„Kunst geht unter die Haut, schockiert, tröstet, im besten Falle: inspiriert“ Natalie Campbell, Schriftstellerin,Tänzerin _ Wien 23.11.2022

Liebe Natalie, wie sieht jetzt Dein Tagesablauf aus?

Jetzt gerade bin ich mit meinem Van in Portugal, das heißt, ich stehe mit dem ersten Sonnenlicht auf, gehe hinaus und nehme mir zwei Stunden Zeit für meine körperlichen Praktiken (Tanz, Yoga, Push-Ups…). Der restliche Tag wird durch das Kinderprogramm meiner 5-Jährigen bestimmt (ihre Freundinnen treffen, ihr das Video-Schauen verbieten…), in den Pausen zwischendurch arbeite ich an meinen Texten, erledige organisatorischen Kram und starre vorzugsweise Löcher in die Luft.

Natalie Campbell, Schriftstellerin,Tänzerin.
Transdisziplinäre Künstlerin im Feld von Literatur und Performance

Was ist jetzt für uns alle besonders wichtig?

Ich tendiere ja zu einem Gefühl des Weltschmerzes und würde gern jedem, der im Supermarkt eine Dose Thunfisch aus dem Regal holt, überzeugen eine Doku über industriellen Fischfang anzusehen. Ich habe aber im Laufe der letzten Jahre gelernt, dass ich mit diesen Motivierungen nicht weit komme, weder mache ich mir Freund*innen noch kann ich die Welt retten. Deswegen versuche ich, mehr Leichtigkeit in mein Leben zu bringen und nichts und niemanden allzu ernst zu nehmen – am wenigsten mich selbst.

Vor einem Aufbruch und Neubeginn werden wir jetzt alle gesellschaftlich und persönlich stehen. Was wird dabei wesentlich sein und welche Rolle kommt dabei dem Tanz, der Kunst an sich zu?

Die Kunst bringt Ästhetik in gesellschaftliche Diskurse, sie „versinnlicht“ trockene Debatten, macht sie greif- und erfahrbar. Kunst geht unter die Haut, schockiert, tröstet, im besten Falle: inspiriert. In 2-3 Jahren haben wir gelernt mit dem Virus zu leben, dann sind alle Staaten verschuldet, die Gräben in der Gesellschaft (ideologisch, einkommensbezogen, …) tiefer geworden. Über die Landesgrenzen hinaus müssten wir sowieso alle unseren Erfindungsreichtum bündeln, um unseren Lebensraum in den nächsten Jahrzehnten nicht vollkommen zu zerstören; wenn nicht aus Gründen der Ästhetik, dann vielleicht aus Mitgefühl für unsere pflanzlichen wie tierischen Mitkreaturen, oder zumindest aus purem Egoismus.

(Hallo Weltschmerz)

Was liest Du derzeit?

Definitiv zu viele Facebook-Postings.

Ansonsten: Ingeborg Bachmann: Simultan; Eva Menasse: Vienna; Valerie Fritsch: Herzklappen von Johnson&Johnson (kann ich alle drei empfehlen!)

Welches Zitat, welchen Textimpuls möchtest Du uns mitgeben?

„Du musst dich nicht an dem nächstbesten Idioten orientieren. Du kannst dich auch einfach so verlaufen.“

Aus dem Song: „Du musst gar nichts“, von „Die Sterne“

Vielen Dank für das Interview liebe Natalie, viel Freude und Erfolg für Deine großartigen Tanz-, Literatur-, Kunstprojekte und persönlich in diesen Tagen alles Gute!

5 Fragen an Künstler*innen:

Natalie Campbell, Schriftstellerin,Tänzerin.
Transdisziplinäre Künstlerin im Feld von Literatur und Performance

https://www.nataliecampbell.at/

Foto_Ela Daple.

18.11.2021_Interview_Walter Pobaschnig. Das Interview wurde online geführt.

https://literaturoutdoors.com

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