„Romy Schneider folgte ihren Träumen und Bedürfnissen“ Nataya Sam. Schauspielerin_40.Todesjahr_Romy Schneider _ Wien 13.2.2022

Nataya Sam _ Schauspielerin _ Wien

Liebe Nataya, welche Bezüge, Zugänge gibt es von Dir zu Romy Schneider?

Bis zu dieser Woche eigentlich kaum welche. Wegen dieses Interviews habe ich mich in den letzten Tagen intensiver mit ihr auseinandergesetzt. Davor wusste ich nur, dass sie eine sehr erfolgreiche und berühmte Schauspielerin war, die für die Sissi Filme bekannt ist.

Gibt es einen Film von Romy Schneider, den Du hervorheben möchtest und warum?

Ich habe leider nicht so viele gesehen bisher, deshalb gibt es da nicht wirklich einen. „Das wilde Schaf“ finde ich sehr interessant, die Beziehungen zwischen den Personen sind sehr eigen und spannend.

Gab es Berührungspunkte zu Werk und Leben Romy Schneiders in Deinen bisherigen Schauspielprojekten?

Nein gab es bisher noch nicht. Aber ich habe mich im Zuge einer Arbeit mal mit Hannah Arendt auseinandergesetzt, welche eine Aktion startete, die Abtreibung normalisieren sollte. Wie ich in Erfahrung gebracht habe, war Romy Schneider da dabei – das finde ich toll!

Wie siehst Du das Spannungsverhältnis von Leben und Schauspielberuf bei Romy Schneider wie an sich?

Ich denke bei Romy Schneider lief das Hand in Hand, ich glaube nicht, dass sie da eine Trennung gemacht hat. Ihre Entscheidungen als Schauspielerin waren auch ihre privaten Entscheidungen – also z.B. nach Frankreich zu gehen. In einem Interview sagt sie auch, dass sie spielen muss, sonst würde sie verrückt. Vor allem nach dem Tod ihres Sohnes.

An sich ist das Spannungsverhältnis, meiner Meinung nach, sehr eng. Als SchauspielerIn muss man gut auf die eigene Gesundheit achten, sowohl körperlich, als auch psychisch. Man spielt ja mit dem eigenen Körper, mit sich selbst; und wenn da bei dem einen was nicht stimmt, stimmt das andere auch nicht mehr.

Trotzdem finde ich es sehr wichtig, Berufliches von Privatem zu trennen, vor allem emotional. Sonst kommt man aus der Rolle gar nicht mehr raus und das ist ja nicht das Ziel.

Romy Schneider wechselte nach großen Schauspielerfolgen in den 1950er das Filmgenre wie das Land. Wie siehst Du die Möglichkeiten persönlichen Entwicklungsweges im Schauspielberuf?

Wenn einem die Möglichkeiten gegeben werden, dann kann man sich da bestimmt wunderbar entwickeln, mit jeder Rolle lernt man ja auch viel neues über sich selbst. Aber die Möglichkeiten hat man leider oft nicht.

Trotzdem geht man seinen Weg und das ist ja dann eigentlich der persönliche Entwicklungsweg, demnach man sich entwickelt.

Ich glaube, dass der Schauspielberuf einer der wenigen ist, die so viel persönliche Entwicklung zulassen. Alleine dadurch, dass man sich immer wieder mit neuen Themen auseinandersetzt, was übrigens auch ein großer Punkt ist, warum ich Schauspielerin geworden bin.

Was kann eine junge Schauspielerin von Romy Schneiders Werk und Leben mitnehmen?

Sie folgte ihren Träumen und Bedürfnissen und versuchte sich immer weiterzuentwickeln und nie stehen zu bleiben, wie sie in „Portrait eines Gesichts“ sagt.

Es war sehr mutig von ihr, immer wieder neue Wege einzuschlagen und ihren Zielen treu zu bleiben.

Sie machte es sich nicht leicht, also sie sagte auch selber, dass sie nicht den einfachsten Weg nahm.

Gibt es etwas typisch Wienerisches bei Romy Schneider?

Da fällt mir jetzt nichts ein. Sie fühlte sich eher als Französin, da könnte man ihr eher typische Eigenschaften zuordnen, wie das exzessive Rauchen z.B.

Du bist in Wien aufgewachsen. Was bedeutet Dir Wien und welche Erfahrungen hast Du hier im Schauspielberuf gemacht?

