„Das Richtige zu tun“ Gernot Ragger, Schriftsteller und Verleger _ Wolfsberg 18.6.2025

Lieber Gernot Ragger, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich mich seit einem halben Jahr in der Alterspension befinde und damit finanziell eine monatliche Absicherung habe, kann ich das Verhältnis meiner Arbeiten ändern – Bücher zu verlegen, um finanziell überleben zu können, nimmt nicht mehr so viel Zeit ein, dafür genieße ich jetzt mehr Freiheiten für die vielen angefangenen und nun fertigzuschreibende Projekte aus meiner eigenen Feder.

Als Selbstständiger war mein Tagesablauf immer flexibel und niemals starr, daran ändert sich also nichts, aber die Tatsache, einfach einmal NICHTS zu tun, fühlt sich irgendwie gerechter und angenehmer an.

Gernot Ragger, Schriftsteller und Verleger

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Richtige zu tun. Noch mehr Fragen stellen, noch mehr in Frage stellen.

Das größte Problem und zugleich die wichtigste Aufgabe ist, endlich ein Mittel gegen die Dummheit zu finden. Die Dummheit ist die Wurzel des Übels, gefüttert von Gleichgültigkeit und Egoismus. Da muss uns bald etwas einfallen, sonst fallen wir in eine Zeit zurück, in der ich nicht leben möchte.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kritik ist die eine Möglichkeit, auf Missstände und negative Veränderungen zu reagieren – nur ist Kritik an sich ein negativ behaftetes Wort.

Als Schriftsteller sehe ich meine Möglichkeit und meine Aufgabe in unserer gegenwärtigen Situation darin, Schönes zu vermitteln, über Hoffnung und positive Erlebnisse zu schreiben. Das Böse ins Leere laufen lassen und das Gute mit den eigenen Texten einfangen und in eine Form bringen, die möglichst viele Menschen ansteckt.

Was liest Du derzeit?

Immer wieder Handke, Nooteboom, Horvath und Kolleritsch, wobei das „Gedicht an die Dauer“ von Peter Handke nach wie vor mein absolutes Lieblingsbuch ist.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wer hinter etwas kommen will, darf nicht davor stehen bleiben.

Gernot Ragger, Schriftsteller und Verleger

Vielen Dank für das Interview, lieber Gernot, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Verlagsprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Gernot Ragger, Schriftsteller und Verleger

Zur Person/über mich: Gernot Ragger

Lebenslauf:

1959 in Wolfsberg/Kärnten geboren

Anschließend Studium der Philosophie und Physik in Graz

Durch Motivation und Unterstützung von Alfred Kolleritsch und später auch von Fred Dickermann wurden aus Wunsch und Interesse Leidenschaft und Berufung

1989 Teilnahme am Ingeborg Bachmann Wettbewerb

Aufgrund der Nummer eins in der Lesereihenfolge war ich der erste Autor in der Geschichte dieses Wettbewerbs, dessen Lesung via 3sat live übertragen wurde.

1998 Literaturförderungspreis des Landes Kärnten

2019 – 2023 Literaturstipendien des Landes Kärnten

Bereits 1994 Gründung des „der wolf verlag“, in dem bis jetzt rund 290 Titel erschienen sind

https://www.raggernot.net/

Lebt als Schriftsteller und Verleger in Wolfsberg und Klagenfurt

Preise und Stipendien:

1985    –            Ebenthaler Literaturpreis für Prosa mit dem Text „Bekenntnisse von WENN und ABER“

1989    –            Stipendium beim „Preis der Arbeit“ der Kärntner Arbeiterkammer für den Text  „Der Ziegelturm“

1990    –            3. Preis beim „Max-von-der-Grün-Preis“ der Arbeiterkammer Linzr für den     Text  „Schichtwechsel“

1998    –            Förderungspreis für Literatur des Landes Kärnten

2019    –            Finalisierungsstipendium des Landes Kärnten

2020    –            Literaturstipendium des Landes Kärnten

2021    –            Finalisierungsstipendium des Landes Kärnten

2021    –            Literaturstipendium des Landes Kärnten

2022    –            2 x Literaturstipendium (Corona-Hilfe) des Landes Kärnten

2023    –            Finalisierungsstipendium des Landes Kärnten

Veröffentlichungen:

„Ferdi“ – Erzählung, 1988

„Scalpay“ – Roman, 1989

„Doppelte Heimat“ – mit Berndt Rieger – Erzählungen, 1990

„Along the fault“ – mit Berndt Rieger – Erzählungen, 1990

„Afrika“ – Lyrik, 1994

„Violett“ – Erzählungen, 1994

„Der tote Vogel“ – Roman, 1995

„Tränen im Wind“ – mit Robert C. Schmid – Prosa, 1995

„Abschiede“ – Erzählungen, 1995

„365“ – Prosa, 1996

„Der Wahnsinnliche“ – Prosa, 1997

„Land ohne Boden“ – Erzählung, 1998

„Ferdi“ – Erzählung, 2. Auflage, 1999

„Bautta“ – Prosa, 2000

„Bananenrot und Erdbeergrün“ – Prosa, 2001

„Gegenhang“ – Erzählung, 2008

„Alphabet der Konsequenz“ – Prosa, 2011

„Der Wanderzirkus“ – Erzählung, 2017

„Blutleer“ – Erzählungen, 2018

„Ferdi“ – Erzählung, 3. Auflage, 2022

„Das Erbe“ – Roman, 2022

Derzeit sind mein Buch über meinen vor 20 Jahren verstorbenen Vater „Hungrige Schritte“ und eine aus drei eigenständigen Büchern bestehende Trilogie kurz vor der Fertigstellung.

Zur Trilogie: Die drei Bücher „Ein Abend mit Herrn Zimmerman“, „Au revoir“ und „Ich bau mir einen Himmel“ bilden eine für mich sehr wichtige Epoche ab, funktionieren aber nicht als EIN Buch, deshalb die Eigenständigkeit der Werke, die ich allerdings im Spätherbst zugleich mit einem Musikprogramm präsentieren werde.

