„Nicht die Solidarität entsorgen“ Meinhard Rauchensteiner, Schriftsteller _ Wien 2.3.2022

Lieber Meinhard, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Der Tagesablauf ist ein wenig ruhiger geworden. Es findet weniger statt oder der – auch soziale – Druck, überall dabeisein zu müssen hat nachgelassen. Es ist wesentlich selbstverständlicher geworden, nicht da oder dort zu sein, nicht auf jedem Kirtag zu tanzen. Es ist, wie bei vielen anderen auch, irgendwie einsamer geworden, was gute wie auch schlechte Seiten hat.

Meinhard Rauchensteiner_Schriftsteller, Filmemacher, Beamter

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Das Wichtigste ist, dass wir genau hinsehen und nicht den Fehler begehen, aus den Veränderungen der letzten zwei Jahre genau das mitzunehmen, was widerlich ist und das Wertvolle zurückzulassen. Also beispielsweise die globale Konsum-Idiotie wieder voll anzukurbeln und die bürgerlichen Freiheitsrechte weiter eingeschränkt lassen. Das Misstrauen zu erhalten und die Solidarität zu entsorgen. Aber leider werde ich das Gefühl nicht los, dass eben gerade die positiven Aspekte der Pandemie vergessen und die negativen zur neuen Normalität stilisiert werden.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Der Literatur oder der Kunst im Allgemeinen kommt gar keine Rolle zu. Sie tut das, was sie immer tut. Und das ist gut so, denn das Kommentieren des Alltags ist nicht ihre Aufgabe, und das Verbessern der Welt sollte man Predigern überlassen, die kennen sich da aus.

Was liest Du derzeit?

Zurzeit lese ich „Rombo“ von Esther Kinsky. Sie handelt das Erdbeben im Friaul des Jahres 1976 ab, ein Ereignis, an das ich mich noch gut erinnern kann. Ihr Protagonist ist die Natur, sind die Steine und Flüsse, die Pflanzen und dann irgendwann auch die Menschen. So wie es im Grunde war und immer sein wird.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Darum prüfet alles und das Gute behaltet – Paulus

Die Zeit fließt manchmal in Tropfen – Musil

Meinhard Rauchensteiner_Schriftsteller, Filmemacher, Beamter

Vielen Dank für das Interview lieber Meinhard, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literatur-, Film- Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Meinhard Rauchensteiner_Schriftsteller, Filmemacher, Beamter

Alle Fotos_Ingo Petramer

23.2.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s