„Ich würde Romy Schneider sagen, dass sie ein Geschenk ist“ Michaela Khom, Sängerin, Schauspielerin _ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 16.2.2022

Michaela Khom, Sängerin, Schauspielerin _ Wien _
reenacting Romv Schneider

Liebe Michaela, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Ich glaube, ich bin durch die Sissi Filme auf sie aufmerksam geworden und ich konnte es nicht fassen, wie man so schön sein kann. Noch weniger verstanden habe ich, dass man so schön und doch so unglücklich sein kann.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Natürlich, die Sissi Trilogie ist ein Klassiker, die liebe und schätze ich und habe ich vermutlich schon zehnmal gesehen. Aber auch die anderen (frühen) Filme habe ich sehr gerne geschaut, die späteren Filme weniger, die waren mir zu düster, da ist wohl sehr viel ihrer privaten Geschichte hineingeflossen.

Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Musik-, Schauspielprojekten?

Bisher bin ich beruflich noch nicht mit ihren Filmen oder ihrer Biografie in Berührung gekommen. Aber eine gewisse Vorbildwirkung ist doch da, ich finde die Art wie sie gespielt hat, sehr schön ehrlich und reduziert.

Ich mag es, wenn SchauspielerInnen einfach sind und nicht darstellen. Auch wenn man eine Rolle spielt und nicht sich selbst, ist das ehrliche im Moment sein, ohne irgendwie wirken zu wollen für mich die höchste Kunst.

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Öffentlichkeit und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie im künstlerischen Beruf an sich?

Der Schauspielberuf und das Leben in der Öffentlichkeit ist ein Spannungsverhältnis an sich. Das war nicht nur für Romy Schneider eine Herausforderung. Die große Spannung besteht darin, bei sich selbst zu sein, man selbst zu sein und gleichzeitig (zu glauben) jemand sein zu müssen, besonders zu sein, sich abheben zu müssen.

Einerseits ist es unglaublich schwierig diese Arbeit zu machen, ohne die öffentliche Anerkennung zu bekommen, die einem das Gefühl gibt, auf dem richtigen Weg zu sein und die sich natürlich auch finanziell widerspiegelt, andererseits ist öffentliche Aufmerksamkeit auch etwas sehr Unangenehmes: Das kindliche Spiel und die Neugier können leicht verloren gehen, weil man glaubt man muss so oder so sein.

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten und Risiken persönlichen Entwicklungsweges im Kunstberuf?

Es ist leicht, das zu tun, was immer gut funktioniert hat. Abgetretene Pfade zu verlassen und sich in neuen Facetten zu zeigen und auszuprobieren erfordert Mut, ist aber das Schöne am Künstlerberuf. Letztlich kann niemand anders bestimmen wer man ist. (Oft kann man das nicht mal selbst, denn sobald man sich ein Bild von sich selbst gemacht hat, hat man sich schon wieder weiterentwickelt.)

Wichtig ist es, Ideen und Impulsen zu folgen und sie nicht aufzuschieben.                                                

Mein Leitfaden ist immer die Kreativität – die muss sich nicht zwingend in der Musik oder im Schauspiel zeigen, das beginnt schon damit, wie ich morgens aus dem Bett steige.

Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?

Eigentlich assoziiere ich Romy Schneider gar nicht so sehr mit Wien, aber wenn ich eine Gemeinsamkeit suchen müsste, dann wäre das die Melancholie.

Romy Schneider ist für mich der Innbegriff einer melancholischen Frau und Wien kann einen wohl manchmal auch sehr melancholisch stimmen.

Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier im Musik-, Schauspielberuf gemacht?

Wien bedeutet mir sehr, sehr viel. Ich habe hier eine künstlerische Heimat gefunden. Nach mehr als zehn Jahren in Wien fühle ich mich auch schon mehr als Wienerin, als Steirerin.

Wien ist pure Inspiration, ich schreibe ja auch „moderne Wienerlieder“, die sich nicht nur sprachlich, sondern von der Grundstimmung gut ins Wienerische einordnen.

Wie siehst Du die Möglichkeiten als junge Musikerin, Schauspielerin in Wien/Österreich?

Für junge KünstlerInnen ist die Zeit, die wir erleben nicht gerade die leichteste. Alles ist noch ungewisser, als es unter normalen Umständen schon wäre, Veranstalter bauen auch mehr auf Altbewährtes („Stars“), um sich irgendwie abzusichern und das Publikum wieder mehr ins Theater, in die Konzertsäle zu locken, keiner möchte ein Risiko eingehen.

Und trotzdem sollte man sich nicht auf diese schwierige Lage ausreden. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten sich künstlerisch zu verwirklichen, Kunst wurde schon unter ganz anderen Umständen geschaffen. Augen offenhalten, weitermachen und sich nicht in das kollektive Selbstmitleid hineinziehen lassen!

