Bachmannpreis 2026 _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt _
50 Jahre Bachmannpreis

Nominierteninterview: Seraina Kobler, Schriftstellerin _ CH
Geboren 1982 in Locarno, lebt in Zürich _ eingeladen von Juror Philipp Tingler.

Liebe Seraina, herzliche Gratulation zur Bachmannpreisnominierung!
Wie hast Du davon erfahren und was war Deine erste Reaktion?
Ich erhielt eine Nachricht von meinem Juror Philipp Tingler, da stand ich gerade unter frisch erblühten Hyazinthen neben einem Wartehäuschen. Ich sah in die gelben Blüten, den Frühlingshimmel und dachte: Wörthersee!
Dein Weg zur Literatur führte über ein Linguistikstudium und die Tätigkeit als Politikjournalistin. 2026 ist Dein vierter Roman „Tal der Schwalben“ im Diogenes Verlag erschienen.
Was waren Stationen auf Deinem Weg zu den Buchveröffentlichungen und schließlich jetzt zur Bachmannpreisnominierung? Was macht für Dich die Faszination des Schreibens aus?
Lesen und Schreiben gehörten für mich schon immer zusammen. Denke ich an meine Kindheit, dann sind da immer die Bücher, Baumhütten und der Geruch des Felles meines Hundes Charly. Ich glaube, der Wunsch, einen Roman zu schreiben und ihn nicht nur zu lesen, hatte mit dieser Zeit zu tun. Mit der unendlichen Leichtigkeit, die einen ausgefüllt, wenn man in einem Text verschwinden kann. Später kam dann aber zuerst einmal der Journalismus, das faktische Schreiben, die Politik. Fragen an die Welt, Ideale, Wut auch.
Vielleicht wollte ich auch deswegen andere Bilder suchen, entwickelte sich der Wunsch, ins Metaphorische zu gehen. Dazwischen, damit und eigentlich immer – waren da auch die Kinder, sind sie Teil meines Schreibens. In dem sie es strukturieren, mich dazu bringen, jeden Tag zu fragen, was wirklich wichtig ist. Diese Fragen haben mich auch in das Tal der frühen Kindheit geführt und somit zu dem Text, den ich nun nach Klagenfurt trage.
Du lebst mit Deiner Familie, fünf Kindern, in Zürich. Wie bringst Du alles unter einen Hut und wo und wie schreibst Du?
Nun, das ist ein bisschen wie beim Jonglieren. Da beginnst du ja auch nicht mit fünf Bällen, zuerst mal einer, dann noch einer … So sind wir in den letzten bald zwanzig Jahren zu einer eingespielten Gruppe zusammengewachsen. Das lustige ist, oft schreibe ich im Alltag mit den Kindern besser, als wenn ich mich in ein Kämmerchen einschliesse und sie dann wiederum vermisse. Die meiste Zeit über schreibe ich sowieso im Kopf, spreche mit den Stimmen, knete die Themen, sammle Fragmente, die ich oft unterwegs einfach kurz und kryptisch in den Notizen festhalte. Sitze ich dann vor einem Word-Dokument, ist da schon eine Fülle an Material, dass ich dann verarbeiten kann, wenn Schule ist oder die Kinder draussen am Spielen sind.
Was man aber auch leider sagen muss: Die letzten fast zehn Jahre dieses Lebens verlangten auch eine unglaubliche Fokussierung auf den Wert des Augenblicks, denn in puncto Absicherung und Altersvorsorge lebe ich sehr prekär. Residenzen kommen mit schulpflichtigen Kinder sowieso nicht in Frage. Oder um Virginia Woolf zu erweitern: Schreibende Mütter und Väter brauchen in der Lebensphase nicht unbedingt Raum zum Schreiben, sondern Geld.
Welche Bedeutung hat der Bachmannpreis heute?
Nun, für mich ist er Mythos und Legende, ein Fenster in den Prozess der Literaturenstehung, Echtzeit-Anlass und natürlich denkt man immer gleich an Sommer und See. Was er tatsächlich für den Literaturbetrieb bedeutet, das müssen andere beurteilen, ich bleibe auf der Ebene des Textes: Da freue ich mich auf Überraschungen.
Wie bereitest Du Dich nun auf Klagenfurt vor und was freust Du besonders?
Natürlich gibt es einiges zu organisieren, wenn ich eine Woche weg bin. Meine Jüngste und mein Ältester, sowie meine Schwester und ihr Hund Abrakadabra werden mich begleiten, die anderen bleiben in Zürich.
Als mein Text in die engere Auswahl kam, da hat meine Lektorin spontan gesagt, wenn das klappt, dann komme ich auch mit. Und wir springen zusammen nach der Lesung in den See, antwortete ich ihr. Auf diesen Platsch freue ich mich ganz besonders.
Herzlichen Dank für das Interview, viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.



Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Seraina Kobler _ Franco Tettamanti
Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio/Garten _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 8.6.2026