„Die Natur ist ein Booster für meine Kreativität“ Gabriele Uher, Künstlerin _ Wien 10.8.2024

Liebe Gabriele Uher, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jetzt im Sommer sehr entspannt, weil ich ihn viele Wochen am See und in den Bergen verbringe, mich dort von der Natur inspirieren lasse und nur kleine Papierwerke male oder Ideen für Ausstellungen entwickle. Die Natur ist ein Booster für meine Kreativität.

In Wien im Atelier sieht er so aus, dass ich nach dem Aufstehen mal sofort ins Atelier gehe und meine Arbeit des gestrigen Tages betrachte. Dann gibt es Kaffee und ich mache meine Facebook Posts. Dann kommt es darauf an was ansteht, aber meistens bin ich dann im Atelier und arbeite.

Abends – wenn mich das Bild, an dem ich arbeite, freilässt, versuche ich verschiedene Vernissagen zu besuchen oder Freunde zu treffen.

Ein Spaziergang durch die City auf den Nebengassen mag ich dabei auch sehr gerne.

Gabriele Uher, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Was für uns alle wichtig wäre….

Die Welt ist für mich in einer fast nicht aushaltbaren Verfassung. Überall knallt und zündelt es. Die Kommunikation wurde dramatisch aggressiver. Das gilt für alle, die gerne verbal um sich schlagen – runter vom Gas in der Kommunikation – das gilt auch für die Politik.

Besonnenheit, Achtsamkeit im Umgang mit unseren Mitmenschen, immer wieder Ruhe finden, sich nicht nur mit Negativmitteilungen beschäftigen, die Schnelllebigkeit für stoppen…

Sich den Blick für Schönes in Natur, Kunst oder ……  zu bewahren, das alles ist für mich wichtig, was für alle wichtig wäre kann ich nicht sagen, aber vielleicht ist in dieser Aufzählung für ALLE was dabei.

Gabriele Uher _ Beyond your limits

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Wir stehen vor einem Neubeginn? – auch den Aufbruch kann ich eigentlich nicht erkennen.

Ich reflektiere in meiner Kunst die Welt um mich herum durch expressionistische Malerei. Ich glaube fest daran, dass wir trotz Herausforderungen und Bedrohungen, denen wir derzeit gegenüberstehen, als Gesellschaft die Möglichkeit haben unser Leben positiv zu gestalten.

Gabriele Uher (ohne Titel)

Was liest Du derzeit?

Die Interessanten von Meg Wolitzer

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Your only Limit ist your mind

Vielen Dank für das Interview, liebe Gabriele, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Gabriele Uher, Künstlerin

Zur Person: Gabriele Uher 

Der Satz von Pablo Picasso „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“ hat für mich in unserer Zeit geradezu eine existenzielle Bedeutung. In meiner Kunst reflektiere ich die Welt um mich herum durch expressionistische Malerei. Für mich ist malen eine lustvolle aber auch eine herausfordernde Arbeit. In meinem Atelier in Interaktion mit der Leinwand verarbeite ich intuitiv das Geschehen um mich herum. 

Ich liebe die Welt der Farben. Wenn ich in einen Prozess eintauche verschwinden
Zeit und Raum, da bin ich irgendwo „anders“. Auch wenn ich mit einem groben Plan beginne, überlasse ich meiner Intuition die Führung. Am liebsten beginne ich ein Werk eigentlich planlos, suche Farben, die mich ansprechen und experimentiere ohne Angst vor Irrtümern. Im Zuge des Prozesses kann viel geschehen, es können sich Farben ändern, aber auch die gesamte vorher gedachte Bildkomposition.

Ich mag das Spiel zwischen Chaos, Ordnung und Emotionen. Ich finde es jedes Mal faszinierend, die Herausforderung anzunehmen, das Neue, das Weite, das Unbekannte zu entdecken – das immer lebendig, immer voller Energie ist. 

Ganz oft erklären sich mir meine Bilder nach Fertigstellung und zeigen mir gemalte Erkenntnisse und verarbeitete Emotionen.

Mein künstlerischer Werdegang ist auf meiner Homepage www.gabriele-uher.at zu sehen. Ich mache Ausstellungen in Wien, Niederösterreich und Deutschland und meine Werke befinden sich in privaten Sammlungen und in einem Gemeindeamt in Deutschland.

www.gabriele-uher.at

Foto_ privat

Walter Pobaschnig _ 6.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„Die Zeiten sind konservativer, als sie vorgeben zu sein“ Fanny Holzer, Schauspielerin _ Wien 9.8.2024

Liebe Fanny Holzer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe auf und bin „morgens immer müde, aber abends werd ich wach“. Das trifft auf mich vollkommen zu. Das ist schon auch ein Grund, weshalb ich das Theater liebe. Ich liebe es, wenn der Tag langsam zu Ende geht und einen Glanz bekommt. Der Abend und die Nacht haben eine Ruhe und verbergen für mich eine Kreativität und Freiheit in sich, die der Tag so nicht hat. Die logische Schlussfolgerung ist, dass ich, wenn es geht auch gerne länger schlafe, natürlich ist das meistens nicht möglich und ich merke, dass es mir gut tut gezwungen zu werden früher aufzustehen.

Wenn ich gerade probe ist der Tag ziemlich durchgetaktet. Ich gehe morgens und abends zur Probe und in der Zeit dazwischen ist mein Kopf auch mit dem Stück und dem künstlerischen Prozess, in dem ich mich gerade befinde, beschäftigt. Sehr schätze ich zurzeit das häufig stattfindende Mittagessen mit Kolleg:innen. Austausch tut gut und ist wichtig für den Prozess und so sind diese Mittagessen sehr gemeinschaftlich und oft wahnsinnig lustig. Ein guter Ausgleich, den ich sowohl produktiv, als auch entspannend empfinde.

Vor der Abendprobe mache ich dann noch einiges. Textlernen, Mails beantworten, spazieren gehen, Gedanken zusammenschreiben,.. und dann schleicht sich langsam die Freiheit der Nacht heran und legt sich über die Abendprobe oder die Vorstellung. 

Fanny Holzer, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Augen zu öffnen, kritisch zu sein, aber auch die Gemeinschaft und das Miteinander nicht zu vergessen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Stehen wir gerade wirklich vor einem Aufbruch und Neubeginn? Könnte der nicht jederzeit sein oder war er vielleicht schon?

