Station bei Undine _ „Hast du nicht gesagt: so soll es immer sein?“ Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg 15.8.2024

Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg_
 performing „Undine geht“
 _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.
Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg_
 performing „Undine geht“
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„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Ingeborg Bachmann_ Schriftstellerin (25.Juni 1926 Klagenfurt – 17.Oktober 1973 Rom)

Ingeborg Bachmann Rom 1962 _ Foto:Heinz Bachmann

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Theater/Performance und Bildender Kunst.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person beizutragen.

Liebe Lisa Fertner, wie liest Du den Text „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann? Welche Grundaussagen gibt es da für Dich?

Ich lese darin, dass wir Menschen immer nach einem Sinn und einer Erklärung lechzen. Und dass wir daher den Drang nach Rationalität und Logik verspüren, wenn wir unsere Emotionen nicht verstehen. Wir halten es nicht aus, dass zwei oder mehr Wahrheiten parallel existieren können. Vor allem nicht in uns selbst.

Wie siehst Du „Undine“?

Undine ist für mich die Verführung und die Lust zur Hingabe wie auch zur Zerstörung, beides für sich und beides zugleich. Manche öffnen sich dafür, manche verschließen sich. Ich glaube aber, dass wir sie alle in uns tragen.

„Undine geht“ wurde vor gut 60 Jahren veröffentlicht. Was hat sich seit damals im Rollenbild von Frau und Mann verändert und was sollte sich noch ändern?

Ich würde ja sagen, weg mit allen Rollenbildern! Lasst uns endlich einfach Mensch sein. Individuen, die sich aufgrund ihrer Fähigkeiten und Begeisterung den verschiedensten Aufgaben annehmen. Ich denke, es wird immer Rollenbilder geben, aber man könnte auch endlich auf die Eigenschaften eingehen anstatt auf das Geschlecht.

Der Monolog geht mit der patriarchalen Gesellschaftswelt schonungslos ins Gericht. Wie siehst Du die Situation patriarchaler Macht heute?

Anzuerkennen dass patriarchale Machtverhältnisse existieren wäre der erste Schritt, den viele immer noch verweigern und meiner Meinung nach ist das der Grund, warum wir feststecken. Ich habe das Gefühl, dass viele Männer sich angegriffen fühlen, wenn man Aufklärung betreibt und dann in die Verweigerung bzw. Rechtfertigung gehen anstatt zuzuhören. Keine Frau, die ich kenne, möchte bevorzugt werden oder über den Männern stehen. Keine Frau, die ich kenne, möchte gegen Männer kämpfen. Keine Frau, die ich kenne, behauptet, Frauen wären besser oder würden alles können. Und dennoch glauben das viele Männer, sobald wir sagen, wir fordern Gleichberechtigung.

Es ist unglaublich anstrengend ständig Aufklärung zu betreiben und für sich und alle Frauen den Mund aufzumachen und laut zu sein. Ich merke, dass ich mittlerweile manchmal müde werde und mich frage, ob es mir diese Anstrengung gerade wert ist. Und darin zeigt sich für mich die patriarchale Macht heutzutage. Wir Frauen müssen so viel unserer Energie damit verbrauchen uns sichtbar zu machen, dass uns diese Energie anderswo ausgeht.

Der Text drückt auch viel Trauer über das Scheitern der Liebe und eines Miteinander der Geschlechter im persönlichen wie gesellschaftlichen Leben aus. Welche Auswege siehst Du da?

Der einzige Ausweg liegt für mich darin keinen -Ausweg- zu suchen, sondern hinzuschauen. Zu akzeptieren. Zu respektieren.

Im Scheitern zeigt sich uns ein Labyrinth. Anstatt verzweifelt den Ausweg zu suchen und an allem vorbeizulaufen, will ich es lieber erkunden und in die Tiefe gehen. Rauskommen werde ich dann mit einer gezeichneten Landkarte.

Was kannst Du als Frau und Künstlerin von „Undine geht“ in das Heute  mitnehmen?

Ich möchte meinen Blick von der heilen Welt auf die lenken, die übrig bleiben.

Was bedeutet Dir Natur?

Gerade als Stadtmensch bedeutet mir Natur sehr viel, da ich sie nicht als selbstverständlich nehme.

Ich kann mich fallen lassen in Bewunderung für die Schönheit und Kraft und merke wie gut das tut und immer mehr auch wie sehr ich das brauche.

Vor einigen Jahren spazierte ich allein die Elbe entlang und plötzlich war das Licht, die Umgebung, die Stimmung- alles war so intensiv und beeindruckend, dass ich mich an einen Monolog erinnert und spontan gespielt habe, weil ich diesem Gefühl, diesem Wirken auf mich nachgehen wollte. Da hab ich zum ersten Mal gespürt was die Natur auch mit mir als Schauspielerin machen kann, wenn ich es zulasse.

