„Unsere Träume, Sterne nicht außer Acht lassen“ Ina Soléa, Schauspielerin_Station bei Lou Andreas-Salomé _ Wien 6.1.2022

Herzlich willkommen, liebe Ina Soléa, Schauspielerin, hier im Mercure Grand Hotel Biedermeier Wien!

Ina Soléa, Schauspielerin _ Wien

Unser literaturoutdoors Thema ist die vielseitige Schriftstellerin, Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé (1861 – 1937), die auch wesentliche Wien Bezüge hat und deren Todestag sich 2022 zum 85mal jährt.

Träume, Traumanalyse spielen eine große Rolle in Leben und Denken Lou Andreas-Salomés. Welcher Traum ist Dir jetzt in Erinnerung?

Ich habe in letzter Zeit viel über Lou Andreas-Salomé und ihre Gespräche mit Künstlern, Philosophen wie R.M.Rilke oder Friedrich Nietzsche gelesen. Dabei hatte ich auch einen Traum, in dem ich mich mit Nietzsche unterhalte und ihm sage „Du solltest mal wieder nach den Sternen greifen!“ (lacht).

Lou Andreas-Salomé schätzte das Spielerische in Wort und Begegnung. Der Philosoph Nietzsche war ihr da in vielem zu ernst. In diesem Sternentraum habe ich dies wohl verarbeitet (lacht).

Wie liest Du selbst diesen Traum?

Wir sind alle, und natürlich auch in der Kunst, in einer sehr ernsten Situation. Dennoch sollten wir in die Zukunft schauen und unsere Träume, Sterne nicht außer Acht lassen. So weit es möglich ist.

Vielleicht wurden vieler unserer Träume zu einer Pflichterfüllung, zu einer pocket list. Es ist gut Sterne, Träume zu haben und daran zu arbeiten.

Träume haben einen Sinn. Psychoanalytisch gesehen und idealistisch. Lou Andreas-Salomè wusste dies und versuchte dies in ihren Werken und Leben zu verbinden. Wissen und Wege, Traum und Leben.

Sprich´ über deine Träume und du sprichst über dich.

Wir sollten öfters zu den Sternen blicken und danach greifen.

Sigmund Freud hat den Traum als „Königsweg“ der Erkenntnis des Unbewussten bezeichnet. Welche Bedeutung haben Träume für Dich?

Meine Träume sind intensiv und ich schöpfe daraus.

Im Traum reflektiere ich sehr stark meinen Alltag und wenn ich träume, entspanne ich mich auch davon.

Die Welt ist in vielem grenzenlos. In ihren Träumen, Visionen ist sie es nicht.

Ein Traum hat immer mit der Welt, Weltverständnis zu tun. Psychologie und Philosophie sind beste Freunde.

Träumst Du regelmäßig und schreibst Du diese auf?

Ja. Ich schreibe meine Träume nach dem Aufwachen auf.

Wenn ich sehr intensiv geträumt habe und auch meine Stimmung danach ist, male ich unmittelbar danach, bevor ich das Bild im Kopf wieder losgelassen habe.

Ich denke, wir haben alle die Träume der Nacht bei uns, aber wir lassen diese wieder gehen, weil uns der Alltag sofort ganz einnimmt.

Träume, Gedanken sind für uns sehr schnell Vergangenheit, unbeachtete Vergangenheit.

Wie gehst Du dann mit den notierten, gemalten, reflektierten Träumen in den Tag? Welchen Impuls bekommst Du da?

Ich lasse zunächst die Träume in Wort und Bild ruhen. Die Richtungen, Bedeutungen ergeben sich dann von selbst im Zusammenspiel von Tag und Traum.

Alle unsere Emotionen sind im Traum reflektiert. Freud spricht da ja von „Traumarbeit“.

Emotionen können verschiedenste Symbolformen im Traum annehmen. Das kann ein Buch oder Fenster etwa sein. Und wir selbst stecken da drin.

Im Traum sind Emotionen pur da, nicht kontrolliert vom Denken.

Das Interesse für Träume, für die in Wien von Sigmund Freud begründete Wissenschaft der Psychoanalyse, führte Lou Andreas-Salomè nach Wien. Welche Zugänge gibt es von Dir zu Ihr?

Mich fasziniert ihre Neugierde und auch ihre Konsequenz dieser nachzugehen.

Das Interesse sich Wissen anzueignen, auch über Konventionen der Zeit hinweg, finde ich sehr mutig und spannend.

Diese Selbstentscheidung der Frau bei Lou Andreas-Salomè ist bis heute ein Vorbild.

Sie war eine Superheldin und wenn wir in der Frauenemanzipation Stufen zurückgehen oder zurückkatapultiert werden, denken wir an sie.

Sehr schnell wurde sie als „intellektuelle Kurtisane“ bezeichnet. Lou war eine Frau, die sich nicht um Klischees kümmerte. Sie ging ihren Weg und setzte eigene Standards.

Lou hat die Frauenrolle der Zeit gleichsam zertrümmert. Sie war auch in der männlich dominierten Psychoanalyse eine Vorreiterin und wollte unbedingt an Freuds Vorlesungen teilnehmen.

Warum ist sie so neugierig? Allein das war in Zeit und Gesellschaft verstörend.

Lou war in Russland nicht unglücklich, aber sie wollte nach Wien. Das Weiterziehen war für sie selbstverständlich.

Die russische Melancholie ist sehr tiefgründig. Ich lerne auch gerade Russisch mit meinem Sohn.

Die Liebe, etwa die Mutterliebe, ist in der russischen Sprache sehr schön ausgedrückt.

