50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Ursula Fricker, Schriftstellerin _ Berlin
Bachmannpreisnominierte 1999
Text: Da sind schon ganz andere gescheitert
Liebe Ursula, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Für mich war es die erste Berührung mit dem sogenannten Literaturbetrieb überhaupt. Ich hatte bisher nur ein paar kurze Texte in Zeitungen bzw. Zeitschriften veröffentlicht. Gespannt und ziemlich überfordert versuchte ich den Bewerb sportlich zu sehen, was mir vor Ort dann, zugegeben, nicht so richtig gelang.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die mediale Begleitung. Somit steht er auch stärker als andere Literaturformate im Fokus von Verlagen, was für unbekannte Autoren und Autorinnen eine Chance sein kann.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Die Lesung an sich als recht gelungen. Wobei ich damals ja noch kaum Erfahrung mit Lesungen hatte. Die Jurydiskussion, naja, als eher unschön.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?
Keine Auswirkungen auf den Schreibstil. Auf den literarischen Weg insgesamt letztlich wohl eher positive. Zwangsläufig hatte ich mich mit der Ambivalenz von Kritik auseinanderzusetzen, dem Abgleich mit dem eigenen Urteil.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Zukunft?
Nicht allzu zeitgeistig werden.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Urteile hängen von vielen, auch außerliterarischen Faktoren und Dynamiken ab; also den Teilnehmenden eine gewisse Gelassenheit und das Bewusstsein, dass, mit Nick Cave gesprochen, Texte keine Rennpferde sind.
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Ursula Fricker, 1965 in Schaffhausen geboren, hat sechs Romane veröffentlicht, u.a. ihr viel beachtetes Debüt Fliehende Wasser (2004), Außer sich (2012), nominiert für den Schweizer Buchpreis, und Gesund genug (2022). Die in der Märkischen Schweiz bei Berlin lebende Autorin wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt im Herbst 2022 mit dem Georg Fischer Kulturpreis der Stadt Schaffhausen. Für Fangspiele (2024) erhielt sie einen Werkbeitrag der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia und den Brandenburgischen Kunst-Förderpreis für Literatur. Ursula Fricker – Kampa Verlag 15.6.26

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Foto: Ursula Fricker _ Ayse Yavas/Verlag
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Kärnten/Gerlitzen _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 15.6.2026