-Übertragung eines wichtigen Fußball-WM Spiels gesehen – und das traditionelle Amateurfußballspiel der Literaturleute gegen den ORF, auf einem kleinen Fußballplatz in Klagenfurt, bei dem mein sehr netter und lustiger Lektor Rainer Moritz Schiedsrichter war.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Für mich war es die Festivalatmosphäre, in die die ganze Stadt involviert war. Und für die Leute, die den Literaturbetrieb schon kannten, war die Veranstaltung wie eine Klassenfahrt. Sie trafen viele Bekannte, man war viel draußen, saß unter Bäumen. Ich mag es im Grunde sogar, dass der Bachmannpreis ein Wettbewerb ist. Das macht es spannend. Allerdings kann man das nur genießen, wenn man es als Spiel sehen kann. Mir gelang das damals, weil ich ein Neuling war und mit so einer Einladung überhaupt nicht gerechnet hatte. Es war mir egal, dass ich letztlich nichts gewonnen habe Wenn man aber schon länger dabei ist und um Anerkennung kämpfen muss, ist es härter. Da kann ich die KollegInnen verstehen, die unter manchen Geringschätzigkeiten der Jurys gelitten haben.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Auch da gebe ich Peter Wawerzinek recht: Die eigentliche Veranstaltung (also abgesehen von dem charmanten Drumrum) hatte, zumindest damals, auch was Biederes. Die Jury bestand aus vielen Leuten, die studierter und versierter waren als ich und denen mein Stoff – ein Girl in einer kleinstädtischen Chemischen Reinigung, das sich nach der weiten Welt der Rockmusik sehnte – eher fremd war. Ich hatte bei der recht autobiographischen Story an Irmgard Keun gedacht und mir mit ihren Büchern Mut gemacht. Ich freute mich über die verständnisvolle Bemerkung Robert Schindels in der Jury, er hätte sich in meinem Text noch einen Huckleberry Finn gewünscht, als Kontrapunkt zu meinem weiblichen Tom Sawyer. Das kam dem, was ich im Sinn hatte, ziemlich nahe.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Ich habe ihn zu lange nicht mehr gesehen und kann das nicht beantworten.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Habt Spaß, seid freundlich, und lasst alles andere von euch abperlen!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Silvia Szymanski, Schriftstellerin

Zur Person: Silvia Szymanski, 1958 in Merkstein bei Aachen geboren, war u. a. Sängerin/Songwriterin der Band „The Me-Janes“ und veröffentlichte 1997 ihren Debutroman „Chemische Reinigung“. Weitere Romane, Storys und Artikel folgten. Seit 2011 schrieb sie zudem regelmäßig u. a. für das Online-Filmmagazin „Hard Sensations“. Seit 2025 ist sie Redakteurin des Online-Filmmagazins „critic.de“.

 ORF Studio _ Klagenfurt _ vor der Preisverleihung 2015

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann auf Ihrer Terrasse in Rom, Bocca de Leone, um 1970

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Elisabethbrücke _ Lendkanal Klagenfurt

Fotos: Portraits_Silvia Szymanski: 1 Silvia Szymanski; 2 Eberhard Schoenle

Foto: Ingeborg Bachmann _ Garibaldi Schwarze

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt_ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 12.6.2026

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„eine Haltung, die Offenheit und Vielfalt nicht nur vertritt, sondern auch verteidigt“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Henning Ahrens, Schriftsteller _ Frankfurt/Main 16.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _  Henning Ahrens, Schriftsteller _ Frankfurt/Main

Bachmannpreisnominierter 2003 _ Text: „Commander Coeursledge“

Einladender Juror: Thomas Steinfeld

Lieber Henning, Du hast 2003 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Der Bachmannpreis hatte stets einen hohen Rang und lange eine größere Öffentlichkeit als andere Preise, nicht zuletzt aufgrund der im Fernsehen übertragenen Lesungen und Diskussionen. Daran teilzunehmen, war so gesehen nicht ohne, aber durchaus eine Ehre.

Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?

Anwesend zu sein, während der eigene Text diskutiert wird, verlangt eine gewisse Selbstbeherrschung – besser, man hält den Mund, denn so oder so, man kann sich nur etwas vergeben. Die Veranstaltung insgesamt habe ich damals als respektvoll und kollegial erlebt.

Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?

In keiner Weise, denn ich wurde nicht ausgezeichnet. Auf meine weitere schriftstellerische Arbeit hatte die Veranstaltung ebenso wenig Einfluss.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Eine über das Tagespolitische hinausgehende Vielfalt von Themen und sprachlichen Ansätzen, also Offenheit. Zugleich eine Haltung, die eine solche Offenheit und Vielfalt nicht nur vertritt, sondern auch verteidigt.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Nur das Beste und viel Erfolg, der Veranstaltung selbst ein langes und fruchtbares Bestehen. Obendrein, wie sich von selbst versteht, einen festen Glauben an die Literatur.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

 Henning Ahrens, Schriftsteller

Zur Person: Henning Ahrens, geb. 1964, aufgewachsen auf dem niedersächsischen Land. Studium von Anglistik, Mittlerer und Neuerer Geschichte sowie Kunstgeschichte. Promovierte mit einer Arbeit über den britischen Autor John Cowper Powys. Seit 1997 als Autor und literarischer Übersetzer tätig. Lebt in Frankfurt a. M. Zuletzt erschienen: Jahre zwischen Hund und Wolf (Roman. Klett-Cotta 2025), Inventur eines Dinosauriers (Lyrik. Schöffling & Co. 2026)

Aktueller Roman:

„Manchmal ist eine kalte Welle alles, was es braucht, um auch den reifen Jahren noch einmal Möglichkeiten abzugewinnen, das eigene Leben zu gestalten. Aufrichtig, augenzwinkernd, aufmerksam erzählt Henning Ahrens von Menschen, die ihrem Lebensalter mit Lebensmut begegnen: Alten Eltern, erwachsenen Kindern und den Folgen dessen, was man getan hat, ebenso wie späten Umbrüchen, verpassten Chancen und unerwarteten Neuanfängen.

Am Strand tritt der Zeichner Hardy Espen auf die Erkennungsmarke eines Soldaten und findet sich in Gesellschaft eines gleichermaßen unverhofften wie treuen Erbes. Seine Partnerin Aîné, studierte Kunsthistorikerin und nun Blumenhändlerin, will ihren Eltern ein letztes Mal entgegentreten. Héloïse, Viehwirtin und Hardys Nachbarin, sieht in ihrem Hof die Gelegenheit aufblitzen, noch einmal neu anzufangen, und ein schürzenjagender Gendarme sucht sich mit dem drohenden Ende seines Berufslebens neue Aufgaben. Alle stellen sie fest, dass das Leben einem die Konsequenzen der eigenen Vergangenheit vorhält, dass es niemals stillsteht – und man also besser gelassen bleibt und Schritt hält. Und so setzen sie sich in Gang im Westen der Normandie, zwischen Hügeln und Meer und unter Wolken, die nach wie vor und immer wieder einen Hauch Himmel verheißen.“ (Pressetext Verlag)

1. Auflage 2025, Erscheinungstermin: 16.08.2025, 384 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

ISBN: 978-3-608-96645-9 _ 25,00 €

Aktueller Lyrikband:


„Wo kann man sich dieser Tage noch verorten? Wo sich finden zwischen Großstadthitze, eingezäunten Kleingärten und den Entfremdungen der digitalen Welt?

Henning Ahrens stellt in seinem neuen Gedichtband genau diese Fragen und macht tatsächlich Inventur, betrachtet den Stand der Dinge in der Welt, im Körper, im Ich: von Rohrleitungen und Straßenbahnen bis zum schwankenden Kahn auf hoher See, von den gestopften Socken im Schrank der verstorbenen Großmutter bis zu den eigenen Ohren. Verschlungene Wege führen in heimatliche Wälder, altehrwürdige Häuser, sogar auf Schlachtfelder. Skurrile Begegnungen unter Wolkenkratzern gesellen sich zu persönlichen Erinnerungen an Eltern, Großeltern und Schwiegereltern, sodass ein beinahe zärtlicher Dialog zwischen vergangenen Generationen und gegenwärtigen Krisen entsteht.