Wie siehst Du den künstlerischen, intellektuellen Gesprächskreis um Lou?

Im Briefstil der Bezugspersonen ist eine interessante, fast kindliche, Aufgeregtheit zu bemerken, wenn Lou zur Sprache kommt. Da war auch viel Bewunderung, was Lou wohl überraschte. Sie wusste aber Bestens damit umzugehen, durchschaute vieles.

Sie schwärmten von ihr in großem Respekt.

Lou wurde sehr schnell intellektuell und persönlich akzeptiert. Das erstaunt in der so von Männern dominierten Zeit in allen Lebensbereichen.

Es gab wenig Misstrauen ihr gegenüber. Und Misstrauen gehört bis heute zu unserer Gesellschaft.

Fasziniert hat Lou alle. Das zeigen die Erwähnungen in den Briefen. Tiefgründige Diskurse gibt es da allerdings nicht.

Lou war nicht künstlich. Sie war menschlich sehr präsent.

In Wien wurde ihr Denken etwas dunkler, ernster. Das fällt auch in Fotografien auf.

Was nimmst Du von der Begegnung mit Lou in ihren Werken, Briefen mit?

Die Freude an Neugierde und Verspieltheit.

Lous Intellektualität macht Spaß. Sie entdeckt die Welt mit offenen Augen.

Sie ist ein interessantes, schönes Rollenbild.

Ich mag diese Balance von Neugierde und Kontrolle bei Lou.

Ich finde es faszinierend wie Lou mit ihren Fragen an der Festung einer männlich dominierten Gesellschaft in Denken, Liebe, Sinn rüttelt.

Mich fasziniert dieses direkte, kindliche Fragen, wie – „Was ist das Licht? Wie sehe ich es? Werde ich es im Dunklen vermissen? Werde ich mich erinnern?“. Genau so stellte ich mir Lou vor. Lou hatte diesen Mut Fragen zu stellen, den es zu allen Zeiten braucht.

Es gibt keine blöden Fragen, nur unzureichende Antworten.

Bei Lou ist in der Neugierde auch immer eine Zuversicht.

Liebe war für Lou immer auch eine intellektuelle Reise zu sich selbst.

Du hast Dich in der Vorbereitung auch für eine wunderbare Kostüm-, Requisitenwahl entschieden. Was hat Dich da angeleitet?

Ich habe das Buch „Und Nietzsche weinte“ von Irvin D.Yalom mitgebracht, weil ich die Beschreibung von Nietzsche, der ja mit Lou befreundet war, im Buch sehr interessant fand, weil in aller Emotion, Zerbrechlichkeit, auch in der Beziehung zu Lou, dargestellt.

Nietzsche sagte über Lou „von welchem Stern bist denn du uns zugefallen?“. Das fiel mir wieder ein und darum habe ich diese Sternenkette mitgebracht.

Nietzsche hat ja sehr selten so persönlich gesprochen.

Als ich die Sternenkette Zuhause fand, war Lou wieder in meinem Kopf (lacht).

Ich verbinde den Pelzmantel stark mit Russland.

Die Kapitänsmütze deswegen, weil Lou Herrin über ihren Kopf ist. Ich bin mein eigener Herr.

Das Buch „Sternstunden der Menschheit“ von Stefan Zweig hat mich auch an Lou erinnert, die Thematik in dem Buch. Wie wird die Welt von morgen sein? Ich kann da beide sehr gut verbinden, obwohl sie sich ja nicht kannten.

Der Kimono – weil Lou sehr weltoffen war und die Goldfarbe an ihre Epoche des Fin-de-Siècle erinnert. Ich könnte mir vorstellen, sie hätte es auch so provokativ – kulturverbindend – getragen.

Lous Horizont war sehr groß.

Zigarette und Kaffee gehören auch zu Lou.

So kann ich sie mir vorstellen mit all diesen Dingen.

Was sind Deine derzeitigen Schauspielprojekte, -ausblicke?

Ich habe im Dezember letzten Jahres für eine historische ORF Spiel-Dokumentation über die Habsburger Dynastie in der Rolle der Geliebten des Kaisers Leopold I (*1640  +1705) gedreht. „Habsburgs Allüren“ wird im Jänner des Jahres im ORF ausgestrahlt.

Auch das Literaturprojekt mit szenischen Lesungen zum Roman „Morendo“ von Klaus Oberrauner geht 2022 weiter und ich arbeite auch an weiteren szenischen Lesungen mit Künstlern.

Es gibt auch noch weitere Rollenangebote für das Jahr und vielleicht ja auch mit literaturoutdoors ein weiteres Projekt (lacht).

Darf ich Dich abschließend zu einem Lou Achrostikon bitten?

Literatur

Offenheit

Unbewusstes

Ina Soléa, Schauspielerin _ Wien

Herzlichen Dank, liebe Ina, für Dein Kommen und Deine Zeit in großartiger Wort/Porträt/Performance wie die wunderbare Vorbereitung und Auswahl der Kostüm- und Requisitenvariationen wie Dein Interview zum Thema Lou Andreas-Salomé, Schriftstellerin, Psychoanalytikerin (*1861 Sankt Petersburg   +Göttingen 1937).

Liebe Ina, viel Freude und Erfolg für alle Schauspiel- Literaturprojekte 2022!

Station bei Lou Andreas-Salomé _ Wien

im Gespräch und Fotoporträt_

Ina Soléa, Schauspielerin _ Wien

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _

Grand Hotel Mercure Biedermeier Wien_

https://literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig 1:_22

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