„Es werden die letzten Tage eines langen Weges beschrieben“ Hannelore Schmid, Schauspielerin_Romanjubiläum Malina _ Wien 2.12.2021

Herzlichen Willkommen, liebe Hannelore Schmid, Schauspielerin, hier am Romanschauplatz „Malina“ in Wien III.!

Hannelore Schmid_Schauspielerin_
am Romanschauplatz_Malina _ Wien

Du lebst und arbeitest in Wien und Graz. Welche Bedeutung haben Orte für Dich?

Als Erstes fällt mir Erinnerung ein. In Wien bin ich aufgewachsen und wenn ich durch die Straßen gehe, ploppt an jeder Ecke eine Erinnerung auf. Manchmal genieße ich es, mich in die Atmosphäre hinein fallen zu lassen, aber dann hatte ich Sehnsucht nach einem Ort ohne Erinnerung. Das ist Graz für mich. Ein Ort wo Neues entstehen darf. Bis auch das zur Erinnerung wird.

Ingeborg Bachmann zog in jungen Jahren aus Kärnten nach Wien. Bei Dir gibt es die umgekehrte Bewegung in den Süden nach Graz. Was waren da für Dich Beweggründe?

Ich war vor zehn Jahren schon einmal eine Zeit lang in Graz, habe dort Schauspielunterricht genommen und mich in die Stadt verliebt. Diesmal kam der Impuls eigentlich von Freunden. Ich habe ein Wochenende mit ihnen in Graz verbracht um Geburtstag zu feiern, und mein bester Freund sagte: „Wenn du dich hier so wohl fühlst, nimm doch wieder einmal eine Auszeit und geh zum Schreiben nach Graz.“ Nach einem Monat Schreiben in der Stadt meines Herzens, war der Wunsch zu bleiben so vehement, dass ich seither einen zweiten Wohnsitz habe.

Wolfgang Bauer hat ja einmal gesagt: „Zum Schreiben brauche ich eine Stadt, in der es innerlich tobt, zum Beispiel New York oder Graz.“ Ich sehe das auch so (lacht). Graz ist eine hervorragende Stadt, um zu schreiben.

Was sind Deine aktuellen Schreibprojekte?

Aktuell arbeite ich mit dem Regiesseur Thomas Toppler an einem Theaterprojekt. Es handelt sich dabei um die in Österreich noch wenig bekannte Spielform des Bouffon Theaters. Wir arbeiten  gemeinsam am Text und sind zurzeit dabei Darsteller*innen zu casten. Premiere ist im März 2022 am TAG Theater.

Das gemeinsame Schreiben ist eine Herausforderung, bei der Thomas und ich uns gut ergänzen. Für mich geht es um die Aneignung eines neuen künstlerischen Genres und darum dem komplexen Aufbau des Stückes gerecht zu werden. Es gibt drei Spiel- und vier Handlungsebenen. Wir entwickeln die Handlung und schreiben Dialoge, lassen aber auch Platz für Szenen, die über Improvisation mit dem Ensemble entstehen sollen. Es ist in vielerlei Hinsicht neu und aufregend für mich.

Könntest Du das Konzept des Bouffon Theaters etwas näher vorstellen?

Bouffons sind clownähnliche Kunstfiguren, welche auf der Bühne die Ausgestoßenen einer Gesellschaft darstellen. Da sie auf der untersten Stufe stehen, dürfen sie dem Publikum gnadenlos den Spiegel vorhalten. Im Spiel mit dem Publikum testen sie Grenzen aus, bleiben dabei aber stets charmant, um die Gunst der Zuseher*innen nicht zu verlieren. Das Ausprobieren beginnt schon beim Schreiben. Was darf ausgesprochen werden, was nicht? Bereits das Verfassen der Projektbeschreibung für die Förderstellen war eine Gratwanderung. Ein sehr interessanter Prozess.

Ist diese Theater Konzeption auch mit dem Roman „Malina“ vergleichbar? Siehst Du da Berührungspunkte?

Schwierig, vielleicht am ehesten in der Form. Malina spielt auch mit unterschiedliche Textebenen. Es gibt den Bewusstseinsstrom, der durch Briefe, Interviews, Dialoge unterbrochen wird. Und man weiß nie genau: Was ist Realität, was Traum, was Gedanke, was ist Innen- oder Außenwelt? Die Frage, wer diese Figuren, die im Roman auftreten, eigentlich sind, bleibt letztlich offen. Sind das reale Menschen oder Anteile einer einzigen Person?