Mal heiter oder selbstironisch, mal nüchtern oder ernüchtert fügt Ahrens die geschliffenen Einzelteile zu einem in Gänze gespiegelten Leben, das im Hier und Jetzt beginnt und seinen Wurzeln folgt.“ (Pressetext/Verlag)

Inventur eines Dinosauriers

Lyrik

96 Seiten | Gebunden

€ (D) 22,– | sFr 30,90 | € (A) 22,70

ISBN 978-3-69097-027-3

Lesestuhl Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Bachmannpreisgründer und langjähriger Juror, Autor, Journalist _  Humbert Fink
Ingeborg Bachmann, 1962, Rom

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

ORF Studio

Wörthersee

Foto:  Henning Ahrens _ Gabrielle Strijewski

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Humbert Fink _ privat

Fotos: Bachmannpreis ORF Studio/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 11.6.26

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„was am Schreiben zerstörerischer sein kann: Erfolg oder Misserfolg?“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Katrin Askan, Schriftstellerin _ Berlin 15.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview_ Katrin Askan, Schriftstellerin, Philosophin_Berlin

Bachmannpreisnomierte 2001

3sat Preisträgerin

Liebe Katrin, Du hast 2001 am „Bachmannpreis“ in Klagenfurt als dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Welche Erinnerungen hast Du spontan daran?

Es war wie eine Mischung aus Sommermärchen und MET-Gala, und irgendwie gehörte ich zu den Ausstellungsstücken. Damals florierte ja noch der Begriff „deutsches Fräuleinwunder“ in der Literaturszene, das muss ich wohl nicht weiter kommentieren. Aber es war, alles in allem, auch eine wunderbare Gelegenheit, einen eigenen Text nicht genuin über ein Druckwerk, sondern über das darstellende Lesen, also als Performance vor einem großen Publikum zu präsentieren. Zum Glück war mir das damals aber gar nicht so bewusst, demzufolge habe ich einfach nur versucht, der Erzählstimme meines Textes auf möglichst unprätentiöse Weise Gehör zu verschaffen.

Was macht für Dich das Besondere des Bachmann-“Bewerbs“ aus?

In erster Linie halte ich es für eine medienwirksame Erinnerung an die Namensgeberin. Ob sie den Rummel gut gefunden hätte, ist fraglich, letztlich aber auch nachrangig. Denn alles, was der Literatur und damit auch den Autorinnen und Autoren dazu verhilft, wahrgenommen und gelesen zu werden, ist und kann nur richtig sein.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Erinnerungen verändern sich bekanntlich mit der Zeit, und wahrscheinlich würde ich jetzt sowieso anders antworten, wenn ich damals keinen Preis gewonnen hätte. Aber für mich überwiegt auch im Rückblick auf die Veranstaltung klar der Charakter des Wettbewerbs, ganz ähnlich wie beim Sport: Es war ein Gemisch von Freude, dabei sein zu dürfen, und von Aufregung vor der Präsentation, weil ja immer auch ganz viel schief gehen kann, und dann natürlich auch von Neugier, die Texte der anderen betreffend. Ich glaube, die Binnenperspektive, wie man die anderen und ihre Texte wahrgenommen hat und sich da für sich selbst einordnete, war letztlich viel entscheidender als die Bewertung von außen, die auf mich wie ein von allem losgelöstes Bühnenstück wirkte. Das soll aber überhaupt nicht despektierlich klingen: Ich war und bin dankbar, dass und wie sich die Jurorinnen und Juroren für ihre Nominierten ins Zeug legten. Aber auch sie wollten sich dabei letztlich profilieren.

Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?

Hat es sich ausgewirkt? Keine Ahnung. Ich habe mich dann ja zurückgezogen, was wiederum verschiedene Gründe hatte. – In meinem 2025 erschienenen Roman DICHTER, der von dem saarländischen Lyriker Johannes Kühn handelt, werden einige Mechanismen des Literaturbetriebs thematisiert, die viele Sensible zermalmen, zum Schweigen bringen. Offen bleibt die Frage, was am Schreiben, an der Kunst überhaupt, zerstörerischer sein kann: Erfolg oder Misserfolg. Das liegt am jeweiligen Charakter sicher genauso wie an glücklichen oder unglücklichen Fügungen. Und die haben wir eben nie in der Hand.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum Fünfzigsten wünschen?