Ich denke die Kunst hat die Möglichkeit jederzeit einen Aufbruch oder Neubeginn zu initiieren. Ob der gelingt, ist von einigen Faktoren abhängig. Sozusagen zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Es ist wahrscheinlich wichtig den Zeitgeist zu verstehen und zu bemerken was Menschen an diesem oder jenem Ort gerade brauchen oder verlangen.

Im Moment gibt es viele Aspekte, die zu einer Teilung unserer Gesellschaft führen. Die Zeiten sind konservativer, als sie vorgeben zu sein. Es passieren einige emanzipatorische Rückschritte, die noch vor einigen Jahren zu einem Aufschrei geführt hätten. Durch den Konsum von Social Media beobachte ich, dass von vielen jungen Menschen äußerst traditionelle Werte verfolgt und ausgelebt werden, die in jedem Fall zu keinem „Neubeginn“ im positiven Sinne führen. Durch Verbote, wie das Genderverbot, das zum Beispiel in Hessen und Bayern durchgesetzt wurden, wird vorgeschrieben, dass Schüler:innen in schriftlichen Arbeiten nicht mehr Gendern dürfen und dies als Fehler angerechnet wird. Wo beginnt der Wandel, wenn nicht in unserer Sprache? Die Sprache ist der erste Schritt zur Veränderung des Denkprozesses. Wir dürfen nicht faul werden, denn nur durch eine kleine Überwindung kann sich Neues und Fruchtbares entwickeln.

Was liest Du derzeit?

„Das Ende ist nah“ von Amir Gudarzi. Nachdem ich schon Anfang des Jahres bei einer Lesung war, komme ich nun im Sommer endlich dazu. Ein Roman über die Flucht eines Menschen, Studenten und Künstlers, der auf Grund von Protesten im Iran sein Land verlassen muss und in Österreich zum Flüchtling wird. Er erzählt auf poetische Weise von erschütternden Erfahrungen in Österreich als Flüchtling. Über Einsamkeit, Verachtung, Demütigung aber auch die Liebe.
Ich habe 2022 in seiner Uraufführung von „Wonderwomb“, welches den Kleistförderpreis 2022 gewann gespielt. Regie führte Eva Lange. Wir spielten das Stück bei den Kleist-Festtagen in Frankfurt (Oder) und so lernte ich Amir Gudarzis kennen. Seine ernsthafte aktuelle Arbeit und Poesie. Uns verband der Wiener Schmäh.  

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ich zitiere jetzt einfach mal aus „Zwei Herren von Real Madrid“ von Leo Meier, da ich daran gerade probe:

„Ihnen allen ein frohes neues Jahr und enormen Reichtum.“

Fanny Holzer, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Fanny, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Fanny Holzer, Schauspielerin

Zur Person: FANNY HOLZER, geb.1997, Wien.

AUSBILDUNG
2017-2021 Diplomstudium Schauspiel,
Kunstuniversität Graz

AUSZEICHNUNGEN
Genderpreis 2021 der Kunstuniversität Graz für
„Zimmer 223 oder die Realität wurde hergestellt von einem Tapetenhersteller“
künstlerische Diplomarbeit – Fanny Holzer

THEATER
2022/2023: festes Ensemblemitglied am Hessischen Landestheater Marburg
2021/2022: festes Ensemblemitglied am Volkstheater Rostock
2020/2021: Studio am Hessischen Landestheater Marburg
2019/2020: Gast am Schauspielhaus Graz

ROLLEN AUSWAHL

2024
Zwei Herren von Real Madrid, Leo Meier, Paterin, Regie: Joachim Gottfried Goller,
Hessisches Landestheater Marburg
Archiv der Tränen Magdalena Schrefel, Regie: Antigone Akgün, Hessisches Landestheater
Marburg
Die Guten, Rebekka Kricheldorf, Fortitudo, Regie: Angelika Zacek, Hessisches Landestheater
Marburg

2023
Die Präsidentinnen, Werner Schwab, Mariedl, Regie: Maxime Mourot, Hessisches
Landestheater Marburg
Ein Sportstück, Elfriede Jelinek, Elfi Elektra, Regie: Carola Unser-Leichtweiß, Hessisches
Landestheater Marburg
Der gute Mensch von Sezuan, Bertolt Brecht, Shen Te/Shui Ta, Regie: Milena Mönch,
Hessisches Landestheater Marburg

2022
Der Herzerlfresser, Ferdinand Schmalz, Fauna Florentina, Regie: Maxime Mourot, Hessisches
Landestheater Marburg
Wonderwomb (UA), Amir Gudarzi, Regie: Eva Lange, Hessisches Landestheater Marburg,
Gewinnerstück des Kleist-Förderpreises 2022, Eröffnungsstück der Kleist-Festtage 2022,
Kleist Forum, Frankfurt (Oder)
Der Kirschgarten, Anton Tschechow, Dunjascha, Regie: Krzysztof Minkowski, Volkstheater
Rostock

2021
Frauen im Parlament, Stückentwicklung nach Weibervolksversammlung von Aristophanes,
Praxagora, Text und Regie: Sören Hornung, Volkstheater Rostock
Herr Puntila und sein Knecht Matti, Bertolt Brecht, Regie: Elina Finkel, Volkstheater Rostock

2020
Glaube Liebe Hoffnung, Ödön von Horváth, Herr und Frau Amtsgerichtsrat, Regie: Eva Lange, Hessisches Landestheater Marburg
Mortale Piccolo, Text und Regie: Katharina Grosch, Hochschule für Musik und Theater
Hamburg

2019
Die Leiden der jungen Wärter, Fräulein Foncé, Text und Regie: Nele Stuhler und Jan
Koslowski, Schauspielhaus Graz
Maß für Maß, William Shakespeare, Frau Maier und Herzog, Regie: Alexander Marusch,
Sommertheater im Burggarten Graz

2018
UniSex –Queerlounge, Konzept und Durchführung: Rosemarie Brucher und Ute Rauwald,
Schauspielhaus Graz

2017 europisch, Europa, Regie: Katrin Artl, Burgtheater Wien

FILM AUSWAHL

2021
Zimmer 223 oder die Realität wurde hergestellt von einem Tapetenhersteller, künstlerische
Diplomarbeit – Fanny Holzer
2020
Das Haus am See, Nicki, Regie: Nina Kusturica
2019
7,2 m², Regie: Elias Rauchenberger