Seitdem suche ich eigentlich immer danach meine Figuren mit Natur zu verknüpfen. Es speichert sich etwas ganz eigenes im Körper ab, ein Zauber, ein inneres Bild.

Wie sieht für Dich ein idealer Tag in der Natur aus?

Ein idealer Tag in der Natur lässt mich staunen und inspiriert mich. Ich habe kein Handy dabei, keinen Zeitdruck, keine To-do-Liste im Kopf. Es hat max. 25°C und es gibt keine Gelsen.

Was bedeutet Dir das Element Wasser?

Wasser ist mein Lebenselixier. Ich trinke es, ich bade darin, ich betrachte es und in allem spüre ich die Kraft, die darin liegt.

Ich vergesse ja manchmal, dass es noch ein andere Welt gibt, als die, auf der ich lebe. Aber wenn ich daran denke, finde ich das irgendwie beruhigend.

Wie lebst Du den Kreislauf der Jahreszeiten?

Die Natur im Außen hat mich erstaunlich viel über meine Natur im Inneren gelehrt. Am meisten, dass ich nicht dagegen ankämpfen, sondern sie feiern sollte, und zwar jede Jahreszeit, weil jede etwas ganz eigenes mit sich bringt. Eigene Bedingungen, eigene Aufgaben, eigene Sehnsüchte und eigene Schönheit.

Wie kann der moderne Mensch in Harmonie zur und mit der Welt leben?

Indem er in Therapie geht.

Was braucht Liebe immer, um zu wachsen, blühen?

Vertrauen.

Was lässt Liebe untergehen?

Neid.

Welches Zitat aus „Undine geht“ möchtest Du uns mitgeben?

„Hast du nicht gesagt: So soll es immer sein, und das andere soll nicht sein, ist ohne Gültigkeit!“

Ich glaube wir alle wollen manche Gedanken und Gefühle in uns wegdenken und ihnen keine Gültigkeit zuschreiben und ich frage mich warum.

Welche aktuellen Projektpläne hast Du?

Ich freue mich schon auf das Projekt „Und alle so still“ von Mareike Fallwickl. Da geht es darum, was passiert, wenn alle Frauen plötzlich nichts mehr tun, sich auf den Boden legen und still sind. Es wird nächstes Jahr am Salzburger Landestheater gespielt.

Darf ich Dich zum Abschluss zu einem Akrostichon zu „Undine geht“ bitten?

U         Und

        nichts,

D         dachte

          ich,

N         naht.

E          Erneut

        ging

E          es

        hinein,

         Tiefe.

Lisa Fertner und Walter Pobaschnig _ 6/24
Lisa Fertner, Schauspielerin _ Salzburg_
 performing „Undine geht“
 _
„Undine geht“ Ingeborg Bachmann. Erzählung 1961.

Alle Fotos & Interview_Walter Pobaschnig

Fotos_Donau Wien 6/24

https://literaturoutdoors.com 8/24

„weak“ Nurie Emrullai, poet _ Give Peace A Chance _ Kicevo/North Macedonia 15.8.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Weak

Weak people exist,

(here I am)

And we will stay here

Ruined because we think,

Pathetic because we feel too much,

Skeptical because we stay silent.

I

Often I think as if I were in the crowd

That goes to the squares to support the idea of politics

They don’t believe in.

That knows “their God” lies to them before their eyes and they marvel.

Now I hear someone saying to me:

“You know nothing, little one, why don’t you better stay silent?”

Yes, as if I had the voice of the politician who makes promises

That they themselves don’t understand,

Because they are scripts written by people trained to convince…

Do you remember – “The Opium of the People”?

The icy coldness is wrapping around your heart.

You prepared a cage filled with money for your soul.

You warm your hearts with burnt ideals.

How and why did you become enslaved to your excesses?

But I would stand before the one who admits we are in bad shape,

But tries to save the ship from sinking.

Who doesn’t suppress our voice,

Who doesn’t distinguish us by color,

By gender,

By sexual orientation.

We don’t want pity,

We can manage on our own,

After all, it’s one life,

We will somehow make it to the end,

But it would be a bit easier if…

II

To be before the one who comes to talk about poetry

And seeks to understand exactly what the author meant by the word “disease”

And by the word “color” and then scratches their head, face, nose…

Insecurity hides in gestures…

And they deceive themselves into thinking they understand something…

I wish I had the will of that poet

Who stands before the audience and talks about poetry

As if it were a matter of marketing.

And to tell them it’s neither about marketing

Nor about healing,

It’s about escape.

But I am with the weak. Because I was raised that way.

