Liebe Anna-Elisabeth Mayer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Nachdem mein Kind in die Schule gebracht und das Hündlein ausgeführt wurde, setze ich mich an meinem Schreibtisch (zuhause) und komme von dort wieder am Nachmittag zurück. Manches Mal verbringe ich auch die Nacht dort – während alle anderen schlafen.
Anna-Elisabeth Mayer, Schriftstellerin
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Das Denken benützen – fürs Umdenken.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Wesentlich werden dabei sein Armutsbekämpfung, Klimaschutz/Umweltachtung, Stopfung von Steuerschlupflöchern bzw. eine generelle Umverteilung (Nord-Süd/Reich-Arm).
Literatur & Kunst kommen dabei die Rolle des Sichtbarmachens zu, der Differenzierung und des Aufzeigens von alternativen Räumen des Seins bzw. der Möglichkeit einer Sphäre, welche nicht der eines Bankomaten gleicht.
Was liest Du derzeit?
Oktoberkind – Linda Boström Knausgard
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
„Es beginnt der Tag.
Tasse geht zu Boden und
der Tee. Auch ich bin
abwaschbar; von innen nicht.“
(aus: Anja Utler, Es beginnt – Trauerrefrain)
Vielen Dank für das Interview liebe Anna-Elisabeth Mayer, Schriftstellerin, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
5 Fragen an Künstler*innen:
Anna-Elisabeth Mayer, Schriftstellerin
Zur Person _ Anna-Elisabeth Mayer, geboren 1977 in Salzburg, lebt als Schriftstellerin in Wien. Studium der Philosophie und Kunstgeschichte. Für ihr Debüt Fliegengewicht wurde sie mit dem Literaturpreis Alpha 2011 ausgezeichnet. 2014 folgte der Roman Die Hunde von Montpellier über einen französischen Anatomen des 16. Jahrhunderts. 2015 erhielt sie den Reinhard-Priessnitz-Preis. 2017 erschien ihr Roman Am Himmel, in dem anhand eines Wiener Kriminalfalles des 19. Jahrhunderts, das bis ins Heute reichende Gefälle zwischen Arm und Reich aufgezeigt wird. Im Frühjahr 2023 veröffentlichte Schöffling & Co ihren Roman Kreidezeit, der das Verhältnis von Digitalisierung, Bildung und Geld auslotet.
Aktueller Roman _ „Kreidezeit“ Anna-Elisabeth Mayer, Roman. Schöffling Verlag 2023
Als Martha Kopetzky die E-Mail vom Bildungsministerium bekommt, ist sie sofort alarmiert. Ihre Schüler:innen sollen fortan durch die digitale Lernplattform KREIDE – Kreative Intelligenz durch E-Learning – beim Lernen überwacht werden. Aus einer Beschwerdemail wird ein ausgewachsenes politisches Engagement: Martha versucht den Einsatz der KREIDE mit einer Petition zu verhindern und wirbelt damit viel Staub auf. Schließlich hat sie nicht vor, die Kinder kampflos den Tech-Giganten zu überlassen. Aber auch ihrem Gegenspieler Anatol Penzel aus dem Bildungsministerium kommen immer mehr Zweifel an dem Vorhaben. Mit der Zeit werden die beiden immer weiter miteinander verstrickt, getrieben vom gemeinsamen Aufbegehren gegen eine zutiefst digitalisierte Welt.
Mit bissiger Ironie und überaus unterhaltsam erzählt Anna-Elisabeth Mayer vom Zusammenleben zwischen Mensch und Maschine in unserer schönen neuen Welt.
„Es ist ein Abfahren mit verinnerlichter Strecke, mit vorgezeichneten Freuden. Eine nach der anderen zählen, überprüfen, die vorbeiziehende Landschaft: ob alles noch da, dasselbe Empfinden…“
Eine Reise zu „generationen und gegenwart“, Bilder sind im Kopf – des Lebens der Vorfahren hier an Fluss und Promenade. Schritt für Schritt zurück am Erinnerten und vielleicht Gebliebenem?
