„Hurra! Ich hab was gewonnen!“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Markus Orths, Schriftsteller _ Karlsruhe 9.6.2026

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

im Interview _ Markus Orths, Schriftsteller

Bachmannpreisnominierter 2008

Gewinner des Telekom-Austria Preises

Lieber Markus, Du hast 2008 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

Hurra! Ich hab was gewonnen!

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Es ist eine Möglichkeit gerade für unbekannte Autor:innen, Aufmerksamkeit zu erlangen; begleitet von einem großen Risiko des „öffentlichen Scheiterns“.

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Überraschend gut! Aber es ging alles sehr schnell.

Wie hat sich Dein Preisgewinn für Dein weiteres Schreiben ausgewirkt?

Das Schreiben an sich hat sich nicht geändert. Die Wahrnehmung vor allem im Ausland damals aber schon. Durch Bachmann goes Europe wurde das Buch Das Zimmermädchen in zehn Sprachen übersetzt.

Was braucht der Bachmannpreis an Weiterentwicklung für eine gute Zukunft?

Menschlichkeit, und eine Kritik, die nicht urteilt, sondern Texte begleitet, in Frage stellt, Möglichkeiten und Lesarten aufzeigt.

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Mehr Existenzphilosophie: Dass hier Menschen miteinander Literatur und Kunst feiern und sich inspirieren und begegnen. Menschen sind lebendige Existenzen, denen es in ihrem Sein um ihr Sein geht. Menschen sind von Erfahrungen und Stimmungen geprägt, bringen sich selber zum Ausdruck und gelangen mit anderen Menschen und anderen Kunstschaffenden in einen kreativen und existenziellen Austausch. Das bedeutet: Kunst und Kultur ist eine wesentliche, äußerst wichtige Form menschlicher Weltwahrnehmung. Um dies zu bewahren und zu schützen, muss der gerade rasant um sich greifenden Vereinnahmung, Korruption, Verdinglichung und Technisierung der Kunst durch die sogenannte Künstliche Intelligenz mit aller Entschiedenheit etwas entgegensetzt werden: das Kunstwerk als prozesshafter Ausdruck eines gewachsenen Menschen und zugleich als Aufschlag zu einer tief reichenden existenziellen Kommunikation untereinander.

Herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Markus Orths, Schriftsteller

Zur Person: Markus Orths wurde 1969 in Viersen geboren, studierte Philosophie, Romanistik und Anglistik und lebt in Karlsruhe.

Bislang erschienen sechzehn Romane und Erzählbände, unter anderem LehrerzimmerDas ZimmermädchenAlpha & Omega, MaxPicknick im Dunkeln und Mary & Claire. Im Februar 2026 erschien Die Enthusiasten im Galiani Verlag. 

Einige seiner Bücher wurden in insgesamt neunzehn Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Stipendium des Deutschen Literaturfonds. Orths hielt Poetikvorlesungen in Paderborn und Bamberg.

Das Stück Femme de Chambre gewann den Prix Théâtre 13. In Baden-Baden wurde Die Entfernung der Amygdala uraufgeführt. Das Zimmermädchen Lynn kam 2015 in die Kinos. WDR, NDR, SWR und HR produzierten acht Hörspiele.

Inspiriert durch seine eigenen Kinder entstanden zuletzt auch Kinderbücher. 2026 erscheint der fünfte Band der Crazy-Family-Reihe: Crazy Family – Die Hackebarts rocken die Schule! Das Kinderbuch Opa fliegt wurde vom Komponisten Michael Langemann vertont und im Juni 2024 in der Berliner Philharmonie uraufgeführt.

Markus Orths – Autor – Kurzbiographie

Markus Orths – Autor

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Klagenfurt/Schubertpark

Foto: Markus Orths _ Olaf Kutzmutz

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Fotos: Bachmannpreis/Studio/Klagenfurt _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 8.6.26

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