III

I wish I were the woman who turns her head where glances are thrown.

And to oppose…

And to say the words my female tongue forbids.

My female tongue! – oh, what a weight.

But I am with the weak. Because I was raised that way.

IV

I wish I knew how to preserve a few good things the world has:

To know by heart the verses that healed me

That autumn day when instead of coffee I thought of Sylvia Plath, Anna Karenina whose end I read only…

To remember Buddha’s words when

I saw with my own eyes that a parent hates a child, and this I believe is okay?

No, no, Buddha should open his eyes only for love?!

I wish I were strong enough to accept this. But I am with the weak…

Stop, it’s a mind game,

Because we are the strong ones

Who live according to our beliefs.

My father was uneducated but humane, teaching me only three rules:

“Don’t lie, don’t scheme, don’t steal!”

And I thought these words alone existed,

As if he had warned me about their opposites, as if…

But he was with the weak. Because he was raised that way.

V

Now,

After all, we are the strong ones because

We loved,

We lived,

We experienced…

A child’s soul in an old face,

Smiling sincerely at the sun

And we spoke to the flowers,

Caressed the birds,

Felt the roots of the trees through our bodies.

And when we said I love you

The heart filled with cherry blood.

You may say that life is elsewhere,

Go ahead, say it…

But I won’t lose the comfort of my soul for anything in the world

Even if…

Even if….

I am with the weak,

But here the sun warms…

Nurie Emrullai, 12.8.2024

Nurie Emrullai, poet

Give Peace A Chance_

Nurie Emrullai, poet

Foto_privat

Walter Pobaschnig _ 12.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„Kunst inspiriert und weckt Hoffnung“ Anja Knafl, Schauspielerin _ Klosterneuburg/AUT 15.8.2024

Liebe Anja Knafl, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Dass ich ein Morgenmensch bin, spiegelt sich darin wider, dass ich nach dem Frühstück erst einmal eine entspannte Runde mit meinen Hunden im Wald spazieren gehe, woraufhin ich in die Arbeit fahre. Momentan probe ich für ein Theaterstück. Am frühen Nachmittag sind die Proben vorbei und ich fahre nach Hause, oder ins Fitnessstudio, wo ich mein vorgekochtes Mittagessen zu mir nehme und bestmöglich versuche, mich zu entspannen.

Am Nachmittag schreibe ich momentan an meinem neuen Roman und gehe eine weitere Runde spazieren, bevor ich am Abend entweder Theater-, oder Spoken-Word Auftritte habe. Danach wiederum geht es schnellstmöglich ins Bett, wo ich noch ein wenig lese und den Tag nach besten Möglichkeiten ausklingen lasse.

Anja Knafl,
Schauspielerin, Sprecherin, Schriftstellerin Spoken Word-Artist

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Die Wertschätzung der kleinen Dinge im Leben ist ein wichtiger Aspekt des Wohlbefindens und der Lebenszufriedenheit. Oft sind es nicht die großen Erfolge oder Ereignisse, die unser Glück ausmachen, sondern die kleinen, alltäglichen Momente, die Freude und Zufriedenheit bringen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Kunst, insbesondere das Theater, hat die bemerkenswerte Fähigkeit, Inspiration zu vermitteln und Hoffnung zu wecken. In Zeiten des Wandels oder der Unsicherheit können Geschichten, die auf der Bühne erzählt werden, als Lichtblicke fungieren und den Menschen helfen, neue Perspektiven zu gewinnen. Selbstgeschriebene Texte, sei es in Form von Theaterstücken, Gedichten, Kurzgeschichten oder Essays, spielen eine ebenso bedeutende Rolle bei der Vermittlung von Inspiration und Hoffnung. Sie bieten den Autorinnen und Autoren die Möglichkeit, ihre eigenen Erfahrungen, Gedanken und Gefühle auszudrücken und damit auch andere auf tiefgründigen Ebenen zu erreichen.

Was liest Du derzeit?

Im Moment lese ich „Wiedersehen im Cafe am Rande der Welt“. Dieses Selbsthilfebuch in Form eines Romans setzt sich mit den wesentlichen Fragen und damit verbunden auch Problemen unseres heutigen Daseins als Mensch in der modernen Gesellschaft auseinander und damit einhergehend mit den wesentlichen Fragen, welche wir uns vermehrt im Laufe des Alltags stellen sollten.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Wir alle haben zwei Leben. Das zweite beginnt, sobald wir realisieren, dass wir nur eines haben“ – Tom Hiddleston

Anja Knafl,
Schauspielerin, Sprecherin, Schriftstellerin Spoken Word-Artist

Vielen Dank für das Interview, liebe Anja, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Anja Knafl, Schauspielerin, Sprecherin, Schriftstellerin Spoken Word-Artist

