„Unterwasser“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Joanna Godwin-Seidl, Schauspielerin, Regisseurin _ Text/Performance _ Wien 31.1.2026

Undine geht“ _
Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,

Undine geht“ _ Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Undine geht“ _
Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,

UNDINE GEHT

Unterwasser

Nymphe

Durst

Ich-mich-mein

Nicht-gehört-werden

Endlosigkeit

Gehen

Entgehen

Hintergehen

Trostlos

Joanna Godwin-Seidl, 22.1.26

Undine geht“ _
Joanna Godwin-Seidl performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

UNDINE GEHT
Joanna Godwin-Seidl _ Akrostichon & Performance_
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Joanna Godwin-Seidl, Schauspielerin, Regisseurin _ Wien

Aktuelle Produktion von Joanna Godwin-Seidl:

MY OLD LADY  by Israel Horovitz

Foto: Gernot Ottowitz

Stage Director: Joanna Godwin-Seidl

Starring: Bronwynn Mertz-Penzinger, Dave Moskin, Kathy Tanner

viennatheatreproject.com 

A production of vienna theatre project

9. – 21. Februar 2026, Di–Sa um 20 Uhr

Performance in English

Theater Drachengasse
Fleischmarkt 22, Eingang Drachengasse 2
1010 Wien

https://www.drachengasse.at/spielplan_detail.asp?id=1213

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Foto:Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann, 1962

Fotos/Performance _ Walter Pobaschnig 12/25

Walter Pobaschnig   22.1.2026

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„eine rigorose literarische Emanzipation“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Sebastian Görtz, Schriftsteller _ Halle/Saale 31.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Sebastian Görtz
Ingeborg Bachmann auf der Terrasse ihrer Wohnung/Bocca di leone,
Rom um 1971

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Sebastian Görtz, Schriftsteller

Lieber Sebastian, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Ihre Texte haben eine Stimme, der man sich schlichtweg nicht entzieht. Beim Lesen wird durch diese Stimme schnell Zugang zu einer eigentlich verborgenen Welt gewährt: der Innenwelt.

Man merkt das deutlich an dem populär gewordenen Gedicht „Reklame“ von 1956, das zwei Erzählebenen enthält: innere Betrachtungen und eingestreute, kursiv gesetzte Werbeslogans voller Heiterkeit. Die munteren Slogans sorgen für unentwegte Beschallung und entsprechen etwas tatsächlich Hörbarem, vielleicht aus dem Radio oder einem Lautsprecher. Trotzdem ist die eigentlich nicht vernehmbare, die gedachte oder gefühlte Stimme der inneren Betrachtungen das Textelement, das tatsächlich aufhorchen lässt.

Man ist also ab dem ersten Wort mittendrin. In den Tiefen.

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Die Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie sprach 2009 in einer bedeutenden Rede von den Gefahren, die aus einem allgemeingültigen Literaturverständnis resultieren, „danger of a single story“. Wenn immer nur eine Position Literatur bestimmt, geht der Welt viel verloren.

Ingeborg Bachmann setzte mit ihren Texten einer über Jahrhunderte von Männern dominierten Literaturtradition eine eigene Erzählhaltung entgegen. Es ging nicht allein darum, sich als Frau unter Männern zu behaupten und damit die Verbindlichkeit von bestehenden Kriterien zu verfestigen. Vielmehr stellte Ingeborg Bachmann eigene literarische Prinzipien auf und orientierte sich an selbstgewählten Einflüssen.

Während die Postmoderne zeitgleich Strategien nutzte, mit denen Bestehendes dekonstruiert und neu zusammengesetzt wurde, bedeutete Ingeborg Bachmanns Werk keine Zerschlagung und Neuaneignung, sondern eine selbstbestimmte Erkundung, eine rigorose Emanzipation.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Mit der Erzählung „Undine geht“ von 1961 zeigt sich das literarische Verfahren ganz deutlich. Die mythologische Undine-Figur, dieser weibliche Wassergeist, war Inspiration für etliche von Männern geschaffene Werke. Das gilt für Literatur, Theater, Musik, Ballett, Malerei und Film. Nicht nur, dass sich Ingeborg Bachmann als Schriftstellerin nun auch diesem Undine-Stoff widmete: Sie schrieb dabei nicht über Undine, sondern nutzte die Ich-Perspektive. Sie gab Undine eine Stimme, einmal mehr solch eine präsente innere Stimme, die jetzt eine weibliche Stimme war. Sie ließ also die Figur zu Wort kommen, über die sonst so viel geäußert wurde.

Dass solche Positionswechsel geeignete Mittel gegen die Gefahr allzu einseitiger Perspektiven sind, zeigen zum Glück auch weitere Bücher – dazu gehören etwa Christa Wolfs Erzählung „Kassandra“ von 1983 oder Percival Everetts Roman „James“ von 2024.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Bemerkenswert ist Ingeborg Bachmanns Aussage in einem Interview: „die Männer sind unheilbar krank … sie sind es, wussten Sie das nicht? Alle …“  Ich meine, dass es in ihrem berühmten Gedicht „Die gestundete Zeit“ aus den frühen 1950er-Jahren eine Art Gegenstück gibt, nämlich den Vers: „er findet sie sterblich“.

Etwas Männliches unterstellt dem Weiblichen dabei Sterblichkeit, also Vergänglichkeit, zeitliche Beschränkung, das unaufhaltsame Zusteuern auf einen Endpunkt. Das Wort „er“ wird in dem Gedicht mit Sand gleichgesetzt, also einem Sediment, das an einer Art überdauerndem Endpunkt angekommen ist, das überall eindringt und das in Sanduhren die Zeit bestimmt. Der relativierten Aussage „er findet sie“ begegnete Ingeborg Bachmann später mit einer nicht-relativierten Feststellung: „die Männer sind“. Und dass Männer „unheilbar krank“ seien erscheint im Vergleich zu „sterblich“ als ein fortdauerndes Siechtum ohne Endpunkt.