„Willkommen am Luftkurort“
Die Rückkehr zum Ort der Kindheit, die Fragen außen und innen am Weg…
„gehst über die brücke der seewiese ihr
feuchtes holz…“
Bilder, Gerüche kehren zurück und es ist ein Weitergehen im Leben zwischen Erinnerung, Finden, Abschiednehmen und neuen Horizonten…
„…aus dem großen boot steigt niemand ein
niemand aus
in dieses endlich greifbare
anhalten…“
Sophia Lunra Schnack, Wiener Schriftstellerin, legt mit „feuchtes holz“ ein fulminantes Romandebüt vor, das im vielschichtigen Themenbogen und der virtuosen literarischen Form begeistert.
In mitreißender Erzählkraft werden Leserin und Leser auf eine Reise zu Orten der Kindheit mitgenommen, in denen sich ein poetischer wie kritischer Dialog zu Ort und Existenz, Familie und Geheimnis, Geschichte und Verdrängung zwischen Vergangenheit und Gegenwart öffnet. Dabei gelingt gleichsam ein Gespräch zwischen Schriftstellerin und Leserin/Leser, das Impulse, Inspiration, persönliche Erfahrung aufnimmt und reflektiert wie viel Raum gibt, der Wort, Herz und Sinn still ruhen lässt am persönlichen Weg durch Raum und Zeit.
Ein mutiges wie gelungenes Romanexperiment als dialogischer „Leseweg“, der sich im und je nach persönlichem Tempo als rundum großer Gewinn erweist – in Freude an der einmaligen Sprachvirtuosität wie den so tiefsinnigen, leichten wie schweren, Gedankenwegen, die einladen mitzugehen zum Spannungsbogen von Erinnerung, Weg und Sinn – auf der „long and winding road“ zu sich selbst.
„Ein Romandebüt, das in einmaliger literarischer Virtuosität und unendlicher Zärtlichkeit Herz und Sinn verbindet!“
„feuchtes holz“ Sophia Lunra Schnack. Roman. Otto Müller Verlag
Zur Person_ Sophia Lunra Schnack (*1990) lebt und schreibt überwiegend in Wien. Sie verfasst Lyrik und (lyrische) Prosa, die bisher u.a. in den Manuskripten, in der Poesiegalerie, in Das Gedicht oder in den Signaturen publiziert wurden.
Ihre Texte rücken Materialität, Musikalität und Sensualität von Sprache ins Zentrum.
Die Autorin schreibt sowohl auf Deutsch als auch auf Französisch. Immer wieder sucht sie eine klanglich-atmosphärische Annäherung zwischen beiden Sprachen.
2022 erhält sie den rotahorn-Förderpreis.
Im August 2023 erscheint im Otto Müller Verlag ihr Debütroman „feuchtes holz“.
Johann Seidl, Poet und Autor, Lieder- und Bildermacher, Naturgärtner
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Johann Seidl, Poet und Autor, Lieder- und Bildermacher, Naturgärtner
Zur Person _ Zur Person_ Johann Seidl, geboren 15.12.1960, hat sich schon früh als Liedermacher und Lyriker engagiert. Er malt, fotografiert und schreibt Gedichte und Kurzgeschichten, die in zahlreichen Literaturzeitschriften und Anthologien veröffentlicht wurden. Im November 2022 wurde er in der Sparte Lyrik beim Literaturwettbewerb der Bonner Buchmesse Migration mit dem 2. Preis ausgezeichnet. Er kocht mit Leidenschaft und ist passionierter Naturgärtner mit einem gut besuchten Garten/Food-Blog. Johann Seidl war einige Jahre Herausgeber des noch heute regelmäßig erscheinenden SF-Magazins “Andromeda- Nachrichten” und arbeitet als Pressesprecher einer Umwelt-Forschungseinrichtung.
