„Dass wir nicht unbehelligt zur Tagesordnung zurückkehren“ Valentina Himmelbauer, Schauspielerin _ Wien 5.2.2022

Liebe Valentina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Sehr unterschiedlich! Wenn es nicht unbedingt sein muss, halte ich mich nicht gerne an immer gleiche Tagesabläufe, sondern ziehe es vor, mir meine Freiheiten zu bewahren – auch und gerade in alltäglichen Tätigkeiten. Eine zu starre Tagesstruktur würde mir als Persönlichkeit auch gar nicht entsprechen, sondern mich viel zu sehr einengen und letztlich auch meine Kreativität beschränken.  
Einzig das Frühstück und mein Morgengebet sind mir jeden Tag heilig. Dafür nehme ich mir auch gut eine Stunde Zeit.

Valentina Himmelbauer, Schauspielerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Geduld und Durchhaltevermögen – die Krise dauert an, viele sind müde geworden und es ist noch kein Ende in Sicht. Da ist es oft schwer, zuversichtlich zu bleiben.
Ganz unabhängig von der Pandemie ist es aber zu allen Zeiten besonders wichtig, liebevoll mit anderen, aber auch mit sich selbst umzugehen.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Theater/Schauspiel, der Kunst an sich zu?

Wichtig wird sein, ob wir diesen Neubeginn auch als solchen begreifen und in die Tat umsetzen können. Ich glaube, dass viele Menschen gerade zu Beginn der Corona-Krise das Gefühl hatten, einen Weckruf vernommen zu haben – eine Vollbremsung, die viele dazu ermuntert hat, einen Gang runter zu schalten, den Leistungsgedanken beiseitezuschieben und einfach nur zu sein. Der Weckruf spielte sich aber nicht nur auf persönlicher Ebene ab: Althergebrachtes wurde hinterfragt und kritisch in den Blick genommen – unser Umgang mit der Natur ist dabei nur ein Beispiel unter vielen. Ist es etwa wirklich notwendig für jeden Urlaub um den halben Globus zu fliegen? Einige haben diese Frage am Anfang der Pandemie – vielleicht auch gezwungenermaßen – mit Nein beantwortet. Entscheidend wird eben auch sein, dass wir die durch Corona gewonnenen Erkenntnisse nach Bewältigung der Krise nicht einfach verdrängen und unbehelligt zur Tagesordnung zurückkehren. Ob das gelingt, wird sich zeigen.

Hier sehe ich auch eine Aufgabe, die unter vielen anderen der Kunst zukommt: Missstände müssen aufgezeigt und auch als solche benannt werden, um zumindest im Bewusstsein des Publikums präsent zu sein und zu bleiben – das bereitet den Boden für notwendige Veränderungen.

Was liest Du derzeit?

„Simone de Beauvoir. Ein modernes Leben“ von Kate Kirkpatrick – sehr empfehlenswert und motivierend – nicht nur für Frauen 😉

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Man wird erst wissen, was die Frauen sind, wenn ihnen nicht mehr vorgeschrieben wird, was sie sein sollen.“ (Rosa Mayreder)

Valentina Himmelbauer, Schauspielerin

Vielen Dank für das Interview, liebe Valentina, viel Freude und Erfolg weiterhin für Deine großartigen Schauspielprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Valentina Himmelbauer, Schauspielerin

https://www.valentinahimmelbauer.com/

Alle Fotos_Walter Pobaschnig 1_22 _ Grand Hotel _ Wien.

30.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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