50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Eva Schmidt, Schriftstellerin _ Bregenz
Bachmannpreisnominierte 1984
Liebe Eva, Du hast am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan Deine erste Erinnerungen?
Ich habe gerade gegoogelt, wann ich zum Bachmannpreis Wettbewerb eingeladen wurde – es ist so lange her – es war 1984 und Erica Pedretti hat damals den Hauptpreis bekommen. Ich erinnere mich vor allem an ein paar schöne Tage in Gesellschaft von Jörg Fauser, Erica Pedretti, Wolfgang Hegewald, Michael Köhlmeier und anderen, die Nächte waren sehr lang, es wurde viel getrunken und erzählt. Zum Beispiel sind mir Jörg Fausers Geschichten über Stierkämpfe noch heute in Erinnerung. Es war eine meiner ersten Berührungen mit dem sogenannten Literaturbetrieb, den ich später allerdings nie mehr als so offen, herzlich und neidlos erlebt habe, was aber vermutlich weniger am Betrieb als solchem, sondern an den beteiligten Personen lag, mit denen ich näher in Berührung kam.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Das Besondere ist wohl die Dichterin Ingeborg Bachmann, nach der der Preis benannt ist. Sie, ihr Name ist es, der der Veranstaltung seine Wichtigkeit verleiht.
Wie hast Du Deine Lesung, die Jurydiskussion und die Preisverleihung erlebt?
Während meiner Lesung hat Marcel Reich-Ranicki permanent geseufzt bzw. sehr laut geatmet oder gestöhnt, ich habe versucht, mich davon nicht beirren zu lassen, fand sein Verhalten zwar etwas unhöflich, aber vermutlich hatte er Probleme mit der Atmung. An viel mehr kann ich mich nicht erinnern.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deinen literarischen Stil wie auf Deine literarische Öffentlichkeit ausgewirkt?
Gar nicht. Ich hatte gerade meine ersten Veröffentlichungen in den „Manuskripten“ und „Wespennest“ hinter mir, hatte vom Residenz Verlag bereits ein Angebot, obwohl ich noch nicht genügend Erzählungen beisammen hatte, um ein Buch daraus zu machen, ich hatte keine Erwartungen und habe mich für Erica Pedretti und Wolfgang Hegewald, der auch einen der Preise erhielt einfach gefreut, ein wenig geärgert, dass Jörg Fauser, Michael Köhlmeier und ich keinen Preis erhielten, meinen Aufenthalt in Klagenfurt darüber hinaus aber sehr genossen.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Vermutlich Geld, kompetente, unvoreingenommene JurorInnen, gute Texte
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Zum 50er wünsche ich dem Bachmannpreis Wettbewerb Geld, kompetente, unvoreingenommene JurorInnen, gute Texte und den TeilnehmerInnen interessante Begegnungen, gute Nerven und aufregende Nächte!
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person: Eva Schmidt, geboren 1952 in Lustenau, lebt in Bregenz, Vorarlberg.
Eva Schmidt debütierte 1985 mit Erzählungen („Ein Vergleich mit dem Leben“, Residenz Verlag), der erste Roman folgte erst zwölf Jahre später unter dem Titel „Zwischen der Zeit“ (1997). Nach einer Unterbrechung von fast zwanzig Jahren erschienen die beiden gefeierten Romane „Ein langes Jahr“ (2016) und „Die untalentierte Lügnerin“ (2019), mit beiden war sie für den Deutschen Buchpreis nominiert. Zuletzt veröffentlichte sie einen Band mit Prosastücken („Sonne in einem leeren Zimmer“, Golden Luft Verlag) und Erzählungen unter dem Titel „Die Welt gegenüber“ (2021).
Schmidt Eva • Jung und Jung 15.6.26

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Eva Schmidt _ Klaudia Longo
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Wörthersee_ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 15.6.26