Ich möchte einer zerstörerischen Gegenwart vor allem Empathie empfehlen, denn sowohl Formen von Sterblichkeit als auch Krankheit sind ja zunächst keine Kampfbegriffe, sondern die verdienen Mitgefühl von außen und innerliche Auseinandersetzung. Sie werfen Fragen auf: Wer stellt wem Befunde aus? Woran lässt sich eine Diagnose festmachen? Wie lässt sich helfen?

Literatur kann Medizin sein, und hier beziehe ich mich vorrangig auf Texte von Autorinnen. Ihre Erzählpositionen bieten bis heute Heilung an, um die allgemeine Versandung in einer „single story“ in den Griff zu bekommen und ihr etwas Unsterbliches entgegenzusetzen. Denn einseitige Rollenbilder schaden allen Geschlechtern.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Zu meinem eigenen Schreiben oder auch zum Lesen habe ich einen durchaus nüchternen Bezug, selbst in solchen Momenten, in denen es mich in seinem Bann hat. Doch dass Ingeborg Bachmann das Wort „verdammt“ nutzte, ist überaus reizvoll, da sowohl Verdammnis als auch Verdammung anklingen.

Von akribische Formvirtuosen bis hin zu den routiniertesten Groschenroman-Textern und Bestseller-Stars: Schreiben bedeutet für viele sicherlich im besten Sinne eine Verdammnis zu nicht-abschaltbaren Kreativprozessen oder eine Verdammung in Denkräume, die nur von ihnen betreten werden können.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Mich würde ihre Sicht auf ihre Lesebiografie interessieren. Mit welchen Büchern ist sie aufgewachsen? Was brachte beim Lesen etwas in ihr zum Klingen? Wo spürte sie Reibungspunkte, wo atmete sie auf?

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Ich arbeite seit langer Zeit im Museumsbereich und genieße es sehr, seit einigen Jahren in einem Barockschloss tätig zu sein. Das Schreiben begleitet mich in meinem Alltag, doch ich investiere derzeit wenig Energie, dass am Ende etwas Gedrucktes entsteht. Mein Literaturbegriff ist weit. Ein fast unbegrenzter Raum, aber eben doch ein Raum, in dem ich ganz regelmäßig anzutreffen bin. Ich lasse mich durchaus finden.

Herzlichen Dank für das Interview!

Allerbesten Dank für deine unermüdliche Arbeit, Stimmen aus der Kultur einzufangen – gerade im konkreten Fall, wenn es um die Würdigung der großen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann geht.

Sebastian Görtz_Schriftsteller

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, um 1970.

Fotos: Sebastian Görtz _ privat.

Walter Pobaschnig   1_26

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„Der Bachmannpreis macht Literatur zum einzigartigen Ereignis“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Karl-Gustav Ruch, Schriftsteller _ Barcelona 31.1.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Karl-Gustav Ruch, CH, Schriftsteller _  Lesung _
Bachmannpreis 2009

Im Interview _

Karl-Gustav Ruch, CH, Schriftsteller _  Bachmannpreisnominierter 2009

Lieber Karl-Gustav, Du hast 2009 am Bachmannpreis in Klagenfurt, dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen, was ist spontan Deine erste Erinnerung?

Ein aufregender und aufreibender Anlass. Welcher Autor / welche Autorin träumt nicht davon, einmal in Klagenfurt vor den renommierten Juror:innen, Kritiker:innen, Agent:innen, Verleger:innen und dem Fernsehpublikum aufzutreten? Wer hofft nicht, nun endlich im Hub der Literaturszene angekommen zu sein? Klagenfurt – ein Ort der Träume, Illusionen und Frustrationen. Ich habe außer dem etwas surrealen Preis der Automatischen Literaturkritik nichts geholt. Ich nahm’s gelassen. Die Erleichterung, es hinter mir zu haben, überwog die Frustration.

Karl-Gustav Ruch, CH, Schriftsteller _  Bachmannpreisnominierter 2009 _ im Gespräch mit Clarissa Stadler, ORF, Moderatorin des Bachmannpreises 2009.

Von der Eröffnung des Bachmannpreises bis zur Preisverleihung sind es fünf Tage. Wie waren diese damals terminlich strukturiert und welchen Treffpunkt möchtest Du da hervorheben?

So genau kann ich mich nicht erinnern. Wir Autoren trafen uns vor allem an und nach den Lesungen und im Hotel. Ein oder zweimal trafen wir uns an einem Dinner mit den Juroren und Verlegern. Am letzten Tag war der Höhepunkt das Fussballspiel mit den Autoren.

Bachmannpreisnominierte 2009

Wie kam es zu Deiner Nominierung und wie hast Du Dich im Vorfeld vorbereitet?

Es war meine zweite Bewerbung. Juror Paul Jandl rief mich an und gratulierte mir zur Nominierung. Ich kippte vor Überraschung beinahe vom Stuhl, denn ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, aus Hunderten ausgewählt zu werden – auch wenn ich von meinem Text überzeugt war. Ich hatte in meinem Autorenleben erst zwei oder drei Lesungen vor Publikum gehabt, also habe ich das dramatische Vorlesen intensiv geübt.

Wie hast Du deine Lesung/Kritik und das rundum Danach erlebt?

Lesung: Du wirst verkabelt, auf die Bühne geschoben und stehst plötzlich im gleissenden Rampenlicht. Ich war so nervös, dass das Manuskript in meinen Händen während der Lesung zitterte; deshalb traute ich mich nicht, nach dem Wasserglas vor mir zu greifen. Aber davon haben zu meiner grossen Überraschung die wenigsten etwas gemerkt. Nach der Lesung hörte ich Kommentare wie: Mensch, warst du cool!