Zur Person: Anja Knafl wurde 2004 in Wien geboren und wuchs die ersten fünfzehn Jahre ihres Lebens in Klosterneuburg (NÖ) auf. Nachdem sie 2019 nach Kärnten zog, schloss sie 2022 ihre Ausbildung zur Tierärztlichen Ordinationsassistentin mit ausgezeichnetem Erfolg ab und ist seit demselben Jahr Teil des Kärntner Schauspiellehrgangs an der CMA Ossiach. Durch diesen fand sie den Weg in die Schauspielerei, welche ihr mittlerweile von Grund auf am Herzen liegt. 2024 spielte sie im mobilen Kinderstück „Konradine und Effi“ der Neue Bühne Villach die Rolle der Effi und in „Jugend ohne Gott“ des Jungen Theater Klagenfurt die Rolle „Gott“.

Zudem tritt sie seit 2023 als erfolgreiche Spoken Word- Poetin im deutschsprachigen Raum auf. Zu ihren bisher größten Erfolgen diesbezüglich zählen der 4. Platz bei den Österreichischen U20 Meisterschaften und der Titel der Trizemeisterin bei den W/NÖ U20 Landesmeisterschaften.

Nachdem sie im Mai 2024 die Kontrollprüfung im Bühnenberuf Schauspiel bei der Paritätischen Kommission Wien abgelegt hat, bekam sie für ihre künstlerischen Leistungen den Bruno-Gironcoli-Sonderpreis der Kulturstadt Villach verliehen. Ihre Debüt-Veröffentlichung erschien „Gruppe Rot – Ein Theaterstück“ wurde im Juli 24 unter dem Frankfurter Literaturverlag.

https://www.anjaknafl.com/

Fotos_ 1,3 Karin Wernig, 2 Jasmin Lopez.

Walter Pobaschnig _ 12.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„Literatur schafft Freiräume, um zu entdecken“ Daniel Gräfe, Schriftsteller _ Stuttgart 14.8.2024

Lieber Daniel Gräfe, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Vom Bett geht es bei mir direkt in die Klamotten und schon raus für einen langen Spaziergang durch die Natur – ich wohne an einem Landschaftsschutzgebiet. Danach mit einem starken Kaffee an den Schreibtisch. Beides kalibriert mich jedes Mal neu für den Tag – und schafft im besten Fall die Weite in meinem Kopf, die ich für meine journalistische und schriftstellerische Arbeit brauche. Klappt leider nicht immer.

Daniel Gräfe, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Einfach mal den anderen zuhören, sich seiner eigenen Blase bewusst zu werden, in der man lebt, und die Welt darum wahrnehmen. Die Argumente von anderen erst einmal stehen lassen. Aber auch hinterfragen, ob die Behauptungen, die in der Welt stehen, stimmen können. Es gibt viel zu viel Aufregung, Redundanz und Geraune. Aber das ist meine Sicht.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Diesen Aufbruch und Neubeginn kann ich ehrlicherweise nicht erkennen, überhaupt bin ich bei solchen Zuschreibungen skeptisch.

Literatur kann helfen, genauer zuzuhören und hinzuschauen. Sich auf andere einzulassen, einfach, weil man sich mal wieder konzentrieren muss und Dinge wirken lassen kann. Ein guter Text schafft die Freiräume, damit man zum Entdecker wird – mit allem, was daraus folgen kann. Das ist ja das Schöne an Literatur: Alles kann sein, nichts muss.

Was liest Du derzeit?
John Burnsides „Anweisungen für eine Himmelsbestattung“ – ein toller schottischer Dichter, der leider vor kurzem viel zu früh gestorben ist.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?
Gerne einen Satz, der am Anfang meines Debütromans steht und für diesen selbst zum Impuls wurde. „Seitdem wir uns kannten, war Fragen stellen unser Spiel, sie nicht beantworten zu müssen gehörte dazu.“

Ich finde es wichtig, nach Fragen zu suchen, statt Antworten zu geben.

Daniel Gräfe, Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview, lieber Daniel, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Daniel Gräfe, Schriftsteller und Journalist

Zur Person: Daniel Gräfe, wohnt in Stuttgart, Schriftsteller und Journalist

Daniel Gräfe, geb. 1971 in Biberach, arbeitete in sozialen Projekten in den USA und Ägypten und bereiste nach dem Studium in London recherchierend und schreibend Afrika, Asien und den Nahen Osten. Er arbeitete als Kultur- und Wirtschaftsredakteur in Ost und West und ist Reporter der Stuttgarter Zeitung. Seine Erzählungen, Reportagen und Lyrik wurden mehrfach ausgezeichnet. „Wir sind Kometen“ ist sein Debütroman und wurde mit dem Stipendium des Förderkreises der Schriftsteller:innen in Baden-Württemberg unterstützt.

