50 Jahre Bachmannpreis _
Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Im Interview _ Guy Helminger, Schriftsteller _ Köln
Bachmannpreisnominierter 2004, 3sat Preis Gewinner

Lieber Guy, Du hast 2004 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?
Eine Menge guter Teilnehmer waren dabei, gemeinsam zogen wir abends um die Häuser, das war sehr vergnüglich: Artur Becker, Richard Precht, Wolfgang Herrndorf, Simona Sabato, Sandra Hoffmann, Arno Geiger, Roswitha Haring, Arne Roß, Thomas Raab u.a. Wir haben uns sehr gut verstanden, gute Atmosphäre.
Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?
Drei Tage jeder eine halbe Stunde vortragen und dann eine kompetente Jury, die urteilt. Ich kenne kein vergleichbares Unternehmen innerhalb des Literaturbetriebes. Dazu Kontakte knüpfen, Kolleginnen und Kollegen kennenlernen und die Aufregung, ob man einen Preis mitnimmt. Das war schon sehr besonders.
Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?
Alles Gesagte fiel unter die Meinungsfreiheit, selbst die ein, zwei Entgleisungen. Ich konnte das öffentliche Gemurre und Gezeter, das eine Kollegin am Schluss vor der Preisvergabe hinlegte, nicht nachvollziehen. Vielleicht war das ein Vorgeschmack auf die Empfindlichkeit heutiger Tage, wo dauernd jemand sich angegriffen fühlt. Wer mit seinen Texten an die Öffentlichkeit geht, muss damit rechnen, dass sie einigen nicht gefallen, andere sie missinterpretieren oder nicht verstehen, aber trotzdem urteilen. Ich fand die Jury fair, wusste aber zugleich, dass sich jede von den Kritikerinnen und jeder von den Kritikern auch darstellt, sich eventuell gegen Kollegen positioniert, um seinen Kandidaten durchzubekommen. So ist das in der Arena. Und das ist einem klar, bevor man dahingeht.
Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?
Sehr positiv. Ich hatte bis dahin Bücher in Luxemburg verlegt, war in Deutschland, Österreich, Schweiz unbekannt. Nach meinem Auftritt hatte ich etliche Angebote von Verlagen und bin zu Suhrkamp gegangen.
Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?
Nicht alles, was ein gewisses Alter hat, muss erneuert werden. Ich habe mir immer wieder Lesungen über die Jahre im Fernsehen angehört und finde gut, wie es läuft. Man muss sich klarmachen, dass es um Literatur geht. Und das soll auch so bleiben. Den Hang, alles zum Event zu degradieren, nervt mich.
Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?
Mitgeben kann und will ich nichts. Jeder, der dort hingeht, weiß, was er tut und weiß um die Chance, die ein Auftritt dort mit sich bringen kann.
Wünschen tue ich der Veranstaltung ein sehr, sehr langes Leben!
Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!
Zur Person: Guy Helminger, Schriftsteller
Home | Guy Helminger (wixsite.com)

Bachmannpreis
1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.
Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.
Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann
Foto: Guy Helminger _ privat.
Fotos: Bachmannpreis/Wörthersee _ Walter Pobaschnig
Walter Pobaschnig, 1.6.2026