Fotos_ Volker Schmidt

Walter Pobaschnig _ 5.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„Kunst bietet die Chance, etwas zu verstehen, etwas zu verarbeiten, etwas zu fühlen“ Lea Catrina, Schriftstellerin _ Flims, Schweiz 8.8.2024

Liebe Lea Catrina, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

An einem Schreibtag stehe ich früh auf, trinke als erstes eine Tasse Kaffee und setze mich direkt an den Laptop. Dort bleibe ich, bis ich hungrig bin, mache eine kurze Mittagspause, dann schreibe ich weiter. Erst, wenn der Schreibtag beendet ist, so gegen 17:00 Uhr, gönne ich mir eine Dusche, ziehe etwas „Richtiges“ an und verbringe den Abend mit meinem Mann und meinem Sohn.

Lea Catrina ist eine Schweizer Schriftstellerin und Lyrikerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das, was immer wichtig ist: Empathie.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Für mich persönlich bietet Kunst sehr viel Trost, sie bietet die Chance, etwas zu verstehen, neue Perspektiven einzunehmen, etwas zu verarbeiten, Dialoge zu starten, etwas zu fühlen oder eben nicht zu fühlen, und stattdessen anderweitig auszudrücken. Und aus Trost entsteht Hoffnung.

Was liest Du derzeit?

Ich lese aktuell «Hot Milk» von Deborah Levy.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

«Was dich zum Aussenseiter macht, macht dich zum Schriftsteller.»

Von wem das ist, weiss ich nicht mehr, aber es motiviert mich jeden Tag weiter zu schreiben.

Vielen Dank für das Interview, liebe Lea, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Lea Catrina, Schriftstellerin

Zur Person: Lea Catrina ist eine Schweizer Schriftstellerin und Lyrikerin. Sie ist die Autorin der Romane «MY BOY» und «Die Schnelligkeit der Dämmerung» sowie von «ÖPADIA – a Novella us Graubünda» (Arisverlag). «MY BOY» wird 2024 zudem als Taschenbuch und Hörbuch im Diogenes Verlag erscheinen.

Weitere ihrer Texte wurden in der Annabelle, Terra Grischuna, im Literaturblatt und im onepage Magazin publiziert.

2023 wurde ihr aktuelles Romanprojekt «WALDBAD» mit einem literarischen Werkbeitrag des Kantons Graubünden ausgezeichnet. Das Buch wird im Herbst 2024 veröffentlicht.

Catrina lebt aktuell wieder in Flims, Graubünden, wo sie geboren und aufgewachsen ist.

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 6.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„nicht zu vergessen, dass wir Menschen sind, mit einer Seele, mit Intuition, das könnte retten“ Anna Veit, Sängerin, Schauspielerin _ München 7.8.2024

Liebe Anna Veit, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jeder Tag ist anders – je nach Ort, Projekt und Jahreszeit. Mit drei Kindern ist ein zuHauseSein mitunter das Allerschönste; Aufstehen, Kinder zammrichten, ein Kaffee und Büro, üben, vorbereiten, proben, telefonieren, schreiben, organisieren, bis alle wieder da sind, danach Termine, oft Babysitter und Fahrt zum Auftritt.

Anna Veit, Sängerin, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Dieses Wort Resilienz ist so seltsam, sagt aber so viel – wenn wir schaffen, uns einen LebensMut, eine Liebe zu den Dingen, eine gute Portion Selbstironie und Humor zu bewahren, das fänd ich erstrebenswert im Einzelnen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Wenn wir nicht vergessen, dass wir Menschen sind, mit einer Seele, mit Intuition, mit vielen Ebenen, die jenseits eines greifbaren Zielstrebens existieren, das könnte retten. Und damit ist die absolute LebensNotwendigkeit von Kunst, Kultur, kreativem Tun, einer Innigkeit im Sein schon begründet. Dann bleiben wir nicht allein vielleicht.

Roger Willemsen hat dem Sinn nach (es ist kein Zitat, ich weiß es nicht mehr genau, aber) dazu einmal etwas gesagt wie: „Es gibt so viele Menschen, die niemals ein Blick der Liebe trifft, die nicht gesehen werden. Ich möchte mit meinem Tun möglichst viele von ihnen in meinem Blick festhalten, sie nicht mehr loslassen, bis sie sich gesehen, erlaubt, geliebt fühlen.“

Was liest Du derzeit?

… ich hab ein paar parallel laufen immer…

was ich immer dabei hab: Janosch, Wondrak. Das ist Weisheit.

ansonsten auf meinem FerienBuchTisch:

Ella Carina Werner, Der Untergang des Abendkleids

Bell Hooks, lieben lernen (das Buch sieht außerdem so total schön aus)

Sven Herzog, Die Sache mit dem Wald

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

… da gäbs viele…

eins, kürzlich auf Insta gemerkt:

„I love you. You´re probably thinking, „you don´t even know me“. But if people can hate for no reason, I can love.“

Oder

„I think the job of the artist is to remind people what they have chosen to forget“, Arthur Miller

Anna Veit, Sängerin, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Schauspielprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Anna Veit, Sängerin, Schauspielerin

Zur Person: Anna Veit verbrachte ihre Kindheit in Kramersdorf / Niederbayern. Als Folge erster einschlägiger Erfahrungen an der Kirchenorgel und auf dem Tanzboden studierte sie an der Musikhochschule München und am Konservatorium Wien. Sie wurde u.a. mit dem 1.Preis des deutschen Bundesgesangs- wettbewerbs in der Kategorie Chanson ausgezeichnet, erhielt den 3. und den Publikumspreis beim ersten MUT Wettbewerb in Klagenfurt und war Semifinalistin beim LotteLenyaWettbwerb in NewYorkCity. 2022 verlieh ihr die Bayerische Versicherungskammer beim von ihr ausgeschriebenen ChansonWettbewerb den 2. und den Publikumspreis.

Engagiert wurde Anna Veit u.a. von den Vereinigten Bühnen Wien, der Volksoper Wien, dem Stadttheater Klagenfurt, dem Tiroler Landestheater Innsbruck, vom Theater Trier und den Bad Hersfelder Festspielen.