Ich merkte bald, hier geht es nicht nur um Texte, ums Lesen und die Autoren. Die Bühne gehörte den Juroren. Es war eigentlich ihre Show, ihr Wettkampf: sich gegen ihre Gegenspieler in der Jury rhetorisch durchzusetzen und vor dem Publikum zu triumphieren. Daumen hoch, oder Daumen runter und dann Stellung verteidigen. Scheingefechte? Wirkliche Gespräche, die sich entwickeln, waren das nicht.

Bei meiner Lesung kam es zu einem harten Schlagabtausch zwischen Juror Ijoma Mangold, der sich am Text festbiss, und Paul Jandl, der meinen Text tapfer verteidigte. Man lernt immer was: Ich hatte mir zuvor nicht vorstellen können, dass man einen Text mit Rollenprosa derart missverstehen oder missdeuten kann, wie Juror Mangold es vormachte.

Ich habe nie verstanden, warum die AutorInnen beim Jurorengespräch wie brave Schüler dasitzen sollen und nicht aktiv ins Gespräch einbezogen werden – wie in den Lesungen der Gruppe 47, von der der Bachmannpreis ja inspiriert wurde.

Jury & Publikum, 2009

Wie war der Kontakt zu Kollegen:innen, Jury, Publikum?

Ich hatte einen guten Draht zu den meisten AutorInnen. Aber in der Regel waren alle mit sich selbst und ihrer Lesung beschäftigt. Meine erste und nachhaltigste Begegnung war mit Karsten Krampritz. Auch heute habe ich noch einen freundschaftlichen Kontakt zu ihm über Facebook.

Wie hat sich die Teilnahme auf Deinen weiteren Weg des Schreibens ausgewirkt?

Ich glaube, wenig. Als deutschsprachiger Autor mit Wohnsitz in Spanien lebe ich im literarischen Abseits. Ich musste bald feststellen, dass ich auch nach Klagenfurt den Verlagen hinterherrennen würde, nicht sie mir.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen mitgeben?

Nehmt’s wie ein Sportevent. Schiri-Entscheide sind nicht immer nachvollziehbar. Dabei zu sein, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und Literaturklatsch zu hören, das eröffnet Schreibenden wertvolle Einsichten.

Lesepult & Publikum _
Bachmannpreis 2024, folgende.
Der Juryblick
Ankommen der Nominierten 2024

Darf ich Dich abschließend zu einem Geburtstagswunsch zum Bachmannpreis 50er und einen Gruß an Lesende, Jury und Publikum bitten:

Der Bachmannpreis ist und bleibt – auch auf internationaler Ebene – ein einzigartiger Anlass, der Literatur zum Ereignis macht. Herzlichen Glückwunsch! Möge er noch viele weitere Jahre feiern!

Anspannung vor der Auslosung der Lesereihenfolge _
Bachmannpreis 2023, folgende
großes Publikumsinteresse an allen Lesetagen

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person Karl-Gustav Ruch:

Karl-Gustav Ruch, geboren 1954 in Zürich, Ausbildung zum Gitarrenlehrer, Studium der Germanistik und Philosophie. Er lebt seit 1990 in Barcelona, arbeitete als Deutsch-, Philosophie- und Musiklehrer und ist derzeit als freier Autor tätig.                                           

Ab 1987 erste Veröffentlichungen von Erzählungen, Essays und Feuilletons. 2004 erschien sein Erzählband Talgo-Pendular (Eremiten-Presse), 2011 Hinter der Wand – Geschichten zwischen Zürich und Barcelona (edition 8), 2017 der Roman Das letzte Fenster (hockebooks). Sein letztes Buch, der Roman Linas Baum, ist 2024 bei Sisifo im Leipziger Literaturverlag erschienen.                                                                                                       

Mit der Erzählung Hinter der Wand wurde er 2009 für den Ingeborg-Bachmann-Preis nominiert.

Curriculum vitae

Geboren wurde ich als Amöbe, strampelte

auf Scheinfüssen ein paar Millionen Jahre

durch die Meere des Kambriums,

schlug dann mit Flossen,

kroch, schlich, humpelte

eine halbe Milliarde Jahre später ins Holozän,

überlebte Meteoritenhagel, Eiszeiten und Napoleon.

Mein Bruder wurde Haifisch,

schnappt nach Beinen und Gedärm.

Ich wurde Lehrer und

korrigiere Aufsätze.

https://www.karlgustavruch.com/deutsch/bio/

Aktuelles Buch von Karl-Gustav Ruch:

„Als Lina stirbt, soll ihre Asche unter ihrem Lieblingsbaum in den Wind gestreut werden. Auf dem Friedhof findet ihr Sohn Henrik einen Blumenstrauß mit der Inschrift: Ich liebe dich für alle Zeit. Henning. Henrik wird zum Ermittler. Er beginnt im Nachlass nach dem geheimen Leben seiner Mutter zu forschen und stößt auf Fotos, Liebes- und Abschiedsbriefe von einem Lars und einem Henning. Wer ist Lars, wer Henning? Lina hat in der Familie nie von früheren Beziehungen mit Männern erzählt, auch nicht von ihrer Adoption und ihrem biologischen Vater. Henrik reist auf den Spuren Linas nach Schweden und lernt so eine andere Frau kennen als jene, die er als seine Mutter kannte. Allmählich tut sich ein Abgrund auf. Seine Mutter wird ihm mehr und mehr zum Mysterium…“ Presseinfo

Karl Gustav Ruch publiziert auch regelmäßig in der Wiener Literatur-Zeitschrift „Aus dem Alltag“, Texte und Fotos erscheinen: https://www.ausdemalltag.at/author/karl-gustav-ruch/

