„Künstler*innen müssen sich selbst finanzieren, um überhaupt durchzukommen“ Simone Schulz, Künstlerin _ Untermarchtal/D 28.2.2022

Liebe Simone, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Möglichst geregelt. Das verlangt Selbstdisziplin. Ich schreibe  an einem Buch und stehe unter Druck, es zu veröffentlichen. Ansonsten habe ich viel Arbeit mit dem alten Haus in dem ich lebe.

Simone Schulz, Künstlerin _
Das Foto ist von Tobias Meinhold aus Biberach, anlässlich eines Atelierbesuches im Mai 2020 für die Biberacher „Show die es nie geben dürfte“.

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Bescheidenheit einzuüben. Weg von einer überzogenen Anspruchshaltung. Alte Sachen wieder lernen, gesund kochen, sich selber ohne Motorisierung fortzubewegen, den Kindern auch mal Verzicht auf Materielles beibringen. Klar wäre wichtig, einander nicht allein zu lassen. Aber das passiert. Also muss man fertigwerden damit. Auch da mit den Ansprüchen runter und sich in den anderen hineinfühlen. Mitgefühl ist wichtig.

Doch es ist nicht gut, die Selbstwahrnehmung aufzugeben und nur noch für andere da sein.

In der Gesellschaft, in der ich mich wohlfühle, kommt jeder zu Wort. Persönlichkeit wird gebildet, Berufung erkannt und gelebt.

Egoismus ist oft verbunden mit mangelndem Gefühl für Identität.

Egoismus beutet die Erde aus und nimmt. Identität ist verbunden mit der Freude über die Persönlichkeit des Nächsten und tritt ohne Angst ums Ich in Kontakt.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Kunst an sich zu?

Mein Eindruck ist der, dass Kunst zunehmend eine Spielwiese der oberen Zehntausend und einem kleinen Kreis Eingeweihter geworden ist. Künstler müssen sich selbst finanzieren, um überhaupt durchzukommen. Das gelingt nur bei sehr gutem Sponsoring und schließt sehr viele aus, die durchaus etwas zu bieten hätten.

Als Mediathek- Konsumentin bekomme ich einen recht überschaubaren Kreis an Schauspielern geboten, die in wechselnden Filmen und Rollen immer wieder auftauchen.

Wo sind die anderen?

Bildende Künstler, die in Museen ausstellen, bedienen Erwartungen eines kleinen Kreises, der sich zunehmend abschottet.

Wenn Künstler  mit ihrer Arbeit viele Leute erreichen wollen:  Formate wie Musicals und Popkonzerte, Computerspiele, Netflix und TV-Serien mit denen sehr viele Menschen erreicht werden, könnten künstlerisch aufgewertet werden. Das wäre eine Chance für Kunst, in aller Gesellschaft zu bleiben.

Ganz kurz: Raus aus der Blase.

Was liest Du derzeit?

Rechercheliteratur für mein Schreiben im Format Roman mit historischem Hintergrund.

Anna Katharina Hahn: Am schwarzen Berg und Aus und davon

Lukas Rietschel: Raumfahrer

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Raus aus der Blase.

Werdet bescheiden, werdet wieder SchülerInnen, sucht euch immer wieder Lernstoff.

Lernt zuzuhören. Aber nicht nur den „Päpsten“.

Vielen Dank für das Interview liebe Simone, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Simone Schulz, Künstlerin

http://www.simone-schulz.de/Vita.html

Foto_Tobias Meinhold

20.10.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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