Aktuelles Buch: „Wir waren Kometen“ (danube books, ET 19.7.24)

Frühsommer 2010: Ein rätselhafter Anruf – und schon holt Lukas Brandt (32) die Sehnsucht nach einem erfüllteren Leben ein. Überstürzt verlässt er seinen Job und macht sich auf die Suche nach der Anruferin, mit der er einst in Berlin das zugleich aufregendste wie schmerzlichste Jahr seines Lebens verbrachte: Luba Matei.

Auf seiner Irrfahrt quer durch Rumänien strandet er in der sprichwörtlichen Walachei, freundet sich mit dem Cannabis-Bauern Bogdan an und trifft auf die Schatten von Lubas Vergangenheit, die ihn zu Lubas Kindheitsgeheimnis unter dem Ceaușescu-Regime führen. Erstmals in seinem Leben gibt Lukas alle Sicherheiten auf.

Doch auch Luba, die in Rom ein neues Leben beginnen wollte, ist wieder unterwegs: Sie fordert ihren Anteil Glück und will endlich ihre Peiniger stellen.

„Wir waren Kometen“ erzählt berührend wie poetisch von der Sehnsucht nach einem anderen Leben, von Freiheit, Unterdrückung und ungleicher Herkunft. Und mittendrin ein Paar, das sich vereinnahmt und füreinander kämpft.

https://www.danube-books.eu/daniel-graefe-wir-waren-kometen

Daniel Gräfe: Wir waren Kometen. Roman. ET 19.7.2024

248 Seiten, 12,5 B x 20,5 cm H, gebunden, Hardcover, mit Schutzumschlag, Fadenheftung.

ISBN 978-3-946046-41-7.

24,00 EUR (D) | 24,70 EUR (A).

Fotos_privat

Walter Pobaschnig _ 11.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„Ich versuche beim Malen an eine Wahrheit heranzukommen“ Romana Hostnig, Künstlerin _ Wien 13.8.2024

Liebe Romana Hostnig, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe immer sehr früh auf und beginne zu malen, in meinem Alter zählt schon jede Stunde Lebenszeit, die ich nicht unbedingt im Bett verbringen möchte.

Romana Hostnig, Künstlerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Wichtig  für uns alle ist, dass wir angesichts der vielen Kriege, selber ein friedfertiges Verhalten an den Tag legen. Wir sollten insgesamt so leben, dass wir Vorbilder sind.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Die Kunst ist ungeheuer wichtig eigentlich zu jeder Zeit. Ich versuche immer beim Malen oder Schreiben an eine Wahrheit heranzukommen, d.h. Ich taste mich heran, denn eine für alle gültige Wahrheit gibt es nicht, außer dass die Sonne jeden Tag aufs Neue aufgeht.

Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich Kataloge, z.B. von R.Magritte und Gorgio de Chirico

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Es gibt nichts Gutes außer man tut es.

Vielen Dank für das Interview, liebe Romana, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Romana Hostnig, Künstlerin

Zur Person: Romana Hostnig, geb. am 8.3.1952, in Dornbirn Vorarlberg/aufgewachsen in Bregenz, nach der Pflichtschule Modeschule in Zürich, diverse Jobs, 1978 erster Preis für Literatur der Arbeitswelt, schriftstellerisch tätig, diverse Kurzgeschichten und Gedichte. 1980 Beginn mit Malerei als Autodidaktin, 1988 erste Ausstellung mit dem Titel, Kassandra, es folgen diverse Ausstellungen im In- und Ausland. 1995 Aufenthalt in Sizilien-Stipendium des Bundeskulturministeriums, Reise nach Südamerika/schriftstellerisch und malerisch tätig. Mehr als ein Jahr Aufenthalt in Ecuador. Seit 2009 wieder in Wien.

www.romana.hostnig.com

Foto_ privat

Walter Pobaschnig _ 10.8.2024

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„Heute“ Isabella Kubicek, Schauspielerin _ Give Peace A Chance _ Wien 13.8.2024

Isabella Kubicek, Schauspielerin und Regisseurin

GIVE PEACE A CHANCE

G esellschaft!

I st das überhaupt irgendwer?