Fotos: privat

Walter Pobaschnig 16/6/25

https://literaturoutdoors.com

„Die Schönheit der Chance“ Soac, Schriftsteller _ Dresden 15.6.2025

Lieber Soac, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe meistens recht früh auf. Dann erledige ich ganz unspektakulär etwas Hausarbeit und gehe duschen. Meistens lese ich hier schon ein paar Seiten. An den meisten Tagen der Woche setzte ich mich dann an meinen Laptop und schreibe, konzeptioniere, arbeite dem Verlag etwas zu oder was eben gerade ansteht. Am meisten freue ich mich immer, wenn nur Schreiben ansteht.

Und danach fahre ich zu meinem Hauptjob in die Buchhandlung und gehe meiner Arbeit als Buchhändler nach. Und weil ich mich den ganzen Tag noch nicht genug mit Büchern auseinandergesetzt habe, lasse ich den Abend ebenfalls mit dem Lesen eines Buches ausklingen. Na ja, was soll ich sagen? Ich liebe es einfach, mich in guten Geschichten zu verlieren. Und irgendwo dazwischen esse ich natürlich auch mal was.

Soac, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir sollten versuchen, uns wieder mehr in unsere Gegenüber hineinzuversetzen. Genau das habe ich auch mit den Charakteren von Monogatari versucht. Unterschiedliche Perspektiven einnehmen und versuchen, diese zu verstehen. Das glaube ich, würde sowohl unsere als auch die Welt von Monogatari zu einem freundlicheren Ort machen. Schließlich ist Freundlichkeit der größte Protest, den wir haben.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Kunst, egal in welcher Form, kann so vieles sein und vor allem kann sie so vieles mit uns machen. Sie kann uns inspirieren, uns unter die Haut gehen, uns zum Nachdenken anregen, uns neue Sichtweisen aufzeigen oder alte nostalgische Gefühle in uns wecken. Sie kann uns all das, was jeden Tag da draußen um uns herum passiert, für einen flüchtigen Augenblick vergessen lassen oder lädt uns zum Diskurs über sie ein. Kunst ist bunt und vielseitig. Genau wie wir. Deshalb kann sie auch so viele verschiedene Rollen in diesen Zeiten für uns einnehmen. So oder so, sie ist etwas, dem wir Raum in unserem Leben einräumen und uns bewahren sollten.

Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich HEN NA E – Seltsame Bilder von Uketsu und im Mangabereich 20th Century Boys von Naoki Urasawa. Stand jetzt ist beides auf jeden Fall eine Empfehlung wert!

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

 »Denn ich glaube daran, dass es sie gibt. Die Schönheit der Chance.«

Aus Monogatari – Die Erde, Purpurrot in voller Blüte.

In Bezug auf die vorangegangenen Fragen fand ich dieses Zitat ganz passend. Vielen Dank für eure Zeit und viel Spaß mit meinem neuen Buch Monogatari – Die Erde, Purpurrot in voller Blüte.

Vielen Dank für das Interview, lieber Soac, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:  Soac

Zur Person/über mich: Soac oder auch Screen On A Chest war schon immer fasziniert von der Tatsache, dass 26 kleine Zeichen genügen, um ganze Universen zu kreieren.

1994 wurde er in Berlin geboren. Danach verbrachte er seine Kindheit und Jugend auf dem bayrischen Dorf vorrangig mit seiner Leidenschaft für die Kunstformen Manga und Musik. Nach seinem Studium in Molekularer Biotechnologie arbeitete der Wahl-Dresdner sieben Jahre im Bereich der kardiochirurgischen Forschung, bevor er entschied, dass es für ihn an der Zeit war, den Ballast seines eigenen Herzens näher zu erforschen. Und mit seinen Büchern stellt er den Leser*innen einen Bildschirm zu diesem zur Verfügung.

Soac liebt vor allem eines: bitter-süße Enden, die einem Tage lang nicht aus dem Kopf gehen.

Aktuelles Buch von Soac:

„Monogatari“ Soac. Roman. Europabuch.

Ein episches Fantasy-Abenteuer zwischen Licht und Schatten

Mit „Monogatari“ erschafft Soac eine atmosphärisch dichte Welt voller Magie, Technik, Sehnsucht und Gewalt. Zwischen verfallenen Zonen, gefährlichen Machtspielen und geisterhaften Gestalten begleiten wir Akira, einen Mann ohne Hoffnung – bis eine Begegnung alles verändert.

Mit poetischer Sprache und tiefgründiger Symbolik entführt dieser Fantasy-Roman in eine Zukunft, die zugleich fern und erschreckend nah erscheint. Eine Geschichte über Mut, Schmerz, Freundschaft und das Schicksal, in einer Welt am Rande des Untergangs. Für alle, die außergewöhnliche Erzählkunst und emotionale Tiefe lieben. (Pressemitteilung _ Europabuch)

Erscheinungsdatum: April 2025

Autor: Soac

Verlag: Europa Buch | Berlin

ISBN: 9791257030360

Weitere Informationen: www.europabuch.com

Foto: privat

Walter Pobaschnig 12/6/25

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„Liebe bedeutet nicht allein auf der Welt zu sein“ Florian Birnmeyer_Gedichtband „Storchenstolz“ _ 14.6.2025

Florian Birnmeyer_Gedichtband „Storchenstolz“ _ Lyrik Edition NEUN _Verlag der neun Reiche _ Berlin ISBN: 978-3-948999-25-4

32 Seiten, 125×190 mm, Fadenbindung,

illustrierte, nummerierte und signierte Ausgabe

Normalausgabe (Broschur): 9 Euro

Vorzugsausgabe (Hardcover): 33 Euro
— limitiert auf 9 nummerierte und signierte Exemplare 

mit Original-Linolschnitt von Steffen Büchner 

(Sammlerexemplare ohne ISBN, außerhalb des Buchhandels).

https://verlagder9reiche.blogspot.com/p/25-florian-birnmeyer-storchenstolz.html

Florian Birnmeyer, Schriftsteller

Lieber Florian, gratuliere zur Buchneuerscheinung!

Dein Gedichtband führt in das weite, helle und dunkle, Reich des Lebens, der Liebe in allen Facetten von Glück und Leiden in zahlreichen mythologischen Referenzen.

Wie kam es zur Entstehung der 27 Gedichte im Band, was hat Dich inspiriert?

