50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Jan Lurvink, Schriftsteller _ Basel
Bachmannpreisnominierter 1998 Text: „Windladen“ (Romanauszug)
Lieber Jan, Du hast 1998 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Ich war ein wenig überfordert. Mein Text stammte aus meinem Erstlingsroman und die Lesung war meine allererste Lesung überhaupt. Dann gleich in dieser Kulisse! – Schön war die Verbundenheit unter den 16 Schreibenden. Wir bildeten eine schöne Einheit, an der sich der Literaturbetrieb wie eine riesige Zecke festbiss. Das fühlte sich wiederum beklemmend an.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Die Aufmerksamkeit, die er erzeugt, ist wertvoll für Autoren, Verlage und den Literaturbetrieb.
Zur Live-Übertragung: Mir fiel damals auf, dass während der Lesungen eine gewisse telegene Verlegenheit herrschte. Die Kamera schweifte ziellos umher, vom Ohr einer Zuschauerin zum wippenden Fuss eines Jurymitglieds, dann zum Schweisstropfen auf der Stirn des Lesenden usw. Erst nachdem die Lesung überstanden war, fand das Medium Fernsehen auf sein Gleis.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Ich war am letzten Tag an der Reihe und hörte am Vorabend zu meiner Verwunderung eine Jurorin beim Abendessen lauthals und selig verkünden, sie habe ihre Wahl bereits getroffen. –
Ich kann mich erinnern, dass während der Diskussion ein Juror sagte, mein Text müsste nochmals lektoriert werden. Mein Lektor sass mit im Publikum. Wir beide hatten sehr sorgfältig, Satz für Satz, an dem Text gearbeitet und wollten jedes Wort genauso haben, wie es da stand.
Da ich mir vorgenommen hatte, mich nicht an der Debatte um meinen Text zu beteiligen, blieb ich still. Im Nachhinein tat mir mein Schweigen leid, mehr leid noch als die Blasiertheit des Jurors. Ich hätte meinen Lektor verteidigen sollen.
Es tat mir auch leid, dass die Jürgen Ponto-Stiftung ihren Preisträger für den besten Erstlingsroman des Jahres 1998 erst in der Woche nach dem Wettlesen bekannt gab. Ich war der Preisträger und vermutete, dass die Jury im Wissen darum meinen Text respektvoller aufgenommen hätte.
Wie hat sich Deine Teilnahme auf Deine literarische Öffentlichkeit wie Deinen weiteren persönlichen literarischen Weg, Deinen Schreibstil, ausgewirkt?
Die Teilnahme beeinflusste weder meinen Schreibstil noch meinen weiteren literarischen Weg. Um eine Resonanz zu erzeugen, reicht, so glaube ich, eine Teilnahme alleine nicht aus.– Da braucht es schon die Preisträgerschaft. Vielleicht kann die Teilnahme AutorInnen helfen, die noch auf Verlagssuche sind.
Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?
Ich habe den Bachmannpreis nach 1998 nicht weiter verfolgt und kann daher nichts dazu sagen.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Alles Gute. (Und möglichst wenige blasierte Jurierende.)
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Zur Person/Website: Home – Trauerredner Basel-Jan Lurvink

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.


Foto: Jan Lurvink _ privat
Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Fotos: Bachmannpreis ORF Studio/Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 11.6.26