V orurteile

E rkennen und abschaffen


P öbeln und Lästern

E rkennen und abschaffen

A nschuldigungen und

C at-calling

E rkennen und abschaffen


A blösen mit


C harakter-Arbeit

H eute

A nkommen

N icht hassen sondern

C hillen und

E njoyen

Isabella Kubicek, 7.8.2024

Isabella Kubicek, Schauspielerin und Regisseurin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace

Isabella Kubicek, Schauspielerin und Regisseurin

Zur Person: Isabella Kubicek wurde 2000 in Wien geboren. Während der Schulzeit im Gymnasium besuchte sie die Schultheater-Gruppe, aus der der Theaterverein Young Actors Company entstanden ist, wo sie heute jährlich bei eigenständigen Projekten Regie führt. Nach der Matura arbeitete sie ein Jahr als Regieassistentin und studierte dann an der Schauspielschule Krauss. Sie bekam ihr Diplom 2023 und spielt seitdem an unterschiedlichen Theatern, wie z.B. THEO Perchtoldsdorf und Theater Spielraum und bei anderen freien Projekten.

Fotos_ Harald Schwack

Walter Pobaschnig _ 7.8.2024

https://literaturoutdoors.com



„Erwachen“ Anna Sagaischek, Schauspielerin _ Give Peace A Chance _ Wien 12.8.2024

GIVE PEACE A CHANCE

Gemeinsam

Immer wieder

Vergeben

Einsamkeit lösen



Papierflieger falten

Essen teilen

Augen offenhalten

Chancen erkennen

Eingreifen



Ausatmen



Charakterstärke

Hoffnung

Anlächeln

Nicht wegsehen

Chöre singen

Erwachen



Anna Sagaischek, 4.8.2024

Anna Sagaischek, Schauspielerin, Bühnenbildnerin

Give Peace A Chance_Akrostichon for peace

Anna Sagaischek, Schauspielerin, Bühnenbildnerin

Zur Person: http://www.annasagaischek.at/

Fotos_  Elisabeth Sagaischek

Walter Pobaschnig _ 4.8.2024

https://literaturoutdoors.com

„Tagträume sind meine Inspiration“ Isabella Kubicek, Schauspielerin _ Wien 12.8.2024

Liebe Isabella Kubicek, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Es ist von Tag zu Tag unterschiedlich und von Woche zu Woche ebenfalls. Je nach Engagement oder Nicht-Engagement. Wie vermutlich bei den meisten SchauspielerInnen. 😀 Zurzeit probe ich nachmittags und vormittags nehme ich mir, wenn ich nicht gerade arbeite, Zeit für mich – z.B. kochen, planen, sein. Am liebsten lass ich mich inspirieren von KollegInnen, Theaterstücken, Filmen und oft auch Tagträumen, um bald schon ein (oder mehrere) neue(s) Projekt(e) zu entwickeln.

Isabella Kubicek, Schauspielerin und Regisseurin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Eines der wichtigsten Dinge für mich ist die Persönlichkeitsentwicklung. Ich wünsch mir einen guten Umgang miteinander mit Rücksicht, Empathie, aber auch gesunde Grenzen setzen können. Das erfordert für mich- aber wie ich denke, für die meisten – ein bisschen Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen Verhaltensweisen. Also Persönlichkeitsentwicklung nicht nur für mich selbst, sondern im größeren Sinne vor allem für die Gesell- und Gemeinschaft. Das klingt jetzt kitschig, aber das Begriff Zusammenhalt ist dabei natürlich sehr zentral.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Ich weiß nicht genau, welchen Aufbruch oder Neubeginn du meinst 😀 Kann aber sein, dass ich auf dem Mond lebe – kommt mir oft so vor! Allerdings ist auch der 2. Teil der Frage voll schwierig für mich zu beantworten. Eine „richtige“ Bedeutung des Theaters oder Kunst gibt es nicht, denke ich. Für mich geht es vor allem um das kreative Schaffen, das sowohl den Schaffenden als auch dem Publikum (meistens) ein gutes Gefühl gibt. Ich denke, Menschen sind dazu gemacht, Dinge zu er(schaffen). Wichtig ist, den Weg oder den Prozess in vollen Zügen zu genießen und sich selbst keinen Druck zu machen.

Was liest Du derzeit?

MOMO erzählt Zen – Soiku Shigematsu

Das Buch überrascht mich schon in den ersten zwei Kapiteln.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Don’t push the river it flows by itself” – Fritz Perls

Isabella Kubicek, Schauspielerin und Regisseurin

Vielen Dank für das Interview, liebe Isabella, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Musik-, Schauspielprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Isabella Kubicek, Schauspielerin und Regisseurin

Zur Person: Isabella Kubicek wurde 2000 in Wien geboren. Während der Schulzeit im Gymnasium besuchte sie die Schultheater-Gruppe, aus der der Theaterverein Young Actors Company entstanden ist, wo sie heute jährlich bei eigenständigen Projekten Regie führt. Nach der Matura arbeitete sie ein Jahr als Regieassistentin und studierte dann an der Schauspielschule Krauss. Sie bekam ihr Diplom 2023 und spielt seitdem an unterschiedlichen Theatern, wie z.B. THEO Perchtoldsdorf und Theater Spielraum und bei anderen freien Projekten.