Veröffentlichungen
Zwei Gedichte erschienen in Literaturzeitschrift Neue Literarische Pfalz (NLP) 49, Juli 2023
Zwei Balladen erschienen in Literaturzeitschrift Dichtungsring, Juni 2023
Konkrete Poesie, erschienen in experimenta – Magazin für Literatur, Kunst und Gesellschaft, Feb. 2023
Drei Gedichte erschienen in Anthologie Ortswechsel: Vom Kommen und Gehen, Dez. 2022
Literaturpreis: 2. Platz beim Literaturwettbewerb der Bonner Buchmesse Migration, Nov. 2022
Gedicht erschienen in der Anthologie Traumfabrik, Nov. 2022
Essay, erschienen in Goethe – eine Streitschrift. Der Dichterfürst in der Kontroverse, August 2022
Kurzgeschichte erschienen in Literaturmagazin introspektiv, Ausgabe #3 (Juli 2022)
SF-Story erschienen in SF-Magazin Gegen Unendlich (Juni 2022)
Lieber Stefan Schweers, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?
Aufstehen, Schreiben, Arbeiten (der lästige Broterwerb), abends ein Bier oder zwei und Gespräche mit der Lebensgefährtin. Oder: Aufstehen, in der Stadt herumwandern, fotografieren, Notizen machen, abends ein Bier oder zwei…
Stefan Schweers, Schriftsteller, Fotograf
Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?
Geduld und guter Wille.
Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?
Der Kunst kommt die Aufgabe zu, den Menschen zu befragen und zu verstehen. Nicht, ihn zu formen.
Was liest Du derzeit?
Stefanie vor Schulte, Junge mit schwarzem Hahn.
Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Jeder Mensch lächelt und schweigt auf seine Weise.
Vielen Dank für das Interview lieber Stefan, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!
Stefan Schweers, Schriftsteller, Fotograf
5 Fragen an Künstler*innen:
Zur Person_Stefan Schweers lebt und arbeitet in Berlin. Auf seiner Website zweifelkunstundglaube.blog kombiniert er Fotografie mit poetischen Texten, die auch, aber nicht nur den Zweifel und den Glauben behandeln und die Kunst als Mittler zwischen und Darsteller von beiden.
Alle guten Dinge sind drei – dies trifft auch auf diese besondere Buchausgabe zu. Die Ausnahmeschriftstellerin Christine Lavant, deren vielfach und höchst ausgezeichnete Lyrik zu den herausragendsten Werken deutschsprachiger Literatur seit Jahrzehnten zählt, ist ebenso eine großartige Erzählerin.
Die vorliegende Taschenbuchausgabe vereint drei herausragende Prosawerke Christine Lavants, die ihre einmalige Sprachvirtuosität, Zeit- und Gesellschaftskritik wie eindringliche Thematisierung unmittelbarer Lebenserfahrung wunderbar vorstellen.
Christine Lavant (geb. 1915 als Christine Thonhauser in einer Großfamilie im Kärntner Lavanttal) in schwierigen sozialen Bedingtheiten wie persönlicher Krankheit aufgewachsen, nimmt in ihrem Schreiben das Leben in allen Facetten in den offenen Blick und begeistert mit zeitkritischer Treffsicherheit, Eindringlichkeit wie Erzählspannung.
„Ein Lesereignis x3 einer der spannendsten Schriftsteller:innen moderner deutschsprachiger Literatur!“
Das Kind. Das Wechselbälgchen. Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus. Drei Erzählungen in einem Band. Christine Lavant, Klaus Amann (Hrsg.). btb Verlag.
Alexandra Streit-Weinrich, Künstlerin _ Wien _ Station bei Maria Lassnig, Künstlerin (*8.9.1919 in Kappel/Krappfeld Kärnten +6.5.2014 Wien) _ Fotos Atelier-, Wohnhaus Maria Lassnig _ Wien/Margarethen.
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Alexandra Streit-Weinrich, wir sind hier im Atelier- und Wohnhaus von Maria Lassnig in Wien/Margareten. Sind Dir die Orte hier vertraut?
Als geborene Wienerin kenn ich mich hier ganz gut aus, auch wenn der 5. Bezirk einer der wenigen ist, in dem ich nie gewohnt habe. Meine erste eigene Wohnung war aber quasi gegenüber im 6. Bezirk in der Turmburggasse. Eine kleine Dachgeschosswohnung ohne Lift, dafür mit einem externen Abstellraum mit Zugang auf´s Dach und herrlichem Ausblick. Auch ein sehr schöner Altbau und Erinnerungen an eine sehr schöne Zeit. Ich bin dir jedenfalls sehr dankbar für´s Aufspüren dieser kaum bekannten „Lassnig Station“ und freue mich auf unser Projekt.