Wien ist einfach meine Stadt – ich liebe diese Stadt! Ich liebe das Theater und das Kino (ich wohne direkt beim einem) und die Museen.

Ich mag den Wiener Grant und den Humor. Und am allermeisten liebe ich die Kaffeehäuser! Das Tolle daran ist, dass man den ganzen Tag dort verbringen kann – vom Frühstück übers Mitttag- und Abendessen, bis hin zum Spritzer Trinken in der Nacht. Man kann dort lesen und lernen, Leute treffen und sich gut amüsieren.

In Wien habe ich mit dem Schauspiel begonnen. Zuvor habe ich noch Musicals bei teatro gespielt, aber dann mit 15 habe ich mich für die Schauspielerei entschieden. Ich habe einen Kurs an der Schauspielschule Kraus belegt und danach zwei Jahre in der Jungen / Offenen Burg gespielt.

Zum Studieren bin ich dann nach Graz gegangen – weswegen ich Wien auch vier Jahre lang vermisst habe. Jetzt bin ich froh, seit einem halben Jahr wieder hier zu sein und bald beginnen auch meine Engagements, worauf ich mich schon sehr freue!

Wie siehst Du die Möglichkeiten als junge Schauspielerin in Wien/Österreich?

Mir wurden glücklicher und zufälliger Weise gerade viele Möglichkeiten gegeben. Allgemein ist es jedoch schwierig: wenn man wo rein will, muss man viel Networking betreiben und es dauert, bis man da mal Fuß fasst. Da ist es natürlich einfacher, wenn man in Wien studiert hat. Ich hab durch mein Studium Kontakte in Graz, aber zum Glück auch in Wien bekommen.

Ich stehe noch am Anfang meiner (hoffentlich) Karriere, deswegen kann ich dazu noch gar nicht so viel sagen. Meine KollegInnen aus der Uni sind alle in Deutschland verstreut, also von denen kann ich leider auch keine Erfahrungen, was Wien betrifft, berichten.

Was wünscht Du Dir für den Schauspielberuf?

Ich wünsche mir Chancengleichheit, gerechte Gagen, respektvollen Umgang, dass niemand (bestimmte Gruppen) ausgeschlossen wird und was mich betrifft, dass es läuft und ich immer wieder neue Rollen bekomme. Eine Utopie eben, die aber meiner Meinung nach gerade in diesem Beruf möglich wäre.

Was sind Deine kommenden Projekte?

Ich habe ein paar Projekte, die Ende Jänner starten und bis Mai gehen. Leider kann ich noch nicht mehr dazu sagen, aber ich freue mich sehr! Es sind tolle Möglichkeiten und es wird bestimmt sehr viel Spaß machen und sehr viel Erfahrung bringen.

Was möchtest Du Schauspielstudenten*innen mitgeben?

Achtet auf euch! Man kann sich selbst schnell verlieren unter dem Druck, unter dem man oft auch persönlich steht. Wie ich schon gesagt habe, man arbeitet mit dem eigenen Körper, mit dem eigenen selbst, da müssen wir besonders achtsam sein, da geht schnell mal was kaputt. Außerdem ist es wichtig, nichts zu tun, was man nicht tun will – es gibt immer eine andere Lösung!

Was würdest Du Romy Schneider sagen, fragen wollen?

Ich würde gerne wissen, wie sie tatsächlich gestorben ist.

Darf ich Dich abschließend zu einem Romy Schneider Achrostikon bitten?

Rauchen

Oben ohne (in jedem Film den ich mit ihr gesehen habe, hat sie irgendwann kein Oberteil mehr an)

Mutig

Yves Saint Laurent – weil es in der italienischen Vogue eine Fotostrecke von dieser Marke mit Romy Schneider als Model gibt

Nataya Sam _ Schauspielerin _ Wien

Herzlichen Dank, liebe Nataya, für Deine Zeit in Wort und szenischem Porträt! Viel Freude und Erfolg für alle Theater-, Schauspiel-, Kunstprojekte!

40.Todesjahr _ Romy Schneider, Schauspielerin (*1938 Wien +1982 Paris) _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Nataya Sam _ Schauspielerin _ Wien

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien

Hotel am Stephansplatz_Wien _ 16.1.2022

https://hotelamstephansplatz.at/

https://literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig 1_22

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