Die 27 Gedichte, die im Band der Lyrik Edition Neun veröffentlicht wurden, stellen einen kleinen Ausschnitt jener Texte dar, die sich über die Jahre zuvor angesammelt haben. In der Reihe erscheinen jeweils drei mal neun Gedichte pro Band, die thematisch gefasst eine Einheit, ein Kapitel bilden. Ich habe mich für die Schwerpunkte Antike und Mythos, Liebe sowie Identität entschieden.

Meine poetische Arbeit begann etwa im Jahr 2018. Oft war es ein Augenblick, ein Erlebnis, eine Erfahrung oder ein Gefühl, das den Anstoß zu einem Text gab – manchmal kürzer, manchmal länger. Doch damit ist ein Gedicht für mich keineswegs abgeschlossen: Es verlangt nach Überarbeitung, nach Verdichtung, nach einem behutsamen Weiterdenken.

Der Band ist in drei Abschnitte geteilt, welche Phasen der Liebe spiegeln. Was macht für Dich Schönheit und Tragik von Liebe aus?

Liebe bedeutet für mich, nicht allein auf der Welt zu sein – kein Einzelwesen, nicht verloren oder bloß in die Welt geworfen, sondern im Vertrauen auf einen anderen Menschen geborgen zu sein und gemeinsam etwas gestalten zu wollen. Ihre Schönheit liegt für mich darin, dass mit ihr etwas Neues möglich scheint – ein gemeinsames Werden, ein Aufbruch. Die Tragik, so pathetisch der Begriff auch klingen mag, besteht vielleicht darin, dass sich die Liebe mit der Zeit verändert, sich allmählich in den Alltag einfügt und der Zauber des Anfangs verblasst. Doch scheint mir genau das unausweichlich zu sein.

Was kann Lyrik – gerade beim Thema Liebe – was Prosa nicht kann?

Die Poesie blickt auf eine lange Tradition in der Darstellung der Liebe zurück – beginnend mit den Liebesgedichten Sapphos über Ovid, Catull, Properz und Tibull bis hin zu Petrarca in der Renaissance, der mit seiner lyrischen Verehrung Lauras den Grundstein für den sogenannten Petrarkismus legte. Es scheint, als sei die Liebe ein ureigenes Thema der Lyrik – vielleicht, weil das Gedicht durch seine verdichtete Sprache, seine Bilder und Metaphern besonders unmittelbar ein Gefühl, eine Stimmung, ein inneres Erleben vermitteln kann.

Wo, wann schreibst Du? Gibt es da Routinen?

Da ich nicht als Vollzeitschriftsteller arbeite, schreibe ich unregelmäßig – immer dann, wenn sich Muße, Zeit und eine Idee zugleich einstellen. Ich nutze jene Momente, in denen sich Gedanken von selbst aufdrängen oder ein Eindruck nach Ausdruck verlangt. Am besten gelingt mir das Schreiben in ruhigen ebenso wie in bewegten Phasen; gerade dann, wenn das Leben in Unruhe gerät oder sich etwas verschiebt. In Zeiten, in denen alles geordnet und gleichförmig verläuft, fehlt mir oft die Inspiration. Es braucht offenbar einen äußeren Impuls – auch wenn dieser heute nicht mehr als „göttlich“ begriffen wird.

Was sind die nächsten Stationen der Buchpräsentation?

Da Storchenstolz mein erstes Buch ist, wird es für mich immer einen besonderen Stellenwert behalten. Als nächstes möchte ich einen weiteren Lyrikband veröffentlichen – und mich darüber hinaus an einen Roman wagen, der ein sehr persönliches Thema behandelt.

Vielen Dank für das Interview und viel Freude und Erfolg für Dein Buch!

Vielen Dank auch Ihnen!

Zur Person/über mich: Florian Birnmeyer: Geboren in Nördlingen im Donau-Ries (Nordschwaben), lebt Florian Birnmeyer seit über zehn Jahren in der Metropolregion Nürnberg, zunächst in Erlangen, seit Ende 2021/Anfang 2022 in Nürnberg. Er studierte Romanistik, Latinistik und Philosophie/Ethik in Erlangen und Paris. Florian Birnmeyer arbeitet als Lehrer für Migrantinnen und Migranten an einer Fürther Berufsschule und seit 2021 an seiner Promotion in romanistischer Linguistik. In der verbleibenden Zeit entstehen Gedichte und kürzere Texte, die in Anthologien (Auf der Zugspitze, Lichtflug) und einem ersten Gedichtband (Storchenstolz) erschienen sind. Er rezensiert außerdem die Werke anderer auf seinem Literaturblog Der-Leser.net sowie auf Rezensionsplattformen wie Literaturkritik.de und Lyrikkritik.de. Im Jahr 2024 war Florian Birnmeyer Teilnehmer der Bayerischen Akademie des Schreibens.

Im Internet: www.der-leser.net / www.florian-birnmeyer.de Biobibliographie: • Marlies Kemptner/Florian Birnmeyer/Grete Ruile (2024): Lichtflug. Literaturpodium/BoD. • Florian Birnmeyer (2023): Storchenstolz. Lyrik Edition Neun. • Kati Frischko/Florian Birnmeyer/Birgit Berger u. a. (2022): Auf der Zugspitze. Literaturpodium/BoD.

www.der-leser.net

Florian Birnmeyer, Schriftsteller

Weitere Buchinfos: https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783948999254/Birnmeyer-Florian/Storchenstolz

www.kulturkaufhaus.de

Fotos: Heike Bogenberger

Walter Pobaschnig 12/6/25

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„Papa, wie geht es dir?“ Pegah Ahmadi, Schriftstellerin _ Köln 14.6.2025

Liebe Pegah Ahmadi, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Das Leben verläuft wie zuvor – eine Mischung aus beruflicher Tätigkeit und alltäglichen Routinen einerseits und dem Versuch, dieser Monotonie Sinn oder neue Impulse zu geben andererseits. Seit einiger Zeit schreibe ich weniger, lese jedoch mehr. Kürzlich habe ich eine weiterführende Fortbildung im Bereich Übersetzung abgeschlossen. Abgesehen davon geht es mir gesundheitlich nun viel besser, nachdem ich mehrere Jahre an einer schweren Atemwegserkrankung gelitten und eine lange Behandlungsphase durchlaufen habe. Daher schätze ich heute jeden einzelnen Atemzug bewusst und mit Dankbarkeit. Ich versuche einfach, tiefer und bewusster zu atmen und empfinde inzwischen sicherlich mehr innere Ruhe und eine gewisse Leichtigkeit im Leben. Lass mich sagen: Ich strebe nicht mehr krampfhaft nach irgendetwas – und ich habe es nicht eilig. Die wirklich wichtigen Dinge sind oft jene, die im Alltäglichen verborgen bleiben, fast zu leise, um bemerkt zu werden.