10 Jahre lang verkörperte sie „Nina Nudel“ in der Produktion „Ristorante Allegro“ der Münchner Philharmoniker und stand mit Herman van Veen in seinem Stück „Op een dag in September“ auf der Bühne. Auf seine Impulse hinauf kreierte sie eigene Chansonprogramme. Als Kontrabass spielende Schauspielerin und Sängerin stand sie in Sondheims NewYorker Inszenierung von „Sweeney Todd“ als Lucy auf zahlreichen deutschen und österreichischen Bühnen, ebenso an Bass und Stimme war sie Teil der Band „Mrs. Zwirbl“ beim Verlag TRIKONT und des JazzTrios „DieDreiDamen“.

Anna Veit und 6 Musiker der Münchner Philharmoniker bilden das Ensemble „GoldMund“ – Stimme, Blech, Schlagzeug und theatralische Arrangements. 2021 veröffentlichten sie „Für´s Erste“, Chansons mit Stimme und Blech, sowie die WeihnachtsScheibe „Mehr oder weniger L A M E T T A “ b e i m L a b e l S o l o M u s i c a . S i e k o n z e r t i e r e n m i t d e m Chansonprogramm „ScharfeZungeWeicheLippen“, mit „Lametta“ und legen im Herbst 2024 das neue Album „Mehr oder weniger LEGENDEN“ vor.

Ebenfalls bei SoloMusica erschien 2023 Anna Veits erstes SoloAlbum „Georg Kreisler zum 101.“ mit Michaeel Gumpimer am Klavier.Neben der Bühne widmet Anna Veit sich mit großer Leidenschaft der Musikvermittlung und -grenzüberschreitung.

Für das Festival „Laut Yodeln“ / TRIKONT arbeitet sie mit der Band „VueBelle“, und verbindet die musikalischen Wurzeln geflüchteter Menschen und ihre Ideen mit Elementen bayerischer Volksmusik.

Ab 2024 moderiert sie u.a. für „mini musik“, arbeitet mit Chören in Workshops und als Chorleiterin und gründete 2022 das freie KinderChorKollektiv Untergiesing.

Anna Veit übernahm 2023 das landwirtschaftliche Anwesen ihrer Eltern und lebt mit drei Kindern, zwei Wellensittichen und einem Mann in München / Untergiesing und in Kramersdorf / Niederbayern

http://www.annaveit.com/

Fotos_ 1,4 Ludwig Olah; 2, 3 Uli Neumann-Cosel  

Walter Pobaschnig _ 4.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„ontologische Null“ Willi van Hengel, Schriftsteller _ Give Peace A Chance _ Berlin 6.8.2024

GIVE PEACE A CHANCE


Du bist ein Engel,

also eine ontologische Null.

Also ohne Lüge.

Obwohl du sprichst.

Jenseits des Verschwindens.

Willi van Hengel, 5.8.2024

Willi van Hengel, Schriftsteller

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace

Willi van Hengel, Schriftsteller

Zur Person: Willi van Hengel, 1963 geboren in Oberbruch, hat seine Magisterarbeit über die „Dekonstruktion im Blick auf Nietzsche“ geschrieben und arbeitet als Lektor im Deutschen Bundestag.

2006 hat er seinen ersten Roman veröffentlicht: „Lucile“. Eine Liebesgeschichte aus Frauensicht geschrieben, in der die Protagonistin vor Sehnsucht verrückt wird.

2008 erschien der Roman „Morbus vitalis“ und 2010 das Gedichtbuch (mit Zeichnungen) „Wunderblöcke“.

Im Jahr 2008 verschlug es ihn schließlich an den Weißensee nach Berlin. 2018 wurde sein 1. Theaterstück „de Janeiro – ein Punk ertrinkt in Weißensee“ in der Brotfabrik in Berlin aufgeführt. Es folgte in 2021 das Theaterstück „flanzendörfer“ – ebenfalls in der Brotfabrik in Berlin-Weißensee. 2022 erschien dann der Roman „Dieudedet oder Sowas wie eine Schneeflocke“.

Anfang 2024 wurde das Hörbuch „Wir werden über die Einfachheit unserer Liebe“ (zusammen mit Magnus Tautz am E-Piano) aus dem Zyklus „Desinteresse und Nicht-Verstehen“ veröffentlicht. Der Roman „Entstellung des Gesichts“ (bisheriger Arbeitstitel) soll im März 2025 erscheinen.

Bibliographie

Theaterstücke:

  • „De Janeiro“ –  Theaterstück (65 Min.) Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee

(Regie: Jens Heuwinkel – gefördert von Bundesstiftung Aufarbeitung)

30.05. – 10.06.2018 (10 Vorstellungen)  = mit Abschlusslesung am 10.06.2018

(ein Jahr später weitere 10 Vorstellungen, inklusive einer Vorstellung in Greiz)

Insgesamt: 20 Vorstellungen.

zusätzlich: 29./30./31. Juli 2021 Brotfabrik Bühne Berlin-Weißensee (zum Tode des Protagonisten des Stückes, Rio Korn).

(https://www.youtube.com/watch?v=iJ6rASPQrEk&t=14s&ab_channel=WillivanHengel)

  • „flanzendörfer“ –  Theaterstück (60 Min.) Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee

(Regie: Jens Heuwinkel – gefördert von Bundesstiftung Aufarbeitung, dem Bezirkskulturfonds der Berliner Senatsverwaltung sowie vom Kulturamt Pankow)

02./03./04./16./17.09.2021

September 2021 (5 Vorstellungen) –

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=6VEOoT6VPTI&ab_channel=WillivanHengel

und: https://vimeo.com/655366596/a078b67acf

– ganze Vorstellung nachzuschauen:  

– https://www.youtube.com/watch?v=KwL2YZRx7cA&ab_channel=WillivanHengel

und: https://vimeo.com/633065266/9113cab1a1 – Psswort: pfLANZE21))