Ich wünsche den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass sie sich gehört fühlen und ihre Texte verstanden und gewürdigt wissen. Ehrungen in Form von Preisen gibt es nur für wenige, aber der Gewinn, letztlich für uns alle, ist das immer wieder neu geweckte Interesse an der Literatur, auf die gern mal ein Schlaglicht fallen darf. In diesem Sinne hoffe ich, dass der „Bewerb“ zumindest einmal das gleiche Jubiläum erreichen wird wie seine Namensgeberin heute.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Katrin Askan, Autorin

Zur Person: Katrin Askan lebt in Berlin, ihrer Geburtsstadt, die damals noch geteilt war. Mit 20 flüchtete sie vom einen zum anderen Teil und studierte an der Freien Universität Germanistik und Philosophie. Während dieser Zeit war sie oft in Schweden und debütierte 1996 mit „A-Dur“. Es erschienen weitere Romane und Erzählungen, für die sie zahlreiche Preise erhielt: 1998 „Eisenengel“, 2000 „Aus dem Schneider“, 2002 „Wiederholungstäter“, 2009 „Aufs Spiel gesetzt“, 2025 „DICHTER“. Einige ihrer Essays und Gedichte wurden in Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht, außerdem verfasst sie Theaterstücke und Geschichten fürs Radio, übersetzt hin und wieder Hörspiele aus dem Schwedischen und zeichnet.

Aktuelles Buch:

Die Freundschaft zwischen dem Dichter Johannes Kühn und Benno Rech besteht 75 Jahre lang. Als Johannes zu schweigen beginnt, weil sich offenbar niemand für seine Gedichte interessiert, hält Benno zu ihm und hilft ihm aufopferungsvoll, obwohl er selbst fest eingebunden ist in Familie und Beruf. Ohne sein Engagement wäre diese Stimme in der deutschen Literatur wohl nicht hörbar geworden.

Katrin Askan, Dichter _ Roman einer Freundschaft, Elsinor Verlag

Klappenbroschur, 400 Seiten

14,5 x 22 cm

ISBN 978-3-942788-91-5

26,90 Euro [D]

Katrin Askan: Dichter

Bachmannpreis _ ORF Studio

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Gerlitzen/Kärnten
Wörthersee

Foto: Katrin Askan _ Thomas Grünholz

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Gerlitzen/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 15.6.2026

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„dass ich ungern Macht, in diesem Fall Deutungsmacht, über andere Menschen ausübe“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Helga Schubert, Bachmannpreisjurorin 1987-90 _ Schwerin/D 15.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _Helga Schubert, Schriftstellerin _ Schwerin/D

Bachmannpreisjurorin 1987-90

Bachmannpreisträgerin 2020 (online)

Liebe Helga, Du warst von 1987 bis 1990 Jurorin beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Dass ich lieber als Autorin gelesen hätte und ich ungern Macht, in diesem Fall Deutungsmacht, über andere Menschen ausübe.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass die Beurteilungen live, also transparent, für Zuschauer, Jury-Kollegen und Autoren sind.

Wie hast Du als Juror/Jurorin die Lesungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihungen und die Begegnungen rundum erlebt?

Ich fand die Lesungen, die Autoren, die Diskussionen innerhalb und außerhalb des unmittelbaren Wettbewerbs, auch die Preisverleihungen ausgesprochen interessant, rührend und lehrreich.

Wie gelingt es Objektivität zu bewahren?

Zu denken: Ich könnte die oder der Andere dort auf dem Podium sein. Solidarität entwickeln!

Wie hat sich diese Funktion auf Deinen weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?

Sie hat sich nicht ausgewirkt, weil ich mich wieder ausschließlich als Autorin sah.

Was braucht der Bachmannpreis für eine zukünftige gute Entwicklung? AUFMERKSAMKEIT, SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT, Kontinuität, Sponsoren, gute Presse.

