„Für die Notwendigkeit einer regen, vielseitigen und gut durchbluteten Kunstszene einzustehen“ Nora Romanoff-Schwarzberg _ Bratschistin_Veranstalterin _ Wien 2.12.2021

Liebe Nora, wie sieht dein Tagesablauf aus?

Im Jahresrückblick zunächst war der Sommer zum Glück konzertreich und mit vielen Auslandsreisen entsprechend intensiv und wunderschön. Allerdings hat es mich viel Kraft gekostet nach langer Pause wieder so viel unterwegs zu sein. Über die Corona-Zeit hat man sich an’s Daheim sein gewöhnt.

Im Herbst war ich dabei mit meinem Sohn Jascha wieder einen einigermaßen geregelten Tagesablauf einzuführen. Beruflich war sehr viel administrative Arbeit zu bewältigen, ich begann auch zu unterrichten und einige Reisen waren geplant und nun leider auch verschoben, aber es lichtet sich schon so langsam, hoffe ich, und die Planung wird wieder leichter bzw. möglich.

Nora Romanoff-Schwarzberg _ Bratschistin_Veranstalterin


Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Aus eigener Sicht würde ich sagen – die Ruhe und Besinnung auf sich, sowie die Flexibilität, die uns die erste Pandemiezeit hoffentlich gelehrt hat, zu bewahren. Ich habe es wohl einer guten Einstellung zu verdanken und schätze mich glücklich, dass mir die letzten 1,2 Jahre sehr viele positive Entwicklungen auf allen Ebenen gebracht haben.

Ich denke die meisten von uns Musikerinnen/Bühnenmenschen haben sich mittlerweile damit abgefunden – trotz der Freude über die Rückkehr auf die Podien – dass die „alte Normalität“, wenn überhaupt, nicht so schnell wieder einkehren wird. Für die einen wird es zu viel, für andere zu wenig Aktivität sein. So wähle ich jetzt beispielsweise bewusster und reflektierter die Tätigkeiten aus, die für mich Sinn machen und meine Energie wert sind.

Besonders wichtig wird es weiterhin sein bei jeder Gelegenheit, politisch und gesellschaftlich, für die Notwendigkeit einer regen, vielseitigen und gut durchbluteten Kunstszene einzustehen. Geduld, Wertschätzung und Dankbarkeit sind mir immer wichtig – jetzt noch mehr als früher.

Vor einem Aufbruch werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei der Musik, der Kunst an sich zu?

Ich empfinde seit geraumer Zeit mehr als je das Bedürfnis zur Sinnfindung durch meine künstlerische Tätigkeit. Der Pandemie sei Dank ist es mir gelungen ein wunderbares Projekt für meine Community im Sankt-Elisabeth-Grätzel auf die Beine zu stellen – mit Unterstützung der Bezirksvorstehung und der Kirchengemeinde haben wir es in der warmen Jahreszeit 2020 und 2021 geschafft insgesamt etwa 70 Genre-übergreifende Musikveranstaltungen am Vorplatz der Kirche zu organisieren. Die Rezeption dieser frei zugänglichen Konzerte, die gesammelt vom Lauf- zum Stammpublikum so viel Dankbarkeit und Wertschätzung eingespielt haben, erfreuen durch eine Eigendynamik, die mich einer gesellschaftlichen Aufgabe als Künstlerin so nah gebracht haben wie sonst nichts zuvor. Ich wünsche allen Künstlerinnen eine solche Erfahrung. Vor und für Menschen spielen zu dürfen ist Privileg und Lebensaufgabe. Wir haben die Fähigkeit durch die eigene Freude am Auftritt der menschlichen Begegnung mit sich und anderen eine sinnstiftende Qualität zu schenken – das ist meiner Ansicht nach ein unbezahlbares, wunderschönes Gut.

Was liest Du derzeit?

Dies und das, zwischendurch. Erich Fromm „Vom haben zum Sein“, „Das Wunder der
Wertschätzung“ von Reinhard Haller und eine große Empfehlung – „Women who run with the
wolves“ von Clarissa Pinmkola Estés.
Gerne immer wieder Falter und Standard.

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Das Gefühl kann viel feinfühliger sein als der Verstand scharfsinnig.“ Viktor Frankl

Vielen Dank für das Interview liebe Nora, viel Freude weiterhin für Deine großartigen Musikprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute! 

5 Fragen an Künstler*innen:

Nora Romanoff-Schwarzberg _ Bratschistin_Veranstalterin

https://www.noraromanoffschwarzberg.com/

Foto_Andrej Grilc

14.10.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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