  • „Hinter den Brennnesseln“, Kaltlesung mit 7 Schauspielern und Schauspielerinnen, in der Reihe: „Was für ein Drama – Neue Theaterstücke im Container“, Haus der Statistik, 12.09.2022
  • „Umverfröhlichung“  – Theaterstück (25 Min.), aufgeführt bei der 24-h-Nacht im Juni 2013,  Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee
  • „Die Unsterblichkeit der …“  – Theaterstück (25 Min.), aufgeführt bei der 24-h-Nacht im Oktober 2013, Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee
  • „Out of Wirklichkeit …“  – Theaterstück (25 Min.), aufgeführt bei der 24-h-Nacht im September 2018, Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee
  • „Titel: vergessen“  – Theaterstück (25 Min.), aufgeführt bei der 24-h-Nacht am 10.2019, Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee
  • „Respice finem: Trotz – Taub – Tod“, (Text zu Beethoven), in: Decadent Review, 02/2020

Bücher:

„Wir werden über die Einfachheit unserer Liebe staunen“

(zusammen mit Magnus Tautz am E-Piano) aus dem Zyklus

„Desinteresse und Nicht-Verstehen“ – Hörbuch (Januar 2024) 

„Dieudedet oder so was wie eine Schneeflocke“  – Roman (Juni 2022)

Kurzfilm zum Buch (von Heiner Schäfer): https://www.youtube.com/watch?v=yoqup1ZWSYI

Lucile“  – Roman (ISBN-10: 3-939305-08-1) edition LIThaus, Berlin 2006

Fernsehporträt: in der Sendung „west.art“ (WDR) am 13. Juli 2006, 22.15 Uh (anzuschauen auf meiner Homepage: https://vanhengel.de/filme/)

Radiointerview: in „100,5 – Das Hitradio“, Sonntag, 17. Dezember 2006, 15.40 Uhr

„Morbus vitalis“  – Roman (ISBN: 978-3-940756-36-7)

„Wunderblöcke“  – Lyrische Miniaturprosa mit Zeichnungen (ISBN: 978-3-940756-96-1)

Foto: Tim Noack.

Walter Pobaschnig _ 6.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„Vielleicht schreibe ich, weil ich glaube, dass die Welt besser werden kann“ Erez Majerantz, Schriftsteller _ Berlin 6.8.2024

Lieber Erez Majerantz, wie sieht jetzt dein Tagesablauf aus?

In meiner täglichen Routine versuche ich, Menschen nicht zu verletzen, aber heute ist das sehr schwierig geworden. Aber im Ernst, ich versuche, jeden Tag mindestens zwei Stunden dem Schreiben zu widmen, auch wenn es schwierig ist. Vielleicht schreibe ich, weil ich glaube, dass am Ende etwas passieren wird, dass die Welt besser werden kann. Nein, das ist gegen meine Natur.

Erez Majerantz, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wir sollten alle politischen und sozialen Kämpfe aufgeben und uns auf die Rettung des Planeten konzentrieren. Und wenn wir den Planeten retten, können wir in aller, mit Ruhe, über alle anderen Dinge streiten …

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Menschen lesen weniger Bücher, und ich würde mich freuen, wenn sie ein Jahr ohne Internet ankündigen würden.

In letzter Zeit schreibe ich weniger Prosa und mehr Graphic Novels, und auch mein erstes Drehbuch wurde produziert. Aber ich bin auch wieder ein bisschen ins Theater gegangen. „Das Reizvollste am Theater ist die Unmittelbarkeit. Als Zuschauer kann man eine Tomate auf die Bühne werfen oder einem Schauspieler sagen, er solle ‚den Mund halten‘. Zwar tun dies 99,9 % der Theaterbesucher nicht, dennoch ist die Möglichkeit dieser Option auch für die Schauspieler spannend. Außerdem laden die Leute Filme, Fernsehserien, Musik und Bücher aus dem Internet herunter. Ich hoffe, dass es trotz aller technologischen Entwicklungen nicht dazu kommen wird, dass man sich Schauspieler ‚herunterladen‘ kann, um sie dann im Wohnzimmer aufzuführen…

Was liest Du derzeit?

Ich lese gerade Catch-22. Ein Lektor, der in einer Nacht das Manuskript meines Romans: ,,Aufschrei der Erleichterung“ las, beschloss, dass ich Joseph Heller lesen sollte, und schickte mir das Buch in meiner Muttersprache nach Berlin. Ich verstehe, dass seit der Veröffentlichung des Buches im Jahr 1962 viele humoristische Muster aus Catch-22 in der Komödie verwendet wurden.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Wegen der Olympischen Spiele in Paris füge ich einen Auszug aus der Geschichte „Post Olympiade“, die, von mehreren Leser als Prophezeiung wahrgenommen wird…

Das faszinierende Diskurs-Werfen war offen für reichliche Interpretationen, und am Ende stimmten die Richter zu, sich nicht zu einigen. Die Goldmedaille wurde in 32 Teile zersägt und an alle Teilnehmenden aufgeteilt, die sich nicht für die Spiele qualifiziert hatten.

Die Abschlussfeier wurde durch den Eurovision Song Contest ersetzt.

Es wurde beschlossen, dass die nächsten Olympischen Spiele 2032 in Gary, Indiana, neue und aufregende Ereignisse wie Datenoptimierung, wettbewerbsfähiges Hören von Weltmusik, Langdistanzohrabkauen und Meditation beinhalten sollten, wenn noch Budget übrig sein sollte.“

Erez Majerantz, Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview, lieber Erez, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literatur-, Musik- Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Erez Majerantz, Schriftsteller

Zur Person: Erez Majerantz ist ein israelischer Autor, geboren 1980. Im Jahr 2004 erlangte er den Bachelor of Arts in Philosophie und Komparatistik an der Bar-Ilan Universität. Von 2008 bis 2009 schrieb er für das Nachrichtenportal “Nana 10” eine satirische Kolumne sowie eine Reihe von Sketchen für das Online- und Radioprogramm. 2013 und 2014 moderierte er die Radiosendung “On the edge of the scale”. In seinen Werken behandelt Majerantz die Kluft zwischen der Wissenschaft, dem Rationalen und der Mystik sowie dem Emotionalen. Ein weiteres Motiv in seiner Arbeit ist der Kampf des Individuums mit der Gesellschaft, insbesondere das Schicksal der Künstler und Intellektuellen gegenüber der Masse sowie das Leben an den Rändern der Gesellschaft. Zu seinen Einflüssen zählen neben den Dramatikern Brecht, Hanoch Levin und Beckett auch die Schriftsteller Borges, Grass, Kundera, Vonnegut, Kleist und Kafka, sowie die jüdische Tradition, das Christentum, Motive aus der Populärkultur und Elemente aus der alternativen Rockmusik. 2016 erhielt er den Kunstpreis der Menschenrechte.