In unserem Bouffon Theaterstück gibt es auch mehrere Ebenen im Text und zum Beispiel Figuren, die als Personifikation eines Prinzips auftreten.

Ist die Ich-Erzählerin in ihrer Beziehung zu Ivan im Roman mit den Prototypen der Ausgestoßenen im Bouffon Theater vergleichbar? 

Ivan und die Ich-Erzählerin stoßen einander gegenseitig weg. Es ist keine Partnerschaft, sondern eine Affäre und sie beziehen beide etwas daraus. Sie interessieren sich nicht wirklich füreinander oder das Leben des anderen. Die Ich-Erzählerin schildert, dass sie einander niemals in der Stadt begegnen. Es gibt keine Berührungspunkte außer ihre Treffen zu zweit.

Ivan darf für sie nur der wunderbare Ivan sein und das soll, muss er bleiben. Sie möchte keinen Alltag mit ihm.

Die Ausgegrenztheit der Ich-Erzählerin sehe ich einerseits im Außen, wo sie in der Gesellschaft funktioniert aber untergeht und anderseits innerlich, wo sie die sensible, naive Seite abspaltet vom männlichen Part Malina.

Wie siehst Du den Weg der Ich-Erzählerin als Frau in diesen Gegebenheiten, denen sie ausgesetzt ist?

Für mich ist dieser Roman sehr interessant, weil ich schon einer anderen Generation angehöre und dadurch einen gewissen Abstand habe. Ich sehe vieles darin was immer noch stattfindet – nur auf einer subtileren Ebene – und kann mich gut einfühlen.

In ihrem Verhältnis zu den beiden Männern – wenn man Ivan und Malina als reale Personen betrachtet –  fragt man sich bald, warum die Ich-Erzählerin Ivan so sehr anhimmelt. Er ist eine eher uninteressante Figur ist und geht einem nach wenigen Seiten auf die Nerven. Ivan ist nicht empathisch oder unterstützend, er versteht sie nicht, sondern macht sie nieder und sagt Dinge wie: „Sei doch fröhlich!“ oder „Schreib doch einmal ein schönes Buch.“  Warum vergöttert sie ihn so, warum braucht sie dieses Vergöttern? Aber Ivan ist ihr Rausch, wenn Ivan da ist, ist alles gut. Ivan ist das Allheilmittel und sie gibt sich diesem hin. Es ist sehr interessant, dass der Roman diese Seite der Abhängigkeit, dieses Denken und Fühlen, zeigt, dies schildert und zugibt. Diese naive, verletzliche Seite, die ständig mit ihrem Selbstwert kämpft,wird schonungslos präsentiert.

Malina ist distanziert, aber immer für sie da. Wenn im Außen etwas zu erledigen ist, übernimmt Malina. Da ist diese Souveränität, die die verletzliche Seite beschützt.

Es ist nicht so, dass sie diesen beiden Männern ausgeliefert ist. Sie hat sich ganz gut eingerichtet zwischen den beiden, von dem Einem bezieht sie das Eine von dem Anderen das Andere. Und die beiden begegnen einander nie. So lebt sie, wie es anfangs wirkt, ganz gut. Bis dann alles auseinanderbricht. Malina verrät sie, der Beschützer wird zur inneren Bedrohung. Er beginnt sie zu kontrollieren, zuerst auch um sie zu retten, als er ihr beispielsweise die Tabletten wegnimmt. Aber nach und nach nimmt er alles, was sie ausmacht.

Wenn ich den Roman heute lese, dann merke ich, dass auch ich als Frau eine Seite in mir verstecke, beschütze, verdränge und dass auch ich mir etwas zugelegt habe, das nach Außen wirkt.

Ist die Ich-Erzählerin in ihrer zerbrechlichen Identität, dem Wechselspiel von Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit, auch heute ein Bild für das Frausein?

Der Roman schildert den Kampf um Identität der Ich-Erzählerin in schonungsloser Offenheit. Einen Versuch von Freiheit, der für mich misslingt. Es werden die letzten Tage eines langen Weges beschrieben.

