„ein hoch anregendes und elektrisierendes Feld“ _ 50 Jahre Bachmannpreis _ Birgit Kempker, Schriftstellerin _ Basel 8.6.2026

Birgit Kempker _ „Inge“/Trophäe des Ingeborg-Bachmann-Preises

50 Jahre Bachmannpreis _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt

Birgit Kempker, Schriftstellerin _ Basel

im Interview _ Birgit Kempker, Schriftstellerin _ Basel _

                      Bachmannpreisnominierte 1985 und 2000

Liebe Birgit, Du hast 1985 und 2000 am Bachmannpreis in Klagenfurt dem größten und reichweitenstärksten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum teilgenommen. Was sind spontan erste Erinnerungen?

IMeine Erinnerungen sind viel zu viele für so ein Interview. Vom zweiten Mal ist mir besonders der Eindruck einer undurchsichtigen Übertragung geblieben. Meine Person, mein Text und die Hintergründe des Textes aus dem echten Leben haben zu einer kollektiven Entgleisung geführt, fast wie eine Trance, mit dem Tabu, sich überhaupt mit meinem Text zu beschäftigen, aus meiner Sicht. Ich konnte nur noch ahnen, wer aus welche Motiven mit welchen Erfahrungen über was gesprochen hat. Als sässe ich vor einem archetypischen Stammtisch oder einem atavistischen Tribunal. Sehr sehr positiv ist mir Hardy Ruoss in Erinnerung, der mich eingeladen hatte. Er hat sich bis zum bitteren Ende enorm und auch entrüstet für mich ins Feld geschmissen, mit einer Standfestigkeit, Herzlichkeit und Zivilcourage, und mit guten Argumenten, danke Hardy Ruoss.

Was macht das Besondere des Bachmannpreises aus?

Das Besondere ist die Gruppendynamik, und dass wir live mit sehen können, wie es zu Urteilen kommt, oder zu Beschreibungen, Eindrücken. Die Jury ist genauso auf dem Prüfstand wie der Text, wenn nicht mehr, denn die Jury, das sind Menschen, der Text ist eine andere Kategorie. Der Text, wenn er gut ist, schützt sich selbst.  

Wie hast Du deine Lesung und die Jurydiskussion erlebt?

Zweimal. Das erste Mal skeptisch wohlwollend vermutlich. Das zweite Mal wie verhext. 

Was braucht der Bachmannpreis für eine weitere gute Entwicklung?

Der Bachmannpreis ist ein hoch attraktives Schaurennen und das Schwimmen im See erfrischend. Die Jury solle viel diverser sein, aber könnte sie das?  

Was möchtest Du aktuellen Teilnehmer:innen, der Jury und dem Publikum in Klagenfurt mitgeben und dem Bachmannpreis zum 50er wünschen?

Humor, ganz viel Humor und eine Art sozioethnologische Nase. Damit ist es ein hoch anregendes und elektrisierendes Feld.

Herzlichen Dank für das Interview!

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

Lesestuhl Bachmannpreis
Jurydiskussion 2017
Empfang der Stadt Klagenfurt _ Schloss Loretto
Abendstimmung Wörthersee _ Blick vom Schloss Loretto

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Birgit Kempker _ Eliane Rutishauser

Fotos: „Inge“ _ Bronzestatue, offizielle Trophäe des Ingeborg-Bachmann-Preises vom Bildhauer Helmut Machhammer seit 2023 _ Walter Pobaschnig.

Motive: Wörthersee/Schloss Loretto Empfang/Lesestuhl Bachmannpreis/Jurydiskussion _ Walter Pobaschnig.

Walter Pobaschnig, 20.5.2026

https://literaturoutdoors.com

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