Pegah Ahmadi, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Aus der Perspektive von „uns“, die wir in einer zunehmend komplexen und isolierenden Welt leben, fällt es mir nicht leicht, eine klare Antwort zu geben. Ich denke jedoch, dass in einer Welt, in der Künstliche Intelligenz essenzielle Entscheidungen trifft und manchmal sogar an unserer Stelle denkt, ja sogar Bücher schreibt und zum Verkauf vorbereitet, es besonders wichtig ist, nicht zuzulassen, dass die Technologie uns in Gleichgültigkeit und Entfremdung führt. Wir leben in einer Zeit, in der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine zunehmend verschwimmen. Ich befürchte, dass wir unsere eigenen menschlichen Qualitäten wie Empathie, Liebe, Zusammenhalt, Kreativität und kritisches Denken allmählich verlieren, ohne es wirklich zu merken. Ebenso genau auch in der sozialen Dimension brauchen wir vor allem mehr Verbundenheit, gesellschaftlichen Zusammenhalt, tiefere Empathie und ein echtes gegenseitiges Verständnis – nicht nur rhetorisch, sondern auch in der Praxis spürbar.

Es wäre hilfreich, wenn wir alle – trotz unterschiedlicher Erfahrungen und Perspektiven – versuchen würden, den Fokus nicht ausschließlich auf uns selbst zu legen, sondern aktiv daran zu arbeiten, das Gemeinsame zu fördern.

Letztlich leben wir alle in einem Netzwerk von gegenseitigen Einflüssen – sozial, politisch und kulturell. Dieses Bewusstsein kann uns helfen, verantwortungsvoller und mit mehr Verständnis füreinander zu handeln.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Literatur und Kunst können mehrdimensionale Ausdrucksräume erschaffen, in denen alles hinterfragt, bezweifelt und neu überdacht wird. Schreiben ist dabei nicht nur ein Denkprozess, sondern auch eine Formung des Denkens, die sich auf bewusster und unbewusster Ebene stets gegenüber dem, was geschieht, positioniert und neu orientiert. Daher ist es vielleicht notwendig, sensibler und wachsamer gegenüber den Vorgängen hier und anderswo in der Welt zu sein, denn gerade diese Aufmerksamkeit schafft die Grundlage, um neue Denk- und Ausdrucksformen zu entwickeln.

Literatur und Kunst entfalten ihr Potenzial oft in vertrauten gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen. Zugleich eröffnen sie die Möglichkeit, über diese gewohnten Rahmen hinauszugehen und neue, vielfältige Ausdrucks- und Denkweisen zu entdecken‫.

Was liest Du derzeit?

Zurzeit lese ich den Gedichtband „Das Alphabet von Deleuze & Guattari“ von Stefan Heyer, der in diesem Jahr beim Passagen Verlag erschienen ist.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Leider fiel das Ende dieses Gesprächs mit dem Angriff Israels auf mein Heimatland, den Iran zusammen. Also möchte ich ohne weitere Worte oder Parolen einen Teil meines heutigen Telefongesprächs mit meinem Vater zitieren‫:

„Papa, wie geht es dir? Bitte fahr in den Norden, dort ist es sicherer!

Hab keine Angst, meine Liebste, jene fahren in den Norden, die das Leben zu ernst genommen haben“.

Vielen Dank für das Interview, liebe Pegah, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Pegah Ahmadi, Schriftstellerin

Zur Person: Pegah Ahmadi, 1974 im Iran geboren, hat persische Sprach- und Literaturwissenschaft studiert und ist Lyrikerin, Übersetzerin und Literaturkritikerin. Sie ist Mitglied des iranischen Schriftstellerverbands, zählt zu den bekanntesten Gesichtern der iranischen Lyrikszene und hat bisher zehn Bücher veröffentlicht.

Auf Einladung von ICORN kam Pegah Ahmadi 2009 nach Frankfurt, wo sie erstmals zensurfrei schreiben und leben konnte. Unter dem Eindruck des Sommers 2009 entstand ihr Gedichtband Mir war nicht kalt (Sardam Nabud), der im Bremer Sujet Verlag erst auf Farsi und dann auf Deutsch erschienen ist.

Im Anschluss an ihren Aufenthalt in Frankfurt war sie ein Jahr Gastpoetin an der Brown University in Providence, Rhode Island.

Ahmadi war 2009 für den vom Verband iranischer Presserezensenten ausgeschriebenen Preis für das beste lyrische Werk und 2013 für den Heidelberger Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil nominiert. Im selben Jahr erhielt sie in Iran den Chorschid-Preis für iranische Lyrikerinnen. Pegah Ahmadi lebt zurzeit in Köln. 

https://sujetverlag.de/bio-pegah-ahmadi/

Aktueller Gedichtband von Pegah Ahmadi:

Pegah Ahmadi – Das war also die Zukunft. Edition H.Schroeder

15,50 €

https://www.editionhschroeder.de/shop/drama-and-lyrik/pegah-ahmadi—das-war-also-die-zukunft/

Foto: privat

Walter Pobaschnig 13/6/25

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„sprechen, fragen, berühren, weinen“ Aleksandra Pristin, Schriftstellerin_ Barsinghausen/D 13.6.2025

Liebe Aleksandra Pristin, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich wache auf und ich weiß selten, wie der Tag verlaufen wird, denn dies hängt von Nachtträumen, vom Wetter, von anfallenden Aufgaben für unsere Skulpturenausstellungen und von Social Media ab.