Was möchtest Du aktuellen Juroren:innen, Teilnehmer:innen und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Wohlwollen der deutschen Sprache und Literatur gegenüber, Freude am Spiel, Humor, Weiterbestehen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Helga Schubert, Schriftstellerin _
Bachmannpreisjurorin 1987-90

Zur Person: Helga Schubert, geboren 1940 in Berlin, war Psychotherapeutin und Schriftstellerin in der DDR. Sie zog sich aus der literarischen Öffentlichkeit zurück, bis sie 2020 mit der Geschichte ›Vom Aufstehen‹ den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann. Der gleichnamige Erzählband erschien 2021 bei dtv und war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. 2023 erschien ›Der heutige Tag. Ein Stundenbuch der Liebe‹, 2024 wurde Helga Schubert mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Landeskulturpreis MV ausgezeichnet. Helga Schubert 15.6.2026

Bachmannpreis _ Jurysetting 2022 _ ORF Studio

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Rathaus _ Bachmannpreisankündigung
Wörthersee

Foto: Helga Schubert _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Ossiacher See _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 15.6.2026

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„Klagenfurt hat mich als Kritikerin Demut gelehrt“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Klara Obermüller, Bachmannpreisjurorin 1980-92 _ Zürich 15.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Klara Obermüller, Schriftstellerin, Journalistin, Fernsehmoderatorin _ Zürich

Bachmannpreisjurorin _ 1980-81; 1983-86; 1992

Liebe Klara, Du warst von 1980 bis 1992 mit Unterbrechungen Jurorin beim Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum. Was sind spontan Deine ersten Erinnerungen?

Als Erstes verspüre ich wieder das Lampenfieber, das mich jeden Morgen immer wieder von Neuem befiel, und auch die Angst, vor den Granden des Bachmann-Wettbewerbs – Marcel Reich-Ranicki, Walter Jens, Joachim Kaiser, Peter Härtling, Hilde Spiel u.a. – nicht bestehen zu können.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die Spontaneität der Urteile und dass man sie in Anwesenheit der betroffenen Autorinnen und Autoren abgeben muss. Normalerweise sitzt man als Literaturkritiker in einem geschützten Raum. Man kann sich vorbereiten, das Buch immer wieder zur Hand nehmen, Zitate nachschlagen und schließlich seine Kritik schreiben, ohne dem Autor ins Gesicht sagen zu müssen, was man von seinem Werk hält. Das alles fällt beim Bachmannpreis weg. Man ist ungeschützt, man exponiert sich und kann sich vor versammeltem Publikum bis auf die Knochen blamieren.

Wie hast Du als Jurorin die Lesungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihungen und die Begegnungen rundum erlebt?

Am Ende eines Wettbewerbs immer sehr positiv. Es gab schließlich Preise zu vergeben und Lob auszusprechen. Das hat mich jeweils auch bewogen, im kommenden Jahr wieder mitzumachen. Zuvor aber empfand ich die Lesungen oft als mühsam und die Diskussionen als unnötig verletzend. Die Juroren versuchten sich gegenseitig zu übertrumpfen und profilierten sich nicht selten auf Kosten der Autoren. Denn letztlich hatten nicht nur die Autoren vor der Jury zu bestehen, sondern auch die Juroren vor einem nicht eben wohlwollend eingestellten Publikum.

Wie gelingt es Objektivität zu bewahren?

Man kann sich darum bemühen, im Grunde aber ist der Bachmann-Wettbewerb eher dazu angetan, die Literaturkritik in ihrer Subjektivität zu entlarven. Und das finde ich gut so.

Wie hat sich diese Funktion auf Deinen weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?

Sie hat mich kritischer mir selbst und meiner Tätigkeit gegenüber gemacht. War ich früher oft unbekümmert und harsch in meiner Kritik, stand mir danach stets die Situation in Klagenfurt vor Augen, wo meine Urteile sowohl vor meinen Jurykollegen als auch vor dem Publikum und nicht zuletzt vor den Autoren selbst zu bestehen hatten. Klagenfurt hat mich als Kritikerin Demut gelehrt.

Was braucht der Bachmannpreis für eine zukünftige gute Entwicklung?

Vielleicht wieder mehr von jener Spontaneität, die der Bewerb früher hatte, als die Juroren die Manuskripte erst unmittelbar vor der Lesung zu Gesicht bekamen und folglich auch keinen Wissensvorsprung vor dem Publikum hatten. Das mag zu kapitalen Fehlurteilen geführt haben, es machte den Prozess der Urteilsfindung aber auch auf entblößende Weise transparent. Heute hingegen hat man manchmal den Eindruck, die Juroren hätten ihre Kritik schon im Kopf, bevor die Lesung begonnen hat.

