„dass diese Spezies immer schon nimmersatt, amoralisch, bigott, martialisch, kurz: ein Desaster war“ Nikola Anne Mehlhorn, Schriftstellerin _Kronprinzenkroog/Nordsee D 22.6.2022

Liebe Nikola Anne, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Allerorts sind Endmoränen der Coronakrise zu finden, überlagert von der Ukrainekatastrophe: Verschobene Termine schichten sich zu Clustern, Erschöpfung ringsum, irritierte Kinder und Jugendliche.

Insofern besteht mein Tagesablauf aktuell aus Abarbeiten, Reden, Aufarbeiten, Erklären – und Freuen, dass die absurden Pandemierestriktionen zumindest derzeit inexistent sind. Jeden Tag starte ich aber mit einer (zumindest kurzen) Schreibflucht, die mich erlöst von der realen Welt, indem sie mir das Abtauchen in eine andere, bessere ermöglicht.

Nikola Anne Mehlhorn_Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

  1. Blick zurück auf die Karriere des schlechten Menschengeschlechts:) der zeigt, dass diese Spezies immer schon schlecht war: pestilenzisch, nimmersatt, amoralisch, bigott, martialisch, kurz: ein Desaster.
  2. Die eigene Resilienz stärken, indem man sich seines Wertesystems versichert und konsequent danach lebt. Das Gleiche wünsche ich Europa, um stärker und überzeugter in diesen irren Zeiten agieren zu können.
  3. Helfen, wo es geht. Aktive Unterstützung hilft auch den Helfenden. Passivität vergiftet.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Während der Coronakrise hat mich speziell die Marginalisierung der Kultur geschockt. Insbesondere: Wie willfährig die Künstler:innen diese akzeptiert haben. Bis auf Geldforderungen oder andere Klagen materieller Art kamen kaum Reaktionen aus der Kulturszene, geschweige denn Renitenz. Dabei sollten Literatur, Kunst, Musik gerade in Krisenzeiten Kompasse sein, Seelennahrung! „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ (5 Mos 8,3, Mt 4,4) schien urplötzlich vergessen, Hofnarretei, die im Ernstfall systemirrelevant ist – diese jähe Entwertung hat mich zutiefst verunsichert. Insofern ist jetzt ein Konturenziehen und Bemessen für Politik und Kulturschaffende dringend notwendig. Als Lehre aus dem Pandemiedesaster nehme ich, dass Künstler:innen mental und materiell unabhängig von der Gunst der Gesellschaft sein sollten! Förderlich in diesem Kontext wäre das Bedingungslose Grundeinkommen, für das ich schon schmerzhaft lange plädiere.

Was liest Du derzeit?

Ulrich Schnabel: Zuversicht. Außerdem meine Novelle EinmachEngel, die aktuell vertont wird (Uraufführung 2023). Und immer wieder tröstlich: Candide oder der Optimismus (Voltaire).

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Von meiner geliebten, längst verstorbenen, aber durch dieses Zitat verewigten Großmama: „Man muss sich ZWINGEN, das Positive zu sehen!“

Vielen Dank für das Interview liebe Nikola Anne, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Nikola Anne Mehlhorn_Schriftstellerin

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Foto_G2 Baraniak

14.6.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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