Wenn das Wetter akzeptabel ist, gehe ich in meinen Garten, der mich braucht, damit er so ist, wie ich es mir wünsche und wie ich den Garten gerne zeigen mag, denn der Garten, der regelmäßig von vielen Menschen bestaunt wird, ist ein Star und soll ein Star bleiben. Er ist es auch, der mir meine Seelenruhe gibt, damit ich schreiben kann. Und schreiben muss ich dann, wenn meine Nachträume mich lenken, wenn sie mir Impulse geben, denen ich folgen muss. Nicht aus jedem Traum wird ein Gedicht und nicht jedes Gedicht folgt einem Traum, doch wenn ich so geträumt habe, dass ich den Traum nicht von der Haut abstreifen kann, dann gehe ich nicht in den Garten, ich schreibe, bis das mich verfolgende Gefühl im Kokon der Lyrik festgehalten wird und nicht mehr auf meiner Haut kriecht.

Doch sowohl das Wetter, wie auch die Träume, beide sind machtlos gegen Social Media Kram, der mich unnötig ablenkt und meinen Tagesablauf stört. Ich erfahre vieles Nötige und vieles Unnötige, bis ich oft merke, das schöne Gartenwetter ist vorbei, bis ich oft merke, mir entflieht ein schöner Satz, den ich schreiben wollte und nun schreibe ich einen anderen Satz.

Und schnell ist der Tag vorbei.

Bis in die Tiefe der Nacht erledige ich noch meine Aufgaben, bastele am Flyer, Banner, Plakat, Katalog, Internetauftritt für die Skulpturenausstellung, schreibe Briefe, Anträge, ordne Fotos und plane die nächsten Veranstaltungen für das nächste Jahr.

Doch zurückblickend bin ich mit dem Tag zufrieden, er verlief, wie jeder Tag, gelenkt vom Fleiß, Ehrgeiz, Zerstreutheit und vom Traum, immer ein Stück für die Erfüllung meines Lebenstraums.

Aleksandra Pristin, Lyrikerin, Gärtnerin und Veranstalterin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Nichts ist wichtiger jetzt, in der ins Rechts weltweit abdriftenden Gesellschaft, als das Herz zu bewahren und es noch mehr zu öffnen, nicht die Augen verschließen und an anderen zu rütteln, damit ihre Herzen Räume für leidende Menschen offen halten, nicht zulassen, dass sie verhärten, dass uns Kälte, Gier, Neid und Sarkasmus spalten, dass die Demokratie, in der wir unbesorgt aufwachsen durften, unbemerkt stirbt.

Auch ein engagiertes gesellschaftliches Leben ist sehr wichtig. Bewegen, gestalten, voranbringen. Daraus wächst eine geschlossene Gemeinschaft, die nicht so leicht zerfällt. Diesen Gedanken pflege ich seit 25 Jahren und öffne meinen Garten für interessierte Gartenliebhaber. Seit neun Jahren, zusammen mit meinem Mann, organisiere ich hier im Garten Skulpturenausstellungen begleitet von Lyriklesungen und Konzerten und wir erfreuen uns an der großen Resonanz und an immer glücklichen Gesichtern. Wichtig ist uns dabei, verschiedene Kunstformen und verschiedene Materialien unter immer wechselnden Themen mit namhaften Bildhauern zu präsentieren, die Kunst zu vermitteln und die Menschen zusammenzubringen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Jede Stimme, die schweigt, ist opportun und feige. Wach und hörbar zu sein ist die Aufgabe der Künste. Aus der Perspektive der Jahrzehnte und der Epochen sind die Kunst und die Literatur wie Zeigerpflanzen, die durch ihre Präsenz darauf hinweisen, welche Eigenschaften der Boden (die Gesellschaft) hat. Die Kunst und die Literatur haben es zur Pflicht das festzuhalten, was um uns geschieht und das aufzuzeigen, was beunruhigend ist. Utopisch wäre es zu denken, dass sie jede Seele erreichen, doch wenn sie dennoch wahrgenommen werden, sollten sie beleuchten, in den Verstand dringen und aufrütteln. Wie die Leuchttürme stehen sie in der Pflicht hellwach zu sein und den Weg in den Frieden zu weisen. Ich weiß aus meinem vergangenen Berufsleben, dass das Aufstehen und die Meinung äußern, nicht immer einen selbst vorwärtsbringen, doch sie bringen die Sache vorwärts. Als Künstler sollte man sich von eigenen Vorteilen losgelöst fühlen und gerade jetzt mit jedem verfügbaren Mittel sprechen, fragen, berühren, weinen.

Was liest Du derzeit?

Je nach Tageszeit und je nach Ort, wo ich mich gerade befinde, lese ich sowohl Lyrik wie auch Prosa. Inspiriert durch die Lesung „Das Alphabet des Feuers – Poesie aus Island“ mit Wolfgang Schiffer und Jón Thor Gíslason, die wir Ende Mai im Garten veranstaltet hatten, lese ich gerade Gedichte aus Island, „Ewigzeit“ von Ásta Fanney Sigurdardóttir, kleine sprachliche Meisterwerke, deren Konstruktion ich bewundere.

…. Wenn ich an den gerade warmen Tagen abends unter den Walnussbäumen sitze und vor den Sonnenuntergängen den Tag abschließe, lese ich „Air“ von Stefan Kracht, weil mich die Verbindung – Kunst und Literatur – angesprochen hatte, doch abgelenkt durch die Farben des Himmels und eigene Gedanken, die ich zu eigenen Versen legen möchte, komme ich seit Tagen mit dem Buch nicht voran. Zumindest bei letzten drei gelesenen Büchern war ich nicht so zerstreut wie jetzt und am liebsten würde ich die Bücher weiter und weiter lesen, denn es sind lyrische Prosameisterwerke: Maren Kames „Hasenprosa“, Han Kang „Griechischstunden“, Mieko Kanai „Leichter Schwindel“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Mit meinem Gedicht  – ein bohrender Gedanke über das heutige Deutschland:

laute enge

           (zu bundestagswahl)

erstarrt fragen wir uns

was sich viele fragen

warum kannte man sie vorher nicht

die, die nun alle türen schliessen

und so laut schreien

dass man nicht mehr schlafen kann?

warum muten sie der welt ihr eigenes

und man ihre enge nicht mal weiten kann?

wer sind sie um uns ohne ein gesicht?

sind es nur die, die man nicht kennt?

oder doch die, die mit uns

durch die lichten wälder

wie fledermäuse streiften?

um uns ihre bahnen zogen?

und uns auf die feuchten lippen küssten?

kaufen wir bei denen

mit einem lächeln ein?

schauen sie in unsere fenster

tag und nacht vielleicht?

sehen sie gestochen scharf

wie wir am tisch erstarren?

auch wir, wir traumwandeln

obwohl wir wach sein müssen

und auch wir, wir träumen nicht

Aleksandra Pristin, Februar 2025

Vielen Dank für das Interview, liebe Aleksandra, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:  Aleksandra Pristin, Lyrikerin, Gärtnerin und Veranstalterin

Zur Person: Aleksandra Pristin, Lyrikerin, Gärtnerin und Veranstalterin.