Atelier-, Wohnhaus Maria Lassnig _ Wien/Margarethen
Welche Eindrücke hast Du vom Haus, in dem Maria Lassnig lebte und arbeitete?
Wenn ich an die Platznot denke, unter der viele junge KünstlerInnen heute leiden, dann muss ich feststellen, dass Maria Lassnig glücklicherweise an einem Ort mit viel Flair arbeiten konnte – und zwar zu einer Zeit, als ihr „Mutting“; wie sie ihre Mutter nannte, noch Lebensmittel nach Wien schicken musste. Das wirft allerdings Fragen auf, die uns vom eigentlichen Thema wegführen würden.
Bemerkenswert finde ich die noch erhaltene Klingel zum Atelier, nicht nur aufgrund ihrer Ästhetik, sondern auch aufgrund des fehlenden Verweises zu einer der bedeutendsten Künstlerinnen dieses Landes. Und dass ich den Eindruck hatte ihre Anwesenheit dennoch zu spüren. Möglicherweise ein Wunschdenken, aber als ich eintraf war ich sofort in „Lassnig Mood“ und das, obwohl ich aufgrund wetterbedingter „Migräne Mood“ den Termin bereits absagen wollte.
Die Tatsache, dass dieser typische Wiener Jahrhundertwende Altbau seine Schönheit erst im Inneren entfaltet, da sicher Teile der Fassade dem Krieg zum Opfer gefallen sind, ergibt jedenfalls schon eine durchaus passende Metapher zum Werk Maria Lassnigs.
Welche Bezüge und Zugänge gibt es von Dir zu Maria Lassnig?
Ich wollte ursprünglich bei ihr studieren. Ich ließ es mir ausreden, da das Gerücht umging, sie wäre den Studentinnen gegenüber stutenbissig und würde ihre männlichen Schüler bevorzugen. Ich bin dann zum Frohner gegangen. Nicht dass ich es bereue bei Frohner gewesen zu sein! Ich finde es lediglich schade, nicht bei Lassnig gewesen zu sein. Den großartigen Roman „Maria malt“ von Kirstin Breitenfellner, sowie eine nicht minder großartige Privatführung durch die Lassnig Stiftung, in der ich viel Persönliches durch ihren langjährigen Begleiter und Assistenten, so wie heutigen Leiter der Privatstiftung Hans Werner Poschauko über sie erfahren konnte, haben mir posthum die Person näher gebracht , deren Werk ich schon als sehr junge Frau bewundert habe. Und sehr schnell wurde mir auch der Mensch Maria Lassnig nahe und nachvollziehbar. Ich werde zwar nie wissen, ob sie gebissen hätte oder nicht, aber ich freue mich auf eine weitere Spurensuche.
Wie siehst Du den Weg Maria Lassnig als Künstlerin? Welche Herausforderungen gab es da?
Auch wenn das jetzt ein wenig platt klingen mag: ich denke, die größte Herausforderung war wohl, dass sie eine Frau war und noch dazu unübersehbar talentiert! In einer Zeit, als Kriegsheimkehrer damit beschäftigt waren, ihr Territorium zurückzuerobern und sich um ihre Traumata zu kümmern. Hinzu kam, dass sie ein in Armut aufgewachsenes Bauernkind war, das sich nicht in die Riege der „Söhne und Töchter“ einordnen konnte. Ausgestattet mit einem spröden Charakter, wenig interessiert an Smalltalk und Selbstdarstellung und dem Kunstmarkt, aber einer echten Leidenschaft für die Kunst. Vielleicht hat sie ja ihre Abneigung gegenüber der Selbstvermarktung noch stärker zu ihrem großen Thema der Selbstwahrnehmung geführt. Ich denke, sie war einer der Menschen, die ich persönlich Verstärker nenne – ausgestattet mit einer verstärkten Sinneswahrnehmung, hochsensibel würde man wohl sagen. Aber auch verschmitzt und selbstironisch. Ich finde es ist alles sehr gut sichtbar in Ihrer Kunst, die ich gar nicht durch zu viel Worte verdünnen möchte.