Anna Baar, Rede zur Literatur _ Bachmannpreis 2022

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Fotos: Bachmannpreis 2009 _ Karl-Gustav Ruch.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos _ Bachmannpreis 2022/23/24/25 _Walter Pobaschnig

Interview _ Walter Pobaschnig 22.1.2026

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„Musik lässt ein Stück näher aneinander rücken“ Akkordeon Angelina, Musikerin _ Linz 30.1.2026

Liebe Akkordeon Angelina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus

Ich arbeite als Teilzeitkraft im Museum, um meine Fixkosten decken zu können. Die Musik strukturiert meinen Tagesablauf. Ich darf mich praktisch ständig auf kommende Engagements vorbereiten. Jeden Tag versuche ich mein Übungs-Level von mehreren Stunden einzuhalten, was mir auch meistens gelingt. Einerseits übe ich am Instrument fünf Tage die Woche jeweils höchstens zwei Stunden, andererseits verbringe ich viel Zeit mit dem Studium von Noten. Wenn ich nicht am Instrument übe, studiere ich Musik mental. Zudem lebe ich am elterlichen Bio-Bauernhof und habe eine mir liebgewonnene Katze als Haustier, die mir sehr viel Freude bereitet.

Akkordeon Angelina, Musikerin, Malerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wichtig in Zeiten vieler schlechter Nachrichten aus aller Welt, ist es, ein Maß an Lebensfreude aufrecht zu erhalten und Musik ist für viele Menschen ein ganz wesentlicher Teil davon. Die Liebe zur Musik ist nicht nur mir wichtig, sondern vielen anderen Menschen auch.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Wir können das Aufbrechen von festgefahrenen Strukturen überall in der Welt beobachten. Kunst, und ganz besonders Musik, hat für die Menschen eine verbindende Wirkung und lässt sie ein Stück näher aneinander rücken. Ich freue mich als Akkordeonistin, meinen Beitrag zu dieser Verbindung zwischen den Menschen leisten zu können. Ich bereite gerne anderen Menschen eine Freude. Musik ist eine Kraftquelle für uns alle.

Was liest Du derzeit?

Ich lese momentan kein bestimmtes Buch, sondern vielmehr Ausstellungstexte in der Arbeit, und zuhause am Abend vorm Schlafengehen sehr gerne Bibel-Stellen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“  Antoine de Saint-Exupéry aus „Der kleine Prinz“

Das ist ein Lebens-Motto, das auch meiner Erfahrung entspricht, denn ich lasse mich sehr oft vom Herzen leiten.

Vielen Dank für das Interview!

Akkordeon Angelina, Musikerin, Malerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Akkordeon Angelina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik- Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen: Akkordeon Angelina, Musikerin, Malerin

Zur Person/über mich: Akkordeon Angelina entstammt einer Bio-Bauernfamilie in Steyregg bei Linz. Bereits im zarten Alter von acht Jahren entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Akkordeon. Sie ist Absolventin der Anton-Bruckner-Privatuniversität.

Ihre bedeutendsten Engagements mit ihrem roten Borsini-Akkordeon:

Akkordeonistin bei der Nestroy-Produktion „Der Färber und sein Zwillingsbruder“ im Volkstheater Wien in der Spielzeit 2011/12.

Gastmusikerin bei der Operetten-Produktion „Pariser Leben“ von Jacques Offenbach am Landestheater Linz in der Spielzeit 2012/13.

Musikalischer Rahmen des Festakts „25 Jahre Stifterhaus neu“ im Juni 2018.

Seit ihren Schultagen am Adalbert-Stifter-Musikgymnasium musiziert sie gemeinsam mit Gerald Bok im Duo – seit kurzem unter dem Namen „AccoRougePink“. Zusammen haben sie bereits bei vielen Konzerten und Feierlichkeiten musiziert.

Neben der Bühne teilt Akkordeon Angelina ihre Musik auch auf ihrem YouTube-Kanal, wo sie regelmäßig neue Interpretationen auf ihrem Borsini- oder Pigini-Akkordeon präsentiert – stets mit einem Hauch persönlicher Leidenschaft und künstlerischer Neugier.

Auch die Malerei begleitet sie seit ihrer Kindheit – als stiller Gegenpol zur Musik, als farbenfrohes Echo ihrer kreativen Seele.

Homepage: https://www.akkordeon-angelina.at/

Fotos: Ramsy Gsenger

29.1.2026_Interview_Walter Pobaschnig

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„mir ist so schwer“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text/Performance _  Verena Dolovai, Schriftstellerin _ Klosterneuburg/NÖ 30.1.2026

 Verena Dolovai, Schriftstellerin __ Wien _ performing „Malina“ _
Originalschauplatz Wien _

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz „Malina“ Roman/ Ingeborg Bachmann im III.Wiener Gemeindebezirk „Ungargassenland“_
Walter Pobaschnig f.,

MALINA

mir ist so schwer

ach, um mein herz

liebster hilf, mein

ich

nicht zu löschen

auch wenn vergeblich dein bemühen

 Verena Dolovai, 10.1.2026

 Verena Dolovai, Schriftstellerin __ Wien _ performing „Malina“ _
Originalschauplatz Wien _

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz „Malina“ Roman/ Ingeborg Bachmann im III.Wiener Gemeindebezirk „Ungargassenland“_
Walter Pobaschnig f.,

MALINA Text/Performance _ Originalschauplatz

Verena Dolovai, Schriftstellerin __ Wien _ performing „Malina“ _

Walter Pobaschnig _ Idee/Regie/Fotos

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Malina, Roman, Ingeborg Bachmann, 1971.