Psychologiestudium in Danzig und Warschau. In Deutschland seit 1983, hier bis vor Kurzem auf dem Gebiet der Informationstechnologie tätig.

Als Hobby betreibe ich zusammen mit meinem Mann einen fürs Publikum offenen, parkähnlichen Garten, in dem ich jährlich wechselnde Skulpturenausstellungen mit namhaften Künstlern organisiere, mit begleitendem Kulturprogramm wie Lesungen und Konzerte.

Mehr über den Garten und die Veranstaltungen: www.garten-pristin.de.

Mehr über mich als Autorin: www.pristin.de.

Foto: privat

Walter Pobaschnig 12/6/25

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„Gesehen haben sie sich noch“ Aleksandra Pristin, Schriftstellerin _ Give Peace A Chance _ Barsinghausen/D 13.6.2025

GIVE PEACE A CHANCE

Gesehen haben sie sich noch

In Kiev, am Morgengrauen, das letzte Mal

Vor einem Fenster mit zerbrochenem Glas,

Eine Eiseskälte drang hinein und lies die Lippen frieren.


Pass auf dich auf!

Eine Berührung  

An der Schulter unvergessen wie der hellste

Chorgesang, wie das warme Licht,

das von außen fiel und auf ihren Wangen lag

Ein Kuss die Wärme sammelnd gegen die


Angst, die mit jeder Stunde in beiden Herzen wuchs.


Charkiw ist groß … sagte sie …

Hörst du? … Gib mir eine Nachricht, wenn du

Ankommst und wenn du etwas brauchst … Er fuhr um halb acht …

Nie wieder hat sie ihn geküsst, kein Wort von ihm gehört …

Cut … als wenn eine lichthungrige Drohne nur auf seine Wangen wartete …

Es blieb ihr nichts weiter, als vor einem Fenster zu wachen,

auf das Licht zu warten, das es nicht mehr gibt.


Aleksandra Pristin12.6.2025

Aleksandra Pristin, Lyrikerin, Gärtnerin und Veranstalterin

GIVE PEACE A CHANCE

Aleksandra Pristin, Lyrikerin, Gärtnerin und Veranstalterin

Zur Person: Aleksandra PristinLyrikerin, Gärtnerin und Veranstalterin.

Psychologiestudium in Danzig und Warschau. In Deutschland seit 1983, hier bis vor Kurzem auf dem Gebiet der Informationstechnologie tätig.

Als Hobby betreibe ich zusammen mit meinem Mann einen fürs Publikum offenen, parkähnlichen Garten, in dem ich jährlich wechselnde Skulpturenausstellungen mit namhaften Künstlern organisiere, mit begleitendem Kulturprogramm wie Lesungen und Konzerte.

Mehr über den Garten und die Veranstaltungen: www.garten-pristin.de.

Mehr über mich als Autorin: www.pristin.de.

Foto: Portrait _ privat; Motiv _ Walter Ponbaschnig.

Walter Pobaschnig 12/6/25

https://literaturoutdoors.com

Wut und Liebe. Martin Suter. Roman. Diogenes Verlag.  

Drei Jahre ein Paar. Noah und Camilla. Und jetzt liegen sie auf dem Rücken, nackt, im Bett, nebeneinander und blicken an die Decke.

Es ist ein Abschied. Und Camilla beginnt, bricht die Stille.

„…Ich verlasse dich.

Warum?

Weil ich nicht mehr kann.

Mich lieben?

Quatsch, das kann ich noch lange. Aber das reicht nicht, verstehst du? Nicht für ein ganzes Leben. Jedenfalls mir nicht…“

Es geht jetzt hier zuende für Noah, den Künstler und Camilla, die Buchhalterin, hier in der romantischen Altbauwohnung, die Camilla bezahlen muss wie vieles Andere, weil Noahs Kunst, es nicht ermöglicht.

Drei Jahre. Nun ist das Bett leer. Wie alles jetzt. Nach dem Abschied.

Und Noah geht wieder abends in die Bar, allein. Trifft Betty, die voller Kummer ist, doch da tut sich vielleicht eine Chance in allem Schmerz und Abgrund da und dort auf…

Zwischen Wut und Liebe

Martin Suter, ein Bestsellerautor, der ganz nah und tief in menschliche Abgründe zu blicken, zu kriechen, zu wühlen und die menschliche Seele der Zeit einzigartig ins Wort, ins klein-, wie großflächige Lebens-, Liebes-, und Weltbild zu setzen und zu katapultieren weiß, gelingt mit Wut und Liebe ein weiterer Roman der Spitzenklasse, der rasant und kurzweilig zum Lachen, Weinen bringt und bestens zu unterhalten weiß.

Eine geniale lovestory, die roadmoviegleich in Paradies, Wüste und ungeahnte Horizonte der Liebe in Licht und Dunkel entführt und Seite um Seite fesselt.

„Ein Meisterwerk!“

Wut und Liebe. Martin Suter. Roman. Diogenes Verlag.

Hardcover Leinen
304 Seiten
ISBN: 978-3-257-07333-1
€ (D) 26.00 / sFr 35.00* / € (A) 26.80

Walter Pobaschnig 6_25

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„Umjubelte Uraufführung!“ _ Ragazzi del Mondo _ aktionstheater ensemble _ Theater am Werk/Wien 11.6.2025

Ragazzi del Mondo/Nur eine Welt _ Uraufführung _ aktionstheater ensemble _
Theater am Werk Wien 11.6.25

Über welche Leichen gehen wir beim Einkaufen? Und welches Blut wird da und dort vergossen? Was ist Dein Schmerz und was ist mein Schmerz, meine Sorge? Was ist objektiv dabei? Und wer hält zu meiner Meinung? Was ist Freude für mich? Was und wer sind wir als Gemeinschaft?