Fotos_  1 Daniel Schenter; 2/3 Harald Schwack.

Walter Pobaschnig _ 7.8.2024

https://literaturoutdoors.com

Station bei Romy Schneider_ „Berührende Schönheit“ Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien 11.8.2024

Station bei Romy Schneider_
 Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _
a
cting Romy Schneider, Schauspielerin (* 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) _
Fotos _ Schloss Schönbrunn Wien_
Station bei Romy Schneider_
 Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _
a
cting Romy Schneider, Schauspielerin (* 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) _
Fotos _ Schloss Schönbrunn Wien_

Zum Projekt: Das Bachmann Projekt „Station bei Bachmann“ ist ein interdisziplinäres Kunstprojekt an den Schnittstellen von Literatur, Fotografie und Theater/Performance.

Dabei kommt den topographischen und biographischen Bezügen eine besondere Bedeutung zu, indem Dokumentation, Rezeption und Gegenwartstransfer, Diskussion ineinandergreifen.

Künstler:innen werden eingeladen an diesem Projekt teilzunehmen und in ihren Zugängen Perspektiven zu Werk und Person am biographischen bzw. werksgeschichtlichen Bezugsorten beizutragen.

Den Schwerpunkt bildet dabei Werk und Leben Ingeborg Bachmanns. Ebenso weitere Künstler:Innen.

Liebe Naoko Muneoka, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Sie ist eine meiner Lieblingsschauspielerinnen.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Nachtblende. Ihr Schauspiel in der ersten Szene des Filmes hat mich umgehauen.

Romy Schneider spielte in ihren Filmrollen sehr intensiv und ausdrucksstark, auch körperlich, und ging bis an die Grenzen des persönlich Möglichen. Etwa in den Filmen „Nachtblende“, „Trio infernale“ oder „Die Spaziergängerin von Sans-Souci“. Wie siehst Du als Künstlerin die Darstellungskunst Romy Schneiders?

Ich habe nicht viele Filme von ihr gesehen. Aber wenn ich sie im Film sehe, sehe ich jede Szene mit ihr gern. Wie sie spielt, geht mir sehr nah. Sie spielt so, dass ich so fühlen kann.

Müssen Mensch und Kunst sich immer ganz nah, intensiv berühren, ergreifen, um das Publikum erreichen, berühren zu können?

„Müssen“ nicht. Ich ich mag einfach solche Sachen.

Gibt es Momente in der Kunst, in der sich gleichsam die Kontrolle über die Rolle verlieren kann? Und wenn ja, was holt einen dann zurück?

Etwas unerwartet Interessantes. Manchmal könnte man sagen, dass etwas entdeckt wurde.

In welchem Film, welchen Filmen von Romy Schneider würdest Du gerne spielen und welche Rolle/n wären das?

Ich weiß nicht, aber vielleicht „Nachtblende“? Weil das mein Lieblingsfilm von ihr ist.

Es gibt von Romy Schneider sehr viele Fotoserien. Gibt es eine Serie, die Du hervorheben möchtest?

Ich mag ihren Gesichtsausdruck wirklich sehr. Aber es gibt keine, die ich besonders hervorheben möchte.

Wie siehst Du Romy Schneider vor der Fotokamera?

Berührende Schönheit.

Auch unser Projekt ist ein szenisches Foto/Interviewprojekt. Wie hast Du Dich im Vorfeld darauf vorbereitet und was ist Dir dabei wichtig?

Ein paar Filmszenen angeschaut. Ich genoss es, ihr Gesicht zu sehen, ganz einfach.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Kunstberuf bei Romy Schneider wie an sich?

Gibt es im Fall Romy Schneider ein Spannungsverhältnis zwischen Öffentlichkeit und Kunstberuf?

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Kunstberuf?

Manchmal will man etwas Neues und strebt danach, egal wie.

Manchmal bringen unerwartete Veränderungen der Lebensumstände eine unausweichliche Entwicklung mit sich.

Was wünscht Du Dir für den Kunstberuf?

Ich hätte gerne Zeit. Zeit, in der ich die totale Freiheit haben kann, zu entscheiden, was ich tun möchte.

Was sind Deine kommenden Projekte?

Derzeit arbeite ich an zwei Zeichnungen gleichzeitig. Ich habe auch schon eine Idee für die nächste Zeichnung.

Im November wird es eine kleine Ausstellung von meinem verstorbenen Mann und mir geben. Diese findet seit 13 Jahren jedes Jahr statt.

Was möchtest Du Kunststudenten*innen mitgeben?