Zusammen mit dem Maler Dan Alon schuf er die Graphic Novels „Therapie Taxi” und „Euro-Bar”. Er ist der Entwickler des Drama-Sophia-Genres, einer Adaption von Philosophiebüchern für die Bühne unter Verwendung einer allegorischen Figur. Die erste Drama-Sophia, „Die Kritik der Vernunft” über die Philosophie von Immanuel Kant, wurde in Berlin vorgestellt. Zudem ist er Musikproduzent und Texter der Underground-Punk Band Dysfunction.

https://www.erezmajerantz.de/

Fotos_ Ronja-Falkenbach

Walter Pobaschnig _ 4.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„dass wir immer wieder Ruhe-Räume in und um uns finden“ Willi van Hengel, Schriftsteller _ Berlin 5.8.2024

Lieber Willi van Hengel, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Da ich als Lektor arbeite – vor allem im Deutschen Bundestag abends –, lass ich den Tag auf mich zukommen. Ich lektoriere dann, was anliegt (auch Aufträge für Romanverlage und Werbeagenturen). Oder aber der Bleistift – es liegt überall einer herum – will gespitzt und Worte wollen auf ein Blatt gekritzelt werden und plötzlich ist eine Seite vollgeschrieben … ach, manchmal kann das Leben wirklich schön sein …

Willi van Hengel, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

… dass wir immer wieder Ruhe-Räume in und um uns finden. Ein Leben zwischen vollkommener Zurückgezogenheit und ins Geschehen mit (anderen) Menschen tauchen. Wissen, wann die Nervenflügel geschont und wann sie beansprucht werden können. Aus der so geschöpften Kraft kann man dann vielleicht wieder an Grenzen gehen …

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Für mich ist der Bezug auf sich selbst am wichtigsten. Der Einzelne stößt dabei immer auch auf das Andere in sich, das, was nicht kontrollierbar und mitunter erst im Nachhinein verstehbar ist. Deshalb ist neben dem Verstehen auch das Nicht-Verstehen elementar. Dadurch lässt man sich auf einen unabschließbaren Prozess ein, der vorübergehend in Antworten und Erklärungen zur Ruhe kommt. In jedem von uns schlummert unentwegt etwas anderes – und das gilt es zu respektieren. Und das sollte Kunst – und da denke ich freilich in erster Linie ans Schreiben – immer wieder klarmachen. Die Sprache selbst ist ja eine defizitäre Angelegenheit, die niemals das ausdrücken kann, was in all seiner Gänze geschieht. 

Was liest Du derzeit?

Stimmungsabhängig für kurze Momente oder aber auch längere Phasen zum einen Julia Kulewatz: „Orkaniden“ – dann Stefan Zweig: „Der Kampf mit dem Dämon“ – und natürlich Friederike Mayröcker: „cahier“. Man kann willkürlich eine Seite aufschlagen und loslesen.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Glattes Eis, welch Paradeis, für den, der gut zu tanzen weiß“

Friedrich Nietzsche aus der „Fröhlichen Wissenschaft“

Vielen Dank für das Interview lieber Willi und viel Erfolg für Deine wunderbaren Literatur-, Theaterprojekte und persönlich alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen: Willi van Hengel, Schriftsteller

Zur Person: Willi van Hengel, 1963 geboren in Oberbruch, hat seine Magisterarbeit über die „Dekonstruktion im Blick auf Nietzsche“ geschrieben und arbeitet als Lektor im Deutschen Bundestag.

2006 hat er seinen ersten Roman veröffentlicht: „Lucile“. Eine Liebesgeschichte aus Frauensicht geschrieben, in der die Protagonistin vor Sehnsucht verrückt wird.

2008 erschien der Roman „Morbus vitalis“ und 2010 das Gedichtbuch (mit Zeichnungen) „Wunderblöcke“.

Im Jahr 2008 verschlug es ihn schließlich an den Weißensee nach Berlin. 2018 wurde sein 1. Theaterstück „de Janeiro – ein Punk ertrinkt in Weißensee“ in der Brotfabrik in Berlin aufgeführt. Es folgte in 2021 das Theaterstück „flanzendörfer“ – ebenfalls in der Brotfabrik in Berlin-Weißensee. 2022 erschien dann der Roman „Dieudedet oder Sowas wie eine Schneeflocke“.

Anfang 2024 wurde das Hörbuch „Wir werden über die Einfachheit unserer Liebe“ (zusammen mit Magnus Tautz am E-Piano) aus dem Zyklus „Desinteresse und Nicht-Verstehen“ veröffentlicht. Der Roman „Entstellung des Gesichts“ (bisheriger Arbeitstitel) soll im März 2025 erscheinen.

Bibliographie

Theaterstücke:

  • „De Janeiro“ –  Theaterstück (65 Min.) Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee

(Regie: Jens Heuwinkel – gefördert von Bundesstiftung Aufarbeitung)

30.05. – 10.06.2018 (10 Vorstellungen)  = mit Abschlusslesung am 10.06.2018

(ein Jahr später weitere 10 Vorstellungen, inklusive einer Vorstellung in Greiz)

Insgesamt: 20 Vorstellungen.

zusätzlich: 29./30./31. Juli 2021 Brotfabrik Bühne Berlin-Weißensee (zum Tode des Protagonisten des Stückes, Rio Korn).