Gehen, tanzen, stolpern, schreien, kriechen wir hinein in unsere Welt mit Herz und Seele…Ragazzi del Mondo

In seiner neuesten Produktion „Ragazzi del Mondo – nur eine Welt“ lädt das aktionstheater ensemble zu einem existentiellen Kammerspiel der Sonderklasse. In rasantem einmaligen Sprach-, Bewegungsspiel wird das Publikum mitgenommen in Wahrnehmung und Erfahrung des individuellen Lebensraumes, der in Wort und Gegenrede zum reißenden Strom, zur bebenden Erde, zur Explosion wird bis der nackte Mensch übrigbleibt, liegenbleibt und das Licht ausgeht…

Ein Stück am Puls der Zeit, das in sensationeller Bühnenperformance ganz große Schauspielkunst in Humor, Staunen, Stille bietet und ganz tief in der Frage nach dem Menschenbild, Menschsein berührt. Großartig abgestimmt auch Musik, Kostüm-, Bühnenbild.

Ragazzi del Mondo/Nur eine Welt _ Uraufführung _ aktionstheater ensemble

Eine Produktion von aktionstheater ensemble in Koproduktion mit dem internationalen Festival Bregenzer Frühling, Kulturservice der Landeshauptstadt Bregenz und dem Theater Kosmos. n Kooperation mit Theater am Werk.

Konzept & Inszenierung _ Martin Gruber

Text _ Martin Gruber & Ensemble

Dramaturgie _ Martin Ojster

Mit _ Zeynep Alan, Isabella Jeschke, Thomas Kolle, Kirstin Schwab, Benjamin Vanyek, Andreas Dauböck & Pete Simpson

Bühne _ Valerie Lutz & Martin Platzgummer

Kostüme _ Luis Kaindlstorfer

Musik _ Andreas Dauböck

Video _ Resa Lut

Uraufführung _ 11.6.2025 Theater am Werk _KABELWERK , Oswaldgasse 35A _ 1120 Wien_weitere Spieltermine 12,.13., 14., 15.6.2025

https://www.theater-am-werk.at/de/tickets

Walter Pobaschnig 6/25

Alle Fotos/Videos _ Walter Pobaschnig

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Bachmannpreis 2025 _ Nominierteninterview _ „Türen in andere Leben aufzustoßen“ Thomas Bissinger, Schriftsteller _ Konstanz/D 11.6.2025

Bachmannpreis 2025_  im Interview:

Thomas Bissinger, Schriftsteller _ Bachmannpreis Nominierung 2025

Thomas Bissinger, Schriftsteller _ Bachmannpreis Nominierung 2025

Lieber Thomas Bissinger, herzliche Gratulation zur Bachmannpreisnominierung! Wie und wann hast Du von Deiner Nominierung erfahren? Was war Deine erste Reaktion und wie sieht jetzt die Vorbereitung aus?

Dankeschön! Erfahren hab ich’s, als ich grad aus der Kletterhalle an die Winterluft kam und einen verpassten Anruf meines Verlegers auf dem Handy sah. Ich hab zurückgerufen, wir haben uns über einen organisatorischen Punkt unterhalten, waren uns schließlich einig – und dann meinte er sehr beiläufig: „Ach, übrigens, das mit Klagenfurt klappt.“ Das war gut reingesneakt von ihm, ich hab ein paar Sekunden gebraucht, bis das große Grinsen losging.

Jetzt hadere ich mit all den Punkten, die am Text eigentlich noch hätten glattgezogen werden müssen und nun nicht mehr glattgezogen werden dürfen, tröste mich mit Waschbärvideos. Und lese fleißig die anderen Interviews in Literatur Outdoors, um am Wörtherseestrand 1-A-Gesprächseinstiege zu haben.

Wie war Dein Weg zum Schreiben?

Ich glaube, das wirkliche Schreibenlernen begann mit einer Lyrikwerkstatt im Rahmen des Studium Generale in Stuttgart, die von Jutta Weber-Bock geleitet wurde und für die ich ihr bis heute immens dankbar bin. Da ging es um ehrliche, wenn nötig auch harte Textkritik. Dort habe ich gelernt, dass der erste Wurf das Ziel noch nicht zu treffen braucht, dass sich das Ziel vielleicht überhaupt erst nach den ersten Schritten auf unsicherem Terrain abzeichnet. Wenn ein Text nicht mehr auf Anhieb gelingen muss (wie ich das als Jugendlicher annahm), öffnet das den Raum, einen Text als vorläufig zu verstehen und dahingehend zu betrachten, wo sein Potenzial und seine Entwicklungsmöglichkeiten sind.

Wie sieht der Schreibprozess bei Dir aus, gibt es etwa bestimmte Routinen, was inspiriert Dich und was ist Dir in Deinem Schreiben wichtig?

Ich habe keine arg stabile Routine. Am besten funktioniert täglicher Zwang, irgendwo für zwei Stunden hinzusitzen und zu schreiben. Handy weglegen. Es braucht dann einen leeren Raum und ein bisschen Platz, um auf und ab zu laufen und ein paar Selbstgespräche zu führen. Und die Bereitschaft, viele schlechte Seiten hinzunehmen.

Inspiration oder Motivation ist da schon stabiler: Im Augenblick sind das die Menschen, über die ich meinen Roman schreibe. Die Familie Ehrenfest. Ein Physiker und eine Mathematikerin und deren vier Kinder, die Anfang des 20. Jahrhunderts gelebt haben. Ich lese sehr intensiv deren Briefwechsel, und das waren alles einfach sehr außergewöhnliche Menschen.

Ich möchte es gerne schaffen, diese Faszination auch für andere erlebbar zu machen. Für mich ist die große Chance, die in der Literatur liegt, Türen in andere Leben aufzustoßen. Andere Selbstverständlichkeiten zu erfahren, anderes Vertrauen, anderen Stolz, andere Gemeinheit, alles eben. Literatur kann die Breite menschlicher Erfahrung vermitteln, weil die Sprache eines Textes beim Lesen zur eigenen werden kann.

Was hast Du mit Ingeborg Bachmann gemeinsam?

Vielleicht, über die Lyrik ins Erzählen hinübergefunden zu haben.

