Jörg Piringer _ über seine Bewerbung, die Leseaufzeichnung und Textinspirationen zum Bachmannpreis 2020_17.6.2020

Interview Teil II

Jörg Piringer _ über Bewerbung, Leseaufzeichnung und Textinspirationen.

 

Wie war das Prozedere Deiner Bewerbung und Einladung für den Bachmannpreis?

Letztes Jahr wurde ich fünfundvierzig und da überlegte ich, was will ich geschafft haben bis ich fünfzig bin. Ich habe also so einen 5 Jahresplan gemacht. Und einer dieser Punkte war, beim Bachmannpreis teilzunehmen.

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Ich habe bis jetzt immer wieder beim Bachmannpreis interessiert zugesehen und mich heuer zum ersten Mal beworben. Ich dachte, wie es wohl wäre mich einzubringen.

 

Im Herbst letzten Jahres habe ich überlegt, welchen Text ich schreiben werde. Es ist dann immer ein Phasenprozess im Schreiben. Ich schreibe viel, brauche dann Abstand, Pausen und montiere dann Passagen. Bis zum Jänner dieses Jahres hatte ich den Text fertig geschrieben und eingereicht. Es war eine sehr intensive Beschäftigung.

 

Mitte April wurde ich informiert, dass der Bachmannpreis stattfinden wird. Mir wurde dann freigestellt wo ich die Leseaufzeichnung machen möchte. Ich dachte zunächst es gibt vielleicht einen angebotenen Studioraum im ORF, dem war aber nicht so. Ich habe dann Fotos von meinem Studioatelier und meiner Wohnung zur Ansicht geschickt, wobei ich das Studio schon favorisierte. Auch aufgrund des Lichtes.

 

 

Welche Inspirationen gibt es für Deinen Bachmann_Text?

Es gibt viele Inspirationen. Die Jetztzeit steht im Mittelpunkt. Fragen wie: Was passiert gerade in sozialen Medien? Wie entwickeln sich gesellschaftliche Stimmungslagen und welche Kipppunkte gibt es da?

 

 

Wie gehst Du jetzt auf den Bachmannpreis zu?

Dieses online setting des Bachmannpreises ist für mich als Lesender einerseits entspannend, da die Lesung schon vor-aufgezeichnet ist und ich meine Arbeit gleichsam schon getan habe. Das Einzige was noch zu tun ist, ist dann daneben zu sitzen und möglichst klug dreinschauen. Andererseits ist es natürlich sehr sehr schade. Ich war ja selbst noch nie vor Ort in Klagenfurt. Es hätte mich der Ablauf schon sehr interessiert. Schön wäre es, vielleicht nächstes Jahr dort zu sein? Ob uns der Veranstalter dazu einlädt?

 

Ich gehe jetzt sehr neugierig auf den Wettbewerb zu. Es ist aufregend, zwar nicht so sehr wenn ich live vor Ort lesen müsste, aber doch. Auch vor der Aufzeichnung war ich etwas aufgeregt. Ich wusste nicht ob der Text von der Länge her passen würde. Aber es ist sich ausgegangen. Ich lese allerdings auch relativ schnell. Ich bin gespannt was passiert. Jetzt ist es natürlich ganz anders und umso spannender, wenn der eigene Fuß in der Tür ist.

 

Kannst Du uns das Setting der Aufzeichnung Deiner Lesung erläutern?

Die Lesung wurde in meinem Atelier-Studio in Wien aufgenommen. Der ORF war mit drei Kameras vor Ort. Die Idee war, dass es keinen Schnitt gibt. Ich habe also den gesamten Text am Stück gelesen. Ich habe einmal gelesen und das wurde gleich genommen. Ich war sehr froh, weil es doch anstrengend ist. Ich hatte mich zum Glück nicht so oft verlesen (lacht). Ob ich im Zweifelsfall nochmal lesen hätte können, habe ich jetzt nicht gefragt. Ich denke schon.

Jörg Piringer Studiojiu

 (Studio_Atelier_Jörg Piringer_Wien)

Gab es spezielle Vorbereitungen Deinerseits?

