50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview_ Katrin Askan, Schriftstellerin, Philosophin_Berlin
Bachmannpreisnomierte 2001
3sat Preisträgerin
Liebe Katrin, Du hast 2001 am „Bachmannpreis“ in Klagenfurt als dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Welche Erinnerungen hast Du spontan daran?
Es war wie eine Mischung aus Sommermärchen und MET-Gala, und irgendwie gehörte ich zu den Ausstellungsstücken. Damals florierte ja noch der Begriff „deutsches Fräuleinwunder“ in der Literaturszene, das muss ich wohl nicht weiter kommentieren. Aber es war, alles in allem, auch eine wunderbare Gelegenheit, einen eigenen Text nicht genuin über ein Druckwerk, sondern über das darstellende Lesen, also als Performance vor einem großen Publikum zu präsentieren. Zum Glück war mir das damals aber gar nicht so bewusst, demzufolge habe ich einfach nur versucht, der Erzählstimme meines Textes auf möglichst unprätentiöse Weise Gehör zu verschaffen.
Was macht für Dich das Besondere des Bachmann-“Bewerbs“ aus?
In erster Linie halte ich es für eine medienwirksame Erinnerung an die Namensgeberin. Ob sie den Rummel gut gefunden hätte, ist fraglich, letztlich aber auch nachrangig. Denn alles, was der Literatur und damit auch den Autorinnen und Autoren dazu verhilft, wahrgenommen und gelesen zu werden, ist und kann nur richtig sein.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Erinnerungen verändern sich bekanntlich mit der Zeit, und wahrscheinlich würde ich jetzt sowieso anders antworten, wenn ich damals keinen Preis gewonnen hätte. Aber für mich überwiegt auch im Rückblick auf die Veranstaltung klar der Charakter des Wettbewerbs, ganz ähnlich wie beim Sport: Es war ein Gemisch von Freude, dabei sein zu dürfen, und von Aufregung vor der Präsentation, weil ja immer auch ganz viel schief gehen kann, und dann natürlich auch von Neugier, die Texte der anderen betreffend. Ich glaube, die Binnenperspektive, wie man die anderen und ihre Texte wahrgenommen hat und sich da für sich selbst einordnete, war letztlich viel entscheidender als die Bewertung von außen, die auf mich wie ein von allem losgelöstes Bühnenstück wirkte. Das soll aber überhaupt nicht despektierlich klingen: Ich war und bin dankbar, dass und wie sich die Jurorinnen und Juroren für ihre Nominierten ins Zeug legten. Aber auch sie wollten sich dabei letztlich profilieren.
Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?
Hat es sich ausgewirkt? Keine Ahnung. Ich habe mich dann ja zurückgezogen, was wiederum verschiedene Gründe hatte. – In meinem 2025 erschienenen Roman DICHTER, der von dem saarländischen Lyriker Johannes Kühn handelt, werden einige Mechanismen des Literaturbetriebs thematisiert, die viele Sensible zermalmen, zum Schweigen bringen. Offen bleibt die Frage, was am Schreiben, an der Kunst überhaupt, zerstörerischer sein kann: Erfolg oder Misserfolg. Das liegt am jeweiligen Charakter sicher genauso wie an glücklichen oder unglücklichen Fügungen. Und die haben wir eben nie in der Hand.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum Fünfzigsten wünschen?
Ich wünsche den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass sie sich gehört fühlen und ihre Texte verstanden und gewürdigt wissen. Ehrungen in Form von Preisen gibt es nur für wenige, aber der Gewinn, letztlich für uns alle, ist das immer wieder neu geweckte Interesse an der Literatur, auf die gern mal ein Schlaglicht fallen darf. In diesem Sinne hoffe ich, dass der „Bewerb“ zumindest einmal das gleiche Jubiläum erreichen wird wie seine Namensgeberin heute.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Katrin Askan lebt in Berlin, ihrer Geburtsstadt, die damals noch geteilt war. Mit 20 flüchtete sie vom einen zum anderen Teil und studierte an der Freien Universität Germanistik und Philosophie. Während dieser Zeit war sie oft in Schweden und debütierte 1996 mit „A-Dur“. Es erschienen weitere Romane und Erzählungen, für die sie zahlreiche Preise erhielt: 1998 „Eisenengel“, 2000 „Aus dem Schneider“, 2002 „Wiederholungstäter“, 2009 „Aufs Spiel gesetzt“, 2025 „DICHTER“. Einige ihrer Essays und Gedichte wurden in Anthologien, Zeitschriften und Zeitungen veröffentlicht, außerdem verfasst sie Theaterstücke und Geschichten fürs Radio, übersetzt hin und wieder Hörspiele aus dem Schwedischen und zeichnet.
Aktuelles Buch:

„Die Freundschaft zwischen dem Dichter Johannes Kühn und Benno Rech besteht 75 Jahre lang. Als Johannes zu schweigen beginnt, weil sich offenbar niemand für seine Gedichte interessiert, hält Benno zu ihm und hilft ihm aufopferungsvoll, obwohl er selbst fest eingebunden ist in Familie und Beruf. Ohne sein Engagement wäre diese Stimme in der deutschen Literatur wohl nicht hörbar geworden.„
Katrin Askan, Dichter _ Roman einer Freundschaft, Elsinor Verlag
Klappenbroschur, 400 Seiten
14,5 x 22 cm
ISBN 978-3-942788-91-5
26,90 Euro [D]

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Foto: Katrin Askan _ Thomas Grünholz
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Gerlitzen/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 15.6.2026