„dass ich ungern Macht, in diesem Fall Deutungsmacht, über andere Menschen ausübe“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Helga Schubert, Bachmannpreisjurorin 1987-90 _ Schwerin/D 15.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _Helga Schubert, Schriftstellerin _ Schwerin/D

Bachmannpreisjurorin 1987-90

Bachmannpreisträgerin 2020 (online)

Liebe Helga, Du warst von 1987 bis 1990 Jurorin beim Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?

Dass ich lieber als Autorin gelesen hätte und ich ungern Macht, in diesem Fall Deutungsmacht, über andere Menschen ausübe.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Dass die Beurteilungen live, also transparent, für Zuschauer, Jury-Kollegen und Autoren sind.

Wie hast Du als Juror/Jurorin die Lesungen, die Jurydiskussionen, die Preisverleihungen und die Begegnungen rundum erlebt?

Ich fand die Lesungen, die Autoren, die Diskussionen innerhalb und außerhalb des unmittelbaren Wettbewerbs, auch die Preisverleihungen ausgesprochen interessant, rührend und lehrreich.

Wie gelingt es Objektivität zu bewahren?

Zu denken: Ich könnte die oder der Andere dort auf dem Podium sein. Solidarität entwickeln!

Wie hat sich diese Funktion auf Deinen weiteren beruflichen Weg ausgewirkt?

Sie hat sich nicht ausgewirkt, weil ich mich wieder ausschließlich als Autorin sah.

Was braucht der Bachmannpreis für eine zukünftige gute Entwicklung? AUFMERKSAMKEIT, SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT, Kontinuität, Sponsoren, gute Presse.

Was möchtest Du aktuellen Juroren:innen, Teilnehmer:innen und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Wohlwollen der deutschen Sprache und Literatur gegenüber, Freude am Spiel, Humor, Weiterbestehen.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Helga Schubert, Schriftstellerin _
Bachmannpreisjurorin 1987-90

Zur Person: Helga Schubert, geboren 1940 in Berlin, war Psychotherapeutin und Schriftstellerin in der DDR. Sie zog sich aus der literarischen Öffentlichkeit zurück, bis sie 2020 mit der Geschichte ›Vom Aufstehen‹ den Ingeborg-Bachmann-Preis gewann. Der gleichnamige Erzählband erschien 2021 bei dtv und war für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. 2023 erschien ›Der heutige Tag. Ein Stundenbuch der Liebe‹, 2024 wurde Helga Schubert mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Landeskulturpreis MV ausgezeichnet. Helga Schubert 15.6.2026

Bachmannpreis _ Jurysetting 2022 _ ORF Studio

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Rathaus _ Bachmannpreisankündigung
Wörthersee

Foto: Helga Schubert _ privat

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Ossiacher See _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 15.6.2026

https://literaturoutdoors.com

Hinterlasse einen Kommentar