Wie war Dein Weg zur Kunst und was sind Deine derzeitigen Projektpläne?
Meine Eltern haben sich beim Pinselauswaschen auf der Akademie kennengelernt. Also hab` ich die Malerei lange meine persönliche Erbsünde genannt. Gemalt hab` ich immer. Meine Schwester nicht. Eine Fährte dorthin, dass es wirklich „meins“ ist, aber das hat gebraucht. Wir sind als Kinder nicht Schwammerl suchen gegangen, sondern auf Vernissagen. Da hab` ich mich sehr nach dem Wald gesehnt. Maturiert hab` ich schon mit Schwerpunkt auf bildnerische Erziehung bei Herwig Zens. Und wollte dann Jus studieren, weil ich damals auswendig gelernt habe wie eine Maschine und dachte, es hätte etwas mit Gerechtigkeit zu tun – richtig putzig aus heutiger Sicht. Es gab dann ein großes Gezeter im ganzen Umfeld, die Juristin wollte mir niemand abkaufen. Also dachte ich, ich mach mal die Aufnahmsprüfung, die ich sowieso nicht schaffen werde, damit ich mich dann in Ruhe der Gerechtigkeit widmen kann. Dass ich mir dann doch intensiv überlegt habe, bei wem ich „scheitern“ möchte, zeigt schon, dass ein Teil von mir schon wusste, wo er hingehört. Ich hab` also nicht entschieden, Malerin zu werden, sondern bin irgendwann draufgekommen, dass ich es bin – und das meine ich sehr unromantisch. Die Aufnahmsprüfung habe ich dann mit Bomben und Granaten geschafft, nach 2 statt 3 Tagen. Aber das ist eine andere, wenn auch sehr lustige Geschichte.
Aktuell befindet sich mein Tagebuchprojekt „a monkey a day“ in der finalen Phase mit dem 100. Affen und einer Installation, die die Geschichte quasi fertig erzählt, Daneben entstehen laufend neue Projekte, aber alles zu seiner Zeit.
As a visual artist my art is my language.
Was wünscht Dir für Deinen Beruf als Künstlerin?
Dass ich mit weniger als 50 nicht umgesetzten Ideen von dieser Welt gehe und viele inspirierte und inspirierende Sammlerinnen und Sammler
Wie siehst Du die Möglichkeiten als Künstlerin in Wien?
Toll, weil Wien so überschaubar ist und schwierig, weil Wien so klein ist. Ich möchte ja nicht jammern, aber immer dieses Gejammere! Ein wenig Staubwischen und etwas mehr Umsetzungsenergie wären wünschenswert.
Was möchtest Du Künstler:innen am Anfang Ihres Weges mitgeben?
Man kann nicht everybody´s darling sein! Bleibt euch und eurer Selbstwahrnehmung treu, verirrt euch nicht im Kunstmarkt und werdet nicht gefällig. Versucht nicht originell zu sein, sondern ehrlich, dann werdet ihr einzigartig. Lernt die Regeln gut, damit ihr wisst WIE ihr sie brechen müsst.
Hättest Du mit Maria Lassnig gerne einen Tag in Wien verbracht und wenn ja, wie würde dieser aussehen?
Auf jeden Fall! Mit der jungen wäre ich gerne tanzen gegangen, sie hat es geliebt, so wie ich. Mit der älteren zeichnen in den Tiergarten, obwohl ich eingesperrte Lebewesen schrecklich finde. Um der Maria Lassnig beim Zeichnen zuzusehen, würde ich eine Ausnahme machen. Die alte Lassnig hätte ich vom Atelier abgeholt. Wenn es ihr nicht unangenehm gewesen wäre, hätten wir uns ihre Arbeiten angesehen. In jedem Fall hätte ich sie zu einem bombastischen Essen eingeladen, mit Champagner und allem was dazu gehört. Ihr Leben war so von Armut und Geldsorgen geprägt, dass sie es auch als reiche Frau nicht geschafft hat ihre Ernte zu genießen. Das finde ich sehr traurig.