Was möchtest Du aktuellen Juroren:innen, Teilnehmer:innen und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Dass die Veranstaltung weitergeht, dass die Diskussionen wieder spontaner werden und dass es gelingt, vermehrt auch gestandene Autorinnen und Autoren zur Teilnahme zu bewegen. Sie haben in Klagenfurt mehr zu verlieren als der Nachwuchs, aber sie setzen auch Maßstäbe, die ein solcher Literaturwettbewerb dringend braucht.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Klara Obermüller, Bachmannpreisjurorin

Zur Person: Klara Obermüller

Nach dem Studium der deutschen und französischen Literatur sammelte Klara Obermüller erste journalistische Erfahrungen bei der Kunst- und Kulturzeitschrift DU. Es folgten ein kurzes Gastspiel auf der Feuilletonredaktion der NZZ sowie eine mehrjährige freiberufliche Tätigkeit. 1980 trat sie der Redaktion der Weltwoche bei, wo sie zunächst für Literatur und Theater, später für ethische und kirchlich-religiöse Fragen zuständig war. Von 1996 bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2002 moderierte sie die Sendung „Sternstunde Philosophie“ von SF DRS. Seither ist sie als freiberufliche Publizistin und Buchautorin auf dem Gebiet von Literatur, Altersfragen, Bioethik, Kirche und Religion tätig.   Klara Obermüller | Journal21  15.6.26

Bachmannpreis _ Jurysetting 2022 _ ORF Studio

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Ossiacher See

Foto: Klara Obermüller _ Florian Bachmann

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Ossiacher See _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 15.6.2026

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„mit Nick Cave gesprochen, Texte sind keine Rennpferde“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Ursula Fricker, Schriftstellerin _ Berlin 15.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Ursula Fricker, Schriftstellerin _ Berlin

Bachmannpreisnominierte 1999

Text: Da sind schon ganz andere gescheitert

Liebe Ursula, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Für mich war es die erste Berührung mit dem sogenannten Literaturbetrieb überhaupt. Ich hatte bisher nur ein paar kurze Texte in Zeitungen bzw. Zeitschriften veröffentlicht. Gespannt und ziemlich überfordert versuchte ich den Bewerb sportlich zu sehen, was mir vor Ort dann, zugegeben, nicht so richtig gelang.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Die mediale Begleitung. Somit steht er auch stärker als andere Literaturformate im Fokus von Verlagen, was für unbekannte Autoren und Autorinnen eine Chance sein kann.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Die Lesung an sich als recht gelungen. Wobei ich damals ja noch kaum Erfahrung mit Lesungen hatte. Die Jurydiskussion, naja, als eher unschön.

Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?

Keine Auswirkungen auf den Schreibstil. Auf den literarischen Weg insgesamt letztlich wohl eher positive. Zwangsläufig hatte ich mich mit der Ambivalenz von Kritik auseinanderzusetzen, dem Abgleich mit dem eigenen Urteil.

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Zukunft?

Nicht allzu zeitgeistig werden.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Urteile hängen von vielen, auch außerliterarischen Faktoren und Dynamiken ab; also den Teilnehmenden eine gewisse Gelassenheit und das Bewusstsein, dass, mit Nick Cave gesprochen, Texte keine Rennpferde sind.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Ursula Fricker, Schriftstellerin

Zur Person: Ursula Fricker, 1965 in Schaffhausen geboren, hat sechs  Romane veröffentlicht, u.a. ihr viel beachtetes Debüt Fliehende Wasser (2004), Außer sich (2012), nominiert für den Schweizer Buchpreis, und Gesund genug (2022). Die in der Märkischen Schweiz bei Berlin lebende Autorin wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt im Herbst 2022 mit dem Georg Fischer Kulturpreis der Stadt Schaffhausen. Für Fangspiele (2024) erhielt sie einen Werkbeitrag der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und den Brandenburgischen Kunst-Förderpreis für Literatur. Ursula Fricker – Kampa Verlag 15.6.26

Bachmannpreis _ ORF Studio Klagenfurt

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Gerlizen _ Blick auf Kärnten/Wörthersee

Foto: Ursula Fricker _  Ayse Yavas/Verlag

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Kärnten/Gerlitzen _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 15.6.2026

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