50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Henning Ahrens, Schriftsteller _ Frankfurt/Main
Bachmannpreisnominierter 2003 _ Text: „Commander Coeursledge“
Einladender Juror: Thomas Steinfeld
Lieber Henning, Du hast 2003 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Der Bachmannpreis hatte stets einen hohen Rang und lange eine größere Öffentlichkeit als andere Preise, nicht zuletzt aufgrund der im Fernsehen übertragenen Lesungen und Diskussionen. Daran teilzunehmen, war so gesehen nicht ohne, aber durchaus eine Ehre.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Anwesend zu sein, während der eigene Text diskutiert wird, verlangt eine gewisse Selbstbeherrschung – besser, man hält den Mund, denn so oder so, man kann sich nur etwas vergeben. Die Veranstaltung insgesamt habe ich damals als respektvoll und kollegial erlebt.
Wie hat sich der Bachmannpreis auf Deinen weiteren literarischen, künstlerischen Weg ausgewirkt?
In keiner Weise, denn ich wurde nicht ausgezeichnet. Auf meine weitere schriftstellerische Arbeit hatte die Veranstaltung ebenso wenig Einfluss.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Eine über das Tagespolitische hinausgehende Vielfalt von Themen und sprachlichen Ansätzen, also Offenheit. Zugleich eine Haltung, die eine solche Offenheit und Vielfalt nicht nur vertritt, sondern auch verteidigt.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Nur das Beste und viel Erfolg, der Veranstaltung selbst ein langes und fruchtbares Bestehen. Obendrein, wie sich von selbst versteht, einen festen Glauben an die Literatur.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Henning Ahrens, geb. 1964, aufgewachsen auf dem niedersächsischen Land. Studium von Anglistik, Mittlerer und Neuerer Geschichte sowie Kunstgeschichte. Promovierte mit einer Arbeit über den britischen Autor John Cowper Powys. Seit 1997 als Autor und literarischer Übersetzer tätig. Lebt in Frankfurt a. M. Zuletzt erschienen: Jahre zwischen Hund und Wolf (Roman. Klett-Cotta 2025), Inventur eines Dinosauriers (Lyrik. Schöffling & Co. 2026)
Aktueller Roman:

„Manchmal ist eine kalte Welle alles, was es braucht, um auch den reifen Jahren noch einmal Möglichkeiten abzugewinnen, das eigene Leben zu gestalten. Aufrichtig, augenzwinkernd, aufmerksam erzählt Henning Ahrens von Menschen, die ihrem Lebensalter mit Lebensmut begegnen: Alten Eltern, erwachsenen Kindern und den Folgen dessen, was man getan hat, ebenso wie späten Umbrüchen, verpassten Chancen und unerwarteten Neuanfängen.
Am Strand tritt der Zeichner Hardy Espen auf die Erkennungsmarke eines Soldaten und findet sich in Gesellschaft eines gleichermaßen unverhofften wie treuen Erbes. Seine Partnerin Aîné, studierte Kunsthistorikerin und nun Blumenhändlerin, will ihren Eltern ein letztes Mal entgegentreten. Héloïse, Viehwirtin und Hardys Nachbarin, sieht in ihrem Hof die Gelegenheit aufblitzen, noch einmal neu anzufangen, und ein schürzenjagender Gendarme sucht sich mit dem drohenden Ende seines Berufslebens neue Aufgaben. Alle stellen sie fest, dass das Leben einem die Konsequenzen der eigenen Vergangenheit vorhält, dass es niemals stillsteht – und man also besser gelassen bleibt und Schritt hält. Und so setzen sie sich in Gang im Westen der Normandie, zwischen Hügeln und Meer und unter Wolken, die nach wie vor und immer wieder einen Hauch Himmel verheißen.“ (Pressetext Verlag)
1. Auflage 2025, Erscheinungstermin: 16.08.2025, 384 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-608-96645-9 _ 25,00 €
Aktueller Lyrikband:

„Wo kann man sich dieser Tage noch verorten? Wo sich finden zwischen Großstadthitze, eingezäunten Kleingärten und den Entfremdungen der digitalen Welt?
Henning Ahrens stellt in seinem neuen Gedichtband genau diese Fragen und macht tatsächlich Inventur, betrachtet den Stand der Dinge in der Welt, im Körper, im Ich: von Rohrleitungen und Straßenbahnen bis zum schwankenden Kahn auf hoher See, von den gestopften Socken im Schrank der verstorbenen Großmutter bis zu den eigenen Ohren. Verschlungene Wege führen in heimatliche Wälder, altehrwürdige Häuser, sogar auf Schlachtfelder. Skurrile Begegnungen unter Wolkenkratzern gesellen sich zu persönlichen Erinnerungen an Eltern, Großeltern und Schwiegereltern, sodass ein beinahe zärtlicher Dialog zwischen vergangenen Generationen und gegenwärtigen Krisen entsteht.
Mal heiter oder selbstironisch, mal nüchtern oder ernüchtert fügt Ahrens die geschliffenen Einzelteile zu einem in Gänze gespiegelten Leben, das im Hier und Jetzt beginnt und seinen Wurzeln folgt.“ (Pressetext/Verlag)
Inventur eines Dinosauriers
Lyrik
96 Seiten | Gebunden
€ (D) 22,– | sFr 30,90 | € (A) 22,70
ISBN 978-3-69097-027-3

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.


Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Wörthersee
Foto: Henning Ahrens _ Gabrielle Strijewski
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Humbert Fink _ privat
Fotos: Bachmannpreis ORF Studio/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 11.6.26