Was wünscht Du Dir für den künstlerischen Beruf?

Ich wünsche mir für meinen künstlerischen Beruf eigentlich nur, dass ich immer mehr zu meiner Kunst finde. Ich probiere sehr viel aus und ich glaube irgendwann werde ich genau das machen, was mich ausmacht.

Was sind Deine kommenden Projekte?

Momentan spiele ich wieder an der Theater Arche die Rilke-Collage „Wie ist es möglich da zu sein?“ (Das haben wir im Mai schon gespielt.) Ich fange aber schon langsam an, mich gesanglich auf meine Sommer-Engagements vorzubereiten, die sehr herausfordernd sein werden, aber auf die ich mich unheimlich freue. Mein größtes Projekt ist jedoch das neue Programm für mein Musikkabarett-Duo (Die Duetten). Nachdem wir Ende 2019 unser Debütalbum rausgebracht haben, ist es wieder Zeit für etwas Neues und wir sind da auch sehr fleißig am Arbeiten. Das ist eine Arbeit, die mich sowohl menschlich als auch künstlerisch bereichert und Energie gibt.                                                                     

Meine freie Zeit widme ich eigentlich auch der Kunst, nämlich jener, an die ich keinerlei professionellen Anspruch stelle: ich habe angefangen Trompete zu spielen und male, manchmal auch gleichzeitig.

Was möchtest Du Musik-, Schauspielstudenten*innen mitgeben?

….einfach machen, schon in der Ausbildung für das eigene Tun Verantwortung übernehmen, sich von niemandem in eine Schublade drängen lassen. Ich habe selbst auch schon einige junge StudentInnen in ihrer Ausbildung begleitet und bin Menschen mit mehr oder weniger Talent begegnet, wenn man das so nennen mag. Manche haben ihr Handwerk besser, andere schlechter beherrscht, aber das alles war für mich immer zweitrangig. Wesentlich ist, ob jemand eine Idee hat, eine Botschaft, irgendeinen Gedanken, den man mit der Welt teilen will.

Es gibt für ALLES ein Publikum, komme ich immer mehr drauf und ich möchte auch in der Kunst gar nicht mehr zwischen gut und schlecht unterscheiden. Wichtig ist, dass man meint was man tut und dazu stehen kann.

Viele wissen nicht wer sie sein wollen, weder im Leben noch auf der Bühne. Wenn man das selbst nicht weiß, wer soll es einem sagen? Romy Schneider hat das ganz gut gemacht, sie hat sich vermutlich anfangs leiten lassen, aber ist dann schnell ihren eigenen Impulsen gefolgt (zumindest beruflich), privat hat sie sich wohl eher in eine gewisse Abhängigkeit begeben.

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Ich würde ihr sagen, dass sie ein Geschenk ist.

Was kann eine junge Musikerin, Schauspielerin wie Du von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Künstlerbiografien jeglicher Art sind für junge KünstlerInnen oft eine gute Orientierungshilfe. Herausforderungen und Erfolge bei anderen zu sehen, motiviert und ermutigt einerseits, zeigt andererseits aber auch, dass jeder und jede den eigenen Weg in der eigenen Zeit finden darf. Romy Schneiders Biografie bestätigt auf traurige Weise, dass Schönheit und Erfolg allein nicht glücklich machen können, da gehört so viel mehr dazu. Ich hätte ihr ein genauso erfülltes Privatleben gewünscht und auch, dass ihr diese Schicksalsschläge erspart geblieben wären…

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?

R-ASTLOS

O-FFENHERZIG

M-ÄDCHENHAFT

ALBACH-RETT-Y

Michaela Khom, Sängerin, Schauspielerin _ Wien _
reenacting Romv Schneider

Herzlichen Dank, liebe Michaela, für Deine Zeit in Wort und szenischer Darstellung! Viel Freude und Erfolg für alle Schauspiel-, Musik- und Kunstprojekte!

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Michaela Khom, Sängerin, Schauspielerin

http://michaela-khom.at/

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien

Hotel am Stephansplatz_Wien _ 11.2.2022

https://literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig 2_22

Ein Gedanke zu „„Ich würde Romy Schneider sagen, dass sie ein Geschenk ist“ Michaela Khom, Sängerin, Schauspielerin _ 40.Todesjahr Romy Schneider _ Wien 16.2.2022

  1. Der erste Film meines Lebens war Sissi – Romy Schneider wurde mir in den späteren Jahren sehr vertraut. Was Michaela Khom über Romy sagt, ist ausgezeichnet, wie auch die Fotostrecke, die ein wenig kürzer hätte sein können. Sag ich einmal als Textmensch.

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