„Undine verkörpert die Sehnsucht des Menschen“ Hannelore Schmid, Schauspielerin _ acting „Undine geht“ _ Wien 31.8.2022

Hannelore Schmid, Schauspielerin _Wien _
acting „Undine geht“, Ingeborg Bachmann_Erzählung_

In “Undine geht” wird ein Wesen, ein Glaube, eine Liebe so gut beschrieben, dass es schwer fällt dazu noch etwas zu sagen. Besser als mit Ingeborg Bachmanns Worten, kann man es nicht sagen.

„Ihr Menschen! Ihr Ungeheuer!“

Undine verkörpert die Sehnsucht der Menschen nach etwas, das sie als ursprünglich begreifen, das losgelöst ist von Zweckmäßigkeit und rationalem Verständnis – gleichzeitig die Angst davor und die daraus resultierende Abwertung und Ablehnung. Was sich nicht nutzen lässt, wird ausgelöscht.

„Immer, wenn ich durch die Lichtung kam und die Zweige sich öffneten, wenn die Ruten mir das Wasser von den Armen schlugen, die Blätter mir die Tropfen von den Haaren leckten, traf ich auf einen, der Hans hieß. Ja, diese Logik habe ich gelernt, dass einer Hans heißen muss, dass ihr alle so heißt, einer wie der andere, aber doch nur einer.“

Die romantische Liebe kann verloren gehen, aber in Gestalt eines anderen wieder auftauchen. Für Undine sind alle Menschen eins. Sie nimmt keinen aus und jeder kennt ihren Ruf.

„Tauchen, ruhen, sich ohne Aufwand von Kraft bewegen – und eines Tages sich besinnen, wieder auftauchen, durch eine Lichtung gehen, ihn sehen und „Hans“ sagen.“

Die Menschen fliehen in ihre Welt der Berechenbarkeit und Undine muss zurück an den Ort, an dem es keinen Halt gibt, bis wieder einer wagt, sie zu rufen.

„Guten Abend.“

„Guten Abend.“

„Wie weit ist es zu dir?“

„Weit ist es, weit.“

„Und weit ist es zu mir.“

Ein sehr ehrlicher Anfang wie ich finde.

„Einen Fehler immer wiederholen, den einen machen, mit dem man ausgezeichnet ist.“

Das kann man nur einfach so stehen lassen.

„Denn ich habe die feine Politik verstanden, eure Ideen, eure Gesinnungen, Meinungen, die habe ich sehr wohl verstanden und noch etwas mehr. Eben darum verstand ich euch nicht. Ich habe die Konferenzen so vollkommen verstanden, eure Drohungen, Beweisführungen, Verschanzungen, dass sie nicht mehr zu verstehen waren.“

„Und du hast geredet, mein Geliebter, mit einer verlangsamten Stimme, vollkommen wahr und gerettet, von allem dazwischen frei, hast deinen traurigen Geist hervorgekehrt, den traurigen großen, der wie der Geist aller Männer ist und von der Art, die zu keinem Gebrauch bestimmt ist. Weil ich zu keinem Gebrauch bestimmt bin und ihr euch nicht zu einem Gebrauch bestimmt wusstet, war alles gut zwischen uns. Wir liebten einander. Wir waren vom gleichen Geist.“

„Ich bin nicht gemacht um eure Sorgen zu teilen. Diese Sorgen nicht! Wie könnte ich sie je anerkennen, ohne mein Gesetz zu verraten? Wie könnte ich je an eure Verstrickungen glauben? Wie euch glauben, solange ich euch wirklich glaube, ganz und gar glaube, dass ihr mehr seid als eure schwachen, eitlen Äußerungen, eure schäbigen Handlungen, eure törichten Verdächtigungen.“

„Verräter! Wenn euch nichts mehr half, dann half die Schmähung. Dann wusstet ihr plötzlich, was euch an mir verdächtig war, Wasser und Schleier und was sich nicht festlegen lässt. Dann war ich plötzlich eine Gefahr, die ihr noch rechtzeitig erkanntet und verwünscht war ich und bereut war alles im Handumdrehen.“

Wir Menschen, die wir Hans heißen, versuchen unseren kindlichen Glauben, unsere Gefühle, unsere tiefsten Sehnsüchte und inneres Wissen, zu ersetzten durch Rationalität. Die Suche nach absoluten Wahrheiten hat ein absurdes Ausmaß angenommen. Darin stehen wir den Alchimisten, Gottesmänner und Universalgelehrten der Vergangenheit um nichts nach.

„Wohl euch! Ihr werdet viel geliebt, und es wird euch viel verziehen. Doch vergesst nicht, dass ihr mich gerufen habt in die Welt, dass euch geträumt hat von mir, der anderen, dem anderen, von eurem Geist und nicht von eurer Gestalt, der Unbekannten, die auf euren Hochzeiten den Klageruf anstimmt, auf nassen Füßen kommt und von deren Kuss ihr zu sterben fürchtet, so wie ihr zu sterben wünscht und nie mehr sterbt: ordnungslos, hingerissen von höchster Vernunft.“

Unser Wunsch, unsere Angst und das Wissem um beider Unerfüllbarkeit.. Sind es nicht diese Momente, die uns fehlen, wenn wir für alles eine Lösung haben?

„Gut war trotzdem euer Reden, euer Umherirren, euer Eifer und euer Verzicht auf die ganze Wahrheit, damit die halbe gesagt wird, …

„Gegen Eigentum habt ihr gestritten und für Eigentum, für die Gewaltlosigkeit und für Waffen …“

An Aktualität kaum zu übertreffen.

„Ach, so gut spielen konnte niemand, ihr Ungeheuer! Alle Spiele habt ihr erfunden, Zahlenspiele und Wortspiele, Traumspiele und Liebesspiele.“

„Nie hat jemand so von sich gesprochen. Beinahe wahr. Beinahe mörderisch wahr. Übers Wasser gebeugt, beinah aufgegeben. Die Welt ist schon finster, und ich kann die Muschelkette nicht anlegen. Keine Lichtung wird sein. Du anders als die anderen. Ich bin unter Wasser. Bin unter Wasser.“

Am Ende findet Undine die Liebe, für die sie steht, und scheitert an ihr wie die Menschen.

„Beinahe verstummt, beinahe noch den Ruf hörend.

Komm. Nur einmal. Komm.“

Hannelore Schmid, Schauspielerin _Wien _
acting „Undine geht“, Ingeborg Bachmann_Erzählung_

Station bei Ingeborg Bachmann_

Hannelore Schmid, Schauspielerin _Wien _
acting „Undine geht“

Performance/Kostüm/Location_Hannelore Schmid

Regie und alle Fotos_ Walter Pobaschnig

Undine geht _Erzählung _ Ingeborg Bachmann _1961

Walter Pobaschnig 8_22

https://literaturoutdoors.com

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