Die Welt, in der sie es sich eingerichtet hat, stürzt zusammen, die Vergangenheit, holt sie alptraumhaft ein, sie kann nicht mehr zurück in das gesicherte Leben im Ungargassenland. Sie kann auch Ivan nicht mehr so ansehen wie früher. Sie sieht ihn jetzt „wie ein Arzt einen Lungenkranken“. Sie sieht die „Flecken am Röntgen vom Rauchen“ und nicht mehr den herrlichen Ivan. Die Droge wirkt nicht mehr.

Malina, der sie beschützt hat, wendet sich gegen sie.

Im Roman findet keine Befreiung statt. Das Ende ist das Ende.

Was sind die Gründe für dieses Ende, dieses Verschwinden der Ich-Erzählerin im dramatischen Romanfinale?

Die Situation der Ich-Erzählerin, ist aus dem Zusammenspiel ihrer persönlichen Geschichte und den gesellschaftlichen Gegebenheiten zu sehen. Im zweiten Kapitel tritt diese zerstörerische Vaterfigur auf, die aus diesem System erwachsen und dafür sehr typisch ist.

Der Vater spielt seine Macht aus, die Mutter beschützt das Kind nicht. Und das nimmt es ein Stück weit mit in sein ganzes Leben. Auch wenn das Umfeld dann relativ freundlich und ungefährlich ist, reißt die Wunde immer wieder auf, wenn Abwertung geschieht.

Das Verschwinden oder die Auslöschung findet im Innen und Außen statt. Die Ich-Erzählerin ist persönlich geschwächt und findet keinen Platz in der Gesellschaft, keine Möglichkeit ihre Verletztheit zu überwinden und einen Sinn zu finden, der über etwas wie die Scheinfreude mit Ivan hinausgeht. Sie findet nichts in dieser Welt, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Wie siehst Du die Konzeption und inhaltliche Ausrichtung des Romans?

Der erste Teil liest sich zunächst recht schön in der Schilderung einer Lebens-, Liebesgeschichte. Schon zu Beginn sagt sie, dass sie  mit Ivan eigentlich kaum spricht. Auch die Telefonate sind Ausdruck davon. Es sind Satzfetzen, aus denen keine echte Kommunikation entsteht. Wirkliche Gespräche führt sie mit Malina. Die sind aber im Endeffekt Gespräche mit sich selbst sind. Es gibt keine Verbindung nach Außen, sie handelt alles innerlich ab.

Der Mittelteil im Rückblick auf Vergangenheit, Traumschilderung fällt deutlich heraus. Im dritten Teil stehen dann die inneren Monologe/Dialoge mit Malina im Vordergrund.

Am Interessantesten sind für mich die kleinen, konkreten Dinge. Etwa das Scheininterview, das da geführt wird und die Briefe, die sie als „die Unbekannte“ an Menschen schreibt, auf die sie wütend ist oder ihre Wut projiziert. Auch ihre Aggression lebt sie im Rückzug aus. Ihre Briefe zu lesen hat aber etwas sehr Befriedigendes. Denn diese naive, sensible Seite, die die Ich-Erzählerin zeigt, traut sich darin Sachen zu sagen, die zwar offensichtlich absurd sind, aber gleichzeitig möchte man sagen, ja, das ist vollkommen wahr, da hat sie vollkommen recht.

Der Roman ist ganz aus der Innensicht geschrieben. Nur ihre innere Welt wird geschildert.

Die Ich-Erzählerin ist Schriftstellerin. Gibt es da ein Wiederkennen im Ringen von Beruf und Leben als Künstlerin, Schauspielerin?

Ja, durchaus. Sowohl in der Verzweiflung wie im Umgang mit der Verzweiflung (lacht). Dass man vieles in Geschichten verpackt, ist mir sehr vertraut, auch diese inneren Monologe oder Dialoge zu führen. Briefe zu schreiben, die man niemals abschickt (lacht).

Über ein Thema ironisch zu reflektieren, es nicht zu ernst zu nehmen und aber dadurch auf Wahrheiten zu kommen, finde ich eine spannende Zugangsweise bei Bachmann.

Es sind viele einzelne Passagen, Sätze, die mir sehr gut gefallen. Etwa wenn sie sagt, „nein, ich nehme keine Drogen, ich nehme Bücher zu mir“. In meiner Kindheit und Jugend, habe ich alles gelesen, was mir in die Finger gekommen ist. Wenn sie schreibt, „ich lese in der Küche und am Gang…“, das ist mir alles sehr nah.