Malina ist der große, einzige Roman, der von 1946-53 in Wien lebenden Ingeborg Bachmann, in dessen Mittelpunkt eine namenlose Schriftstellerin in ihren Wegen, Spannungen und Zerstörungen zwischen Vergangenheit und patriarchaler Gegenwart steht. Der Romanschauplatz ist Wien und hier wesentlich das „Ungargassenland“, darin auch der Wohnsitz der 1973 in Rom verstorbenen Schriftstellerin lag. In ihren letzten Lebensjahren dachte die vielfach ausgezeichnete wie vielseitige Autorin eine Rückkehr nach Wien an. Dazu kam es aber nicht mehr.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

 Verena Dolovai, Schriftstellerin _
Romanschauplatz „Malina“ _ Wien _ 1/26

Aktueller Roman von Verena Dolovai: „Dorf ohne Franz“ Septime Verlag.

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann

Fotos: Verena Dolovai _ Walter Pobaschnig 1/26

Walter Pobaschnig 1/26

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„Es ist immer Krieg, solange Sprache lügt oder schweigt“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Martina Caluori, Schriftstellerin _ Chur/CHE 29.1.2026

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview _ Martina Caluori, Schriftstellerin

Liebe Martina, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann ist ein existenzieller. Ich lese sie nicht unbedingt, um etwas über Literatur zu erfahren, sondern um zu verstehen, wie Sprache Erfahrung trägt, ohne sie zu verraten. Bachmann interessiert mich dort, wo Schreiben ein Ort ist, an dem Denken, Erinnern und Verletzbarkeit zugleich möglich werden. Mich berührt ihre Wahrhaftigkeit, ihre Schonungslosigkeit im Ernstnehmen, auch von Sprache, und ihr Misstrauen gegenüber jeder Form von falscher Versöhnung. Sie schreibt aus einem Bewusstsein für Übergänge, für Risse, für das, was nicht aufgeht. Das ist ein Raum, in dem ich mich wiederfinde, auch in meinem eigenen Schreiben. Bachmann schreibt nicht über Zustände, sie schreibt aus ihnen. Das lässt mich verstehend fühlen.

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Bachmann schreibt nicht, um Wirklichkeit abzubilden, sondern um sichtbar zu machen, wie und wo Wirklichkeit – auch in Sprache – entsteht und wie sie durch Sprache auch verletzt, verzerrt oder zerstört werden kann. Ihre Texte sind hochsensibel für Übergänge: zwischen Liebe und Gewalt, Innen- und Außenwelt, Erinnerung und Gegenwart. Sie verweigert einfache Erzählungen. Was ihr Schreiben so einzigartig macht, ist diese Konsequenz: Sie denkt Literatur nicht als Form, sondern als Verantwortung. Ihre Texte halten Ambivalenz aus, ohne sie aufzulösen. Sie zeigen, dass Verletzung nicht nur ein individuelles, sondern ein sprachliches und gesellschaftliches Problem ist. Bachmann schreibt dort, wo Denken wehtut – und genau darin liegt ihre anhaltende Gegenwärtigkeit.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Ich kann kein einzelnes Werk hervorheben, dafür ist mir Ingeborg Bachmanns Gesamtwerk in sich zu bedeutend. Als in der Schweiz lebende Person ist für mich jedoch der Briefwechsel zwischenIngeborg Bachmann und Max Frisch,alserweiterten Denkraum Bachmanns Werks, erwähnenswert. Vielleicht darum, wie sehr private Beziehung, gesellschaftliche Rollenbilder und literarische Öffentlichkeit ineinandergreifen und wie tief sich strukturelle Gewalt bis in die intimste Sprache einschreibt. Obwohl ich zweifle, dass sie deren Veröffentlichung überhaupt gewollt hätte.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerenden wie selbstzerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ich lese diesen Satz nicht psychologisch, sondern als Diagnose eines Systems. Bachmann spricht hier nicht nur über einzelne Männer, sondern über eine patriarchale Ordnung, die auf Gewalt, Besitz und Sprachmacht beruht, und die auch jene deformiert, die in ihr profitieren – und darin liegt das Krankhafte. Diese Kritik ist heute leider nicht weniger aktuell. Bachmann zeigt, wie Zerstörung nach innen verlagert wird, wie Selbstzerstörung aus struktureller Gewalt entsteht. Ihre Texte sind Warnungen und gleichzeitig präzise seismografische Aufzeichnungen einer Gesellschaft, die ihre Traumata nicht bearbeitet.

In „Malina“, Ingeborg Bachmanns großen und einzigen Roman (1971), stehen Hell und Dunkel der Existenz, die Liebe „es ist immer Krieg“, wie die Traumata eines Landes in Erinnerung von Shoa, Weltkrieg im thematischen Vordergrund. Wie siehst Du ihren literarischen Zugang hier und wie müssen wir heute in Literatur und Existenz mit Geschichte umgehen?

Bachmanns literarischer Zugang ist konsequent nicht-linear. Geschichte erscheint bei ihr nicht als abgeschlossenes Narrativ, sondern als etwas, das sich in Körpern, Beziehungen, Sprachmustern fortschreibt. Das resoniert stark mit mir, einem von mir erlebten heute. Wir müssen Geschichte nicht einfach erzählen, um sie zu bewältigen; wir müssen lernen, sie als gegenwärtigen Raum zu lesen. Und auch auszuhalten. Erinnerung ist kein Rückblick, sondern ein Ort, in dem Gegenwart entsteht. Literatur kann diesen Raum betreten, ohne ihn festzulegen. Sie kann erfahrbar machen, was nicht abgeschlossen ist, ohne es zu instrumentalisieren. Bachmann zeigt: Es ist immer Krieg, solange Sprache lügt oder schweigt, wo sie sprechen müsste.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte sie nicht gefragt, sondern zugehört.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Im März erscheint mein Debütroman «Schatten der Pinus». Zudem schreibe ich an einem Bühnenstück und an einem neuen Buch

Darf ich abschließend zu einem persönlichen Bachmann Zitat/Text bitten?

