„Der Bachmannpreis soll bitte bleiben, wie er ist.“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Stefan Beuse, Schriftsteller _ Hamburg 11.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Stefan Beuse, Bachmannpreisnominierter 1999

Im Interview _ Stefan Beuse, Schriftsteller _ Hamburg

Bachmannpreisnominierter 1999

Preis des Landes Kärnten

Lieber Stefan, Du hast 1999 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Das Idyll, der Frieden, dieses ganz eigene, freundliche, behutsame, feinnervige Umfeld. Maria Loretto, der Kellner dort, der Saibling, der See. Das freundschaftliche Miteinander, der Zauber.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Wo bekommt Literatur bitte noch diesen Raum? 3 Tage lang live im Fernsehen? Leute, die was vorlesen? Kluge Gespräche über Literatur? Das Format wird von Jahr zu Jahr liebenswerter. Außerdem: Die größte Klassenfahrt der deutschsprachigen Literaturszene!

Wie hast Du Deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Das Seltsame war, dass ich in dem Moment, als ich an diesem Podest stand und zu lesen begonnen habe, vollkommen ruhig geworden bin. Ich empfand das Lesen als fast meditativ, die Diskussion als sehr angenehm. Hängen geblieben ist mir ein Satz von Thomas Hettche zu meinem Text: „Ich versteh’s nicht, aber ich find’s sehr gelungen.“

Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?

Neben Ruhm, Bestätigung und Folgeveranstaltungen ist es für Autor:innen, die ja fast immer unter prekären finanziellen Bedingungen leben, ein großes Glück und existenziell wichtig, hin und wieder mit Geld überschüttet zu werden.

Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?

Der Bachmannpreis soll bitte bleiben, wie er ist.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Habt Spaß am Krawall, an der Liebe, feiert dieses fremde und seltsame Leben in euren Texten, euren Reden!

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Stefan Beuse, Schriftsteller

Zur Person: Stefan Beuse arbeitete als Texter, Fotograf und Journalist. Für sein literarisches Werk wurde er u.a. mit dem Preis des Landes Kärnten beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und dreimal mit dem Hamburger Literaturpreis ausgezeichnet.

Er war Writer in Residence und Gastdozent für deutschsprachige Gegenwartsliteratur an der Cornell University in Ithaca/ New York. Seine Romane »Kometen« und »Meeres Stille« wurden fürs Kino verfilmt und international ausgezeichnet. Stefan Beuse lebt mit seiner Familie in Hamburg. 

Website: Stefan Beuse

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Wörthersee

Foto: Stefan Beuse _ Simone Scardovelli.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/ORF Studio/Klagenfurt/Wörthersee _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 3.6.26

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