Darf ich Dich abschließend zu einem Akrostichon bitten?
Malen
Atmen
Rumpf
Innenschau
Atelier
Losgelöst
Arnulf
Singen
Sessel
New York
Informell
Gedicht
Alexandra Streit-Weinrich, Künstlerin _ Wien _ Station bei Maria Lassnig, Künstlerin (*8.9.1919 in Kappel/Krappfeld Kärnten +6.5.2014 Wien) _ Fotos Atelier-, Wohnhaus Maria Lassnig _ Wien/Margarethen.
Station bei Maria Lassnig_Atelierwohnung Wien.
Alexandra Streit-Weinrich, Künstlerin _ Wien _ performing
Als wollte uns die welt vor augen führen, wie das mit der halbwertszeit politischer denkmodelle ist. das SUBJEKT DES FRIEDENS IN EUROPA war bis – werweiß, ‘95? ‘01? – die pazifistische linke im westen, und waren die post-a
Chtundsechtziger-dissidentennetzwerke im osten. und auf einmal ist das subjekt der gedanken, die von unserem (!!!) frieden
Handeln, bloß die bevölkerung eines landes unter w
Affen, vo
Ndem bis vor eineinhalb-zwei jahren niemand so re
Cht wusste, wo und was es eigentlich sei. und wir sind‘s nämlich nicht mehr – und damit komm mal klar,
Europa!
Stefan Schmitzer, 6.8.23
Stefan Schmitzer, Schriftsteller
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Stefan Schmitzer, Schriftsteller
Zur Person _Stefan Schmitzer, *1979, lebt als Autor in Graz und ist Mitherausgeber und Redakteur von perspektive – hefte für zeitgenösische literatur … Zuletzt erschienen: „boring river notes.“ (Graz: Keiper [Reihe Keiper Lyrik #19]); „Zweitausendachtzehn. Vier Moritaten“ (2019); „okzident express. falsch erinnerte lieder“ (2019); „liste der künstlichen objekte auf dem mond. gedicht“ (2021); „Wild On. Posse“ (2022)
„boring river notes“ keiper lyrik 19 _ Stefan Schmitzer (mit Zeichnungen von Rainer Prohaska),
Am Anfang stand ein Reisefilm des in Krems an der Donau geborenen, ebendort und in Wien lebenden Objektkünstlers Rainer Prohaska. Das Objekt in diesem Fall: ein Selbstbauboot, ein Trimaran, auf dem Prohaska mit seiner Crew von Melk bis nach Sulina im rumänischen Donaudelta schipperte. Das Thema des experimentellen Dokumentarfilms: die Dekonstruktion eines Kulturraums, der zu sein dem Donauraum aus so unterschiedlichen Beweggründen wie Habsburgnostalgie, pragmatischem Umgang mit EU-Förderkriterien oder sogar paneuropäischem Idealismus vielfach unterstellt worden ist. Tatsächlich präsentiert sich der Strom als träge Naturgewalt, begleitet von Zweckbauten und Investment-Ruinen – eine marode Szenerie, die wohl kaum ein Bild kultureller Identität, sondern weit mehr eines der Bedeutungsarmut, ja der Langeweile vermittelt. In einer frühen, funktionalen Version des vorliegenden Texts gaben Stefan Schmitzers boring river notes jenem Film eine Textebene, derer die thematisch gruppierten Bewegtbilder von der Reise, dem Boot, seiner Besatzung und Fracht bedurften, um ganz sicher nicht als numinoses Ergriffenheitsepos fehlgedeutet zu werden.
Für unsere Lyrikreihe hat Schmitzer, der sich als vielseitiger und politisch hellwacher Autor, Kritiker und Performer längst einen Namen gemacht hat, dieses Material in eine literarische Form gebracht, die sich aus dem filmischen Zusammenhang emanzipiert. Mit sprachlicher Virtuosität und gewitzter Ironie schickt er uns auf eine raffiniert langweilige Reise den Strom hinunter und dekonstruiert dabei den Bedeutungsraum des Gedichts nicht weniger wirksam als jenen vermeintlichen Kulturraum.