«Die Fahrt war so lang, aber sie hätte noch länger sein müssen, dann hätte ich ganz begriffen, wie weit ich weg muss, von Dir.»

Herzlichen Dank für das Interview!

Ich danke, ganz herzlich!

Martina Caluori, Schriftstellerin 

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Fotos:

Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Martina Caluori _ Michel Gilgen

Walter Pobaschnig   27.1.26

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„La vita non guarisce finché tace“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Text/Performance _ Martina Caluori/Sigrid Redl _ Wien 29.1.2026

Sigrid Redl, Schauspielerin _ Wien _ acting „Malina“ _
Originalschaupltz Wien _

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz „Malina“ Roman/ Ingeborg Bachmann im III.Wiener Gemeindebezirk „Ungargassenland“_
Walter Pobaschnig f.,
Sigrid Redl, Schauspielerin _ Wien _ acting „Malina“ _
Originalschaupltz Wien _

Walter Pobaschnig, f.

MALINA

Mehr zerfällt nicht

Auslöschung an Ufern

La vita non guarisce finché tace

Ich nicht zerfällt, erschrieben

Niente finisce se non viene detto

An der Kante, aus Sprache gefallen

Martina Caluori, 27.1.2026

„Es war Mord“ Malina

MALINA Text/Performance _ Originalschauplatz

Martina Caluori_ Text/Akrostichon

Sigrid Redl _ acting

Walter Pobaschnig _ Idee/Regie/Fotos

Martina Caluori, Schriftstellerin
Sigrid Redl, Schauspielerin _ Wien _ acting „Malina“ _
Originalschaupltz Wien _

Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz „Malina“ Roman/ Ingeborg Bachmann im III.Wiener Gemeindebezirk „Ungargassenland“_
Walter Pobaschnig f.,

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Fotos:

Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Martina Caluori _ Michel Gilgen

Sigrid Redl/acting Malina _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig   27.1.26

https://literaturoutdoors.com

„Unter euch, keine Sprache“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Wort&Bild _  Romana Ganzoni/Christoph Prückner _ Wien 28.1.2026

Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler _acting Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig 6/23, folgende.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

UNDINE GEHT_ Akrostichon

Text _  Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Performance_ Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler


UNDINE GEHT


U
nter euch, keine Sprache.

Nicht gerettet.

Die Wahrheit, unbewohnbar.

Ich spreche ein letztes Mal.

Nicht für euch.

Es genügt.

Geht.

Es gibt keine Versöhnung.

Hier nicht.

Trotzdem: Wort.


Romana Ganzoni, 9.1.2026

Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler _acting Malina _
Romanschauplatz „Malina“ Wien _
Walter Pobaschnig
6/23.

Undine geht, Erzählung, Ingeborg Bachmann, 1961.

„Undine geht“ ist einer der zentralen Texte in Ingeborg Bachmanns Werk. Dieser erschien im ersten Prosaband „Das dreißigste Jahr“ und nimmt das Motiv des Undine Mythos _ Liebe, weibliche Menschwerdung, Verrat und Rache – auf und transformiert dies in die Struktur gegenwärtiger patriarchal geprägter Gesellschaftsverhältnisse. „Undine geht“ ist einer der meist rezipierten Texte Bachmanns und erfährt zahlreiche künstlerische Zugänge und Dialoge.

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Wort & Bild

UNDINE GEHT_ Akrostichon

Text _  Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Performance_ Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler

Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Aktueller Roman von Romana Ganzoni: Magdalenas SündeRoman, Diogenes, 2022 ISBN 978-3-257-24656-8  https://romanaganzoni.ch/buecher/

Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler

Fotos:

Foto: Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann.

Foto: Romana GanzoniAnna Positano

Fotos: Christoph Prückner, Regisseur, Schauspieler _acting Malina _ Romanschauplatz „Malina“ Wien _ Walter Pobaschnig 6/23

Walter Pobaschnig   1_26

https://literaturoutdoors.com

„Bachmann misstraut der Sprache, ohne sie preiszugeben“ Geburtstag Ingeborg Bachmann _ im Interview _ Romana Ganzoni, Schriftstellerin _ Celerina/CH 28.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Romana Ganzoni

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom, um 1970

100. Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Liebe Romana, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Mein Zugang zu Bachmann ist in meiner Jugend und sehr leise entstanden, mit vierzehn, fünfzehn Jahren, ihre Texte waren wie ein Versteck für mich, und das hatte von Anfang an eine körperliche Komponente, ich zitterte im Versteck. Ihre Gedichte bringen mich bis heute zum Zittern, wie das bei manchen Worten, die ich fast nicht aussprechen kann, der Fall ist, manchmal bin ich den Tränen nah, ich muss leer schlucken, atme schneller.

Ihr Werk brachte die Art von Erkenntnis, die ich mir als junger Mensch erhofft hatte, es kam als wiederkehrendes Innehalten. Beim Lesen hatte und habe ich oft das Gefühl, dass ich langsamer und aufmerksamer werden muss. Als würde ihre Sprache mich bitten, nichts zu übergehen, auch mich selbst nicht.

Ich habe Bachmann nicht „verstanden“ im Sinne eines sicheren Besitzes. Ihre Texte bleiben widerständig. Vielleicht ist das mein Zugang. Dass ich mich ihnen nicht als erfahrene Leserin oder „Wisserin“ nähern kann, ich fühle mich jedes Mal neu ausgesetzt und gemeint und gleichzeitig weder angeklagt noch entlastet.

Was macht das Besondere ihres Schreibens aus?