Nichts.

Wie siehst Du die Umstände des Todes von Romy Schneider?

Zu den Umständen ihres Todes habe ich nichts Besonderes zu sagen.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Ich würde ihr gern sagen, dass sie eine tolle, schöne, berührende Schauspielerin ist.

Was kann eine Künstlerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Begeisterung.

Romy Schneider hat auch viele Interviews gegeben. Gibt es ein Interview, das Dich besonders anspricht und möchtest Du vielleicht ein Zitat hervorheben?

Jemandem, den sie zum ersten Mal traf, sagte sie direkt ins Gesicht: „Du gefällst mir.“ oder „Sie gefallen mir.“, genau weiß ich es nicht mehr. Das sage ich auch, wenn mir jemand gefällt. Das fand ich sehr sympathisch von ihr.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Achrostikon bitten?

Romy

Ohne Sissy wäre wie

Melange ohne

Yakmilch

Station bei Romy Schneider_
 Naoko Muneoka, Künstlerin _ Wien _
a
cting Romy Schneider, Schauspielerin (* 23. September 1938 Wien + 29.Mai Paris) _
Fotos _ Schloss Schönbrunn Wien_
Naoko Muneoka und Walter Pobaschnig

Interview und alle Fotos _ Walter Pobaschnig 8/24

Walter Pobaschnig 8/24

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„Respekt und sich auf Augenhöhe begegnen“ Anna Sagaischek, Schauspielerin _ Wien 11.8.2024

Liebe Anna Sagaischek, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Oft beginnt mein Tag mit Klassik Radio. So fängt der Morgen gleich ruhig und ausgeglichen an. Wobei die meisten Tage der Woche einen anderen Ablauf haben, so unterscheiden sich die morgendlichen Rituale von „um 6:00 schwimmen gehen“ über „Yoga / Trainieren / Aufwärmen“ bis hin zu „ab aufs eigene Gemüse Feld“. – meistens aktiv. Natürlich gibt es dazwischen auch die klassischen, ausschlafen – rumschlunzen Tage – Keine Frage 🙂

Danach geht’s dann entweder ins Büro – ich bin auch im Architekturbüro tätig, oder ins Theater zur Probe. Gerade nach der Pandemie wird einem klarer, dass es als Künstler:in immer schwieriger wird sich auf ein Standbein verlassen zu können.

Ich habe mit meinen unterschiedlichen Interessen einen zweiten Berufsweg gewählt, der sich mit dem Theater vereinbaren und auch noch Raum für Kreativität lässt. Gerade Architektur und Theater lassen sich gut kombinieren. – Im November 2024 wird mein erstes Bühnenbild im Stella Theater im Café Prückel zu sehen sein.

Je nach aktueller Beschäftigung wird dann noch im Selbststudium an der Rolle gearbeitet oder Text gelernt. Die Abende gestalten sich – Wenn nicht gerade selbst auf der Bühne gestanden wird- meist mit Theaterbesuchen bei Kolleg:innen. Ich finde es sehr wichtig auch zu sehen, woran auf anderen Bühnen gearbeitet wird bzw. was die oft schon zu Freund:innen gewordenen, Schauspieler:innen tun. So lernt man auch schneller Stücke kennen und sie bleiben einem besser im Gedächtnis als beim Lesen des x-ten Text-Buches –ein netter Nebeneffekt haha

Wenn es nicht ins Theater geht, dann werden oft Bekannte und Freund:innen getroffen. Und dann gibt es da auch noch die ruhigen Abende daheim, aber in der Regel bin ich sehr gerne unterwegs und in Kontakt mit Menschen.

Anna Sagaischek, Schauspielerin, Bühnenbildnerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Zusammenhalt. Solidarität. Aufeinander achten. Respekt und sich auf Augenhöhe zu begegnen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Wie schon immer, sollte das Theater ein Medium sein, das auch aktuelle Themen aufgreift, hinterfragt und dem Publikum vor Augen führt. Wichtig ist und bleibt der Zusammenhalt, so kann man sich gegenseitig Halt geben und motivieren.

Was liest Du derzeit?

„Müll“ von Wolf Haas7

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Das Leben ist oft hart genug – Lustig machen wir es uns trotzdem“ Ein Zitat meiner Oma, das mich seit Kindheitstagen begleitet. Lachen ist wahnsinnig wichtig.

Anna Sagaischek, Schauspielerin, Bühnenbildnerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Anna, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspiel-, Kunstprojekte und persönlich alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen: Anna Sagaischek, Schauspielerin, Bühnenbildnerin

Zur Person: http://www.annasagaischek.at/

Fotos_  Elisabeth Sagaischek

Walter Pobaschnig _ 4.8.2024

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