„Nicht den Mut zu verlieren und gemeinsam aktiv zu werden/bleiben“ Corina Hoser, Tänzerin _ Wien 3.1.2022

Liebe Corina, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Ich habe meine Tage immer gern strukturiert und organisiert. Ich habe täglich mein Tanztraining, da es mir sehr wichtig ist, mich nicht nur künstlerisch sondern auch tanztechnisch ständig weiterzuentwickeln, weshalb ich auch nicht nur Zeitgenössischen Tanz und Ballett trainiere, sondern auch andere Stile und Disziplinen wie Breaking und Akrobatik. Dann habe ich Proben, je nachdem, ob ich gerade in einem Projekt/einer Produktion tanze, oder selbst ein Projekt habe (z.B. mit der Blare Dance Company, die ich mit 6 Kolleg*innen gerade gegründet habe), mal mehr und mal weniger, wie es eben so ist als freischaffende Tänzerin. Nebenbei unterrichte ich auch.

Corina Hoser, Tänzerin

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich weiß gar nicht, was ich da sagen soll, es gibt so vieles. Ich denke was sehr relevant ist, ist nicht den Mut zu verlieren und gemeinsam aktiv zu werden/bleiben. In den letzten 2 Jahren, in denen unsere Leben ziemlich auf den Kopf gestellt wurden, hat sich nach und nach eine lose Gruppe von Tänzer*innen, zu einer richtigen Gemeinschaft entwickelt, die sich unterstützt und zusammenarbeitet und für einander da ist. Wir haben eine Trainingsgruppe organisiert, eine Company gegründet und haben vor, uns gemeinsam  selbst Möglichkeiten zu schaffen, da diese von außen nicht gegeben sind. Wir sind nicht nur Kolleg*innen, sondern Freund*innen und sich nicht alleine irgendwie in dieser prekären Situation voran zu kämpfen, sondern miteinander, fühlt sich gleich bei weitem weniger aussichtslos an. Dies ist nur ein Beispiel auf meiner persönlichen Mikroebene, doch mit all den furchtbaren Dingen, die sich auf dieser Welt so abspielen, ist dies auch auf eine größeren Ebene übertragbar und von immenser Bedeutung, wenn auch natürlich schwieriger.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, der Kunst an sich zu?

Puh, auch hier, weiß ich wieder nicht wo ich anfangen soll. Ich denke, es wird wesentlich sein, dass die Menschen das herrschende Wertesystem hinterfragen und die bestehende Krise  nutzen um eben dieses, in meinen Augen absolut verkehrte Wertesystem neu zu ordnen, was uns dann auch ermöglichen würde, die schwerwiegenden Probleme, wie Ungerechtigkeit und Diskriminierung auf verschiedensten Ebenen, Klima, Konflikte und Kriege und und und, zu lösen. Dabei ist mir sehr wohl bewusst, dass dies toll klingt aber die Veränderung solcherlei fixer Strukturen ist natürlich extrem schwierig, aber ich will einfach glauben, dass es nicht unmöglich ist. In dem Ganzen finde ich, müssen wir vorsichtig sein, dass wir beim Versuch die Situation in unserer unmittelbaren Umgebung zu verbessern, nicht vergessen über den Tellerrand zu blicken, denn der Neubeginn hier heißt leider nicht, dass das überall so ist und wie wir in vielen Regionen der Welt sehen, gibt es einiges, das nicht vergessen werden darf, um das sich gekümmert werden muss, und zwar von allen.

Die Kunst kann denke ich, dazu beitragen, dass es gelingen kann, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Themen zu lenken. Als Künstler*innen können wir Problematiken, die andere Arten von Kommunikation nicht derartig zu vermitteln vermögen, auf eine einzigartige Weise in Diskurs bringen. Ich denke besonders im Tanz, mit unseren Körpern in Bewegung, können wir Inhalte auf eine ganz spezielle Art und Weise transportieren, auch wenn dies für manche vielleicht nicht auf den ersten Blick verständlich ist.

Was liest Du derzeit?

Derzeit lese ich das Buch „The Neurocognition of Dance“ herausgegeben von Bettina Bläsing, Martin Putze und Thomas Schack. Davor habe ich mehrere Bücher von Stephen Hawking und anderen Physikern gelesen, da ich eine Passion für Astrophysik und Kosmologie habe.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

Da bleibe ich gleich bei Hawking, der sagte: „Der größte Feind des Wissens ist nicht Ignoranz, sondern die Illusion wissend zu sein“

Corina Hoser, Tänzerin

Vielen Dank für das Interview liebe Corina, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Tanzprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Corina Hoser, Tänzerin

Fotos_privat.

14.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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