Es ist diese Zurückhaltung, die keine Ausweichbewegung ist. Bachmann drängt sich nicht auf, das hat sie nicht nötig, sie hebt die Stimme nicht, gerade deshalb ist sie so eindringlich. Ihre Sätze wirken bedacht, manchmal vorsichtig, fast tastend, zugleich wissen wir, hier ist nichts zufällig gesetzt.

Ich habe den Eindruck, dass sie der Sprache misstraut, ohne sie preiszugeben. Sie weiss, wie schnell Worte verletzen, beschönigen, verzerren können. Darum ist ihr Schreiben so konzentriert und genau.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Malina ist für mich ein Buch, zu dem ich immer wieder zurückkehre, ohne es mir anzueignen. Vielleicht, weil es weniger erzählt als freilegt. Weil es zeigt, was geschieht, wenn ein Bewusstsein keinen sicheren Ort findet.

Die Gedichte begleiten mich seit Jahrzehnten, und sie werden mich bis zuletzt begleiten. Sie sind eine Konstante für mich und Trost, weil ich bei der Lektüre immer wieder testen kann, ob ich noch „funktioniere“. Und, siehe da!, es gibt mich noch immer oder immer wieder in dieser nervösen Empfindung von einst.

Dies zu Gefühl, Haut und Knochen. Der Kopf ist beeindruckt, wie früh Bachmann gespürt hat, dass Zeit, Geschichte und persönliche Erfahrung nicht voneinander zu trennen sind.

Die Poetikvorlesungen lese ich wie eine Selbstvergewisserung. Schreiben als etwas, das Konsequenzen hat.

Wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörenden und zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ich lese sie nicht als zeitgebundene Kritik. Eher als sorgfältige Beschreibung von Strukturen, die sich fortsetzen, auch wenn sie ihre Gestalt wechseln. Bachmann interessiert sich nicht für Schuldzuweisungen, sondern für Mechanismen, dafür, wie Macht sich tarnt, wie Gewalt sich verkleidet, wie Sprache Normalität herstellt.

Das macht ihre Texte so gegenwärtig. Ausserdem erinnern sie uns daran, dass wir alle immer Teil dessen bleiben, was wir erkennen können.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Ein verschattetes Wort, voller Tränen und Blut. Auch Pathos. Ich würde vielleicht, etwas nüchterner, sagen, dass wir bei Bachmann spüren, dass Schreiben für sie kein Schonraum war. Es war etwas, das sie sich nicht erspart hat.

Wenn sie von dieser „absonderlichen Art zu existieren“ spricht, sehe ich darin weniger Selbstbeschreibung als Feststellung. Schreiben als Zustand, der Einsamkeit nicht aufhebt, sondern sichtbar macht. Vielleicht liegt das Belastende nicht im Schreiben selbst, sondern darin, sich nicht abzuwenden.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte ihr nicht viel sagen wollen. Vielleicht nur, dass ihre Texte mich begleiten, ohne sich zu erschöpfen.

Ich hätte sie gern gefragt, ob sie manchmal gehofft hat, weniger genau sein zu müssen.

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Schreiben schreiben schreiben.

Herzlichen Dank für das Interview!

Der herzliche Dank gebührt Dir und Deiner Arbeit, lieber Walter.

Romana Ganzoni, Schriftstellerin

Aktueller Roman von Romana Ganzoni: Magdalenas Sünde. Roman, Diogenes, 2022 ISBN 978-3-257-24656-8 https://romanaganzoni.ch/buecher/

Foto: Ingeborg Bachmann: Garibaldi Schwarze, Rom, um 1970.

Foto: Romana Ganzoni: Anna Positano

Walter Pobaschnig   1_26

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„diese Spannung zwischen Kontrolle und Verletzbarkeit“ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _ Joanna Godwin-Seidl, Regisseurin _ Wien 27.1.2026

Ingeborg Bachmann _ Joanna Godwin-Seidl

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Ingeborg Bachmann, Schriftstellerin *25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962 _ Heinz Bachmann
 Joanna Godwin-Seidl, Schauspielerin, Regisseurin _ Wien

100.Geburtstag Ingeborg Bachmann _

Im Interview & Performance _   Joanna Godwin-Seidl, Schauspielerin, Regisseurin _ Wien

Der weiteste Weg…Ingeborg Bachmanns erste Tage in Wien“ _
Joanna Godwin-Seidl _ performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz _ erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _

Ingeborg Bachmann kam hier 1946 in Wien in einer Untermietwohnung an. Später bezeichnet sie den Weg von ihrer Heimatstadt Klagenfurt nach Innsbruck, Graz und schließlich Wien als „längsten“ und beschreibt damit die Suche nach Beruf, Identität und Auseinandersetzung mit Geschichte und Herkunft. Diese Themen werden auch zur Mitte ihres Schreibens.

„Wo Deutschlands Himmel die Erde schwärzt,

sucht ein enthaupteter Engel ein Grab für den Hass

und reicht dir die Schüssel des Herzens…“

„Früher Mittag“ _ aus dem Gedichtband „Die gestundete Zeit“ Ingeborg Bachmann 1953

Joanna Godwin-Seidl, Schauspielerin, Regisseurin _ Wien _
performing Bachmann _ Originalschauplatz Wien


Liebe Joanna, welche Zugänge gibt es von Dir zum Werk Ingeborg Bachmanns? 

Mein Zugang zu Ingeborg Bachmann ist weniger ein akademischer als ein existenzieller. Ich bin ihr Werk nicht systematisch „durchstudierend“ begegnet, sondern punktuell, fast wie man einem Menschen begegnet, der einen plötzlich sehr genau anschaut. Ihre Texte haben mich immer dort erreicht, wo Sprache brüchig wird und dennoch präzise bleibt – im Zwischenraum von Intimität, Gewalt, Liebe und Identität. Als Schauspielerin und Regisseurin interessiert mich besonders diese Spannung zwischen Kontrolle und Verletzbarkeit.

