„Das einfache Leben ist nie einfach“ Hung-min Krämer, Schriftstellerin _ Wuppertal/D 23.1.2022

Liebe Hung-min, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Es ist gerade 3:34 Uhr. Da ich seit 2 Uhr wach lag und auch schon meine nächtlichen Dehnübungen gemacht hatte und trotzdem nicht schlafen konnte, dachte ich, ich nutze die Zeit, um diesen Fragebogen auszufüllen. Aber „normalerweise“ (eigentlich erst wieder seit einem halben Jahr) habe ich das von mir sicher nicht genug geschätzte Privileg, ungefähr erst um kurz vor 9 Uhr morgens aufstehen zu dürfen/müssen, um dann zu einer geregelten und, als Sonderfall in dieser Branche, ok bezahlten Arbeit als Architektin zu gehen.  Gegen 17:00 Uhr oder, wenn ich vorher noch einkaufen war, auch 17:45 Uhr komme ich nach Hause und treffe auf meinen Mann. Wenn alles gut geht, gibt es ein Abendessen und wir schauen zusammen etwas. Aber leider ist das einfache Leben nie einfach.

Hung-min Krämer, Schriftstellerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich glaube nicht, dass es etwas gibt, das für alle Menschen zur selben Zeit gleich wichtig ist. Im Moment vielleicht Ehrfurcht vor dem Leben anderer.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Literatur, der Kunst an sich zu?

Ich finde es beeindruckend, dass Kunst und Literatur immer schon Sprachrohr für gesellschaftliche Notwendigkeiten oder Befindlichkeiten waren und sind. Ich denke, in der Fiktion und in der Abstraktion der Literatur und der Kunst liegen die Freiheit und eine Sensibilität für Notwendiges und Drängendes, ohne die Einschränkung der aktuellen Alltagsrealität. Ich denke, Kunst und Literatur sind ein Nährboden für Gedanken, die dann irgendwann in der Gesellschaft wachsen und Früchte tragen können. Man könnte auch sagen: Kunst und Literatur sind eine erste Stufe der Manifestation.

Was liest Du derzeit?

Nicht viel. Ich finde es immer beneidenswert und auch ein wenig anstrengend zu sehen, wieviel andere offensichtlich lesen.

Gerade habe ich angefangen, angeregt durch ein Gespräch mit einem Freund, „Dein Name“ von Navid Kermani zu lesen, der übrigens auch mit dem Blick auf die Uhr seine Erzählung beginnt. (Aber ich habe das vorher auch schon getan.) Ich bin erst auf Seite 10 des Romans (und der eigentliche Text beginnt erst auf Seite 7!, ich bin einfach immer zu müde zum Lesen) und ich weiß auch nicht, ob ich es ganz lesen werde. Ich lese Bücher oft nur an und lege sie dann erstmal wieder weg. Im Prinzip lese ich lieber Sachbücher. Da fand ich das erste Buch von Rutger Bregman inspirierend: „Utopien für Realisten“.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich.“

Charles Eisenstein

Vielen Dank für das Interview liebe Hung-min, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Literaturprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Hung-min Krämer, Schriftstellerin

Foto_Simone Scharbert

3.1.2022_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s