„Wohin, wenn das eigene Zuhause komplett zerstört wurde?“ Joshua Clausnitzer, Schriftsteller _ Meckenheim/D 3.3.2022

Lieber Joshua, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich stehe morgens auf und lese (wie immer) die Zeitung und trinke dabei einen Kaffee. In letzter Zeit bin ich erschüttert, mit welcher Härte Putin den Krieg in der Ukraine vorantreibt! Bereits an dieser Stelle möchte ich das klare Statement setzen: Stop War! Make Love, Not War!

Mittags esse ich und begebe mich dann zu meinem Laptop, um meinen (noch nicht veröffentlichten) Roman zu verfeinern, welcher in Folge eines Literaturstipendiums entsteht! Zudem gilt die alltägliche PC-Arbeit, wie Lesungen vorbereiten, planen, E-Mail Verkehr und Schreibwettbewerbe/Literaturausschreibungen. Nach der beendeten Arbeit mache ich (wie immer) viel Sport zum Ausgleich, sei es Laufen, Kraft-Übungen, Tischtennis oder Spazieren gehen, frische Luft tut immer gut! Anschließend falle ich ,,kaputt“ ins Bett und mache mir meistens dennoch Gedanken über meine ,,Erkenntnisse des Tages“, welche ich regelmäßig bei Instagram und Facebook hochlade.

Joshua Clausnitzer, Schriftsteller

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Auch wenn es verdammt schwerfällt, Ruhe und Besonnenheit! Wir müssen gemeinsam stark bleiben, Zeichen setzen und dürfen uns nicht unterkriegen lassen. Das gilt für alle Menschen in und außerhalb der Ukraine genauso für das Corona-Virus, welches aufgrund der aktuellen Ereignisse in Vergessenheit geraten zu scheint… Es ist aber immer noch da! Gemeinsam schaffen wir das, davon bin ich absolut überzeugt. Mit einer klaren Meinung und einem klaren Geiste ist bereits viel gewonnen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Der Aufbruch und Neubeginn ist zunächst etwas, was nicht unbedingt erwünscht gewesen ist, ich sehe aber eine große Chance für alle, insbesondere uns Künstler/innen! Jetzt müssen wir unsere Stimmen, unsere Worte, unsere Schriften und Taten umso mehr erheben, der Neubeginn kann alte, ,,schwache“ Strukturen zusammenschweißen! Deswegen bin ich überzeugt, dass jeder Künstler weiterhin Auftritte, Lesungen, Installationen, Interviews etc. wahrnehmen sollte! Ich werde das so handhaben. Ganz bestimmt werden wir uns nicht unsere Handlungen und Worte verbieten lassen. Die Kunst muss jetzt umso mehr die Stimme des Volkes sein. Es klingt vielleicht hart, aber nie waren die Künstler mehr gefragt, um ein Zeichen zu setzen, gegen Krieg, gegen Rassismus, gegen Größenwahn und gegen Machenschaften, die erst langsam ihre Entfaltung erleben. Deswegen bin ich auch der Meinung, dass wir Künstler mehr gefördert werden müssen. Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie wichtig die Künstler-Szene für die Gesellschaft ist!  

Was liest Du derzeit?

Zurzeit bin ich tatsächlich (zum Glück) dermaßen beschäftigt, dass ich nicht mehr dazu komme, ein Buch zu lesen. Wenn ich ein Buch lese, möchte ich diesem auch die volle Aufmerksamkeit schenken! Ich bin aber gerne offen für Buchvorschläge, also immer her damit :)!

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Ein paar Zeilen aus meinem Kurztext ,, Die Flucht“ (erschienen in meinem dritten Buch ,,Worte ohne Grenzen“, 2018) Wohin, wenn das eigene Zuhause komplett zerstört wurde? Flüchtlinge sind wir schon längst alle, ob wir es wahrhaben wollen oder nicht. Wir fliehen alle, weg von den alltäglichen Sorgen. Wir wünschen uns Geborgenheit in der Einsamkeit. Ist nicht genau das, was uns alle verbindet? Der Wunsch nach Geborgenheit. Gemeinsam, statt einsam, wäre vieles leichter. Also lasst uns gemeinsam, nicht  einsam, die Flucht zu einer Reise mit Ziel machen!

Joshua Clausnitzer, Schriftsteller

Vielen Dank für das Interview lieber Joshua, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Joshua Clausnitzer, Schriftsteller

Fotos_Dirk Gräper

1.3.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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