Der weiteste Weg…Ingeborg Bachmanns erste Tage in Wien“ _
Joanna Godwin-Seidl _ performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz _ erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,
 „
Der weiteste Weg…Ingeborg Bachmanns erste Tage in Wien“ _
Joanna Godwin-Seidl _ performi

Was macht das Besondere Ihres Schreibens aus?

Bachmanns Schreiben ist für mich radikal ehrlich, ohne jemals platt zu sein. Sie benennt Gewalt nicht nur als gesellschaftliches Phänomen, sondern als etwas, das sich in Beziehungen, in Sprache, in Selbstbilder einschreibt. Diese Verbindung von politischem Denken und innerem Erleben macht ihr Werk so zeitlos – und zugleich unbequem. Sie zwingt uns, genau hinzusehen, auch dort, wo wir lieber ausweichen würden.

Möchtest Du bestimmte Werke hervorheben?

Mich beschäftigen vor allem die Texte, in denen private Beziehungen als Schauplatz gesellschaftlicher Machtverhältnisse sichtbar werden – etwa Malina oder die Erzählungen aus dem Todesarten-Zyklus. Dort wird deutlich, wie Liebe, Abhängigkeit und Gewalt ineinandergreifen. Das ist im Theater ein häufiges Thema.

„die Männer sind unheilbar krank…sie sind es, wussten sie das nicht? Alle…“ Ingeborg Bachmann in einem Interview, 1971 _ wie siehst Du Ingeborg Bachmanns Gesellschaftskritik der zerstörerischen wie selbst zerstörerischen patriarchalen Welt heute?

Ich lese diese Aussage weniger als Angriff auf einzelne Männer, sondern als radikale Diagnose eines Systems. Bachmann beschreibt eine patriarchale Ordnung, die nicht nur Frauen zerstört, sondern auch Männer deformiert – emotional, sprachlich, menschlich. Erschreckend ist, wie aktuell diese Analyse geblieben ist. Die Formen haben sich verändert, aber die Mechanismen von Macht, Verdrängung und Gewalt sind nach wie vor wirksam.

„Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran“, so charakterisierte Ingeborg Bachmann Schreiben und Existenz in ihrer Rede zur Verleihung des Anton Wildgans Preises 1971. Ist das Schreiben, die Kunst immer (auch) eine Form des persönlichen „Martyriums“?

Ich glaube nicht, dass Kunst zwangsläufig Martyrium sein muss – aber sie ist fast immer mit einem Preis verbunden. Kunst verlangt Offenheit, Risiko, ein Sich-Aussetzen. Bei Bachmann spürt man, wie sehr Schreiben eine existentielle Notwendigkeit war, kein ästhetischer Luxus. Vielleicht liegt das „Verdammte“ weniger im Leiden selbst als in der Unmöglichkeit, sich dem nicht auszusetzen, wenn man einmal wirklich genau hinschaut.

Was hättest Du Ingeborg Bachmann gerne gesagt, gefragt?

Ich hätte sie vermutlich nicht viel gefragt, sondern ihr zugehört. Vielleicht hätte ich ihr sagen wollen, wie sehr ihre Texte heute noch wirken – gerade auf Künstlerinnen, die sich mit familiären Konflikten, weiblicher Autonomie und den unsichtbaren Formen von Gewalt beschäftigen. Und ich hätte sie gefragt, ob sie sich vorstellen konnte, dass ihre Sprache einmal anderen Frauen helfen würde, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.

Der weiteste Weg…Ingeborg Bachmanns erste Tage in Wien“ _
Joanna Godwin-Seidl _ performing _
Idee/Regie/Fotos _ Walter Pobaschnig

Fotonovel am Originalschauplatz _ erster Wohnort/Wohnung 1946 von Ingeborg Bachmann im IX. Wiener Gemeindebezirk _
Walter Pobaschnig f.,

Was sind Deine aktuellen Projektpläne?

Aktuell arbeite ich an einer englischsprachigen Produktion am Theater Drachengasse: My Old Lady von Israel Horovitz. Das Stück verhandelt familiäre Konflikte, die gesellschaftliche Position von Frauen und die Frage, wie sehr familiäre Beziehungen unser Leben prägen – mit all ihren Ambivalenzen aus Liebe und Gewalt, Nähe und Verletzung, Konflikt und auch Momenten von Freude.

Dabei ist das Stück zugleich von Tragik und feinem Humor durchzogen – eine Mischung aus Komödie und Tragödie, die diese Themen zugänglich und menschlich macht. Gerade diese Verflechtung von privatem Erleben und strukturellen Machtverhältnissen empfinde ich als sehr bachmannisch. My Old Lady ist ab 9. Februar am Theater Drachengasse zu sehen.

MY OLD LADY  by Israel Horovitz

Foto: Gernot Ottowitz

Stage Director: Joanna Godwin-Seidl

Starring: Bronwynn Mertz-Penzinger, Dave Moskin, Kathy Tanner

viennatheatreproject.com 

A production of vienna theatre project

9. – 21. Februar 2026, Di–Sa um 20 Uhr

Performance in English

Theater Drachengasse
Fleischmarkt 22, Eingang Drachengasse 2
1010 Wien

https://www.drachengasse.at/spielplan_detail.asp?id=1213

Herzlichen Dank für das Interview und die Performance!

2026 _ 100.Geburtstag Ingeborg Bachmann

Foto:Ingeborg Bachmann: Heinz Bachmann, 1962

Fotos/Performance _ Walter Pobaschnig 12/25

Walter Pobaschnig   22.1.2026

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