Ganz toll finde ich die Stelle, wo sie sagt „es gibt Bücher, die nehme ich nur vormittags zu mir“. Für mich war Malina ganz klar ein Buch, das ich am Morgen gelesen habe. Nur das Ende habe ich gestern Abend gelesen. Das hat mich dann auch ganz aufgewühlt. Zum Glück habe ich eine Freundin erreicht, mit der ich darüber reden konnte (lacht). Malina ist ein Roman, den man sich besser nur vormittags zuführt.

Warum ist für Dich der Vormittag die ideale Malina Lesezeit?

Am Morgen habe ich die Leichtigkeit, das Positive in dem Roman zu sehen. Nachmittags würde ich seine Schwere als bedrückend empfinden. Der Geist ist auch wacher in der Früh, Malina ist kein ganz einfaches Buch, man braucht Ruhe und Wachheit dafür.

Gibt es für Dich beim Lesen bestimmte Rituale, Settings? 

Momentan lese ich morgens, ich starte den Tag mit einem Buch. Und sonst in der U-Bahn (lacht). Und sehr gerne auch nachmittags in am Balkon in der Sonne. Ich habe auch immer ein Buch in der Küche. Während der Reis kocht, lese ich (lacht). Im Zug natürlich auch.

Wie war der Leseprozess für Dich jetzt bei Malina? Wie reflektierst, verarbeitest Du da?

Der Roman hat mich zum persönlichen Nachdenken angeregt. Natürlich hatte ich dabei im Hinterkopf, später darüber sprechen zu können. Ich fand es lustig, dass im Roman selbst eine Interview-Situation vorkommt. Oder der Herbstmantel der Ich-Erzählerin, den sie im Frühjahr ihren Frühjahrsmantel nennt. So wie der Mantel, den ich für´s Shooting gewählt habe. Parallelen sind auf so vielen Ebenen zu finden! Verarbeitet habe ich das Gelesene in Gesprächen und Tagebucheinträgen.

Als ich angefangen habe Malina zu lesen, hatte ich auch gerade „Ein eigenes Zimmer“ von Virginia Woolf begonnen. Ich habe die beiden Bücher parallel gelesen und fand die theoretische Ebene des Essays über Frauen und Literatur bei Virginia Woolf und die emotionale Innenschau von Ingeborg Bachmann sehr befruchtend.

Ist Malina ein Roman, der sehr direkt nach der eigenen Lebenswelt fragt und zum Nachdenken einlädt bzw. dies fordert?

Auf jeden Fall. Man vergleicht sich unwillkürlich mit der Ich-Erzählerin, findet sich in ihren Lösungsansätzen wieder oder ertappt sich bei dem Gedanken: Ich mache es genau so, und das ist keinesfalls eine Lösung!

Man nimmt viel mit, wenn man sich auf den Dialog mit dem Roman einlässt. Ich konnte ihn nicht von mir weghalten (lacht). Ich habe ihn aber auch mit der Absicht gelesen, mich davon berühren zu lassen.

Welche Zugänge gab es bisher von Dir zu Ingeborg Bachmann?

Nicht viele, ihre Gedichte haben mich als Jugendliche sehr angesprochen, damals habe ich selbst Gedichte geschrieben. Natürlich war sie mir immer ein Begriff und ihre Lebensgeschichte bewegt mich.

Ich bin dankbar für den wunderbaren Anlass jetzt Malina zu lesen. Ich denke, dass ich jetzt im richtigen Alter für den Roman bin. Als Zwanzigjährige hätte ich nicht so viel daraus beziehen können.

Wie befinden uns am Weg zum Romanschauplatz, dem „Ungargassenland“ in Wien III.. Ist Dir dieses vertraut?

(lacht) Ja, es ist mir sehr vertraut. Ich habe meine ersten fünf Lebensjahre im südlichen Teil von Wien III. verbracht, wir haben zu fünft in einer Zimmer-Küche-Kabinett Wohnung gelebt.

Als Kind nimmt man alles über die Sinne wahr, die Stadt ist ganz Geruch, Lärm, Farbe.

Mein erster Kinderspielplatz war unter dem Flakturm des Weltkrieges im Arenbergpark. Als Kind hatte die Stadt etwas Bedrängendes und Bedrohliches an sich, ich habe mich nach dem Grün, dem Land gesehnt.

