„Romantisch (wider Willen)“ Rebecca Richter, Schauspielerin _ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 20.3.2022

Rebecca Celine Richter _ Schauspielerin _ Wien _
reenacting _ Romy Schneider

Liebe Rebecca, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Als ich das erste Mal Sisi gesehen habe (Kaiserin Elisabeth hat mich immer schon fasziniert und ich habe sämtliche Filme gesehen und Bücher gelesen, die ich finden konnte – auch wenn Romys Sisi natürlich sehr weit weg von der realen Kaiserin ist) hab ich mir gewünscht so zu sein wie sie. Anmutig, schön und stark, diese Rolle war für mich als kleines Mädchen ein Vorbild und das ist sie eigentlich bis heute noch…

Wie siehst Du Werk und Leben von Romy Schneider?

Ich muss gestehen, dass ich mich mit Romy Schneider bis dato noch nicht so viel beschäftigt habe wie ich es möchte. Was ich dazu sagen kann (aufgrund von diversen Interviews und Filmausschnitten, die ich gesehen habe) – ich sehe sie als sehr tragische, authentische, starke aber auch melancholische und wunderbare Frau, an deren Natürlichkeit ich mich gerne orientieren möchte.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Den ersten Film und die erste Berührung, die ich mit Romy Schneider hatte, war ihre Rolle als Sisi. Auch wenn sie zeitlebens der „schönen, entzückenden Kaiserin“ den Rücken kehren und aus dem Klischee des braven, lieben Mädchens ausbrechen wollte, war ich seit ich den Film das erste Mal gesehen habe sehr fasziniert von ihrer Ausstrahlung, ihrer Stimme, ihrer Sprache und ihrer unglaublichen Schönheit und Natürlichkeit. Romy Schneider zeigte so viele Emotionen durch ihre Augen – und das hat mich schon damals, trotz oder vor allem wegen ihres jungen Alters sehr fasziniert.

Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Schauspielprojekten?

Bis jetzt nicht, nein. Zumindest nicht bewusst…



Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?

Schwierig zu sagen, da ich selber noch sehr jung bin und noch nicht lange in diesem Beruf. Ich denke aber, dass es vor allem in künstlerischen Berufen sehr schwierig ist, eine gute Balance zwischen Job und Privatleben zu finden. Aber so ist das Leben ja sowieso: manchmal muss man Opfer bringen, schwere Entscheidungen treffen und sich mal auf das eine mal auf das andere fokussieren, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Besonders schwierig stelle ich mir, vor eine Familie zu haben für die man da sein möchte aber trotzdem auch als Künstler brillieren – ob Romy Schneider da ein gutes Mittelmaß gefunden hat, kann ich nicht sagen. Das muss jeder für sich selber entscheiden…

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?

Ich denke, dass es als Künstler immer noch am wichtigsten ist, sich selber treu zu bleiben und das zu machen womit man sich selbst verwirklichen kann. Nicht wer oder was am meisten Geld einbringt, sondern das, was einem das Gefühl gibt sich selbst oder anderen Menschen etwas Gutes getan zu haben… Was einem Freude bereitet und wodurch man sich lebendig fühlt.


Man verändert sich mit der Zeit und diese Veränderungen heißen auch, dass man unter manchen Dingen einen Schlussstrich setzen muss. Weiterzuziehen und einen Neuanfang wagen.

Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?

Schwer zu beantworten, da ich selber keine gebürtige Wienerin bin.

Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier im Schauspielberuf gemacht?

Seit ich mich dafür entschieden habe etwas Künstlerisches beruflich zu machen wusste ich, dass ich sofort nach der Schule nach Wien ziehen möchte. In Wien habe ich mich immer zuhause und gut aufgehoben gefühlt – die Stadt hat etwas Magisches, so viel Geschichte und so viele Möglichkeiten. Außerdem sind die Menschen zum größten Teil viel offener als am Land wo ich herkomme und das hat mir immer gut gefallen. Auch als Schauspieler findet man hier so viele Gleichgesinnte und man wird nicht belächelt wenn man sagt man möchte sein Hobby zum Beruf machen. Auch wenn ich meinen individuellen, künstlerischen Weg noch nicht ganz gefunden habe, weiß ich dass ich hier richtig bin und mit ein wenig mehr Selbstvertrauen aufblühen kann. 

Wie siehst Du die Möglichkeiten als junge Schauspielerin in Wien/Österreich?

Sagen wir so – kennst du die richtigen Menschen stehen dir sehr viele Türen offen. Das finde ich sehr, sehr schade und auch ein wenig problematisch. Ich habe oft das Gefühl, dass Fleiß und Talent alleine nicht viel bringen, wenn man nicht die richtigen Kontakte knüpft. Und da tu ich mir – zu meinem großen Bedauern – leider echt ein wenig schwer.

Auch habe ich in manchen Theatern die Erfahrung gemacht (als Zuseher), dass man zunehmend „versucht“ feministisch zu sein, aber dann trotzdem fünfmal mehr Männer castet ,die auf der Bühne über Feminismus reden und diskutieren anstatt manche dieser Rollen einfach mal mit Menschen, die sich als Frau identifizieren zu besetzen.

Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?

Mehr Offenheit bei Castings – weniger „Typecasting“, mehr Wagnis. Und mehr Möglichkeiten für Frauen!

Was sind Deine kommenden Projekte?

Zusammen mit einer lieben Freundin und einem meiner engsten Freunde spiele ich Norway.Today im Dschungel in Wien – das erste Projekt, das wir komplett selber auf die Bühne bringen (Regie, Produktion, Bühne und Kostüm) darauf freue ich mich sehr. Außerdem geht es über den Sommer wieder nach Berlin – „Die letzten Tage der Menschheit“ und „Alma“ bei Paulus Manker.

Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?

Ich bin ja selber noch relativ aus der Schule, aber etwas was mir eine tolle Lehrerin damals gesagt und was ich selber noch lernen muss (aber immer mehr merke wie wichtig diese Erkenntnis ist) „Schauspielen ist nicht alles“.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Wahrscheinlich etwas wie… „Bereuen Sie radikale Entscheidungen die Sie getroffen haben? War es das Schauspielerleben wert?“

Was kann eine junge Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Keine Angst vor Veränderung haben. Auch wenn dir viele davon abraten – hör in dich hinein und tue das was dein Herz dir sagt.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?

anm. ich musste googlen was ein Achrostikon ist aber denke dass ichs nicht wirklich richtig gemacht habe…man möge mir verzeihen. J

R omantisch (wider willen)

O hnegleichen

M elancholie

Y in und Yang

Rebecca Celine Richter _ Schauspielerin _ Wien _
reenacting _ Romy Schneider

Herzlichen Dank, liebe Rebecca, für Deine Zeit in Wort und szenischer Darstellung! Viel Freude und Erfolg für alle Schauspiel-, Kunstprojekte!

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Rebecca Celine Richter _ Schauspielerin _ Wien

https://rebeccarichter-actress.com/

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien

Hotel am Stephansplatz_Wien _ 13.2.2022

https://literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig 2_22

Ein Gedanke zu „„Romantisch (wider Willen)“ Rebecca Richter, Schauspielerin _ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 20.3.2022

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