Bitte assoziiere zu den Stichworten:

Gegenwart fundamental

Literatur kollateral

Leben gibtsnureinmal

Klagenfurt Sonnenstrahl

Preis optional

Vielen Dank für das Interview! Viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Sehr gern und auch meinerseits vielen Dank!

Thomas Bissinger, Schriftsteller _ Bachmannpreis Nominierung 2025

Zur Person:  Thomas Bissinger, D

Geboren 1989 in Leonberg (Baden Württemberg, Deutschland), lebt in Konstanz. Liest auf Einladung von Mara Delius.

Thomas Bissinger ist promovierter Physiker und lebt in Konstanz, wo er ein wenig Lyrik unterrichtet. Für sein Romanprojekt „Ehrenfest“ erhielt er den Retzhof-Preis für junge Literatur und war Stipendiat der Bayerischen Akademie des Schreibens und des lcb. Das Buch wird 2026 bei dtv erscheinen.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Prosaauszüge in Anthologien, u.a.: Spr.i.t.Z., 2024

Anthologie zum Literaturpreis des Bezirks Schwaben, 2023

Anthologie zum Förderpreis der Gruppe 48, 2021

Erkundungen der Jugend-Literatur-Werkstatt Graz, 2019

https://bachmannpreis.orf.at/stories/3304911/

Pressekonferenz Bachmannpreis 2025 _ 19.5.2025 Musilhaus Klagenfurt _
Veranstalter und Sponsoren (v. l. n. r.): Reinhard Draxler (KELAG-Vorstand), Brigitte Winkler-Komar (Land Kärnten, Leiterin Kunst und Kultur), Nadja Kayali (Intendantin Carinthischer Sommer), Horst L. Ebner (Koordinator Tage der deutschsprachigen Literatur), Christian Scheider (Bürgermeister von Klagenfurt), Karin Bernhard (ORF-Landesdirektorin), Franz Petritz (Stadtrat von Klagenfurt/Kulturreferent), Ursula Schirlbauer (ORF/3sat), Julian Geyer (Gemeinderat der Landeshauptstadt Klagenfurt am Wörthersee), Michaela Werblitsch (BKS Bank, Leiterin Communication & ESG) und Klaus Wachschütz (Technischer Leiter ORF Kärnten & Regisseur Ingeborg-Bachmann-Preis)

Autorinnen und Autoren 2025

14 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich lesen um den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis.

Thomas Bissinger, D

Natascha Gangl, A

Max Höfler, A

Nefeli Kavouras, D

Fatima Khan, D

Laura Laabs, D

Kay Matter, CH

Tara Meister, A

Nora Osagiobare, CH

Josefine Rieks, D/A

Almut Tina Schmidt, D/A

Boris Schumatsky, D

Verena Stauffer, A

Sophie Sumburane, D

Die Jury

Vorsitzender Klaus Kastberger, Graz (A)

Mara Delius, Berlin (D)

Laura de Weck

Mithu Sanyal (D)

Brigitte Schwens-Harrant, Wien (A)

Thomas Strässle (CH)

Philipp Tingler, Zürich (CH)

Am 29. Juni wird in Klagenfurt am Wörthersee der 49. Ingeborg-Bachmann-Preis vergeben. Die Tage der deutschsprachigen Literatur 2025 finden vom 25. bis 29. Juni im ORF-Theater des Landesstudios Kärnten statt. 

Weitere Informationen zum Bachmannpreis 2025: https://bachmannpreis.orf.at/stories/3305089/

Fotos: Portrait_ Thomas Bissinger _ Torben Nuding; Pressekonferenz _ Johannes Puch; alle weiteren Fotos_Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig 10.6.2025

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Déjà-vu. Der siebzehnte Fall für Bruno, Chef de police. Martin Walker. Diogenes Verlag.  

Eine lange Reise war es. In Licht und Schatten. Im Schmerz, Krankenhäusern und dem weiten Weg zurück nach Saint-Denis in Südfrankreich.

Doch jetzt steigt Bruno, Polizeichef , endlich aus dem Auto. Auf dem Boden seines Reviers, das er vermisste. Die Menschen hier in all ihren Liebeswürdigkeiten, Alltäglichkeiten, Besonderheiten, Abgründen. Und das Essen, darin er leidenschaftlich Lust und Genuss aller Sinne zelebriert. Ein guter Boden hier. Und ein gutes Zurückkommen.

Doch der Boden hier in der beschaulichen französischen Kleinstadthat auch eine Geschichte. Eine wechselvolle und ganz bittere in der Zeit des II.Weltkrieges und der deutschen Besatzung und des Widerstandes, der Resistance.

Der Fund eines Grabes öffnet nun diese Vergangenheit in Mut wie Verrat und eine Flut verdrängter Erinnerungen bricht nun hervor…

Wie auch oberhalb der Erde. Denn da öffnet der Himmel seine Schleusen und heftige Unwetter verwandeln Stadt und Umgebung in reißende Ströme, die mit- und fortreißen…

Und mittendrin Bruno und Balzac. Sein Hund. Jetzt heißt es Ruhe zu bewahren und Spürsinn zu haben. Und da ist Bruno wieder in seinem Element und stellt sich den Stürmen der Vergangenheit und Gegenwart…

Nicht ohne allerdings auch die Kraft guten Essens, das Zusammenkommen dabei und die ungeahnten zwischenmenschlichen Möglichkeiten im Gespräch, Zuhören und Lippenlesen außer Acht zu lassen…

Martin Walker, ein ganz besonderer Autor, der gleichsam Literaturgenres in ein wunderbares mehrgängiges Menü rührt, mixt und dann als Krimi kalt und heiß serviert, legt ein neues Meisterwerk vor.

Leserin und Leser werden gleichsam in Welt und Leben, Kultur und Kulinarik, Geschichte Frankreichs und Europas hineingezogen und folgen Seite um Seite einen Genuss in Sprache, Spannung, Überraschung.

„Bruno regiert wieder und es ist ein Krimi-Königreich der Sonderklasse!“

Déjà-vu. Der siebzehnte Fall für Bruno, Chef de police. Martin Walker. Diogenes Verlag.  

Hardcover Leinen
400 Seiten
ISBN 978-3-257-07334-8
€ (D) 26.00 / sFr 35.00* / € (A) 26.80

Walter Pobaschnig  6/25

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