Als Erwachsene habe ich das Ungargassenland mit anderen Augen sehen gelernt, Freunde leben hier und ich habe in einem Espresso in der Gegend gearbeitet. Ich habe mich auf Spurensuche nach meiner Kindheit begeben und viel Schönheit gefunden, etwa das Grün versteckter Innenhöfe.

Hast Du im Roman Orte der Kindheit wiedererkannt?

Ja, die Straßen und Wege, die im Roman genannt sind, sind mir sehr geläufig. Damit und darin bin ich aufgewachsen, das ist und bleibt präsent.

Wie siehst Du als Wienerin das Wienbild im Roman?

Ich erkenne das Wien meiner Kindheit darin. Ingeborg Bachmann schildert die Orte mit viel Liebe, die Gesellschaft aber als sehr oberflächlich. Bei den Personen, denen die Ich-Erzählerin begegnet, stellt man sich die Frage, ob sie überhaupt real sind. Sie wirken wie Hüllen, sind nur Namen ohne Charakter. Vielleicht sind sie alle nur Ideen, Anteile ihrer selbst? Wien hat diese Schönheit, Faszination und Ungreifbarkeit.

Außerhalb der Sadt, etwa am Wolfgangsee, wird es sehr real, da wird eine selbstverliebte Gesellschaft bis ins Detail beschrieben. An beiden Orten gibt es keine Nähe zwischen den Menschen.

Das Ungargassenland ist im ersten Teil ganz ihr Zuhause, das sie liebt und nie verlassen will. Im dritten Teil beginnt sie zu überlegen wegzuziehen. In den dreizehnten oder neunzehnten Bezirk, aber bloß nicht auf die Hohe Warte (lacht). Das Ungargassenland hat keine Sicherheit mehr für sie.

Ingeborg Bachmann zog von Wien nach Rom und verfasste dort den Roman. Sie überlegte in den letzten Lebensjahren nach Wien zurückzukehren. Wie erlebst Du das Fortgehen und Wiederankommen in Wien?

Ich sehe es genauso, dass Wien mich nicht loslässt (lacht). Meine Familie und Freunde leben auch hier.

Für mich ist das richtige Nähe-Distanz Verhältnis zu Wien wichtig (lacht). Dann kann ich es auch genießen. Das ist wie in der Liebe (lacht). Ohne Nähe entsteht nichts und einander zu nahe treten wirkt auch zerstörerisch.

Was macht den Zauber von Wien aus?

Wien ist es der Ort meiner Kindheit und Wurzeln. Ich liebe die unterschiedlichen Plätze und Grätzl in Wien, die Architektur der inneren Stadt genauso wie den Charme der Vorstadt, die Donauinsel oder den Wiener Wald. Ich kann zu Fuß in den Wald gehen und bin trotzdem mit der U-Bahn gleich im Stadtzentrum. Wo hat man das sonst? Die soziale Durchmischung ist gut in den Wien, Gemeindebauten liegen neben Villenviertel.

Das öffentliche Verkehrsnetz ist toll.

Die Luft ist gut in Wien (lacht). Auch wenn sich alle über den Wind beklagen.

Wiener*inne zeigen ihre  Liebe auch dadurch, dass sie sich über alles aufregen. Das Grant´ln. Man weiß dabei aber auch, dass man selbst mitgemeint ist und die Aggression wird abgemildert durch Humor. Den Wiener Schmäh. Wiener Schimpfwörter sind sehr lustig und nicht nur verletzend.

Wienliebe und Wiener Schmäh gehören zusammen (lacht). Genauso die Melancholie und Sentimentalität.

Darf ich Dich zum Interviewabschluss zu einem Malina-Achrostikon bitten?

M Mein

A Abenteuer

L Lust

I Innenraum

N Nähe

A Aus

Hannelore Schmid_Schauspielerin_
am Romanschauplatz_Malina _ Wien

Herzlichen Dank, liebe Hannelore, für Deine Zeit in Wort und szenischer Darstellung hier am Romanschauplatz „Malina“! Viel Freude und Erfolg für alle Theater-, Schauspielprojekte!

50 Jahre Malina _ Roman _ Ingeborg Bachmann _ im Gespräch und szenischem Fotoporträt:

Hannelore Schmid_Schauspielerin

Interview und alle Fotos_Walter Pobaschnig _Wien

Station bei Ingeborg Bachmann_Malina.

https://literaturoutdoors.com

Walter Pobaschnig 12_21

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