Ich habe mich auf diese Leseaufzeichnung nicht speziell vorbereitet. Obwohl es natürlich eine spezielle Lesung ist. Ich bin aber ein schlechter „Über“. Ich probe gar nicht gern. Mich reizt dieses unmittelbare Erlebnis, Ereignis auf der Bühne. Ich fürchte immer etwas, dass das Proben davon etwas nehmen könnte. Bei dem Bachmann_Text übte ich allerdings, weil ich das Versprechen minimieren wollte. Ich muss mich bei der Lesung ja an den „Urtext“ halten. Das mache ich ja auf der Bühne nicht, da bin ich sehr frei im interaktiven Prozess von Text, Ich und Publikum.

Es gab jetzt keine besondere Inszenierung der Lesung, nur ein Grundarrangement der Kameras natürlich. Ich war aber froh, dass es nicht in meiner Wohnung war. Das Studio ist da nicht so privat.

 

Gab es ein Glas Wasser am Lesetisch?

Muss ich überlegen- getrunken habe ich jedenfalls nicht, da blieb keine Zeit beim Lesen. Ich brauche da einen Rhythmus und auch eine Schnelligkeit.

 

Wie hast Du, in Zeiten von Videokonferenzen, den Aufnahmehintergrund arrangiert?

Nicht besonders. Wenn ich mich richtig erinnere, ist mein 3D Drucker und mein Fahrrad zu sehen. Das hatte mit den Kamerapositionen und der Bewegung zu tun. Ja, doch, eine Sektflasche habe ich beiseite geräumt (lacht).

 

Wie war dieses neue ruhige Lese-Setting für Dich, Du bist ja Publikum und die Bewegung, Interaktion mit diesem gewohnt?

Ja, diese Spannung, die eine Publikumssituation erzeugt, fiel natürlich weg. Ich mache auch Performances, in denen ich ganz direkt mit dem Publikum interagiere. Etwa in dem ich Wörter aus dem Publikum aufnehme. Ich lese aber auch frontal. Mich interessiert das Ausloten verschiedener Bühnen-Modi. Aber ich bin auch Studioarbeit gewohnt, da ich ja für Lesungen öfters Texte vorab aufnehme. Ungewohnt war die Bewegung der Kameras um mich.

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Welches Schriftbild und welche Formatstruktur hast Du  beim Lesetext verwendet?

Es gibt ja die Proportionalschriften (Buchstaben sind individuell in der Breite abgestimmt – gängiger Buchdruck) und die mono-spaced Schrift (jeder Buchstabe ist gleich breit). Für diese Bachmann_Lesung habe ich eine duo-spaced Schrift verwendet, diese hat zwei verschiedene Breiten – dicke/dünne Zeichen. Die dünnen Zeichen sind halb so breit. Das ergibt für mich ein gutes organisches Schriftbild. Sie ist auch gut im Block zu setzen für eine Lesung. 

 

Bist Du mit Deinen KollegInnen des Bachmanpreises 2020 in Kontakt?

Ich bin mit den Wiener TeilnehmerInnen in Kontakt. Wir kennen uns auch schon länger. Wir haben uns auch vorgenommen zu den Lesungen zu treffen und den Wettbewerb gemeinsam anzusehen, das ist ja wesentlich lustiger.

 

Was würdest Du bei einer Preisverleihung sagen wollen?

Preisrede? – Natürlich zuerst danke, es wäre wohl eine spontane Dankesrede – weiteres? Da müsste ich nachdenken.

 

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Lieber Jörg, viel Freude und Erfolg!

 

Interview I

https://literaturoutdoors.com/2020/06/16/online-auftritte-sind-kein-vollwertiger-ersatz-fuer-reale-begegnungen-joerg-piringer-schriftsteller_wien-7-6-2020/

 

Jörg Piringer, Schriftsteller, Bachmannpreisteilnehmer 2020

https://joerg.piringer.net/

 

26.5.2020_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

Fotos_Walter Pobaschnig_Station bei Bachmann _ 15.6.2020

und Jörg Piringer_Studio-Atelier.

 

 

 

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