„ich glaube an eine konkrete und genaue Sprache“ _ Bachmannpreis 2026 _ Nominierteninterview: Magdalena Schrefel, A _ Berlin 7.6.2026

Bachmannpreis 2026 _

Tage der deutschsprachigen Literatur Klagenfurt _

50 Jahre Bachmannpreis

Magdalena Schrefel _ Bachmannpreisnominierte 2026

Nominierteninterview: Magdalena Schrefel, A

Geboren 1984 in Korneuburg/NÖ. Eingeladen von Laura de Weck.

Magdalena Schrefel, Schriftstellerin

Liebe Magdalena, herzliche Gratulation zur Bachmannpreisnominierung! Wie hast Du davon erfahren und was war Deine erste Reaktion?

Meine erste Reaktion war überraschte Freude – und die hält bis jetzt an: Ich bin nach wie vor ganz und gar überrascht über meine Teilnahme, und freue mich auf das, was kommt.

Du bist eine sehr vielseitige Autorin und schreibst Theaterstücke, Hörspiele und erzählende Texte – was waren Stationen auf Deinem Literatur-Weg und schließlich jetzt zur Bachmannpreisnominierung? Was macht für Dich die Faszination des Schreibens aus?

Schreiben ist für mich eine Art, in Verbindung zu treten. Meine Texte denke ich als Räume, die oft aus einem einzigen Detail entstehen, aus einem Punkt, den ich so lange dehne und weite, bis ich andere dazu einladen kann, sich in dem daraus entstehenden Raum umzusehen, auch: darin zu verweilen.

Dafür ist das Beobachten wichtig, wie ich es im Studium der Europäischen Ethnologie in Wien gelernt habe. Ich glaube an Bilder und ihre Deutung, das habe ich durch die Psychoanalyse erkannt. Und ich glaube an eine konkrete und genaue Sprache, und die kommt aus dem Leben selbst. Letztlich ist ja jeder Text eine Antwort auf andere Texte, aber eben aus der eigenen situierten Erfahrung.

Du bist Österreicherin und lebst in Berlin. Was schätzt Du literarisch gesehen besonders an Deutschland und Österreich und wo liegen für Dich da wichtige Spezifika und Unterschiede?

Wien ist die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, sie wird immer mein Referenzpunkt bleiben, und Wien ist auch ein Ort, an den ich immer wieder gern zurückkomme. Berlin ist der Ort, an dem ich seit langer Zeit schon lebe, mein Alltag; und es ist ein Ort, der mir immer wieder die Augen öffnet, der mich konfrontiert. Ich glaube, beides zusammen – der Rückblick und die Durchlässigkeit – ist wichtig für mein Schreiben.

Welche Bedeutung hat der Bachmannpreis heute?

Für mich ist der Bachmannpreis eine Plattform, die Öffentlichkeit für Literatur herstellt – und das in so vielfältiger Weise, wie die Texte, die eingeladen und vorgetragen werden, sich eben auch unterscheiden; und genau das finde ich wichtig: Es gibt so viele Formen des Erzählens, und gerade die Unterschiede halten Literatur als Austauschraum lebendig.

Wie bereitest Du Dich nun auf Klagenfurt vor und auf was freust Du Dich besonders?

Ich freue mich auf den Austausch, das Wandern und den See; ich freue mich darauf, dass sich für ein paar wenige Tage wirklich alles um Texte, Sprachen und Schreibweisen drehen wird; und ich freue mich auf das Lesen, um meiner eigenen Geschichte Gehör zu verschaffen.

Herzlichen Dank für das Interview, viel Freude und Erfolg in Klagenfurt!

„Inge“ _ Hauptpreis _ Bachmannpreis

Bachmannpreis

1976 wurde nach einer Idee und auf Initiative des Autors und Journalisten Humbert Fink (* 13.8.1933 Salerno/I +16.5.1992 Maria Saal/Kärnten) und des damaligen Intendanten Ernst Willner ORF/Kärnten in Klagenfurt ein Literaturwettbewerb gegründet, dessen Hauptpreis nach der in Klagenfurt geborenen und begrabenen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (*25.6.1926 Klagenfurt +17.10.1973 Rom) benannt wurde.

Ingeborg Bachmann, Rom 1962

Der erste Bachmannpreisträger war 1977 Gert Jonke. Die aktuelle Preisträgerin 2025 ist Natascha Gangl.

Im Rahmen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt werden ebenso weitere Literaturpreise vergeben – Deutschlandfunk Preis, 3sat Preis, Carinthischer Sommer Stipendium, BKS Publikumspreis.

Der Bachmannpreis, Tage der deutschsprachigen Literatur, findet jährlich Ende Juni/Juli in Klagenfurt statt.

„Drei Wege zum See“ _ Ingeborg Bachmann outdoors _
szenische Wanderung am Weg der Erzählung zum Wörthersee _
Walter Pobaschnig/Alina Nedwed 2016-2020

Foto: Ingeborg Bachmann _ Heinz Bachmann

Foto: Magdalena Schrefel _ Stefanie Kulisch

Fotos: Bachmannpreis/Klagenfurt/Kreuzbergl _ Walter Pobaschnig

Walter Pobaschnig, 1.6.26

https://literaturoutdoors.com

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