(https://www.youtube.com/watch?v=iJ6rASPQrEk&t=14s&ab_channel=WillivanHengel)

  • „flanzendörfer“ –  Theaterstück (60 Min.) Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee

(Regie: Jens Heuwinkel – gefördert von Bundesstiftung Aufarbeitung, dem Bezirkskulturfonds der Berliner Senatsverwaltung sowie vom Kulturamt Pankow)

02./03./04./16./17.09.2021

September 2021 (5 Vorstellungen) –

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=6VEOoT6VPTI&ab_channel=WillivanHengel

und: https://vimeo.com/655366596/a078b67acf

– ganze Vorstellung nachzuschauen:  

https://www.youtube.com/watch?v=KwL2YZRx7cA&ab_channel=WillivanHengel

und: https://vimeo.com/633065266/9113cab1a1 – Psswort: pfLANZE21))

  • „Hinter den Brennnesseln“, Kaltlesung mit 7 Schauspielern und Schauspielerinnen, in der Reihe: „Was für ein Drama – Neue Theaterstücke im Container“, Haus der Statistik, 12.09.2022
  • „Umverfröhlichung“  – Theaterstück (25 Min.), aufgeführt bei der 24-h-Nacht im Juni 2013,  Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee
  • „Die Unsterblichkeit der …“  – Theaterstück (25 Min.), aufgeführt bei der 24-h-Nacht im Oktober 2013, Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee
  • „Out of Wirklichkeit …“  – Theaterstück (25 Min.), aufgeführt bei der 24-h-Nacht im September 2018, Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee
  • „Titel: vergessen“  – Theaterstück (25 Min.), aufgeführt bei der 24-h-Nacht am 10.2019, Brotfabrik Bühne Berlin/Weißensee
  • „Respice finem: Trotz – Taub – Tod“, (Text zu Beethoven), in: Decadent Review, 02/2020


Bücher:

„Wir werden über die Einfachheit unserer Liebe staunen“

(zusammen mit Magnus Tautz am E-Piano) aus dem Zyklus

„Desinteresse und Nicht-Verstehen“ – Hörbuch (Januar 2024) 

„Dieudedet oder so was wie eine Schneeflocke“  – Roman (Juni 2022)

Kurzfilm zum Buch (von Heiner Schäfer): https://www.youtube.com/watch?v=yoqup1ZWSYI

Lucile“  – Roman (ISBN-10: 3-939305-08-1) edition LIThaus, Berlin 2006

Fernsehporträt: in der Sendung „west.art“ (WDR) am 13. Juli 2006, 22.15 Uh (anzuschauen auf meiner Homepage: https://vanhengel.de/filme/)

Radiointerview: in „100,5 – Das Hitradio“, Sonntag, 17. Dezember 2006, 15.40 Uhr

„Morbus vitalis“  – Roman (ISBN: 978-3-940756-36-7)

„Wunderblöcke“  – Lyrische Miniaturprosa mit Zeichnungen (ISBN: 978-3-940756-96-1)

Foto: Tim Noack.

Walter Pobaschnig _ 3.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„März 22“ Thomas Kamper, Schauspieler _ Give Peace A Chance _ Wien 4.8.2024

GIVE PEACE A CHANCE

März 22

Pause

Ein Kind das bei seiner/in einer

       U-Bahnstation/schutzsuchenden

       Mutter/mit seinem Stofftier spielt

Apathisch

Circle

E

Thomas Kamper, 4.8.2024

Thomas KamperSchauspieler, Regisseur, Autor

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace

Thomas KamperSchauspieler, Regisseur, Autor

Zur Person: Thomas Kamper, geboren in Wien, Konservatorium (Klavier, Theorie), Schauspielschule Krauss, Dramatisches Zentrum. Arbeitet seit 1980 als vorwiegend freischaffender Schauspieler, bisher in rund 200 Produktionen. (Burgtheater, Volkstheater, Theater in der Josefstadt, Salzburger Landestheater, Stadttheater Klagenfurt, Gruppe 80, Schauspielhaus Wien, Theater der Jugend, Theater in der Drachengasse, Werk X, Theater Hamakom, Theater Scala, Berliner Schlossparktheater, Salzburger Festspiele, Festspiele Reichenau, Sommerspiele Melk und in zahlreichen verschiedenen Gruppierungen). Von 2005 bis 2015 Ensemblemitglied des Wiener Volkstheaters. Erster Träger des Dorothea-Neff-Preises als bester Schauspieler der Saison 2010/2011. Mehrere Arbeiten als Regisseur, darunter auch eigener Texte.

Foto_ privat

Walter Pobaschnig _ 4.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„ich denke, ich schreibe, das tut mir  gut“ Ali E. Danabas, Schriftsteller _ München 4.8.2024

Lieber Ali E. Danabaş, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

wenn wir meinen vollzeitjob außer acht lassen, das sind fast acht stunden, schlafe ich. das sind nochmal acht stunden. die reichen leider nicht immer aus.

bleiben also acht stunden für mich. ich hänge leider oft am handy rum. den rest der zeit leistet mein körper widerstand gegen die schnelllebigkeit der zeit und gegen die anstrengenden menschen. gegen dummheiten, machtkämpfe, eitelkeiten, neid, missgunst, überheblichkeit, boshaftigkeit, ignoranz und heuchelei bin ich ohnmächtig. ich muss darum faul sein. gehe vielleicht mal in die sauna oder zum schwimmen. irgendwie muss ich meinen körper ja fit halten. habe zeit, für meine liebsten, sofern sie da sind. eine warme mahlzeit, die ich eigenhändig und mit liebe zubereite, muss sein.

die woche hat 168 stunden. in der verbleibenden zeit denke, schreibe, male oder musiziere ich. aber am meisten denke ich. das meiste davon ist schrott. wenn mir davon trotzdem was gefällt, schreibe ich. das tut mir  gut.

Ali E. Danabaş, Lyriker und Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

es wäre lächerlich, wenn ich eine antwort darauf hätte, was „für uns alle“ wichtig sei. ich könnte es nicht einmal für mich selbst beantworten. stehe dem alltag ja oft hilflos gegenüber. ich bin überhaupt froh, wenn ich den tag überlebe. das ist für mich ein wunder.    

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

aufbruch und neubeginn? ich weiß nicht, was du damit meinst. sei’s drum: ob gesellschaftlich oder persönlich – es gibt für mich persönlich einen einzigen roten faden. das ist der ästhetische sinn, das kleine im großen und das große im kleinen zu sehen, das wahre im falschen, das falsche im wahren, das gute im bösen, das böse im guten, das schöne im hässlichen, das hässliche im schönen. die kunst, die dichtung schneidet, ohne zu trennen.

nicht nur künstlerisches können, sondern auch gerade eine ausgeprägte gesellschaftliche sensibilität mit einer gewissen widerspenstigkeit und penetranz zeichnet einen künstler als einen großen künstler aus. nicht umsonst sind künstler diktatoren ein dorn im auge.

die kunst, das kreative handeln, ist ein weg, der nie endet.