„Wie die Saat, so die Ernte“ Commissario Brunettis zweiunddreißigster Fall. Donna Leon. Roman. Diogenes Verlag.
Ein Samstag im November. Commissario Brunetti widmet sich seinen Büchern. Es geht um das Aussortieren. Erinnerungen an die Schullektüre werden wach wie Bücherwege hierher…Dann ein Anruf. Ein Kollege war privat bei einer Demonstration und sitzt jetzt in der Klemme, also auf der Polizeistation Trevisio in der Zelle. Brunetti fährt hin, um den Kollegen zu befreien…es gelingt, aber es hat ein Nachspiel…wie das turbulente Leben in Venedig…
Dann wieder ein Anruf. Ein Toter im Garten eines Palazzo…und jetzt beginnt eine Spurensuche, die auch mit Büchern zu tun hat…
Donna Leon, seit JahrenBestsellerautorin, legt mit „Wie die Saat, so die Ernte“ den zweiunddreißigsten Fall des Commissario Brunetti vor und es gelingt wiederum ein spannendes, abwechslungsreiches wie auch zeit- und gesellschaftskritisches Lesevergnügen, das zu überraschen und zu begeistern weiß.
„Ein wunderbares Lesevergnügen!“
„Wie die Saat, so die Ernte“ Commissario Brunettis zweiunddreißigster Fall. Donna Leon. Roman. Diogenes Verlag.
Anders zu machen, aber es ist auch nicht mehr als eine
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Marius Hulpe, 7.8.2023
Marius Hulpe, Schriftsteller
Give Peace A Chance_Akrostichon for peace:
Marius Hulpe, Schriftsteller
Aktueller Gedichtband _
Monument für die Verlassenen, Marius Hulpe. Gedichte. Elif Verlag
In den neuen Gedichten von Marius Hulpe kommunizieren Kindheitslandschaften und -erwartungen mit zerrütteten Gegenwarten, agiert ein erinnerndes Körperbewusstsein poetische Spektakel und stille, seismographische Sprachkammern gleichermaßen aus, rhythmisch und voller Musikalität. Sie machen Ungewissheit wie auch ungeschützt im Strudel der Welt Zurückgebliebenes sichtbar, menschliche wie tierische Verlassenheit, tranzendentale wie ganz konkrete. Aber auch den Sprachen und Sprachidentitäten, in denen sich all das kreatürlich vollzieht, sind sie in ihrer Beweglichkeit ein Monument, ebenso ihren Bedürfnissen, die angesichts der zu entziffernden Grausamkeiten wie Schönheiten entstehen. Sie handeln von Müttern, Pazifikbewohner*innen, von dichtenden Holocaustopfern. Zugleich beobachtet und eicht die Stimme dieses Bandes spürbar immer wieder auch eins: sich selbst.
Gedichte von Marius Hulpe sind ein spezielles, ein bild- und besinnungspendendes Ereignis, sie erweitern in dieser Sammlung u.a. das Personengedicht, ästhetisch wie ethisch, und verfügen nicht nur über eine „ursprüngliche poetische Ausdruckskraft“ und „eine Stimme, die sich einprägt“, wie Walter Hinck schon früh in der Frankfurter Allgemeinen schrieb, sondern sind schlicht eine „Entdeckung“.
ISBN: 978-3-946989-58-5 128 Seiten Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.
Liebe Franziska Serokina Lindenthaler, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?
Der Kampf gegen das Patriarchat und somit die Befreiung von Geschlechterrollen. Liebessehnsucht
Wie siehst Du „Undine“?
Ein nach Autonomie und Harmonie strebendes Wesen.
„Undine geht“ wurde vor 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?
Natürlich hat sich seit damals einiges geändert, ich glaube jedoch grundsätzlich, dass sich die Rollenbilder nicht ändern, sondern auflösen sollten. Jede Person hat das Recht, ihre eigene individuelle Rolle zu finden. Das ist ja das Schöne am Individuum. Warum sollten wir uns in eine vorgegebene Rolle „hineinquetschen“?
Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?
Das Patriarchat ist leider noch nicht vorbei, es kleidet sich nur etwas moderner. Es ist leider immer sehr tragisch anzusehen und zu fühlen wie viel Ungleichgewicht hier in dieser Welt herrscht.
Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im gesellschaftlichen Lebens aus. Welche Auswege siehst Du da?
Das Scheitern ist ein wichtiger Bestandteil des Lebens, der uns wichtige Dinge lehrt. Ich denke einen wirklichen Ausweg kann und soll es da nicht geben.
Grundsätzlich denke ich, dass offene und ehrliche Kommunikation sehr wichtig ist um ein friedliches Miteinander zu schaffen. Egal welches Geschlecht man lebt.
Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute mitnehmen?
Mut und Hoffnung.
Was bedeutet Dir Natur?
Die Natur war und ist für mich immer schon einer der wichtigsten Lebensbestandteile und eine besondere Quelle für mich. Nirgends kann ich so gut abschalten und Kraft tanken als draußen im Grünen J
Was bedeutet Dir das Element Wasser?
Ich liebe das Wasser, habe aber auch großen Respekt davor. Manchmal denke ich lange darüber nach, wie „schräg“ ich Wasser finde und dass es überhaupt existiert. Es ist schon ein Wunder. Besonders faszinierend finde ich, dass es immer in Bewegung ist.
Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?
Das kommt bei mir immer auf die Lebensphase an. Grundsätzlich spüre ich aber schon einen Gemütswechsel, wenn sich die Jahreszeiten ändern und ich glaube ich passe mich dann unbewusst ein bisschen an sie an.
Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?
Ich glaube, dass das sehr individuell ist. Ich habe für mich bemerkt, dass Akzeptanz immer eine wichtige Lebensbegleiterin war, die schwierige Situationen etwas leichter machen konnte.
Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, zu blühen?
Vertrauen und vielleicht manchmal auch Mut.
Was lässt Liebe untergehen?
Unehrlichkeit kann in vielerlei Hinsicht schädlich sein. Wenn wir uns selbst gegenüber unehrlich sind, verlieren wir den Kontakt zu unseren eigenen Bedürfnissen, Wünschen und Gefühlen. Das kann zu innerer Unzufriedenheit und einem Mangel an Selbstakzeptanz führen. Wenn wir anderen gegenüber unehrlich sind, kann dies das Vertrauen und die Beziehungen belasten. Es kann zu Missverständnissen, Konflikten und letztendlich zu einem Verlust von Verbindungen führen. Ehrlichkeit ist für mich eine wichtige Tugend, um ein erfülltes und harmonisches Leben in Liebe zu führen.
Unehrlichkeit. Zu sich selbst und auch gegenüber anderen
Wie war Dein Weg zum Schauspiel?
Der war etwas ungewöhnlich. Ich wusste zwar schon immer, dass Schauspiel meine Leidenschaft ist, musste mich aber erst einmal von den Ketten meiner Unsicherheit befreien. Bis dahin habe ich mich im Radiostudio „versteckt“. Vor ein paar Jahren habe ich dann nebenbei angefangen, ein bisschen zu drehen, und mich schließlich auch in den Schauspielunterricht getraut. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. ☺
Welche Berührungspunkte/Impulse mit/von Literatur gab es bisher in Deinen künstlerischen Projekten?
Da gab es schon viele Berührungspunkte. Beim Theater erklärt es sich von selbst, aber auch bei Projekten als Sprecherin konnte ich mit Literatur arbeiten oder Impulse für mich mitnehmen. Manchmal ist es aber auch umgekehrt, und der Impuls führt mich zur Literatur – dann schreibe ich selbst.
Welche aktuellen Projektpläne hast Du derzeit?
Leider darf ich darüber noch nichts verraten, hoffentlich bald J
Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?
«Alles hast du mit den Worten und Sätzen gemacht, hast dich verständigt mit ihnen oder hast sie gewandelt, hast etwas neu benannt…»
Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Achrostikon zu „Undine geht“ bitten?
Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.
Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.
Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.
Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.