Was liest Du derzeit?

ich habe ganz viele gedichtbände um mich liegen. ich sehe rose ausländer, erich fried, ahmed arif, günter eich, murathan mungan, else lasker-schüler auf meinem couchtisch. und ich lese von philip manow „Unter Beobachtung – Die Bestimmung der liberalen Demokratie und ihrer Freunde“. 

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„In jedem Mikrokosmos liegt der ganze Makrokosmos, und dieser enthält nichts mehr als jener.“ arthur schopenhauer, die welt als wille und vorstellung.

Ali E. Danabaş, Lyriker und Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview, lieber Ali, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Ali E. Danabaş, Lyriker und Schriftsteller

Zur Person: Ali E. Danabaş (geb. 1970 in Ankara), Lyriker und Schriftsteller, lebt seit dem 9. Lebensjahr in Deutschland. Nach Aufenthalten in Lippstadt, Münster, Ankara, Köln und Bergisch Gladbach wohnt er seit 2004 in der Nähe von München und ist Vater zweier Kinder.
Nach dem Abitur studierte er in Münster Philosophie, Publizistik, Politik und Germanistik. Anschließend folgte ein Studium in Ankara, das er als Diplom-Bildhauer abschloss. Nach einem Zeitungsvolontariat in Lippstadt in Westfalen arbeitete Danabaş als Redakteur u.a. für den Münchner Merkur.
 
Mitte der 90er war er in Ankara Inhaber und Herausgeber der Literaturzeitschrift „Kavram ve Karmaşa“ (Begriff und Komplexität), veröffentlichte einen eigenen Gedichtband („Sokak“), übersetzte Erich Frieds „Befreiung von der Flucht“ ins Türkische, das im Ankaraner Suteni-Verlag als Buch herauskam. Für eine kurze Zeit war er Stellvertretender Generalsekretär des türkischen Schriftstellerverbandes. In dieser Funktion gab er eine Monographie über den ersten türkischen Bildungs- und Kulturminister Hasan Ali Yücel heraus. Neben seiner hauptamtlichen Tätigkeit ist er weiterhin schriftstellerisch aktiv. Er hat mehrere fertige Gedichtzyklen, aus denen er Gedichte einzeln in sozialen Medien veröffentlicht.

Fotos_ privat

Walter Pobaschnig _ 1.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„ich sehe in der Kunst die große Kraft, die Welt neu und anders zu betrachten“ Sophie Reyer, Schriftstellerin _ Wien 3.8.2024

Liebe Sophie Reyer, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Meistens stehe ich um acht Uhr auf, gehe spazieren. Dann starte ich entweder mit dem Unterrichten oder dem Schreiben- und abends brauch ich immer eine Menge Zeit zum Kuscheln.

Sophie Reyer, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das kann ich nicht sagen, jeder Mensch ist so anders und ein absolutes Geheimnis. Ich weiß es ja nicht einmal bei mir selbst immer, was gerade wichtig ist-

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich kann nur von mir sprechen- und ich sehe in der Kunst die große Kraft, dass wir durch sie lernen, die Welt neu und anders zu betrachten und auch sensibler und toleranter den Menschen gegenüber werden, die anders sind.

Was liest Du derzeit?

In Moment lese ich das Werk des Mediziners Paracelsus.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Out beyond ideas of wrongdoing and rightdoung there is a field. I´ll meet you there.“

Vielen Dank für das Interview liebe Sophie und viel Erfolg für Deine wunderbaren aktuellen Buchneuerscheinungen und persönlich alles Gute!

5 Fragen an KünstlerInnen:

Sophie Reyer, Schriftstellerin

Aktuelle Bucherscheinung:

Hexensommer – Eine Dissoziation in drei Leben

von Sophie ReyerEdition Keiper

  • Hebamme, Schriftstellerin, Schamanin – drei Frauen zu verschiedenen Zeiten und in unterschiedlicher Umgebung.
  • Jede dieser Frauen hebt sich von anderen Frauen ab – „Hexe“ nannte man das früher.
  • Warum erfahren Frauen heute noch immer Gewalt und machen mit einem „Lächeln unter Tränen“ weiter?

Mit sensibler Präzision legt Sophie Reyer ihr Augenmerk auf die so verschiedenen Leben von drei Frauen. Sie arbeitet akribisch ihre Gemeinsamkeiten auf und spürt ihrer innewohnenden Stärke nach. Noch nie war Reyer so strukturiert! Hexensommer zeigt eine neue Reife der österreichischen Schriftstellerin.

Tauchen Sie ein in ‘Hexensommer’ und machen Sie eine faszinierende Reise durch die Jahrhunderte, die das Leben von drei außergewöhnlichen Frauen miteinander verwebt. Walpurga Hausmännin, eine Hebamme im 16. Jahrhundert, wird Opfer eines brutalen Hexenprozesses. Charlotte-Rose de Caumont de La Force, eine adelige Schriftstellerin im 17. Jahrhundert in Frankreich, verfasst ‘Persinette’, den Vorläufer der berühmten Geschichte ‘Rapunzel’. Susanne Wenger, geboren 1915 in Graz, wandelt sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Nigeria zur Künstlerin und Yoruba-Priesterin.

Die Ich-Erzählerin in ‘Hexensommer’ vertieft sich in diese beeindruckenden Biografien und beginnt zugleich, die Frauen in ihrem eigenen Leben mit neuen Augen zu sehen. Sie erkennt, wie die Geschichten dieser Frauen mit ihrem eigenen Dasein verwoben sind. Es entsteht eine literarische Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Dieses Buch ist ein Zeugnis der Stärke und Widerstandsfähigkeit von Frauen über die Zeiten hinweg. Ein beeindruckender literarischer Spaziergang durch Geschichte und Mythos.

Preis: AT € 25,00 / DE € 24,32
Seiten: 292
ISBN13: 978-3-903575-11-0
Erscheinungsdatum: 4. März 2024
Sprache: Deutsch
Format: 12,0 x 20,0 cm; Hardcover

https://www.editionkeiper.at/shop/produkt/hexensommer-eine-dissoziation-in-drei-leben/

https://sophiereyer.com/

Foto Portrait Sophie Reyer_Wolfgang Liemberger

Walter Pobaschnig _ 1.8.2024

https://literaturoutdoors.com